Kunden em pfehlungen
Rezensionen von yellowdog:
Das Alphabet des Zauberbergs
Zauberberge von Thomas Sparr
Thomas Manns Zauberberg, dieses Jahrhundertbuch ist sehr reichhaltig, voll an Themen und Motiven. Um dem gerecht zu werden, lässt Thomas Sparr seine Kapitel am Alphabet entlang wandern. Und zu jedem Buchstaben findet er viel erwähnenswertes. Ich nenne nur ein paar: A wie Ankunft, B wie Bleistift ….
Demokratie, Humanität, Ironie, Krieg, Queer, Schnee, Tod.
Über Thomas Mann wurde schon viel geschrieben. Thomas Sparr zitiert daher einige Male und immer treffend.
Wer sich schon viel mit dem Zauberberg beschäftigt hat, begegnet vielen wieder. Man kann aber so einiges neues erfahren. Ich wusste zum Beispiel nicht, dass die Figur des Naphta auf den ungarischen Philosophen Georg Lukacs zurückging. Oder dass das Original-Manuskript des Zauberbergs verlorenging. Auf einer Seite dieses Buches ist ein Foto abgebildet, bei dem das Manuskript auf Manns Schreibtisch lag.
Fotos sind sonst leider sparsam und doch sieht man Thomas Mann am Anfang des Buches beim Eisfest in Davos 2021. Großartig!
Rezensionen von Gaby 2707:
Ein gelungener Auftakt der historischen Familiensaga
Fräulein Liebe und das Glück der Bücher von Susanne Esser
Im Frühjahr 1945 ist der 18jährigen Eva Therese Liebe im zerbombten Berlin nichts mehr geblieben. Sie hat ihre Mutter und ihre kleine Schwester in den Trümmern ihres Hauses verloren. Ihr Verlobter Alfred Krüger ist dem Krieg zum Opfer gefallen und bei ihren Schwiegereltern kann sie nun auch nicht mehr bleiben.
Mit letzter Kraft macht sie sich auf den Weg nach Andernach am Rhein zum Bruder ihrer Mutter. Doch auch Onkel August ist an der Front und Tante Maria liegt gar nichts daran, dass Eva bei ihr und ihren beiden Mädchen bleibt. Aber Eva beweist ihr Geschick mit Büchern umzugehen und erwirbt sich nach und nach das Vertrauen ihrer Tante und einiger Menschen, die sich das Lesen und Debattieren über die verbotenen Bücher nicht verbieten lassen und über das Verbot hinweg setzen. Und auch ein junger Schreiner hat etwas damit zu tun, dass sich Eva in Andernach immer wohler und aufgehobener fühlt.
Bd. 1 der Rhein-Buchhandlung-Familiensaga beginnt mit einem dramatischen Prolog in Berlin, wo ich die gerade 18-jährige Eva Liebe, ihre Famiie und ihren Verlobten Alfred kennenlerne. Anschließend mache ich mich mit ihr auch schon auf den Weg nach Andernach, wo sie abgerissen und zerlumpt ankommt. Was ihr auf diesem Weg alles passiert, erfahre ich nach und nach in kurzen Sequenzen von ihr, die ihr auch immer wieder Albträume bescheren. Sie hat allerdings nicht damit gerechnet, dass ihre Tante sie ablehnen könnte. Auch hier ist der Krieg immer noch gegenwärtig mit Fliegeralarm, Hunger, Bombenhagel und Verdunkelung. Und auch die meisten der geliebten Bücher sind verboten worden. Hatte sich die Familie bisher doch recht sicher gefüht, schlägt auch hier der Krieg mit aller Härte zu und führt zu noch mehr Leid und Drama.
Aber zusammen mit Eva erlebe ich auch glückliche und hoffnungsfrohe Momente, die mich immer wieder aufatmen lassen.
Für mich war es das erste Buch von Autorin Susanne Esser, das ich gelesen habe. Ihr eindringlicher, sehr bildhafter Erzählstil hat mich ab der ersten Seite an die Geschichte gefesselt, begeistert und mitten hineingezogen. Die Atmosphäre der damaligen Zeit finde ich sehr eindrücklich und auch Angst einflößend eingefangen. Ihre Figuren wirken so lebensecht und menschlich, so tiefgründig und echt, die Umgebung so real, dass ich schnell deutliche Bilder vor Augen hatte, mit denen ich mein Kopfkino füttern konnte. Und das hatte dann mächtig was zu tun.
