Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Katharina:
Unausgereift
Our Infinite Fates von Laura Steven
Achtung fetter Spoilerwarnung ⚠️
Mir hat Our infinite fates leider gar nicht gefallen und dabei habe ich echt gedacht, dass es ein richtiges Highlight wird. Die Grundidee finde ich richtig gut, doch an der Umsetzung hat es hier echt gescheitert. Zuerst zu den Charakteren, ich fand Arden und Evelyn überhaupt nicht greifbar und ihre ,,Liebesgeschichte‘‘ war super künstlich und gestellt und die Autorin versucht sich an einem poetischen und metaphorischen Schreibstil, aber das klappt einfach nicht.
Ich kann nicht sagen, ob es an der Übersetzung liegt oder ob es im Allgemeinen so ist, aber manche sprachlichen Bilder sind so überspitzt und unpassend, das es mich zwischendurch beim Lesen total gestört hat. Die Charaktere sind beide auch nicht binär und es werden die Pronomen they/them benutzt, aber mitten im Buch wird einfach damit aufgehört und er/sie benutzt. Warum? Viele Handlungsstränge sind super vorhersehbar und wer am Ende ihre große Liebe ist, war eigentlich von Anfang an klar und es hat keinen Sinn gemacht, dass es Evelyn nicht schon vorher klar geworden ist. Denn eigentlich gibt es ein Band zwischen ihnen, was beide spüren und zueinander führt, aber hier hat sie es natürlich nicht bemerkt, auch wenn Arden schon seit Jahren in ihrem Leben war! Es gibt auch sonst noch einige Lücken in der Geschichte, Ceris Handlungsweise habe ich absolut nicht verstanden, er wird niedergeschlagen und belauscht dann mal so eben ein Gespräch von zwei Jugendlichen, die sich gegenseitig umbringen wollen, aber er geht trotzdem nicht zur Polizei? Auch wenn Arden dann gedroht hat, Evelyn sofort umzubringen, hätte man doch nur einen Moment abwarten müssen, wo Arden gerade nicht in ihrer Nähe ist und dann hätte die Polizei ihn schnappen können? Aber hey, neee, macht zwar keinen Sinn aber nur so geht die Handlung halt weiter. Auch Ardens Beweggründe, Evelyn nicht die Wahrheit zu sagen, nichtmal nach 1000 Jahren, ist auch völlig unverständlich, denn zu zweit könnte man doch mal eine Lösung finden, aber nein, man will das doch lieber noch 1000 weitere Jahre durchstehen?? Warum? Wie ich schon erwähnt habe, vieles war so unverständlich und sinnlos. Die Auflösung des ganzen fand ich auch nicht so gelungen und ich hatte mehr erwartet. Insgesamt fand ich es leider echt nicht gut durchdacht und zu unausgereift, mehr wie eine Rohfassung.
Rezensionen von liesmal:
Fantastisch!
Die magische Bibliothek der Buks 2: Das verfluchte Medaillon von Nina George; Jens J. Kramer
Endlich der zweite Teil! Nahtlos schließt sich die Geschichte an den ersten Band an. Ich empfehle, diesen zuerst zu lesen. „Die magische Bibliothek der Buks“ hat mich mit seinem Zauber schnell wieder eingefangen.
Immer dringender wird es, die Zerstörung der zauberhaften Buchwelt in der magischen Bibliothek zu verhindern.
Dafür setzen sich die Buks großen Gefahren aus, denn sie müssen, um ihre Bibliothek zu retten, in die „Draußenwelt“. Die Kinder erleben inzwischen die unglaublichsten Abenteuer auf ihrer Reise innerhalb der tollsten Geschichten. Ob sie den verschollenen Buchmeister wohl finden werden und ob es gelingt, die schreckliche Bleichkrankheit der Bücher zu heilen? „Das verfluchte Medaillon“ und der unbekannte Zerstörer der Bücher machen es den Rettern nicht leicht.
Gern habe ich mich verzaubern lassen von den Buks, den kleinen Buchschutzgeistern, die vor nichts zurückschrecken, um ihre Bibliothek nicht nur zu erhalten, sondern auch die kranken Bücher zu heilen und damit zu retten. Der lebendige und fesselnde Schreibstil von Nina George und Jens J. Kramer hat mich ergriffen und mich in eine fantasievolle und bunte Geschichte katapultiert. Ich bin dabei zusammen mit den Buks und mit den vier Freunden in Geschichten meiner Kindheit gereist und habe mich fallen lassen können in eine fantastische Welt der Bücher. Sehr gern gebe ich meine volle Leseempfehlung für diese abenteuerliche und großartige Geschichte.
