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Rezensionen von Eternal-Hope:

Berührend, authentisch und Mut machend

Nach Grau kommt Himmelblau von Thomas Reinbacher

"Nach grau kommt himmelblau" von Dr. Thomas Reinbacher ist ein zutiefst berührendes Memoir eines Menschen, der es geschafft hat, nach mehrmaligen schweren depressiven Phasen samt langen Aufenthalten auf der stationären Psychiatrie wieder zurück in ein glückliches Leben zu finden. Aus dem blauen Himmel des überragenden Erfolges einer großen Karriere bei bekannten Weltkonzernen war der Autor mitten ins tiefste Elend der Depression gestürzt, kurze Zeit, nachdem er Vater eines kleinen Sohnes geworden war.

Und es dauerte so einige Zeit, bis er sich eingestehen konnte, nicht nur eine kurzfristige Krise oder ein Burnout durch Überarbeitung, sondern eine richtige Depression zu haben, und bis er sich auf den Weg zurück bzw. in ein neues Leben, der nicht gerade, sondern mit vielen Hindernissen gepflastert ist, voll und ganz einlassen konnte.

Eine Depression zu haben ist nichts Seltenes, leider sind viele Menschen davon betroffen. Doch nur wenigen gelingt es danach, die eigene Erfahrung in so authentische und berührende Worte zu fassen, wie das dem Autor mit seinem Buch gelungen ist. Ich hatte selbst einen nahen Angehörigen mit einer schweren Depression und habe so vieles wiedererkannt: sowohl in Bezug auf seinen Zustand als auch hinsichtlich der Psychiatrieaufenthalte. Zu meinem großen Bedauern hat mein Angehöriger den Weg aus der Depression heraus nicht mehr gefunden... nach der Lektüre des Buches dieses Autors verstehe ich jetzt aber noch einmal mehr, wie schwierig das ist und wie viel Kraft es erfordert, aber auch was für eine bedeutende Rolle dabei günstige Rahmenbedingungen und soziale Unterstützung spielen. Glücklicherweise hatte der Autor sowohl einen unterstützenden Arbeitgeber als auch eine liebende Familie und verständnisvolle Freunde an seiner Seite.

Passend dazu ist das Buch in drei Teile gegliedert: zuerst erzählt der Autor seine Geschichte, den Absturz in die tiefe Depression und den Weg zurück, über mehrere Klinikaufenthalte. Danach gibt es Raum für die "Sicht der anderen", hier erzählen seine Frau, ein guter Freund, und "sein altes Ego". Dadurch wird die Sicht der Angehörigen deutlich, aber auch, speziell im letzten dieser drei Kapitel, wie wenig Verständnis Menschen (in diesem Fall der Autor selbst vor seiner Krise) für das Wesen einer Depression haben können, wenn sie diese noch nicht selbst erlebt haben oder im nahen Umfeld damit konfrontiert waren.

Im dritten Teil finden sich schließlich noch Selbsttests für Burnout und Depression, Antworten für Betroffene, Tipps für Angehörige und Kontaktadressen für Hilfe im Akutfall.

Sehr berührend ist, wie persönlich das Buch erzählt ist und wie etwa Spotify-Links zu Musik, die dem Autor in gewissen Situationen viel bedeutet hat und die er mit seinen Emotionen verbindet, eingebaut sind. Auch sonst ist das Buch trotz des dunklen Themas sehr humorvoll geschrieben: zum Beispiel ist anhand von Kackhäufchen und Herzchen dargestellt, an welche Methoden der Autor große Erwartungen hatte und welche diese erfüllt oder übertroffen haben, aber auch, welche enttäuschend waren.

Besonders interessant und hilfreich fand ich auch das Thema: "Was sind eigentlich meine Werte im Leben?", das dem Autor zum ersten Mal in der Psychotherapie begegnete (von den Werten "Kompetenz", "Großes erreichen", "Anerkennung", "Karriere" und "Perfektion" aus der Zeit vor der Krise hin zu "Akzeptanz", "Kreativität", "Papa sein", "Andere unterrichten" und "Tüfteln" für das Leben danach) und das er so hilfreich fand, dass er dazu gemeinsam mit seiner Frau ein eigenes Kartenset entwickelt hat, das ich mir ebenfalls besorgt habe und das ich auch sehr empfehlen kann.

Insgesamt ist es ein sehr berührendes und hilfreiches Buch, das ich allen, die selbst von Depressionen betroffen sind, Betroffene kennen oder sonst mit dem Thema zu tun haben - und das sind eigentlich, ob bewusst oder unbewusst, alle Menschen, denn es gibt so viele Menschen mit Depressionen, dass jeder privat oder beruflich welche kennt, egal, ob man darüber schon nachgedacht hat oder nicht - nur wärmstens empfehlen kann.

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Tiefe Veränderung beginnt im Nervensystem

Rauhnächte - Reguliere dein Nervensystem und schaffe die Basis für persönliches Wachstum von Tanja Suppiger

Bücher über die Rauhnächte gibt es mittlerweile viele am Markt. Was unterscheidet dieses Buch von den anderen? Es ist sein klarer Fokus auf das autonome Nervensystem und auf seine Bedeutung für Veränderungen in unserem Leben. Die Autorin beschreibt schlüssig, woran viele gute Vorsätze und Visionen scheitern: an unserem eigenen Körper und Nervensystem.

Denn wenn wir uns innerlich nicht sicher fühlen, erstarren wir, und das macht Veränderung fast unmöglich - selbst, wenn wir sie uns noch so sehr wünschen. Es ist also empfehlenswert, sich erst einmal mit dem autonomen Nervensystem zu befassen und damit, wie man sich selbst in einen angenehmen, ruhigen, entspannten Zustand bringen kann, aus dem heraus die Arbeit an Zukunftsvisionen deutlich vielversprechender ist.

Noch ein weiterer Punkt, durch den sich das Buch unterscheidet: es beginnt nicht direkt mit den Rauhnächten, sondern schon mit der Zeit davor: mit den Sperrnächten ab dem 8. Dezember. Auch diese gehen auf eine alte, bäuerliche Tradition zurück: es ist die Zeit, in der die Arbeitsmaterialien des vergangenen Jahres für den Winter weggesperrt wurden, anstehende Arbeiten abgeschlossen wurden und insgesamt das Jahr sowohl auf der praktischen Ebene als auch spirituell zu einem bewussten Abschluss gebracht wurde, um sich dann bewusst auf die Rückkehr des Lichts mit der Wintersonnenwende, das Weihnachtsfest und danach die transformative Kraft der Rauhnächte und des Jahreswechsels einzulassen.

