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Kunden em pfehlungen

Rezensionen von C.P.:

Für junge (und junggebliebene) Detektiv:innen

Mord im Gewächshaus von Elizabeth C. Bunce

Eine junge Detektivin im viktorianischen London und ein Fall, für den sich scheinbar niemand zu interessieren scheint. Doch Myrtle Hardcastle lässt sich durch nichts und niemanden beirren – vor allem nicht von Erwachsenen! – und ermittelt weiter in dem Fall ihrer toten Nachbarin.

Myrtle ist eine wirklich sehr aufgeweckte Protagonistin mit einem sehr ausgeprägten Sinn für Gerechtigkeit und einer Spürnase für rätselhafte Begebenheiten.

In Myrtle habe ich eine Buchheldin gefunden, die ich gerne meinen Kindern zeigen würde – sofern ich denn welche hätte. Aber sie ist die Protagonistin, die ich als junges Mädchen geliebt hätte. Von ihrer Art und Weise erinnerte sie mich stark an Calpurnia aus Calpurnias (r)evolutionäre Entdeckungen von Jacqueline Kelly. Beide sind sehr intelligente, wissbegierige Mädchen, die die Welt mit anderen Augen sehen. Myrtle ist neugierig, hungrig auf mehr und mehr Wissen und unerschrocken.
Und auch die anderen Charaktere haben mir sehr gut gefallen. Die Autorin hat die Nebencharaktere ebenso detailverliebt beschrieben, so dass alle sehr farbenfroh wirkten, mit Ecken und Kanten, nicht bloß blass und als reines Mittel zum Zweck geschrieben.
Allen voran natürlich Miss Judson, die Gouvernante von Myrtle, die doch so anders ist, als man sich klischeebehaftet eine Gouvernante vorstellt.
Auch die Diversität der Charaktere ist mir positiv aufgefallen.
Ein bisschen geschmälert wird meine sonst sehr positive Meinung von Myrtle nur dadurch, dass sie von der Autorin als „keines dieser Mädchen“ beschrieben wird. Die anderen Mädchen in Myrtles Alter und Umfeld sind blöd, gemein, interessieren sich nur für langweilige Sachen und wollen andauernd Tee trinken. Einen kleinen Hoffnungsschimmer gab es immerhin zum Ende hin, aber diese Form der „Einzigartigkeit“ von Myrtle ist mein wirklich kleiner Kritikpunkt an der Charakterisierung.

Der Plot hat mir gut gefallen. Das Tempo ist an der ein oder anderen Stelle vielleicht etwas ins Stocken geraten. Aber dies fällt im Gesamten wenig ins Gewicht.
Zum Ende der Handlung hin gab es einen Plottwist, den ich so nicht habe kommen sehen. Darüber habe ich mich unheimlich gefreut, da ich in letzter Zeit viel zu viele sehr vorhersehbare Krimis gelesen habe. Auf Goodreads habe ich mir nach Beenden des Buches etliche Rezensionen durchgelesen und anderen Lesern scheint es eher anders gegangen zu sein. Ich für meinen Teil war über die Wendung und Überraschung jedoch begeistert.

Sehr gut gefallen haben mir die vielen Fußnoten, in denen die Autorin Wörter und Gegenstände näher erklärte. Mir ist wirklich sehr positiv aufgefallen, dass die Autorin in der Beschreibung der Welt um Myrtle sehr detailgetreu und zeitgemäß (für damalige Verhältnisse) geblieben ist und sich dazu entschlossen hat, die Begrifflichkeiten zu verwenden und an gegebener Stelle zu erklären. So habe auch ich noch lernen können, was Posamente (geknotete Verschlüsse aus Seide) sind.

Ich kann das Buch jungen Detektiv:innen nur empfehlen! Und auch für den ein oder anderen Erwachsenen wird dieser Cozy Crime Roman etwas sein.
Ich freue mich nun sehr auf die weiteren Bände rund um Myrtle und ihre Abenteuer.

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Wunderbar detailreicher Schreibstil und anders als erwartet

Butter von Asako Yuzuki

Erwartet habe ich auf Grund des Klappentextes eine ganz andere Art der Geschichte.
„Butter“ ist ein Buch, auf das ich mich wirklich erst einmal einlassen musste. Aber dann harmonierte es zwischen uns bis auf vereinzelte Szenen und Themen sehr gut.

Angelockt von der Beziehung einer Journalistin zu einer vermeintlichen Serienmörderin, versprach ich mir eine sehr spannungsgeladene Atmosphäre und das Aufklären eines interessanten Falles.

Getoppt wurde diese Erwartung dann noch mit der Aussicht auf einen kulinarischen Bezug. Ich liebe Kochen und gutes Essen, vor allem in Gesellschaft.
Anfangs noch war ich überzeugt, dass meine Erwartungen erfüllt werden würden, erst nach den ersten hundert Seiten dämmerte mir so langsam, dass ich das Buch falsch eingeschätzt hatte.
Die Zubereitung von Speisen und Essen, allen voran das titelgebende Nahrungsmittel, nahmen einen deutlich größeren Raum ein als anfangs erwartet. Dies ist ein Punkt, der mir aber unheimlich gut gefiel. Ich mochte die detaillierten Beschreibungen der Gefühle und Emotionen der Protagonistin Rika beim Einkaufen für, Kochen und Essen der Speisen. Nahrungsmitteln und ihrem Zusammenspiel wurden herrlich beschrieben und einer fast ergebenen Aufmerksamkeit zu teil.
Auf der anderen Seite jedoch hatte ich mich sehr im Fall der vermeintlichen Serienmörderin getäuscht. Ich hatte erwartet, dass der Fokus komplett auf dem Fall Manakos ruhen würde, doch es geht viel mehr um zwischenmenschliche Komponenten und das Leben von Rika.
Im Nachhinein empfinde ich meine eigenen Erwartungen als abgestumpft und abgesättigt und freue mich sehr, dass „Butter“ einen wirklich frischen Wind bringt und mich sehr überraschen konnte.

