Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Alo:
Mystisch und düster
A Study in Drowning (A Study in Drowning, Band 1) von Ava Reid
„A study in Drowning“ von Ava Reid ist mystisch und düster und mal etwas ganz anderes. Ein perfektes Buch für die dunkle Jahreszeit.
Effy studiert Architektur im ersten Semester. Ihr geht es nicht gut, da sie als einzige Frau im Studiengang diskriminiert und Opfer von Übergriffen wird. Eigentlich wollte sie Literatur studieren, aber im Literaturstudium werden keine Frauen aufgenommen.
Sie nutzt die Chance aus der Situation zu fliehen, als sie erfährt, dass das Anwesen ihres Lieblingsdichters umgebaut werden soll und sich die Architekturstudenten darauf bewerben können. Als sie auf dem verfallenen Anwesen, das allmählich vom Meer verschluckt wird, in der ländlichen und unwirklichen Gegend ankommt, merkt Effy, dass vielleicht nicht alles so ist, wie es scheint...
Der Einstieg in das Buch ist mir etwas schwergefallen, es ist anfangs ein bisschen holprig, das hat sich aber nach wenigen Seiten gelegt und dann hatte ich keine Probleme mehr. Ava Reids Schreibstil ist klar und poetisch zugleich und sie schafft es durch tolle Beschreibungen, dass man sich alles super gut vorstellen kann. Die Atmosphäre ist rau, düster und lädt zum Miträtseln ein. Teilweise hat mich das Buch vom Vibe an Piranesi von Susanna Clark erinnert.
Etwas gestört hat mich die fehlende Karte. Am Anfang geht es viel um die Welt, in einer Szene sitzt die Protagonistin sogar in der Bibliothek und studiert einen Atlas, mit dem sie die Karte beschreibt. Da wäre eine kleine Karte am Buchanfang zu Orientierung auf jeden Fall hilfreich gewesen.
Die Figuren waren gut ausgearbeitet und beide Protagonisten haben sich weiterentwickelt. Zudem ist die Geschichte sehr feministisch. Die Themen haben es teilweise in sich, checkt die Inhaltswarnungen am Ende des Buches, falls ihr es benötigt. Aber Self Empowerment ist ein großes Thema, das hat mir richtig gut gefallen!
Ich hoffe, es wird noch ganz viel von der Autorin übersetzt! Klare Empfehlung, eine tolle Lektüre für den Herbst. 4/5 Sterne
Ein unerwartetes Highlight
Intermezzo von Sally Rooney
Ich muss sagen, ich war im Vorfeld sehr skeptisch, ob ich das neue Buch von Sally Rooney lesen soll oder nicht. Ihr letztes mochte ich so gar nicht und "Normale Menschen" fand ich gut, aber mehr auch nicht. Allerdings waren meine Bedenken absolut unbegründet, ich musste gestern sogar eine Nachtschicht einlegen, weil ich von "Intermezzo" so angetan war.
Peter und Ivan könnten unterschiedlicher nicht sein. Peter ist Anfang dreißig und ein erfolgreicher Anwalt. Ivan ist 22, introvertiert, hält sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser und spielt Schach. Die beiden haben keine gute Beziehung zueinander und sie haben so gut wie keinen Kontakt. Als ihr Vater stirbt, straucheln beide. Peter verliert seinen Halt im Leben und Ivan verliebt sich in eine viel ältere Frau, die sich erst kürzlich von ihrem Ehemann getrennt hat.
Der Einstieg in das Buch ist mir schwergefallen. Durch Sally Rooneys Eigenheit keine Anführungszeichen zu benutzen, die Erzähler- und Figurenrede ist nicht markiert, war es anfangs etwas schwierig zu lesen. Allerdings habe ich mich schnell daran gewöhnt, auch wenn die Kapitel von Peter immer etwas schwieriger zu lesen waren, da sie durch seine inneren Zustände teilweise etwas von einem inneren Monolog hatten. Ivans Kapitel waren viel angenehmer zu lesen. Durch diese Erzählweise liegt der Fokus weniger auf dem Gesagten. Man konzentriert sich darauf, was zwischen den Figuren passiert.
