Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Claudia H.:
Rastlos
Der Wunschbaum im Neonregen von Julia Dankers
Worum es geht:
Loona ist unglücklich und leider nicht dazu imstande, über ihre Probleme zu reden. Sie läuft lieber davon, hinein in die Nächte Hamburgs und versinkt dort mit ihrem Kumpel Nick. Ihre Lebensgefährtin Larissa kommt deswegen häufig um vor Sorge, da sie nie weiß, wann Loona nach Hause kommt und wo sie sich rumtreibt.
Als dann eines Tages eine Polizistin vor ihrer Tür steht, wird das die Leben aller Beteiligten ganz schön auf den Kopf stellen.
Mein Fazit:
Man ist gleich mitten drin in der Story, so mag ich das immer gerne. Die Story wird abwechselnd aus der Sicht der jeweiligen Protagonisten erzählt. Loona hat wirklich massive Probleme und wir erfahren, wie sie alle um sich herum mit sich reißt. Irgendwann muss auch sie sich dennoch den Tatsachen stellen, sodass sie hier eine interessante Entwicklung durchmacht. Die Story ist spannend geschrieben. Manchmal wird mir hier allerdings zu viel erzählt, was die Story aber gar nicht weiterbringt. Nicht jeder Gedanke der Protagonisten ist auch erzählenswert und für mich manchmal auch nicht so ganz nachvollziehbar. Auch hierfür gibt es jedoch Liebhaber, die hier voll auf ihre Kosten kommen. Ich habe manchmal einfach quergelesen, was ich nicht weiter schlimm fand. Die Themen, die hier behandelt werden, sind schon was ganz Neues.
Deshalb gibt es von mir eine Leseempfehlung und ich vergebe 4 Sterne.
Rezensionen von brauneye29:
Tolles Buch
Darkly von Marisha Pessl
Zum Inhalt:
Dia würde alles dafür tun, das begehrte Praktikum an der Louisiana-Veda-Foundation zu bekommen, denn sie ist von Veda und deren genialen Darkly-Spielen total begeistert. Als sie mit sechs weiteren Praktikanten auf die abgelegene Insel des Veda-Imperiums gebracht worden ist, wird schnell klar, dass sie sich in einem Spiel um Leben oder Tod befindet.
Meine Meinung:
Mich hatte das Cover schon magisch angezogen und der Klappentext lässt echt auch auf ein gutes Buch hoffen und die Hoffnung wurde auch nicht enttäuscht. Ich habe zwischenzeitlich völlig vergessen, dass es eigentlich ein Buch für eine jüngere Leserschaft ist, weil das Buch gut geschrieben und auch sehr gut gelesen wurde. Die Story ist spannend, fantasievoll und die Protagonisten sind gut beschrieben. Man kann auch selbst immer miträtseln, was den Reiz eines Buches natürlich erhöht, weil es eben immer wieder neue Entwicklungen gibt. Insgesamt ein Buch, dass mir richtig gut gefallen hat.
Fazit:
Tolles Buch
Rezensionen von brauneye29:
Spannend
Die geheime Grotte von Garda von Isabella Archan
Zum Inhalt:
Eigentlich wollte Edwina nach dem geklärten Fall ein paar unbeschwerte Tage am Gardasee genießen und die aufgestaute Wut in den Griff bekommen. Doch dann beobachtet sie wie ein kleiner Junge bedroht wird. Sie hilft ihm, aber er weigert sich mit ihr zu sprechen. Während sie durch den Ort laufen, erfährt sie nur wenig über ihn, aber wenigstens seinen Namen.
Und sie spürt eine Gefahr für den Jungen.
Meine Meinung:
Wenn ich Romane sehe, die am Gardasee spielen, muss ich die förmlich lesen, da geht kein Weg weg dran vorbei. Und hier hat sich das durchaus gelohnt. Neben den wirklich guten Umgebungsbeschreibungen wird ein wirklich spannender Krimi erzählt, bei dem Edwina natürlich auch mit reingezogen wird. Und es kommt wie es kommen muss, bei den Recherchen wird es immer gefährlicher. Der Schreibstil hat mir gut gefallen und ich habe die Lektüre genossen.
