Kunden em pfehlungen
Rezensionen von C.P.:
Gute Aufmachung, aber den Preis nicht wert
Hensslers schnelle Nummer 2 von Steffen Henssler
Ich koche schon seit meiner Kindheit gerne und viel, mag es sehr neue Dinge in der Küche zu kreieren und auszuprobieren und lese leidenschaftlich gerne Kochbücher. Kochbücher sind für mich immer eine tolle Inspirationsquelle, es gibt einige, die seit Jahren zum festen Repertoire gehören und aus denen ich allerhand Rezepte nachgekocht habe.
Deswegen war ich sehr gespannt auf das neue Kochbuch von Steffen Henssler, den ich zwar vom Namen und Gesicht her kannte, deren Kochsendungen ich aber nicht aktiv verfolge.
Die generelle Aufmachung des Buches hat mir gut gefallen. Das Design ist echt toll, sehr locker und bunt. Die Bilder sind auch gut und schlicht gehalten. Was mir richtig gut gefällt sind die QR-Codes, die bei jedem Rezept abgedruckt sind und die zu Videos weiterleiten. Somit kann man sich immer ein Video ansehen, falls ein Schritt unklar ist oder man sich das gesamte Rezept lieber einmal von Steffen Henssler selbst vorgekocht ansehen möchte. Da steckt echt viel Mühe dahinter.
Bei jedem Rezept sind gleich die Zutaten bunt und relativ groß abgedruckt, so dass auf einen Blick schnell erfassbar ist, was benötigt wird. Das ist vor allem dann praktisch, wenn man auf der Suche nach Rezepten ist um Lebensmittel, die man zuhause hat, zu verwerten.
Bei fast allen Rezepten ist auch eine kleine Box mit "Aus dem Vorrat" dabei, wo zusammengefasst wird, welche Lebensmittel benötigt werden, die man meist ohnehin zuhause vorrätig hat, wie zum Beispiel Öl oder Mehl.
Das Register ist nicht alphabetisch geordnet, sondern nach Zutaten sortiert. So kann auch hier sehr schnell erfasst werden, welche Rezepte zum Beispiel Kartoffeln oder Zitrone enthalten. Auch hier kann man sich viel Zeit sparen bei der Suche nach Rezepten zur Lebensmittelverwertung.
Der reine Aufbau vom Kochbuch gefällt mir demnach wirklich gut, mit den Rezepten selbst hingegen bin ich teilweise weniger zufrieden.
Die Rezepte sind ausgelegt auf eine schnelle Zubereitung und wenige Zutaten, das ist die Grundprämisse des Kochbuches. Aber bei fast 27€ erwarte ich schon Rezepte, die nicht selbsterklärend sind und Gerichte, die auch ohne ein abgedrucktes Rezept sofort umsetzbar sind. Toast Hawai, (gekaufter) Flammkuchen mit Räucherlachs oder Grilled Cheese Sandwich sind nun wirklich keine Gerichte, die in einem Kochbuch abgedruckt werden müssen. Und auch ein Feta-Melonen-Salat, ein Gericht, bei dem die Zutaten mehr oder weniger im Namen stehen, ist für mich absolut fehl am Platz und wird nicht dadurch besser, dass die Melone kurz geeist wird. Als wirkliche Frechheit habe ich dann das Rezept für vegane Burgerbrötchen wahrgenommen. Das "Rezept" war die Anweisung, einfach fertige Brötchen zu kaufen. Eine Doppelseite mit Foto, Rezept, Zutaten und QR-Code. Generell kamen vegane Gerichte viel zu kurz, Fleischgerichte nahmen fast doppelt so viele Seiten ein.
Auch der Spruch vor den Fleischrezpten - "geiler Tofuersatz" - ist selbst für mich als Omnivore nicht witzig und lustig, sondern wirkt auf mich unsympatisch und sehr von oben herab.
Die drei Sterne vergebe ich nur, weil ich die Aufmachung ansonsten echt gelungen fand, müsste ich das Buch einzig wegen der Rezepte bewerten, würde meine Bewertung noch schlechter ausfallen.
Aber einzelne Gerichte fand ich durchaus toll, besonders gut gefielen mir das Auberginen Curry mit Dattelbulgur und das Barbecue-Gemüse mit Sauerkirschen.
Genau das richtige Buch um aus einer Leseflaute zu entkommen
Der schwarzzüngige Dieb (Schwarzzungendieb, Bd. 1) von Christopher Buehlman
Das wichtigste vorweg: Das war ein grandioses Buch! Ich hatte eine unfassbar unterhaltsame Lesezeit und zu jedem Zeitpunkt, ob auf Seite 5 oder 500, hätte ich 5 Sterne vergeben. Die Geschichte hat mich aus meiner sommerlichen Leseflaute rausgeholt und mich in einen Zustand versetzt, in dem ich das Buch nicht aus der Hand legen konnte und das gesamte Wochenende hinter den Seiten verbracht habe.
Das war die Kurzform, für eine gescheite Rezension braucht es ein stabiles Gerüst, einen Faden, an dem ich als Schreiberin dieser und Dritte als eventuelle Leser:innen von ihr, sich langhangeln können.
Leider sind meine Gedanken noch genauso verworren, wie die Geschichte es phasenweise war. Ich gebe mein Bestes, sie etwas zu ordnen und sinnvoll zu strukturieren.
Kinsch Na Shannack ist einer der unterhaltsamsten, skurrilsten und ehrlichsten Protagonisten, die mir in Bücher bisher begegnet sind. Ich mochte ihn auf Anhieb und schon die ersten Sätze der Geschichte brachten mich zum Schmunzeln.
