Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Bellis-Perennis:
Oberst Bronstein ermittelt
In der Sache Apfelbaum von Andreas Pittler
Historiker und Autor Andreas Pittler lässt seinen Oberst David Bronstein ein letztes Mal in seiner aktiven Dienstzeit ermitteln bevor er im November 1948 in den Ruhestand übertritt.
Es sind nur mehr wenige Tage bis Bronsteins Ruhestandsversetzung, als der Mord an der Prostituierten Josefine Dangl die Wiener Polizei in Atem hält.
Bronstein erhält den Auftrag im Milieu zu ermitteln, wohin er doch so gute Kontakte hätte, wie sein Chef Berner im Kommissariat Leopoldstadt süffisant bemerkt. Nahezu gleichzeitig meldet ein betagter Mann die Entführung eines offensichtlich jüdischen Mannes durch vier Personen auf der Praterstraße. Wenig später wird die Leiche jenes Mannes aus der Donau geborgen, den Bronstein und eine alte Frau als Herschel Apfelbaum identifizieren, der 1938 gerade noch emigrieren konnte. Was hat ihn veranlasst im Herbst 1948 in das zerstörte Wien zurückzukommen?
Bei seinen von Chef Berner nicht goutierten Recherchen deckt Bronstein ein abgrundtief hässliches Verbrechen aus dem Jahr 1938 auf. Die damaligen Täter sonnen sich in ihrem Bewusstsein, dass alle ihre Taten, die sie während des NS-Regimes begangen haben, nun amnestiert sind. Die aktuelle politische Lage, niemand will mit den Nazis etwas zu tun gehabt haben und man möge doch bitte endlich die Vergangenheit ruhen lassen, macht es ihnen leicht.
Doch sie haben die Rechnung ohne Oberst Bronstein gemacht, dessen Gerechtigkeitssinn schon fast fanatisch zu nennen ist und der noch mit den Nazis noch eine sehr persönliche Rechnung offen hat. Wie häufig ermittelt er auf eigene Faust und kümmert sich wenig um die Anordnungen seines Vorgesetzten. Kann er die Sache Apfelbaum zu einem Abschluss bringen und anschließend in den Ruhestand gehen?
Meine Meinung:
Dieser 9. Fall für Oberst David Bronstein spielt im Jahr 1948 und ist daher zeitlich vor dem 8. Fall „Goodbye“ angesiedelt, der im Jahr 1955, dem Jahr in dem Österreich den lang ersehnten Staatsvertrag erhält und die die vier Besatzungsmächte endlich das Land verlassen, spielt.
Wie wir es von Historiker und Autor Andreas Pittler kennen, erklärt die Zusammenhänge der Politik ohne den Eindruck zu erwecken, Geschichtsunterricht zu erteilen. Diese unterschwellige Art historische Zahlen, Daten und Fakten zu vermitteln, ist die große Kunst des Andreas Pittler. Er vermittelt Geschichtsunterricht, ohne dass die Leser dies merken. Seine „Unterrichtseinheiten“ sind in den fesselnden Krimi eingebettet. Er bringt uns die Stimmung in Wien näher, ohne zu werten. Wir erleben die antisemitischen Ansichten zahlreicher historischer Persönlichkeiten wie von SPÖ-Innenminister Oskar Helmer und abwärts bis hin zur kleinsten und fiktiven Hausmeisterin. Geschickt verknüpft der Autor Fakten mit Fiktion.
Die Versorgungslage drei Jahre nach Kriegsende ist in Wien nach wie vor trist. Es mangelt an allem und jenem. Selbst wenn man über die entsprechenden Lebensmittelkarten verfügt, heißt das noch lange nicht, die aufgerufenen Güter des täglichen Lebens zu erhalten. Auch Zigaretten sind nur auf Karte (oder im Schleichhandel) erhältlich. Hier muss ich mich (obwohl ich Nichtraucherin bin) ein wenig empören, hat man doch den Frauen anfangs nur 20 Zigaretten pro Monat zugestanden, während Männer 40 Stück erhalten haben. Erst als eine Frau zu Gericht gegangen ist, um die gleiche Menge zu erhalten, hat man dem nachgegeben. Nun, immerhin soll mit Beginn des Jahres 1949 die Rationierung für Zigaretten aufgehoben werden. Ein kleiner Lichtblick für den starken Raucher Oberst Bronstein.
Die gesamte Handlung erstreckt sich zwischen dem 26. Oktober und dem 5. November 1948. Bronstein ist getrieben, diesen letzten Fall aufzuklären und die Täter vor Gericht zu bringen.
