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Rezensionen von Annabell95:

Solis Mission

Nobody's Quest von Alyssa Day

Das Königreich Altarra geht seit hundert Jahren dem Untergang entgegen. Die Kriegsgöttin Corvynne hat fast alle Länder erobert, und jede Prophezeiung verkündet ihren sicheren Sieg. In dieser aussichtslosen Lage fasst eine Magierin die Weissagungen anders auf als alle anderen und entscheidet, dass gerade eine unscheinbare junge Frau namens Soli, eine Waise und Dienerin der königlichen Bibliothek, die letzte Hoffnung sein könnte.

An ihrer Seite brechen fünf weitere Außenseiter auf. Gemeinsam sollen sie eine letzte, verzweifelte Mission erfüllen.

"Nobodys Quest" ist der Auftakt in die Nobody-Chronicles-Reihe.

Durch die Erzählweise aus der Ich-Perspektive von Soli begleitet man sie hautnah mit und erlebt ihre Gedanken und Gefühle. Soli ist eine Waise und stellt sich gern lieber in den Hintergrund, statt nach vorne zu preschen. Sie ist eine Dienerin in der königlichen Bibliothek. Diese Art macht sie zu einer spannenden Heldin, wo sie plötzlich das Königreich Altarra retten soll, obwohl sie sich das selbst kaum zutraut.

Der Schreibstil ist angenehm flüssig und oft bildhaft. Viele Szenen konnte ich mir lebhaft vorstellen, doch gerade bei einigen Fantasiewesen fehlte mir die visuelle Tiefe. Da fehlte mir ein wenig die Vorstellungskraft. Zwischen den Kapiteln tauchen immer wieder Auszüge aus Büchern und Schriften auf. Sie sollen die Welt erweitern, haben für mich aber eher den Lesefluss gebremst, weil ihr konkreter Nutzen nicht immer klar wurde.

Die Gruppe um Soli ist bunt zusammengewürfelt. Mit ihr ziehen ein Dieb ohne Ehre, ein Adliger ohne Vermögen, eine Zauberin ohne Magie, ein Soldat ohne Mut und ein schöner Prinz ohne Königreich. Sie alle haben unterschiedliche Persönlichkeiten und das lässt es dynamisch wirken. Jede Figur bekommt seine eigene Entwicklung über die Handlung hinweg, was zusätzlich zur Spannung beiträgt.

Einige Szenen sind echt gefährlich und grausam erzählt. Zwischendurch wird die Handlung aber auch mit ein wenig Humor aufgelockert. Die leichte Romanze in dieser Story ist schön, aber bleibt recht oberflächlich, da sie zu schnell entsteht und nicht die nötige Tiefe bekommt.

Mein Fazit:
Ein tolles Fantasyabenteuer mit einer stillen, starken Protagonistin, einer vielfältigen Gruppe und einer gelungenen Mischung aus Spannung und Humor. Angenehm für zwischendurch, aber konnte mich nicht komplett überzeugen, gebe aber trotzdem gerne eine Leseempfehlung.

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Suche nach Milo

Alles ihre Schuld von Andrea Mara

Marissa will ihren Sohn abends von einem Playdate abholen. Doch als sie an der genannten Adresse ankommt, läuft dort alles anders. Die Frau, die öffnet, kennt weder Milo noch die angebliche Gastgeberin. Von einem Playdate weiß sie nichts. Milo ist verschwunden, und für Marissa beginnt ein verzweifelter Wettlauf gegen die Zeit.

Während die Suche immer dringlicher wird, breiten sich im scheinbar friedlichen Dubliner Vorort Gerüchte aus, und eine junge Frau gerät unter Verdacht. Hinter der Fassade des Alltags kommen dunkle Wahrheiten ans Licht, die lange verborgen waren.

Die Handlung wird aus wechselnden Perspektiven erzählt. Die Schilderung der Geschehnisse ist jeweils aus Sicht der jeweils handelnden Protagonisten. Das macht die Protgaonisten greifbar und gleichzeitig sorgt es dafür, dass man nie sicher ist, wem man glauben kann. Jeder verbirgt seine eigenen Geheimnisse und Schatten, dass man sich die Frage stellt: “wem kann man wirklich trauen?”.

