Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Flo:
Gute Idee, schwache Umsetzung
Anima Daemonis von Mandy Rauch
Gute Idee, schwache Umsetzung. Änlin verlässt ihren Körper und ihre Welt, um in die Hölle hinabzusteigen, sie will den Dämon finden, der ihr das Leben gerettet hat. Der Weg durch die Hölle ist nicht leicht, gemeinsam mit der Dämonin Nephtys stellt sie sich dem Weg und den Gefahren.
Gestartet wird direkt spannend, deshalb hatte mich auch die Leseprobe überzeugt, dann zieht es sich allerdings etwas.
Das Setting mit den Dämonen und der Hölle ist gut gewählt, leider wird aber lange der Weg und die Umgebung beschrieben, die Charaktere bleiben blass. Durch das Dual POV bekommt man zwar auch Einblick in die Vergangenheit, trotzdem gibt es sehr wenig Tiefe. Mephisto, der Dämon, den Änlin sucht, ist sehr oberflächlich und kommentiert direkt Änlin Aussehen, trotzdem wird von Liebe gesprochen, das hat für mich alles nicht richtig gepasst.
Das Ende entschädigt dann jedoch durch einen gelungenen Plottwist.
Rezensionen von DoraLupin:
Ein unterhaltsamer Krimi- mit viel Frankreich- Flair
Gefährliche Aussicht von Julie Dubois
Ich kannte bisher leider noch keine anderen Bücher dieser französischen Krimi- Reihe und war deshalb sehr gespannt auf dieses Buch. Da ich aber regelrecht durch das Buch geflogen bin und mich inmitten er schönen Natur Frankreichs wiedergefunden habe, möchte ich nun auf jeden Fall noch mehr Krimis dieser Reihe lesen!
Die Geschichte dreht sich um ein junges Paar aus Paris, dieses hat eine alte Villa oberhalb von Saint-André-du-Périgord gekauft.
Nun wird fleißig restauriert, und die Vorfreude auf ein Leben inmitten idyllischer Natur ist groß. Doch dann erreicht Kommissarin Marie Mercier die Nachricht, dass die Eigentümerin des frisch erworbenen Domizils dort vom Dach in die Tiefe gestürzt sei. Mit Nachhilfe? Anscheinend gibt es im Ort teils heftige Ressentiments gegen »die reichen Neuen aus Paris«, und Marie sieht sich bald mit mehreren widersprüchlichen Zeugenaussagen konfrontiert. Und das, wo ihre Großtante Léonie gerade dringend ihre Hilfe benötigt - bei einem Festtagsmenü voller Geheimnisse.
In die Handlung habe ich sehr gut hineingefunden. Ich mag den bildlichen Schreibstil der Autorin sehr, und wie locker und leicht die Geschichte geschrieben wurde. Zudem hat sich ein schöner Lesefluss ergeben, die Seiten fliegen während des Lesens nur so dahin. Deshalb habe ich das Buch in nur wenigen Tagen regelrecht verschlungen. Obwohl ich die vorigen Bände nicht kannte, kam ich im Buch gut mit, deshalb ist der Krimi auch für Neuneinsteiger zu empfehlen, denn es wird nicht unbedingt Vorwissen aus den anderen Bändern benötigt.
Kommissarin Marie Mercier war mir schnell sympathisch und ich kann mich mit ihrem Denken und Handeln absolut identifizieren. Aber auch die anderen Personen im Buch wurden interessant und lebhaft beschrieben. Die Geschichte selbst hat mich einfach nur mitgerissen. Es gab einige überraschende Wendungen, mit denen ich so nicht gerechnet hätte. Aber genau so muss ein gutes Buch sein! Ganz toll fand ich ausserdem das Frankreich- Flair in diesem Roman, dieser kam nicht zu kurz sondern hat, im Gegenteil, den Krimi unterstützt und das Buch zu einer tollen Urlaubslektüre gemacht, wenn man außerdem ein bisschen Spannung haben kann.
Rezensionen von Morten:
Schluss mit dem Tabu
Im Leben nebenan von Anne Sauer
Horrorfilme könnten so anfangen: Eine Frau wacht auf und auf ihrer Brust liegt ein Baby. Dabei ist sie gar nicht Mutter. Oder doch?
