Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Murksy:
Ich denke, also bin ich
Die Stimme der Kraken von Ray Nayler
Der Öko-Thriller spielt in einer nicht näher definierten Zukunft. Menschen werden teilweise versklavt, stehen unter der Kontrolle von mächtigen Konzernen, die Ressourcen, die noch übrig sind, werden gnadenlos ausgebeutet. Künstliche Intelligenz übernimmt viele Aufgaben der Menschen, ganze Fischfangschiffe werden von KI gesteuert.
Auf einer einsamen Insel, die von einem Konzern gekauft wurde, existiert sogar der erste menschenähnliche Android. Ausgestattet mit dem Wissen der Welt und einem Bewusstsein wurde er zu einer angsteinflößenden Bedrohung, verbringt nun seine Zeit im Exil. Eine andere, intelligente Wesenheit ruft den Konzern auf den Plan, eine Wissenschaftlerin auf die Insel zu schicken. Ihre Arbeit über Meerestiere, speziell von Kraken, macht sie zur idealen Besetzung für die Forschung. Doch was sie vorfindet, sprengt alles, was sie sich je zu erhoffen wagte.
Das Buch behandelt auf verschiedenen Ebenen mehrere Fragestellungen der Menschheit. Was macht das Wesen einer intelligenten Daseinsform aus? Wann kann man von einem eigenständigen Bewusstsein sprechen? Wie kann es uns gelingen, mit anderen denkenden Lebensformen Kontakt aufzunehmen? Probleme, die von Wissenschaftlern und Philosophen schon lange diskutiert werden. Der Aspekt der Umweltzerstörung, der Überbevölkerung, des Artensterbens bilden dabei eher den Hintergrund, als das Hauptthema des intelligent geschriebenen Buches. Wie weit dürfen wir gehen? Gibt es eine KI, die tatsächlich selbständig agieren kann und sich entwickelt? Das sind existenzielle Fragen, die akuter sind, denn je. Das Buch zeigt sehr gut die Problematik auf, die mit diesen neuen Technologien aufkommt. Ein weiterer Aspekt des Buches ist vielleicht noch interessanter. Wie viel Intelligenz gestehen wir anderen Arten auf dem Planeten zu? Was der Forschung und dem Verständnis im Wege steht, ist die Vermenschlichung der Tiere und Pflanzen. Wenn wir von denken und fühlen sprechen, nehmen wir zumindest unterbewusst immer das menschliche Wesen als Grundlage. Der Gedanke, dass ein Tier Intelligenz hat, sich selbst und auch andere Lebewesen wahrnimmt, endet fast immer damit, dass wir versuchen, den Tieren unsere Symbolik, Sprache und Gefühlswelt eigen zu machen. Verständlich, aber nicht zielführend. Der Krake, mit seinen 9 Gehirnen ist so etwas wie ein Außerirdischer für uns. Seine Lebensweise und Fähigkeiten sind von unserer so weit entfernt, dass es uns Angst macht. Auch in dem Buch unterliegt die Wissenschaft dem Fehler, mit Symbolen verstehen zu wollen, wie diese Tiere denken. Doch wie wollen wir die Tiere verstehen, wenn wir zum Beispiel nicht ein mal 20 Prozent unseres Gehirns verstehen?
Das Buch geht mit der spannenden und komplexen Fragestellung teilweise sehr philosophisch um. Der Wert der Sprache für die Entwicklung unserer Spezies wird hervorragend dargestellt. Wir denken, weil wir sind und wir sind, weil wir denken. Doch ohne die Möglichkeit einer umfassenden Kommunikation ist es unmöglich, Wissen, Gedanken und Probleme zu verarbeiten. Das Buch ist eine sehr tiefgründige Analyse dieser Problematik, versteckt unter dem werbewirksamen Mantels eines Thrillers. Ein lohnendes Buch, das vielleicht ein wenig Verständnis schafft für die Vielfältigkeit dieser Welt und aufzeigt, dass wir sehr vorsichtig ein sollten, wenn wie gewisse Grenzen überschreiten wollen.
Diese Rezension ist eine Privatmeinung, ohne KI erstellt. Kopie, auch in Auszügen, unterliegt dem Urheberrecht.
