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Rezensionen von Bellis-Perennis:

Fesselnd bis zur letzten Seite

Die Clique der Ehrlosen von Thomas Majhen

„Eine ganz kleine Clique ehrgeiziger, gewissenloser und zugleich unvernünftiger, verbrecherisch-dummer Offiziere hat ein Komplott geschmiedet, um mich zu beseitigen und mit mir den Stab praktisch der deutschen Wehrmachtführung auszurotten.“ (Auszug aus Adolf Hitlers Rundfunkansprache vom 21. Juli 1944 nach dem misslungenen Attentat in der Wolfschanze).

Diesem Zitat und der Widerstandsbewegung rund um Stauffenberg geht eine andere Verschwörung, die schon 1938 das Ziel, Hitler auszuschalten, hatte, und erst im Zuge der Verhaftungen von 1944 aufgedeckt wurde, voraus.

Von dieser Verschwörung, in der unter anderem Hans Oster, Wilhelm Canaris und eine Reihe von adeligen Wehrmachtsoffizieren schon früh erkannt haben, dass das NS-Regime und Hitler Deutschland in den Abgrund reißen würden, handelt dieses Buch.

In zwei Handlungssträngen bringt uns Autor Thomas Majhen die dramatischen Ereignisse näher. Da ist zunächst jener der Verschwörer, der einerseits über die Vorbereitungen zum Umsturz von 1938 und andererseits die Monate nach dem 20. Juli 1944 beleuchten.

Der zweite Handlungsstrang führt uns in das Leben von vier Unterprimanern, die stellvertretend für die breite Masse stehen, die der Propaganda und dem Druck des Regimes nachgeben (müssen).

Anders als das Stauffenberg-Attentat ist diese Verschwörung von Hans Oster, Wilhelm Canaris und den Offizieren in der (heutigen) Öffentlichkeit nur wenig bekannt. Ausgang von Osters Bemühungen das Regime zu stürzen, ist unter anderem die „Blomberg-Fritsch-Affäre“. Mit falschen Anschuldigungen werden Werner von Fritsch und Werner von Blomberg, beide Kritiker von Hitler, aus ihren Ämtern entfernt. Hans Oster ist bereits vor 1938 erschreckend weitsichtig und versucht, Gleichgesinnte im In- und Ausland zu überreden, gegen die Nationalsozialisten und Hitler vorzugehen.

Meine Meinung:

In akribisch recherchierten Details lässt uns der Autor an der Verschwörung der Offiziere, die seit je her ein besonderes Ehrgefühl an den Tag legen - eine eingeschworene Gesellschaft, die vor allem der Tradition verpflichtet ist, teilhaben. Sie verstehen sich unter anderem als Hüter Deutschlands, wie folgendes Zitat zeigt.

"Unsere Aufgabe, unsere oberste Pflicht als Offiziere besteht darin, Deutschland vor Schaden zu bewahren."

Daher ist die Todesstrafe durch erhängen, eine besondere Schmähung der Offiziersehre. Den Tod durch ein Erschießungskommando oder das Fallbeil hätten die meisten vorgezogen. Nicht dass es etwas am Ergebnis geändert hätte, aber es wäre in ihren Augen ein ehrenvoller Tod gewesen.

Sehr interessant zu lesen ist, wie Hans Oster sein Netzwerk peu à peu aufbaut. Selbst jene, die dann doch nicht mitmachen, schweigen aus Respekt. Dass es dennoch eine große Zahl von adeligen Offizieren gab, die willfährige Helfer der Diktatur waren, darf nicht verschwiegen werden.

Besonders eindrücklich sind die Gedanken von Hans Oster in der Haft geschildert. Zwischen brutalen Verhören, in denen die Mitverschwörer gegen einander ausgespielt werden (sollen) und der Isolierhaft, hat Oster Zweifel, ob er nicht zu wenig getan hat, um das Regime zu beseitigen.