Gerade die junge Eva hat mein Herz sofort berührt und ich habe mit ihr gelitten, gebangt und mich mit ihr gefreut. Was diese taffe, herzliche, tapfere und so willensstarke junge Frau alles erleiden muss, aber auch erreicht, ist schon grandios. Aber auch die anderen Menschen, die ich hier kennelerne, haben ihre Ecken und Kanten und besonders ihre guten Seiten, die sie nur nicht immer so zeigen. Als sich dann auch noch eine zarte Liebesbeziehung ganz langsam zu entspinnen beginnt, war das mich ein perfekter Abschluss des ersten Bandes.
Auch das Nachwort der Autorin ist sehr interessant und sollte unbedingt gelesen werden.
Eine wunderbare vielschichtige Geschichte mit liebenswerten Menschen in einer grausamen Zeit, die sich aber immer wieder dem Leben zuwenden und die die Bücher feiern. Mich hat sie beeindruckt, gefesselt und sehr gut unterhalten.
Rezensionen von Harakiri:
so müssen Thriller sein
Winternacht - Der Schnee begräbt alles. Nur die Lügen nicht von Sharon Bolton
Ich mag die Autorin schon immer sehr gerne und verschlinge ihre Thriller jedes Mal aufs Neue. Ihre Charaktere wirken glaubhaft und handeln authentisch und die Story ist wieder etwas Besonderes. Bemerkenswert atmosphärisch wird die Handlung durch den Schneefall und die Kälte, die eine ganz eigene Brisanz schaffen.
Die beiden Frauen im Auto hatten es mir hier überaus angetan.
Die Geschichte spielt in einer abgelegenen schottischen Landschaft, wo die winterlichen Bedingungen nicht nur die Natur, sondern auch die Emotionen der Charaktere beeinflussen. Bolton gelingt es meisterhaft, eine düstere und zugleich atmosphärische Stimmung zu schaffen, die den Leser in die Kälte und Isolation der
Umgebung eintauchen lässt.
Schon der Beginn im Hotelrestaurant ist eine tolle Idee und die Entführung zaubert so manches Fragezeichen ins Gesicht. Was hat die Frau vor? Und was sind Olives Geheimnisse? Denn dass sie nicht ganz so harmlos ist, wie anfangs dargestellt, wird schnell klar.
Das Buch ist in 4 Abschnitte unterteilt und mit jedem Abschnitt wendet sich die Handlung. Alles bisher Geglaubte wird umgekehrt – und das fand ich klasse gemacht. Am Ende werden auch alle losen Stränge zusammengeführt und alles Unklare aufgeklärt.
Fazit: so müssen Thriller sein.
Rezensionen von Kwinsu:
Psychogramm der Gewalt
Zitronen von Valerie Fritsch
August Drach verbringt seine Kindheit in einem Dorf, umgeben von einem gewalttätigen Vater und einer distanzierten Mutter. Dies ändert sich, als der Vater plötzlich verschwindet - nun wird August von der Liebe der Mutter nur so überschüttet, so sehr, dass er dauerhaft krank wird. Schließlich kann er sich aus ihren Fängen entreißen und beginnt ein Leben in der Stadt.
Langsam und anhand einer scheiternden Beziehung erkennt er seine eigenen Unzulänglichkeiten - oder auch nicht. Irgendwann jedoch kehrt er zurück in das Dorf um sich seiner Vergangenheit zu stellen.
Ich kann kaum ausdrücken, wie großartig ich Valerie Fritsch's "Zitronen" finde. Die nüchterne Sprache schafft eine ganz eigene Atmosphäre, sie stockt einem den Atem und reißt zugleich enorm mit. Der Hals schnürt sich zu wenn man von der Gewalt des Vaters liest, die er seinem Sohn antut. Dem gegenüber steht die Liebe des Familienoberhaupts zu seinen Hunden, die er liebevoll umhegt - August erkennt diesen Zwiespalt emotionslos aber doch voller Sehnsucht. Herzzerreißend lesen sich die stillen Momente, in der August sich nach Berührungen ereifert. Die Tyrannei scheint vorbei zu sein, als sein Vater spurlos verschwindet, wird aber prompt abgelöst von dem Münchhausen-Stellvertreter-Syndrom seiner Mutter. Als sie mit dem neuen Lebensgefährten Otto in den Süden auf Urlaub fahren, darf August den schönsten Sommer seines Lebens verbringen, er genießt seine unverhoffte Gesundheit, das Meer und auch die Zugewandtheit Ottos. Nur die Mutter muss Höllenqualen durchstehen, kann sie doch ihren geliebten Jungen nicht mehr umsorgen. Im Schleier verbleibt dann der letzte Rest von Augusts Kindheit. Als Erwachsener schlägt er sich mit Lügen und Betrügen durch, bis er selbst eine Liebe findet, die er erdrückt mit der Gewalt der unvermögenden Liebe. Seine Emotionen wechseln vom Überbordenden über kindlichen Trotz bis hin zur scheinbaren Emotionslosigkeit, es wird klar, dass er sich nie Gelerntes als Erwachsener nur schwer aneignen kann.