Doch nicht alles hat mir so gut gefallen. Viele der im Buch angesprochenen Themen spiegelten ein ganz anderes Bild wider als ich es mir von einem Buch wünschen würde. Die wahnhafte Fixierung auf Kalorien, das Gewicht und die Figur von Frauen – niemals von Männern! – war einfach nicht angenehm zu lesen. Ja, es geht im Buch viel darum, das klischeebehaftete Denken aufzubrechen. Dabei aber noch immer zu zögernd und auch viel zu wertend. In einem Ausmaß, das einfach zu gering ist für ein selbstreflektiertes und selbstbestimmtes Denken im Jahr 2022. Natürlich kann an dieser Stelle argumentiert werden, dass Kulturen verschiedene Meinungen und Auffassungen vertreten. Doch für mich persönlich ist das ständige Thematisieren einer Zunahme oder das Werten der Figur einer anderen, weiblichen Person fast unerträglich gewesen.
Es ist eine Gesellschaftskritik, die mir persönlich ein wenig zu lasch ausfällt. Was ich jedoch auf meine eigene sehr starke Meinung zum Körperbild und Selbstbestimmung einer Frau, sowie Feminismus als solchem zuschreibe, und definitiv nicht einer eventuellen Vorsicht der Autorin.

Der Schreibstil aber ist einfach einmalig. Das Erzähltempo ist eher ruhig, ohne jedoch zu sehr zu langweilen.
In der Handlung und Gedankenwelt von Rika gab es manchmal ein paar Sprünge, die ich nicht ganz verstanden habe, beziehungsweise sind mir oft erst ein paar Sätze später die wahren Bedeutungen vereinzelter Plottwists aufgegangen. Es steckt sehr viel Detail und Nuancen im Schreibstil, die die volle Aufmerksamkeit des Lesers erfordern.
Begeistert bin ich wie oben schon angedeutet von der Hingabe mit der Rezepte und Lebensmittel beschrieben wurden. Ich hatte hier eine wahre Freude beim Lesen!

„Butter“ war ganz anders als ich erwartet hatte und dabei so viel besser als ich es mir hätte vorstellen können.

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Vergnügliche Lesestunden, leider nicht gänzlich überzeugend

2 Seelen. Das erste Buch der Unsterblichkeit von Rose Snow

Ich liebe Fantasybücher, mein halbes Regal besteht aus den großen Namen des Genres und ich kann mich einfach am besten in einem Buch verlieren, dessen Seiten hachdünn sind, damit all der Inhalt überhaupt zwischen zwei Buchdeckel passt. Was ich aber wirklich überhaupt nicht leiden kann, ist Romantasy.

Dafür kann dieses Buch natürlich nichts, schließlich habe ich es ganz freiwillig gelesen. Deswegen werde ich in dieser Rezension mal all die Vorurteile, die ich gegenüber Romantasy-Büchern habe, beiseite schieben und mich nicht Zeile für Zeile darüber augenrollend beschweren, dass es wirklich wenig innovativ ist, den Bad Boy zu schreiben, in den sich die Protagonistin trotz Hin und Her natürlich verlieben wird. Nur dieses eine Mal konnte ich mir den Kommentar nicht verkneifen.
Nach einer absoluten Leseflaute bin ich derzeit auf einem Hoch angelangt und lese so viel, wie in den letzten Monaten zusammengerechnet. Und genau das ist bei mir immer der Zeitpunkt, auch mal Bücher auszuprobieren, die ich ansonsten niemals lesen würde. Gott sei Dank mache ich das so, schließlich wären mir sonst etliche Bücher entgangen, die entgegen meinen Vorurteilen wirklich toll waren – One True Queen zum Beispiel hat mich absolut begeistern können.
Und ich hatte auch mit diesem Buch wirklich sehr vergnügliche Lesestunden. Aber leider gab es auch inhatlich ein paar Schwächen, die mir weniger gut gefielen.