Mir sind alle Figuren sehr ans Herz gewachsen, aber Ivan besonders. Auch seine Beziehung zu Margaret fand ich einfach nur schön. Besonders gut gefallen hat mir auch die Dynamik zwischen den zwei Brüdern. Ich habe sehr mitgefiebert und gehofft, dass sich die zwei irgendwie zusammenraufen. Witzigerweise hat mich das Buch stellenweise an das kürzlich erschienene "Blue Sister" von Coco Mellors erinnert, da sich die Themen teilweise überschneiden (Verlust, Trauer, Drogen, Geschwisterbeziehung...).
Zuletzt muss ich noch kurz auf die Optik des Buches eingehen. Es ist wirklich wunderschön, das Cover ist einfach on point und der Farbschnitt ist hier mal eine wirklich tolle Ergänzung.
Fazit: Auch wer Sally Rooney bisher nicht so mochte, kann dem neuen Buch auch jeden Fall eine Chance geben. Für mich war es auf jeden Fall ein Lesehighlight, an das ich noch lange denken werde.
Konnte mich nur teilweise überzeugen
Spellshop von Sarah Beth Durst
Ich hatte mich im Vorfeld sehr auf dieses Buch gefreut, leider konnte es mich am Ende nur teilweise überzeugen.
Die introvertierte Kiela ist Bibliothekarin und muss aus Alyssium flüchten, da es Unruhen in der Stadt gibt und ihre geliebte Bibliothek in Flammen steht. Zum Glück kann sie zusammen mit ihrem Freund Caz, einer lebendigen Pflanze, ein paar Bücher retten.
Sie flüchtet auf die kleine Insel Caltrey, auf der das alte Cottage ihrer Eltern steht. Sie beginnt ein neues Leben und eröffnet einen kleinen Laden, in dem sie unter anderem Marmelade anbietet. Schnell merkt sie, dass die Insel einige Probleme hat, bei denen sie vielleicht helfen könnte.
Gut gefallen haben mir der eindrückliche und detailverliebte Schreibstil, die magische Welt mit den vielen magischen Geschöpfen, gerade die sprechenden Pflanzen haben es mir sehr angetan, und die herzliche Gemeinschaft der Inselbewohner. Eigentlich alles, was man für einen cosy Fantasyroman braucht. :-)
Allerdings ist das Worldbuilding nur oberflächlich ausgearbeitet, einige Punkte werden angedeutet, dann aber nicht näher erklärt. Stattdessen passieren ständig irgendwelche Dinge. Gerade ab dem Plottwist war ich nur noch genervt, weil es sich für mich nach unnötigem Drama angefühlt hat. Die Autorin wollte hier wahrscheinlich mehr Tempo einbauen, was ihr meiner Meinung nach aber nicht gelungen ist. Eigentlich besteht das Buch ab einem gewissen Punkt nur noch aus den inneren Konflikten der Protagonistin und dem nächsten Drama.
3,5/5 Sterne
Identitätssuche
Juli, August, September von Olga Grjasnowa
Lou ist mit dem Konzertpianisten Sergej verheiratet. Sie sind kommen beide aus der ehemaligen Sowjetunion und sind beide jüdisch, auch wenn sie ein säkulares Leben führen. Ihre Ehe läuft nicht besonders gut und als ihre 5-jährige Tochter Rosa mit einem Buch über Anne Frank konfrontiert wird, fragt sich Lou nicht nur, was sie ihrer Tochter über ihre jüdische Identität vermitteln möchte, sondern fängt auch an ihre Identiät, ihre Familiengeschichte und ihr Selbstverständnis zu hinterfragen.
Da kommt eine Einladung nach Gran Canaria zum 90. Geburtstag ihrer Tante, die zusammen mit der restlichen Familie in Tel Aviv wohnt, gerade recht...
Olga Grjasnowas Schreibstil hat mir sehr gut gefallen, ich bin geradezu durch die kurzen Kapitel gefolgen und habe das Buch in einem Rutsch gelesen. Besonders gerne mochte ich das unterschwellig Zynische und den Humor, gerade bei den Begnungen mit der Familie musste ich oft schmunzeln und habe mich in das Haus meiner Schwiegerfamilie versetzt gefühlt.
