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Kunden em pfehlungen

Rezensionen von Gaby 2707:

Der Unterschied zwischen Plan und Ausführung

Der Karma-Effekt von Marion Demme-Zech

BIC Lenny, Lorenzo und Broke sind schon ein ungewöhnliches Gaunertrio. Egal, was sie anfangen, es geht schief. Ob sie einen Parkautomaten ausrauben, in einer Bar die Einnahmen stehlen oder die Original Fliesen aus der Titanic klauen wollen. Nix klappt. Aber jedes versuchte Verbrechen endet in einer guten Tag und führt zu mehr Pluspunkten auf ihrem Karma-Konto.

Ich kann mich gar nicht entscheiden. Ist dieses Buch nun ein humorvoller Krimi oder eher ein Reiseführer. Er hat von beidem alles, was es dazu braucht. Für mich ist es ein krimineller Reiseführer zu wunderschönen Orten im Saarland.
Mit „Tatort Heimat - der Entdeckerkrimi für das Saarland“ hat Autorin Marion Demme-Zech eine originelle, sehr unterhaltsame, in Teilen auch spannende Geschichte kreiert und mit vielen humorvollen Dialogen gespickt. Ich habe bei jedem Coup, den die drei geplant haben, mitgefiebert, ob es diesmal vielleicht klappen würde. Warum BIC Lenny, der die Geschichte aus seiner Sicht erzählt, so viel Geld braucht, was drei andere Ganoven damit zu tun haben und wie das alles zum Schluss ausgeht, das solltet ihr beim Lesen dieses Buch selbst heraus finden.
Besonders gut gefallen hat mir hier, dass ich die vielen Orte, an denen ich mich mit dem Gangstertrio aufhalte, in 54 farbigen Bildern anschaulich angeboten bekomme. Die Fotos und auch die in der Geschichte enthaltenen Beschreibungen bereichern das Geschehen ungemein und machen richtig Lust, dieses Bundesland an der Grenze zu Frankreich und Luxemburg zu entdecken.
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Ein äußerst ansprechendes und abwechslungsreiches Buch nicht nur für eingefleischte Saarland- oder Krimi-Fans. Mir hat dieser kriminelle Streifzug durchs Saarland sehr gut gefallen.

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Rezensionen von Mabla59 :

Reise in vergangene Zeiten

Herrliche Zeiten - Die Himmelsstürmer von Peter Prange

Mit "Herrliche Zeiten - Himmelstürmer" entführt Peter Prange die Lesenden in das Europa, ganz speziell in das mondäne Karlsbad, des endenden neunzehnten Jahrhunderts und erzählt eine fiktionale Geschichte über Liebe und Freundschaft im Schatten des Krieges, verflochten mit historischen Fakten.

Es ist die Geschichte von Vicky, der Tochter einer angesehenen Industriellenfamilie aus London, Paul, einem Berliner Ingenieur und Auguste Escoffier, einem angehenden Pariser Meisterkoch mit hohen Zielen.
Ein Streit im Hotelgarten führt das ungleiche Trio zusammen.
Peter Prange hat gründlich recherchiert und es wieder einmal geschafft, mich mit seinem flüssigen, angenehmen Schreibstil völlig an das Buch zu fesseln.
Seine Charaktere sind wie immer authentisch und nachvollziehbar, besonders die vor Lebenslust sprühende Vicky, die immer wieder mit dem Korsett der damaligen Generation hadert.
Besonders gut haben mir die Erklärungen und Erläuterungen am Ende des Buches gefallen.
Da es sich um eine Duologie handelt, freue ich mich heute schon auf die Fortsetzung im nächsten Jahr.

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Rezensionen von Kapitel60:

Ein tolles Geschenk für Vorschulkinder

Leserabe Sonderausgaben - Deine große Leseraben Vorschul-Box von

Worum geht’s?
Die große Leseraben Vorschul-Box überrascht mit ihrem tollen Inhalt. Für einen verhältnismäßig niedrigen Preis wird hier wirklich einiges geboten. Neben drei Büchern sind auch Spiele und Sticker zu finden.

Cover, Illustrationen
Wenn man diese Schachtel sieht, dann will man sie einfach haben.

