Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Ameland:
Auf unbekannten Wegen zur Selbstfindung
The Journey. Die Reise meines Lebens von Carina Amara Kruse
Mit 29 Jahren steht Carina vor einem Scherbenhaufen. Nach 10 Jahren beendet ihr Lebensgefährte die Beziehung, ihr Buchprojekt wird gecancelt und kurz danach verliert sie auch noch ihren Job. Wenn nicht jetzt, wann dann? Und so begibt Carina sich auf die Reise über Bangkok nach Bali, Indien, Neuseeland und nochmal nach Indien.
Für ihren Mut habe ich Carina meinen Respekt gezollt. Niemals würde ich mich allein, mit wenig Geld und nur mit einem Rucksack auf den Weg in ferne Länder wagen, ohne mindestens vorher eine Unterkunft gebucht zu haben. Aber sie macht sich auf den Weg, trifft interessante Menschen und ist für alles offen, seien es spirituelle Sitzungen oder andere Religionen. Diese Personen und Erlebnisse sind hilfreich auf ihrem Weg zur Selbstfindung.
Interessant fand ich wie prägend Erlebnisse in der Kindheit auf das spätere Leben sein können, sei es in Bezug auf Beziehungen oder immer wiederkehrende Verhaltensweisen.
Der Schreibstil ist flüssig, gut lesbar und ließ mich an Carinas Gedanken und Gefühlen teilhaben. Die Charaktere sind vielschichtig und authentisch dargestellt. Toll fand ich die detaillierten und bildhaften Landschaftsbeschreibungen.
Die esoterischen und religiösen Passagen waren nicht so mein Ding, aber sie gewährten mir einen Einblick in mir unbekannte Bereiche. Außerdem gehörten sie unbedingt zu Carina und ihrem Weg zur Selbstfindung dazu.
Mir hat es gefallen, Carina auf dieser Reise zu begleiten. Manchmal habe ich mich an der einen oder anderen Stelle wiedererkannt und einige der am Seitenrand hervorgehobenen Sätze haben mich zum Nachdenken angeregt. Wer weiß wie mein Leben verlaufen wäre, wenn ich mich irgendwann aus meiner sicheren Komfortzone mit doppeltem Netz und Boden herausgewagt hätte.
Ein neuer Fall für Irina & Co.
Die Großstadtdetektive - Wo ist Annabelle? von Eva Lezzi
Es handelt sich hier bereits um den 2. Band. Ich kannte den 1. Band nicht, hatte aber keine Verständnisprobleme. Trotzdem ist es sicherlich sinnvoll, die Reihe von Anfang an zu lesen.
Es sind Ferien und Irinas Freunde sind alle nicht in der Stadt. So vergnügt sie sich mit ihrer Ferienhündin Gloria im Stadtpark.
Hier trifft sie auf Annabelle, die sich dort jeden Tag zum Schachspiel einfindet. Als Annabelle plötzlich verschwindet, hat Irina ein ungutes Gefühl und das wird durch das Auffinden persönlicher Gegenstände von Annabelle noch verstärkt. Zum Glück kehren nun nach und nach ihre Freunde zurück und die Großstadt-Detektive begeben sich auf Spurensuche.
Eine wirklich spannende Detektivgeschichte aus der Feder von Eva Lezzi. Auch wenn die kurzen Kapitel es ermöglichen, die Geschichte immer mal wieder zu unterbrechen, so ist es doch so spannend erzählt, dass man das Buch, wenn überhaupt, nur ungern zur Seite legen mag. Der Spaß am Miträtseln wird noch durch das rätselhafte Gedicht und das Geheimnis der Schachfiguren erhöht. Beides eine coole und tolle Idee. Man fiebert richtig mit den Kindern mit, denn es wird nicht ganz ungefährlich.
Was mir besonders gefallen hat, ist dass die Kinder der Bande aus unterschiedlichen Kulturkreisen kommen und das überhaupt kein Problem darstellt. Als Leser bekommt man so ganz nebenbei einen kleinen Einblick in diese Kulturen. Die eingeflochtenen jiddischen, russischen und türkischen Ausdrücke lassen es noch authentischer wirken. Keine Sorge im Anhang gibt es eine Übersetzung dazu.
Gefallen hat mir auch das jiddische Gedicht In Majrew, zu Deutsch Im Westen, welches man sich über einen QR-Code vorlesen lassen kann.