Rezensionen von Bücherwurm78:
Spannend bis zum Schluss
Die Brandung – Leichenfischer von Karen Kliewe
Es werden zwei tote junge Frauen gefunden, die nach einem gleichen Wikinger-Ritual begraben wurden, einmal auf deutscher und dann auf dänischer Seite. Kommissar Ohlsen und seine dänische Kollegen ermitteln zusammen mit der Archäologin Fria Svensson. Können Sie einen weiteren Mord verhindern?
Dieser Ostsee-Krimi ist der zweite Fall um das Ermittler-Duo Ohlsen und Svensson.
Das erste Buch habe ich nicht gelesen, dieses ist auch meiner Meinung nach kein Muss damit man den 2. Band verstehen kann. Mir hat dieser Krimi richtig gut gefallen. Es war von Anfang an spannend, es wurde nie langweilig und bis zum Schluss blieb es offen, wer der Täter ist und ob ein weiterer Mord verhindert werden kann. Am Anfang war es ein bisschen verwirrend, dass es relativ viele Personen gibt, aber es wurde dann klarer wie sie zusammenhängen. Die beiden Hauptpersonen, Ohlsen und Fria kamen bei mir als Leser sympathisch an, trotz ihrer kleinen Macken. Die Schreibweise ist flüssig, so dass man auch gut beim Lesen vorankommt. Ich freue mich jetzt schon auf den 3. Fall, da bin ich auch gespannt wie es mit Frias Mitbewohner Marten und seinem Freund weitergeht.
Auch das Cover des Buches finde ich sehr schön und spricht mich an.
Fazit: Ein spannender und empfehlenswerter Krimi.
Rezensionen von yellowdog:
Eine Sprache der schillernden Opaleszenz
Der Menschensohn von Jean-Baptiste Del Amo
Jean-Baptiste Del Amo ist ein preisgekrönter französischer Autor auf der Suche nach dem Essentiellen. Das spürt man schon im ersten Abschnitt, kursiv gehalten und besonders beeindruckend.
Die herausragende Sprache prägt das Buch. Es ist anspruchsvolle Literatur, doch die Sprache nimmt den Leser schnell gefangen.
Erst dann setzt die eigentliche Romanhandlung ein.
Ein Mann war 6 Jahre verschwunden und taucht plötzlich bei Frau und dem 9jährigen Sohn wieder auf. Der ist geschockt, dass der Vater wieder da ist und einfach so seinen Platz wieder einnehmen will. Der Mann nimmt die beiden mit in eine abgelegene Gegend in den Bergen. Der Versuch eines Neuanfangs, doch schließlich kippt die Stimmung um. Eine bedrohliche Atmosphäre durchzieht den Roman.
Alle 3 Figuren sind übrigens namenlos. Das macht das ganze abstrakt.
Die Übersetzung erfolgt aus dem Französischen von Karin Uttendörfer und mein Eindruck ist, auch das eine große Leistung.
Rezensionen von Danislesestube:
Grundsolider Thriller
Das Dinner - Alle am Tisch sind gute Freunde. Oder? von Emily Rudolf
Vor einiger Zeit habe ich „Die Auszeit“ von Emily Rudolf gelesen und insgesamt als lesenswerten Thriller bewertet. Monate später liegt das nächste Buch beendet neben mir. Was mir direkt aufgefallen ist, wie ähnlich sich die beiden Bücher sind. Wir haben es wieder mit einer Freundesgruppe zu tun, welche von Anfang an eine seltsame Dynamik hat.
Wieder ist etwas passiert/passiert etwas, worauf die Gruppe reagiert bzw. zurückblickt. In diesem Fall steht großteils letzteres an der Tagesordnung. Vor fünf Jahren verschwand Maria spurlos. Keiner kann sich erklären, was damals vorgefallen ist. Um nicht vollends den Kontakt zueinander zu verlieren/ihrer Freundin zuliebe, organisiert Jonathan mit seiner Verlobten Lotta ein Krimi-Dinner. Der alten Zeiten willen, so heißt es. Was kurz nach dem Aufeinandertreffen der Freunde passiert, ist interessant und leicht verstörend zugleich, was mich zweifeln lässt, wie sehr die Gruppe wirklich miteinander befreundet war.
