Kunden em pfehlungen
Rezensionen von gaby2707:
Eine absolute Wohlfühlgeschichte
Nora und die Novemberrosen von Krätschmar Tania
?Schillernde weiße Flügel flatterten zu Boden. Fanden sich zwei kleine Hälften auf ihrem kurzen Weg zur Erde, konnte man einen winzigen Moment lang einen grünen Stern erkennen."
? das ist eine der Stellen im Buch, die mich besonders berührt haben. Aber davon gibt es eine ganze Menge mehr.
Die alleinerziehende Gärtnerin Nora Dittbrenner lebt mit ihrer kleinen Tochter Fanny zusammen mit Udo Kienast, Ellie Wagenknecht und Margarete Segge in einem Stadthaus in Berlin.
Die drei alten Herrschaften kümmern sich rührend um Fanny, während ihre Mama das Geld zum Leben verdienen muss. Bei einem gemeinsamen Ausflug in die Mark Brandenburg finden sie ein verlassenes Grundstück mit Herrenhaus und einer Gärtnerei. Noras Gedanken formen sich sofort zu Ideen, was man hier alles machen könnte. Ein Besuch bei der zuständigen Ortsverwaltung bringt keine Ergebnisse. Also beschließen die Vier plus Udos neue Freundin Charlie das Grundstück wieder bewohnbar zu machen?
Tania Krätschmar entführt mich in ihrem neuesten Buch in die Welt der Blumen, Pflanzen, Sträucher und Bäume. Ich lerne durch die Augen von Nora neue Pflanzen kennen; bin dabei, wenn die Gruppe, die Wege von Unkraut befreit; wenn Udo das Wasser zum Laufen bringt. Die Autorin bringt mich an einen so idyllische, mystischen Ort, an dem ich mich sofort geborgen und wohl fühle.
Nora und ihre Mitstreiter sind so sympathisch, dass ich jeden Einzelnen gerne zum Freund hätte. Auch auf Fanny, die zwar etwas, wie ich finde, anstrengend ist, würde ich gerne aufpassen. Udo gönne ich nach den Jahren des Alleinseins seine neue Liebe zu Charlie.
Aber dieses Buch hat nicht nur Wohlfühlthemen. Die Judenverfolgung in der Nazizeit bekommt ihren Raum. Als Nora und ihren Mitbewohnern ein Brief mit einer Sanierungsansage in den Briefkasten flattert, haben alle Angst wohnungslos zu werden. Und Nora, die von ihrem Arbeitgeber die Kündigung erhalten hat, ist auf der Suche nach einem neuen Job.
Trotz der ernsteren Themen haben mich die Dialoge und die Beschreibungen des Gartens und des Hauses in ihren Bann gezogen. Die Seiten sind mir nur so durch die Hände geflogen und ich hoffe bald mehr aus der Feder von Tania Krätschmar lesen zu dürfen.
Grandhotel Panhans am Semmering 1922
Tod am Semmering von Beate Maly
Ernestine Kirsch bekommt zwei Karten für einen Wohltätigkeits-Tangokurs im Grandhotel Panhans am Semmering geschenkt. Zusammen mit Anton Böck, den sie dazu überreden kann mitzufahren, erlebt sie dort einige Tage, die die Beiden nicht so schnell vergessen werden. Zusammen mit 12 weiteren Tanzwilligen, dem wenigen Hotelpersonal und den Musikern müssen sie eingeschneit im Hotel verharren.
Als dann ein erstes Todesopfer zu beklagen ist, liegen die Nerven bald schon blank. Aber Ernestine ist die Ruhe selbst und verpflichtet Anton ihr bei den Ermittlungen mangels Polizei zur Seite zu stehen.
Beate Maly erzählt in einer so farbigen und gut vorstellbaren Sprache, dass ich alles direkt vor mir sehe. Die Dialoge und Gespräche ziehen mich magisch in die Geschichte rein. Am liebsten würde ich meine Kommentare hier und da dazu abgeben.
