Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Annabell95:
Mordfall in Knuffingen
Klein aber tot von Jo Fischler
Das beschauliche Leben in der idyllischen Miniaturstadt Knuffingen gerät aus den Fügen, als der Kritiker Friedrich Frank ermordet aufgefunden wird. Kommissar Jojo Wunder steht vor einem undurchsichtigen Fall, denn der Tote hinterlässt eine lange Liste potenzieller Feinde. Besonders heikel wird es, als ausgerechnet Jojos engste Vertraute, wie seine eigene Mutter und seine heimliche Liebe ins Visier der Ermittlungen geraten.
Für Jojo wird der Fall damit zu einer persönlichen Zerreißprobe, die die heile Miniaturwelt gründlich ins Wanken bringt.
"Klein aber tot" ist der Auftakt in die neue Serie, die in der Miniaturwelt "Knuffingen" spielt.
Die Idee die Stadt Knuffingen aus dem Miniaturwunderland in Hamburg zum Leben zu erwecken ist sehr originell. Die Vorstellung, dass die kleinen Miniaturfiguren zum Leben erwachen und sich durch den Modellort Knuffingen bewegen, wirkt gleichzeitig witzig und charmant. Somit ist das Setting selbst ist ein absolutes Highlight.
Man darf in diesem Krimi keine großartige Spannung erwarten. Es ist mehr eine leichte Kost (Cosy Crime) für Zwischendurch. Die Handlung bleibt bewusst ruhig und gemächlich. Man wartet irgendwie darauf, dass noch etwas Größeres passiert, aber es bleibt mehr ein Cosy-Crime. Viel mehr wird in diesem Krimi auf die Atmosphäre gesetzt.
Der Schreibstil ist flüssig und sehr bildhaft. Es werden zudem humorvolle Ausrücke, skurrile Namen und kleine sprachliche Pointen eingebaut, die dem Krimi eine leichte, verspielte Atmosphäre verleihen. Die Figuren wirken warm, menschlich und oft herrlich verschroben. Es ist genau die Art von Charakteren, die ein gemütlicher Krimi braucht.
Der Bezug zum Miniaturwunderland fehlt auch nicht. Die liebevollen Details aus der Modellbauwelt wie bspw. der Bau von Bergen aus Styropor fließen hier ganz nebenbei mit in die Handlung ein.
Mein Fazit:
Ein witzig und humorvoller Krimi für Zwischendurch. Die Vorstellung wie die kleinen Miniaturfiguren zum Leben erwachen ist einfach genial. Bin sehr gespannt welche Fälle noch auf den Kommissar Jojo Wunder warten und vergebe dem ersten Band der Reihe eine Leseempfehlung.
Flucht nach Norderney
Sturmland von Miriam Georg
Cora flieht vor ihrer Vergangenheit und versteckt sich als Hauslehrerin auf Norderney. Dort gerät sie mit ihrer Schülerin in Gefahr und trifft auf den wortkargen Onnen, der selbst ein Geheimnis hütet. Zwischen beiden entsteht Nähe, doch Cora wird weiterhin gesucht, aber ihre wahre Identität darf niemand erfahren.
"Sturmland" ist der Auftakt in die neue Dilogie der "Sturmland-Saga".
Anfangs ist Hamburg noch der Schauplatz bis Cora nach Norderney flieht. Mit dem Setting Norderney und später zwischendurch auch Borkum wird man in die raue und faszinierende Welt der Nordseeinseln gezogen. Die Schauplätze sind sher bildhaft und atmosphärisch beschrieben, dass man die wechselnden Jahreszeiten auf den Inseln fast körperlich selbst miterlebt und den Wind und das Salz in der Luft spürt. Der flüssige Schreibstil macht es einfach in die Geschichte einzutauchen.
Die Handlung lebt von ihren wechselnden Perspektiven und den vielschichtigen, authentischen Figuren. Jede von ihnen trägt eigene Geheimnisse in sich, die sich Stück für Stück offenbaren und die Spannung kontinuierlich steigern. Die Charaktere wirken lebendig und authentisch. Jeder von ihnen hat Hoffnungen und innere Konflikte, sodass man auch mit ihnen mitfiebert.
