Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Ameland:
Spannender Cold Case
Eisenblume von Frida Skybäck
Aus Zufall stoßen zwei Jugendliche bei dem Besuch eines Lost Place auf eine eingemauerte Leiche. In dieser ehemaligen Psychiatrie verschwanden vor fast 50 Jahren zwei Jugendliche, von denen bis heute jede Spur fehlt. Handelt es sich bei der Leiche um eine der vermissten Personen?
Fredrika Storm und Henry Calment beginnen mit den Ermittlungen.
Dieses in jeder Beziehung gegensätzliche Duo hat sich seit ihrem ersten gemeinsamen Fall zu einem guten Team zusammengerauft. Skybäck hat mit ihnen zwei sehr interessante Charaktere erschaffen, die ziemlich vom Mainstream abweichen.
Bereits mit dem ersten Kapitel schafft es die Autorin, mich zu fesseln. Und es dauert auch nicht lange bis ich die ersten Theorien entwickle. Aber wie so oft habe ich die Rechnung ohne die Autorin gemacht. Neue Informationen und unerwartete Wendungen sorgen dafür, dass ich meine Ideen öfters verwerfen muss.
Mir hat auch der zweite Band dieser Reihe gut gefallen und ich bin schon auf den nächsten Fall von Storm und Calment gespannt.
Traumatische Zeit
Der Sommer am Ende der Welt von Eva Völler
Die Journalistin Hanna reist mit ihrer Tochter für Recherchen nach Borkum. Sie möchte einen Artikel zu den Erlebnissen der Verschickungskinder in den 60er Jahren schreiben. Ihre Mutter war ebenfalls dort in einem Kinder-Kurheim.
Grundsätzlich wusste ich über die teilweisen unmenschlichen Behandlungen der Kinder in manchen dieser Heime.
Trotzdem gehen mir die Schilderungen ehemalig Betroffener unter die Haut. So ging es mir auch bei den Schilderungen von Ingrid, die gleichzeitig im selben Heim mit Hannas Mutter auf Borkum war. Auch wenn es sich hier um eine fiktive Geschichte handelt, ändert es nichts daran, dass es in vielen Kinder-Kurheimen in ganz Deutschland so oder so ähnlich zuging.
Ich verbinde mit Borkum Sonne, Sand und Meer, einfach eine erholsame Zeit auf dem schönsten Sandhaufen Deutschlands. Wie anders lesen sich da die Erlebnisse der Verschickungskinder. Was ich bisher nicht wusste, war, dass in manchen Heimen die Kinder direkt am Eingang quasi ihre Identität und Individualität abgeben mussten, indem sie Nummern statt Namen und einheitliche Heimkleidung bekamen. Alles persönliche wanderte in einen Spind.
Der Roman spielt grundsätzlich in der Gegenwart, aber durch Ingrids Geschichte, Tagebucheinträgen einer ehemaligen Angestellten und Erzählungen von Zeitzeugen werden wir immer wieder in die Geschehnisse der Vergangenheit mitgenommen. Ich hätte mir gewünscht, dass wir bei diesem Hauptthema bleiben, aber es geht noch weiter zurück bis in den 2. Weltkrieg. Diese Entdeckungen sind zwar ebenfalls unmenschlich und ein furchtbarer Teil der Nazi-Vergangenheit, aber für mich persönlich wäre dieser Ausflug nicht nötig gewesen.
Leider verschob sich zum Ende hin der Fokus von den Verschickungskindern immer mehr zu dem Privatleben von Hanna und ihrer Tochter, was ich sehr schade fand. Ich finde das Buch trotzdem lesenswert, aber es gibt einen Stern weniger in meiner Bewertung.
Zurück zu den Wurzeln
Rückkehr nach St. Malo von Hélène Gestern
Nach dem Tod seines Vaters kehrt der Geschichtsprofessor und Historiker Yann zurück in seine Heimatstadt. Nach der Trennung von seiner Frau und dem Umzug des Sohnes nach Deutschland hält ihn nichts mehr in Paris. Er beschließt ein Sabbatical zu nehmen. Bei seiner Rückkehr nach St. Malo merkt er erst wie sehr er das Meer vermisst hat.
Yann hat nie Interesse an der Familiengeschichte und dem seit Generationen im Familienbesitz befindlichen Unternehmen gezeigt. Umso verwunderlicher ist es, mit welchem Enthusiasmus er die seit Jahrzehnten aufbewahrten Unterlagen im Haus durchsieht und die Vergangenheit aufrollt.
