Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Annabell95:
Wettkampf um die Krone
Hof der Dornen, Band 1: The Rose Bargain von Sasha Peyton Smith
London, 1848: Zur Heiratssaison versuchen viele Adlige, durch einen gefährlichen Handel mit der Fae-Königin Macht, Schönheit und Reichtum zu erlangen. Als der Kronprinz ankündigt, in dieser Saison eine Braut zu wählen, wird überraschend auch Ivy, die eigentlich in Ungnade gefallen ist, unter die sechs Anwärterinnen aufgenommen.
Was wie ein höfischer Wettbewerb beginnt, entwickelt sich rasch zu einem brutalen Kampf ums Überleben. Intrigen, Magie und tödliche Prüfungen bestimmen den Alltag der Kandidatinnen. Gleichzeitig muss Ivy unbedingt Abstand zu Emmett, dem Bruder des Prinzen, halten, denn jede Nähe zu ihm könnte nicht nur ihr Herz gefährden, sondern auch ihr Leben.
"The Rose Bargain" ist der erste Band der "Hof der Dornen"-Dilogie.
Die Handlung hat mich sofort in seinen Bann gezogen. Der flüssige, bildhafte Schreibstil sorgt dafür, dass man sich jede Szene sehr bildlich vorstellen kann. Erzählt wird die Handlung in der Ich‑Perspektive aus Sicht der Hauptprotagonistin Ivy. Dadurch erlebt man ihre Gedanken und Gefühle so intensiv, dass man automatisch mit ihr mitfiebert. Hin und wieder gibt es Einschübe aus Sicht ihrer Konkurrentinnen, die einen näheren Einblick in den Wettkampf um Prinz Bram geben.
Es bleibt von Beginn an durchgehend rätselhaft und spannend. Ivy ist sehr mutig, aber auch gleichzeit sehr naiv. Sie muss sich mehreren Herausforderungen stellen, wächst an ihnen und findet Stück für Stück ihre eigene Stärke. Auch wenn das Ende teilweise vorhersehbar scheint, wird man mit einer unerwarteten Wendung noch einmal komplett überrascht.
Das Love-Triangle ist gut gemacht. Es ist emotional glaubhaft, intensiv und so geschrieben, dass man sich kaum für eine Seite entscheiden kann.
Ein absolutes Highlight ist das Setting im viktorianischen England um 1848. Eine gelungene Mischung aus historischer Atmosphäre, höfischer Gesellschaft, politischen Spannungen und dunkler Magie, die sich perfekt miteinander verweben. Die Welt wirkt greifbar, elegant und gleichzeitig bedrohlich.
Mein Fazit:
Ein atmosphärischer, magischer und überraschender Roman, der historische Eleganz mit düsterer Fae‑Magie verbindet. Perfekt für alle, die starke Heldinnen, Intrigen, romantische Spannung und immersive Welten lieben. Für mich eine absolute Leseempfehlung.
Ohne viel Action
Dunkelmann von Lars Findsen; Jacob Weinreich
Eine chinesische Delegation soll nach Kopenhagen reisen, doch der Geheimdienstanalyst Daniel Hartmann entdeckt, dass ein Delegierter unter falschem Namen einreisen will. Um herauszufinden, was dahintersteckt, wird die noch angeschlagene Agentin Maja Birk auf den Fall angesetzt. Bald zeigt sich, dass die Delegation ein besonderes Interesse an einem Forschungsprojekt im Nordpolarmeer hat.
Maja erkennt, dass diese Mission möglicherweise mit ihrem letzten gefährlichen Auslandseinsatz verknüpft ist und dass mehr auf dem Spiel steht, als zunächst sichtbar war.
"Dunkelmann" ist der Auftakt in eine neue Spionagethriller-Reihe mit den Geheimdienstagenten Daniel Hartmann und Maja Birk.
Der Schreibstil ist sehr flüssig und lässt sich daher recht angenehm lesen, sodass man auch mühelos durch die einzelnen Kapitel gleitet. Die Handlung wird aus wechselnden Perspektiven der einzelnen Protagonisten erzählt und wechselt auch relativ oft die einzelnen Handlungsorte. Das bringt Abwechslung, aber trägt nicht so wirklich zur Handlung bei. Insgesamt bleibt die Handlung über ziemlich weite strecken sehr ruhig und es plätschert mehr vor sich hin.
