Kunden em pfehlungen
Rezensionen von FogandBooks:
Ein Abenteuer voller Herz und Licht
Lightfall 1: Das verlorene Licht von Tim Probert
Mit Lightfall ist Tim Probert eine Graphic Novel gelungen, die mich wirklich von der ersten Seite an gepackt hat. Die Geschichte verbindet auf sehr stimmige Weise Abenteuer, Humor und emotionale Tiefe und schafft es dabei, nie überladen zu wirken. Im Zentrum stehen Bea und Cad, zwei Figuren, die unterschiedlicher kaum sein könnten und gerade dadurch so wunderbar harmonieren.
Bea denkt viel nach, hinterfragt Situationen und sorgt sich oft, während Cad mit einer bemerkenswerten Offenheit durchs Leben geht. Er begegnet Herausforderungen mit einer Leichtigkeit, die nie naiv wirkt, sondern von echter Empathie getragen ist. Genau das macht ihn für mich zu meinem absoluten Lieblingscharakter. Seine Hilfsbereitschaft fühlt sich ehrlich und selbstverständlich an, was der Geschichte eine besondere Wärme verleiht.
Die Handlung entwickelt sich kontinuierlich weiter und gewinnt im Verlauf spürbar an Intensität. Spannende Momente wechseln sich mit ruhigeren, gefühlvollen Szenen ab, sodass ein sehr ausgewogenes Erzähltempo entsteht. Neue Figuren bringen zusätzliche Facetten in die Geschichte und sorgen dafür, dass die Welt größer und vielschichtiger wirkt. Gleichzeitig werden immer wieder kleine Hinweise und Andeutungen eingestreut, die neugierig machen und Lust auf mehr wecken. Man spürt, dass hinter allem ein größeres Geheimnis liegt, das sich erst nach und nach entfalten wird.
Ein absolutes Highlight sind für mich die Illustrationen. Sie sind atmosphärisch, detailreich und gleichzeitig unglaublich ausdrucksstark. Besonders die Mimik der Figuren transportiert so viele Emotionen, dass man sich ihnen sofort verbunden fühlt. Humorvolle Details lockern ernste Situationen auf und verleihen der Geschichte eine angenehme Leichtigkeit. Die Bildsprache trägt maßgeblich dazu bei, dass die Welt lebendig wird und lange im Gedächtnis bleibt.
Das Ende ist bewusst offen gehalten. Auch wenn ich persönlich bei Kinder- und Jugendgeschichten einen etwas stärkeren Abschluss schätze, passt dieses offene Weitererzählen zur Konzeption der Reihe. Es hinterlässt viele Fragen, aber auch eine große Vorfreude auf das, was noch kommt. Für mich ist Lightfall ein rundum gelungenes Fantasyabenteuer mit Herz, Spannung und einer ganz eigenen Magie. Ich freue mich schon jetzt sehr auf die Fortsetzung und darauf, Bea und Cad weiter begleiten zu dürfen.
Zwischen gestern und vielleicht
Wenn heute unser Morgen wäre von Sophie Herbst
Wenn heute unser Morgen wäre – Sophie Herbst
Manchmal liest man ein Buch und manchmal trifft es einen so tief, dass es noch lange nachhallt. Wenn heute unser Morgen wäre von Sophie Herbst ist genau so eine Geschichte für mich geworden. Eine, die sich zunächst leise anfühlt. Cozy. Slow Burn. Fast zart.
Und die einen dann mit einer Wucht trifft, auf die man emotional eigentlich nie vorbereitet ist. Für mich sind das ganz klare fünf von fünf Sternen, wenn ich ehrlich bin sogar eher eine zehn von zehn.
Im Mittelpunkt stehen Grace und Calum, zwei Jugendliche, die sich vermeintlich nicht ausstehen können und ausgerechnet gemeinsam ein Musikprojekt entwickeln müssen. Was nach einem typischen Schulsetting klingt, entfaltet schnell eine Tiefe, die ich so nicht erwartet habe. Calum ist ehrgeizig und verschlossen, kontrolliert in allem, was er tut. Ein Junge, der seine eigene Leidenschaft für Musik beiseitegeschoben hat, um den Erwartungen seines Vaters gerecht zu werden. Seit seine Mutter die Familie verlassen hat, fühlt er sich verantwortlich, stark sein zu müssen und zu funktionieren. Und dann ist da Grace, die zunächst warm und lebendig wirkt, aber eine Schwere mit sich trägt, die sich erst nach und nach offenbart. Nicht nur der Verlust ihrer besten Freundin Lou steht im Raum, auch ihr eigener Kampf gegen Krebs wird Teil dieser Geschichte.