Fangen wir mit den Charakteren an, welche die Handlung mit Masse am Leben erhalten. Diese bestehen mehr oder weniger aus Stereotypen, welche man z.B. aus Horrorfilmen kennt. Es gibt die Schöne, einen Nerd/intelligenteren Menschen, einen Halbstarken, eine mit einem „leichten“ Knacks, usw. Nichts Besonderes, sorgt aber für Abwechslung. Glücklicherweise haben diese Charaktere auch mehr zu bieten als ihre oberflächlichen Eigenschaften. Aber eben nur so viel, dass man erahnen kann, wie es in ihnen aussehen könnte. Letzteres wird durch mehrere Schwenks in die Vergangenheit mehr und mehr klar. Was nicht zwingend dafür gesorgt hat, dass mir irgendjemand, außer Lotta, sonderlich sympathisch war. Nicht selten rutschte mir ein Fluch nach einem „was davor geschah“ Kapitel raus.
Der Ablauf der Handlung läuft wie schon angedeutet nach einem einfachen Muster ab. In der Gegenwart, beim Krimi-Dinner, kommt etwas ans Tageslicht, worauf die Handlung kurz in der Vergangenheit spielt und im Nachgang etwas aufgedeckt wird, wovon bisher nur einzelne etwas wussten. So setzt sich nach und nach das Puzzle zusammen, was mit Maria damals passiert ist.
Das Spiel funktioniert bis etwa zur Hälfte des Buches so, wie es die Veranstalter geplant haben, bis dann alles eskaliert. Von da an verliert das Buch ein wenig von seinem bisher gut funktionierenden System. Ab diesem Zeitpunkt ähnelt die Handlung eher einem Jugenddrama als einem waschechten Thriller. Hier gibt es wieder Parallelen zum am Anfang erwähnten Buch. Ist das schlimm? Jein. Es kann einem etwas aus der Bahn werfen, wenn man etwas anderes erwartet hat. Das Ende ist dafür einwandfrei. Viele ungeklärte Fragen werden beantwortet und was in den letzten Absätzen passiert kann man interpretieren, wie man möchte. Es ist nicht eindeutig, was danach geschieht.
Insgesamt betrachtet wieder ein guter Thriller der Autorin.
Rezensionen von Gaby 2707:
So macht Lesen lernen richtig Spaß
SUPERLESER! Star Wars(TM) Grogus Galaxis von Matt Jones
Unser Enkel ist ein großer Star Wars Fan. Da er seit vergangenem Jahr zur Schule geht und Lesen lernt, kommt dieses Buch gerade recht.
SUPERLESER! Star Wars – Grogus Galaxis von Matt Jones ist ein Buch aus der Superleser-Reihe, die die Kinder ab 6 Jahren anhand der Silbentrennung beim Lesen lernen sehr gut unterstützen kann.
Da macht das Lesen lernen nicht nur Spaß, sondern wird zu einem richtigen Abenteuer.
Hier lernen wir Grogus, das kleine, grüne und immer hungrige, machtsensitive Kind der Yoda Spezies kennen. Er berichtet hier in kindgerechter, einfacher Sprache von seinem Leben und seinen Freunden. Genau so, dass die jungen Leser der Geschichte gut folgen und in sie eintauchen können. Wir erfahren etwas über den Mandalorianer Din Djarin, Kuiil, Peli Motto, Ahsoka Tano und auch Luke Skywalker ist ein Freund von Grogu.
Bei der Silbenmethode, die hier zum Lesen lernen angewandt wird, erleichtern farbig markierte Silben das erkennen und lesen von Wörtern. Durch diese viel bessere Übersichtlichkeit wird das Lesen schnell zu einem positiven Erlebnis und kann so auch das Selbstbewusstsein der Kinder fördern. Dazu tragen auch die große Schrift und die kurzen Sätze bei. Das Buch wird sogar von Grundschullehrer*innen zum lesen lernen empfohlen.
Die glänzenden teils seitengroßen Bilder gehen auf das Gelesene ein und tragen so dazu bei, dass die Kinder die Star Wars Welt noch besser aufnehmen und verstehen.