Durch die vielen beteiligten Parteien ist es recht undurchsichtig und man bekommt kaum einen Überblick. Die Zusammenhänge bleiben sehr lange verworren. Das erzeugt zwar eine gewisse Geheimdienst‑Atmosphäre, lässt aber kaum Raum zum Miträtseln, weil man wenig Hinweise bekommt, die man selbst zusammensetzen könnte. Erst auf dem letzten Drittel wird es spürbar spannender aber Nervenkitzel will leider auch dann nicht so recht aufkommen.
Sehr gut gemacht sind auf jeden Fall die realistischen Einblicke in die Arbeit der Geheimdienste. Auch das politisch brisante Thema rund um Großmacht China und Interesse an Grönland verleiht dem Buch Relevanz und Tiefe.
Die Figuren sind gut gezeichnet, mit klaren Charakterzügen und glaubwürdigen Einblicken in ihr privates Leben. Allerdings nehmen die Beziehungsprobleme der beiden Hauptfiguren so viel Raum ein, dass sie den Thrillerfluss immer wieder ausbremsen und teilweise als echter Spannungskiller wirken. Ein bisschen unrealistisch fand ich zudem, dass Maja so angeschlagen nach ihrem vorherigen Auslandseinsatz direkt wieder so intensiv eingesetzt wurde.
Mein Fazit:
Unter diesem Spionage- / Agententhriller hatte ich mir ein wenig mehr Spannung erhofft. Es war zwar sehr undurchsichtig und das Motiv und das Ziel nicht wirklich klar, aber dennoch fehlte mir der Durchblick in der ganzen verworrenen Handlung und dadurch kam nicht so wirklich die Spannung auf.
Walküre-Spiele
Darkly von Marisha Pessl
Dia ergattert ein begehrtes Praktikum bei der geheimnisvollen Veda Foundation – doch statt Büroarbeit landet sie mit sechs anderen Jugendlichen auf einer isolierten Insel. Dort werden sie in ein tödliches Darkly-Spiel gezwungen, bei dem niemand weiß, wem er trauen kann und wer die Fäden zieht.
Die Grundidee des lebendigen Brettspiels fand ich großartig.
Sehr originell, atmosphärisch, und mir sehr viel Potenzial. Aber leider war die Umsetzung nicht so überzeugend wie erhofft. Der Einstieg in die Handlung war noch sehr gut mit den humorvollen Schreibstil. Doch je weiter die Story voranschreitet, desto mehr verliert sich dieser Ton. Die Handlung wird zunehmend sprunghaft, Szenen wechseln abrupt, und oft hatte man das Gefühl, dass wichtige Zwischenschritte fehlen. Dadurch wirkt vieles unlogisch, fast so, als würde die Struktur unterwegs auseinanderfallen. Es ist zu verworren, zu chaotisch und sehr undurchschaubar, was einerseits gut ist, doch die Rätsel waren nicht so packend und die Spannung baute sich nicht richtig auf. Vieles wirkt eher abgedreht als fesselnd. Statt Nervenkitzel gab es eher Verwirrung.
Die Handlung wird in der Ich-Erzählform aus der Sicht von Dia erzählt. Durch die Ich‑Perspektive bekommt man tiefe Einblicke in ihre Gedanken. Dia ist eine starke Protagonistin und sehr speziell mit ihren ungewöhnlichen Hobbys und ihrer Faszination der Darkly-Spiele. Zudem ist sie clever, neugierig und hat einen starken Willen. Die anderen Teilnehmer wirken ebenfalls eigenartig, aber blieben im Gegensatz zu Dia sehr blass und entwickeln kaum Tiefe.
Sehr schön gestaltet sind die bildlichen Extras in der Handlung. Hin und wieder gab es Einschübe von Abbildungen, Fotografien, Plänen und Briefe. Sie haben perfekt zur Atmosphäre gepasst und haben zum Fortgang der Handlung den ein oder anderen Hinweis geliefert.