„Im Leben nebenan“ erzählt die Geschichte von Antonia. Einer Frau in den Dreißigern, Mutter von Hanna, verheiratet mit Adam, auf dem Land in einem schicken Einfamilienhaus lebend.
Und die von Toni, liiert mit Jakob, kinderlos, Altbauwohnung in der Großstadt. Nur: Antonia und Toni sind die gleiche Person. Bloß in verschiedenen Leben. Und Antonia kennt Tonis Leben, es ist ihres, zumindest bis vor wenigen Minuten.
Ein spannendes Gedankenexperiment, das den Vibe von Matt Haigs „Die Mitternachtsbibliothek“ mitnimmt: Was ist, wenn ich in einem anderen meiner Leben lande, aber gar nicht weiß, wer ich in diesem Leben bin. Und vor allem in einer Rolle, in der ich noch nie war und vielleicht auch nie sein wollte. Das ist aber nur die eine Seite von Anne Sauers Romandebüt. Die andere ist eine, die in unserer Gesellschaft häufig tabuisiert wird: Kinderwunsch, Kinderlosigkeit, die Rolle der Frau als (Nicht-)Mutter.
Denn während Antonia gar nicht weiß, ob sie bereit ist, sich um das kleine, heulende Ding auf ihr zu kümmern, ist Toni durch das ganze Mühlrad gedrückt worden: Von „Und wie sieht’s bei euch aus?“ von Freund:innen und Kolleg:innen über das „Sollen wir nicht doch – jetzt?“ von Jakob und negativen Schwangerschaftstests bis zur nicht erfolgreichen Kinderwunschbehandlung. Und trotzdem erwarten alle, dass Toni … und dass Antonia ihre Mutterrolle perfekt ausübt, obwohl, na klar, die ersten Wochen nach der Geburt, alles anders, und überhaupt.
Anne Sauer fängt perfekt die verschiedenen Perspektiven ein, die Erwartungen an Frauen, an eigene Wünsche, aber vor allem an die der anderen. Sie zeigt verschiedene Leben, keines perfekt, aber beide leider ziemlich authentisch. Und sie spricht darüber, wie es für Frauen ist, wenn es mit dem Kinderwunsch – dem eigenen oder dem des Partners – nicht klappt. Wenn sie auf der Bürotoilette sitzt, merkt, dass es in diesem Zyklus schon wieder nicht funktioniert hat und sich fragt, wie sie weitermachen muss, mit diesem Arbeitstag, aber vor allem mit diesem Leben.
Ein paar kleinere Längen gibt es in der Antonia-Perspektive, aber das ist nicht schlimm, denn dieses Buch ist ein wichtiges und auch wenn es sicherlich als Frauenbuch abgestempelt wird: Männer, lest es, ihr werdet danach vieles besser verstehen.
Zum Abschluss meine Lieblingsstelle, eigentlich ganz leise und in einem anderen Kontext – Toni und ihr Vater besuchen das Grab der Mutter und „Ihr Vater zündete kein neues Grablicht an, seine Frau hatte Teelichter nie gemocht, und sie wollten sie auch nachträglich nicht verärgern“ – stattdessen stellen sie ihr Stück Donauwelle hin. Großes Herz für diese Szene und für dieses Buch.
Rezensionen von Bellis-Perennis:
Eine Leseempfehlung!
Der Barmann des Ritz von Philippe Collin
Mit diesem historischen Roman, der geschickt Fakten mit Fiktion verbindet, tauchen wir in das Paris, das von 14. Juni 1940 bis 25. August 1944 von der Deutschen Wehrmacht besetzt war, ein. Die Besatzer haben alle großen Hotels der Stadt für ihre Zwecke requiriert. So auch das Ritz.
Star des Ritz bzw.
seiner Bar ist Barmann Frank Meier, dessen, mit 1.000 Exemplaren streng limitierte, Buch "The Artistry of Mixing Drinks" ihn weit über das Ritz hinaus bekannt gemacht hat. Diese Bekanntheit birgt auch eine große Gefahr, denn was niemand wissen darf: Frank ist als Sohn eines polnischen Juden in der untergegangenen Donaumonarchie geboren worden. Im Ersten Weltkrieg hat er auf Seiten Frankreichs gekämpft. Einiges aus seinem bewegten Leben erfahren wir durch seine fiktiven Tagebuchaufzeichnungen, die zwischendurch eingeflochten sind.