Sie ist genauso liebevoll gestaltet wie der Inhalt. Die Bücher selbst sind nicht neu und können auch separat erworben werden. Hier hätte man vielleicht Bücher inkludieren können, die es exklusiv mit der Box gibt. Jedes einzelne Buch ist gut aufgebaut und für Leseanfänger*innen bestens geeignet. Die Spiele sind einfach zu verstehen und kurzweilig.

Fazit
Hier stimmt das Preis-Leistungsverhältnis. Hier kommt Lernen und Spielen nicht zu kurz. Mein jüngeres Enkelkind kommt nächstes Jahr in die Schule. Er liebt vor allem das Reimspiel und die Buchstabenrätsel sind eine gute Vorbereitung auf die Schule.

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Rezensionen von Mabla59 :

Orkan an der Ostsee

Nachtflut von Stina Westerkamp

"Nachtflut" von Stina Westerkamp, einem Pseudonym der Schriftstellerin, ist ein spannender Psychothriller, der mich direkt von der ersten Seite an gepackt hat.
Ein düsteres Cover in starken Farben zieht den Blick extrem an und deutet unmissverständlich an, um was es inhaltlich geht.

Das Buch spielt an der Ostseeküste, wo ein Orkan droht und die Bewohner zur Evakuierung zwingt. Aber Elisa wartet, bis alle anderen weg sind. Aber auch in dem Haus nebenan sind noch zwei Leute, die etwas zu verbergen scheinen. Dann bricht der Deich, und die drei Menschen sitzen in der Falle. Gleichzeitig gelingt einigen Häftlingen die Flucht aus dem örtlichen Gefängnis, und einer von ihnen hat es auf Elisa abgesehen.
Stins Westerkamp schafft mit ihrem Schreibstil eine bedrückende Atmosphäre, die mich trotzdem ans Buch gefesselt hat. Ihre Charaktere sind gut ausgearbeitet. Der Spannungsbogen wird hochgehalten mit immer neuen Wendungen und die Auflösung hat mich wirklich überraschend.
Trotzdem ist "Nachtflut" ein gelungener Thriller, der mir einige schlaflose Nächte bereitet hat

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Rezensionen von EvaLiest:

Süße Geschichte

Pino - Ein Abenteuer auf vier Pfoten von Annika Scheffel

In dem Kinderbuch PINO - ein Abenteuer auf vier Pfoten von Annika Scheffel verbringen zwei Brüder das Wochenende alleine, während die Mutter in den dringend notwendigen Erholungsurlaub fährt (ein Detail, das ich grundsätzlich sehr begrüße, denn auch Kinder dürfen ruhig früh lernen, dass Eltern Pausen brauchen; die Umsetzung hätte ich mir allerdings etwas besser gewünscht - siehe Kritikpunkt am Schluss).

Während Pino sich auf ein Spiel- und Spaßwochenende mit seinem großen Bruder freut, möchte dieser nur alleine in seinem Zimmer chillen. Nach mehreren Versuchen von Pino, Janne doch zum Spielen zu animieren, ist dieser so genervt, dass er ihm im Streit an den Kopf wirft, dass er sowieso viel lieber einen Hund als einen kleinen Bruder hätte. Kurz darauf passiert es dann: Pino verwandelt sich tatsächlich in einen kleinen Hund! Nachdem er aus der Wohnung gerannt ist, erlebt er unzählige Abenteuer in der Stadt, findet in der Katze Fritzi einen neuen Freund und macht viele neue Erfahrungen. Ein absolutes Highlight war hier, dass Pino auf seinen Abenteuern auch in einem Museum landet und dort ein Dinosaurierskelett vorkommt. Für meinen kleinen Dinofan hat das die Geschichte gleich noch interessanter gemacht. Ob (und wenn ja: wie) er wieder nach Hause findet oder sich zurückverwandelt, verrate ich an dieser Stelle nicht, das müsst ihr selbst nachlesen.

