Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Ameland:
Warum in die Ferne schweifen ...
DUMONT #genausoschön in Nordrhein-Westfalen von Antje Zimmermann
Ich bin da ganz der Meinung von Antje Zimmermann, die im Vorwort bereits fragt: „Warum in den Billigflieger steigen und überfüllte Trendmetropolen besuchen, wenn es … gleich vor der Haustür gibt?“ Als Bewohner von NRW haben wir schon viele schöne Ecken in unserem Bundesland besucht, aber immer wieder gibt es noch etwas Neues zu entdecken wie ich auch in diesem Buch des Dumont-Verlags gemerkt habe.
Auf den beiden Klappentext-Innenseiten kann ich auf den Karten schon grob erkennen, wo die 33 Traumziele und ihre ebenso schönen Alternativen in West und Ost zu finden sind. Genauer ist es auf der kleineren Karte, die es zu jedem Ausflugsziel gibt, zu erkennen. Und diese Lieblinge der Autorin sind so unterschiedlich und vielfältig wie das Bundesland. Es geht auf die Schiene, zu Weihnachtsmärkten, in Museen, in hübsche Orte, aufs Wasser, unter die Erde, betrachten besondere Architektur, gehen baden und noch viel, viel mehr. Zu jedem Ziel gibt es nicht nur einen kurzen Text, der Lust auf einen Ausflug dorthin macht, sondern auch tolle Fotos. Außerdem gibt es zusätzliche Empfehlungen und Tipps z. B. zu Einkehrmöglichkeiten. Mit Hilfe der angegebenen Internet-Adressen können schnell weitere Infos eingeholt werden.
Wer sich gerne auf Entdeckungsreise in NRW begibt oder demnächst begeben möchte, dem kann ich dieses handliche Buch nur empfehlen. Mein Fazit zu diesem gut strukturierten Tippgeber für Nordrhein-Westfalen: Uns wird es in den nächsten Wochen und Monaten mit Sicherheit nicht langweilig werden.
Mehr als nur ein toller Krimi
Tatort Hafen - Der Tote von Lagerhaus F von Kästner & Kästner
Dies ist bereits der vierte Band aus der Reihe Tatort Hafen aus der Feder des Ehepaars Angélique und Andreas Kästner. Mich haben schon die vorherigen Bände begeistert, daher war ich gespannt was sich das Autorenduo dieses Mal hat einfallen lassen.
Ausgerechnet während des Highlights des Jahres im Hamburger Hafen, dem Hafengeburtstag wird am verlassenen Moldauhafen eine Leiche gefunden.
Als wenn die Wasserschutzpolizei mit den Vorbereitungen und der Durchführung dieses jährlichen Events nicht schon alle Hände voll zu tun hätte, muss Tom Bendixen auch bei den Ermittlungen behilflich sein.
Mich ziehen bei dieser Reihe nicht nur die spannenden Ermittlungen in ihren Bann, sondern begeistern auch die vielen interessanten Informationen zur Arbeit der Wasserschutzpolizei und weitere Fakten rund um den Komplex des Hafens wie z. B. in diesem Fall dem Moldauhafen. In meinen Augen eine geniale Mischung. Diese Infos und die realitätsnahen Beschreibungen z. B. auch des Funkverkehrs kommen nicht von ungefähr, denn Andreas Kästner war viele Jahre als Hauptkommissar der Hamburger Wasserschutzpolizei tätig.
Inzwischen sind die Protagonisten Tom, Jonna, Charlotte und Quetsche schon gute alte Bekannte, auf deren Wiedersehen ich mich jedes Mal freue. Auch im Hamburger Hafen kenne ich mich zunehmend besser aus, wozu auch die Karten in den Klappen-Innenseiten beitragen.
Dieser Krimi war wieder ein Top-Leseerlebnis voller Spannung, mit Attraktionen, rasanter Verfolgungsjagd, vielen interessanten Informationen zum Hafenkomplex und der Arbeit der Wasserschutzpolizei. Von dieser Reihe kann ich nicht genug bekommen!
Jeder hatte es verdient
DAISY - Und all deine Geheimnisse werden mir gehören von Melanie Raabe
Die 34-jährige Rechtsanwältin Luca hat einen besonders stark ausgeprägten Gerechtigkeitssinn. Daher geht sie nachts einer etwas speziellen Tätigkeit nach, von der nur ihr Freund Walter weiß. Auch wenn er die Aktionen nicht gutheißt, unterstützt er Luca und versucht, sie zu beschützen. Aber irgendwer hat von ihrem Geheimnis erfahren und beginnt sein nicht ungefährliches Psychospiel.
