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Kunden em pfehlungen

Rezensionen von LeserinLu :

Beziehungsroman mit Spannung

Janes Roman von Catherine Cusset

Catherine Cussets Roman "Janes Roman" entfaltet eine fesselnde Geschichte, in der die Protagonistin Jane Cook, eine angesehene Professorin für französische Literatur, plötzlich mit einem Manuskript konfrontiert wird, das jedes Detail ihres Lebens akribisch beschreibt. Die Unbekannte oder der Unbekannte hinter diesem Werk offenbart ein beunruhigendes Maß an Kenntnis über Janes innerste Gedanken und ihre intimsten Beziehungen der letzten Jahre.

Im Zentrum des Romans stehen vor allem das Manuskript und damit Janes Suche nach beruflichem, akademischem Erfolg und einer liebevollen Beziehung.

Was mich zunächst irritierte, war die leicht angestaubte Atmosphäre des Romans, der vor über 20 Jahren erstmals veröffentlicht und nun neu übersetzt wurde. Themen wie Abtreibung, Heirat und Frauenrolle werden heute in der Literatur oft aus einer anderen, weniger traditionellen Perspektive betrachtet. Teilweise schimmert Kritik an Janes verstaubter Haltung durch, dennoch findet im Roman hierzu eher keine Entwicklung statt. Trotzdem ließ mich die Neugier nicht los, wer hinter diesem Manuskript steckt und wie Janes Geschichte enden würde.

Die Übersetzung enttäuschte mich an einigen Stellen, insbesondere als das N-Wort auftauchte. Es wäre einfach gewesen, eine weniger diskriminierende Formulierung zu wählen, die den Sinn des Textes nicht verändert hätte. Solche sprachlichen Entscheidungen trüben für mich den Lesegenuss und lenken von der eigentlichen Handlung ab.

Trotz dieser Kritikpunkte entwickelte die Geschichte einen Sog. Mit jedem Kapitel wuchs meine Spannung, während Jane versuchte, den Verfasser des Manuskripts zu enträtseln. Die komplexe Dynamik zwischen Jane, den Männern in ihrem Leben und den Verdächtigen hielt mich bis zur letzten Seite gefesselt. Das hatte sogar ein bisschen „Yellowface“-Vibes - vielleicht wurde der Roman deshalb dieses Jahr neu übersetzt? Insgesamt ist "Janes Roman" von Catherine Cusset ein fesselnder, wenn auch inhaltlich leicht veraltet wirkender, sehr französischer und akademischer Beziehungsroman, der den Leser dennoch in seinen Bann zieht.

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Rezensionen von Bücher in meiner Hand:

Da hilft die schönste Sprache nichts

Die brillante Florence Butterfield von Susan Fletcher

Eigentlich dachte ich, es handle sich hier um einen Krimi. Als Ermittlerin eine im Rollstuhl sitzende Seniorin, geistig total fit. Dies ist Florence Butterfield, 87jährig. Sie lebt noch nicht lange in Babbington Hall. So weit so gut.

Als Arthur, ein Bewohner der Seniorenresidenz, mit dem sich Florrie angefreundet hat, unerwartet stirbt, denkt noch niemand an einen ungeklärten Todesfall.

Erst als die Heimleiterin Renata Green eines Abends aus dem Fenster stürzt, werden Florrie und Stanhope misstrauisch. Denn Renata erzählte am Vortag noch, dass sie verliebt sei und endlich einmal nach Paris wolle. Sie verabredete sich sogar mit Florence, denn sie sollte aus ihrem langen und abenteuerlichem Leben erzählen - und besonders von der Liebe.

Florence hatte sich bereits überlegt, was sie Renata alles erzählen wird und was nicht. So weit so - immer noch - gut.

Doch nun beginnt Florence, in ihren Gedanken ihr gesamtes Leben durchzugehen. Susan Fletcher erzählt dies alles sehr bildhaft und poetisch. Und sehr ausführlich. Zwischendurch wird kaum nennenswert, aber immerhin ein wenig ermittelt, sehr bedachtsam, manchmal auch unaufmerksam. Da kommt keine Spannung auf, und "Krimi" ist somit die falsche Bezeichnung für diesen Roman, der 496 Seiten umfasst.