Es ist sehr undurchsichtig. Von Anfang an lässt es sich nicht erahnen, was hinter Milos Verschwinden steckt und wie es zu dieser Tragödie kam. Durch unerwartete Wendungen und falschen Fährten baut man sich immer wieder neue Theorien, sodass es bis zum Schluss spannend bleibt. Man liest weiter, weil man unbedingt wissen will, was mit Milo passiert ist und welche Geheimnisse die Nachbarschaft verschweigt. Einzig der Mittelteil hat ein paar kleine Längen durch Wiederholungen bzw. Gedanken und Gespräche, die sich ähneln. Am Ende fügt sich alles zu einer schlüssigen, stimmigen Auflösung zusammen.

Die emotionale Ebene zu den einzelnen Protagonisten ist stark gemacht. Marissas Panik, als ihr Sohn verschwindet, ist greifbar und authentisch. Man fühlt mit ihr, spürt ihre Verzweiflung, ihre Angst und die Hoffnung.

Das Setting mit dem wohlhabenen Vorort von Dublin ist gut gewählt. Es wirkt nach außen alles makellos, doch hinter der Fassade brodeln Neid, Gerüchte und Geheimnisse.

Mein Fazit:
Atmosphärisch, emotional und clever konstruiert. Ein Thriller, der mit Perspektivwechseln, falschen Fährten und starken Figuren überzeugt. Er zeigt, wie brüchig perfekte Fassaden sein können. Ich vergebe gerne eine klare Leseempfehlung.

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Magischer Körpertausch

Queen of Faces - Die Königin der tausend Gesichter von Petra Lord

Anabelle Gage lebt in einer Welt, in der man sein Körper beliebig austauschen kann, sofern man genug Geld hat. Doch sie selbst steckt in einem kranken Jungenkörper fest, weil ihre Mutter nicht genügend Geld hat. Jetzt versucht sie alles um einen neuen Körper zu bekommen. Sie versucht an der Paragon Academy aufgenommen zu werden, doch scheitert leider an der Aufnahmeprüfung.

Aus Verzweiflung versucht sie, einen besseren Körper zu stehlen – wird aber vom Direktor Carriwitch erwischt. Er zwingt sie, als Spionin gegen die Rebellen um Khaiovhe zu arbeiten. Dabei gerät sie in einen Konflikt, der weit über ihr eigenes Leben hinausreicht.

Die Handlung wird überwiegend abwechselnd aus der Ich-Perspektive der beiden Hauptprotagonisten Ana und Nell erzählt. Der Einstieg ist sehr spannend und fesselnd, sodass man wissen möchte, wo die Reise hingehen wird. Jedoch verliert die Handlung im Mittelteil an Tempo. Einige Passagen ziehen sich sher in die Länge.

Der flüssige Schreibstil macht es leicht, in die Geschichte einzutauchen, und die bildhaften Beschreibungen verleihen der Welt eine Klarheit, die selten so mühelos gelingt. Die kreative Grundidee des Körpertausches ist nicht nur spannend, sondern wird intelligent in das Magiesystem und die politischen Strukturen eingefügt. Durch weitere gesellschaftliche Themen wie soziale Ungerechtigkeit, Machtmissbrauch und Korruption wird der Story noch zusätzliche Tiefe verliehen.

Die beiden Hauptprotagonisten haben zwei komplett unterschiedliche Lebensrealitäten. Ana ist sehr willensstark, authentisch und kämpferisch. Ihr sterbender Körper ist nicht nur ein physischer Konflikt, sondern ein emotionaler und ihr Wunsch, an die Paragon Academy zu gelangen um einen neuen Körper zu bekommen, treibt jede ihrer Entscheidungen voran.
Nell dagegen wirkt zunächst abweisend, fast unsympathisch. Doch je mehr man über ihre Vergangenheit erfährt, desto klarer wird, warum sie ist, wie sie ist. Nach und nach zeigt sich ihre Verletzlichkeit.