Die Charaktere sind wie gewohnt, authentisch beschrieben. So kann ich David Bronsteins Gedanken nach einem über 41 Jahre dauernden Berufsleben nachvollziehen, wenn er nicht weiß, was er mit seiner Freizeit anfangen soll. Frühere Weggefährten sind entweder ermordet worden oder einfach so gestorben oder wie sein ehemaliger Kollege und Freund Andreas Cerny in die Tschechoslowakei ausgewandert und hat dort Karriere gemacht. Die Jahrzehnte im Polizeidienst und die Politik haben Oberst David Bronstein zu einem einsamen Mann gemacht. Immerhin trifft er sich mit Heinrich, einem ehemaligen Polizisten zum Schach spielen - auch wenn Bronstein immer verliert.
Fazit:
Gerne gebe ich diesem Fall für Oberst David Bronstein wieder 5 Sterne und eine Leseempfehlung, die für die ganze Reihe gilt.
Rezensionen von liesmal:
Achtung! Schleudergefahr!
Himmelerdenblau von Romy Hausmann
Viele unbeantwortete Fragen, dazu mehrere Protagonisten, die in Sachen seelischer Belastungen ihre eigenen Baustellen haben: Nicht nur einmal glaube ich in einigen der Beteiligten einen potenziellen Mörder erkannt zu haben. Aber nicht mit Romy Hausmann – so einfach macht es die Autorin den Lesenden nicht!
Nur sehr undeutlich ist die Familie auf dem Cover zu erkennen – eine Familie, in der einmal alles heil war, jetzt aber – zwanzig Jahre nachdem die Tochter Julie plötzlich verschwunden war – nur noch als verschwommenes, verwaschenes Bild wahrnehmbar.
Nie hat der Vater Theo aufgehört, nach Julie zu suchen. Ist sie wirklich entführt worden?
Als jetzt die True Crime-Podcasterin Liv bei ihm auftaucht und Theo anbietet, mit ihm gemeinsam endlich die Wahrheit über das Verschwinden seiner Tochter zu ergründen, ist er sofort dabei.
Romy Hausmann ist Meisterin darin, Einblicke in die tiefsten Tiefen der menschlichen Seele zu geben und bei mir damit immer wieder große Verwirrung zu stiften. Was allerdings für mich dieses Buch zu einer ganz besonderen Geschichte macht, ist die Art, wie Hausmann den Charakter des an Demenz erkrankten Theo zeichnet.
„Liv sieht zu ihm hinüber und lächelt milde. Er ist wieder ein Stück weit von ihr abgerückt. In eine Welt, die nur er versteht.“
Es erscheint mir total realistisch, wie Theo lebt, was er denkt und tut, sich erinnert, aber auch immer wieder an seine Grenzen stößt. Großartig, wie es Liv gelingt, mit Theo und der Krankheit Demenz umzugehen.
Das ist wieder mal ein Thriller, wie ich ihn mag: Erscheint in einem Moment etwas ganz klar und deutlich, so werde ich im nächsten Moment von einer Fliehkraft gepackt und weggeschleudert – und bin danach so klug wie zuvor und vor Überraschungen niemals sicher.
Eines aber ist sicher: meine unbedingte Leseempfehlung für „Himmelerdenblau“.
Rezensionen von Nele33:
zu flach
Welcome Home - Du liebst dein neues Zuhause. Hier bist du sicher. Oder? von Arno Strobel
"Welcome Home" hat mich aufgrund des Klappentextes neugierig gemacht und es ist nicht das erste Buch von Arno Strobel, welches ich gelesen habe.
Die Eheleute Ines und Marco Winkler verwirklichen mit Tochter Emilia und Labradoodle James ihren Traum und ziehen in das Dorf Auf Mons im Spessart wo eine Neubausiedlung auf dem Boden eines alten Dorfes gebaut wurde.
Sie fühlen sich dort willkommen, sind doch alle Einwohner per Du und unterstützen sich in jeglicher Form. Doch der erste Schein scheint zu trügen, schon in der ersten Nacht hat Ines das Gefühl in ihrem eigenen Schlafzimmer beobachtet zu werden, versuchen sich dies aber mit der ungewohnten und neuen Umgebung zu erklären. Am nächsten Tag wird eine Leiche im unbewohnten Nachbarhaus von Ines und Marco gefunden und bei Ines und Marco häufen sich die nächtlichen Begebenheiten, sogar die Hauptsicherung wird herausgedreht. Als weitere Morde geschehen, gerät die Gemeinschaft der Bewohner Auf Mons ins Wanken und die Suche nach dem Täter nimmt alle in Anspruch.
Der Einstieg in die Geschichte ist mir leicht gefallen und der Lageplan der Siedlung im Buch ließ das Dorf plastisch vor meinen Augen erscheinen, was die Wege des Täters angeht.
