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Rezensionen von KimVi:
Spannender Krimi
Tiefrot tanzen die Schatten von Kate Penrose
Detective Inspector Ben Kitto trainiert gerade für den jährlichen Schwimmwettkampf, als er entdeckt, dass eine Tote, mit Brautkleid und Blumenschmuck, am Pulpit Rock hängt. Ben Kitto ist entsetzt, als er erkennt, dass es sich bei der Toten um eine Frau aus seiner Trainingsgruppe handelt. Der vermeintliche Selbstmord entpuppt sich schon bald als eiskalter Mord und der Killer scheint sein nächstes Opfer bereits im Visier zu haben.
Ben Kitto riegelt die Insel von der Außenwelt ab und setzt alles daran, den Täter zu fassen....
"Tiefrot tanzen die Schatten" ist bereits der vierte Fall für Ben Kitto, der auf den Scilly-Inseln, die zu Cornwall gehören, ermittelt. Da die Bände in sich abgeschlossen sind, kann man den aktuellen Ereignissen auch dann folgen, wenn man noch keinen Teil der Serie gelesen hat. Um die Nebenhandlungen chronologisch zu verfolgen, empfiehlt sich aber, wie bei jeder anderen Bücherserie auch, die Einhaltung der Reihenfolge. Da es aber kurze Rückblicke gibt, die sich nahtlos in die Handlung einfügen, dürfte man auch ohne Vorkenntnisse keine Schwierigkeiten haben, diesen Fall zu genießen.
Der Autorin gelingt es hervorragend, die Hintergrundkulisse der Scilly-Insel so authentisch zu beschreiben, dass man schon beinahe meint, selber vor Ort zu sein und Ben Kittos Ermittlungen hautnah zu verfolgen. Dadurch kann man sich bereits früh auf die Handlung einlassen und sich gemeinsam mit Ben auf die Suche nach dem Killer machen. Diese wird vorwiegend in der Ich-Perspektive, aus Bens Sicht, geschildert. Es gibt aber auch immer wieder Abschnitte in denen man Lily, die beste Freundin des Mordopfers, beobachtet, die ihre eigenen Schlüsse aus dem Tod der Freundin zieht.
Beide Perspektiven sind durchgehend interessant. Man beobachtet gespannt, wie Ben Kitto seinen Ermittlungen nachgeht. Es gibt immer mehr Protagonisten, die sich verdächtig machen. Doch so richtig scheinen die zusammengetragenen Puzzleteilchen nicht zu passen. Immer wenn man meint, dass man auf der richtigen Spur ist, sorgen überraschende Wendungen dafür, dass man die eigenen Überlegungen neu bewerten muss. Hier ist nichts so, wie es auf den ersten Blick scheint, sodass die Spannung bis zur Auflösung gehalten werden kann.
Ein gelungener Aufenthalt auf den Scilly-Inseln, bei dem Krimi-Fans voll auf ihre Kosten kommen.
Gelungene Fortsetzung
Confessions of a Bad Boy von Piper Rayne
Bei der Testamentseröffnung seines verstorbenen Mentors Chip, erlebt Buschpilot Denver Bailey eine Überraschung: Chip hat ihm die Hälfte seiner Firma vermacht. Er soll sie gemeinsam mit Chips Tochter Cleo führen. Doch Denver weiß nicht, ob er Verantwortung für ein Unternehmen übernehmen kann. Und dann noch gemeinsam mit Cleo, mit der er sich noch nie gut verstanden hat.
Auch Cleo hat ihre Zweifel, ob eine Zusammenarbeit mit Denver funktionieren kann...
"Confessions of a Bad Boy" ist bereits der fünfte Band der Reihe um die Geschwister der Bailey-Familie, die in Lake Starlight, einem Ort in Alaska, leben. Obwohl man die einzelnen Teile auch unabhängig voneinander lesen kann, da immer ein Paar im Mittelpunkt steht, kann man die Familienverhältnisse der Baileys besser nachvollziehen, wenn man die Reihenfolge einhält. Denn die Familie erweitert sich von Band zu Band und man darf sich deshalb auch über ein Wiedersehen mit den Pärchen aus den vorherigen Teilen freuen.
