Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Alo:
Nordische Mythologie trifft Feminismus
Die Skaland-Saga, Band 1 - A Fate Inked in Blood von Danielle L. Jensen
„At Fate Inked in Blood“ spielt in Skaland, dem früheren Norwegen. Im Mittelpunkt steht Freya, die als Schildmaid eine wichtige Rolle in einer alten Prophezeiung spielt: Sie soll einen König an die Macht bringen. Doch anstatt selbst entscheiden zu dürfen, wird sie von mächtigen Männern wie Besitz hin- und hergeschoben.
Das Buch ist ganz klar feministisch. Freya ist wütend, und das völlig zu Recht, auch wenn sie immer wieder zwischen sich und ihren Verpflichtungen hin- und hergerissen ist. Ihre Gefühle sind greifbar, und ich konnte mich sehr gut in sie hineinversetzen. Ihre Entwicklung war spannend mitzuverfolgen.
Die Spannung zwischen Freya und Bjorn war ein echtes Highlight. Besonders ihre Wortgefechte waren witzig und charmant, und er ist eine wandelnde Green Flag! Alle anderen Figuren sind einfach nur zum Schreien, aber das ist so gewollt.
Allerdings war das Buch an einigen Stellen repetitiv. Freya kommt immer wieder in die gleichen Situationen und wälzt die gleichen Gedanken – das hätte etwas kürzer sein können. Auch das Ende war sehr vorhersehbar. Das hat mich aber nicht gestört, weil es bis dahin unterhaltsam war.
Ich freue mich auf Teil 2! 4/5 Sterne
Zu viel gewollt, aber fesselnd
Schweben von Amira Ben Saoud
Amira Ben Saouds Debüt „Schweben“ spielt in einer düsteren Zukunft, in der der Klimawandel bereits Vergangenheit ist. Die Menschen leben isoliert in kleinen patriarchalen Siedlungen, ohne Kontakt zur Außenwelt. Fragen nach dem "Davor" oder "Draußen" sind unerwünscht, das System bestimmt den Alltag.
Die namenlose Protagonistin verdient ihren Lebensunterhalt, indem sie die Rolle anderer Frauen annimmt, um beispielsweise eine Ehefrau zu ersetzen.
Der Roman liest sich schnell und entwickelt eine gewisse Sogwirkung – nicht zuletzt durch die einfache Sprache und die sich zunehmend verdüsternde Atmosphäre. Anfangs ist die Spannung hoch, es liest sich faszinierend und beklemmend zugleich. Doch je weiter die Handlung voranrückt, desto verworrener wird sie. Es gibt viele Themen und Fäden, aber nicht alle führen zu einem klaren Abschluss. Die Autorin verzichtet bewusst auf Erklärungen.
Allerdings bleibt auf den knapp 190 Seiten nicht genug Raum, um allen Ideen gerecht zu werden, das Ende kommt zu abrupt. Am Schluss hatte ich nicht das Gefühl, das Gesamtbild wirklich greifen zu können. Dennoch bleibt Schweben ein atmosphärisch starker Roman, der in seinen besten Momenten fesselt, auch wenn er am Ende nicht alle Erwartungen erfüllt hat und mich etwas ratlos zurücklässt. 2,5/5 Sterne
Aufrüttelnde Gesellschaftskritik
Halbe Leben von Susanne Gregor
Susanne Gregor erzählt in ihrem Roman „Halbe Leben“ eine spannende und tiefgründige Geschichte. Auf wenigen Seiten behandelt sie ein wichtiges Thema: Ungleichheit und Abhängigkeit in der häuslichen Pflege.
Gleich zu Beginn erfährt man vom plötzlichen Tod von Klara. Sie ist eine erfolgreiche Architektin, Mutter und Ehefrau.
Doch als ihre eigene Mutter nach einem Schlaganfall Pflege braucht, holt sie Paulína aus der Slowakei als 24h Pflege in ihr Haus. Zunächst scheint alles gut zu funktionieren, doch wird das so bleiben?