Rezensionen von LeserinLu :
Wenn Frauen streiken würden
Und alle so still von Mareike Fallwickl
Was wäre, wenn sich alle Frauen* solidarisieren und einheitliche Ziele verfolgen würden? Sicher ist das unrealistisch, aber es ist ein spannendes Gedankenexperiment!" Und alle so still" ist ein fesselnder Roman, der von diesem bemerkenswerten Ereignis ausgeht: Frauen liegen auf der Straße und verweigern Care-Arbeit, um gegen die Ungerechtigkeiten unserer Gesellschaft zu protestieren.
Die Wege der Protagonist:innen Elin, Nuri und Ruth überschneiden sich an diesem besonderen Tag im Juni, und durch ihre unterschiedlichen Perspektiven erfahren wir mehr über die Auswirkungen dieses Protests. Dabei spitzt der Roman die Konflikte zwischen Männern und Frauen stark zu, um auf die gesellschaftlichen Probleme aufmerksam zu machen.
Der Roman bringt die Themen der Ausbeutung von Frauen, prekären Arbeitsverhältnissen und sozialen Ungerechtigkeiten eindringlich, teils derb, teils poetisch zur Sprache. Besonders einfallsreich sind die Zwischeneinschübe aus der Perspektive von Gegenständen wie einer Pistole oder einer Gebärmutter, die eine einzigartige Sichtweise auf die Ereignisse bieten.
Insgesamt ist "Und alle so still" ein äußerst aktuelles Werk, das wichtige gesellschaftliche Probleme anspricht und den Leser zum Nachdenken anregt. Auch wenn mich die anfänglich derbe Sprache zunächst abschreckte, konnten mich die Tiefe und Relevanz der Geschichte letztendlich überzeugen. Dies war mein erster Fallwickl-Roman, aber sicher nicht mein letzter!
Rezensionen von Anja:
Spannende Fantasygeschichte
Trial of the Sun Queen von Nisha J. Tuli
Die 24-jährige Lor hat bereits ihr halbes Leben im Gefängnis verbracht. Wenig Essen, ständige Kämpfe mit anderen Gefangenen oder den Wachen, regelmäßige kräftezerrende Strafen sind ihr Alltag.
Ausgerechnet der Feind rettet sie aus der Gefangenschaft. Und nun muss sie sich, geschwächt, wie sie ist, in tödlichen Wettkämpfen behaupten, aus denen die Frau des Sonnenkönigs hervorgehen soll.
Lor sieht ihre Chance, sich am Aurorakönig zu rächen, der sie einst eingesperrt hat, und kämpft daher verbissen um ihr Überleben und die Chance auf die Krone.
Das Buch hat mir unglaublich gut gefallen. Normalerweise lese ich Leseproben von Folgebänden, die man manchmal im Anschluss an die Geschichten findet, nicht – doch hier konnte ich nicht anders, weil ich unbedingt wissen wollte, wie es weitergeht. Und die ersten Kapitel von Band 2 mochte ich fast noch lieber als den ersten Band.
Die Geschichte ist unglaublich spannend. Gerade ist Lor noch im Gefängnis, wird sie unter mysteriösen Umständen „gerettet“, um sich direkt der nächsten Gefahr stellen zu müssen. Dabei wird Lor immer wieder mit halbherzigen Erklärungen abgespeist, warum man ausgerechnet sie geholt hat. Zwar ist Lor neugierig auf die Antworten und versucht daher auch, Informationen zu bekommen, doch letztlich muss sie sich vor allem dem Wettkampf und ihren Konkurrentinnen stellen. Lor ist mutig, willensstark und clever, aber auch sehr temperamentvoll, was zu einigen unüberlegten Handlungen führt. In Bezug auf den Sonnenkönig erschien sie mir teilweise etwas naiv, doch dieses Bild korrigiert sie am Ende wieder.
Im Präsens schildert Lor in der Ich-Perspektive ihre Erlebnisse, Gedanken und Gefühle.
Dazwischen gibt es einige kurze Kapitel aus Sicht von Nadir – Sohn des Aurorakönigs –, aus personaler Sicht und im Präteritum, was ich ein wenig verwirrend fand, meinen Lesefluss nach einigen Kapiteln aber nicht mehr gestört hat.