Ich habe mich lange schwer mit diesem Familienroman getan. Zu Beginn waren es die vielen unterschiedlichen Personen, die ich aber mit Hilfe des im Anhang befindlichen Stammbaums nach und nach zuordnen und auseinanderhalten konnte. Im weiteren Verlauf fand ich die Konstruktionsbeschreibungen und Fachbegriffe aus dem Schiffsbau ziemlich ermüdend. Zu meinem Glück gab es immer wieder in kursiver Schrift eingefügte interessante Passagen aus der Vergangenheit. Diese wurden aus Sicht unterschiedlicher Personen erzählt. Richtig fesseln konnte mich das Buch erst ungefähr im letzten Drittel.
Hélène Gestern schreibt sehr detailliert und bildhaft. Mir haben besonders die stimmungsvollen Beschreibungen der Insel Cézembre und des Meeres gefallen.
Ein ruhiger Familienroman, der von Liebe, Trauer, Verlust Betrug, Schuld und Versöhnung erzählt und der heilenden Kraft des Meeres.
Inhaltlich wie auch sprachlich ein Highlight
Das Geschenk des Meeres von Julia R. Kelly
Im Winter 1900 wird in dem schottischen Dorf Skerry ein Junge an den Strand gespült. In dem Pfarrhaus, in das er zunächst gebracht wurde, kann er nur ein paar Tage bleiben. Danach nimmt sich die Lehrerin Dorothy des Jungen an. Sie verlor vor Jahren ihren eigenen Jungen an das Meer. Dieser unbekannte Junge weckt nicht nur bei ihr Erinnerungen an jene Zeit und Nacht als Moses verschwand.
Julia R. Kelly hat ihre Charaktere sehr lebendig gezeichnet. Ich konnte mich mit ihnen freuen, habe mit ihnen gelitten und manche Person hätte ich gerne geschüttelt. Besonders Dorothy hätte ich gerne ein paar Ratschläge mit auf den Weg gegeben. Als sie in das Dorf kommt, wird sie als hochnäsig empfunden. In Wirklichkeit mangelt es ihr aufgrund einer lieblosen und wenig wertgeschätzten Kindheit nur an Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen. Sie muss erst lernen sich selbst zu vertrauen und auch Gefühle zu zeigen.
Die Atmosphäre des Romans ist melancholisch und teilweise bedrückend. Diese Stimmung wird zusätzlich durch die Mythen, die Abgeschiedenheit des Dorfes, das raue Meer und das harte Leben der Bewohner noch verstärkt. Rückblicke, Erinnerungen und die aktuellen Geschehnisse sind wie einzelne Puzzleteile, die nach und nach ein Gesamtbild ergeben.
Dieser Junge war nicht nur ein Geschenk für Dorothy, sondern für das ganze Dorf. Die Geschichte kommt still und leise daher, bewegt und berührt durch die Schicksale der Dorfbewohner. Eine Liebe, die nicht gelebt werden kann, unerwiderte Liebe, Sehnsüchte, unerfüllte Träume, Neid, Verlust, Schuld, Verzeihen und kleine Glücksmomente machen dieses Buch zu etwas Besonderem.
Drei starke Frauen gehen ihren Weg
Die Hummerfrauen von Beatrix Gerstberger
Beatrix Gerstenberger gibt uns einen Einblick in das Leben der 72-jährigen Ann, die sich in Maine als Hummerfischerin durchgesetzt hat, sowie in das der 54-jährigen Julie, die ebenfalls ihren Unterhalt mit Hummerfischen verdient und der 28 Jahre alten Mina, die es an den Urlaubsort ihrer Kindheit verschlagen hat.
Gemeinsam ist den Frauen, die zu Freundinnen geworden sind, dass jede auf die ein oder andere Weise einen Verlust erlitten hat und wieder ins Leben finden musste.
Das Leben in Stone Harbour ist nicht leicht. Die meisten Bewohner leben vom Hummerfischen und das raue Meer hat schon manchen Sohn oder Ehemann verschlungen. So rau wie die See sind auch die Bewohner, aber im Ernstfall stehen sie fest zusammen.