Mein Fazit:
Eine kreative Fantasy-Story, aber leider mit ein paar Schwächen in der Spannung. Leider zogen sich einige Passagen in die Länge, die gerne auch kürzer hätten sein können. Trotzdem sehr interessant, wofür ich gerne eine Leseempfehlung gebe.

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Guter Plot

Kaltes Versprechen von Katharina Peters

Die Kriminalpsychologin Hannah Jakob wird tot aufgefunden, doch Kommissarin Rebekka Just merkt schnell, dass der angebliche Unfall nicht stimmt. Kaum hat sie ihren neuen Job bei der Hamburger Mordkommission begonnen, stößt sie mit ihren Nachforschungen auf Widerstand. Sie bekommt Unterstützung ausgerechnet von Krølle, der außerhalb der Gesetze agiert.

Gemeinsam decken sie ein Geflecht aus Täuschungen und eine Wahrheit auf, für die jemand bereit ist, wieder zu töten.

"Kaltes Versprechen" ist der Auftakt in eine neue Reihe mit der Kommissarin Rebekka Just und Krølle.

Die Handlung wird aus wechselnden Perspektiven erzählt, was grundsätzlich für Spannung sorgt. Jedoch plätschert die Handlung hier sehr lange vor sich hin, bevor mal Tempo in das Geschehen kommt. Die Dynamik geht durch einige Wiederholungen verloren. Es wird an manchen Stellen nochmal zusammengefasst, was man kurz zuvor bereits schon gelesen hat. Dadurch geht der Flow etwas verloren. Wünschenswert wären ein paar mehr falsche Fährten und unerwartete Wendungen.

Der Schreibstil ist einfach gehalten und dadurch flüssig zu lesen.

Die Hauptprotagonistin Rebekka blieb noch ein wenig blass. Es kam zwar immer wieder die Sprache auf ihre Vergangenheit und was ihr widerfahren ist, aber es hat ihr keine besonderen Charakterzüge gegeben. Krølle hingegen ist etwas speziell und auch brutal in seinen Vorgehensweisen. Diese Andersartigkeit bzw. dieser Gegensatz zu Rebekka macht aber den besonderen Reiz aus. Ihre Zusammenarbeit ist geprägt von Misstrauen und Reibungen, die zusätzlich für Spannung sorgen.
Durch die große Anzahl an Nebencharakteren entsteht schnell Verwirrung und man kommt durcheinander, wo und wie man sie einzuordnen hat.

Mein Fazit:
Auf dem Cover steht "Thriller", aber es war eher ein Krimi mit einem guten Plot, der aber durchaus ein wenig mehr Spannung vertragen hätte. Es waren zu wenig unerwartete Twists und Nervenkitzel für einen richtig guten Thriller. Ob ich die Reihe weiterverfolgen werde, kann ich noch nicht sagen, aber das Buch hat trotzdem eine gute Leseempfehlung verdient.

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Beklemmende Atmosphäre

Das Krähenzimmer von Carolin Frey

Das idyllisch gelegene Reetdachhaus hinter den Dünen sollte Lotta eine Zuflucht bieten. Hier hat sie die glücklichsten Tage ihrer Kindheit verbracht und hier will sie sich nun vor ihrem Leben verstecken. Doch das vertraute Ferienörtchen wirkt verlassen, die Menschen begegnen ihr kühl, und im Haus selbst scheint etwas nicht zu stimmen.

Immer häufiger glaubt sie, beobachtet zu werden. Während ihre Zweifel wachsen, stößt sie auf Hinweise, dass das Haus eine verborgene Vergangenheit hat, die in einem Tagebuch festgehalten wurde. Schließlich erfährt sie von einer jungen Frau, die vor ihr dort lebte und dort ums Leben kam.