Gregor schreibt klar und eindringlich. Die Beziehungen zwischen den Figuren sind toll ausgearbeitet. Besonders die Frauenfiguren sind vielschichtig, inklusive der zu pflegenden Mutter. Der Roman wirft wichtige Fragen auf: Wer kümmert sich um unsere Angehörigen? Und welche Auswirkungen hat die Pflegearbeit auf die Pflegenden und deren Familien?
Das Buch macht nachdenklich. Es zeigt, wie schwierig und ungerecht die Situation oft ist. Ein wichtiges Thema, über das viel zu wenig gesprochen wird und das mich noch lange beschäftigen wird. Absolut lesenswert! 4,5/5 Sterne
Lesehighlight mit Lachgarantie
Greta & Valdin von Rebecca K Reilly
„Findest du, dass mein Fuß wie ein Tapir aussieht?“ „Inwiefern?“ Mein Dad ist ein Mensch, der jede Frage ernst nimmt, und ehrlich gesagt weiß ich nicht, ob sich diese Tatsache positiv auf mich ausgewirkt hat. (Greta & Vladin, S.99)
Mich hat schon lange kein Buch mehr so überrascht und zum Lachen gebracht wie Greta & Vladin.
Es ist aber nicht nur witzig, sondern auch herzerwärmend und klug.
Greta und Vladin sind Geschwister und wohnen zusammen in Auckland. Die beiden sind sich auf eine Art sehr ähnlich, aber vor allem in Liebesdingen läuft es bei ihnen ähnlich katastrophal. Greta ist unglücklich in ihre Kollegin verliebt, und Vladin trauert seinem Ex-Freund hinterher. Das Buch ist abwechselnd aus beiden Perspektiven erzählt und ihre große, sehr chaotische und unglaublich liebenswürdige Familie ist auch immer dabei.
Diese Familie war, neben dem Humor, wirklich der allerbeste Punkt in diesem Buch. Sie ist einfach so herzerwärmend – ich habe mir oft gewünscht, Teil dieser Familie zu sein und mit ihnen am Tisch zu sitzen, am Ende wollte ich mich gar nicht von ihnen und vom Buch verabschieden.
Aber dieses Buch ist nicht nur herzerwärmend und witzig, sondern auch sehr vielschichtig und klug. Es geht beispielsweise viel um Identität, und man merkt dem Buch an, dass die Schriftstellerin selbst Māori ist. Zudem ist mir die sehr gute Übersetzung aufgefallen – es ist wirklich ein Lesegenuss und mein Highlight in diesem Monat. 5/5 Sterne
Genial konstruiert
Ein ungezähmtes Tier,2 Audio-CD, 2 MP3 von Joël Dicker
Ich bin ein großer Fan von Joël Dicker und auch in „Ein ungezähmtes Tier“ schafft er es wieder mit unerwarteten Wendungen und einer clever konstruierten Handlung zu fesseln.
Das gut situierte Paar Arpad und Sophie Braun lebt in einem modernen Haus am Genfer See und führt nach außen hin eine perfekte Ehe.
Ihre Nachbarin Karine fühlt sich in ihrer Ehe unglücklich und betrachtet die Beziehung mit Neid und auch ihr Mann Greg entwickelt eine besondere Faszination für sie, während ein in Genf ein Juwelenraub geplant wird.
Die Geschichte spielt auf mehreren Zeitebenen und baut von Anfang an Spannung auf. Dicker versteht es meisterhaft, seine Leser auf falsche Fährten zu locken. Auch das Hörbuch überzeugt, denn Torben Kessler liest mitreißend, ich habe es auch teilweise gelesen, aber das Hörbuch war durch den Sprecher noch mal besser.
Fazit: Ein spannender Roman, der bis zum Schluss fesselt und genial konstruiert ist. Absolute Empfehlung, vor allem für das Hörbuch! 5/5 Sterne
Neuanfang mit Humor und Herz
Breakups and Butterflies von Kyra Groh
„Breakups & Butterflies“ ist eine Neuauflage des 2020 erschienenen „Gar kein Plan ist auch eine Lösung“ und kann, bis auf ein paar kleine Schwächen, durchaus mit ihren neueren Büchern mithalten.