Was ich super interessant finde, ist das Konstrukt der Seelen. Ich finde diesen Ansatz wirklich spannend und würde hier gerne noch mehr darüber erfahren. So ganz reichen mir die Erklärungen bisher nicht, aber ich setze meine Erwartungen diesbezüglich auf Band zwei.
Auch die Clans fand ich super, vor allem, dass Zugehörigkeit zu einem Clan durchaus wechseln kann und nicht starr festgelegt ist wie durch zum Beispiel die Geburt in einen Clan hinein.
Weniger gut gefallen hat mir hingegen die Protagonistin, auch wenn sie einen wirklich ganz wundervollen Namen hat. Ich wurde mit Kela einfach nicht ganz warm. Irgendwie wirkt sie nun nach Beenden des Buches sehr farblos und mir wird wenig von ihr in Erinnerung bleiben. Sie hat wenig, was sie als Charakter ausmacht. Außer einem Ordnungswahn, dessen Zweck ich eher unpassend finde. Bitte nicht falsch verstehen, ich finde es absolut verständlich, dass Kela nach allem, was ihr passiert ist, Trauerbewältigung leisten muss. Weshalb sie auch zu Beginn zur Therapie geht, was mir gut gefallen hat. Und auch wenn so etwas immer sehr individuell ist und es kein Schema gibt, nach dem Trauer bewältigt wird, so gehört doch ein wenig mehr Tiefe dazu als „hihi, ich muss die Buntstifte nach Farbe sortieren“. Ich finde es unheimlich gut, wen Autor:innen sich mit psychischen Krankheiten und Krankheitsbildern auseinandersetzen und in Geschichten einweben, um zu zeigen, dass Erkrankte nicht alleine sind und so ein Zeichen der Inklusion gesetzt wird. Das war hier aber definitiv nicht der Fall.
Aber ihre Beziehung zu ihrer Familie und allen voran zu ihrem Bruder hat mir sehr gut gefallen. Diese hat mich um ehrlich zu sein deutlich mehr berührt als die zum superheißen Bad Boy.
An den Nebencharakteren hat mich vor allem gestört, dass sie so vorhersehbar konstruiert wurden. Wer als irgendwie unheimlich und gemein zu Beginn vorgestellt wird ist - Überraschung! – wirklich so gemein und fies.
Leider haben mir bei etlichen Szenen auch die Authentizität gefehlt. Wer seit kurzem erst ernsthaft trainiert, wird niemals in einem Kampf gegen einen Unsterblichen bestehen, der seit Ewigkeiten trainiert. Das ist einfach unlogisch und ich störe mich sehr an solchen Szenen.
Den Schreibstil fand ich angenehm zu lesen, der Humor gefiel mir passagenweise auch ganz gut.
Ich bin nicht restlos überzeugt, aber werde auf jeden Fall den zweiten Teil lesen und freue mich sogar schon darauf.

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Falsche Erwartungen

The Maid von Nita Prose

Ich bin nicht die große Krimi-Leserin, aber Cosy Crime Bücher sind für mich immer ein toller Ausgleich für stressige Phasen oder Leseflauten. Ich liebe es, miträtseln zu können und neben dem Verbrechen auch mehr über die Charaktere zu lernen. Aber es war vielleicht ein Cosy Crime Roman zu viel in letzter Zeit, da mich dieses Buch im Gegensatz zu den anderen in diesem Jahr nicht gänzlich überzeugen konnte.

Ich möchte an dieser Stelle anmerken, dass ich zu diesem Buch einige Meinungen anderer Leser gelesen habe und mir vor allem im internationalen Raum die Diskussion über die Neurodiversität der Protagonistin dabei aufgefallen ist. Da ich mich persönlich zu wenig mit dem Thema beschäftigt habe, verweise ich für mehr Informationen über diesen Aspekt des Buches an die vielen hervorragenden Rezensionen auf Goodreads.

Molly ist ein ganz eigener und hervorragender Charakter in diesem Roman. Denn als Krimi würde ich dieses Buch ganz und gar nicht einordnen. Es ist ein Cosy Crime Roman, der vermehrt aus dem Leben einer besonderen Protagonistin erzählt und bei dem etwaige Krimi-Aspekte wirklich weit in den Hintergrund treten.
Der Prolog begann wirklich sehr spannend. Zimmermädchen bekommen nochmal eine ganz andere Seite von Hotelaufenthalten mit und ich fand es sehr vielversprechend, was für Dinge durch den Ausblick auf die eher geheimnisvolle und düstere Seite von Hotels schon zu Beginn aufgeworfen wurden. Leider verpuffte dieses Versprechen im Nichts. Auch der Untertitel „Ein Zimmermädchen ermittelt“ und die Zusätze „Sie kennt deine Geheimnisse; Sie findet die Wahrheit“ versprachen mir ein ganz anderes Buch.
Was sehr schade ist, denn Mollys Geschichte an sich ist interessant und teilweise tragisch und hätte diese künstliche Aufbauschung gar nicht gebraucht. Doch durch die Aufmachung und Einführung in das Buch wurden bei mir falsche Erwartungen geweckt.

Die Nebencharaktere fand ich sehr durchwachsen. Ein paar von ihnen fand ich ganz großartig beschrieben und wirklich toll, aber da das Buch in der Ich-Perspektive geschrieben ist, sind Charaktere entweder gut oder böse oder aber Mollys falsche Einschätzung eines Charakters ist dem Leser sofort klar. Das ist natürlich wenig spannend, auch wenn es durch die Ausarbeitung von Mollys Charakter durchaus beabsichtigt war. Für mich passt es nur nicht zu dem angepeilten Genre. Sehr schade, wenn man den Schritt weg vom Krimi genommen hätte und sich rein auf die Schwierigkeiten fokussiert hätte, die leider noch immer für Personen in unserer Gesellschaft herrschen, die ein wenig von der „Norm“ abweichen, hätte es deutlich besser funktioniert.