Auch Nadir ist auf der Suche nach Antworten, die mit Lors Verschwinden aus dem Gefängnis zusammenhängen.
Die Kombination beider Handlungsstränge gibt relativ schnell eine Idee davon, was es mit Lor auf sich hat. Der Spannung tut das allerdings keinen Abbruch und Gewissheit gibt es ebenfalls lange nicht.
Durchweg habe ich mit Lor bei den Wettkämpfen mitgefiebert. Dabei konnte mich die Geschichte mit ihrem Verlauf immer wieder überraschen – ohnehin war ich mir die meiste Zeit nicht sicher, worauf genau es am Ende hinauslaufen würde. Umso mehr freue ich mich nun auf den nächsten Band, der eine ganz andere Art von Geschichte und Spannung verspricht.
Eine Karte am Anfang des Buches gibt einen Eindruck von der facettenreichen Welt, die in verschiedene Königreiche unterteilt ist, die offensichtlich alle ganz unterschiedliche Eigenschaften haben. Während es im Reich des Aurorakönigs immer dunkel ist, kann Lor im Palast des Sonnenkönigs Sonne und Meer genießen. Einige Fragen bleiben für mich noch offen, wie genau die Welt der Menschen und Fae zusammenhängt.
Auch sehr positiv: Der Rest der Reihe soll noch in diesem Jahr erscheinen, die Wartezeiten sind also kurz und ich freue mich aufs Weiterlesen.
Fazit
Eine spannende Welt, auf deren weitere Beschreibung ich schon sehr gespannt bin. Die Handlung ist spannend und hatte für mich einige Überraschungen zu bieten. Die willensstarke, temperamentvolle Lor ist eine sympathische Protagonistin, mit der ich durchweg mitgefiebert habe.
Rezensionen von Internetmaus:
Spielerisch lernen
Die Zeit der Kinder von Lena Riess
Das Buch mit seinen glücklich in freier Natur spielenden Kindern viel mir sofort auf. Das Cover ist sehr passend gewählt und fällt ins Auge.
Die Handlung spielt in verschiedene Zeiten und Orten. Aber immer stehen die Kinder im Mittelpunkt. Diese einzelnen Handlungsstränge gefallen mir sehr gut.
So bekommt man einen Überblick über das Leben und geforderte Gehorchen der Kinder in den unterschiedlichen Gesellschaftsschichten. Fast überall werden sie als Störfaktor angesehen. Man soll sie nicht bemerken. Sie haben sich unterzuordnen
Der Roman von Lena Ries hat Luise Levin als Protagonistin. Sie konnte schon als junge Frau die strengen Erziehungsmethoden der damaligen Zeit nicht gut heißen. Die Prügelstrafe wurde bei arm und reich angewandt. Die Kinder hatten absolut gehorsam zu sein. Jeder noch so kleine Fehler gab dem Vater das Recht, seine Kinder zu misshandeln. Sie selbst hatte es erlebt.
Der Pädagoge Friedrich Fröbel hat sich mit der Entwicklung von Kindern beschäftigt. Sehr viel Zeit hat er investiert und sich mit den kleinen Wesen beschäftigt. Das Buch lässt uns an seinen Gedanken teilhaben. Er sieht jedes Kind als eine kleine Persönlichkeit. Von ihm werden die Kinder in den Mittelpunkt gestellt. Sie sind die Zukunft und sollen eine reale Wertschätzung erhalten. So gründete er den ersten Kindergarten, wo seine Schützlinge spielend und im Einklang mit der Natur, lernen.
Luise Levin ist von seinen Lehrmethoden begeistert. Sie geht als Haushälterin zu Fröbel nach Keilhau und lässt sich dort an seiner allgemeinen deutschen Erziehungsanstalt als Kindergärtnerin ausbilden. Aber auch die Liebe, die sich zwischen Lehrer und Schülerin entwickelt zeigt, wie wichtig gemeinsame Ziele sind.
Eine berührende Geschichte von gegenseitiger Achtung und Toleranz. Der Samen dazu wird in der frühen Kindheit gesät.
Ein wunderbares Buch, was mir sehr gefiel. Es zeigt, Erziehung und Liebe können Hand in Hand gehen.