Somit setzt dieses Buch insgesamt deutlich früher an als viele andere Rauhnachtsratgeber und zeigt, wie man auf vielfältige Art und Weise den Boden für gewinnbringende Rauhnächte bereiten kann. Nach einer kurzen Einführung in das Thema widmet das Buch ein ausführliches Kapitel der Erklärung des autonomen Nervensystems als Grundlage für die Visionsarbeit in den Rauhnächten. Sympathikus und Parasympathikus werden beschrieben, genauso wie der Vagusnerv und die drei Hauptzustände des autonomen Nervensystems.

Dabei gelingt es der Autorin, eine zugängliche und leicht verständliche Sprache zu wählen, sodass diese medizinischen Themen auch für Menschen, die damit noch nicht viele Berührungspunkte hatten, anschaulich dargestellt sind. Weiters geht es um unser individuelles Stresstoleranzfenster und darum, wie wir dieses erweitern und die Rauhnächte als Zeit der inneren Stabilisierung nützen können: die Rauhnächte als sicherer Raum, von dem aus wir eine Transformation beginnen können.

Psychologisch betrachtet ist das Buch gut recherchiert und bietet solide Informationen über das autonome Nervensystem und über leicht anwendbare Techniken, sich selbst zu regulieren und zu stabilisieren, zum Beispiel über die Atmung, über die Verbindung mit anderen Menschen und über die bewusste Wahrnehmung von "Glimmern", kleinen Momenten der Freude und Sicherheit (z.B. ein Sonnenstrahl, das Rascheln der Blätter im Wind,...).

Dazu schreibt die Autorin: "Viele Menschen glauben, dass sie sich erst verändern müssen, um sich sicher zu fühlen. Doch es ist genau umgekehrt: Erst wenn wir Sicherheit spüren, ist Veränderung überhaupt möglich. Deshalb sind die Rauhnächte nicht nur eine Zeit der Manifestation, sondern eine Zeit der Regulation. In diesen Nächten schenken wir unserem Nervensystem bewusst Glimmer-Momente. Wir lernen, Sicherheit nicht nur im Außen zu suchen, sondern sie in uns zu spüren. Und genau daraus entsteht die tiefste Transformation." (S. 43)

Im Buch finden sich viele Übungen zur Schulung der Sinne, zur Körperwahrnehmung und zur Verbindung mit dem eigenen Inneren, sowohl in den einführenden Kapiteln, als auch dann bei den jeweiligen Sperrnächten oder Rauhnächten.

Detailliert beschrieben und liebevoll bebildert wird dann in die insgesamt etwa einen Monat (von 8.12. bis 6.1.) dauernde Zeit zuerst der Sperrnächte, dann der Wintersonnenwende und schließlich der Rauhnächte hineinbegleitet. Es beginnt mit den Sperrnächten, dabei sind jeder Sperrnacht etwa drei Seiten gewidmet. Diese beginnen mit einführenden Worten zum Thema der jeweiligen Sperrnacht (z.B. "Sicherheit" für die erste Sperrnacht), dann folgen Reflexionsfragen dazu (z.B. "Wann hast du dich im vergangenen Jahr sicher gefühlt?", "Wo hast du Sicherheit eher im Außen gesucht - und wo hast du sie in dir selbst gefunden?", S. 67) und schließlich gibt es noch eine abschließende körperbezogene Übung, zum Beispiel zum bewussten Atmen.

Im letzten Drittel des Buches schließlich geht es um die Rauhnächte selbst. Auch hier ist wieder jede Rauhnacht einem übergreifenden Thema gewidmet, das an die vorher schon bearbeiteten Themen der Sperrnächte erinnert - doch nun geht es nicht um den Rückblick auf das vergangene, sondern um die Vision für das zukünftige Jahr. Beispielsweise geht es auch in der ersten Rauhnacht wieder um Sicherheit, doch nun mit dem Blick auf die Kraft der Wurzeln für das neue Jahr und auf die Entscheidungen, die wir heute treffen können, um unsere innere Stabilität für das neue Jahr zu stärken. Auch hier gibt es wieder körperbezogene Übungen sowie einen Manifestationsimpuls, für den Januar z.B. "Was wäre, wenn dein Alltag selbst zu einem sicheren Raum wird?" (S. 111)

Insgesamt handelt es sich um ein sehr liebevoll gestaltetes und ansprechendes, psychologisch fundiertes Buch, das eine gute Basis für die eigene Bewusstseinsarbeit bietet und das ich auch aus beruflicher Sicht als Psychologin allen an Weiterentwicklung interessierten Menschen wärmstens empfehlen kann.

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Von der vergeblichen Sehnsucht nach einem Ankommen

No Way Home von T.C. Boyle

"No way home", der neue Roman von T.C.Boyle, beschäftigt sich vordergründig nicht so stark mit aktuellen Gesellschaftsthemen wie manche andere seiner Bücher. Sieht man aber genauer hin, dann tut er das sehr wohl. Porträtiert werden drei unreife junge Erwachsene, die alle drei sich auf ihre Art entwurzelt und heimatlos fühlen und auf der Suche nach Sicherheit, Geborgenheit und Bestätigung sind: nach einer äußeren Heimat für die innere Heimatlosigkeit.

Drei Menschen, die diesen Halt nicht in sich selbst finden können und ihn deshalb, natürlich vergeblich, in einer anderen Person suchen müssen.

Da gibt es Terry, einen jungen Assistenzarzt in Los Angeles, den der Zufall erst einmal gelegentlich in die abgelegene Wüstenstadt Boulder City verschlägt: denn hier war der Altersruhesitz seiner Mutter (aber nicht der Ort und das Haus, an dem er aufgewachsen ist - seine Heimat ist es hier nicht), hier hatte sie ein Haus gekauft und bewohnt, und nun ist sie plötzlich verstorben und an ihm ist es, das Haus zu erben, sich um ihren Hund Daisy zu kümmern und sich um alle bürokratischen Formalitäten zu kümmern. Terry ist ein engagierter und völlig überarbeiteter Arzt, mit kaum Privatleben und nur wenig Erfahrungen mit Frauen. Auch die mit der Abwicklung des Erbes verbundene Bürokratie ist ihm fremd und er fühlt sich innerlich dieser Sache kaum gewachsen. Sein bisheriger Werdegang mit der starken Konzentration auf das Medizinstudium und den ersten Jahren als Arzt hat wohl seine intellektuellen Fähigkeiten gefordert und gefördert und ihm einen sechsstelligen Schuldenberg an Studiengebühren hinterlassen, ihn aber emotional nicht erwachsen werden lassen.

