Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Island :
Frauen können alles, wenn man(n) sie lässt
Aufgeben können die anderen von Lena Johannson
Lena Johannson widmet sich in ihrem neuesten historischen Roman der Geschichte der Olympischen Spiele mit dem Focus auf der Teilnahmemöglichkeit der Frauen, die hart erkämpft werden musste.
Die Geschichte beginnt kurz vor dem Ersten Weltkrieg. Alice lebt mit ihren Eltern und ihren Geschwistern in Nantes und besucht, obwohl ihre Eltern aus eher einfachen Verhältnissen stammen, ein Mädchengymnasium, was für die damalige Zeit, in der Frauen nicht einmal wählen durften, eher ungewöhnlich war.
Durch ihre erste Liebe kommt sie zudem zum Schwimmsport, findet aber kaum Möglichkeiten, als Frau diese und andere Sportarten auszuüben. Die Teilnahme an Wettkämpfen ist für Frauen gar utopisch. Nach mehreren schweren Schicksalsschlägen beginnt Alice dafür zu kämpfen, dass es auch Sportwettkämpfe für Frauen gibt und diese bald auch an den Olympischen Spielen teilnehmen dürfen.
Ich fand diese Hintergründe, von denen vieles auf wahren Begebenheiten beruht, sehr interessant. Ich mag historische Romane, über die Geschichte weiblichen Leistungssports habe ich bisher aber noch wenig gewusst. Alice ist mir sympathisch, wie sie nicht aufgibt, für ihr großes Ziel zu kämpfen und sich auch von Schicksalsschlägen und dominanten Männern nicht aus der Bahn werfen lässt. Die Autorin scheint sorgfältig recherchiert zu haben und schreibt gut nachvollziehbar.
Alte weiße Männer
Aufsteiger von Peter Huth
Der Protagonist dieses Gegenwartsromans, Felix Licht, meint sich am Ziel der Karriereleiter, dem Chefredakteursposten des wichtigsten deutschen Magazins, angekommen. Jahrelang hat er darauf hin gearbeitet, dem Verleger nach dem Mund geredet und seinen alten Förderer und bisherigen Chefredakteur zugunsten seiner eigenen Ambitionen geopfert.
Doch dann bekommt überraschend nicht er den Posten, sondern Zoe Rauch, seine ehemalige Volontärin, die er seit einem Vorfall vor zwölf Jahren nicht mehr gesehen hat. Sie ist nicht nur wesentlich jünger als er, sondern gilt auch als "woke" und passt somit eigentlich gar nicht zur bisherigen Ausrichtung des Magazins. Das alles wirft Felix Lichts Lebensplanung komplett über den Haufen.
Ich empfand die Geschichte als sehr unterhaltsam und (leider) auch realitätsnah, immer wieder gab es Bezüge zu echten Ereignissen aus der jüngeren Vergangenheit und auch die Charaktere sind authentisch gestaltet. Dennoch oder auch deshalb gab es immer wieder humorvolle, vielleicht zum Teil auch sarkastische Szenen. Die Handlung wies zudem immer wieder überraschende Wendungen auf, sodass der Ausgang lange nicht vorhersehbar war. Der Schreibstil des Autors ist sehr wortgewandt und er bedient sich dabei bewusst immer wieder des typischen Vokabulars seiner Hauptpersonen, was deren Verhalten teils auch zusätzlich etwas ins Lächerliche zieht. Ich habe das Hörbuch angehört und empfand den Sprecher als passend gewählt. Man konnte ihm sehr gut folgen.
Wenn Glauben nicht zur Freiheit führt
Monstergott von Caroline Schmitt
Bei diesem Buch hat mich der plakative Titel direkt neugierig gemacht. Ich nehme an, das Cover mit dem angebissenen Apfel ist ein Verweis auf den Sündenfall im Paradies, als Eva vom verbotenen Apfel kostete. Das Thema des Romans interessierte mich sehr, da ich den Eindruck habe, dass Freikirchen aktuell relativ viel Zulauf haben, ich aber sehr skeptisch bin, was viele derer Regeln und Rituale angeht.
Die Geschwister Ben und Esther sind quasi in einer Freikirche aufgewachsen, ihre Eltern sind durch ehemalige Nachbarn zu der Gemeinde gestoßen. Lange Zeit, bis ins junge Erwachsenenalter, sind sie glücklich mit den Angeboten der Gemeinde und den Freundschaften, die dort entstanden sind. Allerdings zeigen sich bei genauerer Betrachtung immer mehr Schattenseiten, zum Beispiel die Gleichberechtigung von Mann und Frau betreffend oder den Umgang mit Krankheiten, mit denen vor allem Esther hadert. Und Ben hat ebenfalls Probleme, den Moralvorstellungen der Gemeinde zu entsprechen, versucht aber lange, das alles mit sich allein auszumachen.