Gern empfehle ich diesen historischen Roman weiter.
Rezensionen von Anja:
Wendungsreich
Wer zuerst lügt von Ashley Elston
Zugegebenermaßen hatte ich nach dem Lesen des Klappentextes, der ziemlich viel vorweg nimmt, etwas andere Vorstellungen von der Geschichte. Enttäuscht bin ich aber dennoch nicht.
Erzählt wird die Handlung aus der Ich-Perspektive von Evie bei ihrem aktuellen Auftrag. Dazwischen gibt es immer wieder kleine Rückblenden zu früheren Aufgaben, die zunächst für sich stehen, letztlich aber doch die Hintergründe für Evies aktuelle Situation und Motivation erklären.
Die vielen verschiedenen Namen, Identitäten und Zielpersonen auseinander zu halten, ist aber nicht ganz einfach.
Dadurch, dass von Anfang an klar ist, dass Evie ein falsches Spiel mit Ryan spielt, liegt direkt eine gewisse Anspannung zwischen den Zeilen: schließlich weiß er dies nicht. Und dennoch scheinen sowohl er als auch seine Freunde eine gewisse Skepsis an den Tag zu legen. Daher fand ich es interessant zu verfolgen, welche Absichten die einzelnen Figuren verfolgen.
Jeder von Evies Schritten ist perfekt durchdacht und geplant. Ihr Vorgehen fand ich sehr faszinierend. So mietet sie beispielsweise kurzzeitig eine Wohnung, in die sie frisch gekaufte Dinge transportieren lässt, damit sie Ryan vorgaukeln kann, mit ihrem ganzen Kram bei ihm einzuziehen.
Ryan ist nicht ohne Grund Evies Auftrag, doch so genau weiß sie zunächst nicht, auf was es ihr Boss abgesehen hat. Daher fand ich sowohl Evies Nachforschungen als auch die Hintergründe von Ryans Verhalten spannend zu erkunden.
Es dauert ein wenig, bis die Geschichte Fahrt aufnimmt. Eine im Klappentext bereits angedeutete Wendung bringt der Handlung eine neue Richtung. Die Dramatik nimmt stetig zu und immer mehr unerwartete Verstrickungen kommen ans Licht. Bis zum Ende habe ich die Auflösung nicht kommen sehen.
Fazit
Während der Geschichte eher ruhig beginnt, steigen Spannung und Dramatik im zweiten Teil des Buches stark an. Ein unerwarteter Schachzug folgt auf den nächsten, sowohl Evie als auch ihr Boss waren für mich ziemlich undurchschaubar, sodass mich die Wendungen mehrfach überraschen konnten.
Rezensionen von Frechdachs:
Die Schattenwelt von Nimmerland erwacht erneut - Was führt der einstmals so quirlige Peter im Schilde?
Wendy, Darling - Dunkles Nimmerland (mit gestaltetem Farbschnitt) von A.C. Wise
Wer kennt nicht die ursprüngliche Geschichte rund um den pfiffigen Jungen, der auf den Namen Peter Pan hört?
J. M. Barrie erweckte den Jungen, der nie erwachsen werden wollte, und hauchte ihm vor sehr langer Zeit Leben ein.
A. C. Wise greift in ihrem aktuellen Roman "Wendy, Darling - Dunkles Nimmerland" die ursprüngliche Geschichte auf und erzählt diese dann mit einem gewissen Zeitversatz weiter.
Wo früher Peter die Hauptrolle in der Erzählung übernahm, gibt es in der Erzählung von Wise eine andere Sichtweise bzw. Perspektive auf die Sicht der Dinge. Dreh- und Angelpunkt der Storyline ist hierbei nun Wendy, die nach ihrer Rückkehr aus ihrem ersten Nimmerland-Abenteuer, dann erwachsen geworden ist und mittlerweile eine eigene Familie hat.
Wer sich also bis dato immer gefragt hatte, was wird wohl aus Wendy und ihren Brüdern geworden sein bekommt hier aus allererster Hand eine wirklich beeindruckende wie auch gleichzeitig sehr düstere Geschichte vorgesetzt.
