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Rezensionen von gaby2707:

Es ist nie zu spät

Meer Liebe auf Sylt von Claudia Thesenfitz

Mein Lieblingszitat aus der Geschichte auf S. 186:
Kleinen Kindern gibt man Wurzeln und großen schenkt man Flügel.

Will Marcus sie verlassen? Hat er eine Andere? Um das heraus zu finden, reist Alexandra Reinhardt ihrem Mann nach New York nach. Auf die 2-jährige Tochter Emma sollen in der Zeit die beiden Omas aufpassen.

Auch Schwester Jana wird mit ins Boot geholt. Die kleine Emma schafft es immer wieder, die drei richtig auf Trab zu halten.

Unterhaltung und Witz wird schon durch die Unterschiedlichkeit der beiden Omas garantiert: Henrietta, Chefredakteurin einer großen Frauenzeitschrift, die absolute Karrierefrau und immer topmodisch gestylt. Ulla, Esotherikerin aus vollem Herzen , unrasiert von Kopf bis Fuß und eine Anhängerin des Nachzbadens. Meine Mundwinkel sind fast ständig nach oben gezogen, wenn ich von dem immer wieder erschrockenen Gesichtsausdruck von Henriette lese und beide in meinem Kopfkino durchs Bild huschen. Der kleinen Emma dagegen sind diese Äußerlichkeiten wurscht. Sie liebt ihre beiden Omas ohne wenn und aber.

Mir gefallen die feinsinnigen Gespräche, die die beiden Frauen führen, wie sie sich gaaaanz langsam annähern und jeder der anderen ihren Raum gibt. Ihre Muster und Gesetze, in denen beide leben, fangen an sich zu lockern bzw. aufzulösen.

Und das alles spielt vor der wunderschönen Kulisse der Insel Sylt. Bei den Beschreibungen bekommt man Lust auf Sommerurlaub. Sylt steht ab sofort auch auf meiner ?will ich noch hin?-Liste.

Sympathische Charaktäre, eine wunderschöne Sommerkulisse, eine insgesamt humorvolle Geschichte und eine wunderbare Wandlung und Annäherung zweier Frauen ? ich hatte ein paar ausgesprochen schöne Lesestunden.

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Die Vergangenheit lebt weiter

Das Erbe von Carreg Cottage von Constanze Wilken

Die 35-jährige Lilian Gray, genannt Lili hat ihr Cafe in Greenock, Schottland aufgeben müssen und steht vor dem Nichts. Als ihr der Brief eines Anwalts aus Nordwales in Haus flattert, der ihr eine erhebliche Erbschaft verspricht, macht sie sich mit ihrem Border Terrier Fizz auf den Weg nach Aberdaron.

Sie erfährt, dass ein nur dem Anwalt Bekannter ihr ein kleines Pilgercottage und eine Menge Geld für die Renovierung vererbt hat. Sie muss ihr Erbe sofort antreten und das Cottage bewirtschaften. In einem Jahr soll sie erfahren, wer ihr Gönner ist. Voller Tatendrang macht sich Lili, die für Schreibtischarbeit absolut nicht gemacht ist, sondern am liebsten in der Erde buddelt und Kräuter, Pflanzen, Blumen und Bäume setzt, ans Werk. Hier, wo sie sich gleich wohl, geborgen und zuhause fühlt, hat aber jemand etwas gegen ihre Anwesenheit. Bevor sie ihr neues Zuhause beziehen kann, wird es von Unbekannten verwüstet...

In ihrem neuen Roman entführt mich Constanze Wilken nach Nordwales auf die Halbinsel Llyn. Hier begleite ich Lili nicht nur im Hier und Jetzt, sondern ich mache auch Bekanntschaft mit Lileas, die in der Zeit nach 614 als Tochter eines Druiden und seiner Familie aufwächst. Ihr Vater gibt ihr seine Kenntnisse weiter, bis die Familie außer Lileas, die flüchten kann, ausgelöscht wird. Sie tauscht ihren Namen in Meara und verlässt ihre Heimat Richtung Süden. Mit ihren besonderen Kräften lebt sie einsam als Heilerin und würdige Nachfolgerin ihres Vaters und hilft denen, die sie darum bitten.

Dass die Hauptpersonen sowohl aus der Gegenwart als auch aus der Vergangenheit zu Anfang der Geschichte aufgeschrieben sind, hat mir ein paar Mal sehr geholfen. Lileas und Lili habe ich beide sofort in mein Herz geschlossen. Beide haben ihre Stärken und Eigenheiten, sind zwei ganz aussergewöhnliche Frauen. Lägen nicht hunderte von Jahren zwischen ihnen, könnten sie Schwestern sein.