Im Mittelpunkt steht Cora, eine junge Frau, die sich nicht in die engen gesellschaftlichen Erwartungen des Jahres 1860 pressen lässt. Sie ist mutig, selbstbewusst und entschlossen, ihren eigenen Weg zu gehen. Ihre Beziehung zu Onnen entwickelt sich langsam, glaubwürdig und emotional.
Beeindruckend ist auch die historische Tiefe des Romans. Das Leben auf den ostfriesischen Inseln um 1860 ist sorgfältig recherchiert und wird durch viele kleine Details lebendig. Themen wie die Stellung der Frau, die damals noch fehlende Seenotrettung oder der medizinische Fortschritt fügen sich harmonisch in die Handlung ein. Es ist interessant zu lesen, wie sich das damalige Leben dort abgespielt haben könnte.
Mein Fazit:
Dieser Roman hat mich überzeugt durch sein starkes Setting, die atmosphärische Dichte, die glaubwürdigen Figuren und die historische Einbettung. Es war sehr spannend und schön zu gleich alle Protagonisten in ihrem Leben auf der Nordseeinsel zu begleiten. Dem Roman kann ich nur eine Leseempfehlung geben und ich bin sehr gespannt auf die Fortsetzung.
Milas Alleingang
Nebelbeute von Benjamin Cors
Mila verfolgt in den Bergen einen Mann aus ihrer Vergangenheit, doch kurz nach ihrer Ankunft wird eine seltsam drapierte Leiche entdeckt. Dann verschwindet sie selbst. Gruppe 4 sucht nach ihr und stößt in einem abgeschotteten Dorf auf einen Serienmörder, der Mila offenbar in seiner Gewalt hat.
"Nebelbeute" ist der dritte Band der Reihe mit der Sondereinheit "Gruppe 4".
Der Fall selbst ist in sich selbst abgeschlossen und kann auch ohne Vorkenntnisse gelesen werden. Wie bei allen anderen Reihen aber auch, empfiehlt es sich die Vorgängerbände zu kennen um in den vollen Genuss der Geschichte um die Charaktere zu kommen.
Die Handlung wird aus unterschiedlichen Perspektiven erzählt. Das gibt dem Fall die gewisse Tiefe. Jede Sichtweise bringt neue Hinweise, neue Zweifel, neue falsche Fährten. Genau diese Struktur sorgt dafür, dass man ständig zwischen Vermutungen und Unsicherheiten schwankt und sich nie wirklich sicher ist, was wirklich wahr ist. Fast jedes Kapitel endet mit einem Cliffhänger, was nochmals zur Spannung beiträgt. Man glaubt der Fall sei gelöst, doch dann wird man nochmal in einen nervenaufreibenden Showdown gezogen.
Der Schreibstil lässt sich flüssig lesen und durch das Bildhafte werden die Protagonisten und das Setting sehr lebendig. Das Setting selbst erzeugt ein beklemmendes Gefühl vor der Kulisse in einem abgelegenen Bergdorf bei Nebel und winterlichen Verhältnissen.
Mila und Jakob, die beiden Hauptcharaktere der Gruppe 4, sind mir schon aus den Vorgängerbänden bekannt gewesen. Nach nur wenigen Seiten konnte ich mich direkt wieder in ihre Geschichte einfinden. Dieses Mal ermittelt Mila im Alleingang. Da spürt man ihre Entschlossenheit und ihren Mut. Man fiebert mit ihr und erlebt die Gänsehautmomente hautnah mit ihr mit. Jakob ist ebenfalls sympathisch und er setzt sich für Mila ein. Auch ihn finde ich gut weiterentwickelt.
Mein Fazit:
Ein sehr spannender und fesslender Thriller durch unerwartete Wendungen, falsche Fährten und einer beklemmenden Atmosphäre. Man wird sehr schnell in den Bann gezogen und kann kaum aufhören zu lesen. Nervenkitzel und Gänsehautmomente sind definitiv da. Diesen Band fand ich sogar besser als die Vorgänger und geben daher gerne eine Leseempfehlung.