So kommt es ihm durchaus gelegen und er wehrt sich höchstens halbherzig, als die sehr attraktive und nach einer Trennung von ihrem impulsiven Ex-Freund Jesse temporär obdachlose Bethany ins Haus von Terrys Mutter einziehen will und verspricht, sich um das Haus und den Hund sowie die mit dem Erbe verbundene Bürokratie zu kümmern. Zwar sagt er erst einmal "nein" dazu, sie macht es trotzdem, zieht einfach ein, stellt ihn vor vollendete Tatsachen. Statt sie entschlossen hinauszuwerfen, verfällt er ihren äußeren Reizen und die beiden beginnen eine sexuelle Beziehung. Er fühlt sich von ihr sehr angezogen - so eine attraktive Frau hat sich wohl noch nie für ihn interessiert - auch wenn sie abgesehen von der körperlichen Attraktivität viele problematische Persönlichkeitseigenschaften aufweist, das Haus verkommen lässt, ihre dubiosen Freunde gegen seinen Willen dorthin einlädt, um wilde Partys zu feiern, und nicht einmal davor Halt macht, sich dort gegen Terrys ausdrücklichen Wunsch mit ihrem Ex Jesse zu treffen, mit unangenehmen Folgen verschiedenster Art für Terry. Dennoch wird Terry sie nicht los und überlegt letztlich in seiner grenzenlosen Naivität sogar, sie zu heiraten. Bethany wiederum erhofft sich von der Verbindung mit ihm sozialen Aufstieg - immerhin ist er Arzt - und materielle Absicherung.

Der dritte im Spiel ist Jesse, Lehrer an der Junior High School, leidenschaftlicher Motorradfahrer, impulsiv und zu Gewalt neigend und der vermeintliche Ex Bethanys, mit dem sie fünf gemeinsame Jahre verbracht hat, der ihr in Bezug auf das soziale Milieu viel ähnlicher ist als Terry und von dem auch sie sich nicht so wirklich lösen will, was aus dem Ganzen eine sehr toxische Dreiecksgeschichte macht. Auch er will Bethany nicht loslassen, erhebt Besitzansprüche auf sie, ist eifersüchtig auf Terry, den er als "Spießer" ansieht und dafür zutiefst verachtet, und meint, eine tiefe Verbindung zu Bethany zu fühlen.

Sympathisch ist in diesem Roman keine der drei menschlichen Figuren, nur mit dem klugen Hund Daisy habe ich mitgefühlt. Alle drei Hauptcharaktere sind zutiefst unreif, unreflektiert und machen über den Roman keine sichtbare Charakterentwicklung durch. Dadurch wiederholen sich verschiedene Situationen in ihrem Leben auch immer wieder, beispielsweise versucht Terry immer wieder auf zaghafte und ungeschickte Art, Bethany Grenzen in Bezug auf den sorglosen Umgang mit seinem Eigentum aufzuzeigen, doch werden diese Versuche nie vehementer oder entschlossener und bleiben immer erfolglos. Bethany wiederum verharrt in ihrer Schwebesituation zwischen den beiden Männern selbst dann noch, als sich einige Ereignisse deutlich zuspitzen, die bei einer psychisch gesünderen Frau längst zu einer Distanzierung geführt hätten. Auch Jesse ist und bleibt der impulsive, zu gewalttätigen Ausbrüchen neigende Mann, der er immer war.

Das Ganze findet vor der Hintergrundkulisse von Boulder City statt, die als unattraktive und wenig Perspektiven für junge Leute bietende Wüstenstadt wirkt, in der die einzigen Freizeitaktivitäten zielloses Herumfahren mit dem Motorrad oder Saufen in Lokalen zu sein scheinen.

Reine Dreiecksgeschichten und Liebesdramen sind nichts, was ich normalerweise gerne lese, und ich schätze es sonst auch, wenn es eine charakterliche Weiterentwicklung der Figuren gibt. Dieses Buch hat mich dennoch sehr überzeugt, denn es ist auf eine Art und Weise geschrieben, in der ich gerade diese Stagnation der Charaktere und ihr Verweilen in ihrer Unbewusstheit und den daraus resultierenden Schwierigkeiten sehr glaubhaft finde.

Solche Menschen gibt es viele, und Boyle gelingt es hier, sie in ihrem Umfeld treffend zu porträtieren, und dabei gleichzeitig zum Nachdenken darüber anzuregen, was es für eine Gesamtgesellschaft bedeutet, wenn es viele solcher Menschen gibt und wie genau die dahinterstehenden Sehnsüchte nach einer inneren wie äußeren Heimat und einem Ankommen, ohne wirklich die dafür erforderliche innere und äußere Arbeit leisten zu müssen, sehr leicht von politischen Verführern eingefangen werden können (das ist nicht Hauptthema des Romans, schwingt für mich aber zwischen den Zeilen mit). Damit ist es ein düsteres, aber durchaus treffendes Gesellschaftsporträt des modernen Amerikas in den 2020er Jahren.

Auch sprachlich weiß Boyle genau, was er tut, und jeder Satz sitzt. Hier ein paar Beispiele:

"Leute, die behaupteten, die Wüste zu lieben, redeten immer von unverstellter Weite, aber für ihn war es mehr wie die Sohle eines alten Joggingschuhs: nichts als Druck und abgewetztes Profil. Dass die Wüste leer war, hatte einen Grund - sie war ein negativer Raum zwischen einem selbst und einem Ort, wo man sein wollte, eine letzte Zuflucht für Heilige und Skorpione." (S. 15)

"Das Wasser war kalt, und er blieb nicht lange drin. Auf dem Board hatte er keine Probleme mit dem Gleichgewicht, auch wenn dieser Sport - das ganze Konzept - ihm neu war. Der See war ebenfalls neu, jedenfalls diese intime Bekanntschaft mit ihm." (S. 56)

"Er schlief im Gästezimmer, und nicht mal der Hund leistete ihm Gesellschaft." (S. 293)

"Sie machte keinen Versuch aufzuräumen, noch nicht jedenfalls. Sie ließ Jesse stänkern, bis ihm die Luft ausging, und dann stand sie auf und zog Schuhe und Jacke an." (S. 368)

Insgesamt ist es ein tiefgründiges und interessantes Buch, das ich allen empfehlen kann, die sich für das moderne Amerika und seine vielfältigen Probleme interessieren und die kein Problem damit haben, ein Buch ohne (menschliche) Sympathieträger zu lesen.