Dieses Psychogramm Augusts ist Fritsch so hervorragend gelungen, dass man sich ab und an in der Figur selbst findet, Verständnis hat, wo keines sein sollte und seine Art doch mit Wiederwillen ablehnt. Der Roman ist erzählerisch dicht, er erfordert Aufmerksamkeit, eckt immer wieder an, zieht einen in seinen Strudel. Die Luft ist knapp, der Schleier über der Geschichte kompakt. Unfassbar ist die Kunst, die die Autorin mit ihrer nüchternen Sprachgewalt an den Tag legt. Zitronen ist ein Buch, das nachhaltig in Erinnerung bleibt und trotz aller Grausamkeit durch die hohe Erzählkunst einfach umwerfend ist! Meines Erachtens ein Meisterwerk!
Rezensionen von Tara:
Ein gut recherchierter historischer Roman
Fernwehland von Kati Naumann
„Fernwehland“ ist ein gut recherchierter historischer Roman der Autorin Kati Naumann, in dem sie ein Stück Deutsche Geschichte lebendig werden lässt.
Simone, Henri und Frida begegnen sich während einer Kreuzfahrt auf dem Kreuzfahrtschiff Astoria. Das Leben der drei ist auf ganz unterschiedliche Weise eng verbunden mit der Astoria.
Die Handlung wechselt stetig zwischen der Gegenwart und der Vergangenheit. Beide Handlungsstränge sind dabei gleichermaßen interessant, so dass ich es schwer fand, das Buch aus der Hand zu legen.
Anhand der Familiengeschichten der Protagonisten taucht der Roman in die Deutsche Geschichte ein. Das Leben zur Zeiten der DDR, die Probleme in der Gesellschaft, die Sehnsucht nach der Ferne, das Leben an Bord der Schiffe, das alles wird sehr lebendig und authentisch dargestellt.
Kati Naumann hat in ihrem Roman sehr geschickt und mitreißend unterschiedliche Themen miteinander verbunden. Historische Ereignisse, Familiengeheimnisse, Erinnerungen, Freundschaft, Liebe und vieles mehr werden hier verflochten und zu einer emotionalen Achterbahnfahrt voller Überraschungen. Die historischen Hintergründe wurden dabei gekonnt in die Handlung eingebunden und es ist zu merken, das die Autorin ausgiebig recherchiert hat.
Ich kann das Buch Liebhabern historischer Romane nur empfehlen und würde sehr gerne mehr als 5 Sterne vergeben.
Rezensionen von gerlisch:
Alptraum-Retreat auf der Schäreninsel
Still ist die Nacht von Sandra Åslund
Ihren Urlaub verbringt die Stockholmer Kommissarin Maya Topelius auf einer abgelegenen Schäreninsel zusammen mit ihrer besten Freundin in einem Yoga-Retreat. Doch bereits nach dem ersten Abend wird ein Toter gefunden und Maya ist schnell klar, es handelt sich um Mord. Ihr Kollege Pär kommt auf die Insel und sie vereinbaren, dass Maya Undercover ermitteln soll.
Gefallen hat mir der Hinweis auf ein Glossar gleich im Vorwort, so konnte ich die Bedeutung der verwendeten schwedischen Wörter nachschlagen.
Der Schreibstil ist leicht und flüssig zu lesen und die Autorin hat min dem 2. Teil um die sympathische Ermittlerin mit der idyllischen Schären-Landschaft ein tolles Setting geschaffen.
Nur leider wollte sich in der Story keine wirkliche Spannung aufbauen. Die Idee Maya Undercover arbeiten zu lassen, war ja nicht schlecht, aber im Verlauf etwas unglaubwürdig verarbeitet. Außerdem waren die Ermittlungen nicht besonders fesselnd, denn die Passagen mit Mayas Vergangenheit und dem gegenwärtigen Streit mit Emely nehmen zu viel Raum ein und auch nicht wirklich dramatisch. Hinzu kommt noch ein Sturm, sodass niemand die Insel verlassen kann, was als Spannungsmacher nichts Neues ist.