Fazit:
Spannend
Rezensionen von ytheyrr:
Nostalgie
You and Me - Die zweite erste Liebe von Josie Lloyd; Emlyn Rees
You and Me – Die zweite erste Liebe von Rees und Lloyd ist eine schöne Geschichte die für nostalgische Gefühle sorgt.
Adam und Jules sind seit über 30 Jahren ein Paar. Doch nach Jahrzehnten der Ehe ist der Funke im Alltagstrott zwischen Kind, Karriere und Routine fast erloschen. Als sie beim Ausmisten auf ihre alten Mixtapes stoßen, geschieht das Unfassbare: Die Musik katapultiert sie zurück in die Vergangenheit, direkt in die Momente ihres Kennenlernens Ende der 80er Jahre.
Die Mixtapes dienen als eine Art Zeitmaschine, und die Geschichte weckt Erinnerungen and Früher. Die Geschichte verbirgt viele Emotionen und die Charaktere sind sehr gut dargestellt. Es gibt auch einige humorvolle Stellen, sodass die gesamte Sprache sehr locker wirkt.
Das Cover passt sehr gut zum Inhalt des Buches. Das Schreibstil ist flüssig und angenehm.
Insgesamt ein schönes Buch die ich empfehlen kann.
Rezensionen von nessabo:
Interessante Ausgangslage, aber zu nüchtern-distanziert weitergedacht
Toyboy von Jonas Theresia
Das Debüt von Jonas Theresia hat mich stark an ähnliche Bücher junger, männlicher, politisch links anmutender Männer erinnert (zuletzt bspw. an „Super einsam“). Und sie eint leider alle etwas, das ich in Büchern einfach nicht so gern mag - eine nüchterne Erzählweise mit emotionaler Distanz und skurril-trippigen Elementen.
Das ist mir auch bei diesem Werk wieder zum Verhängnis geworden, sodass ich ziemlich lange und mit großen Pausen an ihm gelesen habe. Ich konnte einfach keine Verbindung zum Protagonisten herstellen. In manchen Szenen blitzte seine Emotionalität auf, aber viel zu schnell härtete der Charakter sich wieder ab.
Dabei gab es auf dem Klappentext durchaus Elemente, die mich sehr interessiert haben. Die 6arbeitskomponente bei Männern spricht mich an und die wackelnde Beziehung zum jüngeren, sozial abgeschotteten Bruder hätte viel Potenzial gehabt, mich emotional zu ergreifen. Aber beides wurde für mich nicht zufriedenstellend umgesetzt. Der Job wirkte ziemlich fad und irgendwie irrelevant, die Beziehung ging mir nur selten unter die Haut. Levins Unsicherheit im Umgang mit seinem Bruder Gregor hat mich manchmal wirklich berührt, aber insgesamt einfach zu selten.
Und ich muss ehrlich sagen, dass diese Art Erzählung beginnt mich etwas zu langweilen. Warum bleibt es so oberflächlich, warum wird mehr Wert auf eine ziemlich trippige, weirde Szene am Ende gelegt als auf den emotionalen Ausbau des Protagonisten? Mich hat die Geschichte somit leider mehr deprimiert als berührt oder unterhalten.
2,5 Sterne
Rezensionen von nessabo:
Ein inhaltlicher Donnerschlag - aber sprachlich wirklich (!) anspruchsvoll
Die Routinen von Son Lewandowski
Ich war so begeistert von den ersten Besprechungen und dem Inhalt des Romans, dass ich ihn unbedingt lesen wollte. Und er ist für mich unheimlich schwer zu greifen, weil da zwei sehr widersprüchliche Bewertungen in mir sind.
Das Werk ist sprachlich unglaublich anspruchsvoll! Poetisch-verschnörkelt und zugleich roh reiht Son Lewandowski ihre Worte aneinander.
Sie springt so rasant zwischen Realem und Fiktivem, zwischen konkreter Handlung und Gedankenschnipseln, dass der Text oft unmöglich zu greifen ist. Mit Sprachstilen, die schon kompliziert sind, habe ich es wirklich überhaupt nicht. Ich brauche eine direkte Sprache ebenso wie eine klare Struktur.