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Über die Verfeinerung der eigenen Energie durch den schamanischen Weg

Energetische Selbstfürsorge von Benjamin Maier

Mit "Energetische Selbstfürsorge" hat der schamanische Lehrer und Heilpraktiker Benjamin Maier ein interessantes Buch herausgebracht, das allen, die für den schamanischen Weg offen sind und vielleicht schon ein bisschen Vorwissen und Erfahrungen in diesem Bereich haben, wertvolle, praktische Tipps zur Verbesserung des eigenen Energiefelds in die Hand gibt.

Das Buch ist sehr praxisnah aufgebaut. So beginnen neue Kapitel oft mit Selbsttests, bei denen man anhand von Fragen einschätzen kann, von welchem Ausgangsniveau man bei dem jeweiligen Thema startet, z.B., wenn es um das eigene Energielevel geht (das kann man mit Fragen wie "Weißt du genau, was du willst?", "Wie klar ist dein Geist?" oder auch "Spürst du dich selbst unter anderen Menschen?" näher erforschen).

Um Lebensenergie und das Energielevel geht es überhaupt sehr viel in dem Buch, als Basis für alles andere im Bereich energetische Selbstfürsorge. Davon handelt etwa die ganze erste Hälfte des Buches. Der Autor beschreibt, wie sich das Energielevel auf alle Lebensbereiche auswirkt, ob es nun um Gesundheit, Beziehungen, spirituelle Fähigkeiten oder beruflichen Erfolg geht. Ausführlich geht es auch um das Energiesystem insgesamt und die Energieströme im menschlichen Körper und um ihn herum aus schamanischer Perspektive. Diese Kapitel habe ich auch sehr interessant gefunden, hätte mir aber hier und auch an so einigen anderen Stellen - da so manches davon für mich neu war - ein paar illustrierende Grafiken gewünscht.

In der zweiten Hälfte des Buches geht es dann wirklich konkret um energetische Selbstfürsorge und darum, wie man, zum Beispiel durch Rituale und Kontaktaufnahme mit Naturgeistern, sich selbst schützen, transformieren oder das eigene Energielevel erhöhen kann. Gut gefallen hat mir dabei insbesondere, dass der Autor dabei auch auf mögliche Risiken und Gefahren hinweist, die damit verbunden sein können.

Insgesamt ist es ein sehr interessantes, praxisnahes und hilfreiches Buch eines Menschen, der glaubwürdig vertritt, in diesem Bereich sehr viel Wissen und praktische Erfahrung zu haben und von dem am schamanischen Weg Interessierte viel lernen können.

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Von der Weisheit, die in der Trauer liegt

Zeit der Abschiede von Klaus Brinkbäumer

Klaus Brinkbäumer, Jahrgang 1967, kann in seinem Leben auf so einige Erfolge und Segnungen zurückblicken: eine jahrzehntelange erfolgreiche Karriere als Journalist, mehrere Jahre als Chefredakteur des Spiegels und danach als Programmdirektor des MDR, eine erwachsene Tochter aus einer früheren Ehe und einen kleinen Sohn aus der aktuellen Ehe mit Samiha Shafy, mit der er vor einiger Zeit ein Buch über Hundertjährige veröffentlicht hat.

Sein Lebensstil ist privilegiert und materiell abgesichert, er pendelt in den im Buch beschriebenen Jahren zwischen New York - wo er mit seiner Familie in einer Wohnung in Manhattan mit toller Aussicht lebt - und Deutschland. Außerdem war ihm das nicht selbstverständliche Glück vergönnt, seine beiden Eltern lange in seinem Leben zu haben und erst in den eigenen 50ern zu verlieren, als beide schon ein hohes Alter erreicht hatten. Doch der Verlust der Eltern, nochmal mehr beider innerhalb der Zeitspanne von wenigen Jahren, ist für jeden Menschen ein existenzieller Einschnitt und oft auch eine tiefe Krise.

In diesem Buch gelingt es dem Autor, den Abschnitt von den beiden sterbenden Eltern in einen größeren Rahmen einzubetten, in "sieben Jahre des Loslassens und Wiederfindens", wie es im Untertitel passend heißt.

Das Buch beginnt mit dem Tod der Mutter und dem Bedauern und Unverständnis des Sohnes darüber, dass der Vater diese alleine über die Schwelle begleitet und seinen Sohn nicht verständigt hat, um sich in den letzten Stunden von der Mutter zu verabschieden, obwohl dies aus Sicht des Sohnes leicht möglich gewesen wäre. Etwas, womit er noch länger zu hadern haben wird im Verlauf des Buches. Darauffolgend wird dann in bruchstückhafter und nicht chronologischer Form von den sieben Jahren der Abschiede erzählt: der Zeitspanne zwischen 2018 und 2024, im Leben des Autors und in der Welt. Dementsprechend beginnen auch viele Absätze nach folgendem Muster: "Es ist der 17. Februar 2019, im zweiten Jahr der Abschiede,..." (S. 19).

Der große Thema des Buches ist natürlich der Abschied von den beiden alten Eltern, zuerst von der Mutter, später vom Vater, doch es geht insgesamt noch um viel mehr: um die Weisheit des mittleren Lebensalters und die reifende Erkenntnis, dass vieles zu Ende geht und nie wieder kommt, dass wir selten wissen, wann etwas zum letzten Mal geschieht, und dass niemand von uns am Ende von Tod, Trauer und Schicksalsschlägen verschont bleiben wird im Leben. Eingebettet ist dieses Thema in die globale Situation und insbesondere in die Zeit der Coronapandemie, die bekanntlich in diese Zeit fiel. Diese Pandemie mit all den damit verbundenen Aspekten ist ebenfalls ein großes Thema in diesem Buch - somit empfehle ich die Lektüre dieses Buches nur jenen, die bereit sind, sich neben dem Thema Trauer und alte Eltern auch mit dieser Zeit noch einmal innerlich auseinanderzusetzen.