Mir waren es 200 Seiten zu viel. Leider war auch die "Krimi"-Handlung nicht wirklich überzeugend, denn so, mit ähnlichen Gründen und denselben Tätern, hab ich es schon öfters in viel spannenderen Krimis gelesen (ebenso was Florries Geheimnis angeht). Keine Frage, Miss Butterfield hatte ein interessantes Leben, doch für mich passte dieser Mix nicht. Die Autorin hätte sich entscheiden sollen, über was sie schreibt: entweder über die Todesfälle oder über Florence Butterfield, dann wäre es nicht so unfassbar langatmig geworden - da hilft dann eben auch die schönste Sprache nicht.

"Florence Butterfield und die Nachtschwalbe" ist ein Roman für Leute mit Geduld. Für Leser und Leserinnen, die mehr Freude an schönen Sätzen und bildhaftem Sprachstil haben als an fesselnder Handlung.

Fazit: Wer täglich gerne nur einige Sätze lesen mag und poetische Worte geniesst, und sich damit begnügt, dem kann ich diesen Roman von Herzen empfehlen. Krimiliebhaber*innen sollten besser Abstand nehmen.
3 Punkte.

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Rezensionen von nil_liest:

Wenn Lebensträume durch die Weltpolitik platzen

Wo die Geister tanzen von Joana Osman

Flucht, Trauma, Überleben. Zugleich aber auch Leben, Hoffnung und Weitblick für Familie.
Joana Osman ist eine spannende Frau mit interessanten Wurzeln. Ihr Vater kam zum Studieren nach Deutschland und lernte ihre deutsche Mutter kennen, aufgewachsen ist sie in Bayern. Immer interessiert am qualitativen und positiven Austausch und Friedensunterstützerin.

Mitbegründerin von ‚The Peace Factory‘. Nun ist in 2023 ihr zweiter Roman erschienen „Wo die Geister tanzen“.
Aktueller könnte ein Roman nicht sein, beleuchtet er doch als palästinensische Stimme die Historie des Nahostkonflikts auf persönlicher Ebene. Denn sie schreibt autofiktional über die Geschichte ihrer Großeltern, die 1948 Jaffa verlassen mussten. Vorher ein schönes Leben als Kinobetreiber, war das (sehr unterschiedlich alte) Paar glücklich in Jaffa. Das Gebiet wurde britisches Mandatsgebiet und nun waren 70.000 palästinensische Araber auf der Flucht. Sabiha und Ahmed Osman flohen in den Libanon und dann in die Türkei. Sie bekamen 7 Söhne miteinander, die in prekären Umständen zeitweilig lebten. Alles verloren und immer wieder aufrappeln. Alltäglich und doch dramatisch.
Eine harte Lebensgeschichte, die nur so strotzt vor Dramatik und hier hat Joana Osman aus meiner Sicht viel Gutes getan, indem sie dem Roman ein wenig Leichtigkeit, saloppe Sprache und Alltägliches im Absurden verpasst hat. Das schattiert und hilft beim Verdauen. Wie auch wir alle im Leben schreckliches kennen, aber es nicht immer nur eine einzige Schattierung des Lebens ist, die uns begleitet.
Toll geschrieben, hat Joana Osman hier gutes tolles Buch geschrieben, dass nicht nur ihre spannende Familienhistorie fiktional aufarbeitet. Auch hat sie uns mit einer palästinensischen Stimme beglückt und das Spektrum der Geschichten um einen weiteren Mosaikstein bereichert.

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Rezensionen von Bücherfreundin:

Beeindruckender Roman, der unter die Haut geht

Geordnete Verhältnisse von Lana Lux

Nach "Kukolka" und "Jägerin und Sammlerin" hat die deutschsprachige Autorin Lana Lux mit ukrainisch-jüdischer Herkunft ihren dritten Roman "Geordnete Verhältnisse" veröffentlicht.

Im Mittelpunkt des Geschehens stehen Philipp und Faina, die sich im Alter von 10 Jahren begegnen.