Die unerwartete Wendung und Auflösung zum Schluss haben mich zwar ein bisschen versöhnt, aber ich glaube nicht, dass ich die Serie weiterverfolge, deshalb kann ich nur 2,5 Sterne vergeben.
Rezensionen von beigeandberries :
Magisches Venedig
Dark Venice. Silent Haze von Antonia Wesseling
Ich fand den ersten Teil der Dark Venice-Reihe richtig gut und habe deshalb schon darauf gewartet, dass der zweite Band erscheint. Besonders begeistert mich, wie atmosphärisch Venedig in der Geschichte dargestellt wird. Ich finde das Setting ist einfach einzigartig und fesselnd.
Die Handlung ist spannend geschrieben.
Merle wirkt auf mich unglaublich sympathisch, und ich finde es großartig, wie sich ihr Charakter entwickelt hat. Während sie im ersten Band noch stark von Selbstzweifeln geprägt war. Wir sie jetzt mit deutlich mehr innere Stärke dargestellt. Das macht sie für mich als Figur sehr authentisch und natürlich auch nahbar.
Der Schreibstil ist flüssig und packend. Ich habe regelrecht mitgefiebert und habe tatsächlich es innerhalb von nur zwei Tagen komplett gelesen.
Auch das Cover und der Frabschnitt ist wieder ein echtes Highlight. Ich finde es wunderschön, besonders weil es perfekt zum ersten Band passt, nur in anderen Farbtönen.
Rezensionen von LeserinLu :
Unterhaltsam
Not your Darling von Katherine Blake
„Not your Darling“ begleitet Loretta, die 1950 nach Los Angeles kommt, um sich in der schillernden, aber gnadenlosen Welt Hollywoods zu behaupten. Loretta war mir sofort sympathisch, ich mochte, wie sie sich durchsetzt, um ihren Weg zu gehen. Gleichzeitig zeigt sie eine impulsive, verletzliche Seite, die sie teilweise in Schwierigkeiten bringt und sie als vielschichtigen Charakter glaubwürdig macht.
Lorettas Einstieg in die glamouröse, aber oft grausame Filmbranche ist ein ständiges Auf und Ab. Sie navigiert durch eine Welt voller schlechter Manieren und Machtspielchen, wobei mir vor allem auch die Girlhood der Frauen gefallen hat. Ich mochte, wie unterschiedlich die anderen weiblichen Charaktere gestaltet waren: die toughe Geschäftsfrau Primrose, die naive Alice, die schlagfertige Sally und die strategische Grace! Mit ihnen zusammen schafft es Loretta, sich in Hollywood durchzuschlagen, wobei es auch zu psychischer und physischer Gewalt von Männern kommt, der die Frauen immer wieder ausgesetzt sind und die auch Lorettas Happy End gefährdet.
Der Schreibstil des Romans ist konventionell, aber unterhaltsam. Die kurzen Kapitel und die klare Sprache der Übersetzung von Astrid Finke machen es leicht, der Geschichte zu folgen. Besonders das Ende des Romans fiel für mich im Vergleich zum Rest des Romans aber ab, da es zu schnell abgehandelt wirkte. Dennoch ist Lorettas Entwicklung in einer nostalgischen Kulisse voller Glamour und Intrigen insgesamt durchaus spannend zu verfolgen, wobei mir die Geschichte vermutlich nicht länger in Erinnerung bleiben wird.
Rezensionen von Tara:
50 coole Karten aus dem All
50 Karten Malen nach Zahlen - Weltraum von
Mit der handlichen Box „50 Karten Malen nach Zahlen - Weltraum: Mitnehmen, gestalten, verschenken“ ist für Abwechslung und Spaß gesorgt.
Auf jeder Karte befindet sich ein Motiv zum Thema Weltraum. Das Material der Karten hat eine gute Stärke, so ist es möglich diese mit Bunt-, Filz-, Wachsmalstiften oder auch Wasserfarben auszumalen, ohne dass Konsequenzen für die Rückseite zu befürchten sind.
In den Feldern der Motive befinden sich Zahlen, die einen Farbvorschlag machen, der auf der Innenseite der Box zu finden ist.
Nachdem das Motiv nach belieben ausgemalt wurde, kann man auf der Rückseite das Feld „Von“ und „Für“ ausfüllen, um die Karte zu verschenken. Über so ein süßes, liebevoll gestaltetes Mitbringsel aus dem All freut sich sicherlich jeder.