"... Deine Ziele waren von Beginn an zu ehrgeizig und unmöglich zu erreichen. Und doch war die übermenschliche Aufgabe, die du dir zu eigen gemacht, waren die Strapazen, denen du dich unterworfen hast, nicht umsonst. Nichts, das zum Wohle Anderer unternommen, kein Leid, das zum Schutze Wehrloser erduldet wird, ist je umsonst. Denk nur an all die Leben, die du mit deinem Opfer gerettet hast." (S. 391)

Anders als in der Wirklichkeit lässt der Autor die Verschwörer 1938 einen Putschversuch unternehmen.

Fazit:

Der Geschichte einer Gruppe von Offizieren, die alles andere als ehrlos waren, gebe ich gerne 5 Sterne und eine unbedingte Leseempfehlung.

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Eine gelungene Fortsetzung

Mitte von Kat Menschik; Volker Kutscher

Dieses Buch widmet sich mit einem Seitenblick Fritz Thormann, dem Pflegesohn von Charly & Gereon Rath.
In einem Briefwechsel mit Charly und Sarah berichtet Fritz, wie es ihm ergangen ist, seit er unter falschem Namen in Berlin lebt. Die Nachricht vom Tod Gereons trifft ihn hart.
Fritz ist reichlich naiv, denn er glaubt noch an das Briefgeheimnis.

Er ahnt nicht, dass ihn die Gestapo überwacht.

Fazit:

Ein kurzer Einblick in Fritzens Leben, der von Kat Menschik illustriert ist - ähnlich wie "Moabit" eine Zusatzlektüre zur Gereon-Rath-Reihe. Gerne gebe ich 4 Sterne

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Ein interessanter hist. Roman

Zehn unbekümmerte Anarchistinnen von Daniel de Roulet

Saint-Imier, eine Kleinstadt im Schweizer Jura, und deren Uhrenmanufakturen 19. Jahrhundert sin die Kulisse für dieses interessante Buch.

1872 arbeiten viele Menschen in den Manufakturen von Longines und Heuer - weltweit bekannte Uhrenmarken. Vor allem Frauen, die tagaus und tagein die selben Handgriffe machen müssen, um eine der Präzisionsuhren zu erschaffen, sind es leid, um ein Drittel weniger bezahlt zu bekommen sowie nebenbei den Haushalt und Kindererziehung zu schupfen, immer der Gefahr ausgesetzt, beim Schwanken der Auftragslage als erste gekündigt zu werden.

Einige, nach Unabhängigkeit von Macht und Kapital strebenden Menschen, schließen sich auch in der Schweiz, nach dem Pariser Vorbild, zu „Kommunen“ zusammen. So wird 1872 nach einem Besuch von Michail Bakunin, einem Gegenspieler von Karl Marx, die „Internationale der antiautoritären Föderation“ gegründet.
Zahlreiche Bewohner lassen sich von den Idealen anstecken. Unter anderem zehn Frauen, deren Geschichte hier in diesem Buch anhand von Dokumenten recherchiert und nacherzählt wird.

Zehn Frauen, die es leid sind, von Fabrikanten, Pfarrern, Männern und den Umständen im Allgemeinen gegängelt zu werden, beschließen nach Südamerika auszuwandern und dort ein unabhängiges Leben zu führen.
Sie bereiten sich akribisch vor. Jede besorgt sich als Kriegskasse eine Longines 20A. Als Vorhut verlassen Colette und Juliette, ein Liebespaar, die Schweiz. Die beiden werden bald nach ihrer Ankunft in Puntas Arenas ermordet. Von wem bleibt im Dunklen. Spielt hier ihre Homosexualität eine Rolle oder „nur“ die Unangepasstheit oder die beiden liebevoll „Zwiebeln“ genannten Longines 20A? Diese Uhren, die durch die Hände der 10 Frauen gegangen sind, werden noch eine Rolle spielen, denn durch heimlich angebrachte Gravuren lässt sich herausfinden, wessen Uhr es ist.

Trotzdem machen sich die acht anderen Frauen auf, ihren Traum von Freiheit auszuleben. Auf der Überfahrt, auf dem Schiff sind auch zahlreiche andere verbannte Anarchisten, stirbt Emilie bei der Geburt ihres Kindes - da waren’s nur mehr sieben.