Mit ihrem einfühlsamen und doch prägnanten Schreibstil hat mich Constanze Wilken sofort in den Bann der walisischen Landschaft und ihrer Bewohner gezogen. Beim Lesen habe ich die salzige Luft in der Nase, höre die Wellen an die Felsen schlagen und sehe die schroffe Landschaft mit ihren kleinen Ortschaften vor mir. Sie hat es geschafft, dass ich einen weiteren Landstrich auf meine ?möchte ich noch sehen?-Liste gesetzt habe.

Ich war gefangen in einer Geschichte aus Gegenwart und Vergangenheit, durfte lesen, wie sich eine Liebe anbahnt, eine andere leider entzweit wurde und hatte wunderbar unterhaltsame Lesestunden. Und ich freue mich auf eine Fortsetzung der Geschichte mit Lili.

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Mord in Münchens Altstadt

Die Montez-Juwelen von Sabine Vöhringer

Nach einer Auszeit ist Hauptkommissar Tom Perlinger wieder in seiner Heimatstadt München gelandet. Am Abend nimmt er kurz an einer Präsentation der legendären Montez-Juwelen bei einem Juwelier in der Hofstatt teil. Tags darauf wird in der Früh im Fischbrunnen am Marienplatz ein junger Mann tot aufgefunden.

Ihn hatte Perlinger am Abend ebenfalls auf der Vernissage gesehen. Noch nicht im Dienst, der erst am Montag beginnt, nimmt Tom die Ermittlungen trotzdem schon auf, weil sein Halbbruder Max verdächtigt wird?

Bei den Ermittlungen zu den Montez-Juwelen nimmt mich Sabine Vöhringer mit in die Altstadt von München mit ihren kleinen Gassen, dem Marienplatz und der Sendlinger Straße. Hier bin ich zuhause und freue mich immer wieder, wenn ich die Wege, die hier z.B. Tom Perlinger geht, direkt vor meinem inneren Auge mit spazieren kann. Toll auch die Ansicht der Innenstadt auf der Innenseite von Vorder- und Rückseite des Buches.

Zuerst fühlte ich mich von den vielen Personen, die hier angesiedelt sind, etwas überfordert. Doch da vor Beginn der Geschichte ein Blatt die Personen mit ihren Zugehörigkeiten beschreibt und ich immer mal wieder nachschlagen konnte, hatte sich das schnell gelegt. Da ich auch schon mal z.B. im Hackerhaus war, hatte ich bei einigen Personen direkt ein konkretes Bild vor Augen. Interessante Charaktäre, bei denen ich meine Sympathien schnell vergeben habe, wie z.B. Kommissar Tom Perlinger, der mit seinem Sixpack, seinem Charme und seiner Zuverlässigkeit sofort bei mir punkten konnte, sorgen für Kopfkino. Ich hoffe, dass ich bald mehr von ihm und Kollegin Jessica lesen werde. Kommissar Mayrhofer kann ruhig versetzt werden.

Es geht in der Geschichte nicht nur um die Montez-Juwelen, sondern auch um die Familiengeschichte und -fehde zweier Brauhausbesitzer und den Kampf um Macht und Ansehen in der Münchner Gesellschaft. Interessant zu lesen, wie sich hier Vergangenheit und Gegenwart verweben und nichts in Vergessenheit gerät

Anfangs hat mir die Spannung etwas gefehlt. Doch da die Geschichte insgesamt so interessant ist und am Ende noch mal richtig Fahrt aufnimmt, hat mich das absolut versöhnt.
Wer Krimis Lokalkolorit mag, eine interessante Geschichte mit Blick in die Vergangenheit lesen will und sich spannend unterhalten lassen will ? hier sind sie genau richtig.

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Vergangenheitsbewältigung

Blutorangen Gebunden. von Boos Verena

Maria Teresa Molins, genannt Maite, hat es geschafft. Sie hat sich gegen ihren strengen Vater durchgesetzt, verlässt ihre Heimatstadt Valencia und studiert nun in München. Hier lernt sie Carlos kennen, einen spanischstämmigen jungen Mann und verliebt sich in ihn. Bei seinem Großvater Antonio, der sich in München eine neue Existenz aufgebaut hat, stößt sie auf ein Foto eines jungen Mannes in deutscher Uniform.