Doch während ich bei anderen Büchern an dieser Stelle schon längst abgebrochen hätte, hat mich Lewandowski irgendwie doch halten können und ich verstehe es zwar nicht, rechne es ihr aber hoch an. Was ich ebenso bemerkenswert finde, ist die Nähe zum Thema, die die Autorin hier schafft. Würde ich es nicht besser wissen, würde ich sicher davon ausgehen, dass sie selbst Kunstturnerin war. Sie schreibt so dermaßen detailliert über diese Welt, dass ich nur meinen Hut ziehen kann vor ihrer Rechercheleistung.
Einerseits erzählt Lewandowski die fiktive Geschichte der Turnerin Amik, webt in diese aber gleichzeitig reale Ereignisse mit ein. Ob Nadia Comaneci, Olga Korbut, Dominique Moceanu, Kerri Strug oder Simone Biles - über Zitate und Berichte werden ihre Erlebnisse eingebunden in eine fundierte Systemkritik. Diese formuliert die Autorin jedoch selten für uns aus, bleibt vage und wird doch deutlich genug.
Es geht um ein System, dass Leistung über absolut alles stellt, Essstörungen sowie Missbrauch auf verschiedenen Ebenen Tür und Tor öffnet, alles Weibliche gleichermaßen voyeuristisch zur Schau stellt wie verachtet. Einige Sätze der Autorin waren schlicht ein Donnerschlag, so poetisch sie manchmal auch daherkamen. Ich hatte oft das Gefühl, der Handlung nicht wirklich folgen zu können, und trotzdem immer wieder Tränen in den Augen oder brennende Wut in der Brust.
Am Ende bleibe ich so unschlüssig wie nur irgend möglich zurück. Ich wünsche mir so sehr, dass gesellschaftlich über Leistungssport und sein zerstörerisches System gesprochen wird. Dass Mädchen und junge Frauen sich nicht in missbräuchlichen Strukturen wiederfinden. Und dass dieses Buch die Aufmerksamkeit bekommt, die es verdient. Aber ich finde es sprachlich auch wirklich so schwer, dass es Hürden hinstellt, wo es keine geben sollte - dafür ist das Thema viel zu wichtig. Ich bewerte dennoch wohlwollend, weil Lewandowski hier ein herausstechendes Stück Literatur geschrieben hat.
3,5 Sterne
Rezensionen von nessabo:
Ein greifbares, gut lesbares und wichtiges Memoir
Trotzdem zuhause von Tupoka Ogette
Tupoka Ogette ist zweifelsfrei eine Person, die in Sachen Rassismuskritik eine nicht wegzudenkende Rolle im deutschen Diskurs einnimmt. Ich durfte so viel von ihr lernen und habe schon vorher ihren sehr verständlichen, menschlichen Ton geschätzt. Der prägt nun auch ihr Memoir und macht es zu einem weiteren Stück Pflichtlektüre.
Es ist kaum begreiflich, was in Ogettes Leben alles so zusammengekommen ist. Sie schildert eine Lebensrealität geprägt von einem „Nicht ganz hier, aber auch nicht ganz da“. Die Feindlichkeit gegenüber ihr als in Ostdeutschland geborenes, mixed-race Kind einer queeren und systemkritischen Mutter ist unermesslich. Die Autorin findet prägnante und emotional greifbare Worte für den Hass, aber auch die Liebe, die sie in ihrem Leben erfahren hat.
Für ihre Leser*innen dürfte es unmöglich sein, keine Emotionen zu empfinden. Mein Herz tat weh bei all den gewaltvollen Erfahrungen und der ein oder anderen von Schuldgefühlen geprägten Anekdote. Dann wieder war es einfach so toll zu lesen, wie liebevoll ihr direktes familiäres und später auch freundschaftliches Umfeld war.