In Patagonien angekommen, gründen sie gegen alle Widerstände eine Bäckerei und eine (eh klar) Uhrmacherwerkstatt. Sie müssen sich gegen die Kolonialbeamten, einer wie der andere korrupt und gewalttätig, wehren.

Letztendlich bleibt nur die Bericht erstattende Valentine Grimm am Leben, die 1910 in Montevideo Zeugnis gibt, vom Versuch ihre persönliche Freiheit zu finden und eine bessere Welt zu gründen. Manchmal muten ihre Visionen reichlich naiv an. Doch sie beißen sich durch und müssen mehrmals einen Neuanfang wagen.

Interessant finde ich, dass Valentin, obwohl nun alleine, immer das „WIR“ benützt.

Fazit:

Eine höchst interessante Geschichte von zehn wagemutigen Frauen, die auszogen, ihre persönliche Freiheit zu finden. Gerne gebe ich hier 4 Sterne.

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Fesselnd bis zur letzten Seite

Zehn unbekümmerte Anarchistinnen von Daniel de Roulet

Vier Attentäter in geheimer Mission für Frieden und Freiheit

Als der junge U-Boot-Kommandant Wolf Littke in britische Kriegsgefangenschaft gerät, hat er die Wahl zwischen seiner Exekution und einem Himmelfahrtskommando zur Ermordung Hitlers. In der Hoffnung, den Krieg so zu beenden, springt er zusammen mit drei anderen Geheimagenten, einem Juden, einem Weißrussen und einem Polen, mit dem Fallschirm über Ostpreußen ab, um den Führer in seinem Hauptquartier Wolfsschanze in die Luft zu sprengen.

Doch Wolf hat, wie auch die anderen drei, auch ganz eigene Motive: Er will in Königsberg seine Geliebte finden und mit ihr fliehen.

Soweit der Inhalt.

Meine Meinung:

Jürgen Ehlers ist ein fesselnder historischer Roman rund um die Bemühungen verschiedenster Gruppen, durch ein Attentat auf Adolf Hitler den Zweiten Weltkrieg endlich zu beenden. Die Alliierten sind am 6. Juni 1944 in der Normandie gelandet und kämpfen sich vorwärts. Doch die Nazi-Diktatur wirft alle verfügbaren Kräfte nach vorne, obwohl den meisten Militärs bereits bewusst ist, dass der Krieg verloren ist. Nur Hitler glaubt noch an einen gloriosen Endsieg. Einer von denen, die wissen, wie die Lage tatsächlich aussieht, ist Walter Schellenberg, nach der Verhaftung seines Vorgesetzten, Admiral Wilhelm Canaris, Chef der Abwehr und SS-General. Und er nützt seine Informationen für seine eigenen Interessen:

Wie die Figuren auf (s)einem Schachbrett benutzt Schellenberg die Menschen. Unter anderem auch Bernd Nitz, einen ehemaligen Schulkollegen von Wolf Littke, der ein perfides doppeltes Spiel spielt. Der schwarze König trägt eine Brille und sieht Heinrich Himmler ziemlich ähnlich, während der dicke weiße König wohl Winston Churchill darstellen soll (S.127).

Doch Schellenberg und Nitz sind nicht die einzigen, die durch undurchsichtige Machenschaften auffallen. Wird der britische SOE Wolf und seine Gruppe, wenn sie überleben, tatsächlich aus Deutschland herausholen? Oder wird man die Versprechen vergessen und die vier Männer (so wie einige andere) als Kollateralschaden abschreiben?

Noch bevor Littke zu seinem Himmelfahrtskommando aufbricht, führt er ein vielsagendes Gespräch mit einem britischen Offizier. Wolf will wissen, warum die Alliierten Hitler nicht direkt töten. Der Mann redet sich auf die mangelnde Reichweite der Flugzeuge aus. Man komme nicht bis zur Wolfschanze. Dass er, Wolf, hier eine Lüge aufgesessen ist, erfährt er bei der Bombardierung von Königsberg, als er entdeckt, dass britische Bomber über das neutrale Schweden anfliegen.