In diesem Teil stehen Denver Bailey und Chips Tochter Cleo im Zentrum der Ereignisse. Die Handlung wird aus wechselnden Perspektiven betrachtet. Dabei stehen Denver und Cleo abwechselnd im Mittelpunkt. Dadurch bekommt man einen hautnahen Einblick in ihre Gedanken und Gefühle und kann außerdem beobachten, wie die beiden Hauptcharaktere aufeinander wirken. Das macht den besonderen Reiz dieser Erzählung aus.
Denver und Cleo wirken sehr sympathisch. Man kann das Knistern zwischen den beiden beim Lesen förmlich spüren und sich dadurch ganz auf die Geschichte einlassen. Das Autorenduo versteht es wieder hervorragend, ganz große Gefühle so zu vermitteln, dass sie nicht zu dick aufgetragen und unglaubwürdig wirken. Das liegt sicher auch mit an dem eingestreuten Humor, der oft zwischen den Zeilen aufblitzt und diesen Roman zu einem echten Lesegenuss macht.
Eine wunderbare Fortsetzung der Reihe, die die Neugier weckt, wie es im Hause Bailey weitergehen wird.
Rasante Fortsetzung
Das dunkle Herz von Palma von Mons Kallentoft
Tim Blanck ist nach Stockholm zurückgekehrt. Tochter Maia ist mittlerweile geboren. Tim und seine Frau Rebecca versuchen, ihr Leben wieder aufzunehmen. Als Tim dann allerdings einen Anruf erhält, dass es sich bei den auf Mallorca gefundenen sterblichen Überresten nicht um seine verschwundene Tochter Emme handelt, reist Tim zurück und nimmt seine fieberhafte Suche wieder auf.
"Das dunkle Herz von Palma" ist die Fortsetzung von "Verschollen in Palma" und knüpft beinahe nahtlos an das Ende des ersten Teils an. Da die Bände aufeinander aufbauen, ist es unbedingt ratsam, die Reihenfolge einzuhalten.
Genau wie im ersten Teil, betrachtet man die beliebte Urlaubsinsel aus einem ganz anderen Blickwinkel. Es herrscht zwar Sonnenschein, doch die Hitze wirkt nicht sommerlich leicht, sondern mörderisch. Hinter den Kulissen der Urlaubsfassade brodelt es und man gerät, gemeinsam mit Tim Blanck, in einen Strudel aus Macht, Gier, Korruption und gnadenloser Gewalt. Auch Tim verändert sich dadurch.
Der Schreibstil zeichnet sich vorwiegend durch recht knappe, fast schon abgehackte Sätze aus, die die Eindringlichkeit von Tims Suche unterstreichen. Es ist beinahe so, als ob Tims fieberhafte Besessenheit sich auf den Leser überträgt. Dadurch baut sich die Spannung früh auf. Man weiß nicht, wem Tim vertrauen kann und zu welchem Ergebnis seine Suche führen wird. Deshalb gerät man förmlich in den Sog der Ereignisse und wird mitgerissen. Um den roten Faden nicht zu verlieren, sollte man allerdings konzentriert lesen. Denn es gilt einigen Spuren zu folgen.
Eine rasante Fortsetzung, mit einer brutalen Story, die unter die Haut geht. Für Fans des ersten Teils ein Muss!
Spannender Cold Case
Nordwestzorn von Svea Jensen
Kommissarin Anna Wagner kehrt nach St. Peter-Ording zurück und leitet nun die neue SOKO, die sich mit alten, ungeklärten Fällen befasst. Anna hat sich dafür entschieden, das Verschwinden von Florian zu untersuchen. Der herzkranke Junge verschwand vor 15 Jahren während einer Klassenfahrt. Bei den damaligen Ermittlungen standen drei Männer im Zentrum, von denen einer schließlich angeklagt, aber nicht verurteilt wurde.