Paul fällt nicht nur wegen seiner leuchtend roten Haare auf, sondern auch, weil er Sommersprossen hat, sehr klein ist und im Gegensatz zu den anderen Kindern ausschließlich schwarze Kleidung trägt. Sein sehnlichster Wunsch, einen Freund zu finden, geht in Erfüllung, als Faina in seine Klasse kommt. Auch sie hat leuchtend rotes Haar, kommt aus der Ukraine und lebt seit 4 Monaten in Deutschland. Der Platz neben Philipp ist frei, Faina setzt sich neben ihn, und die beiden werden zu Freunden. Geduldig bringt Philipp Faina Deutsch bei und sagt ihr, was sie falsch macht.
15 Jahre später, Philipp ist beruflich erfolgreich und bewohnt mit seiner Freundin Romina eine Eigentumswohnung, setzt sich Faina mit ihm in Verbindung. Zwischen beiden war drei Jahre lang Funkstelle, doch nun braucht Faina Philipps Unterstützung. Sie wurde verlassen, ist verschuldet, hat ihr Studium abgebrochen - und ist schwanger ....

Die Geschichte wird in wunderbarer Sprache auf mehreren Zeitebenen und aus unterschiedlichen Perspektiven erzählt. Dem Ich-Erzähler Philipp folgen wir als kleinem Jungen und als 25-Jährigem im Hier und Jetzt, die Ich-Erzählerin Faina begleiten wir in der Gegenwart. Darüber hinaus gibt es einen allwissenden Erzähler. Die unterschiedlichen Erzählstränge sind der Autorin ganz großartig gelungen, sie ermöglichen es dem Leser, sich noch tiefer in Philipp und Faina hineinzuversetzen und dabei ihren Handlungen zu folgen.

Es hat mich erschüttert, wie sich die Beziehung zwischen Philipp und Faina entwickelte. Hinter beiden liegt eine schwierige Kindheit, Philipp ist kontaktarm und neigt zu Wutausbrüchen, während Faina gesellig ist und unter starken Stimmungsschwankungen leidet. Philipp ist jegliche intime Zuneigung zuwider, Faina ist Männern und Frauen zugeneigt. Für Philipp ist Faina der wichtigste Mensch in seinem Leben, und er liebt sie auf seine ganz spezielle Art. Er überschreitet Grenzen, als er beginnt, sie zu manipulieren und zu kontrollieren. 

Lana Lux hat ihre Charaktere sehr authentisch und bildhaft beschrieben und uns durch ihre klare Erzählweise tief in ihre Gefühls- und Gedankenwelt blicken lassen. Die toxische Beziehung von Philipp und Faina ist sehr gut beschrieben, ich habe mit der jungen Frau mitgelitten und immer gehofft, dass sie einen Ausweg aus ihrer schwierigen Situation findet.
Das intelligent geschriebene Buch hat mir sehr gut gefallen, es ist spannend und fesselnd. Die schockierende Geschichte, in der es auch um Lügen und Gewalt geht, hat mich bis zu ihrem mich vollkommen überraschenden und dramatischen Ende gefesselt und tief bewegt.

Absolute Leseempfehlung für diesen intensiven und beeindruckenden Roman, der unter die Haut geht!

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Rezensionen von Bücher in meiner Hand:

Tricksen und täuschen

Monsieur le Comte und die Kunst der Täuschung von Pierre Martin

Wie aus dem ersten Band bekannt, möchte Lucien le Comte die Familientradition nicht aufrecht erhalten. Sich lossagen davon kann er sich allerdings auch (noch) nicht. Deshalb nimmt er sich vor zu tricksen - oder wie er es nennt: zu täuschen.

Lucien bedient sich in der Trickkiste und hat für seinen nächsten Auftrag eine gute Idee und täuscht dort den Tod eines Mannes vor.

Ein bisschen Muffensausen hat er jedoch, als eine Polizeireporterin seinen Weg quert.

Der nächste Auftrag folgt zugleich und der ist schwieriger - der Auftraggeber soll auch das Opfer sein. Lucien bleibt aber noch genügend Zeit seinen Onkel zurechtzuweisen und ihm nachzuspionieren, sich mit Damen zu treffen und die eine von ihrem Stalker zu befreien, plus sich um sein Restaurant zu kümmern, in dem er gegen die örtliche Mafia, die ihn erpressen will, vorgeht.

Es wird nicht langweilig in diesem zweiten Band. "Die Kunst der Täuschung" hat Lucien perfekt drauf. Dabei bleibt er immer höflich, fast immer charmant und outet sich öfters als Fan von Madame le Commissaire (wie auch von ihrem mittlerweile kaputten Auto und von ihrem Begleiter Rouven). Ich muss gestehen, ich bin trotz aller Unterhaltung, die mir "Monsier le Comte" bietet, mehr Fan von "Madame le Commissaire", deren Reihe mir tatsächlich viel besser gefällt.