Die Charaktere sind wieder sehr gut herausgearbeitet. Manchmal hätte ich Wolf wegen seiner Naivität schütteln mögen. Allerdings ist das meinem Wissen von heute geschuldet. Wenn man mitten drinnen steckt, stellt sich die Sachlage vielleicht anders dar. Als Offizier hat er natürlichen einen hohen Anspruch an sich selbst und andere. Es kommt ihm nicht in den Sinn, dass er von Nitz verraten werden könnte. Rahel, die er aus dem KZ befreit hat, hat da schon anderes erlebt und kann nicht mehr an das Gute im Menschen glauben.

„Ich habe immer so gespielt, wie es für mich am nützlichsten war. Ich habe die Häuser und das Gold der Juden an mich gebracht und meine Geschäfte damit gemacht. Ich habe für die Nazis gespielt, weil es am meisten eingebracht hat. Wenn die Nazis den Krieg gewonnen hätten, hätte ich auf jeden Fall gewonnen. Aber ich habe mich abgesichert. Wenn der Umsturz gelungen wäre, hätte ich auf der Seite der Attentäter gestanden.“ (S. 380)

Wie wir es von Autor Jürgen Ehlers gewöhnt sind, ist dieser historische Roman penibel recherchiert. Gekonnt werden Fakten und Fiktion miteinander verwoben.
Es wird uns vor Augen geführt, dass die Gruppe um Wolf Littke ziemlich lange auf die richtige Gelegenheit, den Sprengstoff zu platzieren warten muss. Und dann ist noch die Unwägbarkeit des Adolf Hitler, der sprunghaft mehrmals seine Meinung ändert. Doch Geduld scheint nicht die große Stärke der vier höchst unterschiedlichen Männer zu sein. Deshalb gehen sie zwischendurch ihren eigenen Plänen nach. Letzten Endes ist dann die Widerstandsgruppe rund um Stauffenberg mit dem bekannten unglücklichen Ausgang schneller.

Der Schreibstil ist wie immer fesselnd. Ein umfangreiches Nachwort sowie ein Personen- und Ortsverzeichnis ergänzen das Buch.

Fazit:

Ein gelungener historischer Roman, der bis zur letzten Seite fesselt. Gerne gebe ich hier 5 Sterne.

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Hat mich bestens unterhalten

Gourmetkatz von Kaspar Panizza

In ihrem sechsten Kriminalfall bekommen es KHK Steinböck und Frau Merkel, seine gefräßige Katze, mit zwei Mordfällen zu tun, die zunächst nichts miteinander zu tun zu haben scheinen.

Zum einen entdeckt Sabine „Harry-Potter“ Husup, ihres Zeichens nervige Reporterin, auf ihren Urlaubsvideos eine Szene, auf der ein Mann über eine spanische Klippe gestoßen worden ist.

Als wenig später ihre Freundin Putzi, ebenfalls Reporterin, verschwindet, wendet sie sich hilfesuchend an Steinböck. Der Mann auf dem Video kann als Johann Kerbel, Haubenkoch aus München, identifiziert werden.

Den zweiten Toten fischt Steinböcks Schulkollege Sokrates aus der Isar. Schnell steht fest, dass es sich um einen rumänischen Erntehelfer handelt, dem kurz vor seinem Tod, eine Niere und ein Stück seiner Leber entnommen worden ist. Ein Opfer der Organmafia?

Steinböck und sein Team sind wieder gefordert. Ilona ist inzwischen frisch gebackene Kommissarin und darf in Spanien recherchieren.

Meine Meinung:

Mit diesem Krimi ist es Autor Kaspar Panizza wieder gelungen, mich bestens zu unterhalten. Ich habe das Buch an einem Nachmittag gelesen.

Steinböcks Dialoge mit seiner Katze sind einfach herrlich! Zusätzlich wird das lang gehütete Geheimnis um Steinböcks Vornamen gelüftet. Nein, ich kann schweigen wie ein Grab und verrate sie nicht.