Peter, wenn auch nicht mehr in der Hauptrolle, ist hier allerdings dennoch wieder prominent am Werk. Schlussendlich ist er es, der Wendy abermals mit ihrer Vergangenheit in Nimmerland und danach konfrontiert, als er ihre Tochter eines Abends stiehlt.
Die große Kunst von A. C. Wise ist es, die unterschiedlichen Szenerien aus dem ursprünglichen Original mit der nun sich anschließenden Fortsetzung sehr eng und fein zu verweben. Die Stilistik ist sehr ausgeprägt von einer bildhaften Sprache, die einen selbst in dieses Setting hineinzieht und bis zum Schluss nicht mehr loslässt. Die Bilder, die dabei im Kopf entstehen sind einmalig und wirken doch sehr real.
Wendy wird in diesem speziellen Plot sehr extrem mit ihrer eigenen Vergangenheit konfrontiert. Diese besteht dann eben nicht nur aus dem abenteuerlichen Ausflug nach Nimmerland sondern besitzt so viele andere sehr dunkle und dystopisch anmutende Facetten, die man beim Lesen erstmal verdauen muss. Durch verschiedenen zeitlichen Perspektiven nähern wir uns als Leser immer mehr Wendy hinzu, die dabei selbst einem harten Konfrontationskurs unterzogen wird. Dabei wird der Charakter immer bildhafter und man spürt förmlich die eigene Zerissenheit und Verletzlichkeit von Wendy.
Die hellen wie auch dunklen Schatten ihrer eigenen Vergangenheit holen sie urplötzlich ein und nichts ist mehr so rosarot, wie es vielleicht vorher schien. Wendy muss sich ihrer eigenen Vergangenheit wie auch ihren ureigenen Ängsten stellen und dabei über sich selbst hinauswachsen, will sie ihre Tochter Jane aus den Fängen des listigen Peters befreien.
Dieser Roman ist in meinen Augen so viel mehr als nur eine bloße "Fortsetzung" des ursprünglichen Nimmerland-Abenteuers. Der Plot geht viel mehr in die Tiefe, als man vielleicht zunächst gedacht hätte. Der Charakter von Wendy ist unheimlich tiefgründig aufgebaut. Es lohnt sich, diesen wirklich zu ergründen. Auch der nicht alternde Peter erscheint hier in einem ganz neuen Licht. Summa summarum eine tolle und lesenswerte Fortsetzung, die uns nach Nimmerland zurückführt und uns ganz andere Perspektiven auf die Welt zeigt. Wer dann beginnt zwischen den Zeilen zu lesen, erlebt ein äußerst tiefgründiges Buch, das noch sehr lange im Gedächtnis bleiben wird.
Rezensionen von liesmal:
Eine etwas andere Auszeit
The Hike von Lucy Clarke
Wasser und Berge – ein Blick aus dem Fenster zeigt ein Stück norwegischer Natur. Ein herrliches Bild, wenn da nicht die Blutflecken auf der Fensterbank wären!
Ich finde es großartig, dass die vier Frauen, die sich seit ihrer Schulzeit kennen, jedes Jahr ein paar Tage gemeinsam verbringen. Eine von ihnen sucht ein Reiseziel heraus, wobei bisher eher die Sonne und der Süden im Fokus standen und damit eine eher leichte und entspannende Zeit.
Doch diesmal hat Liz mit einer Wanderung in der Einsamkeit Norwegens eine besondere Herausforderung für sich und ihre Freundinnen gesucht.
Die Buchbeschreibung lässt bereits vermuten, dass es geheimnisvoll und gruselig werden könnte. Nicht nur körperlich gehen die Frauen bis an ihre Grenzen.
Der Aufbau des Buches ist gut gelungen. Die einzelnen recht kurzen Kapitel sind wechselweise mit den Namen der vier Freundinnen überschrieben. Und zwischendurch tauchen immer wieder Kapitel auf mit der Überschrift „Die Suche“.
Die Stimmung kippt – die Nerven sind zum Zerreißen gespannt…
Mich haben das Buch und seine Geschichte von Anfang an gepackt. Niemandem der auftauchenden Menschen kann man trauen, geschweige denn vertrauen. Immer ist da dieses Gänsehaut-Gefühl und daneben die Angst vor dem Bösen.
