Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Petra:
Der Jacobsweg
Zum Glück gibt es Umwege von Anne Buist; Graeme Simsion
Der Untertitel lautet, "ein Roman über den Jacobsweg". Wenn man dann die Danksagungen liest erfährt man als Leser, dass der Autor und seine Frau den beschriebenen Weg gegangen sind, das sind ca.2000 Kilometer. Dass es mehr als ein Roman ist, die Beschreibungen und Erfahrungen des Weges sind authentisch, die Menschen und das Zwischenmenschliche ist teilweise erfunden oder bearbeitet.
Ich kenne den Autor von seinen Rosie Büchern, daher hatte ich große Erwartungen, die nicht enttäuscht wurden.
Er schreibt mit einem sehr feinen Humor und sehr feinfühlig gegenüber Eigenheiten oder Gefühle anderer Personen. Er macht sich allerhöchstens über sich selbst lustig, für seine Mitmenschen hat er nur Respekt. Seine Frau und Co-Autorin hat eine ähnliche Art und Weise zu schreiben.
Wechselseitig wird die Geschichte aus Sicht von Martin und Zoe erzählt, die beide aus unterschiedlichen Gründen den Weg gehen. Pragmatisch, um ein Hilfsmittel zu testen, spirituell, um nach einen schweren Schicksalsschlag wieder zu sich selbst zu finden. Sie treffen die unterschiedlichsten Menschen auf dem Weg. Manche werden Freunde, über die man sich freut wenn man sie wieder trifft, denn jeder geht nach seinem eigenem Tempo. Oder man lernt Menschen kennen die man nie wieder treffen möchte.
Das Buch vermittelt einen Heidenrespekt vor den Wanderern. Egal aus welchen Gründen sie gehen, es ist körperlich eine Riesenherausforderung. Auch die Frage wo schlafe ich, was bekomme ich wo zu essen, gibt es eine Dusche, Fragen die in einem normalen Urlaub ohne Schwierigkeiten im Voraus zu planen sind.
Über allem stehen die Menschen, die in diesem Buch beschrieben sind. Egal welcher Nationalität, egal welches Geschlecht sie sind mutig, hilfsbereit und sympathisch.
Ich möchte jetzt nicht den Weg gehen, mir reichen meine 10km täglich und im Urlaub auch gern das Doppelte und etwas mehr. Vielleicht deshalb hat mich das Buch fasziniert und ein kleines bisschen beneide ich die Menschen die diesen Weg gehen
Durcheinander
Die Tierärztin - Große Träume von Sarah Lark
Zu Beginn des vorigen Jahrhunderts konnten die Frauen nicht studieren, es gab da sehr eigenartige Ansichten über ihre Fähigkeiten dazu. Tiermedizin war natürlich genauso unmöglich denn das war außerdem auch noch körperlich anstrengend. Als Nellie trotzdem Himmel und Hölle in Bewegung setzt und abenteuerliche Ideen hat um ihren Wunsch trotzdem umzusetzen kann man nur stauen.
Außer ihren Freund unterstützt sie in Belgien niemand. Im Gegenteil zu Marie, sie ist besonders und darum darf sie in Deutschland ausnahmsweise studieren.
Diese Geschichten werden sehr langsam und ausführlich erzählt. Die dazu gehörigen Männer sind auch eher außergewöhnlich. Hauptthema ist die Liebe zu den Tieren, dem sich vieles unterordnen muss. Die Protagonisten sind entweder in Tiere vernarrt oder sie können sie nicht leiden. Dazwischen gibt es nichts. Dadurch verliert man als Leser den Blick auf die eigentlichen Charaktereigenschaften , wie Starrsinn bei den Frauen und Unentschlossenheit bei den Männern. Zum Ende entwickelt sich eine Mischung dieser Eigenschaften und die Figuren werden sympathischer.
Der Autorin ist in vielen Fällen über das Ziel hinaus geschossen. Die vielen Einzelheiten, die verworrenen Gedankenspielereien und Wendungen haben das Lesen anstrengend gemacht. Weniger wäre mehr gewesen.
Denn soviel Schicksal auch wenn es teilweise nur angedeutet wurde kann auch in einem Buch niemand erleben. Ich frage mich was in den nächsten beiden Bänden noch kommt, wenn hier schon soviel passiert ist und damit meine ich nicht den ersten Weltkrieg.
sehr englisch, sehr gut
Der Donnerstagsmordclub von Richard Osman
Ein älteres Quartett aus einer englischen Seniorenresidenz löst Kriminalfälle besser als die Polizei und hat sehr viel Spaß dabei. Joyce eine ehemalige Krankenschwester, Elizabeth eine pensionierte Geheimagentin, Ron ein alter Gewerkschaftsboss und Ibrahim ein emeritierter Psychiater. Durch ihren sehr unterschiedlichen Hintergrund haben sie verschiedene Herangehensweisen und Quellen für ihre Ermittlungen.