Ich fand es sehr interessant, durch dieses Buch Einblicke in eine solche Gemeinschaft zu erhalten. Auf mich wirkte vieles sehr authentisch, die spezielle Auslegung der Bibel, die Instagram tauglichen Feiern und auch die Doppelmoral der Funktionsträger. Die beiden Hauptpersonen Ben und Esther waren mir sehr sympathisch und ich konnte mich gut in sie hineinversetzen, wie sie damit hadern, Gott nicht zu genügen, bzw. dass ihre gewohnte und lieb gewonnene Gemeinschaft vielleicht doch nicht das ist, was ihnen gut tut. Der Schreibstil der Autorin war gut lesbar und sehr anschaulich, sodass man sich die beschriebenen Szenen gut vorstellen konnte.
Mit Ehrgeiz Richtung Abgrund
Gym von Verena Keßler
Nachdem das Cover des Romans mich erstmal nicht so angesprochen hat, fand ich aber den Klappentext interessant. Die Protagonistin gibt vor, gerade erst Mutter geworden zu sein, da sie dem durchtrainierten Erscheinungsbild der Kundinnen und Mitarbeiterinnen im luxuriösen MEGA GYM nicht entspricht, den Job dort aber gerne hätte.
Der Besitzer stellt sie dann auch wirklich ein und so muss sie glaubhaft vorspielen, dass zuhause ein kleines Baby von ihrer Mutter betreut wird, während sie arbeitet. Zugleich deutet sich aber auch an, dass die Protagonistin ihrer vorherigen Job in einer ganz anderen Branche nicht freiwillig aufgegeben hat und nach und nach triggern die muskulösen Körper im Gym sie immer mehr, auch ihren eigenen um jeden Preis zu "optimieren".
Der Beginn der Geschichte, solange die Hauptperson sich immer mehr in Lügen um "ihr Baby" verstrickt, hat mir gut gefallen. Ihr zunächst noch eher unbeteiligter Blick auf die Ticks und Macken der Nutzer:innen des Gyms lieferte auch einige unterhaltsame Szenen. Als die Protagonistin dann mehr und mehr vom Eifer gepackt wird, auch ihren Körper zu optimieren, ging mir das aber etwas schnell und für mich war nicht vollständig nachvollziehbar, was da genau in ihr vorging. Auch wurden die Beschreibungen dann teils eher unangenehm als überspitzt. Grundsätzlich habe ich die Parallelen zwischen dem Dasein im Gym und der vorherigen Karriere schon erkennen können, aber vollkommen überzeugt hat mich das Ende dennoch nicht. Der Schreibstil ist sehr modern und passend zur Thematik des Buches. Meiner Meinung nach war alles flüssig lesbar.
Ich sehe was, was du nicht siehst...
Was du siehst von Laura Maaß
Bei "Was du siehst" handelt es sich um den Debütroman von Laura Maaß, die erst nach der Wende in Mecklenburg-Vorpommern aufgewachsen ist. Ihre Geschichte beginnt aber mitten in der Zeit der DDR, 1967. Die schwangere Ruth muss Ost-Berlin auf Wunsch ihres systemtreuen Vaters verlassen, nachdem der Vater ihres Kindes (wie sie vermutet in den Westen) verschwunden ist.
Sie findet ein neues Zuhause bei ihrem Onkel in einem kleinen Dorf in Mecklenburg nahe der Elbe, das von Kiefernwäldern umgeben ist. Dort wächst dann ihre Tochter Jule zusammen mit dem etwa gleichaltrigen Andi auf und die beiden werden noch vor dem Mauerfall ein Paar. Die Wiedervereinigung und Jules Familiengeschichte stellen ihre Beziehung dann aber auf eine harte Probe.
Ich lese sehr gerne Romane, die sich in irgendeiner Form mit der deutsch-deutschen Vergangenheit beschäftigen und der Autorin ist es sehr gut gelungen, die Probleme und Besonderheiten der damaligen Zeit einzufangen, obwohl sie selbst ein Nachwendekind ist. Sie beschreibt sehr anschaulich und steigert durch ihren Schreibstil immer wieder die Spannung, indem sie immer wieder vage Hinweise auf Zukünftiges einstreut. Die Personen wirken alle sehr authentisch und haben ihre Ecken und Kanten. Nicht ganz zufrieden gestellt haben mich allerdings die Geschehnisse, wie sie sich nach der Wende zugetragen haben sollen. Hier erschien mir einiges nicht vollkommen realistisch und ich hätte mir eine etwas andere Abrundung des Romans gewünscht.
