Kunden em pfehlungen
Rezensionen von FogandBooks:
Wenn Kontrolle zur einzigen Rettung wird
Und alles zerbricht (Paper Hearts 1) von Maxine Reuker
Am Anfang war ich ehrlich unsicher, ob mich die Geschichte wirklich abholen kann, weil die Figuren erst sechzehn sind und die ersten Kapitel sehr jugendlich wirken. Doch je weiter ich gelesen habe, desto mehr hat mich das Buch in seinen Bann gezogen. Wir begleiten Mila in einer Phase, in der ihr ganzes Leben ins Wanken gerät.
Ein Umzug nach Zürich, Eltern die kaum Halt geben können und das Gefühl, dass alles gleichzeitig auseinanderfällt. In diesem Chaos klammert sie sich an das Einzige, was sie noch kontrollieren kann ihr Essverhalten. Die Geschichte zeigt sehr eindringlich, wie schleichend sich eine Essstörung entwickeln kann und wie schnell Gedanken entstehen, die nach außen oft unsichtbar bleiben.
Die Handlung wirkt für mich wie in zwei Teile gegliedert. Zuerst erleben wir Milas Vorgeschichte und wie sich ihre Situation immer weiter zuspitzt. Später verlagert sich alles in eine Klinik am See, ein eigentlich wunderschöner Ort der im starken Kontrast zu ihrem inneren Chaos steht. Gerade diese ruhige Atmosphäre verstärkt die Intensität vieler Szenen. Besonders mochte ich, wie feinfühlig die Autorin Milas Gedanken und Gefühle beschreibt. Kleine Beobachtungen, kurze Momente zwischen den Figuren und stille Spannungen erzählen oft mehr als große dramatische Szenen.
Die Liebesgeschichte hat sich für meinen Geschmack etwas zu schnell entwickelt und wirkte stellenweise fast ein wenig zu intensiv für ein Young Adult Setting. Dafür konnte mich ein späterer Twist in der Handlung umso mehr überraschen. Insgesamt ist „Und alles zerbricht“ ein bemerkenswertes Debüt, das einen ehrlichen Einblick in ein sensibles Thema gibt und dabei zeigt, wie zerbrechlich Menschen sein können und gleichzeitig wie viel Stärke in ihnen steckt. Besonders für junge Leserinnen kann dieses Buch sehr eindrücklich sein, aber auch ältere Leserinnen werden hier mehr Tiefe finden, als man zunächst erwartet.
Wenn in dir mehr steckt als nur ein Geheimnis
Dragonborn (Band 1) - Das Erbe des Feuers von Struan Murray
Der Einstieg in Dragonborn – Das Erbe des Feuers von Struan Murray hat mich überraschend schnell abgeholt. Schon auf den ersten Seiten merkt man, dass sich unter Alex’ bisherigem Leben etwas verbirgt, das größer ist als sie selbst zunächst begreift. Besonders mochte ich an ihr, dass sie trotz aller Unsicherheit versucht, stark zu bleiben und ihre Mutter zu schützen.
Gleichzeitig spürt man sehr deutlich ihre Neugier und ihren Wunsch, endlich Antworten zu bekommen. Genau diese Mischung macht sie zu einer Figur, in die man sich beim Lesen sehr leicht hineinversetzen kann.
Die Geschichte führt uns an zwei zentrale Orte. Zum einen lernen wir Undwin kennen, eine Stadt in der sogenannten Außenanderswelt, die bewusst vor der menschlichen Zivilisation verborgen gehalten wird. Von dort aus öffnet sich nach und nach der Blick auf eine ganz andere Realität. Der eigentliche Mittelpunkt der Handlung ist jedoch Skralla, eine Insel, auf der Drachen ausgebildet werden. Für Alex bedeutet dieser Ort einen massiven Kulturschock. Alles ist neu, vieles wirkt zunächst chaotisch und fremd, und genau dadurch fühlt sich ihre Perspektive sehr authentisch an.