Die Auflösung fand ich ebenfalls nicht ganz überzeugend. Sie kam zu plötzlich und es war irgendwie nicht so ganz rund um die nötige Klarheit zu bekommen.
Mein Fazit:
Der Story hat viele kreative Ansätze und eine starke Hauptfigur, verliert sich aber in einer übermäßig sprunghaften, chaotischen Erzählweise. Die Extras sind toll, die Idee originell, doch die Umsetzung bleibt zu verworren, um wirklich zu fesseln.
Bernstein-Opfer
Strandopfer von Frank Goldammer
Lena Schuldt wird an die polnische Ostseeküste geschickt, weil ein deutscher Urlauber tot am Strand liegt. Was wie ein Unfall aussieht, wird sofort rätselhaft, als man einen großen Bernstein im Mund des Toten findet. Nur kurze Zeit später wird die zehnjährige Luisa, die Tochter einer Bekannten des Verstorbenen, als vermisst gemeldet.
Gemeinsam mit dem polnischen Ermittler Adam Krawczyk nimmt Lena die Urlaubergruppe in einer Villa ins Visier. Alle wirken nervös, jeder hat Geheimnisse, und niemand sagt die ganze Wahrheit. Als ein zweiter Mensch unter denselben mysteriösen Umständen stirbt, wird klar, dass ein Täter gezielt zuschlägt und dass die Zeit knapp wird, um Luisa zu finden.
"Strandopfer" ist der Auftakt in eine neue Krimi-Reihe mit dem deutsch-polnischen Ermittler-Duo.
Die Grundidee mit dem deutsch-polnischen Ermittler-Duo, kulturellen Reibungspunkten und der Ostsee-Atmosphäre ist sehr interessant, doch leider war die Handlung selbst etwas durchwachsen und Potenzial ging verloren.
Ansich lässt sich der Schreibstil ganz gut und flüssig lesen. Da die Handlung sich an der polnischen Ostseeküste abspielt, werden auch polnische Ausdrücke und Sätze eingebaut, die aber leicht zum Stolperstein werden und dadurch den Lesefluss hemmen.
Die Handlung wird hauptsächlich aus der Perspektive von Lena erzählt. Es plätschert eher vor sich hin, als dass wirklich ermittelt wird. Viele Szenen verlieren sich in Nebensächlichkeiten, Wiederholungen ziehen sich durch das Buch, und die Entscheidung, ausschließlich aus Lenas Perspektive zu erzählen, nimmt der Geschichte auf Dauer die nötige Spannung. Ein Perspektivwechsel hätte hier viel Dynamik bringen können.
Sehr geprägt wurde die Handlung von Vorurteilen gegenüber Polen. Sie nahmen etwas überhand und irgendwann haben sie nur noch genervt.
Über die Hauptprotagonistin Lena erfährt man in diesem Band schon sehr viel. Ihre schwierige Kindheit macht sie greifbar, aber ihre Vergangenheit wird so ausführlich und so oft wiederholt erzählt, dass der eigentliche Fall immer wieder in den Hintergrund rückt. Adam dagegen bleibt noch sehr blass. Man erfährt kaum etwas Privates über ihn, was die Dynamik des Duos unausgewogen wirken lässt.
Mein Fazit:
Ein Krimi mit interessanter Grundidee und atmosphärischem Stil, der sich aber zu sehr in Vorurteilen, Wiederholungen und Lenas Vergangenheit verliert. Die Spannung bleibt auf der Strecke, was sehr schade ist, denn das Ermittler-Duo hätte viel Potenzial.
Rache
Revenge von Svenja Diel
Die drei Jugendlichen, Liv, Sara und Vince, werden durch ein plötzliches Gewaltverbrechen aus ihrem normalen Leben gerissen und müssen sich danach mit Angst, Schuldgefühlen und den Folgen traumatischer Erfahrungen auseinandersetzen. Während die Polizei versucht, den Täter zu finden, geraten Liv, Sara und Vince in einen Strudel aus Misstrauen, gefährlichen Wahrheiten und der Frage, ob ihre Freundschaft stark genug ist, um all das auszuhalten.