Ein Schritt zurück
Heimat von Hannah Lühmann
Wo genau der Roman spielt, erfährt man nicht. Jana, die bereits zwei Kinder hat und mit dem dritten schwanger ist, zieht mit ihrer Familie auf's Land. Ihr Mann ist Lehrer, sie selbst hat ihren Job aus einem Impuls heraus gekündigt, obwohl sie das Geld eigentlich dringend brauchen, um das Haus abzubezahlen.
Die Mütter an ihrem neuen Wohnort sind anders als ihr bisheriges Umfeld. Viele stehen ganz offen zur AfD. Besonders fasziniert ist Jana von Karolin, die sich ganz auf ihre Rolle als Hausfrau und Mutter mehrerer Kleinkinder fokussiert und das Leben einer "Tradwife" regelrecht zelebriert, insbesondere auch auf Social Media. Ungewollt lässt sich Jana immer mehr in deren Bann ziehen und beneidet sie irgendwie sogar um ihr Leben.
Ich fand den Roman sehr interessant, da er ein sehr aktuelles Thema behandelt und am Beispiel Janas aufzeigt, wie auch eine eigentlich aufgeklärte, weltoffene und moderne Frau in den Sog national-konservativer Kreise geraten kann. Was mich etwas gestört hat, war allerdings, dass einige Leerstellen und Hintergrundinformationen mehrere Personen betreffend, bis zum Ende ungeklärt blieben und auch der Schluss des Romans ließ mich etwas unbefriedigt zurück. Dennoch ein sehr lesenswertes Buch und auch das Hörbuch kann ich empfehlen. Die Sprecherin ist passend gewählt und man kann ihr sehr gut folgen. Der Autorin ist es zudem gelungen, so anschaulich zu schreiben, dass man sich gut in die beschriebenen Situationen hineinversetzen kann.
Kämpferin für die Natur
In uns der Ozean von Theresia Graw
Das Buch basiert auf der Geschichte von Rachel Carson, die sich schon für den Schutz der Umwelt und gegen den Einsatz schädlicher Pestizide engagierte, als dies noch kaum jemand tat. Zunächst galt ihre Liebe aber insbesondere dem Meer und seinen Lebewesen, wozu auch der Titel und die Gestaltung des Covers passen.
Die junge Rachel träumt davon, am Meer zu leben und das Meer, das sie so fasziniert, zu erforschen und zunächst scheint sie auch die Möglichkeit zu bekommen, in diesem Bereich als Wissenschaftlerin arbeiten zu können, obwohl dies für Frauen kurz vor Beginn des Zweiten Weltkrieges alles andere als selbstverständlich war. Doch der Traum zerplatzt in Folge familiärer Schicksalsschläge und so muss sie sich eine andere Arbeit suchen, um sich und ihre Angehörigen über die Runden zu bringen. Dadurch ergibt sich aber die Möglichkeit, für's Radio über Meeresbewohner zu schreiben und schließlich ein eigenes Sachbuch herauszubringen und so bleibt sie ihrem Herzensthema doch immer irgendwie treu. Auf eine eigene Liebesbeziehung verzichtet sie dafür, ist aber immer für ihre Familienmitglieder da. Einige Jahrzehnte nach ihrem Studium sorgt dann ein toter Vogel dafür, dass sie Nachforschungen bezüglich des angeblichen Wundermittels zum Pflanzenschutz DDT anstellt und damit in ein Wespennest sticht.
Ich fand die Geschichte dieser engagierten Wissenschaftlerin sehr faszinierend, da sie zu einer Zeit für das kämpfte, was ihr wichtig war, in der es Frauen sehr schwer hatten, wenn sie sich weigerten, Hausfrau und Mutter zu sein. Dennoch kapselte sie sich aber nicht komplett ab für ihre Arbeit, sondern war auch immer für die da, die sie liebte, somit wirkt Rachel auch sehr nahbar. Zudem war es sehr interessant, mehr darüber zu erfahren, wie sie sich die Zusammenhänge zwischen dem Tod der Insekten und Vögel und dem angeblich harmlosen Pflanzenschutzmittel erschloss und auf welche Widerstände sie dann stieß. Trotz des wissenschaftlichen Hintergrunds werden die Zusammenhänge im Buch aber auch für den Laien gut nachvollziehbar beschrieben. Was das Hörbuch angeht, kann man dessen Sprecherin gut folgen und ihre Stimme ist angenehm.
Die Suche nach Antworten
Die Verlorene von Miriam Georg
"Die Verlorene" ist nicht der erste Roman, den ich von der Autorin lese/höre, aber, der Handlungsort ist diesmal ein anderer, nämlich Schlesien zur Zeit des Zweiten Weltkrieges und heute.