Anna will versuchen, diesen Fall endlich aufzuklären. Dabei stellt sich schnell heraus, dass die damals ermittelnden Beamten kein Interesse daran haben, Anna zu unterstützen....
"Nordwestzorn" ist nach "Nordwesttod" bereits der zweite Fall, in dem Anna Wagner und Hendrik Norberg gemeinsam ermitteln. Man kann dem aktuellen Geschehen aber auch dann mühelos folgen, wenn man noch keinen Teil der Reihe gelesen hat, denn die Autorin streut wichtige Hintergrundinformationen in die Handlung ein.
Diese wird aus unterschiedlichen Perspektiven betrachtet, wobei es immer wieder Rückblicke in die damaligen Ereignisse gibt. Dabei wird allerdings nicht zu viel verraten. Im Gegenteil, denn diese Rückblicke regen zu eigenen Ermittlungen an, sodass man gemeinsam mit Anna Wagner und Hendrik Norberg auf Spurensuche geht.
Handlungsorte und Charaktere werden so authentisch beschrieben, dass man beinahe meint, selber vor Ort zu sein. Neben der eigentlichen Krimihandlung, werden auch private Nebenhandlungen thematisiert. Diese drängen sich aber nicht in den Vordergrund, sondern sorgen eher dafür, dass die Protagonisten noch lebendiger wirken. Der Fall selbst weckt vom ersten Moment an das Interesse. Annas Hartnäckigkeit, an alle gewünschten Informationen zu kommen, wird auf eine harte Probe gestellt. Denn die damaligen Ermittler mauern. Diese Tatsache gibt der Handlung zusätzlichen Reiz, denn gemeinsam mit Anna Wagner und Hendrik Norberg stellt man sich die Frage, warum das so ist. Die Spannung wird dadurch nicht nur früh aufgebaut, sondern kann durchgehend gehalten werden und sich zum Ende hin sogar noch steigern.
Ein Cold Case, der durch Spannung und lebendige Charaktere überzeugt!
Authentisch erzählter Roman
Zum Glück gibt es Umwege von Anne Buist; Graeme Simsion
Die Amerikanerin Zoe hat einen tragischen Verlust erlitten. Deshalb reist sie zu ihrer Freundin nach Frankreich und fasst dort den spontanen Entschluss, den Jakobsweg zu gehen. Auf ihrem Weg trifft sie immer wieder auf Martin, der einen Wanderkarren entworfen hat und diesen auf dem Jakobsweg einem Härtetest unterziehen will.
Die beiden sind sich nicht sofort sympathisch, da sie ganz unterschiedlich sind und den Camino aus vollkommen anderen Beweggründen gehen. Doch der Weg verändert die beiden...
"Zum Glück gibt es Umwege" ist ein Roman über den Jakobsweg von Graeme Simsion und Anne Buist. Im Nachwort erfährt man, dass die beiden den Weg von Cluny bis Santiago selber zurückgelegt und ihre eigenen Erfahrungen und Beschreibungen, aus wechselnden Perspektiven, in die Handlung eingebracht haben. Auch wenn die Örtlichkeiten und die Erfahrungen, die sie auf den einzelnen Abschnitten gesammelt haben, in diesen Roman einfließen, handelt es sich dennoch um eine fiktive Geschichte.
Der Einstieg in diesen Roman gelingt mühelos, denn beide Autoren verstehen es hervorragend, Protagonisten und Handlungsorte so zu beschreiben, dass man das Gefühl hat, selbst vor Ort zu sein. Die beiden Hauptcharaktere haben unterschiedliche Probleme, denen sie sich auf dem Weg stellen müssen. Da beide sympathisch wirken, lässt man sich gerne auf den Weg und die Veränderung, die beide Charaktere im Verlauf der Handlung durchlaufen, ein.