Und genau hier verändert sich alles.
Was mich beim Lesen besonders bewegt hat, war die Tatsache, wie jung diese Figuren eigentlich sind. Sechzehn, siebzehn Jahre alt und sie müssen sich mit Themen auseinandersetzen, von denen man denkt, dass sie in diesem Alter niemand tragen sollte. Während des Lesens vergisst man das fast, weil die Geschichte so intensiv ist und emotional so dicht. Erst im Nachhinein wird einem bewusst, wie erschreckend es ist, dass junge Menschen solche Schicksale bewältigen müssen. Und genau darin zeigt sich für mich die Stärke der Autorin. Sie dramatisiert nichts künstlich, sie romantisiert keine Krankheit und sie konstruiert kein Leid für den Effekt. Sie erzählt ehrlich, einfühlsam und unaufgeregt. Gerade dadurch wirkt alles so unglaublich stark.
Die Figuren fühlen sich nie überzeichnet an. Calum ist kein klischeehafter Bad Boy, sondern ein junger Mensch mit Angst, mit Loyalität und mit inneren Konflikten. Seine Entwicklung wirkt organisch und nachvollziehbar. Grace ist stark, aber nicht, weil sie unerschütterlich wäre, sondern weil sie fühlt, zweifelt, lacht und kämpft. Und selbst Nebenfiguren wie Lou tragen die Geschichte mit einer Bedeutung, die weit über einzelne Szenen hinausgeht. Niemand ist bloß Beiwerk. Jede Figur hat Gewicht und jede Beziehung hinterlässt Spuren.
Der Schreibstil ist dabei zugänglich und flüssig, fast leicht, und trotzdem liegt das Gelesene schwer im Magen. Man kommt schnell hinein, man verschlingt die Seiten und dennoch musste ich das Buch immer wieder zur Seite legen, um durchzuatmen und zu verarbeiten, was da gerade passiert. Es ist keine komplizierte, verkopfte Geschichte und doch ist sie tiefgründig. Philosophische Gedanken, leise Zitate und diese ganz großen Fragen nach Verantwortung, Erwartungen und der eigenen Lebenszeit ziehen sich durch das Buch. Man spürt, dass hier Herzblut drinsteckt. Dass es mehr ist als nur eine erdachte Handlung. Es fühlt sich persönlich an und wahrhaftig.
Dieses Buch ist keine leichte Kost. Es tut weh. Es konfrontiert. Man ahnt beim Lesen, dass gewisse Dinge passieren könnten und hofft inständig, dass sie es nicht tun. Und wenn sie dann doch eintreten, sitzt man da und weint. Ich zumindest habe an manchen Stellen wirklich geheult wie ein Schlosshund. Nicht, weil es manipulativ geschrieben ist, sondern weil es ehrlich ist. Weil es die Realität nicht weichzeichnet. Für mich ist Wenn heute unser Morgen wäre eine Geschichte über Liebe, ja, aber vor allem ist es eine Geschichte über das Leben selbst. Über Entscheidungen, über verpasste Chancen, über Mut und darüber, dass Zeit etwas Kostbares ist, das wir viel zu oft als selbstverständlich betrachten.
Es ist eines dieser Bücher, die bleiben. Die nachhallen. Die sensibilisieren. Und genau deshalb würde ich es jedem ans Herz legen, der bereit ist, sich emotional wirklich einzulassen, auch wenn es weh tut.
Wenn Zweifel Flügel bekommen
Wild Stork (Band 1) - Beschützer des Waldes von Jiatong Chen
Dieses Buch hat mich wirklich positiv überrascht. Von Anfang an durfte ich Einar dabei begleiten, wie er Schritt für Schritt über sich hinauswächst. Besonders die Momente mit Wisch und seiner Mutter haben mich sehr berührt. Diese Wärme und dieses bedingungslose Unterstützen haben der Geschichte unglaublich viel Herz gegeben.
Man spürt einfach, wie stark ihre Verbindung ist, und genau das macht viele Szenen so emotional.