Mara führt ein Leben, das auf den ersten Blick perfekt durchgeplant scheint, ein sicherer Job, eine solide Beziehung und eine geschmackvoll eingerichtete Wohnung.
Doch als ihr Verlobter Sebastian sie unerwartet verlässt und sie plötzlich ohne Plan dasteht, wird sie gezwungen, sich selbst und ihre Vorstellungen vom Leben neu zu hinterfragen.
Kyra Groh erzählt Maras Geschichte mit einem wunderbar leichten und humorvollen Schreibstil, der es leicht macht, direkt in die Geschichte einzutauchen. Durch die fein gezeichneten Charaktere gewinnt die Geschichte an Tiefe, besonders Maras Bruder Veda und Kitty sind Figuren, die man einfach ins Herz schließen muss.
Was „Breakups & Butterflies“ besonders macht, ist die gelungene Mischung aus Humor und ernsten Themen. Maras Vergangenheit und ihre persönliche Entwicklung geben der Geschichte emotionale Tiefe, ohne dass es dabei zu schwer oder melodramatisch wird. Sie ist keine perfekte Heldin, sondern eine Figur mit Schwächen, die sie selbst reflektiert. Einzig die Thematik rund um den Namen ihres Bruders hätte noch intensiver behandelt werden können. Da habe ich mich sehr über die Protagonistin geärgert, gerade in der Neuauflage hätte es sich angeboten, in den Annotationen darauf einzugehen.
Insgesamt ist das Buch weit mehr als eine typische RomCom. Kyra Groh schafft es, mit viel Gefühl und Leichtigkeit, Themen wie mentale Gesundheit und persönliche Weiterentwicklung einfließen zu lassen. Eine charmante Geschichte über Neuanfänge.
Aktueller den je - zwischen Ladenalltag und politischem Konflikt
Russische Spezialitäten von Dmitrij Kapitelman
Der Roman erzählt die Geschichte von Dimitrij, einem Ukrainer, der mit seinen Eltern in Leipzig lebt. Seine Familie betreibt seit 20 Jahren einen Supermarkt für russische Spezialitäten. In kurzen Episoden beschreibt Dimitrij das Leben im Laden und die Eigenheiten der russischsprachigen Gemeinschaft in Deutschland, oft mit Humor und manchmal mit Fantastik und etwas übertrieben.
Doch neben den lustigen Geschichten gibt es auch ernste Themen. Vor allem die wachsende Spannung zwischen Dimitrij und seiner Mutter. Obwohl sie aus Kiew stammt, glaubt sie immer mehr an die russische Propaganda und stellt sich gegen die Ukraine und ihre Freunde dort.
Das Buch ist besonders interessant für Menschen, die das post-sowjetische Milieu kennen. Wer damit keine Erfahrung hat, könnte es schwieriger finden, vor allem wegen der vielen russischen Begriffe, auch wenn diese oft erklärt werden. Trotzdem ist der Roman unterhaltsam und wegen der aktuellen Themen sehr lesenswert. Vielleicht sogar noch besser als Hörbuch, dort werden die Begriffe auch vorgelesen und der Sprecher, der Autor spricht das Buch selber ein, macht einen tollen Job.
Für Fans von Bride ein Muss!
The Fake Mate - Die Liebe ist eine Bestie für sich von Lana Ferguson
Dieses Buch hat mich wirklich überrascht! Die Mischung aus humorvoller Fake-Dating-Romance, medizinischem Setting und einer guten Prise Omegaverseergibt eine unterhaltsame Geschichte, die ich kaum aus der Hand legen konnte.
Mackenzie, eine Assistenzärztin in der Notaufnahme, ist genervt von den Verkupplungsversuchen ihrer Großmutter und greift spontan zur Notlüge.