Die Bar des Ritz ist auch Treffpunkt von Schauspielern, Diplomaten, Denunzianten, Schriftstellern, Schwarzmarkthändlern, Luxusdirnen und zahlreicher Offiziere der Wehrmacht, wie Hermann Goering. Es ist fesselnd zu lesen, wie einerseits zahlreiche Franzosen, Künstler und Geschäftsleute wie Coco Chanel, sich den Deutschen anbiedern, und andererseits vor allem die Pariserinnen durch kleine Gesten, wie schwarze Bänder an Hüten und in den Haaren als Zeichen der Trauer wegen der Besatzung, passiven Widerstand leisten. Coco Chanel hat übrigens von 1936 bis zu ihrem Tod 1971 in einer Suite des Hotels gewohnt hat. Allerdings, wenn man dem Roman hier glauben darf, in einem separaten Trakt.
Philippe Collin hat hier einen fesselnden historischen Roman, der die Stimmung in Paris recht gut wiedergibt. Hofft man zunächst auf das Eingreifen von Staatschef Henri Pétain und seiner Vichy-Regierung, so wendet sich mit Fortdauer des Krieges und der Verfolgung der Juden das Blatt. Vor allem Frank Meier ist maßlos enttäuscht von Pétain, den er vor Verdun als Kommandierenden kennengelernt hat.
Interessant ist die Arroganz der Deutschen, die mit mehreren Cocktails intus, völlig ungeniert über ihre nächsten Pläne schwätzen und nicht bemerken, dass Frank Meier der deutschen Sprache mächtig ist bzw. ihn, ähnlich wie ein Möbelstück, ignorieren.
Sehr gut ist Meiers Angst vor einer Denunziation, die nicht nur ihn alleine, sondern auch Blanche, die Ehefrau des Hoteldirektors Claude Auzello, und seinen Lehrling Luciano betrifft, geschildert. Diese diffuse Angst steigert sich von Kapitel zu Kapitel. Auf Grund seiner Beziehungen gelingt es Meier, zahlreichen Juden gefälschte Pässe zu organisieren, was ihn natürlich in noch größere Gefahr bringt.
Das Cover zeigt eine Szene in der Bar. Welches Schicksal einige der historischen Personen nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs erwartet, ist im Anhang, der auch einige Abbildungen beinhalte, nachzulesen.
Fazit:
Gerne gebe ich diesem Roman, der auf Tatsachen beruht und fesselnd erzählt wird, 5 Sterne.
Rezensionen von Lesendundspielenddurchsleben :
keine klassische Cowboy Geschichte
A Wild Cowboy's Heart von Stacey Kennedy
Die Geschichte ist eine schöne Geschichte im Kleinstadtsetting mit friends-to-lovers-Trope, die allerdings wenig mit Cowboys im klassischen Sinne zu tun hat - hier lohnt es sich, den Klappentext vorher zu lesen, um eine ungefähre Vorstellung zu haben, ob einen die Geschichte ansprechen könnte. Denn: Die Geschichte wirkt ja vom Titel und von der Covergestaltung eher nach einer Cowboy-Liebesgeschichte, auf mich strahlt das Cover auch cosy vibes aus.
Beides trifft nicht so ganz zu. Hayes ist zwar der Cowboy, er übernimmt diesen Job mit schwierigen, traumatisierten Pferden erst nach einem schweren Schicksalsschlag, der die beiden Hauptprotagonisten erst zu Freunden macht und seine bisherige Karriere beendet. Maisys Familie steht im Vordergrund der Reihe. Auch sie hat viele Schicksalsschläge erlitten und ihre eigenen Träume begraben. Gemeinsam mit ihren Schwestern eröffnet sie eine Brauerei und will das Bier auf Festivals bekannter machen. Dafür braucht sie Hayes Hilfe.
Ich fand zu den beiden Protagonisten gut Zugang und konnte mich gut in die Geschichte finden. Auch die Geschichte rund um die Brauerei und die Geschichte, die sich über die Bände ziehen wird und wo man jetzt schon das Gefühl hat, man weiß wie die Liebesgeschichten ausgeht fand ich spannend erzählt und man hat das Gefühl, das Start Up richtig begleiten zu können. Ich konnte mir die Kampagnen und die ganzen Mitgebsel gut vorstellen. Die Liebesgeschichte hat mir vom Verlauf her auch gefallen, wenngleich mir nicht alles ganz logisch vorkam und mich die Stellen, wo die Geschichte ein wenig ins Esoterische abdriftete, nicht so ganz überzeugt haben (was aber sicher an meinem Zugang zum Thema liegt). Insgesamt hat mir die Geschichte dennoch gefallen und ich bin auch gespannt, wie es mit den beiden Schwestern so weitergeht.