Überzeugt auf ganzer Linie
Ostseehölle von Eva Almstädt
Dies ist bereits der 21. Band der Reihe mit der engagierten Hauptkommissarin Pia Korittki. Und genauso oft habe ich sie schon bei ihren Ermittlungen begleitet. Dieses Mal geht es um eine ermordete Frau, die bei einer Turmbegehung in der Lübecker Marienkirche gefunden wird.
Pia ist eine Frau mit Ecken und Kanten, die mit Leib und Seele in ihrem Beruf aufgeht.
Zur Zeit leitet sie die Dienststelle kommissarisch, da ihr Chef erkrankt ist. Obwohl es einige Verdächtige in dem Fall gibt, ergeben sich zunächst keine konkreten Anhaltspunkte. Zusätzlich ergeben sich Störungen in der Beziehung zu einer Kollegin. Und als ihr der Fall dann entzogen und ausgerechnet ihrem Lebensgefährten vom LKA übergeben wird, ziehen dunkle Wolken am Beziehungshimmel auf.
Ich mag diese Mischung aus Ermittlungsarbeit und Privatleben sehr. Inzwischen ist Pia schon eine sehr gute alte Bekannte und ich bin an ihrer Person und ihrem Privatleben mindestens genauso interessiert wie an dem jeweiligen Fall. Auch die lokalen Beschreibungen möchte ich seit einem ausgedehnten Urlaub in und um Lübeck herum nicht mehr missen.
Der flüssige Schreibstil und der durchgehende Spannungsbogen sorgen für spannende Lesestunden. Ich liebe es, kleinste und versteckte Hinweisen aufzuspüren, um den Täter zu entlarven. Dieses Mal konnte Eva Almstädt mich wirklich überraschen, denn die Person hatte ich gar nicht auf dem Schirm. Das Geschehen welches zu der Tat geführt hat, hat mich entsetzt und ist mir an die Nieren gegangen.
Ein rundum gelungener Krimi, bei dem es am Ende keine offenen Fragen mehr gibt.
Alles läuft aus dem Ruder
Das Gehöft von Leo Brandt
Bisher kannte ich von dem Autor seine Krimireihe, die er allerdings unter einem anderen Namen veröffentlicht. Ich war sehr gespannt auf seinen ersten Ausflug in die Welt der Thriller. Außerdem hat mich das Cover gecatcht; eine Hallig, die den Naturgewalten schutzlos ausgeliefert ist, ließ auf eine atmosphärische Szenerie schließen.
Lara zieht mit ihrem Partner Henry, ihrem autistischen Bruder Malte und einem weiteren befreundeten Paar auf eine ansonsten menschenleere Hallig, um diese ökologisch zu bewirtschaften. Was sich nach einer schönen Unternehmung anhört, entpuppt sich auf dem begrenzten Raum und mit den sehr unterschiedlichen Charakteren von Beginn an als eine Zeit des Grauens.
Schon der Prolog schafft eine düstere Atmosphäre und sorgte bei mir für die erste Gänsehaut. Es bleibt unklar, um welche Personen es sich hier handelt. Sowohl Atmosphäre als auch diese Ungewissheit ziehen sich durch die ganze Geschichte. Dauerregen, Sturmflut, ausgefallenes Telefonnetz, kein WLAN und keine Möglichkeit, die Hallig zu verlassen. Dazu das Verschwinden eines Gruppen-Mitglieds und die Frage wer lügt bzw. wem man trauen kann, sorgen für blankliegende Nerven.
Zum einen konnte ich es nicht fassen wie blauäugig und relativ unvorbereitet die Gruppe an diese Unternehmung herangegangen ist und zum anderen schwankte ich ständig zwischen möglichen Verdächtigen hin und her. So blieb es bis zum Ende für mich spannend.
Ich würde sagen, Leo Brandt ist sein erster Thriller ganz gut gelungen, aber ehrlicherweise mag ich seine Krimis lieber.
Ich wurde angefixt
Sörensen geht aufs Haus von Sven Stricker
Ich verstehe gar nicht wie Sörensen mir bisher entgehen konnte. Gut, dass ich ihn, dank einer Leserunde, endlich entdeckt habe. Ein poltriger, oft in sich gekehrter und skurriler Charakter, der auch Tiefe hat und mich überzeugen konnte.
Sven Stricker vereint in diesem Krimi nicht nur Spannung, unerwartete Wendungen, lebendige Charaktere, sondern auch herrliche Dialoge mit Sprachwitz und Situationskomik.
Neben dieser Mischung gefiel mir die gute Verflechtung von Ermittlung und Privatleben. Gerade das Privatleben macht für mich die Figuren realistischer und greifbarer.