Tat des Teufels
Der Totengräber und der Orden des Teufels von Oliver Pötzsch
Wien 1896: Eine junge Frau wird unter mysteriösen, ritualhaften Umständen ermordet aufgefunden. Inspektor Leopold von Herzfeldt stößt bei seinen Ermittlungen auf eine einflussreiche Freimaurerloge, während Totengräber Augustin Rothmayer eine verstörende Grabschändung entdeckt, die den Fall noch rätselhafter macht.
Mit Hilfe von Julia Wolf und dem jungen Sigmund Freud versucht das Team, den Täter zu entlarven, doch die Spur führt in gefährliche Kreise und bringt besonders den Totengräber in große Gefahr.
"Der Totengräber und der Orden des Teufels" ist der fünfte Band der Totengräber-Reihe, die im historischen Wien spielt. Der Fall selbst ist in sich selbst abgeschlossen und kann auch ohne Vorkenntnisse gelesen werden. Wie bei allen anderen Reihen aber auch, empfiehlt es sich die Vorgängerbände zu kennen um in den vollen Genuss der Geschichte um die Charaktere zu kommen.
Der Schreibstil ist angenehm flüssig zu lesen mit einem Hauch Humor und wienerischem Dialekt, der voll und ganz zum Setting in Wien passt. Dadurch wirkt alles sehr authentisch und durch die bildhafte Erzählweise werden die Handlungsorte sowie die Charaktere auch sehr lebendig.
Die Handlung wird aus wechselnden Perspektiven erzählt, sodass es dynamisch und vielschichtig bleibt. Der Fall selbst überrascht mit Wendungen, falschen Fährten und Momenten, in denen man intensiv miträtselt. Besonders gelungen ist der Einbau von Sigmund Freud, der sich wunderbar ins historische Setting einfügt und zusätzliche Tiefe bringt.
Ein atmosphärisch dichter Kriminalroman, der das historische Wien mit all seinen Schattenseiten, gesellschaftlichen Strömungen und skurrilen Figuren lebendig macht. Es wurden historische Fakten, Freimaurer-Geheimnisse, Irrenhäuser, Zeitungsintrigen und die Meinungen der damaligen Zeit so geschickt mit dem Kriminalfall verbunden, dass man völlig in die Epoche eintaucht.
Da ich die Vorgängerbände bereits kenne, konnte ich sofort wieder Zugang zu den Charakteren finden und eine Bindung aufbauen. Die Hauptcharaktere Leo, Julia, Anna und Augustin Rothmayer sind alle sehr sympathisch, greifbar und ihre persönliche Geschichte wurde sehr schön weiterentwickelt. Am Besten ist immer noch der Totengräber Augustin Rothmayer, ein uriger Kautz, klug, verschroben und liebenswert.
Mein Fazit:
Ein spannender, atmosphärischer und historisch fundierter Wien-Krimi, der mit starken Figuren, cleveren Wendungen und einem unverwechselbaren Flair überzeugt. Klare Leseempfehlung für alle, die historische Krimis lieben.
Nicht überzeugend
Noch fünf Tage von Helena Falke
In der Silvesternacht wird das Fest der einflussreichen Familie Harmans zum tödlichen Schauplatz: Ein Giftanschlag löscht die gesamte Familie aus. Nur die Spitzenköchin Lis Castrop überlebt selbst vergiftet und als einzige Zeugin. Sie hat fünf Tage, um den Mord aufzuklären. Während der Countdown läuft, wird klar, dass Lis tiefer im Netz aus Macht, Intrigen und Verrat steckt, als sie ahnt.
Die Grundidee ein Opfer mit begrenzter Zeit selbst ermitteln zu lassen, ist wirklich spannend und etwas ungewöhnlich. Doch die Umsetzung war leider nicht gut gemacht. Die auf fünf Tage begrenzte Zeit hätte Tempo, Druck und Spannung erzeugen müssen, doch dieser Effekt verpufft komplett. Obwohl die Uhr tickt, entsteht keine Dringlichkeit, kein Sog, kein Gefühl von „es wird knapp“. Das erwartete hohe Tempo bleibt aus.