Interessante, vielschichtige und sehr unterschiedliche Charaktere farbig geschildert ziehen in meinen Kopf ein. Besonders leid tut mir hier die junge Mietzi, die als Zimmermädchen im Hotel ihr Geld verdient.
Politische Einflüsse halten in die Geschichte genauso Einzug, wie ein wenig Romantik, Humor, die sehr gut beschriebene Atmosphäre im Hotel, vielfältige kulinarische Genüsse und vor allem die Suche nach dem Motiv des Täters. Als dieser dann gefunden ist, war ich sehr überrascht, konnte sein Motiv aber sehr gut nachvollziehen.
Ein wunderbarer historischer Krimi mit einer spannenden Geschichte und gut recherchierten Hintergründen.
Ein spannender vorweihnachtlicher Krimi
Tod am Semmering von Beate Maly
Ulm in der Vorweihnachtszeit rund um das Ulmer Münster. Bratwurst- mischt sich mit Glühweinduft. Marktbuden und -stände reihen sich aneinander. Dort will Tobias Kohler seine im Bodensee verschollene Frau Silvia auf einer winzigen Filmsequenz als Putzfrau gesehen haben.
Privatdetektivin Jule Flemming, die nach einer Auszeit wegen ihres letzten Falles wieder mit ihrer Arbeit anfangen will, mag den Mann, der so sehr um seine Frau trauert, nicht abweisen und stößt bei ihren Ermittlungen auf Hinweise, die in die Vergangenheit deuten?
Dies ist bereits der vierte Fall, bei dem ich Jule Flemming bei ihrer Ermittlungsarbeit über die schulter schauen darf.
Und diesmal bin ich noch ein klein wenig begeisterter, wie bei den anderen Büchern. Denn hier macht Jule Flemming eine private Wandlung durch, die mir sehr gut gefallen hat. Sie beginnt Gefühle zuzulassen, macht ihr Herz, das sie bisher unter Verschluss gehalten hat, langsam auf. Das fand ich wunderbar.
Der Fall, an dem sie diesmal arbeitet, ist von Anfang an spannend und gut nachvollziehbar aufgebaut. Der Spannungsbogen hält sich durch die Wendungen, die die Autorin einbaut und die mich immer mal wieder auf eine andere Spur führen, durchgehend hoch. Ich musste meine Tätertheorie ein paar mal revidieren. Der Schluss und die Aufklärung waren wie immer spannend und muss zugeben, ich wäre ohne Jules Hilfe nicht auf den Täter gekommen.
Vor allem auch durch die vielen Dialoge und Gespräche lasse mich noch viel mehr in der Geschichte hineinziehen und bin sehr schnell mittendrin.
Ich habe mich schon so auf die mir bereits bekannten Personen gefreut:
Jules Mama, naja, ich möchte sie nicht haben. Aber irgendwie ist sie trotzdem lieb, wie sie in ihrer ihr so eigenen Art immer wieder auf Familie zu machen.
Den kleinen Leon, der jetzt einen Hund bekommen hat, mit dem er bei der Erziehung noch viel Arbeit haben wird.
Die Leute aus der Jazzkneipe, allen voran Andreas und Lou. Aber auch Cosima, die sich outet und hier Jules bzw. Andreas Hilfe braucht. Leute, ich vermisse euch jetzt schon.
Und natürlich Mark, der es endlich geschafft hat, dass Jule sich ein ganz klein wenig öffnet.
Aber auch alle anderen handelnden Personen hat Katrin Rodeit mit ihren farbigen, sehr lebendigen Beschreibungen Leben eingehaucht, so dass ich sie bald vor meinem inneren Auge gesehen habe.
Ich habe wieder einen Krimi gelesen, der alles hat, was ich so liebe: einen spannenden Fall, ein kleines bisschen Romantik und Liebe, Freundschaft, eine Prise Humor und alles in einer Dosis, die das Lesen des Buches zu einem absoluten Hochgenuss macht.
Danke Katrin Rodeit für mal wieder richtig tolle Lesestunden.