Wer einen spannenden, unblutigen und jederzeit unterhaltsamen Krimi sucht, ist bei Sörensen gut aufgehoben. Mich jedenfalls konnte Sven Stricker mit diesem Krimi überzeugen und nun will ich mehr davon.
Tierisch spannende Ferien
Die Langohrbande von Traudl Bünger
Ella und ihre Freundinnen verbringen die Ferien auf dem Birkenhof. Hier werden verletzte und alte Tiere und solche, die keiner mehr haben will aufgenommen. Das bringt viel Arbeit mit sich und kostet auch viel Geld. All das wird in der Geschichte sehr gut zur Sprache gebracht.
Mich hat sehr berührt, wie viel den vier Freundinnen am Birkenhof und seinen tierischen Bewohnern liegt.
Sie sind mit Liebe und Freude dabei und das nicht nur beim Streicheln und Kuscheln mit Eseln, Schweinen und Katzen, sondern auch bei der täglichen Arbeit wie Füttern und Ausmisten.
Dramatisch wird es als die gesamte Kasse geklaut wird und der Hof vor dem finanziellen Ruin steht. Mit großem Einfallsreichtum begeben sich die Mädchen auf die Suche nach dem Dieb. Gleichzeitig entwickeln sie einige Ideen wie der Hof z. B. durch Tier-Patenschaften finanziell auf Dauer unterstützt werden kann.
Traudl Bünger hat einen spannenden und unterhaltsamen Wohlfühlkrimi geschrieben. Anders kann ich es nicht sagen. Ich habe mich auf dem Birkenhof irgendwie wie zuhause gefühlt. Dazu haben auch die niedlichen und teilweise witzigen Illustrationen von Christina Mäckelburg beigetragen.
Ein Kinderkrimi, bei dem wichtige Werte wie Freundschaft, auch mit Tieren, Verantwortung und besonders das Tierwohl im Mittelpunkt stehen.
Verzwickter Fall mit neapolitanischem Lokalkolorit
Commissario Gaetano und das letzte Abendmahl von Fabio Nola
Ich kannte bisher weder den Autor Fabio Nola noch Commissario Gaetano und war daher sehr gespannt was mich erwartete. Das Cover mit dem Hafenbecken und dem Vesuv im Hintergrund versetzte mich schon in die richtige Stimmung, um ins italienische Leben einzutauchen. Und vom italienischen bzw. neapolitanischem Leben/Flair bekommt man bei diesem Krimi richtig viel mit.
Unterstrichen wurde das noch durch sehr viele italienische Ausdrücke und Flüche. Mir gefällt das, denn so wirkt die Geschichte noch viel authentischer.
Salvatore Gaetano machte nicht gerade einen sympathischen Eindruck auf mich. Er blafft nicht nur seine Mitarbeiter sondern auch Zeugen und Verdächtige ständig an, wenn ihm etwas gegen den Strich oder nicht schnell genug geht. Er hat aber trotzdem das Herz auf dem rechten Fleck. Bei diesem Fall erinnert Gaetano mich an einen Terrier, der sich in etwas verbissen hat. Dabei nimmt er auf nichts und niemanden Rücksicht und legt sich sogar mit seinem Vorgesetzten an.
Nicht nur Gaetano finde ich sehr authentisch beschrieben, sondern auch die anderen Charaktere sind gut gezeichnet. Der Schreibstil ist einfach, flüssig und sorgt für einen guten Lesefluss. Der Fall ist spannend, weist einige Wendungen auf und bleibt lange undurchsichtig. Letzteres nicht nur für mich, sondern auch für die Ermittler. Durch die detaillierten und bildhaften Beschreibungen von Neapel und seinen Bewohnern habe ich einen kleinen Einblick in diese Stadt bekommen können.
Mir hat dieser zweite Fall von Commissario Gaetano gut gefallen und ich werde ihn und Fabio Nola im Auge behalten.
Teneriffa mal anders
Wenn das Leben dir eine Orange gibt, mach Sangria daraus von Jana Portas
Nach der Trennung von ihrem Freund bricht plötzlich ein Shitstorm der besonderen Art über Mia herein. Sie braucht eine Pause und Abstand, da hört sich das Angebot, mehrere Wochen Housesitting auf Teneriffa doch perfekt an. Aber von Mitbewohnern war in der Anzeige keine Rede gewesen.
Jana Portas ist mit dieser Geschichte ein wunderschöner Wohlfühlroman aus der Feder geflossen.