An Geld mangelt es nicht, eher an Besuch von außen. Aber dafür haben sie jetzt die Polizistin Donna de Freitas.
Mit sehr viel Charme und Durchsetzungsvermögen wickeln die älteren Herrschaften Donna, ihren Chef und uns Leser um den kleinen Finger.
Das Buch wird teilweise in der Ich Form von Joyce und dann wieder in einer neutralen Rede erzählt. Auch agieren nicht immer alle gemeinsam. Im ersten Moment ist das irritierend aber dann ist es genau diese Abwechslung, die das Lesen aufregender macht.
Der feine Humor, die liebevollen Details und das es bis zum Schluss immer wieder überraschende Wendungen gibt, macht das Buch ungeheuer lesenswert.
Immer wenn ich gedacht habe, das ist jetzt der Mörder war ich auf dem falschen Dampfer, herrlich wie falsche Fährten gelegt wurden.
Auch Themen wie Altersdemenz haben Einzug in diesem Buch gehalten, aber der Umgang damit ist sehr pragmatisch, gehört zum Leben, ist nicht schön, abgehakt.
Der Krimi kommt ohne große Brutalität aus, es sind die Ermittlungen mit denen die Spannung steigt.
Ich freue mich schon auf den nächsten Band, hoffentlich müssen wir nicht so lange warten.
Eine Satire
Der Wald ruft von Moritz Matthies
Eine Gesellschaftssatire und Erdmännchen sind die Hauptakteure. Ungewöhnlich wenn man diese possierlichen Tiere vor Augen hat. Aber wenn sie sprechen könnten kann ich mir Ray, Rufus und Rocky genau so vorstellen. Ihre Gedankenwelt ist frech, frei und einfach lustig.
Das sie auf einmal in die Rolle von Migranten geraten haben sie in ihrem bequemen Zoo nie gedacht.
Alle Tiere im Wald sind Sinnbilder für die Bevölkerung in einem aufnehmenden Land. Der deutsche Wald soll nach Meinung der Wildschweine deutsch bleiben. Die Mandarinenten schon etwas länger da, aber noch nicht richtig angekommen. Andere Tiere sind abwartend, abweisend oder auch gerne aufnehmend und hilfsbereit.
Die überzeichneten Figuren alias Tiere sind extrem. Wildschweine, man muss sie sich vorstellen, geben hier die Nationalisten Ich weiß nicht wer sich mehr beleidigt fühlen darf, die Rotte Wildschweine oder Anhänger von Pegida und Co.
Im Ganzen ist es für mich eine gelungene humorvolle Satire.
Da es das erste Erdmännchen Buch ist das ich gelesen habe, werde ich mir die anderen auch holen, obwohl es dann anscheinend Krimis sind. Aber ich denke der Humor dieser Autoren wird der gleiche sein.
Selbstbewusstsein
Der Wald ruft von Moritz Matthies
Hanna hat gar kein Selbstvertrauen, sie hält sich für schusselig und unfähig irgendetwas zu organisieren, komische Selbsteinschätzung aber wenn alle in ihrer Umgebung sie darin bestärken kann es nicht besser werden. Erst ihre Mutter, dann ihre Freundin und nun ihr Verlobter übernehmen alles für sie meiner Meinung nach ist das über griffig.
Nun eine neue Katastrophe aber diesmal ist es ihr nicht allein passiert. Leo hat das gleiche Dilemma wie sie, aber bei ihm gibt es kein Selbstmitleid sondern er macht das Beste aus der Situation.
Außerdem ermuntert er Hanna zum Reden und stärkt ihre Intuition. Das wirkt sich positiv auf ihre Gefühle aus.
Sie traut sich auf einmal und es klappt. Dann stellt sie auch noch fest, das es mit dem großen Macher nicht so weit her ist.
Wenn man immer wieder gesagt bekommt das es an einem selbst liegt wenn es nicht richtig läuft, untergräbt dass das wichtige Selbstbewusstsein und andere bekommen dadurch Macht über diejenigen. Da ist kein Vertrauen in der Beziehung sondern ein Abhängigkeitsverhältnis.