Es ist ein stilles, weises, tiefgründiges und nachdenklich machendes Buch eines gereiften Menschen, der in seinem Leben schon einiges erlebt und erfahren hat und nun insbesondere hervorgerufen durch das Sterben und den Tod der alten Eltern die Gelegenheit nutzt, seine Gedanken über Tod und Vergänglichkeit in Worte zu fassen. Ich habe mir während des Lesens einige treffende Zitate notiert, die ich hier teilen möchte:

"Trauer nimmt die Trauernden gefangen und verunsichert die Nichttrauernden, weshalb sie aus deren Sicht gezähmt und überwunden werden sollte." (S. 11)

"Die Erschütterung unserer Welt hatten wir doch gerade noch für ungefähr 2035 erwartet, mit etwas Glück für 2040, das lag an der scheinbaren Langsamkeit der Klimakrise, am scheinbar unzerstörbaren Westen. Unsere Eltern, im Krieg geboren, dann aber die Nachkriegsgeneration und die Generation Wiederaufbau, hatten uns Stabilität garantiert. Und jetzt müssen wir uns von viel zu vielem verabschieden, zu schnell. Geborgene Jahrzehnte enden." (S. 33)

"Dass wir zurückkommen werden, das sagen wir, aber ich musste lange genug leben, ehe ich es verstanden, wirklich verstand, fühlte und wusste: Dinge enden, verstreichen, zerbrechen, und dann sind sie vorbei, und vielleicht kommen neue Dinge, vielleicht aber folgt bloß Leere. Erwachsensein heißt zu verstehen, dass nichts bleibt und nichts wiederkehrt; heißt, mehrere Gefühle zugleich zu erleben, das Glück und die Trauer; heißt, all das zugleich auszuhalten, auszubalancieren und weiterzugehen." (S. 43)

"Die Welt und mein Leben sind voll von Geschichten und Dingen, die niemand jemals hatte kommen sehen. Und doch glaubte ich, das Leben planen und gestalten zu können, glaubten wir das nicht alle?" (S. 51)

"Kein erwachsener Mensch führt ein Leben ohne Brüche und ohne Wendungen, ohne all die Fehlentscheidungen und Zufälle, die uns hierhin lenken und dorthin werfen; manchmal, für die Glücklichen, kommen die Schläge spät, doch sie kommen. Die meisten Menschen möchten sich das eigene Leben als lineare Geschichte des Aufstiegs, der Addition von Wissen, Liebe, Geld und Ruhm erzählen, ich wollte das auch, doch dann kommt die Ahnung, dass das Leben so nicht bleiben wird. Nicht ist. Niemals war. Oder bestenfalls am Anfang, in der Jugend, so gewesen sein wird." (S. 81)

"Vom Land der Gesunden und dem Land der Kranken spricht auch Christopher Hitchens, und irgendwann kommt der Moment der Deportation für jeden. Danach: Sehnsucht nach der einstiegen Heimat und keine Chance auf Rückkehr." (S. 107)

"Es ist ganz egal, es spielt keine Rolle, wer in einem Leben zuletzt angerufen hat, wer der letzte Besucher war, der letzte Freund oder der letzte Gegner, der Abschied ist immer eine einsame Angelegenheit." (S. 124)

Insgesamt ist es ein Buch, das mich persönlich sehr berührt hat und in dem viel Tiefgründigkeit und Weisheit zu finden ist und das ich jenen, die sich mit den Themen Tod, Sterben, Vergänglichkeit und alte Eltern auseinandersetzen möchten, ans Herz legen kann. Ich empfehle, sich für dieses Buch Zeit zu lassen, sich darauf einzulassen, den Worten Raum zum Wirken zu geben und sie, am besten in einem Notizbuch, mit den eigenen Gedanken, Gefühlen und Erfahrungen zu diesen Themen zu verbinden. Danke an den Autor für dieses ehrliche, persönliche Buch!

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Über die Kraft unserer Gedanken

SUPER SYNCHRONICITY - Tritt ein in die Frequenz der glücklichen Zufälle von Susanne Kos

Susanne Kos zeigt in ihrem Buch "Super Synchronicity" die Kraft der Visualisierung, Manifestation und zielgerichteten Gedanken auf. Es handelt sich um ein sehr praxisnah und zugänglich gestaltetes Buch, der Ton ist herzlich und persönlich, die Worte überzeugend. Hier schreibt eine Frau, die persönlich erlebt hat, dass die von ihr vorgestellte Methode funktioniert und die sich damit diverse, vor allem materielle und berufsbezogene, Ziele manifestiert hat.

Es ist im Kern die gleiche Methode wie in "The Secret" und vielen weiteren bekannten Manifestationsbüchern.

Schritt für Schritt und mit vielen Übungen führt die Autorin anschaulich durch die Methode und alle Lesenden, die diesem Weg folgen möchten, können das tun, werden dabei an der Hand genommen und durchgeleitet. Schon im Buch selbst kann man einige Übungen ausfüllen und findet dafür den nötigen Platz, begleitend dazu stellt die Autorin außerdem auf ihrer Website ein Arbeitsbuch zum Ausfüllen zur Verfügung, das man sich kostenlos runterladen kann.

Man spürt, dass der Autorin viel daran liegt, die Methode anschaulich zu vermitteln und auch auf mögliche Hindernisse und Widerstände bei der Umsetzung einzugehen.

Ich persönlich habe allerdings gespürt, dass diese Methode und die dahinter stehende Weltanschauung meiner persönlichen Spiritualität, meinem Glauben, meinen Werten und der Art und Weise, wie ich in der Welt sein, mich bewegen und etwas bewirken möchte, aber auch meiner Haltung von Vertrauen in etwas Höheres, Dankbarkeit und Demut gegenüber dem, was ich mit meinem menschlichen Gehirn nicht erkennen kann, in vielen Punkten fundamental entgegen steht.