Was mich besonders begeistert hat, ist der Aufbau der Welt hinter der Geschichte. Obwohl wir nur einen kleinen Teil davon kennenlernen, merkt man schnell, dass dieses Universum viel größer angelegt ist. Hinter allem steht ein komplexer Hintergrund aus alten Konflikten, einem großen Krieg, magischen Wesen wie Feen und Zauberern sowie geheimnisvollen Durchwegen zwischen den Welten. Gleichzeitig schafft es das Buch, diese vielen Elemente verständlich zu erklären. Gerade für jüngere Leserinnen und Leser ab etwa zwölf Jahren bleibt die Welt dadurch greifbar und nachvollziehbar, ohne dass sie an Faszination verliert.
Auch die Figuren tragen viel zur Spannung bei. Neben Alex begegnen wir Charakteren, die sehr unterschiedlich wirken und nicht immer sofort einzuordnen sind. Manche bringen Leichtigkeit in die Geschichte, andere hinterlassen eher ein Gefühl von Misstrauen. Genau diese Dynamik sorgt dafür, dass man beim Lesen ständig über mögliche Hintergründe und Geheimnisse nachdenkt. Dazu kommen einige Wendungen, die man so vielleicht nicht unbedingt erwartet und die der Geschichte immer wieder neue Energie geben.
Am Ende bleibt vor allem der Eindruck einer lebendigen Fantasywelt, die gerade erst begonnen hat, sich zu entfalten. Viele Fragen bleiben bewusst offen und genau das macht neugierig darauf, welche Geheimnisse diese Welt noch bereithält. Dragonborn – Das Erbe des Feuers ist damit ein sehr gelungener Auftakt, der junge Fantasyfans mit Drachen, Magie und einer mutigen Protagonistin sicher gut in seinen Bann ziehen kann.
Zwischen Freiheit und Verlorensein
Open Hearts von Roxy Dunn
Manchmal beginnt eine Geschichte genau dort, wo das Leben gerade auseinanderfällt. Misty steht plötzlich wieder am Anfang. Nach der Trennung landet sie zurück in ihrem alten Kinderzimmer und fühlt sich, als wäre sie im Leben ihrer eigenen Generation einen Schritt zu spät. Genau in dieser Phase begegnet sie Christopher und damit auch einer Beziehungsform, die so gar nicht zu ihren ursprünglichen Vorstellungen passt.
Was diesen Roman spannend macht, ist weniger eine klassische Liebesgeschichte als vielmehr die Frage, wie unterschiedlich Menschen Beziehungen definieren. Die offene Partnerschaft wird hier weder romantisiert noch verurteilt. Stattdessen entsteht ein Blick auf verschiedene Lebensentwürfe und darauf, wie kompliziert Nähe sein kann, wenn Erwartungen nicht zusammenpassen. Christopher wirkt dabei oft sehr kontrolliert und rational, während Misty deutlich suchender durch die Geschichte geht. Gerade diese Dynamik sorgt immer wieder für Reibung und lässt viele Gespräche etwas unausgeglichen erscheinen.
Mit Misty hatte ich persönlich ein eher wechselhaftes Verhältnis. Anfangs wirkt sie nahbar und humorvoll, doch im Verlauf der Geschichte trifft sie Entscheidungen, die ich nicht immer nachvollziehen konnte. Gleichzeitig steckt genau darin vielleicht auch der Kern des Buches. Es geht weniger darum, perfekte Figuren zu zeigen, sondern Menschen, die sich ausprobieren, scheitern und erst langsam verstehen, was sie eigentlich wollen. Manche Handlungsstränge wirkten für mich etwas unfertig und kleinere Ungereimtheiten haben meinen Lesefluss gelegentlich gestört.
Trotzdem bleibt etwas von dieser Geschichte hängen. Nicht unbedingt wegen großer romantischer Momente, sondern wegen der Fragen, die sie aufwirft. Wie viel Freiheit verträgt Liebe und wie leicht verliert man sich selbst, wenn man versucht in ein Leben zu passen, das eigentlich nicht zu einem gehört.