Wie diese Erkenntnisse vermittelt werden, ist eine umständliche Reise um viele Ecken. Aber dadurch wird dieses Thema sehr deutlich. Die Figuren haben außerdem auch noch ein paar feine Ecken und Kannten die erst auf dem zweiten Blick sichtbar werden, Erst stereotyp und dann feine Akzente. Das Buch wurde dadurch zum Schluss gut.
Eine geschriebene Telenovela
Der Wald ruft von Moritz Matthies
Der Klappentext klingt wie eine tägliche Liebesgeschichte im Fernsehen, die meistens Nachmittags gesendet werden. Beim Lesen des Buchs hat sich dieser Eindruck verstärkt. Abwechselnd erzählen Nuria und Luis ihre Geschichte.
Mit sehr vielen Worten berichten sie über ihr aktuelles Leben und ihre Gefühle für sich und für die/den andere/n.
Es ist eine Nabelschau ohne gleichen, die anderen Personen haben wenig bis gar nichts zu sagen, sie sind nur Staffage.
Egal um was es geht, Sport, Beruf oder Familie sie sind nur der Hintergrund für das Gefühlsleben der beiden.
Nach der Hälfte war es nur noch langweilig, denn es wurde das gleiche mit anderen Worten wiederholt was ich vorher schon gelesen habe. Die deutsche Sprache hat sehr viele Worte für das gleiche Gefühl. Die Autorin hat alle gebraucht. Das ist schon wieder bewundernswert, aber es wäre besser gewesen, ein Heftroman aus diesem Buch zu machen dann hätte man Ressourcen und der Leser Geld gespart.
Fragen bleiben offen
Rendezvous mit Todesfolge von Julia Chapman
Nach dem ersten Todesfall braust ein rotes Motorrad durch die Geschichte und alle die es sehen sind entsetzt. Warum, Wieso, Weshalb, erstmal keine Information. So geht der Schreibstil weiter, in kurzen Absätzen und Kapiteln wird ein Ereignis, eine Unterhaltung oder ähnliches erzählt dann endet es abrupt und es geht mit etwas Neuem weiter.
Nach mehreren anderen Themen geht es zurück zum Ersten und wir Leser bekommen weiter führende Informationen. So geht es im Domino Effekt weiter. Nach einer Weile hat man sich an diesem seltsamen Stil gewöhnt und das Buch wird spannend. Trotzdem bleiben immer wieder Fragen offen. Bis zum Schluss. Auch am Ende hatte ich das Gefühl ich weiß immer noch nicht Alles obwohl das Buch zu Ende ist. Nach ein bisschen recherchieren, weiß ich, es gibt weitere Bände. Denn dieser wird als Band 1 bezeichnet, ergo gibt es weitere nur wann?
Der Plot ist gut, die Figuren gewöhnungsbedürftig, man hat ähnliche schon mal in englischen Krimis im Fernsehen gesehen daher nicht ganz fremd, die Hauptpersonen sind eindeutige Sympathieträger.
Ich werde auf alle Fälle den zweiten Band versuchen, allein schon um meine offenen Fragen beantwortet zu bekommen.
Einfach gut
Paris von Blanca Imboden
Judith möchte seit Beginn ihrer Ehe nach Paris. Seit dreißig Jahren träumt sie davon. Immer wieder kommt etwas dazwischen. Mittlerweile kann sie Französisch, hat alle Bücher über Paris und anderes Unnützes zum Thema.
Dann passiert etwas, womit sie nie im Leben gerechnet hätte und Paris wird zu einem schwarzen Loch in ihrer Landkarte.
Die Autorin hat ein Händchen für besondere Frauen. Frauen die auf dem ersten Blick nicht herausstechen, aber auf dem zweiten richtig auffallen. Sie sind stark, können mit Unvorhergesehenes umgehen, geben zu das sie Schwächen haben und sind einfach liebenswert. Frauen die man gern als Freundin hätte.
Die ersten Seiten sind etwas betulich und ich dachte ich habe das falsche Buch. Aber als die Bombe geplatzt ist, geschah ein Highlight nach dem nächsten. Die Ereignisse überschlagen sich einerseits und sind auf der anderen Seite folgerichtig. Die Protagonistin will kein Mitleid für ihre gescheiterten Paris Pläne, sondern Verständnis und Respekt. Das bekommt sie und wie sie dann handelt ist sehr lesenswert.
Schade dass das Buch verhältnismäßig kurz ist.
Ich kann das Buch und die Autorin bedingungslos empfehlen.