Dumm nur, dass sie sich ausgerechnet den grummeligen Kardiologen als Fake-Boyfriend aussucht. Doch wie es der Zufall will, braucht auch er dringend eine Partnerin – und so beginnt eine Abmachung, die viel komplizierter wird, als beide erwartet hätten.
Die Dynamik zwischen Mackenzie und Noah ist absolut gelungen. Noah ist eine wahre Green Flag auf zwei Beinen! Dazu kommt ein lockerer, humorvoller Schreibstil, der die Seiten nur so dahinfliegen lässt. Die medizinischen Elemente sorgen für ein leichtes „Grey’s Anatomy“-Feeling, während die vielen Spice-Momente teils an der Cringe-Grenze kratzen, aber für mich immer im Rahmen des erträglichen bleiben.
Wer „Bride“ von Ali Hazelwood mochte, sollte diesem Buch definitiv eine Chance geben. Perfekte Wohlfühllektüre für schlechte Tage im Bett! 4,5/5 Sterne
Das war nichts für mich
Die Fletchers von Long Island von Taffy Brodesser-Akner
Taffy Brodesser-Akner hat mit „Die Fletchers von Long Island“ einen Roman über die Dynamiken einer reichen jüdischen Familie geschrieben, die nach der Entführung des Familienvaters auseinanderzubrechen droht. Das Buch beschäftigt dich mit den Auswirkungen der Entführungen auf die Familienmitglieder.
Das Thema hat mich sehr angesprochen und ich mag Familienepen sehr gerne. Allerdings konnte mich es mich letztendlich nicht überzeugen und ich musste es sogar abbrechen.
Die Handlung schreitet nur langsam voran und das Buch verliert sich in langatmigen Erzählsträngen, die die Handlung zäh und schwerfällig machen, dazu tragen auch die sehr langen Kapitel bei. Ein kleiner Lichtblick war der unterschwellige oft auch schwarze Humor, der immer wieder durchscheint und die Handlung auflockert.
Die Charaktere waren mir größtenteils unsympathisch, was das Mitfühlen und die Auseinandersetzung mit ihren Konflikten erschwerte.
Eine bestimmten Szene, ist sehr explizit beschrieben und in meine Augen geradezu eklig. Normalerweise habe ich gar keine Probleme mit explizitem Content, aber hier war es anders. Diese Szene blieb mir so im Gedächtnis, dass ich teilweise immer noch Kopfkino habe – nach dieser Erfahrung war es für mich nur schwer möglich, das Buch weiterzulesen, ich hätte richtige innere Widerstände das Buch in den Hand zu nehmen. Deswegen habe ich mich letztendlich dazu entschieden, das Buch abzubrechen.
Highlight mit Gänsehautpotential
Super-GAU von Bea Davies
Diese Graphic Novel überzeugt mit ihrer zurückhaltenden, aber dennoch eindringlichen Erzählweise. Anstatt die Fukushima-Katastrophe direkt ins Zentrum zu stellen, verknüpft sie verschiedene Lebensgeschichten, die von den Ereignissen berührt werden. Die Handlung entfaltet sich langsam, aber nicht zäh und lässt viel Raum für eigene Interpretationen, es gibt keine erklärende Erzählerstimme.
Das fand ich super!
Die schwarz-weißen Zeichnungen von Bea Davies verstärken die melancholische Grundstimmung und bleiben durch ihren rauen, atmosphärischen Stil lange im Gedächtnis. Ich hatte beim Anschauen teilweise eine richtige Gänsehaut. Die zwischenmenschlichen Beziehungen verleihen der Geschichte emotionale Tiefe. Manches bleibt bewusst vage, wodurch Raum zum Selbernachdenken entsteht.
Das Cover ist nicht nur visuell beeindruckend, sondern auch haptisch ein Erlebnis, ein richtiger Handschmeichler.
Eine Graphic Novel, die nachwirkt und mit ihrer stillen Kraft beeindruckt – eine klare Empfehlung für alle Fans des Genres. Die Carlsen-Graphic-Novels hatte ich bisher nicht auf dem Schirm, doch das wird sich definitiv ändern. 5/5 Sterne