Zwischen Dunkelheit und Unentschlossenheit
Limerence von H. C. Dolores
Optisch ist Limerence ein absolutes Highlight. Das florale Cover mit dem Schädel als Kontrast wirkt zart und ästhetisch, der Farbschnitt ist wunderschön gestaltet und insgesamt ist es eines dieser Bücher, das sofort ins Auge fällt. Gerade deshalb erwartet man inhaltlich vielleicht etwas ebenso Intensives wie das Äußere verspricht.
Die Geschichte setzt auf eine direkte, ungefilterte Erzählweise und eine unterschwellige Spannung, die sich eher aus der Figurenkonstellation als aus äußeren Ereignissen speist. Man ist sehr nah an der Protagonistin und erlebt ihre Gedanken unmittelbar mit, was für Nähe sorgt, stellenweise aber auch kantig wirkt.
Besonders im Zusammenspiel mit der männlichen Hauptfigur entsteht eine Dynamik, die deutlich im moralischen Graubereich angesiedelt ist. Für mich blieb jedoch ein durchgehendes Gefühl der Irritation zurück, allerdings nicht im Sinne von mutig oder verstörend, sondern eher in der Frage, was dieses Buch eigentlich sein möchte. Es scheint Dark Romance verkörpern zu wollen, bleibt für mein Empfinden jedoch deutlich hinter dem zurück, was ich aus diesem Genre kenne. Die Intensität, die emotionale Tiefe und die konsequente Dunkelheit, die Dark Romance normalerweise auszeichnen, werden hier eher angedeutet als wirklich ausgeschöpft.
Auch die Beziehung zwischen den Hauptfiguren fühlt sich weniger wie eine gewachsene Liebesgeschichte an, sondern eher wie eine Konstellation aus Macht, Kontrolle und emotionaler Unklarheit. Manche Entwicklungen erscheinen sehr dicht aufeinanderfolgend, ohne dass sie für mich psychologisch vollständig ausgearbeitet wirken, wodurch stellenweise ein fast unwirklicher Eindruck entsteht, der mich eher ratlos als gefesselt zurückgelassen hat. Am Ende bleibt kein starkes Nachhallen, sondern eher ein seltsamer Zwischenton. Limerence ist für mich kein klassischer Dark-Romance-Titel, aber auch kein klares Beziehungsdrama, sondern bewegt sich irgendwo dazwischen und bleibt dadurch schwer greifbar. Wer eine wirklich intensive, kompromisslose Dark Romance erwartet, wird hier vermutlich nicht vollständig auf seine Kosten kommen.
Ein Sommer, der alles verändert hat
Kala von Colin Walsh
Manchmal reicht ein Sommer, um alles zu verändern. Und manchmal reicht ein einziger Name, um fünfzehn Jahre später noch immer alles zum Einsturz zu bringen. „Kala“ von Colin Walsh beginnt im Sommer 2003 in Kinlough, einer irischen Kleinstadt, in der jeder jeden kennt – oder zumindest glaubt, es zu tun.
Kala, Joe, Helen und Mush sind jung, ungestüm, voller Sehnsucht nach mehr als diesem Ort. Dann verschwindet Kala spurlos. Fünfzehn Jahre später führt eine Hochzeit die Zurückgebliebenen zurück in ihre Heimat – und mit dem Fund menschlicher Überreste wird klar, dass die Vergangenheit nie begraben war.
Was mich besonders gepackt hat, ist diese Erzählweise zwischen Damals und Heute. Die Perspektiven wechseln zwischen Helen, Joe und Mush, und mit jeder Stimme verschiebt sich das Bild ein Stück. Erinnerungen überlagern die Gegenwart, Wahrheiten bröckeln, neue Abgründe tun sich auf. Anfangs musste ich mich kurz sortieren – die Zeitsprünge und Perspektivwechsel fordern Aufmerksamkeit. Doch genau das macht den Reiz aus. Man spürt die Unbeholfenheit der Jugend, erste Liebe, Alkohol, Gruppendynamiken, dieses brennende Gefühl, dass das Leben endlich beginnen muss. Und dann sieht man dieselben Menschen als Erwachsene – gezeichnet von Entscheidungen, Schuld, Verlust. Nichts bleibt eindeutig. Niemand bleibt unschuldig.