Der gewitzte Dieb, der in der ruhigen, fast stoischen Ritterin Galva eine Weggefährtin findet, muss an ihrer Seite ungeahnte Abenteuer bestehen. Schließlich muss er seine eigene Haut vor der Gilde retten, denen er viel Geld schuldet. Zusammen mit anderen Gefährten machen sie sich auf eine weite und beschwerliche Reise.
Die Charaktere waren einfach toll ausgearbeitet und gerade die kleine Reisegruppe ist so vielfältig und detailliert beschrieben gewesen. Natürlich hat es mir vor allem Kinsch Na Shannack angetan, der mich etwas an Locke Lamorra aus der „Gentleman Bastard“-Reihe von Scott Lynch erinnerte. Nicht nur, weil beide Diebe sind, sondern auch in ihrem Auftreten und Denkweise.
Und auch Galva sowie die anderen Reisegefährten haben mir sehr gut gefallen. Nicht alle Nebencharaktere waren so tiefgehend und detailliert ausgearbeitet, aber das hätte auch den Rahmen des Buches wahrlich gesprengt.
Auch die anderen Lebewesen, die die Welt von Kinsch Na Shannack bevölkern, kamen nicht zu kurz. So bekommen Kinsch Na Shannack und seine Gefährten es mit Kobolden, Riesen, Kraken und anderem zu tun.
Ich habe nicht die romantischste Ader, Liebesgeschichten lese ich mal ganz gerne, aber für mich ist eine Liebesbeziehung kein Muss in einem Fantasybuch. In der Geschichte gibt es eine Liebesbeziehung, die sogar ich echt toll fand. Nicht aufdringlich, nicht zu überzogen, einfach passend.
Doch die Welt rund um die Charaktere ist sehr düster und gefährlich. Ähnlich wie in Game of Thrones sterben (Neben-)Charaktere wie die Fliegen. Und das meist auf eine sehr unschöne Art und Weise. Von „gefallen“ in einem solchen Kontext zu schreiben, ist absolut unpassend. Aber ich fand es sehr viel authentischer, in einer Welt voller Krieg und Gewalt, dass Charaktere auch sterben müssen, als die Blümchen verstreuende Art der unbesiegbaren Charaktere, die in vielen anderen Fantasybüchern beschrieben werden.
Bei Fantasybüchern sind mir das Worldbuilding und ein nachvollziehbares Magiesystem sehr wichtig. So wichtig, dass diese Punkte maßgeblich meine Bewertung und Meinung von dem Buch beeinflussen. Natürlich sind auch mir die Charaktere und ihre Beziehungen zu- und untereinander wichtig, aber ich erwarte von jedem Autor und jeder Autorin, dass dieser Punkt gut ausgearbeitet wurde. Als Basis sozusagen. Aber den Unterschied von guter und weniger guter Fantasy machen in meinen Augen eben die Ausarbeitung des Magiesystems und das Worldbuilding an sich.
Was mir an diesem Buch wirklich gut gefallen hat, ist, dass beide Punkte sehr fließend in die Geschichte eingearbeitet wurden. In manchen Fantasybüchern wird dem Leser erst einmal ein mehrere Seiten umfassender Exkurs geboten, um die Welt logisch aufzuarbeiten. Ich persönlich finde das gar nicht schlimm, meist macht es mich neugierig auf mehr. Aber ich kann durchaus verstehen, warum andere Leser:innen dies langweilig finden.
Christopher Buehlman hingegen lässt seine Leser:innen immer häppchenweise an seinen Ideen teilhaben. Wohl dosiert und immer im richtigen Augenblick wurde man so langsam und beständig in die Welt eingeführt, um letztlich ganz in dieser unterzutauchen.
Einfach toll gelöst!
Und auch wenn ich sowohl das Worldbuilding als auch das Magiesystem gut erklärt finde, so bin ich doch noch immer nicht ganz zufrieden. Das liegt daran, dass das Buch durchaus als Einzelband funktioniert, aber eigentlich als erster Band einer Trilogie geplant ist. Nähere Informationen zum zweiten Teil sind derzeit leider noch nicht zu finden. Deswegen finde ich es verschmerzbar, dass das Magiesystem noch etwas schwammig ist und hoffe auf weitere Ausführungen in den folgenden Bänden.
Beim Lesen habe ich mir immer wieder eine Karte gewünscht, um die zurückgelegte Strecke der Truppe nachvollziehen zu können. Wie sich herausstellte, gab es auch eine Karte. Die fiel mir aber erst nach Beenden der Geschichte auf, da sie mit im Anhang abgedruckt war. Etwas schade, ich hätte sie mir gleich zu Beginn gewünscht.
Der Schreibstil war eher umgangssprachlich und passte gut zu der Geschichte sowie den Charakteren. Außerdem war es ein absolut humorvoll geschriebenes Buch. Das liegt zu großen Teilen daran, dass Kinsch Na Shannack ein Protagonist war, der das Leben nicht so ernst nimmt und die Geschichte in der Ich-Perspektive verfasst war. Der Humor war manchmal etwas drüber, etwas düster, etwas herb, oftmals unpassend, aber einfach wahnsinnig unterhaltend. Und das auf eine eher trockene und sarkastische Art und Weise, nicht auf die rumblödelnde, in grellen Farben überzogene Art von Humor.
Immer wieder werden im Stile Tolkiens Lieder, Verse und Reime eingeflochten, teils in vom Autor erdachten Sprachen. Wie viele Gedanken sich dieser um seine geschaffene Welt gemacht hat, zeigt sich auch hier wieder.