Ich bin eigentlich ein großer Fan von Plottwists und die Autorin hebt sich eine wirkliche Überraschung für den Schluss auf. Aber das Ende hat mir leider gar nicht gefallen. Sonst habe ich in einem solchen Fall etwas daran auszusetzen, dass alles so vorhersehbar war oder der Plottwist sehr zusammengeschustert wirkt. Hier aber liegt es ausnahmsweise einmal an der Protagonistin. Molly wurde als ein Charakter aufgebaut, der zum Ende hin so gegen ihre eigene Vorstellung von Moral und Regeln für ihr Leben verstößt, dass es mir wenig authentisch vorkommt und einfach nicht passend, wie letztendlich Handlungsstränge aufgelöst wurden.

Ich habe alles in allem leider mit einer etwas anderen Geschichte gerechnet.

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Rasanter dritter Band

Keeper of the Lost Cities - Das Feuer (Keeper of the Lost Cities 3) von Shannon Messenger

Erst vor wenigen Tagen beendete ich den zweiten Band der „Keeper oft he lost Cities“-Reihe, nun musste auch in rasantem Tempo der dritte Band schon dran glauben.
Ich mag die Reihe rund um Sophie und ihre Freunde wirklich sehr gerne.

Nach wie vor bleiben bei der Reihe zwei Dinge sehr konstant: meine Kritik an Sophie und das Verlangen nach noch mehr aus der Welt der Elfen.

Nach wie vor ist Sophie viel zu überzeichnet als Protagonistin. Da die Reihe immer wieder für Fans von „Harry Potter“ empfohlen wird, versuche ich es auf der Ebene einmal miteinander zu vergleichen.
Harry ist ein durchschnittlich guter Schüler, streitet sich auch mal ziemlich mit seinen Freunden, gerät in wirklich abenteuerlichen Schlamassel und kann letztlich doch fast unbeschadet aus Situationen entkommen. Für Sophie gilt genau dasselbe, mit dem Unterschied, dass sie absolut unfehlbar ist und immer wieder diejenige ist, die sich, ihre Freunde und die Welt rettet. Harry macht ziemlich dumme Fehler, benimmt sich wie ein absoluter Idiot und hat – wie selber von ihm festgestellt – eigentlich immer jemanden, der ihm aus der Patsche hilft. Harry kann Verteidigung gegen die dunklen Künste gut, doch ist was andere magische Fähigkeiten angeht durchschnittlich begabt. Kurz um, Harry ist ein Trottel, der durchaus mal einen Höhenflug hinlegt (und mein Potter-Herz bricht etwas bei diesem Satz).
Sophie aber ist auf einem permanenten glitzernden Höhenflug, bekommt an jeder rosa flausche Wolke noch eine Fähigkeit extra und die kurzen Unterbrechungen ihres Höhenflugs werden relativ zügig wieder beglichen. Sophie ist ein Schweizer Taschenmesser mit genau den richtigen Fähigkeiten, die nach Belieben ein- oder ausgeklappt werden.
Es wurde in diesem Band an einer Stelle wirklich sehr spannend, was Sophies Fähigkeiten angeht, und auch wenn ich die Auflösung dieser Situation ganz toll fand, war es doch ein wenig schade, dass diese schon so früh vorkam.

Auch wenn ich mich inzwischen wirklich als Fan der Reihe bezeichnen würde und ich die Handlung einfach toll finde, habe ich auch hier eine Schwierigkeit. Die Handlung wirkte auch in den ersten beiden Büchern sehr konstruiert, was ich ok finde, schließlich ist sind es immer noch Kinderbücher. Aber das Drama in diesem Band wirkte ein Ticken zu viel konstruiert auf mich. Little Miss Perfect erlaubt sich einen so dummen Fehler, den ich schon vorausahnen konnte und dann entnervt aufstöhnte, als es sich tatsächlich so zutrug wie befürchtet.
Aber fairer Weise muss ich hier gleich einhaken und zugeben, dass es durchaus andere Stellen im Buch gab, bei denen ich fürchtete, dass sie künstlich in die Länge gezogen oder als Cliffhanger für die weiteren Bände genutzt werden und wurde mehrmals überrascht, dass die Autorin wirklich tolle und gute Plottwists nicht unnötig hinauszögerte oder ausschlachtete.

Und jetzt genug zur Kritik. Hier noch Punkte, die ich einfach sehr gelungen fand.
Ich liebe den Umgang von Edaline und Grady mit Sophie. Die beiden sind mir sehr ans Herz gewachsen und ich fand es so schön, dass die Beziehung der drei zueinander in diesem Band noch einmal mehr vertieft worden ist.
Keefe ist wie immer grandios (Team Foster-Keefe!) und obwohl er an einigen Stellen in diesem Band sehr schwer schlucken musste, bleibt er sich und seinen Prinzipien treu. Ich fand es auch toll, Keefes etwas verletzlichere Seite kennenzulernen. Auch wenn ich ihn immer noch für seine Aufmüpfigkeit am meisten mag.
Generell spielt natürlich Freundschaft auch in diesem Band eine große Rolle und ich fand es herrlich, dass Dex ein paar mehr Auftritte hatte als im zweiten Band.
Geheimnisse, die lange nicht aufgeklärt waren, wurden endlich gefunden und gelöst und ich bin so gespannt, was die weiteren Bände noch für Rätsel mit sich bringen! Denn drei von zehn Bänden sind nun erst geschafft, zum Glück erscheint der vierte Band bereits diesen Monat noch auf Deutsch!

Nach wie vor eine wirklich tolle Reihe, die jedem Kind oder Jugendlichen gefallen wird. Schließlich wird echt eine Menge geboten!