Eine solche Uniform trägt ihr Vater auf einem Foto, dass sie zufällig einmal bei sich zuhause gesehen hat. Nun stellt sie Fragen und beginnt nachzuforschen. Alte Wunden reißen auf und ein totgeschwiegenes Kapitel ihrer Vorfahren kommt immer mehr ans Licht.

Dies ist kein Roman, den man mal schnell zwischendurch liest. Durch die drei Zeitzonen, durch die er mich führt, brauche ich meine ganze Aufmerksamkeit um dem äußerst interessanten Geschehen folgen zu können. Spannung baut sich auf und hält mich gefangen, nachdem ich die Familienzugehörigkeiten verinnerlicht hatte, bis ich die letzte Seite erreicht und zusammen mit Maite ihr Leben bzw. ihre Vergangenheit und die ihrer Familie aufgearbeitet habe.

In einer eindrucksvollen, berührenden, bildhaften und sehr lebendigen, hier und da aber auch abgehackten Sprache, was meinen Lesefluss manchmal aus dem Tritt gebracht hat, nimmt mich Verena Boos mit in die Aera Francos und dem spanischen Bürgerkrieg. Mir war bis jetzt nicht bekannt, dass spanische Männer auch im deutschen Krieg gegen Russland dabei waren. Für mich war es sehr interessant zu lesen, wie sich der Bogen der Geschichte von Spanien, wo er schließlich auch wieder endet, über Frankreich nach Deutschland, weiter nach Russland zieht.

Die Personen finde ich gut beschrieben. Vor allem Maites Vater Francisco und Carlos Opa Antonio, dessen Schicksal mich tief berührt hat, kann ich mir sehr gut vorstellen. Bei der Vielzahl an Personen hätte ich mir hier zu Beginn der Geschichte einen Stammbaum gewünscht, an dem man die Zugehörigkeiten immer mal wieder nachsehen kann.

Dieses Buch und diese Geschichte wird mir noch lange in Erinnerung bleiben.

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Marmeladenrezepte mit Geheimnissen gewürzt

Das Brombeerzimmer von Anne Töpfer

Nora Kluge ist 29, lebt mit ihrem Labrador Watson in Oberhausen am Rande des Ruhrgebietes, hat Ökotrophologie studiert, und hat vor einem Jahr ihren Mann Julian, den sie über alles geliebt hat und heute schmerzlich vermisst, durch eine Herzmuskelentzündung verloren. Als sie beginnt, seine Sachen wegzuräumen, findet sie einen Brief von Julians Großtante Klara und ein Rezept für Brombeermarmelade.

Sie beschließt, die alte Dame, die in einem kleinen Dorf in der Vorpommerschen Boddenlandschaft lebt, zu besuchen. Zwischen den beiden Frauen und einer jungen Nachbarin entwickelt sich rasch eine wunderbare Freundschaft. Aber Nora stößt auch auf ein Familiengeheimnis, dass die Öffnung zwischen Ost und West überdauert hat und nun gelüftet werden soll...

Anne Töpfer hat mich mit ihrem einfühlsamen und liebevollen Schreibstil sofort gefangen genommen. Ich habe Nora sofort als Freundin für ein paar Lesestunden angenommen, kann ihre Trauer und ihren Schmerz gut nachvollziehen. Daher fand ich es sehr schön, zu lesen, wie sie in dem kleinen Ort in Vorpommern langsam wieder in ihr eigenes Leben zurück findet. Wie ihr dabei ihre Freundin Katharina und auch Mandy, die sie hier kennenlernt, zur Seite stehen, fand ich sehr gut beschrieben.
Toll finde ich auch den Weg von Nora zu Klara, die sich zuerst als spröde sturköpfige alte Dame gibt, dann aber immer mehr auftaut. Was auch an der gemeinsamen Begeisterung für selbstgemachte Marmeladen und Liköre liegt. Bei den Beschreibungen der leckeren Marmeladevariationen läuft mir das Wasser im Mund zusammen. Bestimmt werde ich das ein oder andere Rezept, das hier angeboten wird, ausprobieren.

Von der Auflösung des Familiengeheimnisses aus der Nachkriegszeit hatte ich mir etwas mehr versprochen. Das kam mir hier etwas zu kurz.

Das Brombeerzimmer ist eine gefühlvolle, zauberhafte Geschichte für ein paar entspannte Lesestunden.