Rezensionen von Shilo:
Drei Wünsche, ein Neuanfang – und der Mut zur Nähe
Three Things To Be Done | Mit wunderschönem Farbschnitt von Jane Aiven
"Three Things To Be Done" ist der zweite Band der Lanningtons-Reihe und erzählt die Geschichte von Emma, die nach einem schweren Jahr mit ihrer kleinen Tochter nach London zurückkehrt. Ihr Leben steht an einem Wendepunkt, drei unerfüllte Träume begleiten sie – und der Wunsch nach einem Neuanfang ist deutlich spürbar.
Ian, dem sie dort begegnet, ist zunächst verschlossen und wirkt unnahbar. Doch ihre Wege kreuzen sich immer wieder, und langsam beginnt sich zwischen den beiden etwas aufzubauen, das zunächst zart und unausgesprochen bleibt.
Die Figuren stehen im Zentrum dieses Romans. Emma ist feinfühlig gezeichnet, ihre Verletzlichkeit und gleichzeitige Entschlossenheit machen sie zu einer nahbaren, glaubhaften Protagonistin. Ihre Entwicklung ist leise, aber spürbar – sie gewinnt an Stärke, ohne laut zu werden. Ian wiederum ist ein eher ruhiger Gegenpart, dessen Verhalten und Wandel ebenfalls sehr authentisch wirken. Gemeinsam entfalten die beiden eine Dynamik, die ohne große Worte auskommt, aber dennoch viel Tiefe hat.
Der Erzählton bleibt durchweg ruhig und atmosphärisch. Es geht weniger um große Wendungen als vielmehr um innere Bewegung. Themen wie Verlust, Selbstfindung und Vertrauen stehen im Vordergrund – und sie werden mit einer Zurückhaltung behandelt, die der Geschichte guttut. Kleine, fast alltägliche Szenen bringen Leichtigkeit hinein, etwa wenn der Strom ausfällt oder ein Spaziergang unerwartete Wendungen nimmt. Diese Momente geben dem Roman Charme und Wärme.
Jane Aiven gelingt es, Emotionen greifbar zu machen, ohne sie auszustellen. Die Geschichte wirkt durchdacht, aber nicht konstruiert – und trotz der Zurückhaltung bleibt eine feine Spannung zwischen den Zeilen.
Wer ruhige, tiefgründige Liebesromane mit glaubwürdigen Figuren und viel Gefühl sucht, findet in diesem Buch eine bewegende und unaufdringliche Geschichte über das, was möglich ist, wenn man sich selbst wieder erlaubt, zu hoffen. 5 Sterne und eine Leseempfehlung.
Rezensionen von Bellis-Perennis:
Eine Leseempfehlung!
Irina von Sasha Colby
Dieser autofiktionale Roman ist die Geschichte ihrer mütterlichen Familie, die Autorin Sasha Colby, soweit es möglich war, akribisch recherchiert hat und nun gekonnt erzählt.
Alles beginnt im Jahr 1942 als die junge Ukrainerin Irina Kylynych im Alter von 19 Jahren wie Hunderttausende ihrer Landsleute zur Zwangsarbeit in Nazi-Deutschland verschleppt wird.
Nach tagelanger Irrfahrt kommt sie in Wetzlar an und hat „a bisselchen Glück“ wie sie später immer wieder sagen wird. Irina wird der Verpackungsabteilung der Leitzwerken zugeteilt, lernt recht schnell die deutsche Sprache und wird nach einigen Wochen in den Haushalt von Elsie Kühn-Leitz übernommen. Dort muss sie miterleben, wie Elsie Kühn-Leitz 1943 von der Gestapo verhaftet wird, weil sie ihre Zwangsarbeiter „übertrieben menschlich“ behandelt.