Dies ist mein erstes Buch von Lucy Clarke und ich habe sie als Meisterin der Thriller für mich entdeckt. Sehr gern gebe ich meine volle Leseempfehlung.
Rezensionen von Anja:
Abenteuer, Freundschaft & Zusammenhalt
Bella und die Böllersum-Bande von Karin Gothe
Bella und ihre Bande führt ein unbeschwertes Leben in Böllersum – bis ihre kleine Dorfschule geschlossen werden soll, wodurch die Kinder auf unterschiedliche Schulen in der Umgebung gehen müssten. Die Kinder wehren sich gegen die Schulschließung und beginnen zu streiken. Um die nötige Aufmerksamkeit zu bekommen, greifen sie zu ungewöhnlichen Mitteln.
„Beerdigungen in Böllersum sind was Feines.“ , ist der erste Satz der Geschichte und hat mich direkt stutzen lassen. Bellas Opa ist gestorben. Für das ganze Dorf ist dieses Ereignis ein Fest, das fröhlich (und etwas chaotisch) begangen wird. Trotz dieser positiven Darstellung kein einfaches Thema.
Das Dorfleben ist sehr gemütlich und harmonisch beschrieben. Die Kinder sind abenteuerlustig und fantasievoll. In einem leerstehenden Lokal haben sie sich ihr Quartier eingerichtet, in dem sie sich regelmäßig treffen. Auch um die Pläne zur Rettung der Schule zu schmieden.
Bella bekommt ein Buch zum Thema Revolution in die Finger, das verschiedene Tipp zum Widerstand liefert und zudem dazu aufruft, radikal zu sein. Dabei schießen die Kinder in meinen Augen manchmal über das Ziel hinaus. Sie entwickeln kreative, teils aber auch sehr extreme Ideen, die nicht immer gut durchdacht sind, und das Dorfleben durcheinander bringen. Einige Begriffe rund um die Revolution und zivilen Widerstand werden am Ende des Buches in einfacher Sprache erklärt. Dennoch empfinde ich die Begrifflichkeiten und Thematik für die Zielgruppe ab 8 Jahren als recht anspruchsvoll.
Es ist eine Geschichte über Zusammenhalt und den Mut, für die eigenen Interessen einzustehen. Da es einige Pannen gibt, wird auch die Freundschaft von Bellas Bande auf die Probe gestellt. Es kommt zu verschiedenen Streitigkeiten, die ich für die Zielgruppe als sehr lebensnah beschrieben fand. Speziell Bella hat stark mit ihren Emotionen zu kämpfen und mehrere kleine Wutausbrüche. Die ganze Dynamik in der Freundesgruppe ist realitätsnah, es gibt Streit, Entschuldigungen, Ängste vor Verlust und den Wunsch nach Zugehörigkeit. Ein Kind der Gruppe „haut die anderen, wenn er wütend wird“ (S. 8). Auch das kein unnormales Verhalten unter Kindern, allerdings hat mir an einigen Stellen die Art der Beschreibung, dass es normal und in Ordnung ist, nicht zugesagt. Wobei hierzu gesagt sei, dass Bella die Ich-Erzählerin der Geschichte ist und die kindliche Wahrnehmung entsprechend anders ausfällt.
Der Schreibstil ist lebendig und – von Revolutionsvokabular abgesehen – kindgerecht. Kleine schwarz-weiße Zeichnungen lockern die Geschichte auf.
Gut gefallen hat mir auch die kurze Einleitung zu allen Kindern, die jeweils mit einem kleinen Foto und den wichtigsten Infos versehen ist. So ist es gerade zu Beginn möglich, nochmal kurz nachzuschlagen, um den Überblick zu behalten.
Fazit
Ein lebendiges Dorfabenteuer mit ernsten Themen, das dazu aufruft, für die eigenen Rechte und Interessen einzustehen und sich von Rückschlägen nicht entmutigen zu lassen, wobei besonders der Gedanke, dass man Dinge gemeinsam meistern kann, herausgearbeitet wird. Die gewählten Mittel sind dabei allerdings manchmal etwas (zu) extrem. Die realitätsnahen kleinen Konflikte zwischen den Kindern und die lebendige Schreibweise haben mir gut gefallen.