Die Kapitel sind kurz, weswegen sich das Buch noch flüssiger lesen lässt als dank der klaren Sprache sowieso schon. Alle haben ihren Raum und die allermeisten haben mich tief bewegt. Was mir besonders in Erinnerung bleibt, ist die Art, wie Ogette die von ihr erlebte (physische, psychische und 6ualisierte) Gewalt beschreibt. Sie macht subtil und doch mehr als eindrücklich klar, dass gerade letztere nicht selten von eigentlich freundlichen Männern im Nahumfeld ausgeübt wird. Was ihr widerfahren ist und dass es für die Täter keinerlei Konsequenzen zu geben scheint, ist nur zum Schreien und ich kann nur aufrichtig bewundern, dass sie das alles so offen thematisiert.
Das Memoir sollte einfach von allen Menschen gelesen werden, denn obwohl es natürlich um das Leben dieser wichtigen Person geht, bekommen wir so deutlich wie nur möglich Einblicke in das, was bspw. Rassismus in Menschen auslöst. Ich bin beeindruckt von dieser Autorin und habe dank des Lesens ein sehr klares Gefühl dafür bekommen dürfen, warum sie zu dem Menschen wurde, der sie ist.
Rezensionen von ekiam:
Fantasievolle Welt in den Baumwipfeln
Unsere Baumhausstadt von Gideon Sterer
„Unsere Baumhausstadt“ entführt kleine Leser*innen in eine ganz eigene Welt hoch oben in den Baumwipfeln eines großen Waldes. Hier haben Kinder und Tiere eine Stadt wie aus Kinderträumen erschaffen, in der sie harmonisch zusammenleben und gemeinsam ihren Alltag mit viel Freude gestalten.
Die gereimten Texte sind kindgerecht formuliert, leicht verständlich und führen durch einen Tag in der Baumhausstadt, bilden jedoch eher das erzählerische Gerüst.
Denn seine wahre Stärke entfaltet das Buch in den detailreichen, wimmeligen Illustrationen, auf denen es Seite für Seite unglaublich viel zu entdecken gibt. Die Welt der Baumhausstadt ist einzigartig, fantasievoll und leicht magisch – und genau diese besondere Atmosphäre spiegelt sich in jeder einzelnen Illustration wider.
Besonders spürbar ist die Harmonie, mit der Kinder und Tiere ihren Tag miteinander verbringen. Hervorzuheben ist zudem die Selbstverständlichkeit, mit der Inklusion in die Bilder integriert wurde: Kinder mit Handicap, unterschiedliche Hautfarben und verschiedene Religionen finden hier ganz selbstverständlich ihren Platz nebeneinander.
Ein außergewöhnliches Bilderbuch, das es beinahe ohne Worte schafft zu zeigen, wie ein respektvolles und harmonisches Miteinander gelingen kann und dass Vielfalt eine Bereicherung ist.
Rezensionen von Ruth:
Ein gutes Leben?
Das gute Leben von Nadine Schneider
Die 1990 geborene Autorin Nadine Schreiber erzählt in ihrem dritten Roman die Geschichte von vier Frauen über die Generationen hinweg.
Im Zentrum steht Anni, die als junge Frau in den 1960er Jahren ihre rumänische Heimat verlässt, um in Deutschland ein „gutes Leben“ zu finden. Sie ist schwanger, doch diese Tatsache soll ihr nicht im Weg stehen.
Den Kindsvater lässt sie zurück, keiner soll sie aufhalten. Sie will nicht versauern in ihrem Dorf, will den Dreck und die Armut hinter sich lassen. Und so macht sie sich auf, zunächst nach Österreich zu ihrem Vater, dann weiter nach Nürnberg, wo ihr Bruder schon länger lebt.
Aber einfach wird es nicht werden für Anni. Nur widerwillig lässt sie ihr Bruder bei sich wohnen. Anni findet Arbeit beim Versandhandel Quelle, wo sie tagein, tagaus Pakete füllt. Die Arbeit dort gibt ihr Halt und Sicherheit, die Firma ist wie eine Familie für sie. Ihr Leben lang wird sie von einer Begegnung mit der Firmenchefin zehren; Grete Schickedanz bleibt ihr unangefochtenes Idol. Umso härter trifft sie die Kündigung kurz vor ihrer Rente, als das Unternehmen gezwungen ist, Personal abzubauen.