Ansonsten ist der Ton teilweise sehr brutal und wenig beschönigend. Das Buch ist definitiv für ein erwachsenes Publikum geschrieben.
Ich kann es kaum erwarten, dass der nächste Band erscheint und kann das Buch jedem Fantasy Liebhaber uneingeschränkt empfehlen. Auf den knapp 530 Seiten bekommt man einfach viel geboten und mich konnte die Geschichte rund um Kinsch Na Shannack sehr mitreißen.
Nicht überzeugend
Die versteckte Apotheke von Sarah Penner
Der Klappentext dieses Buches klang so vielversprechend und genau nach einem Buch, das meine derzeitige Stimmung traf, dass ich sofort mit dem Lesen anfangen musste. Leider wurden bei mir viel zu hohe Erwartungen geweckt, die die Geschichte letztlich nicht halten konnte.
Aus drei verschiedenen Perspektiven und Zeitebenen berichten die Apothekerin Nella, das Dienstmädchen Eliza und Caroline über ihr Leben und ihre Erlebnisse.
Während Nella und Eliza im London des 18. Jahrhunderts lebten, lebt Caroline in der heutigen Zeit. Die Frauen könnten nicht unterschiedlicher sein, doch ein Fund von Caroline offenbart ihr dank ihrer Neugierde die Geschehnisse und Geheimnis aus Nellas Leben. Denn diese rettete und half Frauen durch ihr Geschick im Umgang mit Kräutern und Giften, um in einer von Männern dominierten und herrschenden Welt zu überleben.
Die Prämisse klang wirklich so spannend, da ich bin ein großer Fan der "His Fair Assassin"-Reihe von Robin LaFevers bin und immer wieder auf der Suche war nach einem neuen Buch über geheime Frauenbünde.
Leider konnte mich "Die versteckte Apotheke" überhaupt nicht überzeugen, was unterschiedliche Gründe hat.
Zum einen wurde ich einfach nicht mit Caroline warm, die mehr oder weniger der Hauptcharakter der Geschichte ist. Schon auf den ersten zehn Seiten fand ich sie einfach unerträglich, denn Caroline ist natürlich nicht so wie andere Frauen. Während ihre Kommilitoninnen nur quatschend im Café saßen, saß sie vor alten Schriften und studierte diese. Um es mal so zu formulieren, wie in Tiktoks und Reels: Caroline ist der Inbegriff eines "pick me girls".
Sobald dann ein Mann in ihr Leben tritt, vergisst sie all ihre Träume, Vorstellungen und Wünsche und ordnet ihr Leben komplett dem ihres Mannes unter. Vorbei der Traum eines Masterabschlusses, den sie unbedingt in Cambridge absolvieren wollte. Schließlich möchte ihr Mann Amerika nicht verlassen. Und Geldverdienen muss sie auch, nur mit einem Abschluss in Geschichte findet sie einfach keine Anstellung, weshalb sie eine Stelle im Familienbetrieb ihrer Eltern annehmen muss und darüber eigentlich todunglücklich ist. Es ist wirklich so schade, dass es in den Staaten einfach keine Unis gibt, an denen Caroline ihren Master hätte absolvieren können. Natürlich außer der Universitäten der Ivy League und anderer Universitäten.
Eigentlich ganz gut und gelungen fand ich die Verwendung der unterschiedlichen Perspektiven und Zeitebenen. Ich mag es immer sehr, wenn mit diesem Werkzeug gearbeitet wird, schließlich kann der Leser oder die Leserin somit deutlich bessere Einblicke in die Gefühlswelt der einzelnen Charaktere erlangen.
In der Hinsicht war Nellas Perspektive die spannendste, doch leider wurde ihr Erzählstrang viel zu häufig und viel zu schnell wieder unterbrochen. Carolines Erzählstrang nahm viel zu viel Raum ein, wodurch sich die Stränge von Nella und Eliza nur wenig entwickeln konnten. Eine deutliche Kürzung von Carolines Strang hätte der Entfaltung der Geschichte viel besser getan.
Anfangs fand ich es echt angenehm, dass die Autorin etliche Hinweise zum Plot hat fallen lassen, zum Beispiel warum Caroline alleine in London ist, welche relativ schnell aufgelöst wurden. Ich hatte etwas die Befürchtung, dass einige "Geheimnisse" aus Carolines oder Nellas Leben erst am Ende des Buches aufgelöst werden würden. Aber wirklich sehr geschickt auf genau dem richtigen Höhepunkt der Neugierde löste die Autorin viele dieser Geheimnisse auf.
Leider galt dies jedoch für fast alle Dinge. So ist die titelgebende versteckte Apotheke nicht wirklich versteckt.
Auch waren mir etliche Handlungen und Auflösungen zu einfach dargestellt, zu simple, zu konstruiert und zu wenig durchdacht.
Ich habe das Buch von einer Freundin geliehen bekommen und bin darüber wirklich froh. Ich hätte mich sehr geärgert, wenn ich für diese Geschichte Geld ausgegeben hätte. Für Interessierte ohne Kaufabsicht gibt es die Möglichkeit, das Hörbuch über Spotify zu hören. Ich habe mal ins Hörbuch reingehört und fand die Sprecherin eigentlich ganz angenehm. Sie passt zumindest gut zur Geschichte.
Fast hätte ich das Buch abgebrochen, in gewisser Weise habe ich es auch getan. Ab der Hälfte habe ich nur noch quergelesen und wollte einfach nur noch, dass das Buch endlcih vorbei ist.
Empfehlen kann ich das Buch nicht, wer auf der Suche nach historischen Frauenbünden und Abenteuern, Freundschaft und Intrige ist, dem kann ich uneingeschränkt die "His Fair Assassin"-Reihe von Robin LaFevers empfehlen.