Das ist kein Zweifel am Funktionieren der Methode, sondern an der Ethik dahinter und an den spirituellen Konsequenzen, resultierend aus meiner persönlichen Weltsicht. Ich möchte auch nicht in jeder freien Minute daran denken, mir aus dem Kopf irgendein - meist materielles und ich-bezogenes - Ziel zu manifestieren, wie es im Buch vorgeschlagen wird, sondern diese lieber mit einer Haltung von Dankbarkeit, Liebe und Vertrauen für die vielen Geschenke in meinem Leben füllen und auf den Weg vertrauen, auf dem ich mich von etwas Höherem geführt fühle und den ich nicht in jedem Detail kennen und selbst manifestieren muss.

Diese prinzipielle Kritik an der Methode ist aber nicht der Autorin anzulasten und eine Frage der persönlichen Haltung, Weltsicht und Spiritualität, deshalb ziehe ich dafür keine Sterne ab und gebe insgesamt 5 Sterne für ein sehr gut gestaltetes Buch, bei dem jede und jeder selbst entscheiden muss, ob die Methode einem entspricht. Wenn das so ist, dann ist es jedenfalls ein empfehlenswertes Buch, das diese Methode anschaulich, praxisnah und mit viel Herzblut vermittelt.

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Rauhnächte psychologisch betrachtet

Rauhnächte - 12 Tage nur für dich von Tanja Köhler

Bücher und Materialien zu den Rauhnächten gibt es mittlerweile unzählige, das Thema scheint in den letzten Jahren ein richtiger Trend geworden zu sein. Deshalb fokussiere ich mich bei dieser Rezension speziell darauf, was dieses Buch von anderen zum gleichen Thema unterscheidet, denn da gibt es hier tatsächlich einiges:

Die Rauhnächte sind die Zeit "zwischen den Jahren", zwischen Weihnachten und Dreikönigstag.

Es gibt viele uralte spirituelle Traditionen, die damit verbunden sind, und auch die moderne Esoterik beschäftigt sich schon lange damit. Das ist für Menschen interessant, die zu diesen Themen eine Verbindung fühlen, kann aber für andere, die eher eine bodenständig-wissenschaftlich-rationale Weltsicht haben, abschreckend sein.

Deshalb sei schon an dieser Stelle gesagt: auch diejenigen, die von Esoterik absolut nichts halten und an nichts Übersinnliches glauben, können mit diesem Buch einen wertvollen psychologischen Begleiter zur Reflexion des eigenen Lebens finden und sind hier in bester Gesellschaft: die Autorin ist Psychologin, ebenfalls skeptisch gegenüber dem Esoterikbereich und hat damit auch ein psychologisches Rauhnächtebuch verfasst. Hier muss man an nichts glauben, man muss nichts als Orakel oder Wahrsagemethode sehen - es geht einfach um eine Gelegenheit zur tiefgehenden Reflexion des eigenen Lebens: einmal im Jahr zu den Rauhnächten tiefgehender und einmal im Monat überblicksmäßig.

Das wunderschön und einladend gestaltende Buch geht zuerst kurz auf die historischen Hintergründe und Traditionen der Rauhnächte ein, um dann Reflexionsfragen und Rituale für jede Rauhnacht und den damit verbundenen Monat vorzustellen. Jeder Tag/Monat ist dabei einem psychologischen Thema gewidmet, zu dem es inspirierende Texte und Fragen gibt, beispielsweise geht es am 25.12., der für den Januar steht, um Klarheit, am 1. Januar (August) um Entscheidungen oder am 4. Januar (November) um Wandlung.

Hier ein Buchzitat aus dem Kapitel Wandlung: "Die Energie der elften Rauhnacht ist dem November zugeordnet. Wie kein anderer Monat steht er für das Abschiednehmen. Wobei in jedem Abschied auch immer ein Neubeginn steckt. So weit denken wir aber leider nicht. Das Bewusstwerden der Vergänglichkeit gibt uns die Möglichkeit, uns eine wesentliche Frage zu stellen: Was ist es, was mein Leben ausmacht und sinnstiftend ist?" (S. 111)

Passende Handlungsideen dazu sind dann etwa eine Dankbarkeitsliste oder auch eine Laudatio über das eigene Leben und die eigenen Fähigkeiten und ein Rückblick vor dem Hintergrund der Frage "Wozu war etwas gut", um darauffolgend loslassen und in eine gute Zukunft gehen zu können. Auch systemische Themen werden mit einbezogen, z.B. mit folgender Reflexionsfrage: "Welche Eigenschaften deiner Familie und früherer Generationen helfen dir, dich auf dich selbst zu besinnen und deinen ganz persönlichen Lebensweg zu gehen?" (S. 113)

Besonders wertvoll finde ich auch, dass es im letzten Teil des Buches - anschließend an die Übungen für die Rauhnächte selbst - für jeden tatsächlichen Monat im neuen Jahr eine Rückschauanleitung gibt, mittels der man sich nochmal an die während den Rauhnächten behandelten Themen erinnern kann, die eigenen Notizen dazu durchschauen kann und überprüfen kann, wie sehr man noch dem Weg, den man für sich für dieses Jahr gewünscht hat, folgt, und wo man Anpassungen vornehmen möchte.

Insgesamt ist es ein wertvolles Buch zu den Rauhnächten, das eine erfrischende neue, humorvolle und persönliche Perspektive einer Psychologin auf das Thema bietet, und, wie erwähnt, auch für Menschen abseits der traditionellen Zielgruppe spiritueller Bücher wertvolle Inspirationen bieten kann.

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Dieses Buch spricht mir aus der Seele

UNIversal gescheitert? von Lisa Niendorf

Vor kurzem habe ich "UNIversal gescheitert?" von Lisa Niendorf fertig gelesen und ich bin voll der Bewunderung für dieses großartige Buch einer mutigen Frau, die so vieles von dem, was ich und viele meiner Kolleginnen und Kollegen im Laufe der Jahre als Studierende und Mitarbeitende auf unterschiedlichen Universitäten erlebt haben, offen ausspricht.

Wie die Autorin das am Anfang ihres Buches anspricht, gibt es in den Köpfen vieler Menschen immer noch ein überhöhtes, idealistisches Bild von Universitäten und Wissenschaft, als ob das ein heiliger Raum wäre, in dem keine Missstände herrschen würden.