Anni zahlt einen harten Preis für ein besseres Leben. Sie hat zwar auch Glück, so vermacht ihr z.B. ein Onkel sein Haus, doch „wenn sie mal einer gefragt hätte, hätte sie gesagt, dass sie nicht das allergrößte Stück vom Kuchen abgekriegt hat,…. und dass ihr dieses Stück auch keiner geschenkt hat, und während alle vom Wirtschaftswunder redeten, stand sie sich mit der Kati und Hunderten von anderen Frauen jeden Tag die Beine in den Bauch, damit die Leute ihre schönen Pakete bekamen,…“
Und zugehörig hat sich Anni in Deutschland nie gefühlt. Aus der selbstbewussten, aufmüpfigen jungen Frau, die zielbewusst ihre alte Heimat verlassen hat, wird eine Frau, die ihre Stimme verliert, sich anpasst und beinahe verschwindet.
Das alles lässt sie verhärten. Ihren Zorn bekommen aber nur die Menschen in ihrer nächsten Umgebung zu spüren.
Das macht sie als Charakter nicht unbedingt sympathisch, glaubwürdig allerdings schon.
Männer kommen im Roman kaum vor, wenn, nur am Rande. Die Väter sind abwesend, das beginnt schon mit Annis Vater. Der zählte als Banater Schwabe zur deutschen Minderheit in Rumänien und schloss sich während der deutschen Besatzung den Nazis an. Aus Furcht vor Vergeltung ging er nach dem Krieg nach Österreich, wo er wieder heiratete. Anni hat früh gelernt, dass Väter für die Kindererziehung entbehrlich sind, sie hat schließlich auch keinen Vater gebraucht. So zieht sie erst Tochter Helene alleine auf und als diese irgendwann nach Florida verschwindet und ihre 10jährige Tochter Christina zurücklässt, kümmert sie sich um die Enkelin. „Das erste Kind, Helene, bringt Anni durch, doch das zweite, Helenes Kind, liebt sie dann.“ Mit dem eigenen Kind ist Anni überfordert, da fehlt ihr die Zeit und die Geduld. So greift sie oft zu drastischen Maßnahmen: „Für das Kind gibt es den Kochlöffel. Für das Kind gibt es die Hand, den Besen …“ und einmal fliegt sogar ein Bügeleisen durch das Zimmer.
Nadine Schneider beginnt ihre Geschichte mit dem Tod von Anni. Enkelin Christina erbt ihr Haus in der Nähe von Nürnberg. Aus der Ich-Perspektive erfahren wir nun, wie es Christina beim Ausräumen des Hauses geht. Dabei erinnert sie sich an ihre Kindheit und Jugend bei der Großmutter, an die vielen Sommer in Rumänien bei der Urgroßmutter. Wehmut erfüllt sie bei dem Gedanken, dass sie ihrer Großmutter noch so viele Fragen stellen wollte und nun ist der Zeitpunkt für intensive Gespräche verstrichen.
Parallel dazu wird in Rückblenden Annis Leben aufgeblättert.
Über Helene erfährt man dabei wenig. Wie Anni ist auch sie früh Mutter geworden, ohne einen Mann an ihrer Seite. Und ihre Tochter habe sie zurückgelassen, weil sie befürchtet hat, sie könne eine solche Mutter wie Anni werden. Ob das nur eine Ausrede ist, mag der Lesende beurteilen
Der Roman erzählt von schwierigen Mutter-Tochter-Beziehungen, von der Unfähigkeit zur Kommunikation, von verpassten Möglichkeiten und der Suche nach einem Platz im Leben.
Auch wenn ich mit den Charakteren, ihren Handlungsweisen und Beweggründen oft gehadert habe, so weiß ich das literarische Können der Autorin zu schätzen. Die Erzählebenen werden kunstvoll verwoben; aus vielen Mosaiksteinchen ergibt sich ein Gesamtbild. Trotzdem bleiben viele Leerstellen und der Text lässt Raum für eigene Interpretationen. Mit ihrer präzisen und zugleich bilderreichen Sprache schafft sie Atmospäre und lässt ihre Figuren lebendig werden.