Ihre Figuren sind gut ausgearbeitet, interessant und vielschichtig. Ich konnte sie mir bildlich vorstellen. Die Beziehungsdynamiken innerhalb der Familie sind super dargestellt.
Die Autorin lässt viele Fragen offen und regt den Leser dadurch zum Nachdenken an und lässt viel Spielraum für Interpretation. Mir war das an manchen Stellen etwas zu viel und ich hätte mir gewünscht, dass ein paar der angestupsten Themen weiter ausgeführt werden.
Das Cover finde ich super ansprechend und nach der Lektüre ist es noch passender.
Gilmore Girl Vibes
Meet me in Autumn. Eine Pumpkin spiced Romance von Laurie Gilmore
Meet me in Autumn ist ein süßes Buch, das ich ganz gerne gelesen habe.
Jeanies Tante Dot will sich zur Ruhe setzen und überlässt ihrer Nichte ihr Pumpkin Spice Café in dem kleinen Städtchen Dream Harbour. Jeanie kommt das sehr gelegen, sie möchte sich unter anderem beruflich verändern. Dream Harbour heißt sie schnell willkommen und auch der grummelige Farmer Logan, hilft ihr beim Ankommen.
Am besten hat mit die Kleinstadtatmosphäre gefallen. Das Städtchen Dream Harbour mit seinen Bewohner hat mich sehr stark an die Serie Gilmore Girls erinnert und auch die Figuren hatten ihre Ähnlichkeiten, so erinnert beispielsweise Logans Charakter an Luke, das war an manchen Stellen vielleicht auch etwas zu viel des Guten. Auch gut fand ich das herbstliche Setting, das wurde die meiste Zeit gut vermittelt.
Sehr gestört hat mich der Spice. Ich bin allgemein kein großer Fan davon, aber hier war er für mein Empfinden auch nicht gutgeschrieben und außerdem auch viel zu langezogen. Ich habe die Seiten dann überblättert, sonst hätte ich es wohl nicht zu Ende gelesen.
Darüber hinaus war es ein nettes Buch, aber mehr nicht.
Familienbande
Und dahinter das Meer von Laura Spence-Ash
Ich bin durch Zufall an "Und dahinter das Meer gekommen", von mir aus hätte ich nicht dazu gegriffen, aber ich sehr froh, diese anrührende Geschichte gelesen zu haben.
Bea wird mit 11 Jahren im zweiten Weltkrieg von ihren Eltern von London nach Amerika geschickt, um sie vor dem Krieg zu schützen.
Bea wird von ihrer Gastfamilie, den Greogorys warmherzig aufgenommen und lebt sich in Boston schnell ein. Dabei helfen ihr vor allem die zwei Brüder William und Gerald, die auch für sie bald wie Brüder werden. Doch ihre Familie in England vermisst ihre Tochter und will sie so bald wie möglich zurückholen, aber kehrt Bea als die Person zurück, als die sie ihre Eltern verlassen hat?
Die Geschichte wird aus den Perspektiven aller beteiligten Personen erzählt. Wir begleiten die Familien über 30 Jahre lang mit all ihren Entwicklungen und den sich veränderten Beziehungen. Durch den sehr feinfühligen Schreibstil von Laura Spence-Ash, kann man sich total gut in die Figuren hineinversetzen und sie wachsen einem alle auf ihre Art ans Herz.
Das Buch eignet sich übrigens auch für Menschen, die historische Romane nicht mögen, da der geschichtliche Hintergrund hier nur eine Nebenrolle spielt. Die Figuren und ihren Beziehungen und Entwicklungen sind im eigentlichen Fokus des Romanes. Es hat mich vom Vibe ein bisschen an "The summer i turned pretty" erinnert und einen kleinen Romanceanteil gibt es auch.
Für 5 Sterne hat es bei mir trotz der vielen starken Seiten des Buches nicht gereicht, da es mir im Mittelteil etwas zu langgezogen war, da hätte man gut ein paar Passagen streichen können.
Sehr ergreifend
Der Bademeister ohne Himmel von Petra Pellini
"Wir gleichzeitig Lebenden sind füreinander von geheimnisvoller Bedeutung."