Irina lernt ihren Mann Sergei kennen, bekommen ihr erstes Kind Alexandre und fliehen unter falschem Namen zu Kriegsende vor den Truppen der Roten Armee und landen nach Umwegen über Displaced-People-Camps in Kanada. Denn die russischen Zwangsarbeiter werden den Sowjets übergeben, gelten aber in der UdSSR als Kollaborateure und werden in Straflager nach Sibirien gebracht oder gleich hingerichtet. Doch auch in Kanada glauben sie sich lange Jahre (noch) nicht sicher. Hier kommt Lucy zur Welt, die Sashas Mutter werden wird.
„Großmutters Vorliebe für Spitze, hat ihre eigene Geschichte, die in einem tief im Mark verankerten Glauben wurzelt, dieses Material würde den Sieg der Zivilisation über die Barbarei symbolisieren, den Sieg der Schönheit über die animalische Hässlichkeit der Armut. Als jemand, der von den Feldern der durch Stalin ausgehungerten Ukraine in ein Zwangsarbeiter in Nazi-Deutschland und dann über Displaced-Person-Camps ins Nachkriegs-Kanada gekommen war, musste sie es schließlich wissen. Im Haus meiner Großmutter ist alles voll mit Spitze - die Vorhänge, die zierdeckchen, das Tischtuch auf dem Esstisch. Sie dient als Barriere.“ (S. 15)
Sasha Colby erzählt abwechselnd in zwei Zeitebenen ihre Familiengeschichte. Zunächst steigen wir im Jahr 2011 bei den Vorbereitungen eines Festes im Hause von Irina ein, um wenig später in das Jahr 1942 nach Wetzlar zurückzukehren und Elsie Kühn-Leitz kennenzulernen. Elsie ist die Tochter von Ernst Leitz II, deren Großvater die Leitz-Werke 1869 gegründet hat. Vater und Tochter Leitz sind Gegner der Nazis und versuchen so viele Menschen zu retten wie möglich. Das gelingt mit viel Geld und Chuzpe, denn es gibt zahlreiche Leitz-Werke in den USA, die nun neue, meist jüdische Mitarbeiter erhalten. Dennoch müssen sie sich in Acht nehmen und Ernst Leitz II muss nicht nur der Partei beitreten, sondern auch optische Geräte wie Ferngläser und Kameras etc. für die Wehrmacht produzieren. Die Wochen der Haft, die Elsie Kühn-Leitz im Polizeigefängnis von Frankfurt verbringen muss, sind ihren Aufzeichnungen entnommen.
Meine Meinung:
Der Autorin gelingt es ausgezeichnet ihre gegenwärtige Familiengeschichte mit der Vergangenheit ihrer Großmutter zu verknüpfen. Dazu tragen so manche Eigenheiten von Irina wie die schon erwähnte Vorliebe für Spitze oder ihre Einkaufsgewohnheiten in den Supermärkten, die immer wieder für Augenrollen und mitunter auf Unverständnis bei Tochter und Enkelin sorgen bei. Liebevoll lässt Sasha ihre Baba (Großmutter) in dem ihrer eigentümlichen Sprache, die mich als Wienerin, ein wenig an das Jiddische erinnert, sprechen.
Dass Elsie Kühn-Leitz und ihr Vater Widerstand gegen das NS-Regime geleistet haben, ist, im Gegensatz zu Oskar Schindler, relativ unbekannt. Ich habe darüber vor Jahren gelesen. Zum einen, weil mir als Vermesserin der Konzern, der früher unter dem Namen Wild Heerbrugg Vermessungsgeräte hergestellt hat und dieses als Leica-Geosystems nach wie vor macht, und weil Leica-Kameras (neben Hasselblad) das Nonplusultra der Fotografie sind, sehr gut bekannt ist. Zum anderen habe ich bereits einige Firmengeschichten und ihre Haltung während der Nazi-Diktatur gelesen. Nicht alle Konzerne, die in dieser Zeit profitiert haben, stellen sich ihrer Verantwortung.
Fazit:
Mir hat dieser autofiktionale Roman sehr gut gefallen, was vor allem an Baba Irina liegt, die mit ihren Eigenheiten liebevoll, wie es nur eine Enkelin vermag, geschildert ist. Zahlreiche private Fotos ergänzen diese Familiengeschichte. Gerne gebe ich hier 5 Sterne.
Rezensionen von Flo:
Jugendbuch mit Tiefe
Red Flags von Sophie Jo
Sie sieht bei jedem die red Flags und hat keine zweiten Dates, er beendet Beziehungen, bevor es ernst wird. Und dann werden beide von ihren Freunden aufgefordert, durchzuhalten.