Ein berührendes Buch um Trauer und Verlust
Das Fundbüro der verlorenen Träume von Helen Frances Paris
Immer wieder gibt es Bücher, deren Klappentexte etwas versprechen, was die Geschichte an sich dann jedoch niemals halten kann. Manchmal werden Erwartungshaltungen geweckt, die niemals in Erfüllung gehen können. Oder Handlungsstränge erwartet, die dann nicht im Buch auftauchen. Oftmals ist es eher enttäuschend, wenn Klappentext und Inhalt nicht zusammenpassen.
Eben, weil man als Leser:in das Buch mit einer bestimmten Erwartung aufschlägt und immer weiterliest, in der Hoffnung, dass das Erwartete irgendwann einmal in der Geschichte auftaucht. Und immer mehr ernüchtert, je mehr Seiten vergehen.
Auch bei diesem Buch hat das Zusammenspiel von Klappentext, Cover und Titel bei mir ganz andere Erwartungen geweckt. Aber glücklicher Weise gehört „Das Fundbüro der verlorenen Träume“ zu der eher selteneren Kategorie: Ein Buch, das im Vorfeld andere Erwartungen weckte und dessen Tiefe und Inhalt mich als Leserin überraschte und mich begeistern konnte.
Erwartet hatte auch ich eine Handlung, die viel mehr auf die Fundstücke und das Fundbüro fokussiert wäre, nicht aber eine Geschichte um Familie, Trauer, Verlust und Schuld. Ich würde im Nachhinein empfehlen, den deutschen Klappentext nur zu überfliegen und lieber den originalen Klappentext zu lesen, der dem eigentlichen Inhalt ein weniger näher ist. Dabei ist der Klappentext nicht schlecht, er konzentriert sich jedoch nur auf einen Teilaspekt der Geschichte.
Mit Dot als Protagonistin habe ich mich anfangs etwas schwergetan. In einzelnen Passagen fand ich sie unheimlich sympathisch und liebenswürdig, außerdem verfügte sie über ein erstaunliches Einfühlungsvermögen in andere Menschen. Dann aber ist sie echt biestig, stößt Menschen von sich, lässt keine Nähe zu und denkt dermaßen in Kategorien und Schubladen, aus denen die betreffenden Menschen sich scheinbar nicht mehr „befreien“ können. Liebevoll, lebensfroh, unternehmungslustig auf der einen Seite, engstirnig, verurteilend und überlegen auf der anderen.
Doch nach und nach löste Dot sich selber aus dem Muster, in das ich sie gedanklich sortierte.
Trauer um den Verlust eines geliebten Menschen kann einen Menschen einfach verändern.
Das Buch ist aus der Ich-Perspektive geschrieben, was verstärkt dazu führte, dass man sich als Leser:in noch mehr mit Dot und ihrer Vergangenheit beschäftigte und sich in sie hineinversetzen konnte.
Auf der anderen Seite blieben dadurch die Nebencharaktere etwas zurück. Manche von ihnen waren detaillierter ausgearbeitet als andere. Aber vielen fehlte es ein wenig an Tiefe und Charakter. Das ist aber für die Geschichte verschmerzbar, schließlich geht es um Dot und ihr Leben.
Die Handlung an sich fand ich wirklich toll. Ja, anders als erwartet, aber einfach besser. Ein wenig störte ich mich an dem teilweise sehr exzessivem Alkoholkonsum, aber andererseits fand ich es als Angehörige eines Menschen, der sich nach dem Verlust eines geliebten Menschen selbst in den Alkohol flüchtete und der nun schon seit Jahrzehnten erfolgreich trocken ist, sehr realitätsnah.
Trotz der Melancholie und vergänglichen, traurigen Stimmung war der Schreibstil passagenweise wirklich humorvoll und gefiel mir gut.
Ich persönlich fand das Ende nicht ganz passend zum Rest der Handlung, aber ich verstehe, weshalb die Autorin es so geschrieben hat.
Alles in allem hatte ich eine echt schöne Lesezeit und kann das Buch wirklich empfehlen.
Achtung: Spoiler wegen Triggerwarnungen!
TW: Alkoholkonsum, Suizid, Suizidversuch, Trauer, Depression, sexueller Übergriff
Es fehlte die sommerliche Leichtigkeit
Schallplattensommer von Bronsky Alina
Alina Bronskys Bücher sind mir schon so oft empfohlen oder auf den verschiedenen Buch- und Lese-Plattformen unter die Augen gekommen. „Schallplattensommer“ war jedoch für mich das erste Buch der Autorin und ich verstehe nun, warum in Beschreibungen über ihre Bücher so häufig über die Einzigartigkeit ihrer Charaktere berichtet wird.
Maserati fühlt sich als Außenseiter:in. Als einzige junge Frau im näheren Umkreis fühlt sie sich wie eine Kuriosität, für ihre Oma, bei der sie aufgewachsen ist und mit der sie gemeinsam den Imbiss der Gemeinde führt, fühlt sie sich alleine verantwortlich. Mitten hinein in den Sommer stolpern Caspar und Theo, die neu in die Nachbarschaft gezogen sind.
Schallplattensommer lässt sich irgendwie nicht richtig fassen und in eine Schubalde stecken. Für einen jugendlichen Liebesroman fehlt es an Liebe, für ein Drama ist es doch nicht dramatisch genug, ein Krimi ist es trotz vieler Geheimnisse auch nicht und eine seichte Sommerlektüre nur in vereinzelten Passagen. Ein Buch, ebenso flexibel und wenig fassbar wie seine Protagonistin.