Eltern lieben ihre Kinder
Girl A von Abigail Dean
Eigentlich lieben Eltern ihre Kinder, sie sorgen in jeder Lebenslage für sie, sie beschützen, trösten, ernähren sie. schicken sie zur Schule, freuen sich an Leistungen sind einfach stolz auf sie. Aber nicht die Eltern von Alexandra Gracie und ihren sechs Geschwistern. Hunger und Misshandlungen sind an der Tagesordnung.
Als es Lex gelingt zu fliehen, nimmt endlich die Umwelt Anteil an dem Schicksal der Kinder. Alle Zeitungen berichten über Girl A - C und
Boy A - D, diese Bezeichnungen dienten ihrem Schutz.
Mit der Befreiung ist das Martyrium nicht zu Ende, denn ihr Schicksal hat die Körper, Seelen und den Geist der Kinder und Jugendlichen für immer verändert.
Im Klappentext wird das Buch als Thriller bezeichnet, für mich nicht ganz passend. Bei einem Thriller käme die Hilfe von außen und das Buch würde mit der Befreiung enden. Hier beginnt das Buch mit der Befreiung und Lex schafft es erstmal allein. Die Beschreibung der anschließenden Aktionen wie Krankenhaus, Adoptionen und das neue Leben machen das Buch spannend. Die Frage wie lebt man mit diesen Erfahrungen, wie entwickelt man sich werden hier dargestellt. Alle sieben Kinder kommen zu Wort, jedes hat eine andere Möglichkeit gefunden mit der Vergangenheit fertig zu werden. Lex als die Zweitälteste begleitet die Geschichte. Die Geschwister haben für sich und unter einander ein ganz eigenartiges Verhältnis zu ihrer Vergangenheit und Gegenwart entwickelt. Es ist brutal und ungeheuerlich. Die Vergangenheit wird aus der Sicht der Kinder erzählt, häppchenweise, dann spielt die Geschichte wieder in der Gegenwart und wir erleben was für Erwachsene aus den Kindern geworden sind.
,Das Ganze wird mit wenig Emotionalität erzählt, aber ich glaube mehr davon. dann könnte man das Buch nicht lesen. Es ist ein Roman, trotzdem wissen wir, es gibt solche Eltern, irgendwo leiden Kinder.
Dieses Buch fordert Aufmerksamkeit nicht nur für sich, sondern auch für Kinder die in den beschriebenen Situationen stecken und unsere Hilfe brauchen.
Eine großartige Frau
Lady Churchill von Benedict Marie
Ein großer Mann ist nur so groß wie die Frau die hinter ihm steht. Irgendwo wird dieser Satz oder ähnlich für bedeutende Persönlichkeiten verwendet. In meinen Augen bedeutet er rückhaltlose Unterstützung und gleichzeitig gegenseitigen Respekt.
Genau so handelt Cl,ementine um ihrem Mann Sir Winston den Rücken frei zu halten.
Er muss England durch den zweiten Weltkrieg führen, eine riesige Aufgabe. Sie ist die Frau an seiner Seite bzw. hinter ihm.
In diesem Buch wird dargestellt das sie nicht nur für sein leibliches Wohl gesorgt hat und das er einen Rückzugsort hatte. Sie war im Stillen eine Beraterin, jemand vor dem er ungeschminkt seine Gedanken ausbreiten konnte.
Sie war intelligent und selbstständig, durch eine unruhige Kindheit wusste sie wie man sich durchsetzt und auch wie man manchmal seine Umwelt manipuliert. Sie hatte feste Ansichten über das Frauenwahlrecht und soziale Reformen.
Wäre sie später geboren, hätte sie auch den Posten ihres Mannes ausfüllen können.
Genauso, mit viel Empathie hat die Autorin diese Frau dargestellt, sehr spannend war zu lesen wie sie in Zeiten die eigentlich nur Angst und Schrecken gebracht haben Mut und Zuversicht gezeigt hat.
Das vermittelt beim Lesen das Gefühl, ich möchte auch diese Stärke besitzen. Clementine Churchill wird in diesem Buch als ein erstrebenswertes Vorbild dargestellt.
Die Autorin hat eine Art dem Leser bedeutende Frauen der Geschichte nahe zu bringen, das ich mich über jedes neue Buch von ihr freue. Bei ihr gewinnen Frauen an Bedeutung die in ihrer Zeit kaum beachtet wurden.
Sie nennt ihre Serie Starke Frauen im Schatten der Weltgeschichte. Ihr Schreibstil ist flüssig, ohne Pathos aber man spürt den Respekt für die Frauen über die sie geschrieben hat.
Die Geschichte ist eine Mischung aus Roman und Biographie. Welcher Teil wozu gehört, kann man bei Interesse in den vorgeschlagenen Büchern nach lesen.