Insgesamt eine süße Geschichte, die von Lisa Rammensee sehr schön illustriert wurde. Einziger kleiner Kritikpunkt ist, dass ich es wenig realistisch/verantwortlich finde, ein Kind, das vermutlich 6 oder 7 Jahre alt ist, ein ganzes Wochenende in die Obhut des großen Bruders zu geben, der so wirkt, als wäre er etwa 13 oder 14. Natürlich ist an dem Buch grundsätzlich wenig realistisch, und das ist ja auch der Zauber der Geschichte, aber zumindest innerhalb der Rahmengeschichte hat mich das etwas gestört. Meinen Sohn natürlich überhaupt nicht, und das ist ja letztendlich auch das Wichtige.

Mein Fazit: eine wunderbare Geschichte zum Vorlesen, die sowohl lustige Momente beinhaltet als auch solche, die zum Nachdenken anregen. Mir und meinem Sohn (5) hat es sehr gut gefallen.

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Rezensionen von EvaLiest:

Nette Geschichten aber leider auch einige Stereotype

Murmelschreck und der Pantoffelfresser von Frank Maria Reifenberg

Das Buch Murmelschreck und der Pantoffelfresser, geschrieben von Frank Maria Reifenberg und illustriert von Maja Bohn ist in mehrere Kapitel eingeteilt. In jedem davon erlebt Murmelschreck ein anderes Abenteuer auf dem Rummelplatz.
Meinem Sohn hat die Geschichte mit der Geisterbahn am besten gefallen, mir selbst die mit dem goldenen Karussell.

Grundsätzlich hatte mein Sohn (5 Jahre alt) viel zu lachen und hat sich an den Geschichten und auch den Illustrationen erfreut. Seine Lieblingsstelle ist wohl, als Adalbert Bombasto Ceralius (ja!) ein Wort mit K für einen Zauberspruch sucht. Mein sprachbegeistertes Kind hat hier gleich selbst mitgesucht :). Stellenweise haben ihm die Geschichten also sehr gut gefallen, allerdings habe ich gemerkt, dass er insgesamt nicht so gefesselt war, wie bei manch anderen Büchern.
Mir persönlich waren ein paar zu viele Klischees/Stereotype dabei: der hässliche Troll, die zarte Fee und natürlich ist es der Troll, der einen Fehler macht und die gutmütige Fee, die ihm hilft, ihn wieder auszubaden. Grundsätzlich finde ich auch nicht, dass eine bärtige Frau als Zirkusattraktion dargestellt werden sollte. Zudem (und das ist total subjektiv und hat nichts mit der Qualität der Geschichten zu tun) waren mir die Geschichten einen Tick zu lang zum Vorlesen.
Insgesamt ein nettes Kinderbuch, das wir gerne gelesen haben, das aber vermutlich nicht zu unseren Favoriten gehören wird.

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Rezensionen von EvaLiest:

Sehr interessant, aber anders als der Klappentext vermuten lässt

Die Lungenschwimmprobe von Tore Renberg

Die Lungenschwimmprobe von Tore Renberg, übersetzt aus dem Norwegischen von Karoline Hippe und Ina Kronenberger, behandelt das Schicksal der Anna Voigt, einer jungen Frau, die bezichtigt wurde, ihr Kind nach der Geburt umgebracht zu haben.
Es wird in relativ langen Kapiteln erzählt, die jeweils die Perspektive unterschiedlicher am Prozess beteiligter Personen fokussieren.

Wir erfahren viel über die damaligen Gesetze (v.a. über die Carolina), die das gottesfürchtige und misogyne Weltbild widerspiegelten und darüber, wie schwierig es war, mit Logik und Argumenten dagegen anzukämpfen. Ab und zu empfand ich es als etwas langatmig und repetitiv, letztendlich hat das aber die Leselust nicht getrübt und ich bin durch die 700 Seiten innerhalb weniger Tage geflogen.