Jede Entscheidung bringt sie näher an die Wahrheit oder tiefer in die Abgründe der eigenen Vergangenheit.
Die Story entfaltet sich über drei Perspektiven - Liv, Sara und einem myteriösen "ER". Das sorgt für Abwechslung und Dynamik der Handlung. Durch die wechselnden Perspektiven bekommt man intime Einblicke in Gedanken und Motive der Charaktere. Man pendelt zudem ständig zwischen Nähe, Zweifel und Misstrauen. Mit jedem Kapitel wächst das Gefühl, dass etwas nicht stimmt. Die Sichtweise des unbekannten Erzählers wirft immer neue Fragen auf, und man ertappt sich dabei, wie man jede Figur infrage stellt.
Die Handlung entwickelt sich stetig weiter, die Spannung steigt kontinuierlich, und immer wieder tauchen unerwartete Wendungen auf, die das Bild neu zusammensetzen. Das Ende hingegen kam nicht ganz mit und blieb etwas schwächer zurück, aber dennoch blieb es spannend und man wollte wissen, wie alles zusammenhängt.
Die Figuren selbst wirken teilweise etwas blass, was die emotionale Bindung erschwert. Dennoch gibt es Nebencharaktere, die sofort Sympathie wecken und andere, die bewusst Distanz erzeugen. Die Hauptprotagonistin Liv bleibt dabei die stärkste Figur. Sie ist entschlossen, loyal und bereit, alles für ihren Bruder zu tun.
Der Schreibstil ist flüssig und angenehm, leicht zu lesen.
Mein Fazit:
Ein sehr spannender YA-Thriller mit vielen überraschenden Wendungen. Er ist auch sehr gut für Erwachsene geeignet. Daher gibt es von mir eine Leseempfehlung.
Persönliche Verstrickungen
Vega Varg - Das Schweigen der Insel von Åsa Hellberg
Auf der Insel Südkoster wird ein junger Mann ermordet aufgefunden. Die Ermittlerin Vega Varg ist als Erste vor Ort und sie kennt den Toten bereits, seitdem er ein kleiner Junge war. Zusammen mit ihren beiden Polizisten-Söhnen beginnt sie zu ermitteln. Als eine wichtige norwegische Zeugin verschwindet, holt Vega Unterstützung von ihrem Freund Leopold Posse aus Oslo.
Die Spur führt sie zurück zu einem alten Fall: dem Mord an ihrem Ehemann im Jahr 1998.
"Vega Varg - Das Schweigen der Insel" ist der Auftakt in eine neue Krimi-Reihe, die im Grenzbereich zwischen Schweden und Norwegen spielt.
Die Handlung wird aus wechselnden Perspektiven erzählt, inklusive Rückblenden in Vegas Vergangenheit und in Fredde’s letzte Tage. Gerade Fredde’s Kapitel funktionieren gut, weil man Stück für Stück erfährt, was wirklich passiert ist und welche Hintergründe zu seinem Tod geführt haben. Trotzdem bleiben einige der anderen Charaktere noch sehr blass.
Der Schreibstil ist flüssig und angenehm zu lesen. Dennoch ist er leider nicht so bildgewaltig, sodass sich die typische nordische Atmosphäre mit der Düsternis & Kälte nicht ausbreitet. Das Setting mit der abgelegenen Insel war dafür gut geschaffen.
Die Spannung entwickelt sich eher verhalten. Es plätschert lange vor sich hin, man wartet darauf, dass etwas passiert, doch es bleibt ein ständiges Hin und Her ohne klaren Spannungsbogen. Die Ermittlungsarbeit fällt knapp aus, die Auflösung kommt überraschend schnell und ohne greifbare Beweise, sodass kaum Raum zum Miträtseln entsteht. Einige Twists sorgen zwar für kurze Spannungsmomente, aber da war noch recht viel Luft nach oben. Einiges bleibt am Ende noch offen, sodass hier Raum für eine Fortsetzung geschaffen worden ist.