Die Spannung baut sich leise auf. Es ist kein Thriller, der sofort lossprintet, sondern einer, der unter die Haut kriecht. Gerade der erste Teil nimmt sich Zeit für Atmosphäre und Figurenzeichnung. Manche Passagen hätten für meinen Geschmack etwas straffer sein dürfen, weil vieles lange angedeutet wird, bevor es greifbar wird. Aber sobald die dunklen Strukturen hinter der Fassade der Stadt sichtbar werden, entwickelt die Geschichte eine Wucht, der man sich kaum entziehen kann. Es geht nicht nur um Kalas Tod, sondern um ein Geflecht aus Schweigen, Loyalität und Verdrängung – und darum, wie weit eine Gemeinschaft bereit ist zu gehen, um ihr eigenes Bild aufrechtzuerhalten.
Auch das Cover passt erschreckend gut zur Stimmung: dieses scheinbar harmlose Polaroid, das beim genaueren Hinsehen etwas Zerstörtes, Durchgestrichenes trägt. Genau so fühlt sich der Roman an – idyllisch auf den ersten Blick, zutiefst verstörend darunter. Für mich ist „Kala“ ein starkes Debüt mit kleinen Längen, aber großer emotionaler Intensität. Wer atmosphärische, charaktergetriebene Spannung mag, irisches Kleinstadtflair schätzt und Geschichten liebt, in denen sich Vergangenheit und Gegenwart schmerzhaft ineinander verschlingen, sollte hier unbedingt zugreifen.
Ein Abenteuer voller Herz und Licht
Lightfall 1: Das verlorene Licht von Tim Probert
Mit Lightfall ist Tim Probert eine Graphic Novel gelungen, die mich wirklich von der ersten Seite an gepackt hat. Die Geschichte verbindet auf sehr stimmige Weise Abenteuer, Humor und emotionale Tiefe und schafft es dabei, nie überladen zu wirken. Im Zentrum stehen Bea und Cad, zwei Figuren, die unterschiedlicher kaum sein könnten und gerade dadurch so wunderbar harmonieren.
Bea denkt viel nach, hinterfragt Situationen und sorgt sich oft, während Cad mit einer bemerkenswerten Offenheit durchs Leben geht. Er begegnet Herausforderungen mit einer Leichtigkeit, die nie naiv wirkt, sondern von echter Empathie getragen ist. Genau das macht ihn für mich zu meinem absoluten Lieblingscharakter. Seine Hilfsbereitschaft fühlt sich ehrlich und selbstverständlich an, was der Geschichte eine besondere Wärme verleiht.
Die Handlung entwickelt sich kontinuierlich weiter und gewinnt im Verlauf spürbar an Intensität. Spannende Momente wechseln sich mit ruhigeren, gefühlvollen Szenen ab, sodass ein sehr ausgewogenes Erzähltempo entsteht. Neue Figuren bringen zusätzliche Facetten in die Geschichte und sorgen dafür, dass die Welt größer und vielschichtiger wirkt. Gleichzeitig werden immer wieder kleine Hinweise und Andeutungen eingestreut, die neugierig machen und Lust auf mehr wecken. Man spürt, dass hinter allem ein größeres Geheimnis liegt, das sich erst nach und nach entfalten wird.
Ein absolutes Highlight sind für mich die Illustrationen. Sie sind atmosphärisch, detailreich und gleichzeitig unglaublich ausdrucksstark. Besonders die Mimik der Figuren transportiert so viele Emotionen, dass man sich ihnen sofort verbunden fühlt. Humorvolle Details lockern ernste Situationen auf und verleihen der Geschichte eine angenehme Leichtigkeit. Die Bildsprache trägt maßgeblich dazu bei, dass die Welt lebendig wird und lange im Gedächtnis bleibt.