Einars Entwicklung fand ich richtig schön dargestellt. Am Anfang steht noch viel Unsicherheit, vor allem beim Fliegen. Er tastet sich vorsichtig heran, probiert aus und gewinnt mit jedem Versuch mehr Vertrauen in sich selbst. Für mich war das ein starkes Bild für seinen gesamten Weg. Aus Zweifel wird Mut, aus Zurückhaltung entsteht Entschlossenheit. Sobald Gefahr droht, zeigt sich, was wirklich in ihm steckt. Die spannenden Szenen bringen Tempo in die Geschichte und machen deutlich, dass er nicht nur für sich kämpft, sondern für andere Verantwortung übernimmt. Genau dadurch wird er für mich zu einem echten Beschützer.
Im weiteren Verlauf wird auch das Thema Vorurteile sehr präsent. Einar begegnet Misstrauen und abwertenden Kommentaren, doch er bleibt standhaft und lässt sich nicht entmutigen. Die Botschaft ist klar und wird sehr kindgerecht vermittelt. Niemand sollte vorschnell beurteilt oder unterschätzt werden. Das ist so selbstverständlich in die Handlung eingebunden, dass es ganz natürlich wirkt und nicht belehrend.
Das Ende hat mich noch einmal richtig mitfiebern lassen. Der letzte Kampf ist intensiv und emotional erzählt. Gleichzeitig bleibt zum Schluss eine gewisse Offenheit, besonders was seine Familie betrifft. Ich war mir nicht ganz sicher, ob Erleichterung oder Wehmut überwiegt, und genau dieses Gefühl fand ich spannend. Auch wenn der Abschluss etwas plötzlich kommt, bleibt er im Kopf.
Außerdem lässt sich das Buch wunderbar vorlesen. Die actionreichen Szenen laden dazu ein, mit Stimmen und Geräuschen zu spielen, und die Illustrationen machen alles noch lebendiger. Für mich ist Wild Stork – Beschützer des Waldes eine gelungene Mischung aus Abenteuer, Gefühl und einer starken Botschaft. Eine Geschichte, die zeigt, dass Mut oft leise beginnt und am Ende größer ist, als man denkt.
Ein Roman der unter die Haut geht
Wenn die Kraniche nach Süden ziehen von Lisa Ridzén
Dieses Buch ist so unscheinbar, wie ein Buch nur sein kann – und genau darin liegt seine Kraft. Wenn die Kraniche nach Süden ziehen ist kein Roman, den man „einfach wegliest“. Er fordert Zeit, Pausen und Bereitschaft zur Reflexion. Und am Ende fordert er einen selbst.
Obwohl das Ende in gewisser Weise vorhersehbar ist, hat es mich emotional vollkommen überrollt.
Ich habe selten nach dem Zuschlagen eines Buches so geweint. Vielleicht gerade deshalb, weil man spürt, wohin alles führt – und weil das Wissen darum nichts an der Wucht des tatsächlichen Eintritts ändert. Das Buch lässt einen nicht los, sondern zwingt dazu, stehenzubleiben und nachzudenken.
Im Zentrum steht Bo, ein alter Mann, der auf sein Leben zurückblickt. Seine Gedanken sind emotional, aber nie pathetisch. Er grübelt, zweifelt, erinnert sich. Vergangenheit und Gegenwart fließen dabei nahtlos ineinander, was den Einstieg zunächst anspruchsvoll macht, sich aber schnell als stimmige erzählerische Entscheidung erweist. Erinnerungen tauchen unvermittelt auf – so, wie sie es im eigenen Kopf auch tun würden. Dadurch entsteht das Gefühl einer Momentaufnahme: als würde ein ganzes Leben noch einmal vorbeiziehen. Besonders berührend ist Bos Beziehung zu seinem Hund, der sein letzter Anker im Leben ist. Der Hund gibt ihm eine Aufgabe, einen Sinn, das Gefühl, noch gebraucht zu werden. Als sein Sohn Hans entscheidet, dass der Hund abgegeben werden muss, weil Bo sich nicht mehr angemessen kümmern kann, bricht für Bo dieser Lebenssinn weg. Die Frage, ob diese Entscheidung richtig war, bleibt bewusst offen – und genau das macht sie so schmerzhaft. Der Roman zeigt eindrücklich, wie gut gemeinte Fürsorge aus Sicht der Kinder und existenzieller Verlust aus Sicht der Eltern zugleich sein können.