Poppy ist 18, selbstbewusst und weis genau, wie ihr Traummann sein soll und möchte hier eigentlich auch keine Kompromisse eingehen.
Cam hat dagegen Angst, sich auf jemanden einzulassen. Als die beiden aufeinander treffen, versucht Cam die Dates bewusst zu sabotieren und das Gegenteil von Poppy’s Traummann zu sein. Da Poppy es aber dieses Mal nicht direkt beenden kann, muss sie vorerst mit den red Flags leben. So verbringen die beiden wider Erwarten mehr Zeit miteinander und kommen sich näher.
Positiv aufgefallen sind mir die Darstellung der Familien, nicht alles ist perfekt, jeder hat andere Herausforderungen. Auch die Botschaft und die Werte, die vermittelt werden, wie Selbstbewusstsein, Kommunikation und Respekt, sind toll. Nicht nur bei den Protagonisten, auch in der Freundesgruppe.
Tolles Jugendbuch mit Tiefe !
Rezensionen von Ewa Wiercinska Leserunde Heyn:
Ein bewegtes, psychologisches Monodrama
Botanik des Wahnsinns von Leon Engler
Leon Engler schreibt:
„Ich liebe es, von Buch zu Buch zu irren, von Zufallsfund zu Zufallsfund. Die Idee, ein Buch aufzuschlagen und einen Satz zu lesen, der mich trifft, der verändert, wie ich die Dinge sehe.“
Dieses Monodrama hat mich durch die vielfältige Erzählperspektive, komplexe Emotionen und Geschichten begeistert.
Sein einzigartiger Erzählstil – witzig, geistreich und lebhaft – trifft mich und verändert, „wie ich die Dinge sehe“.
Leon Engler, als Einzelerzähler, hat die Fähigkeit, emotionales Erleben auszulösen und seine intensive Selbstreflexion besonders realitätsnah zu vermitteln.
Fazit: Genial durchdacht.
Für Leserinnen und Leser, die den Tagen Sinn geben möchten.
Rezensionen von clematis:
Träume und Ziele
Wer ins Licht treten will von Melanie Metzenthin
Die junge Ärztin Renate Schwarz arbeitet mittlerweile in der Frauenabteilung der Psychiatrischen Klinik in Hamburg und stellt ihr Können täglich unter Beweis. Neben unterschiedlichsten Patienten, die ihr sehr am Herzen liegen, fordern sie allerdings auch im Privaten allerhand Überraschungen. Was gesellschaftspolitisch im Jahre 1959 möglich ist und was noch fernes Wunschdenken, erzählt Melanie Metzenthin in diesem zweiten Teil der Reihe „Eine starke Liebe“.
Eloquent verfasst präsentiert sich diese lebendige Geschichte rund um eine willensstarke junge Frau, die engagiert für Gleichberechtigung eintritt und sich auch in der männerdominierten Ärzteschaft ihren Platz sichert. Unter den Patientinnen tun sich spannende Problemfelder auf, besonders herausstechend eine Dame, die einen Umweltskandal nahe dem Boehringer-Medikamenten-Werk vermutet und eine weitere, die in ihrer Not ihrem Mann Gewalt antut – interessante Handlungsstränge unter dem Gesichtspunkt wahrer Grundlagen, wie man im Nachwort erfahren kann. Obendrein kämpft Renates Verlobter Matthias Studt mit einer schweren Knieverletzung, die alle Zukunftspläne des Profifußballers zunichtemacht. Mit der Verwandtschaft aus Amerika treten schließlich noch familiäre Turbulenzen auf. Alles in allem eine Vielzahl an Themengebieten, die Abwechslung ins Geschehen bringen, trotzdem war die Faszination im ersten Band noch größer, hier war Renates Entwicklung und Durchsetzungskraft noch deutlicher zu spüren.
Das Bild der ausklingenden 1950er-Jahre wird jedenfalls gut gezeichnet, das Rollenverständnis zwischen Mann und Frau recht klar umrissen – während beispielsweise Männern Gewalt in der Ehe zugebilligt worden ist, landet eine Frau dafür in der Psychiatrie. Träume und Ziele werden neu definiert, vielleicht erfahren wir in einen dritten Teil, was Renate und Matthias davon umsetzen?