Es handelt sich um einen eher geruhsamen Roman, der eine besondere Atmosphäre vermittelt. Man hat Zeit, sich mit den Charakteren vertraut zu machen und ihre Weiterentwicklung zu beobachten. Diese wirkt so authentisch, dass man sich ganz auf den Weg einlassen kann und dabei selber zum Nachdenken angeregt wird. Die Strapazen, die der Weg den beiden abverlangt, aber auch die Glücksmomente und Erfolgserlebnisse, werden so vermittelt, dass man sich alles mühelos vorstellen kann. Es gibt zwar auch immer wieder Szenen, die etwas ausufernd wirken oder bei denen man das Gefühl hat, dass sich zu viel wiederholt, doch darüber kann man großzügig hinwegsehen, da dies gut zum Roman passt. Denn auf dem langen Weg von Cluny nach Santiago hat man sicher genug Zeit, die Landschaft ausgiebig zu betrachten und dabei wiederholt in sich zu gehen.
Ein gelungener Roman über den Jakobsweg, der sehr authentisch geschildert ist und deshalb zum Nachdenken anregt.
Interessanter Auftakt
Die Tierärztin - Große Träume von Sarah Lark
Nellies großer Traum ist es, Tierärztin zu werden. Doch in Belgien gibt es für Frauen keine Möglichkeit, Tiermedizin zu studieren. Nellie denkt allerdings nicht daran, ihren Traum aufzugeben. Deshalb eignet sie sich die Kenntnisse und Fähigkeiten, die ihr bester Freund Phillip, der Tiermedizin studiert, um später die Praxis seines Vaters zu übernehmen, während des Studiums erlangt, selber an.
Obwohl Nellie und Phillip sich nicht lieben, heiraten sie schließlich. Dadurch hat Nellie die Möglichkeit, in der Tierarztpraxis mitzuarbeiten. Doch Phillip stellt eine Bedingung: Er bittet Nellie, ihn freizugeben, falls er seinen eigenen Traum, Musiker zu werden, irgendwann verwirklichen kann. Als der Erste Weltkrieg beendet ist, bietet sich Phillip unverhofft die Gelegenheit, seinen Traum zu verwirklichen. Er fordert die Einlösung des Versprechens ein und verschwindet aus Nellies Leben. Doch Nellie gibt nicht auf. Sie wagt einen Neuanfang im fernen Berlin, um weiter mit Tieren arbeiten zu können...
"Große Träume" ist der erste Band der Tierarzt-Saga von Sarah Lark. Der Einstieg verläuft zunächst gemächlich, da man mit den Charakteren und den damals herrschenden Gepflogenheiten vertraut gemacht wird. Man lernt die Protagonisten ausführlich kennen und beobachtet, wie Nellie ihren großen Traum verwirklichen möchte. Dabei gelingt es der Autorin wieder hervorragend, Protagonisten und Handlungsorte so zu beschreiben, dass man alles mühelos vor Augen hat. Auch wenn man manchmal das Gefühl hat, dass die Beschreibungen etwas zu ausführlich geraten sind, da die Handlung etwas auf der Stelle zu treten scheint, kann man sich nach und nach ganz auf das Geschehen einlassen.
Die Protagonisten und die damalige Zeit erwachen zum Leben. Man beobachtet, Nellies schwierigen Weg, um ihren Traum zu erfüllen. Dabei lernt man weitere Charaktere kennen, die wichtig für Nellie werden. Nellie ist eine starke Frau, die alles daran setzt, ihren Weg zu gehen. Dabei hält das Schicksal einiges für sie und ihre Freunde bereit. Obwohl die schicksalhaften Begebenheiten dafür sorgen, dass man gebannt dem Geschehen folgt, stellt man sich doch gelegentlich die Frage, ob es nicht ein wenig zu viel ist, was den einzelnen Charakteren widerfährt. Dadurch wirkt manches konstruiert und nur bedingt glaubwürdig. Dennoch folgt man gerne der Erzählung. Das Ende ist in sich abgeschlossen, weckt aber die Neugier auf den weiteren Verlauf der Saga.
Ein interessanter Auftakt, der die Neugier auf den weiteren Verlauf der Saga weckt.