Nach dem ersten Band war für mich entscheidend wie der zweite Band ist, um zu sehen, ob ich diese Reihe um Monsieur le Comte Lucien weiterverfolge. Ja, ich werde es, aber nicht als Mustread sondern als "nice to read" - wenn sich die Gelegenheit ergibt. Ich denke noch immer, dass die "Kunst der Täuschung" mit der Zeit nicht mehr so interessant ist und sich auch das Drumherum irgendwann erschöpft. Trotz allem Humor, witzigen Ideen, viel Savoir Vivre und einigem mehr, spürte ich das bei mir schon jetzt ein bisschen.

Fazit: Humorvoll und unterhaltende Lektüre!
4 Punkte.

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Rezensionen von Lesehamster12:

Spannung pur

Der Sturm: Vergraben von Karen Sander

Das Buch "Der Sturm - Vergraben" ist mein erstes Buch von Karen Sander und ich bin sehr begeistert von ihrem Schreibstil.

Das Cover hat mich direkt angesprochen, durch den grauen Himmel, den Wolken und dem Strand, sehr passend zum Titel!

Die Haupt-Charaktere Mascha Krieger und Tom Engelhardt ermitteln anfangs in einem Fall mit zwei Toten, die nach einem Sturm als Skelette am Strand gefunden wurden.

Wann und wie kamen diese ums Leben? Es könnte mit einem alten Fall, der Ende der DDR-Zeit passiert ist, zusammen hängen.

Die Geschichte ist so toll verpackt. Man springt zwar immer wieder zwischen einigen verschiedenen Charakteren hin und her, jedoch sind die Leseabschnitte so kurz gehalten, dass man den Überblick nicht verliert. Man ist mitgerissen im Geschehen und will einfach nur weiter lesen.

Da es weitere Bände geben wird, ist es schlau gelöst, die Geschichte nicht wirklich enden zu lassen. Ein Fall wird zwar gelöst - doch wie geht es weiter - es bleiben viele offene Fragen und ich freue mich heute schon auf die Herausgabe von "Der Sturm - Verachtet"!

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Rezensionen von yellowdog:

Judenhass ist Menschenhass

Judenhass von Michel Friedman

Aus Anlaß des Massakers in Israel durch die Hamas am 07.Oktober 2023 schreibt Michel Friedman über das Gefühl als Jude in Deutschland und der zu geringen Solidarität.
Friedman nutzt die Form der Briefe. Viele Kapitel sind Briefe, die sich an jemanden richten. Brief an die Gleichgültigen, Brief an die Christen, sogar ein Brief an einen Antisemiten ist drin.

Ein gewisser Pathos schwankt bei dieser Form auch mit. Literarisch würde ich das Buch nicht so hoch einstufen.

Der wichtigste Adressat ist vielleicht am der durchschnittliche deutsche Bürger, der vermutlich auch den Großteil der Leser dieses Buches ausmachen wird.

Wer die AfD als Protestwähler erwägt, dem sei dieses Buch empfohlen.
Friedman benennt die Gleichgültigkeit und die Akzeptanz der AfD sowie die Gefahr der Entmenschlichkeit.
Es gibt auch einen Abschnitt, in den sich Friedman an die Juden und Jüdinnen wendet.

Insgesamt ist es ein eindringliches Buch.

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Rezensionen von nil_liest:

Dem White Trash der USA Gehör schenken

Demon Copperhead von Barbara Kingsolver

Wow! Gleich zwei Preise hat Barbara Kingsolver mit diesem Roman abgeräumt! Den Pulitzer Prize und den Women’s Prize for Fiction. Das sind schon mal zwei Auszeichnungen, die meine Erwartungshaltung sehr hochgehängt haben. Und sie hat mich überzeugt. Was macht das Buch so gut, um mal gleich mit der Tür ins Haus zu fallen: Das Innenleben darzustellen wie es bei einem Heranwachsenden aussieht, der auf so vielen Ebene eine suboptimale Startposition bekommen hat.