Die Spannung wird zusätzlich von Erinnerungen und Rückblenden der Protagonistin Lis ausgebremst. Statt einer fokussierten Mördersuche wirkt vieles wie eine Aufarbeitung ihres Lebens, wodurch der Plot immer wieder ins Stocken gerät.
Auch die Charaktere konnten mich nicht erreichen. Sie wirken klischeehaft und ohne Tiefe, und selbst die Ich‑Perspektive aus Sicht von Lis schafft es nicht, eine emotionale Bindung aufzubauen.
Der Schreibstil ist zwar flüssig und gut lesbar, bleibt aber durchschnittlich und ohne besondere Note. Es bleibt alles irgendwie sehr oberflächlich.
Mein Fazit:
Eine wirklich interessante Idee, aber die nicht gut umgesetzt ist. Es hätte durchaus Potenzial gehabt, aber leider wurde daraus nicht wirklich etwas gemacht. Dadurch konnte ich keinen Zugang zur Handlung finden, sodass mich dieses Buch enttäuscht hat. Ich kann leider dafür auch keine Leseempfehlung aussprechen.
Blindes Vertrauen
Wer blind vertraut von Tessa Duncan
Lily Brown gerät in ihrem neuen therapeutischen Fall in einen Strudel aus emotionaler Belastung und realer Gefahr. Eine Patientin ringt mit der quälenden Frage, was mit ihrer seit Jahren verschwundenen Tochter geschehen ist. Gleichzeitig kämpft Lily darum, einen skrupellosen Heiratsschwindler zu stoppen, der eine andere Klientin finanziell ausgenommen hat und möglicherweise zu weit mehr fähig ist als Betrug.
Zwei düstere Fälle, die Lily an ihre Grenzen bringen.
"Wer blind vertraut" ist der dritte Band der Canterbury-Serie mit der Psychotherapeutin Lily Brown. Der Fall selbst ist in sich abgeschlossen und lässt sich auch ohne Vorkenntnisse lesen. Jedoch empfiehlt es sich für die Charakterentwicklung der Protagonisten auch die Vorgänger der Reihe zu kennen.
Der flüssige und bildhafte Schreibstil hat dafür gesorgt, dass ich sofort in den Bann gezogen worden sind. Da mir die Vorgänger bereits bekannt sind, konnte ich auch sehr schnell wieder eine Bindung zu den beiden Hauptprotagonisten Lily und Dan aufbauen. Ihre persönliche Geschichte ist präsent, aber nie überladen, sodass der Fall selbst weiterhin im Vordergrund steht. Die Geschichte und die Beziehung zueinander wurde sehr schön weiterentwickelt. Das macht die beiden so emotional greifbar und ihre Geschichte macht die komplette Buchreihe aus.
Die Handlung wird aus wechselnden Perspektiven (Lily, Dan, Mary-Ann, Caroline und einer geheimnisvollen unbekannten Person) erzählt. Die Perspektive der unbekannten Person ist sehr rätselhaft und man fragt sich wer genau dahintersteckt und rätselt beim Lesen mit. Diese Struktur mit den wechselnden Perspektiven sorgt für Dynamik, Abwechslung, aber auch für psychologische Spannung.
Der Roman arbeitet mit drei Handlungssträngen, die zunächst völlig unabhängig wirken. Genau das erzeugt den Reiz. Man fragt sich ununterbrochen, wie diese Fälle zusammenhängen könnten, und fiebert mit jeder neuen Szene mit. Die Auflösung ist am Ende schlüssig und logisch. Alle losen Enden und offenen Fragen werden aufgeklärt.
Die Thematik in diesem Roman rund um das Messie‑Syndrom ist sensibel und realitätsnah eingebettet. Sie verleiht dem Thriller zusätzliche Tiefe und zeigt, wie psychologische Faktoren Ermittlungen beeinflussen können.