Sehr emotional und unterhaltend
Dein perfektes Jahr von Lucas Charlotte
Hannah Marx, 29, Erzieherin in einem Kindergarten, hat sich nach langem Ringen entschlossen zusammen mit ihrer besten Freundin und Arbeitskollegin Lisa eine eigene Betreuungsstätte für die Kleinen zu eröffnen: die Rasselbande-Events. Diese läuft sehr gut an und die Beiden Jungunternehmerinnen sehen sich bald gezwungen, weiteres Personal einzustellen.
Soweit ist alles gut. Nur, dass Hannah schon seit längerem auf einen Heiratsantrag ihres Freundes Simon Klamm wartet. Der hat sich jedoch, nachdem er seinen Job bei den Hamburger Nachrichten verloren hat, in ein Schneckenhaus zurück gezogen. Als er Hannah dann doch bittet, sich für einen Besuch in ihrem gemeinsamen Lieblingsrestaurant schick zu machen, ist sich Hannah sicher: jetzt ist es soweit. Doch es kommt so ganz anders. Simon hat bei einer Untersuchung eine schlimme Diagnose bekommen und ist fest überzegt, dass er das kommende Jahr nicht überleben wird. Er will sich von Hannah trennen...
Jonathan N. Grief, 42, geschieden und Inhaber des renomierten Hamburger Buchverlages Griefson & Books, findet beim Joggen an der Alster einen Beutel mit einem Filofax am Lenker seines Fahrrades hängen. Nach dem Öffnen springen ihm die Worte "Dein perfektes Jahr" entgegen und sein Interesse ist geweckt. Der ganze Kalender enthält für jeden Tag des kommenden Jahres eine Eintragung. Da das Fundbüro geschlossen hat, als er den Kalender abgeben will, beschäftigt sich Jonathan etwas näher damit. Und von nun an geht er täglich den Anweisungen dieses Kalenders nach...
Hannahs Geschichte begleite ich ab dem 29.10; die von Jonathan ab dem 01.01. des Folgejahres, wo auch die Zeitrechnung im Filofax beginnt. Da die Geschichte jeweils aus der Sicht der beiden Protagonisten geschrieben ist, kenne ich ihre Gedanken, weiß immer genau, wann ich mit wem wo bin. Bin also immer mittendrin im Geschehen und kann die Verwandlung von Jonathan z.B. sehr gut mitverfolgen. Denn durch die Beachtung der Anweisungen im Filofax verändert er sich schon, Aus dem gehemmten, besserwisserischen Sohn, der nie gelernt hat, Gefühle zu zeigen, wird im Lauf des Jahres ein Mann, der genau weiß, was er will und der sich durchzusetzen versteht. Er macht Sachen, die er nie für möglich gehalten hätte - und er genießt es.
Für Hannah wird es ein sehr schwieriges Jahr. Nachdem Simon verschwunden ist, kapselt sie sich ein und nur Lisa und Hannahs Eltern haben einen kleinen Zugang zu der zutiefst verunsicherten jungen Frau. Alles dreht sich bei ihr darum, Simon zu finden. Als sie erfährt, dass jemand einen Termin, den sie im Filofax festgehalten hat, wahrgenommen hat, macht sie sich auf die Siuche nach dem Unbekannten.
Hannah und Jonathan sind als Protagonisten sehr farbig und gut vorstellbar gezeichnet. Aber auch die Beschreibung der anderen Charaktäre, wie Jonathans Vater, die Sekretärin des Verlagshauses, und vor allem Leopold, ein Penner, und Lisa, Hannahs Freundin lassen mir viel Raum um sie mir vorstellen zu können. Auch wenn ich mit Jonathan in Hamburg unterwegs bin, sehe ich den ein oder anderen Handlungsort vor mir.