Laura hat gerade erfahren, dass sie schwanger ist, als ihre Großmutter Änne stirbt. Kurz zuvor ist diese in ihrem Haus gestürzt, nachdem sie ein ominöses Bild per Post ohne Absender erhalten hat.
Laura stellt eine Verbindung zur schlesischen Heimat ihrer Oma her, ihr wird aber bewusst, dass Änne sehr wenig über die Zeit damals preisgegeben hat und auch Lauras Mutter weiß kaum etwas über die Zeit vor und kurz nach ihrer Geburt. So begibt sich Laura auf Spurensuche in Schlesien, wo der ehemalige Gutshof, in dem ihre Großmutter aufgewachsen ist, immer noch steht und gerade zu einer Pension umgebaut wird.
Ich fand es sehr interessant, diesen Roman zu lesen und so wieder etwas mehr über die Zeit des Zweiten Weltkrieges und die damit verbundenen Schicksale überall in Europa zu erfahren. Es kommt auch zu unerwarteten Wendungen, sodass der Ausgang wenig vorhersehbar ist. Laura als Protagonistin der heutigen Zeit ist mir sehr sympathisch, während zu ihrer Großmutter eine gewisse Distanz erhalten bleibt, aber genau das ist ja zur Geschichte passend, da auch Laura erst nach deren Tod mehr über Ännes Leben erfahren hat. Der Schreibstil ist gut lesbar und fesselnd und auch die Sprecherin des Hörbuches war gut ausgewählt mit einer angenehmen Stimme und einer Vortragsweise, der man gut folgen konnte.
Selbstfindung
Junge Frau mit Katze von Daniela Dröscher
Der Titel des Romans hat mich neugierig gemacht, den Roman der Autorin, der sich um die Mutter der aktuellen Protagonistin dreht, kannte ich jedoch noch nicht. Ela steht gerade vor dem Abschluss ihrer Promotion und hat eine Stelle in der Forschung in Aussicht, als ihr Körper (mal wieder) nicht mehr mitspielt und diverse unerklärliche Symptome entwickelt.
Dies führt dazu, dass sie einerseits diverse Ärzte unterschiedlichster Fachgebiete aufsucht, die ihr aber nicht wirklich weiterhelfen, sich andererseits aber auch mehr mit dem Verhältnis zu ihrer Mutter befasst und auch ihre beruflichen Ambitionen hinterfragt.
Leider bin ich mit Ela nicht so recht warm geworden. Die verschiedensten Krankheitssymptome und vor allem, wie sie dann mit diesen umgeht, waren etwas zu viel für meinen Geschmack. Auch die sich anbahnende Liebesbeziehung erschien mir nicht vollkommen nachvollziehbar, irgendwie blieb alles recht distanziert. Gut gefallen hat mir jedoch der sprachgewaltige Schreibstil der Autorin, insbesondere die den Kapiteln vorangestellten Zitate und die schönen Begriffe aus vergangenen Zeiten, die mit Elas Arbeit zu tun haben.
Überall gibt es etwas zu entdecken
Im Schatten von Giganten von Jasmin Schreiber
Jasmin Schreiber war mir bereits als Autorin von sehr lesenswerten Romanen ein Begriff, aber ich wusste auch, dass sie studierte Biologin ist und auch sehr gerne Naturfotografie betreibt. Das Cover und der Titel dieses ersten Sachbuchs, zu dem sie auch ihre Fotos beisteuern konnte, haben mich dann auch direkt neugierig gemacht.
Zunächst erfährt man dann, wie sie schon als kleines Kind ihr Interesse für Insekten, Würmer, Bienen, etc. entdeckte, eine Faszination, die Jasmin Schreiber dann auch im Studium nicht los ließ. Danach ist das mit vielen Detaillaufnahmen angereicherte Buch in die verschiedenen Lebensbereiche der kleinen Tierchen untergliedert, die man meist direkt vor der eigenen Haustür finden kann. Zum Beispiel Blumenwiesen, Totholz, Steine, Bäume, Moos oder Pfützen. Bei jedem dieser Lebensräume werden verschiedenste Bewohner vorgestellt. Dies geschieht mit Hilfe gelungener Aufnahmen und sehr informativer, aber nicht übertrieben wissenschaftlicher Texte, sodass man auch als Laie nicht überfordert ist. Somit bietet dieses Sachbuch auch eine Menge Inspiration und motiviert dazu, das eigene Umfeld mit offenen Augen zu erkunden und auch mal einen genaueren Blick auf einen abgestorbenen Baum oder in eine Wasserpfütze zu werfen.