Die Box selbst hat ein handliches Format und eignet sich dadurch auch gut zum Mitnehmen, um unterwegs für Ablenkung und Beschäftigung zu sorgen.
Rezensionen von Kwinsu:
Ein Fall mit vielen Fragen
Das geerbte Weingut von Roland Zingerle
Detektiv Heinz Sablatnig staunt nicht schlecht, als er von einem Notar informiert wird, dass er der alleinige Erbe eines Weinguts sein soll. Der Tote ist ihm aus der Vergangenheit ein Begriff, aber der Grund für die unverhoffte Erbschaft ist, dass der Gewesene langsam mit Arsen vergiftet wurde und ihm mit der Erbschaft auch auferlegt, seinen Mörder zu finden.
Als Heinz sein Erbe antritt, stößt er selbstverständlich auf viel Widerwillen der Hinterbliebenen. Wer von ihnen wollte den Weingutbesitzer tot sehen? Die Spurensuche verläuft holprig, führt zu einer Bruderschaft und entlarvt einen unerwarteten Tötungsgrund.
Roland Zingerle ist mit "Das geerbte Weingut" ein souveräner Kärntner Regionalkrimi gelungen, der leicht und kurzweilig zu lesen ist, auch wenn er sich streckenweise in die Länge zieht. Ein besonderes Augenmerk legt der Autor auf seine Hauptfigur Heinz, die umfassend beschrieben wird. Auch andere Charaktere werden detailliert gezeichnet. Ebenso erfahren wir viel über die Kärtner Weinkultur und über Weinbau generell. Teilweise hat es den Anschein, als würde der Autor das für ihn neu Gelernte direkt an seine Leserschaft weitergeben. Ein weiteres Manko ist, dass Zingerle traditionelle Rollenbilder unreflektiert weitergibt, indem er beispielsweise die Figur "Marie", 19 Jahre alt und Tochter des Ermordeten, selbstverständlich und ohne Gemurre die Herren der Familie bedienen lässt, sie kocht zur richtigen Zeit und tut so gar nichts für sich selbst Da liegt es auch auf der Hand, dass sie sehr emotional ist und ständig in Tränen ausbricht. Das erscheint in der heutigen Zeit äußerst altbacken und eher weniger mit der Realität zu tun zu haben. Ebenso wird der Bruder des Verstorbenen, der im Rollstuhl sitzt, als dafür bedauernswerte Person geschildert und dem Autor fiel kein anderes Verb für seine Fortbewegung als "rollen" ein. Auch dies mutet unzeitgemäß und unreflektiert an. Auch von einem "geistig Behinderten" zu sprechen, lässt sprachsensible Menschen ratlos zurück. Aber selbstverständlich ist das Ansichtssache, es gibt wohl einige Leser:innen, die sich daran nicht stören mögen. (leider) Sehr verwunderlich ist es weiters, dass die um ihr Erbe betrogenen keinerlei juristische Hilfe in Anspruch nehmen, um sie sich rechtmäßig zurück zu holen. Generell ist fraglich, ob es überhaupt legal ist, dass nahe Verwandte so ganz ohne Erbanteil aussteigen können (hierfür fehlt mir allerdings die juristische Expertise).
Als zusätzliche Handlung, die den Ermittlungen neuen Schwung einhauchen, wird eine Fahne aus dem Büro des Toten gestohlen, die zu einer alten Weinbau-Bruderschaft führt. Für mich hat sich diese Wendung etwas an den Haaren herbei gezogen angelesen und hätte es nicht unbedingt gebraucht. Nichtsdestotrotz habe ich das Buch in weiten Teilen gern gelesen und habe versucht, die sich mir nicht erschlossenen Details außer Acht zu lassen. Was mich aber dann wirklich gestört hat, war die Aufklärung des Falles, da er uns ein Mordmotiv liefert, das zwar überraschend, aber für mich überhaupt nicht glaubwürdig erscheint. Auch hier bedient der Autor Gesellschaftsklischees, die mit der Wirklichkeit nur wenig am Hut haben.
Mein Fazit: "Das geerbte Weingut" ist ein Kärtner Regionalkrimi, der durchaus angenehm und teilweise spannend zu lesen ist, besonders, wenn man etwas über Weinkultur und Weinanbau lernen möchte. Leider konnte mich die Aufklärung des Falles so gar nicht überzeugen und mir waren die von Zingerle vermittelten Gesellschaftsbilder viel zu altbacken.