Das Buch stellt große Fragen, ohne Antworten aufzudrängen: Wie fühlt es sich an, alt zu werden? Was passiert im Kopf eines Menschen, der spürt, dass das Ende näher rückt? Habe ich genug gesagt, genug geliebt, genug richtig gemacht? Beim Lesen musste ich mehrfach innehalten – und ich musste Menschen, die ich liebe, daran erinnern, dass ich sie lieb habe.
Das skandinavische Setting bleibt dabei bewusst zurückhaltend. Es trägt die Stimmung, drängt sich aber nie in den Vordergrund. Im Mittelpunkt steht Bos Leben – bis zum Ende. Gerade dadurch wirkt die Geschichte universell und übertragbar auf die eigenen Großeltern, auf Erinnerungen an Abschiede, auf unausgesprochene Gedanken. Dieses Buch hat mich nicht kaputt gemacht im negativen Sinne. Es hat mich wach gemacht. Es hat mir gezeigt, wie wertvoll Nähe ist, wie fragil Selbstständigkeit sein kann und wie wichtig es ist, das Leben nicht als selbstverständlich hinzunehmen. Wenn die Kraniche nach Süden ziehen hallt nach, frisst sich ins Herz und bleibt dort. Für mich ist es eines der besten Bücher, die ich je gelesen habe – nicht trotz, sondern wegen der Emotionen, die es ausgelöst hat.
Winterherzen im Takt: Eine liebevoll-verflochtene Fortsetzung voller Wärme, Mut und RomCom-Magie
Two steps away - London Hearts 2 von Valentina Fast; Lorena Schäfer
Mit Two Steps Away setzt Valentina Fast die London-Hearts-Reihe nicht nur fort, sondern führt sie zu einem neuen emotionalen Höhepunkt. Schon im ersten Band konnte die Reihe durch ihre warmherzigen Figuren und die verschachtelten Beziehungen zwischen den Bewohnerinnen der WG überzeugen. Doch in diesem zweiten Teil gelingt es der Autorin, das Gefühl eines kleinen, vertrauten Universums noch stärker auszubauen und gleichzeitig eine eigenständige, berührende Geschichte zu erzählen.
Im Mittelpunkt steht Pippa, die bereits im Vorgängerband viel Sympathie auf sich zog. Hier rückt sie ins Rampenlicht – und zeigt, wie viel Potenzial in ihr steckt. Mit nur 19 Jahren navigiert sie zwischen familiärem Erwartungsdruck, dem Wunsch nach Unabhängigkeit und der Suche nach ihrem eigenen Weg. Die Darstellung ihrer Unsicherheiten, aber auch ihrer Entschlossenheit wirkt durchgehend glaubwürdig. Ihre Entwicklung gehört eindeutig zu den größten Stärken dieses Romans: Wie sie lernt, Grenzen zu setzen und für sich selbst einzustehen, macht sie zu einer überaus nahbaren Protagonistin.
Ebenso spannend gestaltet sich die Annäherung zu Ben, der in diesem Band endlich mehr Raum erhält. Zwischen ihnen entfaltet sich eine dynamische, feinfühlige Liebesgeschichte, die auf kleinen Gesten, Blicken und zufälligen Begegnungen basiert. Nichts wirkt überzeichnet – vielmehr trägt die Geschichte einen charmanten RomCom-Charakter, der im winterlichen Setting doppelt zur Geltung kommt. Das Zusammenspiel aus humorvollen Momenten, Herzklopfen und emotionalen Zwischentönen erzeugt ein sehr stimmiges Gesamtbild.
Auch das Wiedersehen mit Gemma, Quinn und Neve gibt dem Roman ein Gefühl von Heimkehr. Die intertextuelle Verflechtung der einzelnen Bände sorgt dafür, dass man als Leserin immer mehr in die Welt hineinwächst. Kleine Vorausdeutungen auf kommende Bände – insbesondere im Hinblick auf spätere Pairings – steigern die Vorfreude auf die restliche Reihe, ohne den Fokus zu verschieben.
Besonders gelungen ist die Balance zwischen persönlicher Entwicklung, romantischer Spannung und einer Prise Alltagschaos. Ob Studien- und Praktikumsstress, WG-Dynamik oder Familienkonflikte: Alles fügt sich nahtlos in das zentrale Thema des Erwachsenwerdens ein. Gleichzeitig schafft die winterliche Atmosphäre ein wohliges Gefühl, das perfekt zur Jahreszeit passt. Dieses Buch liest sich wie eine Einladung zu heißem Kakao, sanftem Schneefall und einem Abend voller Lichterketten.