Im Anschluss Grogus Freunde und Freundinnen werden verschiedene Begriffe noch mal ausführlicher erklärt. Eltern bekommen hier einige Tipps zur Leseförderung. Und durch ein Star Wars Quiz mit 10 Fragen kann man heraus finden, ob das Gelesene auch richtig aufgenommen wurde.
Durch die etwas verstärkten Seiten und das Lesebändchen macht das Buch einen hochwertigen Eindruck und lädt mit seinem humanen Preis zum verschenken ein.
Mit diesem tollen Mix aus Erzählung & Sachwissen, wunderbaren detailreichen Bildern und dem kniffligen Star Wars Quiz macht das Lesen üben gleich richtig viel Spaß. Ein empfehlenswertes Buch - nicht nur für kleine Star Wars Fans.
Rezensionen von robertp:
Keine Erklärung
Die Fletchers von Long Island von Taffy Brodesser-Akner
Reiche Leute haben keine Probleme. So denken alle im Umfeld der Familie Fletcher, die im idyllischen Vorort Middle Rock, an der Küste, ein eindrucksvolles Imperium errichtet haben. Middle Rock ist definiert durch Reichtum und in den 80igern waren die Fletchers hier die Könige – bis der Erbprinz Carl entführt wurde.
Nach fünf Tagen und der Bezahlung eines Lösegeldes wurde er freigelassen, aber er war nicht mehr derselbe und mit ihm litt die ganze Familie bis heute.
In mehreren Rückblenden erzählt Brodesser Akner die Geschichte aus der Sicht der Kinder Carls. Nathan – ängstlich, sein Leben lang – kann sich als Anwalt nicht durchsetzen, er bleibt immer in der zweiten Reihe, da er mit Menschen nicht kommunizieren kann.
Bernard „Beamer“ wird Drehbuchautor eines erfolgreichen Filmes (ein Entführungsdrama) und vermag sich nicht weiterzuentwickeln. Drogen, Sexsucht und Alkohol führen zu seinem persönlichen Untergang. Nur die – nicht jüdische – Ehefrau erhält ihm am Leben.
Jenny, die Jüngste und nach der Entführung geboren, trennt sich von der Familie, bleibt aber, als ewig Studierende Gewerkschaftlerin, im Gegenspiel reich und arm verhaftet.
Die Geschichte ist interessant erzählt. Die Entführung wird nie aufgeklärt. Dem Leser fallen während des Lesens immer neue kleine Puzzlesteine in den Schoß, sodass er sich ein Bild zusammensetzen kann, das dem Opfer Carl niemals vorgelegt wird.
Die Figuren sind durch die Entführung beschädigt worden, bewusst Carl und seine Ehefrau, unbewusst die Kinder, die durch diese Tat verbunden und verwundbar gemacht wurden. Eingesponnen in ihrem familiären Netz können sie nicht mit der Außenwelt in Kontakt treten. Sie leben in einer Blase, deren Wand sie vom „richtigen“ Leben abschirmt. Auch wenn sie mit anderen Menschen in Kontakt treten ist immer die Wand – auch ihr Reichtum – als Puffer dazwischen.
„Was man nie gesehen hatte, … konnte man nicht haben wollen.“ (S. 534)
Man lernt einiges über die jüdischen Sitten und Gebräuche, Familienbande und Snobismus. Sobald man sich auf die Geschichte einlässt kann man nicht mehr aufhören zu lesen. Die Geschichte aus drei Perspektiven erklärt zu bekommen, macht Spaß, da jedes Kind andere Aspekte in seinem Leben für wichtig hält und so immer mehr Details bekannt werden.
Für die Familie Fletcher gibt es keine Erlösung aus dem Trauma der Entführung. Als Carl und seine Mutter 27 Jahre nach der Entführung sterben hinterlassen sie alle in eine neue Freiheit, aber sie werden ihre Familiengeschichte nicht ausblenden.
Für alle die sich mit dem Leben von reichen, jüdischen Familien auseinandersetzen und sich dabei unterhalten wollen. Etwas Kritik an diesem Leben fließt so nebenbei mit, macht die Personen aber nicht unsympathisch.