Mein Fazit:
Dieser Auftaktband hatte für mich noch recht viel Luft nach oben. Bei mir wollte sich einfach nicht die typische nordische Spannung einstellen. Im Großen und Ganzen fand ich diesen Krimi einfach viel zu ruhig, ohne dass etwas Großartiges passiert wäre. Ob ich die mögliche Fortsetzung lesen werde, bin ich mir noch nicht sicher. Da es mir eindeutig zu ruhig war, gebe ich nur eine Leseempfehlung für diejenigen, die sehr ruhige Krimis mögen.
Spannung im isländischen Hochland
Schlafende Vulkane von Michael Hjorth; Bjarni Thorsson
Helga Jónsdóttir steht vor ihrem ersten großen Fall. Eine junge Frau wird ermordet in einem Reitstall gefunden, doch ihr zehnjähriger Sohn ist verschwunden. Helga vermutet, dass der Junge vor seinem gewalttätigen Vater geflohen ist und sich in den gefährlichen Höhlen der isländischen Vulkanlandschaft versteckt.
Um ihn rechtzeitig zu finden, holt sie den Wildnisexperten Bjarki an ihre Seite. Während die Suche läuft, taucht eine zweite tote Frau auf. Helga erkennt, dass sie es mit einem Täter zu tun hat, der hochintelligent, kalt und bereit ist, jedes Limit zu überschreiten.
"Schlafende Vulkane" ist der Auftakt in eine neue isländische Thriller-Reihe mit dem Duo Helga und Bjarki.
Die Handlung wird in wechselnden Perspektiven erzählt. Man erhält Einblick in die Ermittlungsarbeit in der Perspektive von Helga, Bjarki und Yvette, aber man bekommt auch Einblicke in die Perspektive des Täters. Dabei lernt man die Figuren schon etwas kennen. Sie haben ihre eigenen Ecken und Kanten, was sie dadurch sehr authentisch macht.
Obwohl der Täter relativ früh feststeht, geht die Spannung nicht verloren. Eher im Gegenteil, es entwickelt sich ein Katz‑und‑Maus-Spiel, bei dem man ständig mitfiebert. Die Frage ist nicht wer, sondern wie weit kommt er noch? und kriegen sie ihn rechtzeitig? Die Jagd ist packend, voller Wendungen und wird durch die vielen Cliffhanger an den Kapitelenden noch verstärkt.
Der Schreibstil ist flüssig, klar und gleichzeitig sehr bildhaft. Man hat die Szenen und Handlungsorte sehr visuell vor seinen Augen. Mit den Vulkanlandschaften und der rauen Natur ist das Setting sehr beeindruckend. Eine wirklich tolle Kulisse, wo sich das ganze Geschehen abspielt. Durch das Bildhafte wirkt es atmosphärisch und es entwickelt sich die typische düstere Island-Krimi-Stimmung.
Mein Fazit:
Ein sehr gelungener Auftakt in die neue Reihe. Auch wenn der Täter schon relativ früh bekannt war, wurde es umso spannender. Es war so fesslend, dass ich das Buch nicht mehr aus der Hand legen konnte. Der Cliffhänger ganz zum Schluss macht neugierig auf den Folgeband, den ich auch definitiv lesen werde. Eine ganz klare Leseempfehlung.
Suche nach Isabelle
Schattenmädchen von Frida Skybäck
Die Studentin Isabelle verschwindet nach einer Sommerparty eines erfolgreichen Tech‑Start-ups, dessen charismatischer Gründer jede Verbindung zu ihr abstreitet. Doch die Ermittler Fredrika Storm und Henry Calment stoßen auf Parallelen zu einem alten Mordfall an einer anderen Studentin. Obwohl damals jemand verurteilt wurde, zeigen sich deutliche Fehler in der damaligen Untersuchung.
Immer klarer wird, dass beide Fälle miteinander verknüpft zu sein scheinen. Und die Universität Lund trägt ein dunkles Geheimnis.