Mein Fazit:
Ein sehr schöner Spannungsroman mit einer psychologischen Spannung, der aber auch ohne großartige Gänsehautmomente auskommt. Die Protagonisten sind sehr lebendig und authentisch gezeichnet, was den ganzen Roman greifbarer macht. Ich hoffe auf eine Fortsetzung und gebe diesem Roman eine klare Leseempfehlung.
Enttäuschend
Bachelorette Party von Camilla Sten
Eine junge Frauengruppe reist für einen scheinbar perfekten Junggesellinnenabschied auf eine abgelegene Schäreninsel. Doch die Idylle kippt schnell ins Bedrohliche. Die Journalistin Tessa erinnert der Ort an einen ungelösten Fall, bei dem vor Jahren vier Frauen verschwanden. Als das Boot der Gruppe plötzlich verschwindet, sitzen die Freundinnen fest, und alte Spannungen brechen auf.
Schließlich wird eine Teilnehmerin tot aufgefunden, und Tessa erkennt, dass jemand auf der Insel einen Racheplan verfolgt.
Das erste Drittel besteht aus Feiern, Yoga, Alkohol und Gruppendynamik. Dadurch wirkt es sehr langatmig. Die Handlung plätschert über weite Strecken einfach vor sich hin. Erst im letzten Drittel passiert etwas, doch selbst dann bleibt vieles vorhersehbar und ohne echte Überraschungen. Die Rückblicke ins Jahr 2012 sollen Hinweise liefern und die damaligen Erlebnisse der verschwundenen Frauen mit den aktuellen Ereignissen verknüpfen. Leider wirken diese Flashbacks eher konstruiert als spannend.
Der Schreibstil ist flüssig und angenehm zu lesen, sodass man schnell durch die Seiten kommt. Aber er bleibt komplett spannungsarm. Es gibt so gut wie keine Gänsehautmomente und auch keine unerwarteten Twists. Keine Szenen, die einen jetzt wirklich gepackt und gefesselt haben.
Durch die Vielzahl an Charakteren kann man leicht durcheiander kommen. Zudem bleiben sie sehr blass und ohne wirkliche Tiefe, sodass man auch kaum eine emotionale Bindung aufbauen kann.
Das Setting mit der einsamen kleinen Schären-Insel ist mit das Beste an diesem Buch. Abgeschnitten vom Festland ist es ein Ort, der eigentlich wie gemacht ist für einen beklemmenden Thriller. Die Idee der Isolation ist nicht wirklich was Neues, aber trotzdem wollte ich dem Thriller eine Chance geben. Leider wurde das Potenzial hier nicht voll ausgeschöpft.
Mein Fazit:
Dank des flüssigen Schreibstils lässt sich das Buch schnell runterlesen, aber man vergisst es ebenso schnell wieder. Dieser Thriller konnte mich leider absolut nicht überzeugen. Ich hatte hier mehr erwartet, aber konnte keinen wirklichen Zugang zur Handlung finden. Daher kann ich leider keine Leseempfehlung aussprechen.
Was ist Juli passiert?
Weil sie lügt von Caroline Seibt
Anna versucht, für ihre trauernde Mutter, den unter Verdacht stehenden Vater und den hoffnungsvollen kleinen Bruder stark zu bleiben. Als die Polizei eine neue Spur präsentiert, wächst kurz Hoffnung, aber nur um sich sofort in etwas noch Schlimmeres zu verwandeln. Sie erkennt, dass das Verschwinden ihrer Schwester nicht das Ende war, sondern der Anfang eines noch dunkleren Kapitels.
Dieser Thriller hat eine solche Sogwirkung entwickelt, dass man ihn kaum aus der Hand legen mochte. Der flüssige, sehr schnelle Schreibstil macht das Buch zu einem echten Pageturner, und die abwechselnden Ich-Perspektiven von Anna und der Ermittlerin Katharina sorgen dafür, dass man ständig zwischen emotionaler Nähe und kriminalistischer Distanz pendelt. Genau dieser Perspektivwechsel treibt das Tempo an und hält die Spannung über weite Strecken hoch.