Das Buch "Der Bademeister ohne Himmel" von Petra Pellini hat mich sehr berührt.
Erzählt wird die Geschichte einer ungewöhnlichen Freundschaft zwischen einer Jugendlichen, die suizidal ist, und einem 86-Jährigen, der Demenz im fortgeschritten Stadium hat.
Der Schreibstil der Autorin ist trotz der vielen schweren Themen voller Witz und Leichtigkeit. Ich konnte mich ganz oft nicht entscheiden, ob ich Lachen oder Weinen soll. Die Figuren und ihre Beziehungen sind ganz wunderbar und vor allem authentisch gezeichnet.
Am meisten hat mich die Demenzthematik berührt. Ich habe schon viele Bücher gelesen, die sich mit diesem Thema beschäftigen, aber noch nie war sie so eindrücklich und einfühlsam dargestellt.
In der Mitte des Buches ist die Geschichte etwas auf der Stelle getreten und ich fand es teilweise etwas langatmig, das könnte aber auch daran liegen, dass ich es als Hörbuch gehört habe.
Fazit: 4,5/5 Sternen für dieses wundervoll erzählte Debüt!
Geschichte einer Obsession
Mein Mann von Maud Ventura
"Mein Mann" von Maud Ventura war in Frankreich ein Nr.1-Bestseller und das meiner Meinung nach zurecht.
Wir begleiten eine namenlose Ich-Erzählerin, die seit 15 Jahren mit ihrem Mann verheiratet ist. Ihr Leben ist nach außen hin perfekt. Sie lebt gut situiert in einem schönen Haus, hat zwei liebe Kinder und ihr Mann ist das, was man "einen guter Fang" nennt.
Aber liebt ihr Mann sie auch wirklich so, wie sie es verdient hat? Sie ist sich da nicht so sicher und analysiert jede seiner Äußerungen und Handlungen. Der Leser hat Anteil an ihren obsessiven Gedanken, die sich nur um ihren Mann drehen.
Dieses Buch war so ganz anders als ich erwartet habe. Am Anfang war ich etwas schockiert wusste nicht so recht, wo das Buch hinwill. Aber je mehr ich gelesen habe, umso mehr hat es mich überzeugt und das Ende ist genial. Es ist ein psychologischer Thriller, bei dem ich aber trotzdem sehr oft einfach lachen musste, teilweise weil es einfach so krank ist.
Das Buch ist von Anfang an spannend, schafft es auch diese Spannung zu halten und das Ende habe ich so wirklich nicht kommen sehen.
Fazit: Große Leseempfehlung für alle, die es etwas weird und verstörend mögen.
Schwesternschaft
Blue Sisters von Coco Mellors
Blue Sisters von Coco Mellors ist schön und herzzerreißend zugleich. Ein tiefgründiges Buch unter anderem über Schwesternschaft, Trauer, Schuld, Sucht.
Jede der vier sehr unterschiedlichen Blue Schwestern ist auf ihre Art erfolgreich, hat aber auch ein Päckchen zu tragen. Als eine der Schwestern auf tragische Weise stirbt, verlieren die anderen drei ihren Halt im Leben und ertrinken in ihrer Trauer.
Als ihre Mutter ankündigt, ihre alte Wohnung, die seit Nickys Tod leer steht, zu verkaufen, kommen die drei in New York zusammen.
Blue Sisters wird abwechselnd aus der Sicht jeder Schwester erzählt und die Autorin schafft es die unterschiedlichen Persönlichkeiten und Beziehungen, Charakterentwicklungen und Lebenswege bildhaft und realistisch zu darzustellen. Ich konnte mich in jede der Sichtweisen einfühlen und habe mit ihnen mitgelitten.
Am besten hat mir der Aspekt der Schwesternbeziehung mit all seinen Höhen und Tiefen gefallen. Ich habe zum Glück selber Schwestern und habe mich in meiner Beziehung mit ihnen im Buch wiedergefunden.
Mein einziger kleiner Kritikpunkt sind die sehr langen Kapitel, die haben mich etwas gestört.
Insgesamt eine absolute Leseempfehlung: 5/5 Sterne!