Barbara Kingsolver schafft es sehr differenziert hier unsere Wahrnehmung für Randfiguren unserer Gesellschaft zu beleuchten und denen eine Stimme zu geben. Natürlich ist der Roman auch voll von Obszönitäten und es gibt Textstellen, die fernab meiner eigenen Lebensrealität sind. Aber genau darum geht es aus meiner Sicht, dass was die Welt alles bereit hält zu reflektieren und anzuerkennen!
Es geht um den titelgebenden Junge, Damien, den alle nur Demon (Teufel) nenne. Schon hier eine unfassbare Tiefe, die sich wie ein roter Faden durch den Roman zieht. White Trash mit roten Haaren, Copperhead. Er selbst Sohn einer drogensüchtigen Teenie-Mutter, Vater schon bei der Geburt nicht mehr unter den Lebenden wächst in einem Trailerpark in Virginia auf. Als die Mutter auch stirbt, gibt es nur noch den uninteressierten Stiefvater.
Wir begleiten Demon auf seinem Lebens- und Leidensweg und mit diesem erzählt Barbara Kingsolver noch die großen strukturellen Problemfelder der USA in diesem Milieu. Diese hat mit struktureller Armut zu tun und hängt mit der Opioid-Epidemie zusammen, was natürlich auch dann Auswirkungen zeigt bei Pflegefamilien und dem ganzen Thema Kinderschutz.
Als ich die letzte Seite gelesen hatte, wunderte ich mich ein wenig, dass die schiere dicke des Kloppers mich nicht mental erschlagen hat. Mit Nichten, ich fand es hatte den richtigen Umfang und das sag ich nicht oft zu solch Seitengewaltige Werke! Immerhin über 800 Seiten!
Der große Vergleich zu Dickens Roman David Copperfield, finde ich ganz persönlich etwas schwierig, aber das mag auch an mir liegen. Ich finde, dass Demon Copperhead diese Parallele nicht braucht, auch wenn beide Romane im Kern einen jungen Mann im Fokus haben, der am Rande seiner Familie und der Gesellschaft lebt.
Ich hoffe nun, dass andere Bücher von Barbara Kingsolver wieder aufgelegt werden in Deutschland, wie die „Giftbibel“, auch wenn sie thematisch sehr anders sind.

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Rezensionen von LeserinLu :

Genialer Roman

Yellowface von Rebecca F. Kuang

"Yellowface" ist ein Roman, der nicht nur wahnsinnig fesselnd und sowohl gut geschrieben als auch passend übersetzt ist, sondern auch auf intelligente Weise mit aktuellen Diskursen spielt. Der Sog dieses Romans hat mich wie so viele andere Leser:innen nach wenigen Seiten erfasst. Alles beginnt damit, dass June Hayward das Manuskript der plötzlich verstorbenen Athena Liu stiehlt und die Geschichte des chinesischen Arbeiterkorps unter ihrem eigenen Namen veröffentlicht.

Und schon beginnt sich die Empörungsspirale des Internets über kulturelle Aneignung und geistigen Diebstahl zu drehen - wird man June aber tatsächlich auf die Schliche kommen?

Besonders beeindruckend ist, wie der Roman subtil mit verschiedenen gesellschaftlichen Diskursen jongliert. Da wird sich mal ganz nebenbei darüber lustig gemacht, wie eine alte weiße Autorin sich rühmt, in ihrer Romantasy subalterne Stimmen zu Wort kommen zu lassen, Spivaks „Can the subaltern speak?“ also völlig verdreht. Auch die Beschreibung der linken Studentin, die natürlich auch noch einen BDS-Pin angesteckt hat, war treffend übertrieben - um dann als Leserin mit Junes Kommentar „Ich meine, wir sind hier alle Liberale. Aber mal ehrlich“ die eigenen Vorurteile vorgeführt zu bekommen. Herrlich!

Ein weiterer Aspekt, der den Roman so lesenswert macht, ist die Entwicklung der Protagonistin June im Strudel von öffentlicher Empörung und digitalem Pranger auf social media. Zwar erscheinen ihre Ansichten, insbesondere im Zusammenhang mit dem Diebstahl des fremden Manuskripts, als moralisch verwerflich. Doch im Verlauf des Romans werden auch ihre Gedanken und Überlegungen, insbesondere die Frage nach der Möglichkeit, in der Literatur andere Perspektiven einzunehmen und Empathie zu zeigen, als durchaus bedenkenswert dargestellt. Gleichzeitig wird dann aber immer wieder deutlich, wie wenig June in der Lage ist, ihre Privilegien zu reflektieren.

Insgesamt ist "Yellowface" ein Roman, der nicht nur unterhält, sondern auch zum Nachdenken anregt. Die gelungene Verknüpfung von spannender Handlung, intelligenten Diskursen und ambivalenten Charakteren macht diesen Roman zu einem echten Highlight.