Ich bin wirklich hin und hergerissen, wie ich das Buch fand. Es ist weder sehr gut, noch schlecht. Ich war wahrscheinlich einfach nicht die richtige Leserin beziehungsweise in diesem Fall Hörerin für das Buch.
Die Handlung blieb mir oftmals zu oberflächlich, aufgedeckte Plottwists wurden nicht weiter behandelt, Geheimnisse nicht verfolgt. Maserati verhält sich liebevoll bis verletzend, ist sehr sprunghaft und ambivalent. Ich mochte sie in der einen Passage, in der anderen weniger. Zusammenfassen, worum es in dem Buch nun im Kern ging, kann ich gar nicht.
Aber wirkliche Emotionen konnte das Buch nicht hervorrufen. Wahrscheinlich werde ich mich in kurzer Zeit schon nicht mehr an das Buch und seinen Inhalt erinnern.
Durch den sehr beschreibenden Schreibstil wurde die sommerliche Atmosphäre wirklich gut rübergebracht. Trotz des stürmischen und regnerischen Wetters, das draußen herrschte während ich es mir mit dem Buch gemütlich gemacht habe, hatte ich beim Lesen stets den Geruch von Sonnencreme und Badesee in der Nase.
Aber die Leichtigkeit, die ich sonst mit solchen Gerüchen und Erinnerungen verbinde, fehlte bei diesem Buch.
Jasna Fritzi Bauers Stimme passte wirklich gut zu der Geschichte rund um Maserati. Ruhig, nicht aufgeregt und ein bisschen kratzig.
Ich entscheide mich bei der Bewertung für die Mitte, es war kein schlechtes Buch, aber auch kein sehr gutes. Ich denke immer noch, dass ich einfach die falsche Leserin war und wünsche anderen Leser:innen mehr Spaß mit dem Buch!
Tolle Basis für Neueinsteiger:innen in die Welt der Finanzen
Das einzige Buch, das Du über Finanzen lesen solltest von Thomas Kehl; Mona Linke
Von Finanzfluss bin ich bereits seit etlichen Jahren ein großer Fan. Die Videos von Thomas Kehl haben mir schon viele Themen der Finanzwelt nähergebracht und auch der gleichnamige Podcast läuft bei mir immer mal wieder sporadisch.
Generell bin ich sehr interessiert an meinen Finanzen und kümmere mich seit ein paar Jahren sehr aktiv um mein Portfolio.
Eben auch dank der hilfreichen Informationsbasis, die ich mir unteranderem durch Finanzfluss geschaffen habe.
Auf die Umsetzung des Themas in Form eines Buches war ich sehr gespannt.
Im Allgemeinen ist das Buch sehr geeignet für Neueinsteiger:innen und Personen, die sich bisher noch nicht tiefergehend mit der Welt der Aktien, Geldanlage und Finanzen auseinandergesetzt haben.
Verständlich und sehr vereinfacht werden dem Leser oder der Leserin alle wichtigen Aspekte nähergebracht, die ihm dabei helfen werden, sich in der Finanzwelt besser zurechtzufinden.
Beginnend mit den Basics, was es eigentlich für Geldanlagen gibt, hin zu ETFs zielt das Buch darauf ab, dem Leser oder der Leserin das Wissen an die Hand zu geben, um sich mit seiner oder ihrer eigenen finanziellen Situation auseinanderzusetzen.
Thomas Kehl ruft nicht fordernd, aber bestimmt dazu auf, mit dem Investieren zu beginnen. In welcher Form auch immer. Immer wieder wird durch Rechenbeispiele aufgezeigt, wie viel Unterscheid es beim Endvermögen ausmacht, ab wann man beginnt zu investieren, mit welcher Sparquote und welche Auswirkungen ein Sparbooster haben können.
Doch es geht nicht immer nur um die aktive Besparung von Geldanlagen wie zum Beispiel Aktien. Thomas Kehl ruft auch zu einer gewissen Mündigkeit auf. Dazu, sich selber mit den eigenen Finanzen auseinanderzusetzen, ein Haushaltsbuch zu führen, um die eigene finanzielle Situation besser einschätzen zu können. Er erklärt, was für Versicherungen wir auf jeden Fall haben sollten und auf welche man (rein finanziell betrachtet) eventuell verzichten kann. Immer erklärend, aber niemals belehrend.
Für Personen, die bereits Erfahrungen auf dem Gebiet haben, wird das Buch zu wenig tiefgreifend sein. Dennoch schadet es auf keinen Fall, einfach mal das Buch aufzuschlagen und eventuell das ein oder andere Thema nochmal nachzulesen.
Für Einsteiger:innen bietet der Inhalt eine perfekte Ausgangslage, um sich aktiv mit Finanzen auseinanderzusetzen.
Empfehlen kann ich alle Lernkanäle von Finanzfluss. Ob man sich nun für die Videos, den Podcast, das Buch oder eben eine Verbindung aus den drei verschiedenen Typen entscheidet, hängt sehr von den persönlichen Vorlieben ab. Ich mag die Mischung wirklich gerne und finde es toll, das Buch nun immer gleich griffbereit zu haben, um etwas nachzulesen. Ich lerne am besten, wenn ich etwas darüber lesen kann, um mir gleich Notizen neben dem Text zu machen, etwas zu highlighten oder kleine Page Marker an wichtigen Stellen anzukleben. Normaler Weise würde ich niemals in einem Buch, das ich nicht zum Lernen für die Uni gekauft habe, mit Stiften arbeiten, aber hier habe ich mir wirklich viele Dinge angestrichen und markiert, zum Beispiel, wie sich die Sparrate am besten errechnen lässt.