Ich mochte wie ich durch Rückblicke, Erinnerungen und Gespräche immer tiefer in die Geschichte und somit in das Leben der drei Frauen eintauchen konnte. Durch die bildhafte und bildgewaltige Beschreibung dieses Fleckchen Erde und seiner Bewohner kam mein Kopfkino auf Touren und ich meinte den stürmischen Wind im Gesicht zu spüren und das Salz auf meinen Lippen zu schmecken.
Ein wunderbarer Roman, der von Liebe, Freundschaft, Verlust, Verzeihung und dem täglichen Kampf des Lebens erzählt. Ich habe das Buch, das mich auch zum Nachdenken angeregt hat mit einem wohligen Seufzer geschlossen.
Humorvolle Unterhaltung mit der Online-Omi
Ihr habt es gut, ihr habt ja mich von Renate Bergmann
Renate Bergmann verschlägt es ins brandenburgische Örtchen Spreeweide. Ein Disput mit dem Bürgermeister hat Folgen, denn Renate entschließt sich trotz ihrer 82 Jahre für den Gemeinderat zu kandidieren. Dem Filz in der Gemeinde musste ein Riegel vorgeschoben werden.
In gewohnter Manier nimmt Renate Bergmann Missstände aufs Korn.
Humorvoll und mit einem Augenzwinkern werden in überspitzter Form die Verwaltung, die Berliner Verkehrsbetriebe sowie die Politiker in der Gemeinde aufs Korn genommen. An der einen oder anderen Stelle nickte ich mit dem Kopf und konnte Renate nur beipflichten.
Ich mag die Bücher von Renate Bergmann, garantieren sie mir doch ein paar witzige Lesestunden. Ihre Spitzen gegen Personen oder Institutionen sind dabei nie bösartig und enthalten immer ein Körnchen Wahrheit. Ich bin gespannt um welches Thema es in dem nächsten Buch von ihr gehen wird.
Jede Stimme zählt
Die Forscherbande - Sofia Valdez und die Wahl des Klassentiers von Andrea Beaty
Die zweite Klasse der Grundschule Bad Blaubach soll ein echtes Klassentier bekommen und Frau Greer bittet die Kinder um Vorschläge. Klar, dass jedes Kind gerne ein anderes Tier haben möchte. Einige Vorschläge scheiden aus, weil das Tier zu groß oder sogar gefährlich ist. Letztendlich stehen zur Wahl noch ein Vogel oder eine Schildkröte.
Sofia hat von ihrem Großvater schon einiges über den Ablauf einer Wahl gelernt. Ihr Wissen kann sie nun als Wahlleiterin anbringen. Aber die Durchführung ist gar nicht so einfach.
Anhand des für Kinder gut nachvollziehbaren Beispiels, ein Klassentier zu wählen, wird Demokratie, Wahlrecht und Journalismus kindgerecht erklärt. Kinder erkennen nicht nur die Bedeutung, sondern auch, dass jede Stimme zählt. Im Anhang gibt es weitere Informationen z. B. zur Wahl des Bundeskanzlers oder des Präsidenten der USA sowie Journalismus und Fake News. Bei diesen Kapiteln ist je nach Alter evtl. noch Unterstützung durch einen Erwachsenen notwendig.
Aufgelockert wird der Text durch viele Zeichnungen, Schaubildern und Ähnlichem.
Die Geschichte zeigt sehr anschaulich wie aus einer Vielzahl von Vorschlägen durch gemeinsames Erarbeiten und Zusammenhalt am Ende ein für alle akzeptables Ergebnis erreicht werden kann.
Deutsch-italienische Vergangenheit brillant erzählt
Zypressensommer von Teresa Simon
Bei den Büchern von Teresa Simon kann ich mir sicher sein, dass sie nicht nur ein Highlight sind, sondern ich in geschichtlicher Hinsicht auch immer etwas lernen werde. So war es auch hier.
Als erstes lerne ich Gianni kennen, dessen Geschichte hier stellvertretend für viele tausend italienische Militärinternierte (IMI) erzählt wird.
Nach dem Waffenstillstand zwischen Italien und den Alliierten im September 1943 wird er wie viele seiner Kameraden zwangsweise nach Deutschland verbracht, wo er als Zwangsarbeiter quasi ohne Rechte schuften muss.
Zur gleichen Zeit begegne ich in Italien Giulia, die während der Resistenza die Partisanen in ihrem Kampf gegen die Faschisten unterstützt.
Im dritten Strang, der im Jahr 1998 spielt, begibt sich Julia in Italien auf die Spuren ihres gerade verstorbenen Großvaters eben jenem Gianni.