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Spannendes neues Ermittlerduo

Tod am Deich. Ostfrieslandkrimi von Ulrike Busch

Um fit zu sein für den Antrittsbesuch der neuen Kollegin Fenna Stern macht sich KHK Tammo Anders mit seinem Fahrrad und Hund Buddy auf zu einer Runde auf dem Deich. Von einem Jogger aus dem Gleichgewicht gebracht, stürzt Tammo und verheddert sich in den Fängen einer Wasserleiche im Entwässerungsgraben hinter dem Deich in Greetsiel.

So stolpert Fenna gleich an ihrem ersten Tag in ihren ersten Fall in Greetsiel.

Mit ?Tod am Deich? steige ich ein in eine Krimireihe um Kriminalhauptkommissar Tammo Anders und der Profilerin Fenna Stern. Von Anbeginn knistert es zwischen den Beiden ohne dass es aufdringlich erscheint. Ich hoffe, bald mehr von dem sympathischen Ermittlerpaar lesen zu dürfen.
Wachtmeister Pötzschke, den ich auch sehr sympathisch finde, bringt mit seiner Art Ruhe auf die Polizeiwache.
Durch die norddeutschen Vor- und Zunamen, die zusammen mit den Orts- und Landschaftsbeschreibungen den Lokalkolorit ausmachen, bin ich direkt in Ostfriesland bzw. dem malerischen Ort Greetsiel angekommen.
Gelungene, aussagekräftige Dialoge, ein Spannungsbogen der sich stetig aufbaut und sich gut halten kann, haben mich das Buch in einem Rutsch durch lesen lassen. Bei der ein oder anderen Beschreibung ? z.B. sein Verhalten ließ die Nackenhaare Handstand machen ? habe ich auch mal schmunzeln müssen. Oder wenn ich mir Onkel Fridos Rentnergang vorgestellt habe. Auch das gehört für mich zu einem guten Krimi dazu.
Die Geschichte hat mich fesseln können, für mich war ein Täter schnell zur Stelle, aber auch schnell wieder verworfen.

Tod am Deich hat mich bestens unterhalten, ist spannend mit wiederkehrenden Wendungen, die ich so nicht erwartet hatte und ich hatte Einblick in eine Familiengeschichte, die die Vergangenheit nicht bewältigen konnte. Ich freue mich auf die Fortsetzung!

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Interessant und spannend

Ostseehexe von Anke Clausen

1992 in Dresden weint ein kleiner Junge nach seiner Schwester.
Viele Jahre später macht sich der damals 9-Jährige auf die Suche nach seiner Schwester und ihrer gemeinsamen Peinigerin ? der Hexe. Als er diese Frau durch einen Zufall wiedergefunden hat, versucht er auf perfide Art und Weise die Klatschreporterin Sophie Sturm dazu zu bringen, die polizeilichen Ermittlungen anzustacheln.

Als dann der erste Mord passiert, den Sophie auf ihre Kappe nimmt, beginnt ein Wettlauf um Leben und Tod ? wobei auch Sophie ganz nah dran ist?

Es ist das erste Buch der Autorin Anke Clausen, die mich mit dem ehemaligen Model Sophie Sturm bekannt macht. Durch ihre erfrischend natürliche Art, ihre Durchsetzungskraft, ihren starken Willen und ihre manchmal Unangepasstheit hat sie sich gleich zu einer guten Freundin gemausert. Auch ihr Umfeld, ihre beste Freundin Tina Sperber mit ihrem Mann Stefan, ihr Freund Kommissar Robert Feller, Olga Solowjowa, die als Model arbeitet und gestalkt wird, und der Computernerd mit starkem Hang zu weißer Schokolade und Cola kann ich mir gut als meine Freunde vorstellen. Alle finde ich sehr gut vorstellbar, sehr sympathisch und haben doch alle ihre Ecken und Kanten.

Die Geschichte selbst ist gut nachvollziehbar und schlüssig aufgebaut. Was ich nicht ganz nachvollziehen kann, ist die hier und da etwas lasche Arbeitsweise der Kripo. Vielleicht kommt dies aber vom Gerangel zwischen den Kollegen Robert und Stefan. Gerade bei den Polizisten der örtlichen Dienststelle, Enno Gerken und seinen Kollegen, merkt man dagegen, wie sehr sie sich ins Zeug legen um zur Aufklärung beizutragen.

Ich habe eine interessante neue ?Ermittlerin? kennen gelernt und hatte zusammen mit ihr einige spannende Lesestunden. Die Autorin hat es geschafft, mir Sophie so nahe zu bringen, dass ich nun auch die ersten beiden Fälle, an denen Sophie beteiligt war, lesen werde.