Doch neben aller Leichtigkeit durch die manchmal anstrengende Katze nimmt sich der Autor eines ernsten Themas an: dem illegalen Organhandel. Während in vielen Ländern Europas jede Person durch die sogenannte „Widerspruchslösung“ als potenzieller Organspender gilt, dürfen in Deutschland nur jenen Hirntoten Organe entnommen werden, die auch einen Organspendeausweis mit sich führen. Das führt zu einem eklatanten Missverhältnis zwischen Spendern und Empfängern und spielt der skrupellosen Organmafia in ihre Hände. Jeder, der genug Geld aufbringt, erhält das passende Organ, das zuvor „Freiwilligen“ unter dubiosen Umständen entnommen worden ist.

Nebenbei nimmt der Autor noch die Dekadenz der Gourmet-Köche aufs Korn, die unverschämt, Steaks vom Kobe-Rind verkochen, dessen Fleisch 600 Euro pro Kilo kostet. Eine Summe, von der so mancher leben muss.

Gut gefällt mir, dass sich die Charaktere weiter entwickeln dürfen. Emil spielt Rollstuhlbasketball, Ilona hat ihre Ausbildung zur Kommissarin mit Auszeichnung bestanden und mit der neuen Polizeipräsidentin Lotta scheint sich Steinböck gut zu verstehen. Selbst die harsche Tamara, Herrin über die Kantine, wird ein wenig umgänglicher.

Natürlich ist möglich, diesen Krimi solo zu lesen. Doch ich empfehle die Reihe bei Band eins („Saukatz“) zu beginnen, sonst brächte man sich um ein herrliches Lesevergnügen.

Fazit:

Ein Krimi, der mich bestens unterhalten hat und dem ich gerne sowohl eine Leseempfehlung als auch 5 Sterne gebe.

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Verlorenes entdecken

Lost Places in der Alpen-Adria-Region von Georg Lux; Helmuth Weichselbraun

„Lost Places“ entdecken erfreut sich seit einigen Jahren großer Beliebtheit. Dieses Buch führt uns in die Alpen-Adria-Region, also ein Gebiet, das eine wechselvolle Geschichte hinter sich hat. Sei es, dass es mehrmals Schauplatz kriegerischer Auseinandersetzungen oder wirtschaftlichen Aufschwung mit späterem Niedergang erleben musste.

Wir begleiten die Autoren Georg Lux & Helmuth Weichelsbraun nach Kärnten (Österreich), in das Kanaltal (Italien) und in den Karst des ehemaligen Jugoslawien.

Hier werden die unterschiedlichsten „Lost Places“ und ihre Geschichte vorgestellt. Ein kleiner Auszug:

Alte Verkehrswege wie der verfallende Bahnhof „Tarvisio Centrale“ oder der Karawankenbahntunnel oder die Strada Napoleonica
Wehrhafte Gemäuer wie die beiden Fort Hensel bzw. Fort Beisner oder die Burgruine Hochkraig
Verlassene Industrieanlagen wie die Stärkefabrik Chiozza oder die Torpedofabrik Whithead
Vergangene Vergnügungen wie das Baseballstadion Prosecco oder das mondäne Hotel Haludovo

Nicht verschwiegen werden Eingriffe in die Natur, die sich bis heute verheerend auf die Menschen und die Landschaft auswirken: Talsperren, geflutete Dörfer und ins Rutsche gekommene Berghänge, die den allzu technikgläubigen Investoren das Fürchten lehr(t)en.

Fazit:

Anders als in anderen Büchern über „Lost Places“, wird in diesem nicht nur das Offensichtliche, sondern auch das Verschwundene beleuchtet. Nicht nur brillante Fotos, sondern auch Hintergrundinformationen bereichern diese abenteuerliche Spurensuche wider das Vergessen. Dieses Buch verdient 5 Sterne.

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Rezensionen von Claudia R:

wunderschöne Illustrationen, Geschichte ausbaufähig ...

POLAAH und das verlorene Rentier von Michael Engler

Klappentext / Inhalt:

Dick, dicht und schwer lag der Nebel über Bibberland, diesem Flecken Erde zwischen dem ewigem Eis des Nordens und der endlosen, baumlosen Weite. Überall Stille. Aber wenn man genau hinhörte, seine Ohren spitzte, dann waren da doch Geräusche. // »Gefahr!«, sagte Polaah ernst und drehte sich um.