Die Story wird hauptsächlich aus der Ich-Perspektive von Lotta erzählt. Dadurch wird man komplett in ihre Gedankenwelt gezogen und man erlebt ihre Ängste, ihr Misstrauen gegenüber den Einwohnern und ihr ständiges Hinterfragen hautnah mit. Zwischen Lottas Erzählung tauchen immer wieder Tagebucheinträge auf und man weiß noch nicht sofort, wer diese verfasst hat. Man fragt sich ständig "Wer hat das geschrieben?". Zudem gibt es Einschübe einer unbekannten Person, die offensichtlich mit dem Geschehen zu tun hat und auch hier bleibt lange offen, wer dahintersteckt. Diese wechselnden Perspektiven sorgen für ein Hin und Her, dass einen rätseln lässt.

Mit jedem Vorkommnis oder auch Begegnung gegenüber den Dorfeinwohnern wächst das Misstrauen. Ob Nele, Bo, Justus, Friedrich oder die Nachbarin, jeder wirkt potenziell gefährlich. Das verursacht eine beklemmende, unheimliche Atmosphäre und sorgt für Gänsehautmomente.

Allgemein ist die Atmosphäre sehr düster. Allein schon durch den düsteren Monat November wirkt alles sehr trist, dunkel und unheimlich. Das verstärkt noch einmal die Beklemmung. Der Schreibstil lässt sich flüssig lesen. Durch die bildhaften Beschreibungen sieht man die Szenen vor sich und kann die Kälte, die raue See sowie den Wind sich gut vorstellen.

Der Showdown am Ende war sehr gut, aber hätte durchaus noch ein bisschen mehr Tempo und Nervenkitzel haben dürfen. Das Ende war eigentlich schon rund und abgeschlossen, aber dann gab es nochmal einen Cliffhänger. Der hätte nicht mehr unbedingt Not getan, außer es soll vielleicht nochmal eine Fortsetzung folgen.

Mein Fazit:
Ein sehr gelungener Debütthriller, sehr atmosphärisch dicht durch die düstere, beklemmende Atmosphäre. Das Setting hat dazu mega gut gepasst. Ein toller Psychothriller, der eine klare Leseempfehlung verdient.

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Dschungel voller Gefahren

Die Gejagte - Sie weiß nicht, wer sie ist. Er schon. von René Anour

Jess erwacht ohne Erinnerungen im Dschungel. Sie ist verletzt, gefesselt und wird plötzlich zur Gejagten. Ein schwerverletzter Mann liegt neben ihr. Als sie ihm zur Hilfe eilen will, taucht plötzlich ein vermeintlicher Retter auf. Doch der tötet den Mann und nimmt die Verfolgung auf Jess auf. Ihre einzige Chance ist sich Hals über Kopf in den Dschungel zu flüchten.

Tief im Regenwald kämpft Jess ums Überleben und um die Wahrheit über ihre Vergangenheit als Biologin. Nur wenn sie herausfindet, wer sie jagt und warum, hat sie eine Chance.

Die Story wird aus der Ich-Perspektive von Jess erzählt. Dadurch erlebt man ihre Flucht so nah, dass jede Angst, jeder Gedanke und jede Entscheidung spürbar wird. Zudem wird eine starke emotionale Bindung zur Protagonistin geschaffen und man fängt an mit ihr mitzufiebern.

Sehr gelungen ist der Wechsel zwischen Gegenwart und Vergangenheit. Während Jess im Regenwald ums Überleben kämpft, setzt sich in Rückblenden Stück für Stück ein Bild zusammen, das erklärt, wie sie dort gelandet ist und wer hinter der Jagd steckt. Dieses Puzzle‑Gefühl hält die Spannung konstant hoch und lädt zum Miträtseln ein.

Das Setting ist sehr außergewöhnlich und auch etwas Besonderes. Der Regenwald wirkt lebendig, gefährlich und faszinierend zugleich. Jede Tierbegegnung ist so beschrieben, dass man automatisch versucht zu erraten, um welches Tier es sich handelt. Die Auflösungen, um welches Tier es sich gerade handelt, zeigen, wie gründlich der Autor vor Ort recherchiert hat.

Der Schreibstil ist flüssig, fesselnd und sehr visuell. Die bildhaften Beschreibungen lassen die Umgebung klar vor dem inneren Auge entstehen.

Die Hauptprotagonistin Jess ist mutig, stark, hilfsbereit und hat beeindruckendes Wissen über die Tiere und deren Verhaltensweisen im Dschungel. Gleichzeitig ist sie moralisch nicht makellos, was sie menschlich und glaubwürdig macht.