Diese drei Charaktere sind jeder auf seine Weise starke Persönlichkeiten. Sie wurden so realistisch mit ihrem Fühlen und Denken beschrieben, dass ich mich ihnen ganz nah gefühlt habe. Ich habe mit ihnen die ganze Bandbreite der Emotionen durchlebt und beim Lesen manche Träne vergossen. Zum Glück wechselte sich die schwere Kost aus den vierziger Jahren immer wieder mit leichteren Passagen aus dem aktuelleren Strang ab. Hier konnte ich an der sich anbahnende Liebesbeziehung und dem italienischen Leben teilhaben. Gleichzeitig führte mir die Autorin die Schönheit und die Sehenswürdigkeiten der Toskana vor Augen und machte mir den Mund mit landestypischen Speisen wässrig.
Teresa Simon schreibt so anschaulich und fesselnd, dass ich sofort in ihre Geschichten eintauchen kann. Kern ihrer Erzählungen sind immer akribisch recherchierte historische Begebenheiten. In diesem Fall bekam ich eine grandiose Mischung aus Geschichtsunterricht, Familiengeheimnis, Romanze und Reiseführer.
Wenn ich könnte, würde ich diesen Roman zur Pflichtlektüre für einen Großteil der Bevölkerung machen, damit den Menschen die Gräueltaten und die furchtbaren Auswirkungen eines Krieges anschaulich vor Augen geführt werden. Denn diese Zeiten wie unter den Nazis dürfen niemals wiederkommen.
Ich kann gar nicht in Worte fassen wie sehr mich dieser Roman bewegt und berührt hat. Er ist einer von den Büchern, die mehr als fünf glänzende Sterne verdient hätten.
Brillanter Krimi
Schwedenglut von Jesper Lund
Das ist bereits der dritte Band aus der Reihe mit Niklas Zetterberg und Emma Stehen. Da ich die Vorgänger bereits gelesen habe, ging ich mit einer gewissen Erwartung an diesen Krimi heran und ich wurde nicht enttäuscht, ganz im Gegenteil. Bereits der Prolog konnte mich fesseln und die Spannung hielt bis zum Ende.
Jesper Lunds Schreibstil ist locker und leicht zu lesen. Seine bildhaften Beschreibungen ließen nicht nur das Kopfkino anspringen, sondern auch hin und wieder meinen Atem stocken. Das ist dieses Mal nicht nur dem Fall geschuldet, sondern liegt auch an seiner Begegnung mit der ehemaligen Lebensgefährtin, die ihm mehr zu schaffen macht als er zugeben will. Nachdem er dadurch auch Emma in Gefahr bringt, trifft diese eine für Niklas folgenschwere Entscheidung.
Dieser vielschichtige Krimi besticht nicht nur durch seine Spannung vom Anfang bis zum Ende, sondern auch mit den besonderen Charakteren. Von mir gibt es nicht nur eine unbedingte Leseempfehlung, sondern auch fünf mehr als verdiente Glitzersterne.
Warum musste Pablo sterben?
Mordseemusik von Emmi Johannsen
Bewertet mit 4.5 Sternen
Auf Borkum herrscht eine ungewöhnliche Hitzewelle. Die Luft im Musikpavillon auf der Promenade ist stickig als sich Caro Falk mit dem Inselchor auf ihren Auftritt vorbereitet. Sie sollen heute den Schlagerstar Pablo Lavega musikalisch begleiten, aber daraus wird es nichts, denn der Sänger bricht plötzlich zusammen.
Klar, dass Caro sofort einen Mord wittert und sich mit Jan auf Ermittlungstour begibt.
Für mich ist jeder Krimi dieser Reihe wie nach Hause kommen und das nicht nur, weil ich die Protagonisten inzwischen ins Herz geschlossen habe, sondern weil sie auf meiner deutschen Lieblingsinsel spielen und mir viele Schauplätze bekannt sind.
Emmi Johannsen schreibt flüssig und legt gekonnt Spuren, auch falsche. So auch hier, so dass ich mich sehr lange auf der falschen Fährte befanf. Was mich allerdings zusehends nervt, ist das Herumgeeiere zwischen Caro und Jan. Jeder sieht und merkt es, aber die zwei kommen auch dieses Mal nicht zusammen.
Ein unterhaltsamer Krimi mit sympathischen Protagonisten, Insel-Flair und Nordseefeeling.