Das Ende ist bewusst offen gehalten. Auch wenn ich persönlich bei Kinder- und Jugendgeschichten einen etwas stärkeren Abschluss schätze, passt dieses offene Weitererzählen zur Konzeption der Reihe. Es hinterlässt viele Fragen, aber auch eine große Vorfreude auf das, was noch kommt. Für mich ist Lightfall ein rundum gelungenes Fantasyabenteuer mit Herz, Spannung und einer ganz eigenen Magie. Ich freue mich schon jetzt sehr auf die Fortsetzung und darauf, Bea und Cad weiter begleiten zu dürfen.
Zwischen gestern und vielleicht
Wenn heute unser Morgen wäre von Sophie Herbst
Wenn heute unser Morgen wäre – Sophie Herbst
Manchmal liest man ein Buch und manchmal trifft es einen so tief, dass es noch lange nachhallt. Wenn heute unser Morgen wäre von Sophie Herbst ist genau so eine Geschichte für mich geworden. Eine, die sich zunächst leise anfühlt. Cozy. Slow Burn. Fast zart.
Und die einen dann mit einer Wucht trifft, auf die man emotional eigentlich nie vorbereitet ist. Für mich sind das ganz klare fünf von fünf Sternen, wenn ich ehrlich bin sogar eher eine zehn von zehn.
Im Mittelpunkt stehen Grace und Calum, zwei Jugendliche, die sich vermeintlich nicht ausstehen können und ausgerechnet gemeinsam ein Musikprojekt entwickeln müssen. Was nach einem typischen Schulsetting klingt, entfaltet schnell eine Tiefe, die ich so nicht erwartet habe. Calum ist ehrgeizig und verschlossen, kontrolliert in allem, was er tut. Ein Junge, der seine eigene Leidenschaft für Musik beiseitegeschoben hat, um den Erwartungen seines Vaters gerecht zu werden. Seit seine Mutter die Familie verlassen hat, fühlt er sich verantwortlich, stark sein zu müssen und zu funktionieren. Und dann ist da Grace, die zunächst warm und lebendig wirkt, aber eine Schwere mit sich trägt, die sich erst nach und nach offenbart. Nicht nur der Verlust ihrer besten Freundin Lou steht im Raum, auch ihr eigener Kampf gegen Krebs wird Teil dieser Geschichte.
Und genau hier verändert sich alles.
Was mich beim Lesen besonders bewegt hat, war die Tatsache, wie jung diese Figuren eigentlich sind. Sechzehn, siebzehn Jahre alt und sie müssen sich mit Themen auseinandersetzen, von denen man denkt, dass sie in diesem Alter niemand tragen sollte. Während des Lesens vergisst man das fast, weil die Geschichte so intensiv ist und emotional so dicht. Erst im Nachhinein wird einem bewusst, wie erschreckend es ist, dass junge Menschen solche Schicksale bewältigen müssen. Und genau darin zeigt sich für mich die Stärke der Autorin. Sie dramatisiert nichts künstlich, sie romantisiert keine Krankheit und sie konstruiert kein Leid für den Effekt. Sie erzählt ehrlich, einfühlsam und unaufgeregt. Gerade dadurch wirkt alles so unglaublich stark.
Die Figuren fühlen sich nie überzeichnet an. Calum ist kein klischeehafter Bad Boy, sondern ein junger Mensch mit Angst, mit Loyalität und mit inneren Konflikten. Seine Entwicklung wirkt organisch und nachvollziehbar. Grace ist stark, aber nicht, weil sie unerschütterlich wäre, sondern weil sie fühlt, zweifelt, lacht und kämpft. Und selbst Nebenfiguren wie Lou tragen die Geschichte mit einer Bedeutung, die weit über einzelne Szenen hinausgeht. Niemand ist bloß Beiwerk. Jede Figur hat Gewicht und jede Beziehung hinterlässt Spuren.