// »Wir müssen herausfinden, was es genau ist.« // Dann sahen sie es ...
Polaah, der Polarfuchs, GruGru, die Schneeeule, Hops, der Schneehase und Mampf, der Vielfraß, entdecken im kalten Nebel von Bibberland ein Rentier. Eingeklemmt in einer Eisspalte ruft es um Hilfe. Es hat Angst. Es ist allein. Denn seine Familie, die Freunde, seine Herde sind schon weit weg in Richtung Süden. Aus eigener Kraft kommt das Rentier nicht heraus. Das ist klar. Die Tiere wollen ihm helfen. Doch schaffen sie das? Streit kommt auf, wem das Rentier gehört. Bald zeigt jedes Tier seinen wahren Charakter. Nur Polaah verhält sich anders. Werden sich Eigensinn, Engstirnigkeit und Borniertheit oder Redlichkeit und Freundschaft durchsetzen? (übernommen)

Cover:

Das Cover ist wunderschön gezeichnet. Eine verschneite Landschaft und mittendrin ein Rentier und ein Polarfuchs Schnauze an Schnauze. Sehr liebevoll wirkt die Zeichnung und vermittelt sehr viel Wärme und Herzblut, welches hier in der Zeichnung und dem Cover steckt.

Meinung:

Ein wunderschön gezeichnetes Kinderbuch, bei dem mir leider der Inhalt ein wenig an Tiefe fehlt. Hier hätte ich mir etwas mehr gewünscht.

Die Geschichte handelt von Polaah, dem Polarfuchs und seinen Freunden dem Schneehasen, der Schneeeule und dem Vielfraß. Als ein Rentier ihre Hilfe braucht, ist jedoch nur Polaah dazu bereit, diesem wirklich zu helfen und selbst als er anmerkt, dass sie es gemeinsam schaffen würden, hauen die anderen Tiere ab, stellen aber zuvor Besitzansprüche an dem Rentier. Als Polaah es dann schafft das Ren zu befreien, ist nicht etwa die Moral, dass man niemanden gehört und es frei ist, sondern ein Ziesel taucht auf und sagt, dass das Rentier schon lange ihm gehört. Irgendwie hatte ich hier etwas anderes erhofft und so war die Geschichte und auch die Moral dahinter nicht so richtig rund für mich.

Auch war es für mich wenig verständlich warum alle Tiere sprechen konnten, außer dem Rentier, dies konnte nur ein Mööp äußern. Und auch Freundschaft und Hilfsbereitschaft, kommt für mich hier nicht klar genug rüber. Ja klar, Polaah hilft dem Ren, aber alle anderen gehen einfach und am Ende ist das Ren nicht wirklich frei. Irgendwie schade.

Denn die Zeichnungen und Illustrationen sind wirklich wunderschön und sehr liebevoll. Hier merkt man, wieviel Herzblut darin steckt. Allein anhand der Bilder und Illustrationen hätte ich am liebsten 5 Sterne vergeben, aber leider konnte mich die Geschichte nicht abholen und auch nicht überzeugen. Sehr schade.

Fazit:

Wunderschöne Illustrationen, aber leider konnte mich die Geschichte nicht überzeugen.

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LIebe auf den zweiten Blick

Triest für Fortgeschrittene von Georges Desrues; Erich Bernard

Triest gerät im Gegensatz von anderen italienischen Reisezielen ein wenig ins Hintertreffen. Anders als sein berühmtes, aber lautes Gegenüber, Venedig, strahlt Triest ein wenig verhalten. An einigen Orten wähnt man sich in die Zeit der Habsburger zurückversetzt. Das macht für mich den Charme der Stadt aus.

Dieser Reiseführer ist eben für „Fortgeschrittene“ in Sachen Triest. An Hand von zahlreichen Spaziergängen kann der aufgeschlossene Besucher auch Bereiche abseits der üblichen Touristenpfade kennenlernen. Der Leser schlendert unter anderem auf den Spuren von Maximilian, dem Bruder von Kaiser Franz Joseph, der als Kaiser von Mexiko ein tragisches Ende genommen hat, durch die Stadt. Er hat ja mit dem Schloss Miramare einen touristischen Hotspot geliefert.
Die beiden Autoren stellen bei ihren Spaziergängen zahlreiche andere architektonische Besonderheiten wie Bauten des italienischen Jugendstils oder die mächtigen Trutzburgen des Faschismus.