Two Steps Away ist ein lebendiger, herzlicher und reifer zweiter Band, der nicht nur Fans des ersten Teils begeistern wird. Er ist cozy, emotional, romantisch – und zeigt eindrucksvoll, wie viel Kraft in einer gut erzählten Coming-of-Age-Romance steckt.
Wenn Liebe bleibt, auch wenn Worte fehlen
Harpers Ferry. Lose Me Once von Christina Kaspar
Manche Bücher liest man – andere fühlt man. Harpers Ferry – Lose Me Once gehört eindeutig zur zweiten Kategorie. Es ist eine Geschichte, die sich leise entfaltet, dabei aber emotional tief greift und lange nach dem letzten Kapitel im Inneren nachhallt. Schon äußerlich überzeugt der Roman durch seine zurückhaltende, winterliche Gestaltung.
Der Farbschnitt wirkt nicht laut oder effekthascherisch, sondern fügt sich harmonisch in die Atmosphäre der Geschichte ein. Diese Unscheinbarkeit passt erstaunlich gut zum Inhalt: Auch hier geht es nicht um große Gesten, sondern um das, was zwischen den Zeilen liegt.
Im Zentrum steht Emery, eine Protagonistin, die von Beginn an durch ihre Unvollkommenheit berührt. Nach dem Tod ihrer Grandma kehrt sie nach Harper’s Ferry zurück – an einen Ort, den sie eigentlich hinter sich lassen wollte. Emery ist keine starke Heldin im klassischen Sinn, sondern eine Figur, die trauert, zweifelt, flieht und reflektiert. Gerade das macht sie so glaubwürdig. Ihre Trauer ist nicht dramatisch inszeniert, sondern still, präsent und dauerhaft spürbar. Wer selbst schon einen geliebten Menschen verloren hat, wird sich in vielen ihrer Gedanken wiederfinden. Harper’s Ferry selbst ist mehr als nur ein Schauplatz. Die Kleinstadt entwickelt eine fast eigene Persönlichkeit: warm, vertraut, voller Zwischenmenschlichkeit. Dieses Setting erinnert an klassische Kleinstadt-Erzählungen, ohne dabei klischeehaft zu wirken. Vielmehr entsteht ein Gefühl von Geborgenheit, das im Kontrast zu den inneren Konflikten der Figuren steht – ein Spannungsfeld, das die Geschichte besonders trägt.
Luke, der männliche Gegenpart, bleibt zunächst sperrig. Gerade in den Rückblicken wirkt er distanziert, manchmal arrogant, schwer greifbar. Doch mit fortschreitender Handlung öffnen sich Schicht für Schicht neue Perspektiven. Die Beziehung zwischen Emery und Luke ist von einer spürbaren Intensität geprägt – nicht laut, nicht kitschig, sondern voller unausgesprochener Worte, Schuldgefühle und Sehnsucht. Es ist diese Art von Liebe, die nicht einfach verschwindet, selbst wenn sie keine Chance hatte, gelebt zu werden. Besonders gelungen ist die Erzählstruktur mit ihren Zeitsprüngen. Vergangenheit und Gegenwart greifen ineinander, ohne verwirrend zu wirken. Stattdessen entsteht das Gefühl, dass man als Leserin nur Bruchstücke erhält – genau wie im echten Leben, wenn man versucht, Vergangenes zu verstehen. Diese Fragmentierung verstärkt die emotionale Wirkung enorm.
In den letzten Abschnitten zieht das Tempo spürbar an. Der Spannungsbogen steigert sich, Geheimnisse werden offengelegt, Erwartungen bewusst unterlaufen. Einige Wendungen kommen überraschend und sind emotional fordernd. Gerade hier zeigt sich die Stärke des Romans: Er scheut sich nicht davor, dunklere Wege einzuschlagen und moralische Grauzonen offenzulegen. Einziger Kritikpunkt bleibt das Ende. Nicht in Bezug auf die emotionale Auflösung zwischen den Figuren, sondern hinsichtlich der Konsequenzen bestimmter Handlungen. Das offene, beinahe resignative Zurücklassen einiger Aspekte fühlt sich nicht vollständig befriedigend an und hinterlässt gemischte Gefühle. Gleichzeitig passt genau diese Offenheit zur Grundstimmung des Buches – zum Leben, das nicht immer klare Gerechtigkeit bereithält.