Unerwartete Wendungen sorgen dafür, dass man immer wieder überrascht wird. In der Mitte verliert die Handlung allerdings kurz gefühlt etwas an Tempo, weil Jess wiederholt neuen Gefahren begegnet, ohne dass die Geschichte spürbar vorankommt. Die Auflösung am Ende ist schlüssig, jedoch bleiben einige Aspekte offen, was Interpretationsraum lässt. Ein abgeschlossenes Ende wäre an der Stelle stimmiger gewesen.

Mein Fazit:
Ein richtig fesselnder Survival‑Thriller mit starkem Setting. Man hat sich gefühlt, als wenn man mit Jess durch den Dschungel läuft und die ganzen Gefahren miterlebt und Gänsehaut bekommt. Für mich eine absolute Leseempfehlung.

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Süßer Marmeladengenuss

Die Schwartau-Schwestern - Die Süße des Lebens von Romy Herold

Mit ihrer geliebten Erdbeermarmelade im Gepäck brechen Emma und Tilde Fromm 1899 zu einem neuen Leben in Schwartau auf. Was als kleines Stück Heimat beginnt, wird zum Ursprung eines erfolgreichen Familienunternehmens. Doch Intrigen und Rückschläge fordern die Schwestern heraus. Nur mit Mut und Einfallsreichtum können sie ihren Traum Wirklichkeit werden lassen.

Die Handlung wird aus wechselnden Perspektiven zwischen den einzelnen Protagonisten erzählt. Das macht die Geschichte sehr vielfältig und emotional greifbar.

Die Charaktere in diesem Roman sind sehr vielschichtig. Im Mittelpunkt stehen die beiden Fromm-Schwestern Emma und Tilde. Sie sind stark und mutig und wollen ihren eigenen Weg gehen. Zur damaligen Zeit recht schwierig, aber sie bekommen die volle Unterstützung von ihrer Familie, insbesondere von ihren beiden Brüdern Otto und Paul. Auch die Nebencharktere wie Max und Bertie sind sehr sympathisch gezeichnet, dass man sie schnell ins Herz schließt.

Die Geschichte von Emma und Tilde Fromm, sowie dem Familienunternehmen wird so lebendig, warm und bildhaft erzählt, dass man sofort in die Welt zwischen 1899 und 1928 eintaucht. Der Schreibstil ist flüssig und authentisch. Die Szenen wirken wie Momente, die man selbst miterlebt. Es werden historische Ereignisse wie Frauenwahlrecht, Erster Weltkrieg, gesellschaftliche Tabus wie Homosexualität, der Untergang der Titanic und die frühen Entwicklungen der NS‑Zeit stimmig in die Handlung mit eingebunden. Man merkt wie gründlich und ausführlich das Autorenduo recherchiert hat. Was ein bisschen mehr sein dürfte, sind zusätzliche Einblicke in die industrielle Marmeladenherstellung. Das kam ein bisschen zu kurz.

Das Personenverzeichnis am Ende ist sehr hilfreich, wobei man sich das erst wirklich anschauen sollte, nachdem man das Buch beendet hat. Man könnte sonst gespoilert werden und die Spannung verblasst sonst leicht. Lesenswert ist auf jedenfall auch das Nachwort. Es liefert spannende Zusatzinfos über die Familie und das Unternehmen und rundet die Geschichte wunderschön ab.

Mein Fazit:
Ein schöner historischer Familienroman, der durch seine lebendigen Figuren, die starke Frauenperspektive und die gelungene Verbindung von Unternehmens- und Zeitgeschichte überzeugt. Es macht definitiv Lust in die Geschichte der Schwartau‑Familie einzutauchen. Für Fans von Familiensagas eine klare Leseempfehlung.