Startet zunächst eher gemächlich, entwickelt sich dann aber zu einem echten Pageturner
Eine perfekte Ehe von McCreight Kimberly
Lizzie Kitsakis ist Anwältin in einer angesehenen New Yorker Kanzlei. Eines Tages ruft ihr ehemaliger Studienfreund Zach an. Er bittet Lizzie um Hilfe, denn er sitzt in der berüchtigten Haftanstalt Rikers Island in Untersuchungshaft. Er steht unter Verdacht, seine Frau Amanda ermordet zu haben. Zach schwört, dass er unschuldig ist.
Lizzie lässt sich dazu überreden, Zach zu vertreten. Doch schon bald stellt sie fest, dass es in diesem Fall etliche Ungereimtheiten gibt...
Die Handlung wird aus unterschiedlichen Perspektiven betrachtet. Man beobachtet, was sich in den letzten Tagen der ermordeten Ehefrau Amanda zugetragen hat und bekommt außerdem einen Einblick in Lizzies Ermittlungen. Darüber hinaus gibt es immer wieder Auszüge aus Vernehmungsprotokollen der Grand Jury und Mails, die sich mit einer Datenpanne an einer Schule befassen. Da die Wechsel entsprechend gekennzeichnet sind, fällt es leicht, die Perspektiven zuzuordnen.
Der Einstieg ins Geschehen verläuft anfangs eher gemächlich. Man macht sich langsam mit den Protagonisten vertraut, beobachtet Lizzies Ermittlungen und rätselt, was es mit den Protokollen und den eingefügten Mails auf sich hat. Die Charaktere wirken äußerst lebendig und sobald man sich mit ihnen und ihren Problemen vertraut gemacht hat, beginnt man sich ganz auf die Handlung einzulassen. Hier ist nicht so, wie es auf den ersten Blick scheint. Jeder scheint Geheimnisse zu hüten, doch um was es geht und ob sie etwas mit Amandas Tod zu tun haben, ahnt man nicht. Es kommt zu einigen überraschenden Wendungen, die dafür sorgen, dass man in den Sog der Ereignisse gerät und das Buch nicht mehr aus der Hand legen mag. Die Handlung ist kaum vorhersehbar und hält selbst zum Schluss noch einige Überraschungen bereit. Dadurch bleibt die Spannung bis zum Schluss erhalten. Am Ende verknüpfen sich alle Handlungsfäden so gekonnt miteinander, dass man das Buch zufrieden zusammenklappen kann.
Ein Spannungsroman, der zwar eher gemächlich startet, sich dann aber zu einem echten Pageturner entwickelt.
Konnte mich leider nicht überzeugen
Eine perfekte Ehe von McCreight Kimberly
Philipp Wendelstein ist ein erfolgreicher Rechtsanwalt. Sein Berufsalltag ist stressig, aber sein Privatleben verläuft eher gemächlich. Er trifft sich gelegentlich mit Freunden und die Beziehung zu seiner Lebensgefährtin Tanja wirkt eingefahren. Philipp würde sein Leben gerne ändern, doch ihm fehlt der Mut.
Als er sich dazu aufrafft, mal wieder joggen zu gehen, entdeckt er im Wald einen Schachplatz. Die Partie ist bereits eröffnet und aus der Laune heraus, entscheidet sich Philipp für eine Farbe und beginnt das Spiel fortzusetzen. Als Philipp den Platz das nächste Mal aufsucht, hat ein unbekannter Gegenspieler auf seinen Zug reagiert. Und so nimmt das Unheil seinen Lauf, denn immer, wenn Philipp eine Schachfigur verliert, stirbt jemand aus seinem Umfeld...
Die Inhaltszusammenfassung lässt auf einen Psychothriller hoffen, der Spannung und Nervenkitzel garantiert. Der Einstieg in die Handlung verläuft allerdings eher gemächlich. Zunächst lernt man den erfolgreichen Rechtsanwalt und seine Gewohnheiten näher kennen. Dagegen ist nichts einzuwenden, dennoch wirken die Informationen etwas zu detailliert, um Spannung zu erzeugen.