Trotz – oder gerade wegen – dieser Ambivalenz ist Harpers Ferry – Lose Me Once ein Roman, der berührt. Er erzählt von Trauer, von Liebe, von Schuld und davon, wie schwer es sein kann, Vergangenes loszulassen. Es ist ein Buch, das weh tut, das tröstet und das man nicht einfach abschüttelt. Ein emotional tiefgehender Roman mit starken Figuren, atmosphärischem Setting und einer Liebesgeschichte, die unter die Haut geht. Kleine Schwächen im Abschluss mindern den Gesamteindruck kaum. Ein Buch, das man nicht nur liest, sondern mitnimmt.
Magie, Macht und ein Ende, das alles verändert
Heir of Illusion von Madeline Taylor
Ich weiß ehrlich gesagt gar nicht, wo ich anfangen soll, weil mich dieser Auftakt so unerwartet heftig abgeholt hat. Heir of Illusion ist ein solider erster Band, der nicht nur Lust auf mehr macht, sondern mich mit einem der krassesten Enden der letzten Zeit zurücklässt. Ich sitze immer noch da und denke: „Okay… was zur Hölle ist da gerade passiert?“ Im positivsten Sinne, versteht sich.
Was dieses Buch für mich absolut herausragen lässt, ist das Worldbuilding. Und zwar auf einem Niveau, das man nicht häufig bekommt. Die Detailtiefe ist irre gut: Feen, Halbfeen, Menschen, Götter, die gesellschaftlichen Unterschiede, die Machtstrukturen, dazu dieses düstere, magisch aufgeladene Setting – alles greift so stimmig ineinander, dass man völlig darin versinkt. Ich liebe es, wenn eine Welt sich anfühlt, als würde sie existieren, während ich nicht hinsehe. Genau das passiert hier.
Ivy als Protagonistin ist ein Paradebeispiel für eine Figur, die gleichzeitig stark und zerbrechlich sein darf. Dieses erzwungene Leben durch den Halsring, der sie unfrei macht, ihr „Bad-Girl“-Image, das eigentlich nur eine Maske ist, und ihre unerschütterliche Menschlichkeit, obwohl sie mehr Blut an den Händen hat, als sie jemals wollte – das alles macht sie unglaublich greifbar. Ihre Doppelidentität als „Engel der Gnade“ passt perfekt zu diesem inneren Konflikt. Und ja… ihr tyrannischer König ist einfach ein komplettes Sackgesicht. Da gibt es nichts zu beschönigen.
Thorne ist da nochmal ein eigenes Kapitel. Seine Scharade, seine rätselhafte Art und diese Anziehung zwischen ihm und Ivy, die intensiv, aber nie überzogen wirkt – genau solche Dynamiken liebe ich in Romantasy. Die Beziehung der beiden ist präsent, aber sie tritt nie so sehr in den Vordergrund, dass sie die Handlung erschlägt. Es bleibt eindeutig Ivys Geschichte. Und selbst die Nebenfiguren bekommen genug Tiefe, um emotional zu funktionieren. Das ist selten und hier richtig gut gelungen.
Und dann kommt dieses eine Geheimnis ans Licht. Nichts, was ich erwartet hätte. Ein Puzzleteil, das plötzlich alles sprengt, was man sich bis zu diesem Punkt zusammengebaut hat – und es sorgt für einen Abschluss, der einen einfach stehen lässt. Mit offenen Fragen, mit Verwirrung, mit purer Neugier darauf, was jetzt eigentlich wirklich dahintersteckt. Genau so muss ein Cliffhanger sein.
Der Schreibstil ist bildhaft, detailreich, atmosphärisch und zieht einen sofort rein. Man wird quasi in die Handlung geworfen, ohne dass es sich überstürzt anfühlt. Alles wirkt so lebendig und durchdacht, dass ich jetzt schon das Gefühl habe, Band zwei wird noch viel größer, düsterer und epischer.
Für mich ist dieser Auftakt ein Traum für jedes Regal – inhaltlich wie optisch. Und ich gebe bewusst 4 von 5 Sternen, nicht weil mich etwas gestört hätte, sondern weil ich ganz genau weiß, dass da noch so viel mehr drinsteckt. Dass der nächste Band die Chance hat, mich komplett umzuhauen. Und auf genau dieses Gefühl freue ich mich jetzt schon.