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Grundidee überzeugt, Umsetzung leider nicht immer

Die unhöfliche Tote von S J Bennett

Um ehrlich zu sein kann ich mit dem britischen Königshaus so gar nichts anfangen und den regelrechten Hype um die Mitglieder des Königshauses nicht verstehen. Aber ich mag den britischen Humor sehr gerne und wer in Isolation sitzt, ist nicht mehr so ganz wählerisch bei der Auswahl des Unterhaltungsprogramms.

Obwohl ich den ersten Teil der Reihe nicht gelesen habe, kam ich sehr gut in die Geschichte rein. Die Grundidee, dass die Queen Detektivin spielt und gekonnt Rätsel löst, fand ich anfangs sehr skurril, habe jedoch im Laufe der Geschichte immer größeren Gefallen daran gefunden.
Das liegt zum einen an der unterhaltsamen Darstellung der Charaktere, als auch daran, dass die Queen – nicht wie zuvor von mir angenommen – eher eine größere Nebenrolle spielt als die Protagonistin zu sein.

Was mir etwas schwerer fiel war, die Nebencharaktere zu unterscheiden. Es mag daran gelegen haben, dass ich das Hörbuch gehört habe, aber ein Großteil der männlichen Nebencharaktere wirkte auf mich wie ein und dieselbe Person. Dadurch, dass ich sehr viel High Fantasy lese, wo sich Charaktere so schnell abwechseln wie Staffelläufer auf hundert Metern, bin ich es durchaus gewohnt, viele Namen zu lesen und auseinanderzuhalten. Aber hier fügten sich gleich mehrere Männer zu einem alten weißen Mann in meinem Kopf zusammen und bei den Namen kam ich irgendwann nur noch durcheinander.
Ausgeglichen wurde dies jedoch wieder durch Rozie, die ein wirklich toller Hauptcharakter war. Ihre intelligente und humorvolle Art gefiel mir sehr gut.

Den Plot fand ich mäßig spannend, da sehr schnell klar war, wer was getan haben soll. Die Auflösung dessen zog sich dann sehr in die Länge. Einzelne Handlungsstränge hingegen fand ich durchaus spannend.
Den Buckingham Palace als Handlungsort fand ich hingegen super und konnte als großer London Fan auch noch das ein oder andere Detail über bestimmte Orte lernen.
Auch wenn ich die Grundidee der im Hintergrund ermittelnden Queen ganz gelungen fand, war die Umsetzung für mich nicht immer ganz stimmig. Die Autorin hat sich spürbar mit der Queen und dem Königshaus auseinandergesetzt, dennoch finde ich es schwierig, einer lebenden Person Worte in den Mund zu legen, Handlungen zu erklären und Meinungen auszusprechen. Es ist ein schmaler Grat zwischen der Kunstfigur und der lebenden und auch wenn die Autorin es in meinen Augen grundsätzlich gut umgesetzt hat, bleibt im Hinterkopf immer der Zweifel. Mit ihrer Darstellung der Queen hat mich die Autorin deshalb nicht gänzlich überzeugen können.

Normaler Weise würde ich es nicht wagen, eine Reihe mitten drin zu beginnen. In diesem Fall war es jedoch genau die richtige Entscheidung, da ich nun auf jeden Fall noch mein Versäumnis nachholen möchte und den ersten Band demnächst lesen werde.

Alles in allem ist es ein wirklich guter Cosy Crime Roman, der mit einer skurrilen, aber durchaus spannenden Grundidee aufwarten kann. Auch wenn ich die Umsetzung nicht immer ganz gelungen fand, so werden Leser:innen, die sich deutlich mehr als ich mit dem britischen Königshaus beschäftigt haben, durchaus ihre Freude an dieser Geschichte finden.

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Grandiose Rückkehr des Donnerstagsmordclubs

Der Mann, der zweimal starb von Richard Osman

Nachdem mich schon der erste Band rund um die Senioren des Donnerstagsmordclubs so begeistert hat, freute ich mich schon sehr auf unterhaltsame Lesestunden.
Vieles am ersten Band hat mich sehr überraschen können, weshalb meine Erwartungen an dieses Buch relativ hoch waren.

Schnell ist man als Leser:in wieder mitten drin im abenteuerlichen Leben des Quartetts aus Elizabeth, Joyce, Ibrahim und Ron.

Denn Ruhe und dröger Alltag ist zumindest für diese vier Bewohner der Seniorenresidienz „Coopers Chase“ ein absolutes Fremdwort. Wie aus dem nichts taucht Elizabeths Ex-Mann, ebenfalls Geheimagent, auf und ab diesem Zeitpunkt jagen sich die Ereignisse nur so. Diamanten, Drogen, Morde, Intrigen, Verrat und die große Frage: Sollte Joyce sich einen Hund aus dem Tierheim holen?