Sehr interessant fand ich die Erzählhaltung, denn der Erzähler präsentiert sich auf der einen Seite als allwissend (bis auf wenige Ausnahmen, wie z.B. im zweiten Buch), lässt aber an einigen Stellen auch seine Unzuverlässigkeit durchblicken, wenn er beispielsweise von Vermutungen spricht. Er präsentiert sich außerhalb des Geschehens und verweist auf die Forschungslage, verwendet aber die damals übliche Sprache (inklusive sehr verschachtelter Satzgefüge mit mehreren Einschüben, was sich jedoch nach ein paar Kapiteln relativ flüssig lesen ließ). Diese Gegensätze erzeugen eine gewisse Spannung, die sehr subtil wirkt, und für mich typisch für gute historische Romane ist. Man fragt sich beim Lesen, wo genau die Grenze zwischen Wirklichkeit und Fiktion verläuft, und passt die eigenen Erwartungen immer wieder neu an. Auch gibt es anekdotische Kapitel, in denen der Autor den Entstehungsprozess kommentiert.

In diesem Zusammenhang möchte ich die Ausdauer und Genauigkeit, mit der der Autor recherchiert hat, erwähnen. Am Ende des Buches findet sich ein QR-Code, mit dem man ein Dokument herunterladen kann, in dem sich ein Register sämtlicher historischer Personen findet, die im Roman vorkommen, inklusive teils ausführlicher Beschreibungen. Zusätzlich enthält es eine umfangreiche Übersicht der Sekundärliteratur und Abbildungen (wie Zeichnungen und Karten), mithilfe derer man sich die Originalschauplätze noch besser vorstellen kann. Natürlich braucht es das nicht unbedingt, ich fand es bei diesem Roman jedoch sehr aufschlussreich. Ich hätte mich gefreut, dafür nicht extra das Handy zur Hand nehmen zu müssen und bei Erwähnung eines neuen Namens einmal schnell hinten im Buch nachschauen zu können, aber ich kann auch verstehen, dass das Buch dann noch um einiges dicker geworden wäre.

Ich kann mir gut vorstellen, dass die bereits erwähnte Sprache für einige Leser:innen ein Grund sein könnte, das Buch zur Seite zu legen. Viele Latinismen oder gar gleich lateinische Passagen, viele gestelzte, gekünstelte Konstruktionen und ausschweifende Monologe, die sich an der Rhetorik des siebzehnten Jahrhunderts orientieren, sorgen für einen sehr eigenwilligen Stil. Auch schwingt bei den Herren der gehobenen Berufsstände (ob nun Juristen, Theologen oder Mediziner) eine gewisse Arroganz mit, die nicht immer sympathisch ist. Ich fand es schade, dass die männlichen Sichtweisen so viel Raum einnehmen und Anna vergleichsweise wenig zu Wort kommt bzw. wir wenig aus ihrer Perspektive erzählt bekommen. Das mag die damaligen Verhältnisse repräsentieren, muss in aktueller Literatur ja aber nicht unbedingt so reproduziert werden.

Aufgrund des Titels und des Klappentextes hatte ich erwartet, mehr Fokus auf der Lungenschwimmprobe, dem wissenschaftlichen medizinischen Prozess und den Bemühungen der Aufklärung zu finden. Tatsächlich geht es allerdings sehr viel um die Darstellung der Gesellschaft und die Innenwelt der Protagonisten.

Insgesamt war das ein sehr unterhaltsamer und interessanter Roman, den ich trotz der vielen Seiten sehr schnell gelesen habe, auch wenn er nicht unbedingt das fokussiert, was ich mir erhofft hatte. Bei der Bewertung mit Sternen tue ich mich gerade etwas schwer, denn hier spielen besonders viele Kriterien eine Rolle, die sehr unterschiedlich ausfallen. Ich denke, 3,5 passt insgesamt ganz gut; ein Buch, das ich ganz gerne gelesen habe, aber doch die ein oder andere kleine Schwäche hat.

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Rezensionen von EvaLiest:

Sprachgewaltig und so wichtig

When Women were Dragons - Unterdrückt. Entfesselt. Wiedergeboren: Eine feurige, feministische Fabel für Fans von Die Unbändigen von Kelly Barnhill

“[Y]ou did not raise me to be an angry woman, [...] I was never allowed to be angry, was I? [...] Until, at last, I learned to stop denying myself.” (3)

When Women Were Dragons von Kelly Barnhill hat mich absolut überwältigt. Selten habe ich so viele zitierwürdige Stellen in einem Buch markiert oder einfach nur "Yes!" an den Rand geschrieben, weil die Sätze der Autorin so wunderschön, so treffend, so relevant sind.