Der Schreibstil von Melanie Raabe ist gewohnt flüssig und zieht einen sofort in die Geschichte. Luca und ihre Motivation lernt man nicht nur in den Gesprächen mit dem 78-jährigen Walter besser kennen, sondern besonders durch die Rückblicke in ihre Jugend. So erklärt sich warum sie das Heft selbst in die Hand nimmt.
Der Thriller nimmt in dem Moment Fahrt auf, als Luca aufgeflogen zu sein scheint. Aber wer ist hinter ihr Geheimnis gekommen und was hat der- oder diejenige vor? Anwärter für Racheaktionen gibt es reichlich. Die Spannung bezieht der Thriller aus der Ungewissheit Lucas. Was erwartet sie als nächstes und wem kann sie vertrauen.
Auch ich habe gerätselt und war mir nicht sicher wer hinter dem Ganzen wohl stecken würde. Luca, dem solltest du nicht trauen! Dann wieder, ach, er scheint doch ein Guter zu sein. Aber die, sie hat einen Grund und auch die Möglichkeiten. Und so ging es mir wie Luca, nur dass ich sicher in meinen vier Wänden saß.
Mir hat auch dieser unblutige Thriller von Melanie Raabe gefallen, obwohl die Spannung zwischendurch auch mal absackte.
Briefe bedeuten auch Wertschätzung
Der Briefladen, in dem ich dich fand von Baek Seungyeon
Wer schreibt heute noch persönliche Briefe? In unserer schnelllebigen Welt findet der Austausch überwiegend nur noch digital statt. Ganz anders stellt sich das in dem Roman der koreanischen Autorin Baek Seungyeon dar. Die Beschreibung des Briefladens mit seinem wunderschönen Briefpapier, der leisen Musik im Hintergrund und den liebenswürdigen Angestellten machte mir Lust auf einen Besuch dieses Geschäfts.
Besonders gefallen hat mir, die Idee dort auch Brieffreundschaften knüpfen zu können. Ein persönlicher Brief, für den sich jemand Zeit genommen und sich Gedanken gemacht hat, ist doch ganz etwas anderes als eine WhatsApp-Nachricht.
Die Autorin hat einen ruhigen und wohltuenden Schreibstil, der teils poetisch und teils philosophisch anmutet. Die vielen enthaltenen Lebensweisheiten ließen mich öfters innehalten und regten zum Nachdenken an. Die andere Sichtweise der Koreaner auf das Leben unterscheidet sich schon sehr von unserer westlichen Einstellung. Manchmal habe ich mir gewünscht, dass wir uns einiges von dieser asiatischen Einstellung abgucken würden.
Die Protagonisten, die zu Beginn in einer Übersicht mit ein paar Sätzen vorgestellt werden, fand ich sympathisch und liebenswürdig. Ihr Umgang miteinander war sehr wertschätzend und darauf bedacht, niemanden zu brüskieren oder zu verletzen. Ob es nach der Trennung von Hyoyeong und Yeonggwang eine zweite Chance für die Liebe gibt oder ob sie sich jeweils für einen anderen Partner entscheiden steht auf Messers Schneide.
Den ersten Band hatte ich vorher nicht gelesen, habe aber keine Verständnisprobleme gehabt. Ein Roman, der entschleunigt und mich beim Lesen zur Ruhe kommen ließ.
Mit Zahlen Spaß haben
Rechnen NERVT! - Mathe? Ohne mich! (Rechnen NERVT! 1) von Jens Schumacher
Im Alles-Markt ist die Einrichtung ebenso alt wie die beiden Schwestern, die den Laden betreiben. Nicht nur die Türglocke bimmelt ständig, sondern auch die altertümliche Registrierkasse gibt die unterschiedlichsten Geräusche von sich. Dieser permanente Geräuschpegel nervt die Schabe Konstantin Kukerluk, die sich heimlich im Alles-Markt eingerichtet hat.
Was Konstantin noch mehr hasst als Lärm sind Zahlen! Kann man sich kaum vorstellen, oder?
Die in die Geschichte eingebetteten Rechenrätsel weisen unterschiedliche Schwierigkeitsgrade auf. Mal geht es um einfaches Zählen, mal ums Addieren und ein anderes Mal ist Logik gefragt. Das verspricht Abwechslung, macht die Kinder neugierig und sie bleiben am Ball. Wichtig ist dabei, dass das Kind/die Kinder zwischendurch Erfolgserlebnisse haben und Lob oder Aufmunterung bekommen.
Der Schreibstil ist kindgerecht. Die große Schrift kommt auch nicht so geübten Lesern entgegen. Lediglich bei einigen schwierigen Wörtern oder den Namen der Figuren wird evtl. Hilfe benötigt. Für Abwechslung und kurze Unterbrechungen sorgen die vielen bunten Illustrationen.