Zu einem solch reichhaltigen Plot gesellt sich britischer Humor und ein Sammelsurium an liebenswerten Charakteren. Für mich eine absolut gelungene Mischung!
Erstaunlicher Weise hat mir dieser Band sogar noch einen kleinen Ticken besser gefallen als der erste. Ich mag die vier einfach. Auch wenn Elizabeth immer noch zu viel einer Mary Sue an sich hat, immer die Lösung parat, immer einen Schritt voraus, immer ungeschlagen und immer das Werkzeug, um alle Dinge zu lösen.
Es gab in diesem Band viele Elemente, die ich sehr mochte, kleine Plot Linien, die zu einem tollen Gesamtbild beitrugen. Zum Beispiel, wie es sich anfühlen kann, wenn man seine eigenen Grenzen überschreitet und was für einen Auftrieb einem das Gefühl geben kann, sich mehr zu trauen. Und wie fragil dieses Gefühl ist, da es uns so schnell wieder genommen werden kann. Oder, dass es verständlich ist, sich einsam zu fühlen, allein zu sein obwohl man umgeben von Menschen ist. Und das eine Therapie wirklich viel Gutes bewirken kann. Oder wie furchtbar es ist, einem geliebten Menschen dabei zusehen zu müssen, wie er immer mehr der Demenz verfällt.
Und obwohl diese Themen durchaus ernst sind, vielleicht sogar zu traurig klingen, ist die Geschichte so positiv und nimmt sich dieser auf eine wirklich tolle und verständnisvolle Weise an. Ohne jedoch in eine toxische Positivität abzudriften.

Das Tempo ist etwas rasanter als der erste Band und vor allem das letzte Viertel hat mich absolut in Beschlag genommen. Aus der Hand legen konnte ich das Buch zu dem Zeitpunkt auf gar keinen Fall mehr und musste einfach immer weiter lesen.
Zu dem etwas rascheren Tempo tragen auch die vielen eher kurzen Kapitel und die Abwechslung der Handlung bei. Meist ist das Buch abhängig vom jeweiligen Charakter in Perspektive des personalen Erzählers geschrieben, Joyce hingegen hat öfters Kapitel als Ich-Erzählerin, da sie wie auch im ersten Band den Leser wieder an ihren Gedanken teilhaben lässt, die sie in ihr Tagebuch schreibt. Als personaler Erzähler treten natürlich überwiegend unsere Senioren auf, doch auch die Mitglieder der Orts angehörigen Polizei, Chris und Donna, oder sogar der ein oder andere Bösewicht. Mir gefiel dieser Perspektivwechsel sehr gut.
Der Schreibstil ist sehr angenehm zu lesen, phasenweise eher umgangssprachlich.

Ich bin sehr erleichtert, dass es in absehbarer Zeit einen weiteren Band geben wird. Wer den ersten Band mochte, der wird mit diesem auch seine große Freude haben. Wer dem britischen Humor verfallen ist und Cosy Crime Leser:innen kann ich diese Reihe nur wärmstens empfehlen.

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Ein Jahreshighlight voller fantastischer Elemente und tollen Charakteren

Die Stadt ohne Wind 1 - Arkas Reise von Éléonore Devillepoix

Erneut konnte mich ein Buch des Insel Verlags restlos begeistern. Vor ein paar Tagen erst habe ich „Die Sternenleserin und das Geheimnis der Insel“ beendet und mich darauf sofort in das Abenteuer rund um Arka und Lastyanax gestürzt – und bin restlos begeistert.

In Arka habe ich eine sehr ausdrucksstarke und unabhängige Protagonistin gefunden, die ich sehr gerne begleitet habe.

Unbeirrbar setzte sie ihren Weg fort und ließ sich trotz etlicher Schicksalsschläge nicht unterkriegen.
Auch Lastyanax mochte ich sehr. Arka und er sind so verschieden, ergänzten sich aber wirklich großartig.
Und auch die Nebencharaktere fand ich spannend. Selten sind die Charaktere schwarz-weiß gewesen, sondern wurden gut durch ihre Stärken und Schwächen charakterisiert. Nicht nur ein Nebencharakter konnte mich durch unvorhergesehene Handlungen überraschen. Ich hoffe, im nächsten Band wieder auf ein paar bekannte Gesichter zu stoßen, denn es gibt mehrere Nebencharakter von denen ich gerne wissen würde, wie die Geschichte um sie weitergeht.

Das World Building konnte mich absolut überzeugen. Hyperborea ist ein sehr durchdachter Handlungsort, der so einige Überraschungen vorweisen konnte. Sehr detailreiche Beschreibungen ließen die Stadt immer authentischer werden.
Ein wenig schade fand ich es, dass es keine Karten gegeben hat. Das Bedürfnis, auf einer Karte nachzusehen, in welcher Entfernung die in der Handlung vorkommenden Orte lagen, verspürte ich nicht nur einmal.

Das Magiesystem fand ich sehr interessant und mit verschiedenen magischen Richtungen gut umgesetzt. Ein wenig Potential sehe ich aber für den nächsten Band, die Magie etwas mehr noch zu beleuchten. Dennoch waren in diesem Buch genügend spannende Ansätze zu finden.

Die Geschichte hat so viel vorzuweisen. Zum einen wäre da eine „klassische“, magische Ausbildung an einer Schule, unzählige Abenteuer, Geheimnisse, sehr viel phantastische Elemente und dann auch noch ein Kriminalfall. All dies harmonierte sehr stimmig miteinander und ich verschlang Seite um Seite, immer auf der Suche nach dem Täter oder der Täterin an der Seite von Arka und Lastyanax.

Ich kann nun kaum das Erscheinen des zweiten Bandes im Mai des nächsten Jahres erwarten.
Empfehlen kann ich das Buch aus ganzem Herzen. Für mich ist es (erneut) ein Jahreshighlight aus dem Insel Verlag!