Die sehr emotionale Geschichte um Liebe, Verlust, Glaube und die Hoffnung, die man nie aufgeben soll, würde ich als modernes Märchen bezeichnen. Sie hat mich sehr gut unterhalten, ist sehr gut nachvollziehbar und sogar ein kleiner Spannungsbogen baut sich auf. Die Idee, ein ganzes Jahr im Vorhinein zu planen und zu organisieren sowie die Aufgaben, die Jonathan zu bewältigen hatte, fand ich sehr gut. Es hat Spaß gemacht, ihm bei der Erfüllung über die Schulter zu schauen.
Das Leben schreibt die erstaunlichsten Geschichten. Und genau so eine habe ich gerade gelesen.
Verfehlungen in Südfrankreich
Rabenschwarzer Winter von Georget Philippe
In der Vorweihnachtszeit muss sich Lieutnant Gilles Sebag der Tatsache stellen, dass seine Frau Claire ihn mit einem Lehrerkollegen betrügt. Zutiefst verletzte versucht er seine Verzweiflung in Whisky zu ertränken. Auch in seiner Dienststelle, dem kleinen Kommissariat in Perpignan lässt ihn dieses Thema nicht los.
Ein Mann, der seine Tat gesteht, hat seine untreue Ehefrau nach ihrer mittäglichen Verfehlung im Hotelzimmer erschossen. Irgendetwas scheint aber an diesem Geständnis nicht zu stimmen. Als sich ein Mann vom Balkon stürzt und ein anderer sich in seinem Haus zusammen mit seiner Lebensgefährtin in die Luft sprengen will, müssen er und seine Kollegen Francois Menard, Jacques Molina und Julie Sadet ran. Lange finden sie keinen Zugang zu den Fällen, die doch zusammenzuhängen scheinen. Bis der entscheidende Hinweis von Thierry Lambert kommt.
Der Krimi lässt sich leicht und flüssig lesen. Durch das langatmige Eintauchen in Gilles Sebags Privatleben allerdings gerät die Spannung, die langsam aufgebaut wird, immer wieder in seichteres Fahrwasser. Und bei mir hat sich eine gewisse Langeweile eingeschlichen. Durch die vielen Dialoge zwischen den Ermittlern bin ich auf der anderen Seite voll in die Polizeiarbeit eingebunden.
Die Protagonisten haben sich durch die bildhaften Beschreibungen, ihre Eigenheiten und ihr privates Umfeld, das mir hier und da etwas zu viel war, bald in meinen Gedanken festgesetzt.
Die Geschichte ist gut aufgebaut und wird schlüssig gelöst. Alle meine Fragen, die sich beim Lesen angesammelt hatten, werden beantwortet.
In ganz knappen Kapiteln wird jemand vorgestellt, der sich The Eye nennt. Seine Rache hat erst begonnen. Er scheint von Hass getrieben, muss sich in Geduld üben, hat ein gutes Gedächtnis und eine gute Intuition. Ansonsten gibt es vorerst nur vage Erklärungen, die erst zum Schluss zu einem Ermittlungsergebnis führen.
Die Beschreibungen von langen Stränden, Obstplantagen, Weingärten und Artischockenfeldern lassen farbige Bilder in meinem Kopf entstehen.
Trotz einiger kleiner Unzulänglichkeiten hat mich das Buch gut unterhalten. Die ersten beiden Fälle von Gilles Sebag und seiner Mannschaft werde ich bestimmt auch noch lesen.
Spannend und unterhaltsam
Hurenballade von Roland Krause
In seinem Buch ?Hurenballade? hat Roland Krause 13 Kurzgeschichten zusammen gefasst. Ob kriminell, erotisch, traurig, sentimental, romantisch oder es um rote Schuhe geht. In jeder Story kann ich mitfiebern, ist eine gewisse Spannung vorhanden. Roland Krause beschreibt farbige Bilder, die ich sofort im Kopf habe und schillernde Figuren, die so charakteristisch und eindeutig sind, dass ich auch sie mir sofort vorstellen kann.
Ich habe mitgefiebert, mitgelitten, konnte Schmerzen fast spüren und hätte der/dem ein oder anderen gerne eine Watschn verpasst. Aber auch die schönen Momente kommen hier sehr gut raus und ich habe sie genossen.