Darum geht's:
In den 1950ern kommt es in den USA zu einem Phänomen, das als “dragoning” bezeichnet wird: immer mehr Frauen verwandeln sich scheinbar ohne ersichtlichen Grund in Drachen, verlassen ihre Familien und nutzen die neu gewonnenen Fähigkeiten, um Gebäude oder auch Ehemänner in Brand zu setzen. Die Geschehnisse werden von der Gesellschaft zunächst geleugnet und später öffentlich verurteilt.

Viel mehr kann ich dazu gar nicht schreiben, ohne wichtige Elemente der Geschichte zu verraten. Nur so viel: es ist ein Buch über das kreative Potenzial von Frauen, die sich gegen den patriarchalen Mythos auflehnen, aufgrund ihrer weiblichen Körper minderwertig zu sein. Es ist ein Buch, das zeigt, welche produktive Kraft entfesselt werden kann, wenn wir unserer Freude und unserer Wut freien Lauf lassen können, ohne dabei in Kategorien wie “zu kindlich” oder “nicht ladylike” gesteckt zu werden. Es ist auch ein Buch, das ganz klar deutlich macht, dass Feminismus eben nicht bedeutet, Verhalten, das mit traditionellen Geschlechterrollen assoziiert wird, aus Prinzip zu verurteilen - vielmehr geht es darum, eine echte Wahl zu haben und ein selbstbestimmtes Leben zu führen. Und nicht zuletzt ist es ein Buch über Mutterschaft, Freundschaft und den Zusammenhalt unter Frauen, und das daraus resultierende schöpferische Potenzial.

Was mir neben der Geschichte besonders gefallen hat, war die lyrische, malerische Sprache, bei der jedes Wort mit Bedacht gewählt wurde. Ich hoffe sehr, dass das bei der deutschen Übersetzung nicht zu sehr verloren geht. Allen, die gerne auf Englisch lesen, empfehle ich das Original, aber auch die deutsche Ausgabe ist lesenswert.

Und damit diese Rezension eine runde Sache wird, lasse ich euch zum Schluss eine Frage da, die sich wunderbar auf den Anfang bezieht und die wir uns viel öfter stellen sollten: “Who benefits, my dear, when you force yourself to not feel angry?” (208)

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Rezensionen von EvaLiest:

Nicht ganz was ich erwartet hatte

Als wir im Schnee Blumen pflückten von Tina Harnesk

Der Titel hat mir richtig gut gefallen und auch die Prämisse klang spannend: eine Frau verheimlicht ihrem dementen Ehemann, dass sie schwer erkrankt ist und versucht stattdessen mit Hilfe einer KI-Stimme in ihrem Handy, ihren verschollenen Ziehsohn zu finden.

Aber leider ist diese Storyline nur eine von vielen und schöpft ihr Potenzial nicht aus.

Es mag auch sein, dass ihr hier einfach eine falsche Vorstellung hatte, aber ich hätte mir diesen Teil der Geschichte irgendwie witziger vorgestellt.

Zudem springt die Erzählung zwischen verschiedenen Ebenen und Perspektiven, was mich ehrlich gesagt ein wenig verwirrt hat. Das ständige Hin und Her macht es für mich unnötig schwer, in die Geschichte einzutauchen und die Charaktere kennenzulernen. Es braucht auch immer kurz am Anfang eines Kapitels, um sich in die entsprechende Konstellation einzufinden.

Ich bin dennoch froh, dass ich bis zum Ende durchgehalten habe, denn im letzten Viertel hat es mich dann doch irgendwie gepackt. Es kommen einige Informationen ans Licht, die noch einmal beeinflussen, wie man das Gelesene bzw. Gehörte wahrnimmt und der Abschluss von Mariddjas und Bieras Geschichte war gleichzeitig traurig und auch was fürs Herz.

Das letzte Kapitel wirkte auf mich dann leider etwas aufgesetzt und so, als hätte man es angehängt, um eine politische Aussage zu machen. Schade nach diesem eigentlich sehr schönen Schluss.