Rezensionen von Anja:
Viel Gefühl und einige Längen (3,5)
Northern-Hearts-Reihe, Band 1 - Somebody to Love. von Rebekka Weiler
Vor 8 Monaten ist Freyas Freund Hendrik gestorben. Sie kann ihn nicht vergessen und will nicht glauben, dass er wirklich bei einem Einbruch einen Wachmann angegriffen hat.
Als sie eine unerwartete Entdeckung macht, bitte Freya Hendriks Bruder Emil um Hilfe. Sie teilen ihre Trauer, gehen den Ereignissen der Todesnacht auf die Spur und kommen einander näher.
Doch ihre Gefühle füreinander wollen sie nicht zulassen…
Freya und Emil schildern abwechselnd ihre Erlebnisse aus der Ich-Perspektive. Dazwischen gibt es kurze Rückblicke ins Leben der Drillinge Hendrik, Emil und Lene, die einigen Unsinn gemacht, aber immer zusammengehalten haben.
Emil mochte ich sofort. Er ist freundlich und hilfsbereit. Er ist jederzeit für Freya da, stützt und unterstützt sie und versucht auch in seiner Familie für eine friedliche Stimmung zu sorgen, obwohl die Situation sehr angespannt ist.
Freya hat es seit Hendriks Tod nicht leicht. Nicht nur mit ihrem Verlust hat sie zu kämpfen, sondern auch mit dem negativen Bild, dass seitdem von Hendrik geschaffen wurde und an das auch ihre Eltern plötzlich glauben wollen, sodass sie wenig Verständnis für Freyas anhaltende Traurigkeit aufbringen.
Die Suche nach neuen Spuren gibt ihr Hoffnung und ein Ziel, bringt aber natürlich auch viele Erinnerungen zurück.
Durch die gemeinsame Suche verbringen Freya und Emil viel Zeit miteinander. Ganz langsam kommen sie sich näher. Wie sie beginnen, einander mit anderen Augen zu sehen, aber wegen ihrer Gefühle einen inneren Konflikt entwickeln, fand ich schön beschrieben. Letztlich war ich aber doch überrascht, wie schnell es sich dann entwickelt.
Und obwohl zwischen Emil und Freya eigentlich alles geklärt ist, kommt es dann zu unschönen Szenen. Das Verhalten mancher Figuren fand ich ziemlich übertrieben und unpassend. Auch die Lösung des Konflikts hat mir nicht zugesagt, da es in meinen Augen die falsche Person ist, die sich für die falschen Dinge einsetzen muss.
Die verschiedenen Charaktere haben alle ihren ganz eigenen Umgang mit der Trauer. Aber auch wer trauert, darf (wieder) glücklich sein. Und trotz Verlust darf Freya wieder lieben – diese Botschaften waren schön in die Handlung eingebunden.
Spannend fand ich die Such nach Antworten, die einige unerwatete Hintergründe zutage fördert. Allerdings dauert dieser Prozess sehr lange, sodass der Handlungsverlauf letztlich sehr ruhig ist und insgesamt sehr wenig passiert.
Die bildhaften, stimmungsvollen Landschaftsbeschreibungen machen Lust auf einen Norwegenurlaub.
Fazit
Ruhige Geschichte, die voller Emotionen steckt, die allerdings manchmal zu sehr überkochen. Jede/r trauert auf seine ganze eigene Art – aber nicht immer war das Handeln der Figuren für mich nachvollziehbar. Obwohl die Entwicklung zwischen Freya und Emil schön beschrieben ist und die Suche nach Antworten spannende Momente hat, hatte die Handlung für mich einige Längen.
Rezensionen von Anja:
Schöner, aber ruhiger Auftakt
Northern-Hearts-Reihe, Band 1 - Somebody to Love. von Rebekka Weiler
Katrina Smythe hatte vor einen Jahr einen tödlichen Unfall. Seitdem ist sie eine Untote und froh darüber, da sie sich nicht mehr mit aufgewühlten Teenagergefühlen herumschlagen muss.
Als eine Jägerfamilie im Nachbarhaus einzieht, wird ihr Leben aber dennoch wieder turbulent. Nicht nur, dass die Jäger Hilfe von den Übernatürlichen erbitten, Katrina wird auch noch unfreiwillig an den gleichaltrigen Tate gebunden.