Ein Buch mit 13 spannenden und unterhaltsamen Stories, das ich sehr gerne weiter empfehle.
Fesseldn und packend ab der ersten Seite
Hurenballade von Roland Krause
Die Bostoner Mordkommissarin Lizzie Snow lässt sich aus privaten Gründen in eine Kleinstadt an der kanadischen Grenze versetzen. Ihre Nichte Nicolette, die vor sechs Jahren plötzlich verschwand, soll in dieser Gegend gesehen worden sein. Lizzie lässt nichts unversucht, die Kleine zu finden. Sie gerät dabei an ihre Grenzen und stößt auf Ungeheuerliches?
Mit ihrem flüssigen, leicht zu lesenden, zu verstehenden und absolut fesselnden Schreibstil hat mich Sarah Graves sofort in den Bann des Buches gezogen.
Die Spannung bleibt ab den ersten Seiten auf einem hohen Niveau, was es mir schwer gemacht hat, das Buch aus der Hand zu legen.
Da Lizzie aber hauptsächlich als Kommissarin in die Kleinstadt berufen wurde, hat sie einige Fälle an der Hand, die von vorne herein nichts mit einander zu tun zu haben scheinen. Die Verknüpfungen werden gegen Ende der Geschichte schlüssig und gut nachvollziehbar entknotet. Was ich sehr positiv fand: Alle meine Fragen, die sich im Laufe der Geschichte angesammelt haben, haben sich vollständig aufgelöst.
Lizzie Snow ist ein Charakter mit Ecken, Kanten und Stärken, der mir sofort gefallen hat. Der Partner an ihrer Seite, auf den ich gehofft hatte, hat sich leider (noch) nicht eingestellt. Aber auch die anderen Protagonisten sind farbig mit ihren Eigenheiten gut dargestellt. Besonders gut dargestellt und vorstellbar außer Lizzie, fand ich hier den jungen Mann ?Knolle?.
Besonders gut haben mir die Landschaftsbeschreibungen, die Beschreibungen des neues Zuhauses von Lizzie und die Skizzierung der Bewohner gefallen. Ich hatte bald alles im Kopf und habe mich mitten drin gefühlt.
Mit ?Das Kind im Wald? habe ich eine neue Autorin kennengelernt, von der ich gerne weitere deutschsprachige Bücher lesen würde.
Szenen einer Psychopraxis
Alleingang von Sonja Rudorf
Jona Hagen, Psychotherapeutin mit eigener Praxis in Frankfurt findet eines morgens ihren Mitarbeiter Alexander Tesch zusammen geschlagen in seinem Büro. Was ist hier passiert? Ist ein Klientengespräch eskaliert? Jona beginnt auf eigene Faust Ermittlungen anzustellen. Dabei muss sie erfahren, dass sie ein komplett falsches Bild von Alexander hat.
In diesem Krimi spielt die Polizei nur eine sehr untergeordnete Rolle, da Jona ihre Ermittlungen selbst anstellt. Der Frankfurter Kommissar Ulf Steiner spielt da nur eine kleine Rolle, ist aber immer zur Stelle, wenn man (oder Frau Jona) ihn braucht.
Die einzelnen Protagonisten haben alle ihre kleinen Fehler und Macken und sind so farbig ausgearbeitet, dass ich beim Lesen bald ein klares Bild vor mir hatte. Gerade auch durch die Vielfalt der Persönlichkeiten, die alle irgendein Handycap haben, macht das mit ermitteln besonderen Spaß. Ich war mir lange nicht sicher, ob der den ich für den Täter hielt, auch der Richtige war.
Der Spannungsbogen baut sich sehr schnell auf und bleibt bis zum Showdown konstant hoch. Durch die immer neuen Erkenntnisse über ihren Mitarbeiter und seine Klienten bin ich immer voll im Bilde und mittendrin in der Geschichte.