Trotz der vorherrschenden Melancholie endet der Roman versöhnlich. Christina und Helene sind fähig zu einem wirklichen Gespräch. Und für das Verbindende zwischen den Generationen von Frauen steht ein Rebstock. Ursprünglich im Garten in Rumänien gewachsen, von Anni nach Nürnberg gebracht, wandert nun ein Trieb in die Berliner Wohnung von Christina.
Die Autorin lässt einiges aus ihrer eigenen Familiengeschichte in den Roman einfließen. Ihre Familie sind Aussiedler aus dem Banat, ihre Großmutter hat bei Quelle gearbeitet.
„Das gute Leben“ ist eine lesenswerte Familiengeschichte, die genug Stoff liefert zum Nachdenken und Diskutieren .
Rezensionen von nessabo:
Eine Geschichte mit interessanten Figuren, die Ausdauer erfordert
Trag das Feuer weiter von Leïla Slimani
Ich kenne die beiden Vorgänger der Trilogie nicht und würde mich der allgemeinen Einschätzung anschließen, dass das auch nicht notwendig ist, gerade den Nebenfiguren aber durchaus ein tieferes Profil gegeben hätte.
Ich hatte über eine ziemlich lange Strecke hinweg ganz schön zu kämpfen mit der Struktur des Buches.
Die Erzählperspektiven der Kapitel wechseln, auch hin zu Mehdi, obwohl ich eine Geschichte über Mia erwartet hatte. Auch wenn es natürlich ebenso um seine Vergangenheit geht, die Mias Kindheit und Aufwachsen nun einmal geprägt hat, hätte das vielleicht auch auf eine andere Art erzählt werden können. Immer wieder irritierend war zudem, dass aus den Kapitelüberschriften nicht hervorgeht, wer gerade spricht. Bei so komplexen Büchern kenne ich das anders und ich finde es auch ziemlich hilfreich, um beim Lesen nicht immer wieder zu stolpern.
Der Roman erfordert nicht nur deshalb ein recht aufmerksames Lesen. Auch die Zeiten wechseln durchaus häufig und sorgen zusätzlich zu den vielen erzählenden Figuren dafür, dass sich die Geschichte recht fragmentarisch anfühlt. Erst in der zweiten Hälfte konnte sich für mich so etwas wie ein Lesesog einstellen. Denn erst dann hatten manche Figuren für mich ein greifbares Profil. Besonders die Nebenfiguren verblassen dagegen zunehmend und gerade Aïcha sowie Selma hätte ich wirklich gern ebenso bis zum Ende begleitet.
Das ist deshalb schade, weil Slimani durchaus ein Händchen dafür hat, interessante und ambivalente Figuren zu erschaffen. Mia und Inès sind starke Frauenfiguren, die mich in ihrer jeweiligen Rebellion begeistert haben. Gleichzeitig wurde ich von ihnen auf unterschiedlichen Ebenen berührt. Mia macht eine furchtbare schulische Erfahrung in Bezug auf ihre Homosexualität und erfährt die konkrete Solidarität ihrer ehemals verhassten Schwester, die wiederum ein sexuell sehr aktives Leben führt - mit durchaus fragwürdigen Verbindungen. Aber ich mochte die Zeichnung der beiden, die nicht klassisch gut, sondern eben authentisch ambivalent ist.
Was mich schon enttäuscht hat, war der Fakt, dass Mias auf dem Klappentext sowie den ersten Seiten angesprochener Brain Fog und eine damit eventuell in Verbindung stehende Erkrankung überhaupt nicht relevant ist. Ich habe mir wirklich erhofft, Mia auch in der Gegenwart begleiten zu dürfen, aber dem war nicht so. Deshalb kann ich die Vermarktung des Buches nicht so richtig nachvollziehen und bin entsprechend ernüchtert.
Ein Werk, welches das große Schreibtalent der Autorin zeigt und mir am Ende auch Lesefreude bereitet hat, das aber bis dahin wirklich viel Ausdauer sowie aufmerksames Lesen erfordert und welches mich trotz der Lichtblicke nicht so richtig nachhaltig beeindruckt hat. Da ich logisch aufgebaute bzw. klar strukturierte Familienerzählungen bevorzuge, habe ich mich hier schwerer getan als erhofft.