Die Handlung wird aus unterschiedlichen Perspektiven betrachtet. Dadurch bekommt man als Leser das Gefühl, dass man einen guten Überblick über die Gesamthandlung erhält. Aber, wie es in guten Psychothrillern üblich ist, ist nichts so, wie es auf den ersten Blick scheint. Denn der geheimnisvolle Gegenspieler lässt sich nicht so leicht enttarnen. Trotz der geschickt gesetzten Szenenwechsel, zieht das Tempo leider eher verhalten an. Denn der ausschweifende Schreibstil ist äußerst gewöhnungsbedürftig. Es ist oft anstrengend, den blumigen, zuweilen recht dramatischen, Schilderungen zu folgen. Die "unheilschwangeren" Andeutungen, mit denen die Szenenwechsel eingeläutet werden, nutzen sich recht schnell ab, da sie zu gehäuft in dieser Form auftreten. Etwas weniger Dramatik wäre hier deutlich mehr gewesen.
Es fällt außerdem schwer, sich mit dem Hauptprotagonisten zu identifizieren. Phillip wirkt immer verbissener und neigt zu Handlungen, die nicht immer nachvollziehbar sind. Auch die anderen Charaktere bleiben eher farblos. Sie wirken, passend zu Handlung, eher wie hölzerne Figuren, die beliebig auf dem Schachbrett verschoben werden. Das liegt wahrscheinlich auch daran, dass man bei den ausschweifenden Dialogen, über die recht gestelzte Ausdrucksweise stolpert, dadurch immer wieder aus dem Lesefluss gerät und das Ganze eher distanziert betrachtet.
Zum Ende hin, sorgen überraschende Wendungen allerdings dafür, dass sich die bis dahin vermisste Spannung doch noch einstellt.
Krimis und Thriller sind meine absoluten Favoriten. Die Grundidee dieses Psychothrillers konnte mich deshalb auch begeistern. Die Umsetzung leider nicht, da mich der ausschweifende Schreibstil, der auf mich zu dramatisiert und gestelzt wirkte, nicht mitreißen konnte. Deshalb vergebe ich auf meiner persönlichen Bewertungsskala leider nur zwei von fünf möglichen Sternen.
Spannender Reihenauftakt!
Der Kryptologe von Elias Haller
Arne Stiller kehrt nach einer Suspendierung an seinen Arbeitsplatz in der Dresdner Mordkommission zurück. Das Gefühl, dass die Rückkehr nicht einfach wird, bestätigt sich, als er einen Blick in sein neues Büro wirft, das eher an eine Besenkammer erinnert. Zeit, sich darüber Gedanken zu machen, hat Stiller allerdings nicht.
Denn in der Kanalisation unter der Semperoper wird die Frau eines Sensationsreporters ermordet aufgefunden. Sie trägt ein Galakleid und an Händen und Füßen sind Schnitte, die rätselhafte Zahlenkombinationen ergeben. Da Stiller Kryptologe ist, scheint er für diesen Fall besonders geeignet zu sein. Doch ihm läuft die Zeit davon, denn von der kleinen Tochter der Ermordeten fehlt jede Spur...
"Der Kryptologe" ist der Auftakt zu einer neuen Thriller-Serie um Arne Stiller, der im Verlauf der Ermittlungen Unterstützung von Kollegin Inge Allhammer erhält. Arne Stiller und Inge Allhammer sind bei den Vorgesetzten nicht gerade gut angesehen. Die beiden haben Probleme und müssen sich erst zusammenraufen. Im Verlauf der Handlung wirken diese beiden Charaktere allerdings immer sympathischer. Es macht Spaß, die Wortgefechte der beiden zu verfolgen, denn sie lockern die spannende Thriller-Handlung auf.