Was mich aber leider am meisten gestört hat - und das ist eher selten der Fall - ist die Sprache. Auf der einen Seite wurden die blumigsten Metaphern verwendet und die Sätze lasen sich fast lyrisch, auf der anderen Seite fanden sich eher derbe, schroffe Worte und das hat für mich überhaupt nicht zusammengepasst. Ich habe mich öfter dabei ertappt, wie ich mit den Augen gerollt habe, wenn ein ganz trivialer Sachverhalt poetisch überhöht wurde.

Ich glaube, zusammenfassend lässt sich sagen, dass ich nicht die richtige Leserin für das Buch war. Ich bin mir aber sicher, dass es anderen Menschen bestimmt richtig gut gefällt, weil durchaus viel Potenzial drin steckt. Also lasst euch von meiner Meinung nicht abschrecken!

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Rezensionen von EvaLiest:

Unheimlich präzise Beobachtung innerfamiliärer Strukturen

Wenn nachts die Kampfhunde spazieren gehen von Anna Brüggemann

Anna Brüggemanns Wenn Nachts die Kampfhunde Spazieren Gehen ist laut Cover ein „Roman über Mütter und Töchter“. Und das trifft es eigentlich schon richtig gut, denn alles, das passiert, lässt sich in irgendeiner Form auf die Beziehung zur Mutter oder aber auch zwischen den Schwestern zurückführen.

Den Roman zu besprechen fällt mir nicht ganz leicht, denn ich finde, dass das, was man beim Lesen empfindet, sehr viel Intimes preis gibt. Je nachdem, wie man die eigene Beziehung zur Mutter und vielleicht auch zu Schwestern erlebt hat, wird man ganz unterschiedlich auf das Buch reagieren. Und ob ich jetzt unbedingt meine familienbezogenen Traumata offenlegen möchte, weiß ich auch nicht… ????
Ganz unabhängig davon lässt sich aber sagen, dass der Autorin ein wirklich guter Roman gelungen ist. Keine der drei Protagonistinnen bleibt verschont von einer knallharten Analyse ihrer Schwachstellen und Probleme, und während sich die Töchter mal mehr, mal weniger reflektiert mit ihren Traumata auseinandersetzen, so bleibt die Mutter bis zum Schluss auf einer sehr oberflächlichen Ebene und scheint sich gar nicht zu trauen, sich ihre Psyche mal genauer anzusehen – das macht sie nur bei Fremden, denn sie ist Psychologin.
Mich hat beeindruckt, wie genau Anna Brüggemann das komplexe Zusammenspiel der drei Empfindlichkeiten seziert und offenlegt und dabei ständig den Finger in der Wunde hat, ohne einen moralischen Zeigefinger zu erheben. Und dennoch gelingt es ihr, zu zeigen, dass wir zwar anerkennen können, dass äußere Faktoren an unseren psychischen Problemen Schuld haben können, wir aber selbst Verantwortung übernehmen müssen, um uns und zukünftige Generationen von der Last des transgenerationalen Traumas zu befreien.
Der Roman bildet meiner Meinung nach gut ab, wie Traumabewältigung und generell Selbstreflektion und die Beschäftigung mit der eigenen psychischen Gesundheit in den unterschiedlichen Generationen stattfinden. Von den Boomern (Regina) über die Millenials (Wanda und Antonia) bis hin zu Gen Z (Celina) wird die Kommunikation immer ein Stück ehrlicher, offener, selbstreflektierter und dadurch letztendlich weniger schädlich. (Versteckte) Misogynie und Machtspiele nehmen ab, während Authentizität und Lebensfreude zunehmen.
Ich könnte noch sehr viel mehr dazu schreiben und tiefer in die Analyse der einzelnen Figuren gehen (besonders spannend finde ich zum Beispiel die Frage der Identitätskonstruktion und -aufrechterhaltung: Während Regina jedwede Kritik von sich abperlen lässt, konstruiert Wanda eine möglichst ideale aber komplett unauthentische Persönlichkeit und Antonia scheint auf alles Identitätsstiftende zu verzichten). Aber dann würde ich vermutlich schon zu viel vom Inhalt verraten müssen und das möchte ich natürlich nicht.

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