Zu Beginn empfand ich einen guten Spannungsaufbau, der leider im Verlauf des Buches doch nachließ, da die Protagonisten doch leider insgesamt für mich zu oberflächlich und flach blieben. Hinzu kamen für mich einige Logik- und Realitätsfehler, die mich in Summe doch sehr gestört haben.
Dies ist für mich nicht das stärkste Buch von Arno Strobel und ich hoffe darauf, dass der Autor wieder zu alter Stärke zurückfindet.
Rezensionen von begine:
Ohne Zukunft
Das schöne Lächeln von Riambel von Priya Hein
Die mauritische Schriftstellerin Priya Hein bringt uns in ihrem Roman, Das schöne Lächeln von Riambel, ihr Heimatland nahe.
Man erfährt von der Rassendikredierung, der Sklaverei, der Armut der Creolen und von dem Los der Frauen in
Mauritius.
Die Protagonistin Naomi, besucht die Schule, muss aber auch mitarbeiten, da der Verdienst ihrer Mutter kaum für sie Beide reicht.
Ihr Leben wird grausam durcheinander gebracht.
Die reiche weiße Bevölkerung behandelt die etwas dunkelhäutigen schlecht.
Die Autorin hat noch lyrische Texte eingewoben, die den Roman zu einem guten Werk macht. Die zeigen die Emotionen der Einheimischen.
Der Roman bestich dann noch mit der Farbenpracht Mauritius Fauna.
Rezensionen von Reiseweise:
Nette Geschichte
Aristide Ledoux - Meisterdieb wider Willen von Frank Maria Reifenberg
Aristide Ledoux, der Protagonist des gleichnamigen Buchs, ist ein Pariser Meisterdieb - und überlebt nur knapp einen Anschlag auf sein Leben. Er wird von Julien aus den Wassern der Seine gefischt und zu Leontine gebracht, der Tochter des Präsidenten der Pariser Geheimpolizei. Die drei Teenager versuchen, Aristides Geschichte auf die Spuren zu kommen.
Die Geschichte, die sich daraus entspannt, ist durchaus spannend. Sie ist sehr rasant erzählt - zu rasant an vielen Stellen. Es bleibt keine Zeit, um die Figuren auszuarbeiten und ihre Verbindungen zueinander zu entdecken (woher kennen sich z.B. Julien und Leotine?) und es werden immer mehr Einfälle und Figuren in die Geschichte eingebracht, die oft kaum eine Rolle spielen. Das ist schade, denn durch die guten Zeichnungen hätte die Geschichte noch viel mehr Potenzial gehabt.
Rezensionen von Bellis-Perennis:
Freundschaft fürs Leben
Herrliche Zeiten - Die Himmelsstürmer von Peter Prange
Peter Prange, Meister von detaillierten historischen Romanen, entführt uns diesmal in das Jahr 1871. Zunächst geht es einmal in den mondänen böhmischen Kurort Karlsbad (heute Karlovy Vary in Tschechien) an dem sich Kaiser, Könige und alle, die etwas auf sich halten, zur Badekur (und ähnlichem) treffen.
Hier begegnen einander die britische Erbin Vicky, der deutsche Bauingenieur Paul und der französische Koch Auguste. Obwohl aus verschiedenen, oft miteinander verfeindeten Reichen und unterschiedlicher Herkunft, freundet sich das junge Trio an. Dennoch habe sie Gemeinsamkeiten: Sie sind zielstrebig und wollen Großes erreichen. Paul will am Bau der Rotunde, dem Gebäude der nächsten Weltausstellung, die 1873 in Wien stattfinden wird, mitarbeiten. Später dann, in seiner Heimatstadt Berlin soll, so schwebt ihm eine Prachtstraße, die dem Vergleich mit der Avenue des Champs Élysées in Paris nicht zu scheuen braucht, vor. Der junge, ehrgeizige Koch Auguste will der berühmteste Koch Frankreichs werden. Er hat es satt, immer herumkommandiert zu werden und will in Zukunft Chef seines eigenes Restaurant sein. Und Vicky? Als Enkelin von Joseph Paxton, dem Botaniker und Erbauer des Glaspalastes der Weltausstellung von 1851 in London, und Emily Paxton, deren Geschichte Peter Prange bereits in Die Rebellin erzählt hat, hat sie ihren eigenen Kopf. Sie will ihren eigenen Weg zur Völkerverständigung gehen und ist fasziniert von der Vorstellung, England und Frankreich mit einem Tunnel zu verbinden. Heirat, Ehemann und Kinder stehen nicht wirklich auf ihrem Plan.