Ausgerechnet an den Feind gekettet – der absolute Horror für Katrina. Besonders als ihr Körper beginnt, Gefühle zu entwickeln, die sie gar nicht haben dürfte…
Die Urban-Fantasygeschichte kommt mit einem spannenden Mix verschiedenster Wesen daher: Katrina ist eine Untote, ihre Schwester ist eine Hexe, ihr Bruder ein Werwolf und ihre Eltern Vampire. Zudem gibt es noch die Jäger, die die Übernatürlichen töten.
Und die „normalen Menschen“ wissen nichts vom alledem.
In der Schule ist die 18-jährige Katrina eine Außenseiterin. Zwar wissen ihre Mitschüler:innen nichts von ihrer wahren Identität, aber sie gilt trotzdem als komisch, wird gemieden und schräg angeschaut. Ihre Schwester ist ihre beste Freundin. Das liebste Spiel der beiden ist es, sich gegenseitig tödliche Streiche zu spielen. Und so geht es im Hause Smythe manchmal chaotisch und turbulent daher.
Als Untote ist Katrina übermenschlich stark und fühlt anders (weniger) als Menschen und andere Übernatürliche. Ihre nüchterne, teils gleichgültige Art fand ich sehr angenehm. Allerdings ändert sich diese im Verlauf der Geschichte. Als Katrina unfreiwillig an den Jäger Tate gekettet wird, stellt sie fest, dass die lange nicht so gefühlskalt ist, wie sie dachte – und wie sie gern sein möchte.
Dass Tates Jägerfamilie die Hilfe der Übernatürlichen erbittet, ist bereits ungewöhnlich. Die unfreiwillige Verbindung von Katrina und Tate zwingt aber beide dazu, noch tiefere Einblicke ins Leben, die Kultur und Absichten der jeweils anderen zu bekommen. Und letztlich erkennen beide, dass sie voller Vorurteile sind.
Anfangs ist die Stimmung extrem angespannt. Zwar hatte Katrina bereits zugestimmt, den Jägern zu helfen, aber Tate so nah bei sich zu haben, bringt sie regelmäßig auf die Palme. Ganz langsam ändert sich die Beziehung der beiden. Die Feindseeligkeit wechselt zu einem spielerisch neckenden Verhalten. Sie wollen einander ehrlich unterstützen und helfen.
Das Zusammenspiel von Tate und Katrina, die Entwicklung und Veränderung in ihrem Verhalten und Denken übereinander hat mir richtig gut gefallen.
Drum herum gibt es noch eine Story – rätselhafte Vorfälle, in die auch beide Familien irgendwie ein wenig verwickelt sind. Leider kommt dieser Handlungsstrang insgesamt zu kurz. Letztlich fand ich die Geschichte zwar interessant, der Handlungsverlauf aber eher ruhig und langsam. richtige Spannung kommt noch nicht auf, da an dem Handlungsstrang, der Geheimnisse und Dramatik verspricht, nur gekratzt wird.
Das Ende ist dann ein riesiger Cliffhanger, der deutlich turbulentere Ereignisse für den zweiten Band verspricht.
Rebecca Veil und Louis Friedemann Thiele machen in meinen Augen (oder Ohren) einen guten Job. Beiden habe ich sehr gern zugehört, sie bringen die Eigenheiten ihrer Figuren in der Betonung gut rüber. Besonders Katrinas mal patzige, mal aggressive, mal aufgewühlte Stimmung fand ich schön dargestellt.
Fazit
Vielfältige Wesen, interessante und facettenreiche Hauptfiguren, die beide eine große Entwicklung durchmachen und vor allem mit ihren verbalen Schlagabtauschen für Momente zum Schmunzeln sogen, aber auch ernst Gespräche führen.
Insgesamt passiert mir aber zu wenig. Die möglicherweise spannendenden, rätselhaften Ereignisse werden nur am Rande angedeutet, spielen aber noch kaum eine Rolle. Die Entwicklung zwischen Tate und Katrina (die auch wirklich toll dargestellt ist) steht hier klar im Fokus.