Rezensionen von Beavielleser:
Dieses Buch hat mich überrascht
Hier draußen von Martina Behm
Ingo und Lara sind von Hamburg aufs Land gezogen, weil es dort so idyllisch ist. Aber dann hat die Idylle doch ihre Fehler. Ingo ist zunehmend gestresst durch die lange Fahrt nach Hamburg in sein Startup-Unternehmen. Lara findet nicht so richtig Anschluss und fühlt sich von Ingo mit allem allein gelassen.
Und dann hat Ingo eines Abends einen Unfall mit einer weißen Hirschkuh. Als er den Jäger ruft, erfährt er, dass eine Legende sagt, dass derjenige der eine weiße Hirschkuh tötet innerhalb eines Jahres stirbt.
Das Leben in dem kleinen Dorf ist sehr detailiert beschrieben. Manche Szenen habe ich direkt vor mir gesehen und oft musste ich über die Charaktere schmunzeln. Die Kapitel sind aus der Sicht der jeweiligen Dorfbewohner geschrieben und man lernt ihr Leben, ihre Gedanken, ihre Nöte und Träume kennen. Schnell wird klar, dass das Dorfleben einige Ecken und Kanten hat.
Der Roman ist sehr facettenreich, skurril, witzig und tiefgründig. Ein sehr gelungenes Buch, das mich überrascht hat.
Rezensionen von Eternal-Hope:
Eine gute Idee, aus der man mehr hätte machen können
Mickey und Arlo von Morgan Dick
Michelle, genannt "Mickey", und Charlotte, genannt "Arlo" sind Halbschwestern, die sich nicht kennen. Mickey ist die ältere, sie hat mit ihrer Mutter und ihrem Vater einige schöne und viele schlimme Momente erlebt - denn der Vater ist Alkoholiker und unter Alkoholeinfluss zeigt er ein anderes Gesicht und wird zum "Angry Dad", der Frau und Tochter demütigt und beschimpft.
Als Mickey etwa sieben Jahre alt war, hat der Vater die beiden von heute auf morgen für immer verlassen und ihnen dabei einen Riesenberg Schulden hinterlassen. Mickey und ihre Mutter haben alles verloren, nie wieder vom Vater gehört und ihnen wurde fast alles aus der Wohnung gepfändet und weggenommen, selbst Mickeys Kinderbett. Das hat Mickey bis heute traumatisiert. Sie versucht zwar, ihr Leben einigermaßen zusammenzuhalten, hat einen Job als Vorschullehrerin, den sie liebt (Kinder mag sie, während sie Erwachsenen nicht über den Weg traut und sie für böse und nicht vertrauenswürdig hält), aber keinen Partner, keine Kinder, kaum Freunde und ein Problem mit Alkohol, das sie sich nicht eingestehen will. Jeden Tag zählt sie die Stunden, bis es 17 Uhr ist, ihre Verpflichtung als Lehrerin beendet ist und sie aus dem mitgebrachten Flachmann auf der Toilette Wodka trinken kann.
Der verschwundene Vater hat eine neue Frau gefunden und mit ihr wieder eine Familie gegründet. Zwar hatte er sein Alkoholproblem sein Leben lang, doch insgesamt hat er nun sein Leben deutlich mehr auf die Reihe gebracht, ist zu viel Wohlstand gekommen und hatte zu seiner zweiten Tochter Arlo, die er über alles geliebt hat, eine wesentlich liebevollere Beziehung. Diese ist somit weitaus behüteter aufgewachsen als ihre ältere Halbschwester Mickey. Insbesondere Geld war kein Thema: Arlo konnte an einer renommierten Uni Psychologie studieren und arbeitet nun als Psychologin. Ihre Mutter kleidet sich in Designerware und führt auch sonst einen gehobenen Lebensstil.
Nun ist der Vater verstorben, Arlo hat ihn in seinem letzten Lebensjahr aufopfernd gepflegt und ist zutiefst bestürzt über den Verlust. Noch größer wird ihr Schock, als sie erfahren muss, dass der Vater ihr nichts vererbt hat: er hat all sein Geld seiner ersten Tochter, ihrer unbekannten Halbschwester Michelle, vererbt.