"Schattenmädchen" ist der dritte Band der Reihe mit dem Ermittler-Duo Fredrika Storm und Henry Calment. Der Fall selbst ist in sich abgeschlossen und lässt sich auch ohne Vorkenntnisse lesen. Jedoch empfiehlt es sich für die Entwicklung der Protagonisten auch die Vorgänger der Reihe zu kennen.
Die Handlung wird hauptsächlich aus der Perspektive mit Fredrika erzählt. Es dominiert weit über die komplette Handlung hinweg. Doch hin und wieder bekommen auch die anderen Protagonisten eine Perspektive, was dann recht abwechslungsreich ist. Der Schreibstil lässt sich angenehm und flüssig lesen. Durch die bildhafte Sprache konnte ich mir Setting, Atmosphäre und die Ermittlungsarbeit jederzeit lebhaft vorstellen.
Der Plot kommt ohne große Spannung aus. Viel mehr ist es eher eine ruhige, aber stetige Spannung ohne große Actionspitzen. Man begleitet das Ermittler-Duo Fredrika & Henry viel mehr bei ihrer Ermittlungsarbeit. Es gestaltet sich wie ein Puzzle, das sich Stück für Stück zusammensetzt, was dazu führt, dass man anfängt selbst mitzurätseln. Man verfolgt immer die Fragen: Ist Isabelle tot? Wer steckt dahinter? Wo ist sie – und was ist wirklich passiert? Immer wieder stößt man auf falsche Fährten, die einen bewusst in die Irre führen, bevor sich alles in einem unerwarteten Schluss zusammenfügt.
Das Ermittler-Duo Fredrika & Henry ist sehr authentisch. Ihre Zusammenarbeit wirkt glaubwürdig, professionell und menschlich. Man spürt ihre Entwicklung, ihre Dynamik und ihr Vertrauen. Zudem haben beide auch private Probleme, die einen während der Handlung nahe gebracht werden. Manchmal ist es nur etwas zu ausschweifend und hat die Spannung und Ermittlungsarbeit ein wenig gestört.
Mein Fazit:
Der dritte Fall überzeugt wieder mit ruhiger Spannung und dem authentischen Ermittler-Duo. Eine Leseempfehlung für alle, die miträtselbare, unaufgeregte Ermittlungen mögen und die Reihe um Fredrika & Henrys weiter verfolgen wollen.
Mehr ein Familiendrama
Meeresdunkel von Till Raether
Eigentlich sollte es für zwei Familien der perfekte Urlaub werden, doch nun laden beide wegen einer Doppelbuchung gemeinsam in einer abgelegenen Finca auf Mallorca. Beide versuchen die Urlaubsstimmung zu bewahren, nur fällt es sehr schwer. Die Finca ist sehr renovierungsbedürftig. Der Pool ist leer und eine unheimliche Atmosphäre legt sich über den Ort.
Dann zieht ein heftiger Sturm auf. Für einen von ihnen endet die Reise tödlich. Der Sturm hindert an der Abreise und in der eingeschlossenen Situation wird deutlich, dass niemand zufällig hier ist. Jemand hat diese Begegnung geplant, und zwischen den Beteiligten bestehen verborgene Verbindungen, die nun ans Licht drängen.
Das Setting mit der abgelegenen und renovierungsbedürftigen Finca direkt an einer Klippe von Cala Santyaní war super. Der Schreibstil lässt sich angenehm flüssig lesen und man kommt relativ schnell durch die Seiten. Das war aber auch schon gefühlt das einzig positive an diesem Thriller.
Die Handlung wird aus wechselnden Perspektiven zwischen Henrike, Samuel und dem achtjährigen Juri erzählt. Durch diese Erzählweise hätte man Dynamik erzeugen können, doch leider enstand hier kaum Spannung. Über weite Strecken ist es träge und langatmig. Die erste Hälfte fühlt sich fast an wie eine Urlaubserzählung, wann welche Unternehmungen gemacht wurden und mit wem. Ab der Mitte wird es kurz besser, bevor das Tempo wieder abfällt. Trotz Sturm, Dunkelheit und bedrohlicher Atmosphäre entsteht kein echter Nervenkitzel. Es wirkt weniger wie ein Thriller und sondern eher wie ein Familiendrama über Beziehungen, Risse und unausgesprochene Konflikte.