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Über Freundschaft und mythische Sagen

Die Sternenleserin und das Geheimnis der Insel von Kiran Millwood Hargrave

Der Insel Verlag hat mich mit der Reihe rund um die Spiegelreisende so begeistern können und ich war sehr gespannt darauf, ob mir noch einmal ein Buch aus dem Verlagsprogramm so gut gefallen würde.
Bei der Sternenleserin hat mich vom ersten Moment einfach alles angesprochen; Inhaltsangabe, Cover und Titel klangen so verlockend, dass ich es kaum abwarten konnte, vollends in die Geschichte einzutauchen.

Während die Handlung zu Beginn etwas langsam anläuft, um dem Leser die Zeit zu geben, sich etwas zurecht zu finden, nimmt die Geschichte rund um Isabella sehr schnell an Fahrt auf.
Isabella ist eine tolle Protagonistin, nimmt sie es mit ihren jungen Jahren doch mit weitaus bedrohlicheren und älteren Menschen und Wesen auf. Unerschrocken, aber nicht naiv hält sie an ihren Überzeugungen fest und lässt sich nicht beirren.
Auch Lupe, Isabellas beste Freundin, konnte mich begeistern. Beide Mädchen kämpfen in ihrer eigenen Welt gegen Probleme und Restriktionen an, sehen manchmal nicht die Grenzen der jeweils anderen, aber finden sich immer wieder. Eine wirklich schöne Geschichte über die Freundschaft.
Ich merkte kaum, wie schnell ich mich dem Ende des Buches näherte. Das liegt zum einen daran, dass auf den Seiten relativ wenig Text steht, zum anderen jedoch ist es ganz eindeutig der ungemein spannenden Handlung zuzuschreiben.
Schlag auf Schlag gerät der Leser an Isabellas Seite in immer aufregendere Abenteuer und nähert sich dem Rätsel um die Insel und Karten an.
Auch wenn ich sehr begeistert von der Handlung an sich bin, so muss ich jedoch anmerken, dass mir das World Building etwas zu kurz gekommen ist. Ich persönlich hätte mir eine etwas tiefergehende Beschreibung der Insel und der Welt um sie herum gewünscht, doch ist dies nur als Anmerkung gemeint. Da es sich um ein Kinderbuch im weitesten Sinne handelt, würde ich hier die Abstriche in Kauf nehmen.
Außerdem finde ich das Buch passagenweise echt brutal. Es wird vom Verlag als Kinderbuch gelistet und hat in dem Genre auch mehrere Preise erhalten, doch würde ich es definitiv jugendlicheren Lesern empfehlen. Als Trigger Warnung für Kinder sind an dieser Stelle Gewalt, Tod und Blut zu nennen.

Wie bereits oben angesprochen, sind die Seiten nicht mit all zu viel Text beschrieben, was daran liegt, dass sich überall kleine Figuren, Symbole und Markierungen befinden. Zusätzlich befinden sich drei Karten innerhalb des Buches und auf den Innenseiten der Buchdeckel nochmals zwei toll ausgearbeitet Karten der Insel Joya. Normalerweise erwähne ich solche Dinge nicht in Rezensionen, aber bei diesem Buch rundete es einfach perfekt die Stimmung ab.

Ich habe erneut die Bestätigung erhalten, dass die Auswahl und Bücher des Verlags vollkommen meinen Geschmack treffen. Bisher habe ich nur von der Hobbit Presse blind Bücher gekauft und absolut geliebt, doch nun zählt auch der Insel Verlag dazu.
Ich freue mich ungemein auf die weiteren Bücher des Verlags – zum Glück liegt „Die Stadt ohne Wind“ noch ungelesen in meinem Regal.

Ich kann das Buch von Herzen empfehlen, auch wenn ich - wie bereits angesprochen - das Buch nur bedingt für Kinder empfehlen würde.

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Leider mit einigen Schwachstellen, aber trotzdem mit Sogwirkung

Vergissmeinnicht - Was man bei Licht nicht sehen kann von Kerstin Gier

Kerstin Gier konnte mich wie viele andere auch mit der „Edelstein“-Trilogie sehr begeistern, doch meine hohen Erwartungen an die „Silber“-Reihe konnten damals nicht ganz erfüllt werden. Aus diesem Grund habe ich es vermieden, mir zu „Vergissmeinnicht“ andere Rezensionen oder gar den Klappentext durchzulesen, um bloß keine Erwartungen zu wecken und vollkommen überrascht zu werden von dem Buch.

Und das hat sich absolut gelohnt!
Leider hatte ich jedoch auch meine persönlichen Probleme mit der Geschichte. Diese lassen sich in diesem Fall nur durch Spoiler erklären, weshalb ich in dieser Rezension leider dazu gezwungen bin, mich detailliert auf Handlungen zu beziehen. Die Spoiler habe ich ans Ende der Rezension gesetzt und im Text gekennzeichnet, da hier leider keine Spoilerfunktion vorhanden ist.

Der Einstieg in die Geschichte gefiel mir sehr gut. Gleich zu Beginn werden Matilda und Quinn als Hauptcharaktere toll eingeführt und die Handlung beginnt sehr spannend und rasant. Auch wenn das anfängliche Tempo etwas abflaut, so wurden schon in den ersten Kapiteln so viele interessante Fragen aufgeworfen, dass ich immer weiter lesen musste. Kerstin Gier erzeugt mit ihren Geschichten immer eine solche Sogwirkung, dass ich einfach nicht aufhören konnte zu lesen und unvernünftiger Weise bis spät in die Nacht hinein am Buch festklebte. Früher wäre dies ein Buch gewesen, dass ich unerlaubter Weise mit der Taschenlampe heimlich unter der Bettdecke gelesen hätte, da ich vor Spannung nicht hätte einschlafen können. Dieses besondere Gefühl fehlt mir vor allem bei Jugendbüchern immer mehr und ich habe die Lesestunden unheimlich genossen.