Ihre Charaktere sind so unterschiedlich wie das Leben sie eben hervorbringt, teils skurril, teils liebenswürdig und hilfsbereit, aber auch voller Neid oder Missgunst. Manche Personen kämpfen mit ihren Problemen und Traumata. Aber trotz allem verliert die Geschichte nicht ihre Leichtigkeit und wird immer wieder durch humorvolle Szenen aufgelockert.
Was mir besonders gefallen hat, ist dass ich Teneriffa fernab des Massentourismus erleben durfte. Ich habe nicht nur sehr viel über die schützenswerte Flora und Fauna der Insel erfahren, sondern auch etwas über ihre Geschichte und Legenden.
Der Tourismus ist ein zweischneidiges Schwert. Einerseits leben die Insulaner davon, aber andererseits geht er zu Lasten der Ursprünglichkeit und der Natur. Außerdem treibt er die Lebenshaltungskosten in die Höhe. Ein Problem mit dem Teneriffa nicht alleine dasteht.
Wenn das Leben dir eine Orange gibt, mach Sangria daraus ist nicht nur ein Liebesroman, sondern eine tolle Mischung aus bildreicher und bildhafter Landschaftsbeschreibung, charakterstarker Personen, dabei voller Humor und auch Spannung.
Das Geheimnis
Das kalte Moor von Liza Marklund
Dies ist der 2. Band der Polarkreis-Trilogie. Für mich war es die erste Begegnung mit Polizeichef Wiking Stromberg. Zu Beginn war mir nicht sofort klar in welcher Beziehung die auftretenden Personen zueinander standen, aber das hat sich schnell geklärt.
Ich mochte Wiking und seine meist ruhige und strukturierte Vorgehensweise.
Obwohl er gerade emotional doppelt belastet wird. Zum einen erhält er eine schlimme Diagnose und zum anderen versetzt ihn ein Brief an seinen Sohn in Alarmbereitschaft. Diese Fortsetzung ist für ihn aus mehreren Gründen sehr persönlich.
Der sachliche Schreibstil ohne viel Drumherum von Liza Marklund gefiel mir gut. Die Beschreibung der teils unwirtlichen und mystischen Landschaft im Norden ließ Bilder vor meinem geistigen Auge entstehen. Sie scheint auch auf die Charaktere der Bewohner abgefärbt zu haben. Und so abgeschieden wie ich geglaubt habe, ist die Gegend gar nicht. Sie wird z. B. von der Automobilindustrie zu Testzwecken genutzt. Mir gefielen auch die Rückblicke sehr gut, so konnte ich mir von den Protagonisten ein viel besseres Bild machen und manches wurde dadurch für mich klarer.
Teilweise ist die Geschichte mehr ein Spionageroman als ein Krimi, was an der Verbindung zu den Zeiten des Kalten Krieges liegt.
Obwohl ich den ersten Band nicht kenne, hatte ich keine Verständnisprobleme. Insgesamt hat mir das Buch gut gefallen.
Nicolaus von Verdun und sein Schrein
Der Schrein der Könige von Sabine Weiß
Nach dem Tod seiner Ehefrau und zwei seiner Söhne versinkt der über die Grenzen hinaus bekannte Goldschmied Nicolaus von Verdun in seinem Kummer. Erst als ihm die Errichtung eines Schreins für die Heiligen Drei Könige in Köln angeboten wird, erwacht er aus seiner Lethargie. Aber der Umzug nach Köln bringt auch Ängste, Herausforderungen und Anfeindungen besonders durch die ansässigen Goldschmiede mit sich.
Sabine Weiss schildert bildhaft und lebendig die Entstehung dieser wichtigen Reliquiare, das als Meisterstück der Goldschmiedekunst gilt und auch heute noch Millionen Betrachter anzieht und in Erstaunen versetzt. Dabei verbindet sie sehr gekonnt Fakten und Fiktion. Da es über das Leben und Schaffen des Nicolaus von Verdun keine Überlieferungen gibt, konnte die Autorin bei seiner Familiengeschichte ihrer Fantasie freien Lauf lassen. Anders sah es bei der Politik des Reiches und den Kreuzzügen Ende des 12. und Anfang des 13. Jahrhunderts aus. Davon konnte ich mir beim Lesen aufgrund der guten Recherche der Autorin ein gutes Bild machen.
Ein sehr unterhaltsamer Roman mit einer guten Mischung aus historischen Fakten und Fiktion, bei dem ich einen guten Einblick in die aufwändige und detaillierte Arbeit der Goldschmiede bei der Erschaffung des Schreins der Könige bekam. Da mir der letzte Teil zu sehr im Zeitraffer erschien und der Schrein etwas aus dem Fokus geriet, vergebe ich nur vier Sterne.