Besonders stark gemacht ist die Menge an offenen Fragen. Kaum wird eine beantwortet, tauchen gefühlt drei neue auf. Dieses permanente Rätseln erzeugt ein intensives Mitfiebern, unterstützt durch Cliffhanger an fast jedem Kapitelende, die einen immer wieder zum Weiterlesen zwingen. Dazu kommen unerwartete Wendungen, überraschende Enthüllungen und ein ständiges Hin und Her, das die Handlung in hohem Tempo vorantreibt. Man verdächtigt wirklich alles und jeden, weil jede Figur potenziell etwas verbirgt.
Allerdings wurde aus den Cliffhängern oft nicht so viel gemacht. Sie verlieren sich ins Leere, Situationen, die eigentlich Spannung versprechen, werden später nur beiläufig aufgelöst. Dadurch fällt die Intensität im Mittelteil etwas ab, und der Nervenkitzel verliert an Kraft.
Das Finale hingegen wurde wieder spannender. Die Auflösung wirkt schlüssig, aber dennoch kristallisieren sich hier einige Logikfehler heraus, wo sich die offenen Fragen nicht ganz logisch aufgeklärt haben.
Mein Fazit:
Ein rasanter, wendungsreicher Thriller mit starkem Perspektivspiel, vielen Fragen und hohem Tempo - ein absoluter Pageturner. Trotz kleiner Spannungseinbrüche im Mittelteil konnte mich dieser Thriller überzeugen. Ich hätte gerne auch 5 Sterne gegeben, aber dafür waren mir die Logikfehler und die im Sande verlaufenen Cliffhänger zu präsent. Trotzdem eine klare Leseempfehlung für alle, die Nervenkitzel, Cliffhanger und überraschende Twists lieben.
Suche nach der Wahrheit
Home Before Dark von Eva Björg Ægisdóttir
Marsi lebt seit einem Jahrzehnt mit dem Schmerz über das rätselhafte Verschwinden ihrer Schwester. Der Fall schien längst verloren, bis ein unerwarteter Brief neue Spuren legt und Marsi zwingt, sich erneut der Vergangenheit zu stellen. Ihre Suche nach Antworten führt sie zurück in ein altes Verbrechen, das nie abgeschlossen wurde und macht deutlich, dass die Gefahr noch immer präsent ist.
Ihre eigenen Ermittlungen werden damit nicht nur zu einer Reise in ihre eigene Vergangenheit, sondern zu einem Wettlauf gegen jemanden, der weiterhin im Verborgenen agiert.
Die Spannung in Home Before Dark entfaltet sich nicht sofort, sondern entwickelt sich langsam, stetig und entfaltet eine Sogwirkung, die sich festsetzt. Die Handlung wird in wechselnden Perspektiven zwischen den beiden Schwestern Marsibil und Stina jeweils aus der Ich-Perspektive erzählt. Maribil begleitet wir in der Gegenwart (1977) bei ihrer Suche nach der Wahrheit um Stinas Verschwinden. In der Perspektive von Stina sind es Rückblenden (ins Jahr 1966/67) in ihr Leben vor ihrem Verschwinden. Durch diese zwei Ich‑Perspektiven entsteht ein intensiver Sog, weil man ständig zwischen Wahrheitssuche und Erinnerungsschatten pendelt. Mit jedem Kapitel fügt sich das Puzzle auch Stück für Stück zusammen bis man endlich versteht, was in jener verhängnisvollen Nacht wirklich passiert ist.
Die Atmosphäre ist beklemmend, dunkel, voller unausgesprochener Wahrheiten. Jede Figur wirkt seltsam, verschlossen und irgendwie verdächtig. Niemand ist leicht zu greifen, jeder trägt seine eigene Last mit sich herum. Man fängt an jedem zu misstrauen. Das hält die Spannung konstant hoch und man will unbedingt wissen, was mit Stina vor zehn Jahren geschehen ist.
Der Schreibstil ist flüssig und angenehm zu lesen. Die isländischen Namen und Orte könnten allerdings Stolpersteine sein und ein wenig den Lesefluss hemmen, aber sie gehören einfach zu diesem Setting und verstärken die nordische Stimmung.