Der Einstieg in diesen Thriller gelingt mühelos. Denn auch in seiner neuen Serie, gelingt es Elias Haller wieder von Anfang an, Spannung aufzubauen und das Interesse am Fall zu wecken. Die Handlung wird aus unterschiedlichen Perspektiven betrachtet. Dadurch entwickelt sich eine temporeiche Suche nach dem Killer. Kurze Rückblicke in dessen Vergangenheit, laden dazu ein, über seine Identität zu spekulieren. Doch überraschende Wendungen sorgen dafür, dass man sich bis zum Schluss nicht sicher sein kann, wer hinter allem steckt. Dadurch bleibt die Spannung nicht nur durchgehend erhalten, sondern steigert sich zum Ende hin sogar noch.
Ein gelungener Auftakt, der neugierig auf den weiteren Verlauf der Reihe macht.
Spannender Spreewald-Krimi
Verfehlt von Christiane Dieckerhoff
Kommissarin Klaudia Wagner und ihre Kollegen zeigen auf dem Spreewaldfest in Uniform Präsenz. Dienstellenleiter PH befindet sich gerade im Urlaub und deshalb trägt Klaudia die Verantwortung. Bisher gibt es keine besonderen Vorkommnisse. Das Wetter ist gut und die Stimmung ausgelassen. Das ändert sich allerdings schlagartig, als plötzlich der diesjährige Schützenkönig von einem gezielt geworfenen Messer getroffen wird und von seinem festlich geschmückten Kahn in die Spree stürzt.
Während die Rettungskräfte noch mit der Bergung der Leiche beschäftigt sind und Klaudia versucht, die Lage unter Kontrolle zu bringen, wird ihr väterlicher Freund Schiebschick im Getümmel auf dem Festplatz von einem Messerwurf nur knapp verfehlt. Schiebschick hat einen Verdacht, dem er unbedingt nachgehen muss. Bevor er Klaudia aber davon berichten kann, wird der alte Fährmann lebensgefährlich verletzt und kurz darauf zwischen den Schaustellerwagen gefunden....
"Verfehlt" ist nach "Spreewaldgrab", "Spreewaldtod", "Spreewaldrache", "Spreewaldwölfe" und "Vermisst" bereits der sechste Fall für Kommissarin Klaudia Wagner. Dieser Teil der Serie ist nach "Vermisst" allerdings erst der zweite Band, der im Aufbau Verlag erscheint. Die vorherigen vier Spreewald-Krimis erschienen bei Ullstein. Da die Fälle in sich abgeschlossen sind, kann man die Bände allerdings unabhängig voneinander lesen. Die privaten und beruflichen Nebenhandlungen bauen, wie bei jeder anderen Bücherserie auch, zwar aufeinander auf, aber Christiane Dieckerhoff lässt wichtige Hintergrundinformationen so ins Geschehen einfließen, dass man dem Ganzen auch ohne Vorkenntnisse folgen kann.
Auch bei diesem Teil der Reihe gelingt es der Autorin mühelos, das besondere Flair des Spreewalds in die Handlung einfließen zu lassen. Die Anfangsszene auf dem Festplatz ist so lebendig beschrieben, dass man das Gefühl hat, direkt dabei zu sein. Deshalb kann man sich früh auf das Geschehen einlassen und sich gemeinsam mit Klaudia Wagner und ihrem Team auf Spurensuche begeben. Der Fall ist temporeich und hat es wirklich in sich. Dabei trifft man nicht nur auf alte Bekannte aus den vorherigen Teilen, sondern lernt auch neue Akteure kennen. Da alle Charaktere lebendig wirken und der Fall einiges zu bieten hat, gerät man früh in den Sog der Ereignisse. Man mag kaum glauben, dass Klaudias väterlicher Freund Schiebschick in seiner Vergangenheit etwas getan haben soll, dass ihn ins Visier eines skrupellosen Messerwerfers rücken lässt. Erfahrene Krimileser dürften früh Hinweise erkennen, die den Täter in den Fokus der eigenen Ermittlungen rücken lassen. Dennoch kann man sich zunächst nicht sicher sein. Durch überraschende Wendungen bleibt die Handlung dennoch durchgehend spannend.
Wieder ein gelungener Teil der Spreewald-Reihe, der durch Spannung, lebendige Charaktere und eine authentische Hintergrundkulisse überzeugt.