Zu viele Fragen, zu wenige Antworten
Four Houses of Oxford, Band 1 - Brich die Regeln von Anna Savas
Der Einstieg in die Geschichte gefiel mir noch relativ gut. Es werden schon zu Beginn viele Fragen aufgeworfen, die eine spannende Handlung versprechen.
Gefreut habe ich mich vor allem über Oxford als Handlungsort, für meinen Geschmack aber wurde der Ort nicht wirklich ausgeschöpft. Da immer wieder von „Dark Academia“ die Rede war, hatte ich mir noch ein wenig mehr Details und Beschreibungen gewünscht, um die Atmosphäre des Ortes mehr zu unterstreichen.
Und vor allem deutlich mehr Uni-Feeling, denn Harper hat eigentlich alles gemacht, aber studiert hat sie die gesamte Zeit über gar nicht. Insgesamt wird in vielleicht fünf Sätzen etwas relevantes über die Uni erzählt und dann auch nur, dass ihr Tutor ihr Materialien vorbeigebracht hat. Ich wünschte, mein Studium wäre auch nur vor den Seminarräumen auftauchen, dann vor Beginn wieder verschwinden und durch Zauberhand die Kurse bestehen ohne einmal in die Bücher beziehungsweise Materialien zu gucken.
Der gelegentliche Perspektivwechsel zwischen Harper und Finley hat mir gut gefallen. Ich mag es sehr, wenn man als Leser einen tieferen Einblick in die Charaktere bekommt und durch die Verwendung des Perspektivwechsel konnte ich Finley ein wenig besser verstehen und etwas über seine Vergangenheit und Gedanken lernen. Ein guter Kniff, den die Autorin passend umgesetzt hat.
Leider reichte aber Finleys Perspektive nicht aus, um ihn greifbarer zu machen. Er hat so viel durchleben müssen und eigentlich müssten schon alleine deswegen Emotionen genug vorhanden sein, aber er wirkt auf mich einfach austauschbar. Wenn ich versuche, ein Bild von ihm vor meinem inneren Augen entstehen zu lassen, passiert einfach nichts. Er wirkt einfach wie ein Hohlkörper, dem nicht genug Leben eingehaucht wurde.
Harper gefiel mir ganz gut als Protagonistin, sie hat mehr Tiefe als Charakter als Finley. Dennoch gab es viele Punkte, die mich an ihr störten, weshalb ich nicht wirklich einen Zugang zu ihr gefunden habe. Ihr Selbstbewusstsein fand ich toll, aber sie wirkte gleichzeitig sehr sprunghaft. An sehr vielen Stellen dachte sie das eine, handelte dann jedoch vollkommen gegensätzlich und blieb sich ihren eigenen Prinzipien nicht treu.
Absolut nicht nachvollziehbar fand ich das Verhalten von Finley und Harper. Beide kämpfen um ihren Herzenswunsch, um Dinge, die ihnen wirklich unheimlich wichtig sind. Und beide Wünsche finde ich an der Stelle tatsächlich absolut verständlich, da es größere, sehnsüchtigere Fragen sind, auf die sie eine Antwort erhalten wollen und diese bisher von niemanden gelöst werden konnten.
Aber sie setzen all das so leichtsinnig und dumm aufs Spiel. Warum zum Teufel reißen die beiden sich nicht mal fünf Minuten zusammen, halten sich an die Regeln, spielen das Spiel der vier Farben ordentlich mit und geben sich das Versprechen, danach mit der Vergangenheit aufzuräumen und an einer gemeinsamen Zukunft zu arbeiten? Ach ja, dann würde es keinen Plot mehr geben.
Bei mir kamen einfach keine Emotionen auf, die ganze Liebesdramatik wirkte platt, vorschnell und gefühllos. Da waren bei den Freundschaften zu Lexie und Cece deutlich mehr Emotionen zu spüren, die auch bei mir als Leserin ankamen.
Die zu Beginn angesprochenen Fragen, die viel Spannung versprachen, frustrierten mich leider immer mehr. Denn weder Harper noch Finley finden auf die Fragen Antworten und als Leser sitzt man einfach auf dem Trockenen. Warum wird wer weswegen als Mitgleid der vier Farben bestimmt? Woher kommen die Kräfte? Warum unternimmt die Uni nichts dagegen? Wie viele Mitglieder haben die vier Farben? Verliert man die Kräfte, sobald man die Uni verlässt oder rennen in der Weltgeschichte lauter Menschen mit den vier Fähigkeiten rum? Wie funktioniert das Magiesystem? Wer sind Harpers Eltern? Was passierte mit Finley Freund? Wer ist X?
Die meisten dieser Fragen wurden schon zu Beginn des Buches aufgeworfen und künstlich Spannung erzeugt, da sich die Beantwortung nur in die Länge zog. Und keine Frage wurde bisher beantwortet.
Ich bin eingefleischte Fantasy Leserin und schätze Bücher sehr, die über ein ausgeklügeltes Magiesystem verfügen, das dem Leser Stück für Stück nähergebracht wird. Diese Art der „Magie“ finde ich einfach nur enttäuschend.
Ach, das ist echt schade. Ich wollte das Buch echt mögen, aber leider hat es für mich einfach nicht gereicht. Ich fand das Buch nicht gut, aber ich würde nicht ausschließen, dass ich den zweiten Band nicht doch auch lesen werde. Ich mag es einfach überhaupt nicht, mit unbeantworteten Fragen alleine gelassen zu werden.
Nicht überzeugend
Legend Academy, Band 1 - Fluchbrecher von Nina MacKay
Legend Academy wurde mir von einer Freundin empfohlen und ich war sehr dankbar, dass ich über Netgalley das Hörbuch hören durfte.