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Lebe Dein Leben...

Mein schlimmster schönster Sommer von Stefanie Gregg

Unternehmensberaterin Isabel Drievers lebt zufrieden mit ihrem Lebensgefährten Georg Krailsheim in einer schicken Wohnung in München. Ihre immer öfter auftretenden Schmerzen verdrängt sie bis es nicht mehr geht. Die schockierende Diagnose: Krebs ? ein männerfaustgroßer Tumor im Bauchraum ? trifft sie völllig unvorbereitet und mit großer Wucht.

Bis zum OP-Termin in 14 Tage soll sie Urlaub machen. Diesen Rat des Arztes nimmt sie an, als sie auf dem Heimweg einen gelben VW-Bulli Jahrgang 1985 mit einem ?zu verkaufen?-Schild am Straßenrand stehen sieht. Zusammen mit dem jungen Besitzer Rasso Liebermann beginnt ihre Fahrt quer durch Deutschland. Dabei wollte sie eigentlich in die Provence.

Stefanie Gregg gelingt es, mich mit dieser berührenden, manchmal traurigen oder nachdenklichen, insgesamt sehr gefühlvollen Geschichte völlig in die Welt von Isabel eintauchen zu lassen. Ich leide mit ihr, ich lache mit ihr, wenn sie weint, kommen mir die Tränen. Ich begleite sie auf ihrer Reise in eine ihr vollkommen fremde Welt: von der taffen Unternehmensberaterin zum Mondenkind, die sich gerade treiben lässt ? und es genießt. In ihren Träumen erzählt sie mir von unerfüllten Wünschen und ich merke, wie weit sie sich davon entfernt hat.

Ihr Lebensgefährte Georg, der nicht weiß, wo Isabel hin ist, kein Lebenszeichen von ihr bekommt, nur eine kurze Mitteilung, dass sie für 14 Tage weg ist, tut mir manchmal leid. Er merkt erst jetzt richtig, wie sehr er Isabel vermisst, wie wenig er sich um ihre Gefühle geschert und ihr geneinsames Leben als selbstverständlich hingenommen hat.

Auch die anderen Protagonisten, die Isabel auf ihrer Reise kennenlernt, kommen sehr authentisch, lebendig und menschlich rüber. Es sind sehr verschiedene Charaktäre, die sich da in Isabels Leben schleichen. Dem ein oder anderen bin ich vielleicht schon mal begegnet. Den kleinen Streuner hätte ich auch sofort adoptiert.

Die witzigen Dialoge, die Gedanken von Georg, die vielen kleinen Geschehnisse und der temporeiche Erzählstil lassen mich nur so durch die Seiten fliegen. Langeweile oder Langatmigkeit hat überhaupt keine Chance.

Diesen unterhaltsamen, sehr berührenden Roman, der mich bis zum Schluss gefesselt und auch überrascht hat, kann ich nur jedem, der Lebensgescichten mag, empfehlen. In mir wird er noch eine Zeit lang nachwirken.

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Erfreifend, verstörend - Erinnerungen, die jeder lesen sollte

Der letzte Überlebende von Pivnik Sam

Geboren am 01.09.1926 in dem kleinen Städtchen Bedzin in Oberschlesien, als Sohn einer jüdischen Familie, erzählt Szlamek, heute Sam, Pivnik aus seiner eher sorglosen Kindheit. Besonders die Ferien bei seinen Verwandten in Loslau, die er als ?Garten Eden? bezeichnet sind ihm gut in Erinnerung geblieben.

An seinem 13. Geburtstag ändert sich alles: die Deutschen marschieren in Polen ein. Nach kurzer Zeit wird er mit seiner Familie in ein Ghetto verbracht: auf einen Hügel namens Kamionka. Einen Monat vor seinem 17. Geburtstag werden die Juden aus Bedzin zum Bahnhof getrieben und in einen Zug nach Auschwitz-Birkenau gestopft. Nun beginnt für ihn der Kampf ums Überleben?