Ein Kind vor der Kamera – und der lange Weg zurück zu sich selbst
Please unfollow von Basma Hallak
Please Unfollow ist einer dieser seltenen Young-Adult-Romane, die ihre Leser*innen nicht nur emotional mitnehmen, sondern zugleich gesellschaftlich herausfordern. Die Autorin verknüpft auf beeindruckende Weise die Folgen von medialer Überpräsenz mit der Frage nach Identität, Grenzen und dem Recht auf ein eigenes Leben.
Dabei entsteht eine Geschichte, die unbequem ehrlich, aber zugleich unglaublich einfühlsam erzählt ist.
Im Zentrum steht Sherry, deren gesamte Kindheit von öffentlicher Aufmerksamkeit geprägt wurde – ohne dass sie jemals eine Wahl hatte. Der Roman zeigt mit bemerkenswerter Klarheit, was es bedeutet, aufzuwachsen in einer Welt, in der Likes wichtiger sind als Privatsphäre und in der Kinder durch Kameralinsen geformt werden, bevor sie überhaupt wissen, wer sie sein wollen. Gerade die Darstellung der elterlichen Verantwortung – oder des Fehlens davon – wirkt erschütternd real. Ohne zu bewerten oder plakativ zu überzeichnen eröffnet das Buch Räume für Fragen, die weit über die fiktionale Ebene hinausgehen.
Besonders eindrucksvoll ist die Art, wie die Autorin emotionale Tiefe schafft, ohne je voyeuristisch zu werden. Sherrys Entwicklung steht im Mittelpunkt: ihre Unsicherheit, ihre Angst vor Nähe, ihr Bedürfnis nach echter Verbundenheit und ihr zögerlicher Versuch, eine Identität jenseits von Social Media aufzubauen. Der Roman zeigt nicht nur, wie schmerzhaft diese Reise ist, sondern auch, wie viel Kraft darin liegt, wenn ein Mensch versucht, die Muster seiner Vergangenheit zu durchbrechen.
Die Nebenfiguren im Jugendprogramm bereichern die Handlung mit einer Vielfalt an Perspektiven. Jede Begegnung, jede kleine Annäherung wirkt glaubwürdig und trägt zu Sherrys innerem Wachstum bei. Der Roman erinnert daran, dass Heilung selten geradlinig verläuft und dass Vertrauen Zeit braucht – besonders, wenn man es nie gelernt hat.
Sprachlich bewegt sich das Buch auf einem modernen, reflektierten Niveau. Die Kombination aus Rückblenden, Kommentarspalten und Gegenwartskapiteln ist nicht nur ein erzählerischer Kniff, sondern verstärkt die Wirkung der Thematik enorm. Manche Passagen tun weh, weil sie so echt wirken. Andere sind leise und tröstend. Diese Balance macht das Buch enorm stark.
Please Unfollow ist kein leichter Roman, auch wenn er sich mühelos liest. Er wirft Fragen auf, die unbequem sein können:
Wie viel zeigen wir online? Wo liegen die Grenzen? Und was macht all das mit jenen, die sich nicht schützen können?
Die Autorin liefert keine einfachen Antworten – aber sie sensibilisiert, und das auf eine Weise, die noch lange nachwirkt.
Am Ende bleibt eine Geschichte, die nicht nur über die Ausbeutung eines Kindes spricht, sondern über Mut, Selbstfindung und die Hoffnung auf ein Leben, das einem wirklich gehört.
Ein Buch, das man nicht einfach beendet, sondern mitnimmt.
Ein wichtiges, eindringliches und aufrichtiges Werk – absolut lesenswert.
Ein dystopischer Auftakt mit starken Momenten und Schwachstellen
To Cage a Wild Bird von Brooke Fast
To Cage a Wild Bird hat mich schon optisch komplett abgeholt. Das Cover und der Farbschnitt sind einfach wunderschön und machen direkt Lust auf die Geschichte. Gerade als Dystopie-Fan hat mich dieser Vergleich mit Panem und Divergent sofort neugierig gemacht, und ich war gespannt, wie Brooke Fast diesen Mix umsetzt.
Der Einstieg ist dann auch wirklich stark. Raven hat eine sarkastische, kantige Art, die sofort funktioniert, und ihre Entscheidung, sich freiwillig ins Gefängnis Endlock einzuschleusen, macht direkt Druck. Man merkt schnell, dass sie weiß, was sie will, und dass sie sich nicht beirren lässt – das gibt der Geschichte zu Beginn eine schöne Spannung.