Bisher habe ich von Nina MacKay noch nichts gelesen, aber ihre Bücher geistern ja immer wieder über die Startseite der diversen Leseplattformen.
Den Anfang der Geschichte fand ich noch ganz gut.
Klar, etwas verschroben wirkte Graylee schon, aber dadurch auch irgendwie mal ganz erfrischend als Protagonistin.
Leider konnte mich die Handlung dann jedoch nicht mehr wirklich überzeugen. Es passierte nach Einführung auf der Legend Academy überhaupt nichts wirklich spannendes mehr und selbst nach 70% des Hörbuchs fragte ich mich, was eigentlich die grundlegende Geschichte des Buches sein sollte. Bis dahin war es einfach nur ein bisschen Geplänkel zwischen Graylee und ihren Mitschüler:innen und erst zum Ende des Buches hin wurde die Handlung ein wenig spannender.
Graylee ist 4 Tage auf der Schule und langweilt sich im Unterricht nach so kurzer Zeit schon zu Tode. Obwohl sie erst vor Kurzem erfahren hat, in was für eine Welt sie hineingeworfen wurde? Ich würde vor Neugierde ja alles euphorisch in mich aufsaugen.
Die Lehrer interessieren sich keinen Deut für die Schüler:innen und obwohl sie immer wieder auf drohende Gefahren hingewiesen werden, drehen sie lieber Däumchen. Hm, klar, so kann man einen Plot auch zur Entwicklung zwingen. By the way: Wenn man sich (mal wieder) für einen Handlungsort in den USA entscheidet (wow, so innovativ und auf dem deutschen YA Markt noch nie dagewesen), sollte auch auf die dortigen Regeln geachtet werden. Verbeamtung von Lehrkräften ist ein ziemlich deutsches Ding.
Und Himmel, haben wir die Phase der bösen, bösen Oberzicke nicht spätestens 2010 begraben? Muss dieses Klischee wirklich immer wieder aus der „Finger weg!“-Kiste geholt werden? Und dann kann die Oberzicke auch noch Menschen bezirzen und nutzt die Fähigkeit natürlich dafür, (mehr oder weniger) heimlich ihre Mitschüler:innen zu demütigen. Schade, dass gerade eine Autorin noch solch primitiven Kniffe benutzt, um die eigene Protagonistin vor der Leserschaft besser dastehen zu lassen.
Ich liebe Kolibris und ja, ein paar Szenen mit ihnen fand ich wirklich komisch und auch gut durchdacht, aber ansonsten finde ich dieses zwanghafte Einbinden von oh so niedlichen Begleitern a la Disney einfach lächerlich.
Der Plot entwickelt sich viel zu langsam, er wird unnötig aufgebauscht und das Buch hätte um mindestens ein Drittel gekürzt werden können. Als Leser:in erfährt man viel zu wenig über die Welt, selbst Graylee weiß ja noch immer gar nichts. Schade, dass sich nicht die Zeit genommen wurde, die Welt logisch aufzubauen und zu erklären. Die Grundidee finde ich nämlich eigentlich sehr spannend und verlockend. Ich habe halt eine absolute Schwäche für Bücher mit mythologischen Elementen.
Pia-Rhona Saxe passte als Sprecherin gut zu der Geschichte und zu Graylee und hat mir wirklich gut gefallen.
Für begeisterte Leser:innen freut es mich hingegen sehr, dass der zweite Band schon im Oktober diesen Jahres erscheinen wird.
Ich konnte dem Buch leider nicht viel abgewinnen und werde besagter Freundin mal den Kopf zurechtrücken müssen :)
Abgrund und Wahn einer gebrochenen Seele
Der fürsorgliche Mr. Cave von Matt Haig
Die Bücher von Matt Haig haben schon immer widersprüchliche Gefühle in mir ausgelöst. „Wie man die Zeit anhält“ hat mir weniger gut gefallen, „Die Mitternachtsbibliothek“ habe ich geliebt. Aber noch nie zuvor hat ein Buch so viele Widersprüche in mir ausgelöst wie „Der fürsorgliche Mr.
Cave“.
Eine Bewertung des Buches ist wirklich schwierig. Ich habe das Buch verschlungen, den Protagonisten nicht ausstehen können, fand die Charakter mehr als nur schwierig, das Thema aber spannend. Ich wollte Mr. Cave selbst in einem Käfig sehen und habe anderseits gehofft, dass ihm schnell geholfen wird. Ein so ambivalentes Buch habe ich schon lange nicht mehr, eventuell noch nie, gelesen.
Terence Cave und seine Tochter Bryony haben furchtbares durchleben müssen. Erst der Tod der Mutter von Mr. Cave, dann der Tod seiner Frau und schließlich noch der Tod seines Sohnes und Bryonys Zwillingsbruders Ruben. Jeden von ihnen auf gänzlich unterschiedliche, aber grausame Art und Weise. So viele schmerzliche Verluste.
Ich habe Mr. Cave alles und auch wieder nichts zugetraut. Es gab Szenen, in denen ich mir den schlimmsten Ausgang ausgemalt habe, in denen er dann jedoch sehr zurückhaltend, fast liebevoll reagierte. Und dann wieder gab es Szenen, deren grausamer Schrecken erst nach und nach offenbart wurde.
Natürlich spitzt sich die Handlung zum Ende hin immer mehr zu und mehr und mehr werden die seelischen Abgründe, vor denen Terence Cave steht, aufgezeigt.