Die Spannung ist nur unterschwellig durch das Setting und der düsteren Atmosphäre. Außerdem wurden die Figuren in der Handlung bewusst unsypathisch gehalten, was vermutlich zu dieser unterschwelligen Spannung beitragen soll. Allerdings fällt es dadurch schwer überhaupt eine Bindung zu ihnen aufzubauen. Zwischen ihnen brodelt es, ohne dass es je richtig eskaliert.
Mein Fazit:
Dieser Thriller hatte definitiv Potenzial allein schon von der Plotidee. Allerdings wurde es ganz und gar nicht ausgeschöpft, was sehr schade ist. Ein tolles Setting und die düstere Atmosphäre wurde gut geschaffen, aber leider ist hier Fehlanzeige an Spannung und Nervenkitzel und das habe ich eigentlich von diesem Thriller erwartet. Daher kann man es lesen, aber man darf nicht viel erwarten. Wenn man es nicht liest, verpasst man aber auch nichts.
Assassinen-Romantasy
Empire of Whispers and Shadows von Ursa Jaumann
Saya wächst im abgeschotteten Dschungel auf und wird dort zur Assassinin des Gottkaisers ausgebildet. Um ihre Freiheit zu erlangen, muss sie sieben lebensgefährliche Prüfungen bestehen und das ausgerechnet gemeinsam mit Teno, dem Mann, der ihre Eltern töten ließ und ihr dunkelstes Geheimnis kennt.
Obwohl sie ihn verachtet, bleibt ihr keine Wahl. Nur wenn sie zusammenarbeiten, können sie überleben.
"Empire of Whispers and Shadows" ist der Auftakt in die neue Assassinen-Romantasy-Reihe mit der Assassinenschülerin Saya.
Die Handlung wird abwechselnd aus der Ich-Perspektive von Saya und Teno. Dadurch spürt man ihre Gedanken, Ängste und Entscheidungen hautnah. Man fiebert intensiv mit ihnen mit. Einige Szenen sind wirklich brutal, blutig und gefährlich. Die Kapitel enden häufig mit Cliffhängern, die eigentlich Spannung erzeugen sollten. Allerdings fehlt oft die erwartete Ausführung. Statt die Szene weiterzuführen, springt die Handlung abrupt weiter. Diese harten Szenenwechsel nehmen der Geschichte Dynamik und somit bleiben erzählerische Chancen ungenutzt.
Der Schreibstil ist flüssig und angenehm zu lesen, doch trotz des starken Ansatzes verliert die Handlung im Verlauf an Spannung. Der rote Faden wirkt nicht immer klar, manche Passagen verwirren eher, als dass sie fesseln.
Man wird in atmosphärisch starkes Setting enführt, das von asiatischen und leicht historischen Einflüssen geprägt ist. Die alte Stadt mit ihrem Palast, aber auch den Schatten in den Gassen wirkt geheimnisvoll und bietet eine spannende Bühne für Intrigen, Machtspiele und gefährliche Missionen. Es hatte viel Potenzial, doch die Beschreibungen wurden nie lebendig genug, um wirklich vollständig einzutauchen. Obwohl vieles gut dargestellt war, fehlte der letzte Funke Bildkraft, der die Welt vor dem inneren Auge zum Leben erweckt.
Saya als selbstbewusste Assassinenschülerin, die sich in einer männerdominierten Umgebung behaupten muss, ist eine starke Figur. Die Dynamik zwischen ihr und Teno ist sehr turbulent. Allerdings bleibt die Lovestory etwas im Hintergrund, auch wenn man merkt, dass sich da langsam etwas aufbauen kann. Aber man fühlt es nicht so wirklich.
Mein Fazit:
Tolle Grundidee, starke Protagonistin und ein faszinierendes Setting, auch wenn die Spannung nicht durchgehend trägt. Das Potenzial war definitiv da und ich bin gespannt auf die Fortsetung. Leseempfehlung für alle die asiatisches Setting mögen.