Der Schreibstil ist dabei zugänglich und flüssig, fast leicht, und trotzdem liegt das Gelesene schwer im Magen. Man kommt schnell hinein, man verschlingt die Seiten und dennoch musste ich das Buch immer wieder zur Seite legen, um durchzuatmen und zu verarbeiten, was da gerade passiert. Es ist keine komplizierte, verkopfte Geschichte und doch ist sie tiefgründig. Philosophische Gedanken, leise Zitate und diese ganz großen Fragen nach Verantwortung, Erwartungen und der eigenen Lebenszeit ziehen sich durch das Buch. Man spürt, dass hier Herzblut drinsteckt. Dass es mehr ist als nur eine erdachte Handlung. Es fühlt sich persönlich an und wahrhaftig.
Dieses Buch ist keine leichte Kost. Es tut weh. Es konfrontiert. Man ahnt beim Lesen, dass gewisse Dinge passieren könnten und hofft inständig, dass sie es nicht tun. Und wenn sie dann doch eintreten, sitzt man da und weint. Ich zumindest habe an manchen Stellen wirklich geheult wie ein Schlosshund. Nicht, weil es manipulativ geschrieben ist, sondern weil es ehrlich ist. Weil es die Realität nicht weichzeichnet. Für mich ist Wenn heute unser Morgen wäre eine Geschichte über Liebe, ja, aber vor allem ist es eine Geschichte über das Leben selbst. Über Entscheidungen, über verpasste Chancen, über Mut und darüber, dass Zeit etwas Kostbares ist, das wir viel zu oft als selbstverständlich betrachten.
Es ist eines dieser Bücher, die bleiben. Die nachhallen. Die sensibilisieren. Und genau deshalb würde ich es jedem ans Herz legen, der bereit ist, sich emotional wirklich einzulassen, auch wenn es weh tut.
Wenn Zweifel Flügel bekommen
Wild Stork (Band 1) - Beschützer des Waldes von Jiatong Chen
Dieses Buch hat mich wirklich positiv überrascht. Von Anfang an durfte ich Einar dabei begleiten, wie er Schritt für Schritt über sich hinauswächst. Besonders die Momente mit Wisch und seiner Mutter haben mich sehr berührt. Diese Wärme und dieses bedingungslose Unterstützen haben der Geschichte unglaublich viel Herz gegeben.
Man spürt einfach, wie stark ihre Verbindung ist, und genau das macht viele Szenen so emotional.
Einars Entwicklung fand ich richtig schön dargestellt. Am Anfang steht noch viel Unsicherheit, vor allem beim Fliegen. Er tastet sich vorsichtig heran, probiert aus und gewinnt mit jedem Versuch mehr Vertrauen in sich selbst. Für mich war das ein starkes Bild für seinen gesamten Weg. Aus Zweifel wird Mut, aus Zurückhaltung entsteht Entschlossenheit. Sobald Gefahr droht, zeigt sich, was wirklich in ihm steckt. Die spannenden Szenen bringen Tempo in die Geschichte und machen deutlich, dass er nicht nur für sich kämpft, sondern für andere Verantwortung übernimmt. Genau dadurch wird er für mich zu einem echten Beschützer.
Im weiteren Verlauf wird auch das Thema Vorurteile sehr präsent. Einar begegnet Misstrauen und abwertenden Kommentaren, doch er bleibt standhaft und lässt sich nicht entmutigen. Die Botschaft ist klar und wird sehr kindgerecht vermittelt. Niemand sollte vorschnell beurteilt oder unterschätzt werden. Das ist so selbstverständlich in die Handlung eingebunden, dass es ganz natürlich wirkt und nicht belehrend.