Was anfangs als liebevolle Geschichte um einen sorgenvollen Vater beginnt, wandelt sich schnell in einen ungesunden, bedrängenden und beraubenden Mann um, der alles daransetzt, seine Tochter zu besitzen.
Vermehrt spricht nicht mehr Sorge aus ihm, die nach solchen Schicksalsschlägen nachvollziehbar ist, sondern der sich seit Jahren einschleichende Wahnsinn.
Der Schreibstil ist wie von Matt Haig gewohnt einfach toll. Wortgewandt und einfühlsam wird man als Leser alleine von diesem herausragenden Stil komplett an das Buch gefesselt. Die häufige Verwendung der duzenden Ansprache bindet den Leser noch emotionaler an die Geschichte. Denn geschrieben ist das Buch aus der Sicht von Terence Cave, der oftmals direkt seine Tochter anspricht. Da aber selten ihr Name in dieser Ansprache genutzt wird, wird indirekt der Leser auffordernd angesprochen.
Matt Haig spielt mit seinen Figuren und dem Leser wie ein meisterlicher Puppenspieler. Ich fand das Buch nicht gut, ich fand es nicht schlecht. Mir fällt eine Bewertung einfach schwer. Die einzige Empfehlung, die ich an dieser Stelle aussprechen kann ist, dass sich jeder selbst ein Bild von diesem Roman machen muss, der wirklich niemanden unberührt zurücklassen wird.
Spannende Fortsetzung mit bekannten Schwachstellen
Keeper of the Lost Cities - Der Verrat (Keeper of the Lost Cities 4) von Shannon Messenger
Guilty Pleasure. Das war bisher ein Gefühl, das für Bücher von Cassandra Clare reserviert war. Das Gefühl, das ich weiß, dass die Bücher eigentlich schlecht sind. Und dass ich mich trotzdem jedes Mal wieder voller Vorfreude auf eines stürze, eine fantastische Lesezeit habe und nach Beenden des Buches immer mehr und mehr von der Geschichte haben will.
Und mit Keeper of the Lost Cities gilt dies nun für eine weitere Reihe.
Der vierte Band knüpft nahtlos an die Ereignisse am Ende des dritten Bands an und der Leser wird gleich mitten in die Handlung reingeworfen. Neben etlichen Abenteuern, die die Freunde rund um Sophie bestehen müssen, gibt es allerhand Geheimnisse, die aufgedeckt werden müssen, neue Rätsel, die gelöst werden wollen, und Bekanntschaften, die der Gruppe schaden wollen. Aber auch bekannte und neue Verbündete, die Sophie und ihren Freunden zur Seite stehen werden.
Wie auch schon in den anderen Bänden gibt es etliche Plotlinien und verschiedene Handlungsstränge, die im Buch behandelt werden. Denn Sophie erfährt viel Neues über Black Swan, die Welt der Elfen, den Hohen Rat und auch ihre Freunde entdecken ganz neue Seiten an sich und Geheimnisse über ihre Vergangenheit.
Die angesprochenen diversen Handlungsstränge machen das Buch zwar sehr spannend und abwechslungsreich, betrachtet man jedoch die vier Bände in ihrer Gesamtheit, ist auf dem Hauptstrang der Geschichte wirklich wenig passiert. Auf der einen Seite fühlt es dadurch so an, dass die Autorin die Geschichte unnötig aufbläst, auf der anderen aber gefallen mir diese kurzen Handlungen innerhalb der Geschichte doch auch wieder. Ja, auch die kleinen und kurzen Handlungsstränge tragen ihren Part zur Plotentwicklung bei, aber noch haben wir fünf Bücher vor uns. Und jedes Buch wird überladen sein mit Abweichungen von der eigentlichen Geschichte. Stört es mich? Nicht wirklich, immerhin gibt es so auch weiterhin viel Lesestoff über Sophie und ihre Freunde.
Die Kritik an den vorherigen Bänden bleibt weiterhin bestehen. Sophie bleibt ihrer Rolle als Little Miss Perfect treu, kann alles, versteht alles und ist besser als jede:r vor ihr. Ziemlich schlecht konstruiert von der Autorin, mittlerweile ist bei mir aber nur noch Resignation übriggeblieben. An der Perfektion von Sophie wird sich auch in den weiteren Bänden nichts ändern.
Und auch das Drama um Sophies Schwärmerei für Keefe und Fitz geht in eine neue Runde. Fitz nervt mich ohnehin (Team Foster-Keefe!) und auch in diesem Band beweist er wieder, dass er der unfehlbare Held an Sophies Seite ist. Wahrscheinlich wird er ohnehin das Rennen gegen Keefe machen, dann ist Team Perfect endlich vereint.
Aber Keefe ist einfach der viel interessantere Charakter, der mit vielen Baustellen zu kämpfen hat in seinem Leben. Und dennoch ist er ein so toller Kerl. Vor allem in diesem Band hat Keefe echt zu schlucken und ich bin bei ihm unglaublich gespannt, wohin die Reisen noch gehen mag.
Absoluter Pluspunkt in diesem Band ist mehr Zeit mit und für Dex. Nachdem er ja sehr vernachlässigt wurde, hat er endlich wieder mehr Platz in der Geschichte gefunden.
Und die neuen Charaktere gefallen mir bisher auch unheimlich gut. Ich bin sehr neugierig auf die Entwicklung der Charaktere in den nächsten Bänden.
Alles in allem hatte ich eine fantastische Lesezeit mit diesem Buch und kann es noch immer wärmstens empfehlen. Die Bücher haben auf jeden Fall etliche Schwachstellen, die jedoch durch eine durchweg spannende Handlung und (teilweise) tolle Charaktere abgemildert werden.