Ein bisschen störend und nervig war die extreme Alkohlpräsenz. Zumindest ist es mir stark aufgefallen, dass ständig über Alkohol gesprochen wurden bzw. viele der Figuren sehr oft Alkohl getrunken haben.
Mein Fazit:
Ein langsam anschwellender, atmosphärisch dichter Thriller, der mit seinen Perspektivwechseln, seinen Geheimnissen und seinen unerwarteten Wendungen fesselt. Düster, verwirrend, intensiv und es entwickelt eine Sogwirkung, dass man das Buch kaum aus der Hand legen kann. Das Buch ist auf jeden Fall eine Leseempfehlung.
Wer hat Beth getötet?
Beth is dead von Katie Bernet
Beth wird tot aufgefunden und die Ermittlungen richten sich sofort auf ihre Schwestern. Jede von ihnen trägt ein mögliches Motiv mit sich herum: Jo, die ehrgeizige Autorin, deren Erfolg von einem dramatischen Skandal profitieren könnte; Amy, die für ihren Traum vom Kunststudium Geld braucht, das eigentlich Beth zugestanden hätte; und Meg, die selbst unschuldig wirkt, aber ihren Freund um jeden Preis schützen würde.
Gleichzeitig gibt es weitere Verdächtige, denn die Familie wurde schon zuvor unfreiwillig berühmt, nachdem ihr Vater ein kontroverses Buch über seine Töchter veröffentlicht hatte.
Das Buch hat mich sofort in seinen Bann gezogen. Die Handlung wird in wechselnden Perspektiven zwischen den Schwestern jeweils aus der Ich-Perspektive erzählt. Das schafft nicht nur die Nähe zu den einzelnen Schwestern, sondern zeigt auch wie unterschiedlich Jo, Amy und Meg mit Beths Tod umgehen. Hinzu kommen einige Rückblicke in die Zeit vor Beths Tod, die wie kleine präzise gesetze Puzzleteile funktionieren. Sie geben Hinweise, werfen neue Fragen auf und verbinden Vergangenheit und Gegenwart zu einem stimmigen Gesamtbild.
Es gibt hier keine Spannung durch Schockmomente, eher ist die Spannung permanent unterschwellig präsent. Beim Lesen rätselt man konstant mit, wer für den Tod von Beth verantwortlich ist und verdächtigt immer wieder wen anders. Dazu tragen die vielen falschen Fährten und unerwarteten Wendungen bei. Bis zum Schluss bleibt es undurchsichtig und wird dann in einem spannenden Showdown logisch aufgelöst.
Der Schreibstil lässt sich flüssig lesen, sodass man recht schnell durch die Seiten kommt. Zudem ist alles sehr bildlich dargestellt, dass man sich die einzelnen Szenen und Figuren sehr gut vorstellen kann. Durch die vielen Handlungsorte sowie den unterschiedlichen Figuren ist es abwechslungsreich gestaltet.
Anfangs war es kurzzeitig herausfordernd, die drei einzuordnen (wer studiert, wer geht zur Schule, wer ist die Älteste, die Jüngste usw.), weil alle drei ziemlich gleichzeitig in der Handlung aufgetreten sind. Das legt sich jedoch recht schnell, weil jede von ihnen eine eigene, unverwechselbare Persönlichkeit hat. Jede von ihnen hat ihre eigenen Stärken und Schwächen. Zwischen ihnen wurde eine tolle Dynamik geschaffen. Man merkt bei den Schwestern auch wie toll ihr Zusammenhalt ist, aber auch die typischen geschwisterlichen Reibereien und Geheimnisse. Das macht sie so authentisch und lebendig.
Mein Fazit:
Ein sehr spannender und fesselnder Young-Adult-Thriller, bei dem man ständig miträtselt. Es hat mich so gefesselt, dass ich das Buch kaum zur Seite legen konnte. Daher gibt es dafür eine ganz klare Leseempfehlung.