Jeder der drei lebt sein eigenes Leben und Träume. Immer wieder ergibt sich die Gelegenheit sich zu treffen und gegenseitig zu unterstützen. Werden alle drei ihre Träume gegen alle Widerstände und Widrigkeiten des Lebens verwirklichen können?
Meine Meinung:
Wie wir es von Peter Pranges penibel recherchierten und opulent erzählten historischen Romanen gewöhnt sind, ist auch dieser, der der erste einer Dilogie namens Herrliche Zeiten ist, sehr gut gelungen.
Wir erhalten Einblick in die Gesellschaft des 19. Jahrhunderts in England, Frankreich und dem Deutschen Reich, das eben durch Otto von Bismarcks Streben ein Kaiserreich geworden ist. Doch nicht nur der High Society gilt unsere Aufmerksamkeit, sondern auch dem Bürgertum und den Arbeitern, die den Prunk erst möglich machen.
Durch seine fesselnde und anschauliche Erzählweise erhalten wir Geschichtsunterricht, ohne uns dessen bewusst zu sein. Peter Prange gelingt es mühelos und subtil historische Persönlichkeiten sowie Fakten und Fiktion mit der Handlung zu verknüpfen.
Ich freue mich schon auf die Fortsetzung Dem Himmel so nah, der die nächste Generation begleiten wird. Das Buch erscheint im September 2025.
Fazit:
Diesem penibel recherchierten und gekonnt erzählten historischen Roman gebe ich gerne 5 Stern und eine Leseempfehlung.
Rezensionen von begine:
Gut gemachte Geschichte
Was du siehst von Laura Maaß
Laura Maaß hat mit ihrem Roman, Was du siehst, eine Liebesgeschichte geschrieben, die nicht kitschig ist.
Es beginnt 1967 in Mecklenburg und zeigt, wie die Leute im Grenzgebiet der DDR lebten.
Man erlebt dann später auch noch die Empfindungen der Bewohner mit, als die Grenze geöffnet wurde.
Ruth Winkler kommt von Ostberlin in das Dorf. Sie ist schwanger und, ihr Freund war plötzlich verschwunden. Ich hatte ja gleich den richtigen Verdacht. Sie ist von ihrem Vater zu seinem Bruder Arthur abgeschoben worden.
Arthur und Frieda werden ein Paar, das war eine schöne Liebe.
Dann gibt es noch Heinrich und Hannah, Die Beiden bekommen einen Jungen und Ruth ein Mädchen. Da gibt es das neue Paar. Schon als Kinder sind sie viel zusammen.
Als sie als Erwachsene zusammenziehen wollen, findet June in einem Koffer Unterlagen und erfährt, das ihr Vater nicht gestorben war.
Sie will unbedingt erst ihren Vater finden, das ist aber ziemlich beschwerlich. Sieben Jahre lang ist sie unterwegs und schreibt nur mal immer wieder eine Karte.
Der Text fängt immer mit, Ich sehe was, was du nicht siehst, an.
Mir hat diese Geschichte sehr gefallen und ich möchte sie gerne weiter empfehlen.
Rezensionen von Bellis-Perennis:
Aufarbeitung eines Familientraumas
Goldstrand von Katerina Poladjan
„Goldstrand“ ist ein fast poetisch anmutendes Protokoll zahlreicher Sitzungen von Eli, einem erfolgreichen Filmregisseur, bei seiner Analytikerin. Elis Vater Felix ist als Kind mit seinem Vater Lew und seiner Schwester Vera aus dem nachrevolutionären Russland geflohen. Auf dieser Flucht verschwindet Vera vom Schiff, das sie nach Istanbul bringen soll.
Ist sie über Bord gesprungen oder gefallen oder wurde sie gar gestoßen? Jedenfalls belastet dieses Ereignis sowohl Vater und Sohn. Sie werden jahrelang in einer Hütte am, später Goldstrand genannten, Strand an der bulgarischen Küste hausen und darauf warten, dass Veras Überreste angespült werden. Felix macht seinen Weg und wird Architekt.
Das Trauma der verschwundenen Schwester wird er niemals verarbeiten und es an Eli weitervererben, dessen Gespräche mit der Analytikerin wir nun belauschen können. Doch stimmt alles, was er erzählt?
Dieser Roman beschäftigt sich mit epigenetischen Traumata. Sie werden von Generation zu Generation weitergegeben, wenn man sich keiner professionellen Hilfe bedient.
Katerina Poladjan erzählt diese Geschichte mit poetischen Worten und überrascht ihre Leser mit einem durchaus verblüffenden Ende. Was mich persönlich immer stört, sind die fehlenden Redezeichen in Gesprächen.
Fazit:
Gerne gebe ich diesem Roman 4 Sterne.