Es mach Spaß auf diese Art zu lernen und vielleicht mag auch Konstantin irgendwann gerne Zahlen und Rechnen. Am Ende des Buches treffen wir im Alles-Markt zu unserer Freude noch auf Karoline Kneberwecht, die wir aus der Lesen-Nervt-Reihe kennen.
Eine neue Herausforderung für Karoline
Lesen NERVT! - Bücher? Komplett doof! (Lesen nervt! 5) von Jens Schumacher
Wir kennen Karoline Kneberwecht und ihre Abneigung gegen Buchstaben, Wörter und Bücher schon aus den vier Vorgängerbänden. Dieses Mal erwartet sie Besuch von ihrer Nichte Kunigunde, die gerne Bibliothekarin werden möchte. Da könnt ihr euch sicher vorstellen welche Horrorvorstellung der angekündigte Besuch bei Karoline auslöst.
Könnt ihr nicht? Na dann müsst ihr das Buch erst recht selber lesen!
Mir gefällt, dass mit Kunigunde wieder eine neue Figur in die Reihe aufgenommen wurde. Das macht die Kinder neugierig und sorgt für neue Motivation.
Ich bin immer wieder erstaunt welche neuen Geschichten und Übungen Jens Schumacher einfallen. Da müssen z. B. vorgegebene Worte in einer Geschichte an die richtige Stelle platziert werden oder bei einer Art Bilderrätsel, bestimmte Buchstaben gegen andere Buchstaben getauscht werden damit sich ein anderes Wort ergibt. Herzhaft gelacht wurde hier bei der Geschichte vom A-Bär.
Entgegen Karolines Meinung finden wir, so macht Lesenlernen richtig Spaß. Die kniffeligen Übungen stacheln den Ehrgeiz an und die vielen lustigen Illustrationen sind eine schöne Unterbrechung des Textes. Außerdem macht die große Schrift das Lesen für ungeübtere Kinder etwas leichter.
Der Möwenhof und seine Bewohner sind einfach ein Traum
Herbstleuchten über dem Möwenhof von Frida Jacobsen
Ich habe den ersten Band Sommerhimmel über dem Möwenhof geliebt und war auf diese Fortsetzung sehr gespannt. Dieses Mal geht es nicht direkt um die liebenswerten und so sympathischen Bewohner des Möwenhofs, sondern um Ole. Er ist in finanzielle Schwierigkeiten, sein Pfahlbauten-Restaurant in Sankt Peter-Ording läuft nicht wie gewünscht und das Wetter hat sich auch gegen ihn verschworen.
Ein Konkurrent macht ihm zu schaffen und in Liebesdingen läuft es auch nicht gut. Wie gut, wenn man dann Freunde hat wie die Möwenhöfler. Allerdings können einem manche gut gemeinte Taten auch ganz schön ins Schwitzen bringen.
Ich habe mich ja schon beim ersten Band in den Möwenhof und seine Bewohner verliebt. Dieses Gefühl hat sich noch verstärkt, denn Frida Jacobsen schildert sie mit so viel Herzblut. Aber auch die übrigen Protagonisten waren mir fast alle sympathisch. Besonders haben es mir in diesem Band die Kinder angetan, sie sind die heimlichen Helden.
Den flüssigen und teils humorvollen Schreibstil der Autorin mag ich sehr. Die bildhaften Beschreibungen der zahmen wie auch tobenden Nordsee und der Landschaft ließen Bilder vor meinem inneren Auge entstehen. Gemütlich machen, Buch aufschlagen, in die Geschichte versinken, sich wohlfühlen, Buch zuschlagen, verwundert umgucken und seufzen, weil man nicht auf dem Möwenhof ist, aber das Ende schon erreicht wurde. So war dieser Roman für mich.
Trotz meiner Begeisterung hat mir der vorherige Band ein kleines bisschen besser gefallen, weil er sich mehr um den Möwenhof drehte. Hier gab es doch so einige Auswärtsspiele.
Familiäre Verwicklungen
Der Prätorianer von Tobias Bukkehave
Ein toter junger Mann, auf dessen Augenlidern jeweils eine antike Goldmünze liegt, rundherum altertümliche Gegenstände und das Ganze wird von vielen Kerzen erhellt. Das ist der Anblick, der sich der Kriminalkommissarin Sara Levin und ihrem Partner Janus West bietet. Was hat es mit dieser Szenerie auf sich? Bevor das Team eine bestimmte Richtung für die Ermittlung einschlagen kann, wird ein zweiter Leichnam gefunden.