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Rezensionen von Bellis-Perennis:

Nofretete - Gemahlin Echnatons und Schönheitsideal

Die Königin von Sebastian Conrad

In seinem Buch "Die Königin - Nofretetes globale Karriere" nimmt uns der Autor Sebastian Conrad auf eine Reise ins antike Ägypten mit, um den Hype dieses Bildnisses zu erklären.

In insgesamt sechs Kapiteln erzählt er den Werdegang einer Büste, die 1913 in einer Handwerkerwerkstätte in Tell al-Amarna gefunden worden ist, danach ihren Siegeszug angetreten hat, der bis heute anhält und ungeachtet aller Diskussionen um eine allfällige Restitution, zu einer Ikone der Schönheit ist.

Entdeckung
Ausstellung
Restitution
Nofretete global
Die afroamerikanische Nofretete
Globalisierung, Restitution und Nofretetes Zukunft

Mit diesem Buch zeigt uns der Autor, welche Faszination von dieser Frau ausgeht. Als die Büste vor exakt 100 Jahren der Berliner Öffentlichkeit erstmals präsentiert wird, ist der Andrang kaum zu bewältigen und der Besucheransturm im Ägyptischen Museum auf der Berliner Museumsinsel ist nach wie vor ungebrochen. Dabei hat die ägyptische Schönheit eine goldene Konkurrenz. 1922 entdeckt Howard Carter das ungeöffnete Grab Tutanchamuns mit all seinen Schätzen.

Sebastian Conrad geht den Fragen nach Restitution der Büste an Ägypten sowie der Vereinnahmung durch zahlreiche Institutionen oder Gruppen, deren Intentionen, Nofretete für sich in Anspruch zu nehmen, oft divergieren.

„In der Figur der Nofretete kreuzen sich also zahlreiche, zum Teil miteinander konkurrierende Erwartungen und Ansprüche, genau das macht ihren Weltruhm aus. Die vielen verschieden Weisen, das Bild der ägyptischen Königin zu beschwören, machten sie in der ganzen Welt zu einem Symbol und verschafften ihr globale Resonanz. Viele Betrachtungen mochten sich auf Nofretete und „Ägypten“ beziehen - aber si verbanden damit jeweils eigene, zum Teil gegenläufige Ziele. Paradoxerweise war es gerade die Vielfalt dieser Bezugnahmen, die in ihrer Gesamtheit dazu führten, dass das charakteristische Profil mit der blauen Krone mehr oder weniger bis in den letzten Winkel der Erde als eine Ikone der Schönheit verstanden wurde. Mehr noch: Sogar die Stilisierung der Nofretete als Gegenentwurf zu den westlichen ästhetischen Standards führte letzten Ende dazu, die seit den 1920er-Jahren in Europa propagierte Vorstellung von der Universalität ihrer Schönheit, umso fester zu verankern.“

So spannt Sebastian Conrad den Bogen jener, die Nofretete für ihre Ziele vereinnahmen von der Weimarer Republik über das NS-Regime sowie die Nationalisten Ägyptens bis hin zu Intellektuellen in Kalkutta oder Mittelamerika und den Drag Queens der queeren Society bis hin zu Toni Morrison oder Beyoncé.

Meine Meinung:

Das Buch ist in gediegener Ausstattung als Hardcover mit Lesebändchen erschienen. Auf der Vor- und Nachsatzseite findet sich jeweils eine Landkarte Ägyptens, einmal aus dem Jahr 1350 vor Christus, der Lebenszeit Nofretetes und einmal aus der Gegenwart. Das Buch besticht durch seine akribische Recherche und den rund 80 Seiten Anmerkungen sowie Quellenangaben. Zahlreiche Fotos ergänzen dieses Sachbuch, das dem globalen Ruhm der Nofretete nachgeht.

Der Schreibstil ist fesselnd und keine staubige Angelegenheit, wie es manchmal in archäologischen Sachbüchern der Fall ist. Die lautstark geführten Diskussionen um eine mögliche Restitution an Ägypten finden ebenso Platz, wie die Kritik an der gnadenlosen Vermarktung eines Kunstwerkes.

Fazit:

Gerne gebe ich diesem penibel recherchierten und gekonnt erzählten Sachbuch 5 Sterne.

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