Das Ende hat mich noch einmal richtig mitfiebern lassen. Der letzte Kampf ist intensiv und emotional erzählt. Gleichzeitig bleibt zum Schluss eine gewisse Offenheit, besonders was seine Familie betrifft. Ich war mir nicht ganz sicher, ob Erleichterung oder Wehmut überwiegt, und genau dieses Gefühl fand ich spannend. Auch wenn der Abschluss etwas plötzlich kommt, bleibt er im Kopf.
Außerdem lässt sich das Buch wunderbar vorlesen. Die actionreichen Szenen laden dazu ein, mit Stimmen und Geräuschen zu spielen, und die Illustrationen machen alles noch lebendiger. Für mich ist Wild Stork – Beschützer des Waldes eine gelungene Mischung aus Abenteuer, Gefühl und einer starken Botschaft. Eine Geschichte, die zeigt, dass Mut oft leise beginnt und am Ende größer ist, als man denkt.
Ein Roman der unter die Haut geht
Wenn die Kraniche nach Süden ziehen von Lisa Ridzén
Dieses Buch ist so unscheinbar, wie ein Buch nur sein kann – und genau darin liegt seine Kraft. Wenn die Kraniche nach Süden ziehen ist kein Roman, den man „einfach wegliest“. Er fordert Zeit, Pausen und Bereitschaft zur Reflexion. Und am Ende fordert er einen selbst.
Obwohl das Ende in gewisser Weise vorhersehbar ist, hat es mich emotional vollkommen überrollt.
Ich habe selten nach dem Zuschlagen eines Buches so geweint. Vielleicht gerade deshalb, weil man spürt, wohin alles führt – und weil das Wissen darum nichts an der Wucht des tatsächlichen Eintritts ändert. Das Buch lässt einen nicht los, sondern zwingt dazu, stehenzubleiben und nachzudenken.
Im Zentrum steht Bo, ein alter Mann, der auf sein Leben zurückblickt. Seine Gedanken sind emotional, aber nie pathetisch. Er grübelt, zweifelt, erinnert sich. Vergangenheit und Gegenwart fließen dabei nahtlos ineinander, was den Einstieg zunächst anspruchsvoll macht, sich aber schnell als stimmige erzählerische Entscheidung erweist. Erinnerungen tauchen unvermittelt auf – so, wie sie es im eigenen Kopf auch tun würden. Dadurch entsteht das Gefühl einer Momentaufnahme: als würde ein ganzes Leben noch einmal vorbeiziehen. Besonders berührend ist Bos Beziehung zu seinem Hund, der sein letzter Anker im Leben ist. Der Hund gibt ihm eine Aufgabe, einen Sinn, das Gefühl, noch gebraucht zu werden. Als sein Sohn Hans entscheidet, dass der Hund abgegeben werden muss, weil Bo sich nicht mehr angemessen kümmern kann, bricht für Bo dieser Lebenssinn weg. Die Frage, ob diese Entscheidung richtig war, bleibt bewusst offen – und genau das macht sie so schmerzhaft. Der Roman zeigt eindrücklich, wie gut gemeinte Fürsorge aus Sicht der Kinder und existenzieller Verlust aus Sicht der Eltern zugleich sein können.
Das Buch stellt große Fragen, ohne Antworten aufzudrängen: Wie fühlt es sich an, alt zu werden? Was passiert im Kopf eines Menschen, der spürt, dass das Ende näher rückt? Habe ich genug gesagt, genug geliebt, genug richtig gemacht? Beim Lesen musste ich mehrfach innehalten – und ich musste Menschen, die ich liebe, daran erinnern, dass ich sie lieb habe.
Das skandinavische Setting bleibt dabei bewusst zurückhaltend. Es trägt die Stimmung, drängt sich aber nie in den Vordergrund. Im Mittelpunkt steht Bos Leben – bis zum Ende. Gerade dadurch wirkt die Geschichte universell und übertragbar auf die eigenen Großeltern, auf Erinnerungen an Abschiede, auf unausgesprochene Gedanken. Dieses Buch hat mich nicht kaputt gemacht im negativen Sinne. Es hat mich wach gemacht. Es hat mir gezeigt, wie wertvoll Nähe ist, wie fragil Selbstständigkeit sein kann und wie wichtig es ist, das Leben nicht als selbstverständlich hinzunehmen. Wenn die Kraniche nach Süden ziehen hallt nach, frisst sich ins Herz und bleibt dort. Für mich ist es eines der besten Bücher, die ich je gelesen habe – nicht trotz, sondern wegen der Emotionen, die es ausgelöst hat.