Auch Mickey hätte nie mit so einer Entwicklung gerechnet und weiß gar nicht so recht, was sie damit anfangen soll, dass der Vater, der nie wieder etwas von ihr wissen wollte, sie in seinem Testament bedacht haben soll. Noch dazu ist die Auszahlung des Geldes an eine Bedingung geknüpft: Mickey muss sieben Therapiestunden in Anspruch nehmen, und zwar bei einem vom Vater ausgewählten und vorab bezahlten Therapieinstitut. Da sie das Geld dringend brauchen kann und aufgrund einer Verfehlung gerade auf unbestimmte Zeit von ihrer Tätigkeit als Vorschullehrerin beurlaubt ist, lässt Mickey sich darauf ein... und landet ausgerechnet bei Arlo, ihrer unbekannten Halbschwester, als Therapeutin.
Anfangs wissen beide Frauen nicht, wen sie da jeweils vor sich haben. Dann findet Arlo es heraus, verschweigt es aber ihrer Halbschwester/Klientin und behandelt diese weiter. Auch in der Hoffnung, sie zu überzeugen, das Erbe nicht in Anspruch zu nehmen... so eine verkrachte Existenz wie Mickey würde das Geld eh nur sinnlos durchbringen, ist Arlo überzeugt.
Doch auch Arlos Leben ist bei weitem nicht perfekt, innerlich verfolgt sie nach wie vor der Fall einer Klientin, die unmittelbar nach der Therapiestunde bei ihr Suizid begangen hat. Zwar wurde sie vor Gericht freigesprochen, doch selbst kann sie es sich nicht verzeihen. Und auch ihre Kindheit und Jugend war weit weniger perfekt, als es auf den ersten Blick scheint.
Von der Themenkonstruktion her handelt es sich also um ein sehr spannendes Buch, das abwechselnd aus den Perspektiven der beiden Halbschwestern geschildert ist. Dennoch hätte ich mir aufgrund der Beschreibung und der Leseprobe mehr erwartet.
Es tat beim Lesen fast weh, immer und immer wieder mitzukriegen, auf wie vielen Ebenen Mickey völlig kaputt ist und vor kaum etwas zurückschreckt in ihrer Sucht und ihrem problembehafteten Leben, in dem sie sich immer weiter in Schwierigkeiten verstrickt. Dennoch war Mickey für mich noch der glaubwürdigere und facettenreichere Charakter. Arlo wirkte auf mich seltsam blass, perfektionistisch und nicht wirklich erreichbar und ich habe mich bis zum Ende des Buches kaum in sie einfühlen können.
Grundsätzlich also ein ganz nettes Buch zu einer interessanten Idee, das man lesen kann, aber nicht unbedingt muss.
Rezensionen von Harakiri:
Die Stimme
Teufels Tanz von Ursula Poznanski
Der dritte und finale Band um Fina Plank und ihr Team
Wien kommt nicht zur Ruhe: scheinbar willkürlich werden Männer in ihren 80er Jahren ermordet. Fina und ihr Team finden einfach keinen gemeinsamen Nenner. Auch privat hat Fina einiges um die Ohren und plötzlich überschlagen sich die Ereignisse.
Der dritte und finale Band hat es wieder in sich. Ich mochte Fina vom ersten Band an und mag es, wie vielschichtig sie dargestellt ist. Auch die anderen Charaktere überzeugen. Um nicht alle so brav dastehen zu lassen gibt es dann aber noch Callie. Über die habe ich so einige Male die Augenbrauen gerümpft, aber auch sie trägt einiges zum Spannungsbogen bei.
Der Schreibstil der Autorin ist wieder packend und flüssig, man kann das Buch kaum aus der Hand legen.
Etwas Besonderes bekommt die Handlung durch „Die Stimme“, die sich schon seit dem 1. Band wie ein roter Faden durch die Handlung zieht. Nun bekommt diese Stimme noch mehr Raum und ein Gesicht. Die Geschichte des Täters wird hinterleuchtet und in eigenen Kapiteln ausgearbeitet. Poznanski gelingt es meisterhaft, den Leser durch die Psyche des Täters zu schicken, der nicht nur Täter, sondern gewissermaßen auch Opfer ist.
Das Ende überrascht nicht wirklich, nur so wird die Geschichte rund.
Fazit: Teufels Tanz ist ein fesselnder Thriller, der psychologische Tiefe und eine hohe Spannung vereint und in einem packenden Showdown endet. Ursula Poznanski beweist erneut ihr Talent, spannende Geschichten zu erzählen, die mehr als gut unterhalten.