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Timeout

Code Null. Dieses Spiel kennt keine Regeln von Florian Schwiecker

An einem Sonntagnachmittag fallen in Berlin für nur wenige Sekunden flächendeckend alle Navigationssysteme aus. Kaum jemand bemerkt es, doch es ist der Anfang von etwas Größerem. Dahinter steckt eine Gruppe von Cyberterroristen, die sich "Timeout" nennt. Sie haben sich die Kontrolle über das Galileo-Satellitensystem verschafft und erpessen nun die EU.

Größere Ausfälle werden noch weitreichendere Folgen haben auf den Flugbetrieb und noch viel mehr. Schnell stellen die Ermittler fest, dass sie diesen Cyber-Angriff nicht abwehren können, weil es so komplex ist. Sie müssen eine KI auf "Timeout" ansetzen, um es versuchen zu stoppen.

"Code Null" ist der erste Band der neuen Reihe mit der jungen Hackerin Charlie und ihrer selbstprogrammierten KI namens KIM.

Anfangs entfaltet sich die Handlung noch nicht so spannend. Die Spannung wird erst Kapitel für Kapitel gesteigert, bis man unbedingt wissen will, wie es weitergeht und wie all die losen Fäden zusammenlaufen. Die Cliffhänger an den Kapitelenden tun ihr Übriges dazu. Man wird verleitet zum Weiterlesen.

Der flüssig lesbare Schreibstil sorgt dafür, dass man schnell durch die Seiten kommt. Trotz vieler IT-Begriffe kommt man als Laie auch sehr gut mit. Die technische Ebene wird verständlich erklärt und fügt sich gut in die Handlung ein.

Die wechselnden Perspektiven sorgen für Dynamik und ein ständiges Gefühl von Unsicherheit. Man entwickelt Misstrauen und fragt sich permanent, wem man wirklich trauen kann. Jeder scheint irgendwie etwas vor den anderen zu verbergen. Dieses Misstrauen wird zudem durch unerwartete Wendungen und zahlreiche Plotttwists immer wieder neu angefacht.

Besonders stark ist das hochbrisante Thema rund um künstliche Intelligenz. Die Idee, eine KI wie einen Menschen handeln zu lassen, ist nicht nur aktuell, sondern auch beängstigend. Dieser Thriller zeigt was man mit KI alles anrichten könnte. Manche Szenen wirken erschreckend realistisch.

Die Hauptprotagonistin Charlie ist mutig und selbstbewusst. Sie weiß was sie tut und versucht sich mit ihren eigenen Ideen durchzusetzen und ermittelt zudem auch noch auf eigene Faust um die Cyberterroristen zu stoppen.

Mein Fazit:
Ein hochaktueller Thriller, der Stück für Stück seine Spannung entfaltet und Misstrauen zu den einzelnen Figuren entstehen lässt. Durch die brisnate Thematik mit der KI ist man sehr nah an der Realität. Der Thriller ist vielleicht nicht für jeden, bspw. der keine Technik-Thriller mag, aber trotzdem eine klare Leseempfehlung wert.

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Mordfall in Knuffingen

Klein aber tot von Jo Fischler

Das beschauliche Leben in der idyllischen Miniaturstadt Knuffingen gerät aus den Fügen, als der Kritiker Friedrich Frank ermordet aufgefunden wird. Kommissar Jojo Wunder steht vor einem undurchsichtigen Fall, denn der Tote hinterlässt eine lange Liste potenzieller Feinde. Besonders heikel wird es, als ausgerechnet Jojos engste Vertraute, wie seine eigene Mutter und seine heimliche Liebe ins Visier der Ermittlungen geraten.

Für Jojo wird der Fall damit zu einer persönlichen Zerreißprobe, die die heile Miniaturwelt gründlich ins Wanken bringt.

"Klein aber tot" ist der Auftakt in die neue Serie, die in der Miniaturwelt "Knuffingen" spielt.

Die Idee die Stadt Knuffingen aus dem Miniaturwunderland in Hamburg zum Leben zu erwecken ist sehr originell. Die Vorstellung, dass die kleinen Miniaturfiguren zum Leben erwachen und sich durch den Modellort Knuffingen bewegen, wirkt gleichzeitig witzig und charmant. Somit ist das Setting selbst ist ein absolutes Highlight.