Sara ist keine Frau, die einem auf Anhieb sympathisch ist. Sie ist eigensinnig und bestimmt gerne die Richtung. Sie ist geprägt von einem familiären Ereignis in der Vergangenheit, welches sie hier wieder einholt. Janus West ist der ausgleichende Part bei diesem Ermittlerduo.
Mich hat dieser Thriller schnell gepackt. Leider fand ich dann das, wenn auch schlüssige, Ende konstruiert und teilweise unglaubwürdig. Interessant waren für mich die historischen Artefakte und der geschichtliche Hintergrund dazu. Hier konnte ich einiges Neues lernen.
Insgesamt jedoch hat mir der Thriller von Tobias Bukkehave gut gefallen. Da sich am Ende noch eine unbeantwortete Frage ergibt, bin ich gespannt auf die Fortsetzung.
Ungeahnte Frauenpower
Die Honigfrauen - Eine neue Heimat von Mirjam Müntefering
Die von Irma und Auguste geplante Eröffnung ihres Landcafés lief leider nicht so wie erhofft. Der eingestellte Konditor konnte die Gäste nicht mit seinen Backwerken überzeugen. Es fehlen die Kreationen, die Ludwig Honig zu erschaffen verstand. Irma hätte eine Idee, aber ob da die entsprechenden Personen mitspielen werden? Zu alldem kommen noch zwischenmenschliche Probleme und üble Schachzüge der Konkurrenz hinzu.
Ich habe mich gefreut wieder ins Bergische Land zu reisen und die drei Honigfrauen eine Weile zu begleiten. Beim Lesen war ich mal wieder froh im Hier und Jetzt zu leben. Anfang des letzten Jahrhunderts hatten es die Frauen nicht leicht wie auch dieser Roman zeigt. Männer hatten das Sagen und aus geschäftlichen Dingen hatten sich die Frauen rauszuhalten. Die Honigfrauen widersetzen sich diesen allgemein gültigen Regeln und zeigen, dass Frauen im Geschäftsleben den Männern in nichts nachstehen.
Eine mitreißende und emotionale Familiensaga, die Mirjam Müntefering in einem flüssigen und bildhaften Schreibstil zu Papier gebracht hat. Ihre drei Protagonistinnen sind starke und für die damalige Zeit sicher ungewöhnliche Charaktere. Ich kann mir aber gut vorstellen, dass es solche Frauen durchaus gegeben hat. Mir hat der erste Band schon so gut gefallen und die Fortsetzung steht dem in nichts nach.
Die Geschichte hat gezeigt was man alles mit Zusammenhalt und Engagement erreichen kann. Gerne hätte ich von den Honigfrauen noch mehr gelesen, aber so war es auch ein schönes und passendes Ende.
Ein wundervoller und bewegender Roman
Die Bernsteinfischerin von Lisa Quentin
Zwei Frauen, die scheinbar nichts gemein haben außer ihrer Liebe zu Bernstein und die dazu altersmäßig mehrere Jahrzehnte trennen. Aber dieser erste Anschein täuscht. Sowohl Ebba als auch Julika sind starke Frauen, die sich nach Freiheit sehnen, aber aufgrund familiärer Probleme und Zwänge lange Zeit kein selbstbestimmtes Leben führen können.
Lisa Quentin hat ihre beiden Protagonistinnen stark, authentisch und gefühlvoll gezeichnet. Ich konnte tief in ihre Gedanken- und Gefühlswelt eintauchen. Mit beiden Frauen habe ich mitgefühlt, aber Ebba mit ihrem ungestümen Wesen und ihrer Liebe zur Natur und dem Meer war mir etwas näher. Vielleicht liegt das auch an meinem fortgeschrittenen Alter. Aber auch die Nebenfiguren waren in ihren Handlungen realistisch und stringent.
Der ruhige und atmosphärische Schreibstil sorgte für angenehme Lesestunden und im Zusammenspiel mit der Geschichte für ein Lesevergnügen. Für mich als Fan der Nord- und Ostsee waren die bildgewaltigen Beschreibungen des Meers und der Natur ein weiteres Highlight. Ich habe förmlich das Brausen der See sowie die Schreie der Möwen im Ohr gehabt und den Wind in meinen Haaren gespürt.
Die Autorin hat in diese wunderschöne Geschichte gekonnt Themen wie Verlust, Trauer, Traumabewältigung und den Kampf auf Selbstbestimmung eingeflochten. Mit einem weinenden und einem lachenden Auge musste ich Ebba und Julika verabschieden, aber vergessen werde ich sie so schnell nicht.