Wer aber näher mit diesem System in Berührung kommt, ob als Studierende oder später vielleicht als hoffnungsvolle Doktorandin oder wissenschaftlicher Projektmitarbeiter, wird oft bitter desillusioniert von all den Missständen, die es da gibt und gegen die man sich oft so machtlos fühlt. Denn kaum jemand unterhalb der ordentlichen Professuren - die nur von ganz wenigen privilegierten Menschen und wenn überhaupt, meist erst frühestens im mittleren Erwachsenenalter erreicht werden - hat kaum jemand eine gut abgesicherte Position auf einer Universität, die es erlaubt, offen Kritik zu üben, ohne die eigene Vertragsverlängerung zu gefährden.

Ich schätze die Ehrlichkeit der Autorin, mit der sie zugibt, selbst eine der wenigen zu sein, die im akademischen Mittelbau einen unbefristeten Vertrag erhalten haben, und wie das ihr dabei hilft, sich zu trauen, so ein mutiges Buch zu schreiben, das viele Widerstände so deutlich offen legt.

Um welche Missstände geht es in dem Buch? Um stark unterfinanzierte Universitäten, marode Gebäude, überfüllte Studiengänge. Um ein extrem hierarchisches System, in dem, wie oben beschrieben, alle unterhalb der allerhöchsten Positionen auch bei exzellenten Leistungen und noch so viel Fleiß und Anstrengung ständig um ihre Stelle zittern müssen, und das strukturell zu Machtmissbrauch regelrecht einlädt.

Denn es handelt sich bei näherer Betrachtung um ein System, das Ausbeutung und Missbrauch nicht nur verleugnet, sondern teilweise regelrecht fördert: denn Karriere macht etwa, wer die meisten Publikationen aufweisen kann. Und wer dafür abhängige wissenschaftliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ausnützt, ihnen viele unbezahlte Überstunden aufbrummt, sie fast die ganze Arbeit alleine machen lässt und dann aber ausschließlich den eigenen Namen auf die Publikationen schreibt, der hat auf dem Papier eine längere und eindrucksvollere Publikationsliste vorzuweisen. Ehrlichkeit, Redlichkeit und insbesondere die Qualität der eigenen Lehre oder gar besonderes Engagement für Studierende zählen hingegen kaum etwas für das Vorankommen im akademischen Bereich, können sogar hinderlich sein.

Der Autorin gelingt es, überzeugend und anhand von vielen Beispielen und einer fundierten Analyse des Aufbaus des wissenschaftlichen Systems, zu zeigen, dass die vielen Missstände in diesem Bereich eben keine Ausnahmefälle sind, sondern mit der Struktur dieses Systems zusammenhängen, welche zum Teil aktiv und bewusst aufgebaut wurde und geschützt wird, um die Interessen der Mächtigen zu vertreten. Da ist es auch kein Wunder, dass mit jeder Hierarchieebene auf den Universitäten mehr weiße heterosexuelle Männer aus sozioökonomisch privilegierten Milieus vertreten sind und alle, die in einer oder mehreren Kategorien davon abweichen, weil sie etwa Frauen, queer, migrantisch, mit Betreuungspflichten oder aus Arbeiterfamilien sind, sich schwer tun, hier ihren Platz zu finden und ihn zu behalten. Denn Menschen fördern meist die, die ihnen ähnlich sind, und auch Themen wie Rassismus, Diskriminierung, Ausbeutung und sexualisierte Gewalt sind nicht nur in der Gesamtgesellschaft, sondern auch auf Universitäten weit verbreitet, wie die Autorin eindrucksvoll anhand von aktuellen Zahlen und Beispielen belegt.

Sprachlich ist das Buch sehr zugänglich und gut verständlich geschrieben und die Autorin hat sich große Mühe gegeben, sich nicht hinter akademischer Sprache zu verschanzen, sondern das Buch für eine breite Menge an Interessierten lesbar zu machen und alle nicht allgemein bekannten Konzepte zu erklären.

Ich wünsche diesem Buch von Herzen, dass es viele Leserinnen und Leser findet, in der allgemeinen Bevölkerung, aber auch unter jenen in Machtpositionen, bei denen es vielleicht ein Umdenken bewegen möge, um eine wissenschaftliche Landschaft zu gestalten, die gerade die engagiertesten und klügsten Köpfe aus der gesamten Bevölkerung nicht frustriert und vertreibt, sondern wertschätzt und ihnen einen Raum gibt, sich einigermaßen abgesichert zu entfalten und damit zum Wohle aller zur Vielfalt der Perspektiven im wissenschaftlichen Bereich beizutragen. Das würde den aktuellen und zukünftigen Studierenden, der Forschung und der Gesamtgesellschaft sehr zugute kommen. Danke für dieses mutige Buch!

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Wo die Fallwinde die Berge hinab Richtung Meer sausen...

Noatun von William Heinesen

... da sind wir in Noatun: in der neuen Heimat mutiger, eigensinniger und individualistischer Menschen, die sich tapfer allen Widrigkeiten von Wind und Wetter entgegen stellen, um hier ein bescheidenes, unabhängiges neues Leben aufbauen zu können.

Die Geschichte spielt auf den Färöer-Inseln, in einer eher unwirtlichen Gegend mit langen, harten, dunklen Wintern und nur kurzen, hellen Sommern, voll von Stürmen und mitten im Meer.

Hier gibt es einen bisher unbesiedelten Ort, der Unheil verheißend Dodmandsdal (ja, das heißt übersetzt "Totmannstal") genannt wurde und an dem sich nun eine Gruppe von Menschen neu niederlässt.

Das Land muss erst von Steinen befreit und urbar gemacht werden, Häuser müssen erst gebaut werden und jedes Mal, wenn man den Ort verlassen will, um in einer größeren Ortschaft etwas zu erledigen, muss man einen von zwei gefährlichen Wegen auf sich nehmen: zu Fuß über die unwirtlichen Berge, den starken Winden ausgesetzt, auf jeden Tritt achtend, um nicht in die Tiefe zu stürzen. Oder mit einem kleinen Boot über das aufgeschäumte und unruhige Meer.

Für die langen, harten Winter müssen vorausschauend Vorräte an Nahrung und Heizmaterial angelegt werden, die doch in manchen Zeiten nur ganz knapp reichen. Und auch von so manchen Krankheiten und sonstigen Unglücken bleibt die neue tapfere Gemeinschaft nicht verschont.

Nein, Noatun ist kein Ort für bequeme, faule oder ängstliche Menschen! Doch wer fleißig und arbeitsam ist und sich einbringen möchte, der wird in dieser Gemeinschaft herzlich willkommen geheißen und aufgenommen.