Winterherzen im Takt: Eine liebevoll-verflochtene Fortsetzung voller Wärme, Mut und RomCom-Magie
Two steps away - London Hearts 2 von Valentina Fast; Lorena Schäfer
Mit Two Steps Away setzt Valentina Fast die London-Hearts-Reihe nicht nur fort, sondern führt sie zu einem neuen emotionalen Höhepunkt. Schon im ersten Band konnte die Reihe durch ihre warmherzigen Figuren und die verschachtelten Beziehungen zwischen den Bewohnerinnen der WG überzeugen. Doch in diesem zweiten Teil gelingt es der Autorin, das Gefühl eines kleinen, vertrauten Universums noch stärker auszubauen und gleichzeitig eine eigenständige, berührende Geschichte zu erzählen.
Im Mittelpunkt steht Pippa, die bereits im Vorgängerband viel Sympathie auf sich zog. Hier rückt sie ins Rampenlicht – und zeigt, wie viel Potenzial in ihr steckt. Mit nur 19 Jahren navigiert sie zwischen familiärem Erwartungsdruck, dem Wunsch nach Unabhängigkeit und der Suche nach ihrem eigenen Weg. Die Darstellung ihrer Unsicherheiten, aber auch ihrer Entschlossenheit wirkt durchgehend glaubwürdig. Ihre Entwicklung gehört eindeutig zu den größten Stärken dieses Romans: Wie sie lernt, Grenzen zu setzen und für sich selbst einzustehen, macht sie zu einer überaus nahbaren Protagonistin.
Ebenso spannend gestaltet sich die Annäherung zu Ben, der in diesem Band endlich mehr Raum erhält. Zwischen ihnen entfaltet sich eine dynamische, feinfühlige Liebesgeschichte, die auf kleinen Gesten, Blicken und zufälligen Begegnungen basiert. Nichts wirkt überzeichnet – vielmehr trägt die Geschichte einen charmanten RomCom-Charakter, der im winterlichen Setting doppelt zur Geltung kommt. Das Zusammenspiel aus humorvollen Momenten, Herzklopfen und emotionalen Zwischentönen erzeugt ein sehr stimmiges Gesamtbild.
Auch das Wiedersehen mit Gemma, Quinn und Neve gibt dem Roman ein Gefühl von Heimkehr. Die intertextuelle Verflechtung der einzelnen Bände sorgt dafür, dass man als Leserin immer mehr in die Welt hineinwächst. Kleine Vorausdeutungen auf kommende Bände – insbesondere im Hinblick auf spätere Pairings – steigern die Vorfreude auf die restliche Reihe, ohne den Fokus zu verschieben.
Besonders gelungen ist die Balance zwischen persönlicher Entwicklung, romantischer Spannung und einer Prise Alltagschaos. Ob Studien- und Praktikumsstress, WG-Dynamik oder Familienkonflikte: Alles fügt sich nahtlos in das zentrale Thema des Erwachsenwerdens ein. Gleichzeitig schafft die winterliche Atmosphäre ein wohliges Gefühl, das perfekt zur Jahreszeit passt. Dieses Buch liest sich wie eine Einladung zu heißem Kakao, sanftem Schneefall und einem Abend voller Lichterketten.
Two Steps Away ist ein lebendiger, herzlicher und reifer zweiter Band, der nicht nur Fans des ersten Teils begeistern wird. Er ist cozy, emotional, romantisch – und zeigt eindrucksvoll, wie viel Kraft in einer gut erzählten Coming-of-Age-Romance steckt.