Natürlich dürfen auch kulinarische Highlights und Tipps nicht fehlen! Ein bisschen Wehmut schwingt mit, wenn über das Schicksal der Fischer und der Märkte berichtet wird, die kaum mehr vorhanden sind.

Wissenswertes über die Stadt und das Umland wird charmant präsentiert. Die einzelnen Kapitel lassen sich schnell lesen. Fast alle Ziele lassen sich mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichen.

Fazit:

Eingelungener Reiseführer zu einer Stadt, deren Schönheit sich erst auf den zweiten Blick entfaltet. Gerne gebe ich hier 5 Sterne.

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Regt zum Nachdenken an

Zeit des Zweifels von Peter Fritz; Hannelore Veit

Der Terroranschlag vom 11. September 2001 jährt sich zum 20. Mal. Anlass genug der beiden österreichischen Journalisten, die damals in unmittelbarer Nähe waren, darüber und die nachfolgenden Ereignisse Bilanz zu ziehen.

In folgenden Kapiteln machen sich Peter Fritz und Hannelore Veit Gedanken darüber, wie sich Europa und die USA verändert haben.

Die Stunde der Gewalt - Terror als Instrument der Politik
Die USA, ein zerrissenes Land
Transatlantische Verhältnisse
China, die aufstrebende Supermacht
Herausforderungen der Zukunft
Wie weiter?

Natürlich kann hier keine Lösung angeboten werden, dennoch ist die sachliche Betrachtung aus verschiedenen Blickwinkeln interessant zu lesen.

Die Terroranschläge sind so etwas wie eine Zäsur. Noch bleibt ein wenig Zeit zur Abkehr von Gewalt und Gegengewalt, bevor sich die Menschheit mit ihren Massenvernichtungswaffen und ihrem Raubbau an der Umwelt selbst vernichtet. Doch wer soll damit beginnen? Die einzelnen Länder/Mächte sind längst nicht mehr einig, sich den Herausforderungen zu stellen, wie z.B. nach dem Zweiten Weltkrieg, als es um den Wiederaufbau im zerstörten Europa ging. Es scheint, als würde derzeit eher das Trennende als das Gemeinsame den Ton angeben.

Fazit:

Diesem Buch, das die Zweifel an der Richtigkeit mancher Aktion nährt, gebe ich gerne 4 Sterne.

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Kärnten ist immer eine Reise wert

111 Orte in Kärnten, die man gesehen haben muss von Hlavac Franz; Hopfmüller Gisela

Ein weiterer Band aus der Reihe „111 Orte, die man gesehen haben muss“, der uns zu besonderen Orten führt: diesmal in Österreichs südlichstes Bundesland Kärnten.

Das Journalistenehepaar Gisela Hopfmüller und Franz Hlavac zeigen hier Schätze, die man nicht unbedingt auf den ersten Blick als solche erkennt.

Von A wie Althofen bis W wie Wolfsberg bereisen wir gemeinsam Kärnten, das mehr zu bieten hat als Schicki-Micki am Wörthersee und die Bike-Woche rund um den Faaker See.

Als halbe Kärntnerin sind mir fast alle der genannten Orte bekannt, dennoch konnte auch ich Neues entdecken, z.B. die „Türkei“ (S. 206) zwischen Villach und dem Faaker See gelegen, hat der Legende nach mit den Türkenkriegen zu tun.


Das Autoren-Duo erzählt spannende Geschichten und verbindet diese mit prächtigen Fotos abseits von kitschigen Postkartenmotiven. Obwohl, eine Postkarte spielt rund um das Schloss Seefeld (Pörtschach S. 154) eine große Rolle.

Fazit:

Kärnten ist immer eine Reise wert und mit diesem Reiseführer lassen sich zahlreiche Kleinode entdecken. Gerne gebe ich 5 Sterne.

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