Ein kleines bisschen zu konstruiert wirkte die Handlung leider, vor allem zum Ende des Buches hin. Da war mir schon ab der Mitte des Buches klar, welches Mittel genutzt werden würde, um den Spannungsbogen zum Ende hin in die Höhe treiben zu können.
Auch die Liebesgeschichte ging mir ein wenig zu schnell und einfach voran. Es ist zwar keine reine Form von Insta Love, aber doch schon sehr nahe dran. Mir hätte eine echte Freundschaft im ersten Band deutlich besser gefallen, die sich dann im Verlauf der nächsten zwei Bände zu einer Liebesgeschichte entwickelt.

Kerstin Giers Schreibstil mag ich einfach gerne. Er passt toll zu den jungen Charakteren, ist schon arg umgangssprachlich und wird dem Genre gerecht. Leider habe ich immer mehr das Gefühl, dass Kerstin Gier ihren Fokus auf immer jüngere Leser legt. Die Edelstein-Reihe habe ich auch recht spät erst angefangen zu lesen, fand die Charaktere und Handlung aber auch als Erwachsene toll. Diese Leichtigkeit hat mir leider bei Vergissmeinnicht gefehlt, da das Buch spürbar für ein eher jugendliches Publikum geschrieben worden ist.
Die Perspektivwechsel von Quinn und Matilda haben mir sehr gut gefallen. Ich finde es wirklich toll, dass sich Kerstin Gier dazu entschieden hat, beide Seiten ihrer Charaktere zu erzählen. Bei Gideon hätte es damals natürlich viel von der Spannung und vom Plot verraten und vorgegriffen, aber auf die Art und Weise wie bei diesem Buch konstruiert gefällt es mir richtig gut.

Ich werde nun ein paar Dinge aufführen, die spoilern werden. Da ich es hier leider nicht richtig kennzeichnen kann, warne ich schon mal vor. Das Ende des Spoilers werde ich am Ende dieses Absatzes deswegen im Text hervorheben!
[SPOILER]
Was mir etwas sauer aufgestoßen ist, ist das gezeichnete Bild von Psychotherapie. Ich fand es ganz am Anfang toll, dass Quinn nach seinem Unfall Psychotherapie Sitzungen in Anspruch nimmt und war mit fortschreitender Handlung immer entsetzter über das gezeichnete Bild. Ich verstehe, wie und warum Kerstin Gier diese Stunden so herausstellte, da somit ein anderer Charakter deutlich angenehmer und wärmer dargestellt wurde, aber ich finde es um ehrlich zu sein etwas unmöglich, dass dann nicht weiter eingegriffen wurde, um das Bild von Psychotherapie wieder normalisiert darzustellen. Es hat überhaupt nichts mit Schwäche zu tun, zur Psychotherapie zu gehen. Ganz im Gegenteil! In meinen Augen wurde es so dargestellt, dass Psychotherapie etwas Furchtbares ist, das einem als Patient auch nicht nützt. Ich finde es absolut enttäuschend, dass die Autorin dies so dastehen lässt.
Quinn kann außerdem sein mobbendes Verhalten nicht reflektieren, findet die Erzählungen von Matilda sogar im Gespräch nur mit ihr unglaublich lustig und versteht viel zu spät erst, dass sein Verhalten nicht in Ordnung war. Doch Konsequenzen ergeben sich aus dem Verhalten überhaupt nicht.
Matilda ist schon fast besessen von einem Jungen, der sie wiederholt gemobbt hat, konfrontiert ihn zwar mit vereinzelten Taten, entschuldigt jedoch auch viel zu schnell wieder alles damit, wie gut er doch aussieht. Puh, schwierig.
Auch den Umgang innerhalb der Familie von Matilda miteinander fand ich sehr befremdlich. Ich verstehe noch nicht ganz, warum diese Probleme innerhalb der Familie in einem solchen Ausmaß dargestellt wurden, aber hier kann es natürlich auch nur eine Vorbereitung für die Handlungen der nächsten beiden Bücher gewesen sein. Damit der Leser bereits auf Probleme mit der Familie eingestellt ist.
Eigentlich fehlt es überall und an jeder Ecke an vernünftiger Kommunikation. Bei Quinn und seinem besten Freund, Matildas gesamter Familie und natürlich bei Quinn und Matilda.

[SPOILER ENDE]

Die Handlung war etwas zu konstruiert und bei den Charakteren gab es etliche Punkte, die mich schon fast sauer gemacht haben.
Wären die im Spoiler angeführten Punkte nicht gewesen oder anders ausgearbeitet worden, hätte das Buch 4 - 4.5 Sterne bekommen, ich finde vor allem einen Punkt so gravierend, dass ich 3 Sterne vergebe.
Empfehlen kann ich das Buch trotzdem allen Kerstin Gier Fans und ich hoffe sehr, dass im zweiten Band ein paar Punkte aufgearbeitet werden, so dass ich meine Meinung über diesen ersten Band hoffentlich noch verändern kann.

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