Man darf in diesem Krimi keine großartige Spannung erwarten. Es ist mehr eine leichte Kost (Cosy Crime) für Zwischendurch. Die Handlung bleibt bewusst ruhig und gemächlich. Man wartet irgendwie darauf, dass noch etwas Größeres passiert, aber es bleibt mehr ein Cosy-Crime. Viel mehr wird in diesem Krimi auf die Atmosphäre gesetzt.

Der Schreibstil ist flüssig und sehr bildhaft. Es werden zudem humorvolle Ausrücke, skurrile Namen und kleine sprachliche Pointen eingebaut, die dem Krimi eine leichte, verspielte Atmosphäre verleihen. Die Figuren wirken warm, menschlich und oft herrlich verschroben. Es ist genau die Art von Charakteren, die ein gemütlicher Krimi braucht.

Der Bezug zum Miniaturwunderland fehlt auch nicht. Die liebevollen Details aus der Modellbauwelt wie bspw. der Bau von Bergen aus Styropor fließen hier ganz nebenbei mit in die Handlung ein.

Mein Fazit:
Ein witzig und humorvoller Krimi für Zwischendurch. Die Vorstellung wie die kleinen Miniaturfiguren zum Leben erwachen ist einfach genial. Bin sehr gespannt welche Fälle noch auf den Kommissar Jojo Wunder warten und vergebe dem ersten Band der Reihe eine Leseempfehlung.

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Flucht nach Norderney

Sturmland von Miriam Georg

Cora flieht vor ihrer Vergangenheit und versteckt sich als Hauslehrerin auf Norderney. Dort gerät sie mit ihrer Schülerin in Gefahr und trifft auf den wortkargen Onnen, der selbst ein Geheimnis hütet. Zwischen beiden entsteht Nähe, doch Cora wird weiterhin gesucht, aber ihre wahre Identität darf niemand erfahren.

"Sturmland" ist der Auftakt in die neue Dilogie der "Sturmland-Saga".

Anfangs ist Hamburg noch der Schauplatz bis Cora nach Norderney flieht. Mit dem Setting Norderney und später zwischendurch auch Borkum wird man in die raue und faszinierende Welt der Nordseeinseln gezogen. Die Schauplätze sind sher bildhaft und atmosphärisch beschrieben, dass man die wechselnden Jahreszeiten auf den Inseln fast körperlich selbst miterlebt und den Wind und das Salz in der Luft spürt. Der flüssige Schreibstil macht es einfach in die Geschichte einzutauchen.

Die Handlung lebt von ihren wechselnden Perspektiven und den vielschichtigen, authentischen Figuren. Jede von ihnen trägt eigene Geheimnisse in sich, die sich Stück für Stück offenbaren und die Spannung kontinuierlich steigern. Die Charaktere wirken lebendig und authentisch. Jeder von ihnen hat Hoffnungen und innere Konflikte, sodass man auch mit ihnen mitfiebert.

Im Mittelpunkt steht Cora, eine junge Frau, die sich nicht in die engen gesellschaftlichen Erwartungen des Jahres 1860 pressen lässt. Sie ist mutig, selbstbewusst und entschlossen, ihren eigenen Weg zu gehen. Ihre Beziehung zu Onnen entwickelt sich langsam, glaubwürdig und emotional.

Beeindruckend ist auch die historische Tiefe des Romans. Das Leben auf den ostfriesischen Inseln um 1860 ist sorgfältig recherchiert und wird durch viele kleine Details lebendig. Themen wie die Stellung der Frau, die damals noch fehlende Seenotrettung oder der medizinische Fortschritt fügen sich harmonisch in die Handlung ein. Es ist interessant zu lesen, wie sich das damalige Leben dort abgespielt haben könnte.

Mein Fazit:
Dieser Roman hat mich überzeugt durch sein starkes Setting, die atmosphärische Dichte, die glaubwürdigen Figuren und die historische Einbettung. Es war sehr spannend und schön zu gleich alle Protagonisten in ihrem Leben auf der Nordseeinsel zu begleiten. Dem Roman kann ich nur eine Leseempfehlung geben und ich bin sehr gespannt auf die Fortsetzung.

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