Ich habe schon viel über die Greuel des Krieges, insbesondere der Judenverfolgung gehört und gelesen. Durch seine Geschichte, die Sam Pivnik hier in der Ich-Form erzählt, bin ich aber so nah dran an den Geschehnissen, dass ich immer wieder kleine Pausen einlegen musste, um das Gelesene zu verdauen. Besonders hat es mich entsetzt, wie seine Mutter wie eine Löwin um ihre Kinder kämpft, diesen Kampf jedoch verliert. Die Gefühle, die in Sam gewütet haben, als seine fast blinde Großmutter weggeführt wurde, will ich mir gar nicht vorstellen. Nur eine Daumenbewegung in einem weißen Handschuh nach rechts oder links entscheidet über Leben oder Tod.

Aber Sam hat das, wenn man es überhaupt so nennen kann, Glück auf seiner Seite. Insgesamt 14 x wäre ein Weiterleben fast an ihm vorbei gegangen.
Er schafft es immer wieder weiter zu machen, weiter zu leben.
Von Auschwitz zum Bergwerk Fürstengrube, wo er an einer Execution teilnehmen musste; der Todesmarsch nach Ostholstein, bis er zusammen mit 5 weiteren Juden nach dem Brand auf der MS Cap Arcona gerettet wurde. Ereignisse, die bei anderen Menschen für ein ganzes Leben oder mehr reichen, ereilen hier einen Menschen innerhalb von 5 Jahren.
Die Fotos in der Mitte des Buches machen schmerzhaft bewusst, dass dieses Personen, bis auf Sam Pivnik, das Massaker des Völkermordes an den Juden nicht überlebt haben.

Das Buch hat mich ergriffen, tief berührt und betroffen gemacht. Und ich hoffe, dass es noch viele Menschen lesen werden.

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Zirkuserinnerungen

Mein Herz ist ein wilder Tiger von Tanja Weber

1916 in Berlin geboren, im Zirkus Busch aufgewachsen, verliert die zweijährige Lotta Pignot ihre Eltern bei einem Rad-Akrobatikunfall. Die Zirkusdirektorin und die italienischen Pausenclowns Luigi und Zagarollo nehmen sich der kleinen Lotta an. Als sich für sie ein Engagement in einem Berliner Varieté anbietet, muss sie ihren Namen ändern.

Ab sofort heißt die Kleine Elisabeth Lanz. Später lernt sie ihren Mann kennen und lieben und reist als die Schlangenfrau Elly Simon mit ihm und seinen Tigern rund um die Welt. Jetzt, mit über 100 Jahren lebt sie im Berliner Seniorenstift an der Bergstraße.
Hier arbeitet der aus Somalia geflohene John Mbete seit drei Jahren als Betreuer. Die Beiden freunden sich an, Elly erzählt ihre Geschichte und die Beiden geben sich für kurze Zeit Halt und Geborgenheit.

Als Kind habe ich die Besuche im Zirkus geliebt und auch heute noch gehe ich hier und da in den Festbau des Circus Krone und lasse mich durch Menschen, Tiere, Sensationen überraschen.
Ich kann mir Elly sehr gut in ihrer Rolle als Kontorsionistin vorstellen. Die Autorin bringt Ellys Angst,als sie von einem der Tiger verletzt wird und sich im KKH fragt, ob sie je wieder auftreten kann, sehr gut rüber. Ich spüre ihre Anspannung, als sie in Rio de Janeiro ankommen und alles so ganz anders ist als in Berlin. Ihr Mann Hans, der mit seinen Tigern umgeht wie mit den eigenen Kindern, die er nie gehabt hat, hat die Gabe, ihr sämtliche Ängste zu nehmen. Ich war in dieser Geschichte beim Lesen die Dritte im Bunde und bin mit den Beiden um die halbe Welt gereist. Ich bin auch noch an Ellys Bett gesessen, als sie John ihre Geschichte erzählt. Auch seine Geschichte finde ich hochspannend und hoch brisant. Genau so, wie es gerade in unseren Breiten zugeht.

Das einzige, was für mich nicht so in die Geschichte von Elly, Hans und John passt, ist Kirsten Landmann mit ihren privaten Problemen und ihre Mutter Franziska Schlemmer, die ein Bett im Zimmer von Elly Simon bekommt. Sie hat mich aus der Zirkusmanege und aus Somalia immer wieder ?rausgezogen?.

Ich habe mich in die faszinierende Welt des Zirkus entführen lassen mit starken Männern, waghalsigen Kunststücken, liebenswerten Clowns und vielen Tieren. Und ich bekam einen Einblick in die trostlose Zukunft eines Landes wie Somalia, aus der die jungen Menschen fliehen um nicht in den Kriegswirren zugrunde zu gehen.

Ein wunderbares Buch, nicht nur für Zirkusliebhaber.

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