Sobald Raven allerdings in Endlock ankommt, verändert sich das Tempo deutlich. Das Setting ist düster und brutal, die Menschenjagden sind richtig gut beschrieben und erzeugen stellenweise genau diese Panem-Vibes, die ich mir erhofft habe. Gleichzeitig zieht sich die Handlung innerhalb des Gefängnisses aber sehr lange hin. Endlock bleibt über weite Strecken der einzige Schauplatz, und dadurch fehlt mir ein bisschen die Dynamik, die eine Dystopie sonst so packend macht.
Die Romance zwischen Raven und Vale hat mich zusätzlich nicht ganz abgeholt. Sie wirkt eher wie etwas, das passieren soll, als etwas, das sich organisch entwickelt. Dadurch konnte ich emotional nicht richtig mitgehen, und das hat mir ein Stück der sonst wichtigen Romantasy-Komponente genommen.
Trotzdem hat das Buch seine Stärken. Die Nebenfiguren sind interessant gestaltet, Ravens Entwicklung ist spürbar, und die Welt an sich hat echtes Potenzial – gerade für die Folgebände. Ich hatte nur das Gefühl, dass der Auftakt insgesamt zu zäh ist und die wirklich großen Momente noch auf sich warten lassen.
Unterm Strich bleibe ich etwas unzufrieden zurück. Vielleicht, weil meine Erwartungen zu hoch waren, vielleicht, weil ich mir mehr Spannung und emotionalen Tiefgang gewünscht hätte. Deshalb landet der Auftakt für mich bei 3,5 Sternen: solide, mit guten Ansätzen, aber noch nicht so packend, wie es hätte sein können.
Ein Roman über Erwartungen, Selbstzweifel – und den Mut, neu anzufangen
This isn't happiness von Mary Newnham
Mary Newnhams This Isn’t Happiness ist einer dieser Romane, die leise beginnen und dann unerwartet tief treffen. Auf den ersten Blick wirkt die Geschichte leicht, humorvoll und modern erzählt. Doch unter der Oberfläche steckt ein scharfes Porträt von Beziehungen, familiären Ansprüchen und dem Druck, bestimmte Lebensschritte „rechtzeitig“ zu gehen.
Amy, Ende zwanzig, Lehrerin und eigentlich mitten im Leben, merkt plötzlich, dass sich ihr Alltag fremd anfühlt. Zwischen Job, Beziehung und einem Berg unausgesprochener Erwartungen beginnt sie zu zweifeln – nicht nur an ihrer Partnerschaft, sondern auch an den Rollen, die andere ihr zuschreiben. Newnham zeichnet diese innere Zerrissenheit mit einer erstaunlichen Mischung aus Leichtigkeit und Schmerz. Viele Szenen sind humorvoll, manche tun weh, und fast alle wirken auf eine unangenehm echte Weise vertraut.
Besonders eindrücklich ist, wie nah die Autorin der Realität kommt: dem Gefühl, funktionieren zu müssen, einer Beziehung hinterherzulaufen oder sich in familiären Strukturen selbst zu verlieren. Gleichzeitig bleibt der Ton des Romans überraschend warm. Die Figuren um Amy herum sind überzeichnet, aber nie so sehr, dass sie nicht aus dem alltäglichen Leben stammen könnten. Man erkennt Dynamiken, Muster, unausgesprochene Erwartungen – und manchmal auch sich selbst.
Amys Entwicklung bildet das Herzstück des Buches. Ihr Weg wirkt weder heroisch noch dramatisch, sondern schlicht menschlich. Sie stolpert, zweifelt, sucht sich neu – und genau diese Echtheit macht die Geschichte so stark. Der Roman zeigt, ohne erhobenen Zeigefinger, dass man mit Ende zwanzig nicht „fertig“ sein muss. Nicht heiraten muss. Nicht alles geklärt haben muss. Dass es Mut braucht, ehrlich zu sich selbst zu sein – und ebenso viel Mut, neu zu beginnen.
This Isn’t Happiness ist ein Roman, der gleichzeitig wütend macht und Hoffnung schenkt. Witzig, scharf beobachtet, emotional ehrlich und voller kleiner Momente, in denen man kurz innehält. Ein Buch, das weh tut – und gut tut.