Damit kommen wir zu den Menschen in dieser ungewöhnlichen neuen Siedlung: allesamt interessante Originale. Da gibt es den alten Angelund, seine Frau und seine erwachsenen Kinder samt Enkeln. Die junge Sara, die früh verwitwet wird, nachdem ihr Mann auf See tödlich verunglückt. Ihr Schwager, der Bruder ihres verstorbenen Mannes, der auf einmal nach Noatun kommt, sich um Sara kümmern will und sehr mysteriös wirkt. Tilda, die eine kinderlose Ehe mit ihrem Mann führt, erst einmal klar zu wissen scheint, was gut und was schlecht sei, und im weiteren Verlauf des Buches dann in so einigem überrascht. Einen Bauern, der die Siedlung aus der Ferne mit Skepsis beobachtet. Einen Kaufmann und einen Rechtsanwalt im nächstgrößeren Ort. Einen kognitiv leicht zurückgebliebenen, dafür körperlich umso härter arbeitenden Feldarbeiter, der sich nach langen Jahrzehnten des Ausgenutzt-Werdens bei einem Bauern nun dieser Gemeinschaft anschließt, jeden Tag hart arbeitet, aber auch seine persönlichen Grenzen setzt, und am Ende auch für seine ältere Schwester einen Platz dort findet. Und noch so einige mehr.

Abwechselnd werden die Geschichten all dieser Menschen und ihre Beziehungen zueinander erzählt, als eine Art Kollektivroman. Mir hat diese Erzählweise sehr gefallen, weil ich das Gefühl bekommen habe, wirklich einen umfassenden Einblick in die Lebensbedingungen nach einer Landnahme auf den Färöer-Inseln in den 1930er-Jahren zu bekommen (das Buch wurde im Original 1938 veröffentlicht und nun neu übersetzt).

Es ist eine sehr interessant erzählte Geschichte und die darin porträtierten Menschen und ihre Gemeinschaft haben mir viel an Bewunderung abgerungen in Bezug auf die Stärke und den Mut, mit denen sie den harten Umweltbedingungen trotzen, sich mit Eigensinn und Liebe ihren eigenen Ort aufbauen, aber gleichzeitig mit viel Herzlichkeit und Offenheit auch Neuankömmlinge bei sich aufnehmen und integrieren.

Insgesamt ist es ein Buch, mit dem ich sehr gerne verweilt bin, weil es gerade durch die liebenswerten Charaktere so viel Hoffnung in sich trägt und zeigt, wie Menschen auch unter herausfordernden Bedingungen sich für das, was ihnen wichtig ist, einsetzen, dabei ihren Individualismus bewahren und gleichzeitig in einer Gemeinschaft sich gegenseitig unterstützen können.

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Luftig-leichte medizinische Wissensvermittlung für Laien

Organisch von Giulia Enders

Vor mehr als zehn Jahren hat die junge Medizinstudentin Giulia Enders - wohl, wie es ihr wichtig ist zu erwähnen, auch damals schon grafisch und auch schon mit gutem Rat unterstützt von ihrer Schwester Jill - ein beeindruckendes, sehr humorvolles Buch über den Darm herausgegeben: "Darm mit Charme".

Dieses Buch wurde ein Bestseller und auch ich, ein paar Jahre älter als die Autorin und medizinisch sehr interessiert, habe es geliebt und dachte mir: was für ein Ausnahmetalent in der medizinischen Wissensvermittlung!

Umso neugieriger war ich nun, ein Jahrzehnt später, auf das neue Sachbuch der nun praktizierenden Ärztin Giulia Enders. Diesmal hat sie sich gleich mehreren Organen angenommen: in fünf große Kapitel gegliedert, geht es nun um Lunge, Immunsystem, Haut, Muskeln und um das Gehirn. In gewohnt witziger und nahbarer Sprache der Autorin beginnt jedes Kapitel mit einer kurzen persönlichen Geschichte aus dem Leben und der Familie der Autorin, um dann zu den jeweiligen Organen überzuleiten. Sehr interessant und amüsant habe ich gefunden, wie die Autorin versucht, den Leserinnen und Lesern durch metaphorische Bezüge und Verbindungen die Funktionsweise und den Sinn der jeweiligen Organe näher zu bringen, beispielsweise wenn sie das Immunsystem mit der gut abgeschotteten, aber im Inneren sehr gastfreundlichen Villa eines Freundes der Familie vergleicht. Auch inhaltlich habe ich so einiges Interessantes gelernt und aus dem Buch mitnehmen können: über die enorme Reaktionsfreudigkeit von Sauerstoff und seine Rolle in der Menschheitsentwicklung, darüber, dass nicht nur Bakterien, sondern auch Viren nützlich sein können, über die verschiedenen Arten der Muskelkraft und über so einiges mehr.

Insgesamt bleibt bei mir aber dennoch das Gefühl zurück, bei vielen der behandelten Themen sehr an der Oberfläche gekratzt zu haben, viel mehr als bei "Darm mit Charme". Mir ist bewusst, dass dieses Buch kein detailliertes medizinisches Fachbuch ist und sein kann, dennoch hatte ich beim Vorgänger den Eindruck, es wurde etwas mehr in die Tiefe gegangen. Vielleicht ist das der Tatsache geschuldet, dass sich hier gleich fünf Organe den Platz teilen mussten.

Im Anhang findet sich ein Quellenverzeichnis, hier hätte ich mir Referenzen und Bezüge zu den konkreten Textstellen gewünscht, um noch leichter selbst bestimmte Themen vertiefen zu können.

Es fällt mir schwer, das Buch abschließend zu beurteilen: nicht nur für die Autorin, sondern auch für mich ist mehr als ein Jahrzehnt vergangen, ich habe jetzt deutlich mehr medizinisches Wissen als damals und stelle vielleicht auch aus dieser Perspektive höhere Ansprüche an ein Buch, das gar nicht für ein medizinisch vorgebildetes Publikum gedacht war. Insgesamt ist es immer noch ein unterhaltsames und informatives, humorvoll und leichtfüßig geschriebenes Buch, das ich allen, die sich für den menschlichen Körper interessieren und noch kaum etwas darüber wissen, auf jeden Fall als leichten Einstieg und gute wissenschaftliche Unterhaltung empfehlen kann.

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