Der Schreibstil ist locker und flüssig. Manchmal ging mir die Handlung aber etwas zu schnell und ich musste noch einmal die letzte Seite lesen um die Gesamtheit des Geschriebenen zu erfassen.
Die Geschichte an sich ist logisch und gut nachvollziehbar aufgebaut und es macht Spaß in die Psyche der Einzelnen hinein zu schauen, auch wenn dies manchmal etwas schockierend ist.
Alleingang ist ein Buch, das ich sehr gerne gelesen habe und ich hoffe auf weitere Ermittlungen von Jona Hagen.
Wenn Dich die Vergangenheit einholt...
Gestohlene Zukunft von Harald Schmidt
Im Essener Stadtwald wird ein 5-jähriger kleiner Junge tot aufgefunden. Hauptkommissar Holger Wilms und sein Kollege Sven Tokrut ermitteln in einem Fall von Kindesmissbrauch und Tötung. Bald stellt sich heraus, dass auch in Frankfurt und in Hagen jeweils ein Fall von Kindstötung nach dem gleichen Muster ermittelt werden.
Hier geht ein Serienmörder um.
Tina und Wolf Kleinert sind mit ihren Kindern Mia und Leon eine glückliche Familie. Bis bei Tina düstere Erinnerungen an Geschehnisse aus ihrer Kindheit an die Oberfläche kommen, die sie in die Tiefe ihres Gedächtnisses verbannt hatte.
Harald Schmidt nimmt sich in diesem Buch eines fast alltäglichen, unschönen und oft unter den Teppich gekehrten Themas an: Kindesmissbrauch. Er schreibt erschütternd real über einen Mann, der in seiner Kindheit selbst missbraucht wurde und heute Rache üben will. An einer Stelle habe ich sogar Mitleid mit diesem Mann, als mich Harald Schmidt ganz tief in dessen geschundene Seele schauen lässt. Was aber die Grausamkeit seiner Taten nicht schmälert.
Die Wut der Kommissare und Polizisten nach einem solchen Verbrechen kann ich aber auch sehr gut verstehen. Dass man sie aber nach Festnahme an ihm auslässt, darf nicht sein.
Wie schnell eine Familie an diesem Thema zerbrechen kann, wenn es unausgesprochen gärt, hat mich ebenfalls erschüttert.
Die handelnden Personen sind prägnant beschrieben, wirken absolut lebensecht. Die Geschichte, die aus zwei Erzählsträngen besteht, die sich schlussendlich annähern und deren Fäden aufgelöst werden, empfinde ich einerseits sehr verstörend, andererseits aufklärend. Hinschauen und nachfragen, wie es hier z.T. auch geschieht, ist sehr wichtig.
Mir hat das Buch mit seiner Geschichte sehr gut gefallen, wobei ich mich scheu zu sagen, ich hatte Lesespaß. Es ist eine sehr reale Geschichte in Form eines Thrillers, die absolut lesenswert ist und zum diskutieren anregt.
20 lesenswerte Kurzgeschichten
Gestohlene Zukunft von Harald Schmidt
Liebe, Mord und ein Glas Wein ist der Versuch der beiden Autorinnen Stefanie Gregg und Ingeborg Struckmeyer aus einem kurzen Anfang jeweils eine andere Geschichte zu schreiben. Aus diesem Versuch ist ein spannendes, fesselndes Buch mit 20 Geschichten geworden ? eine besser als die andere.
Ich bin begeistert von der Vielfalt, die sich hieraus ergeben hat.
Geschichten, die zu Herzen gehen, die von mordenden Frauen erzählen, vom Neuanfang und vom Ende, von Rache und von Selbstmord.
Obwohl es sich um Kurzgeschichten handelt, sind die Protagonisten sehr liebevoll und farbig gezeichnet, haben alle ihre Stärken und Schwächen, und vor allem sind sie sehr lebensecht.
Die Geschichten selbst haben mich immer wieder überrascht, weil sie so ganz anders ausgingen, als ich es erwartet hatte.
Ich habe mit diesem Buch ein paar wunderbare Lesestunden verbringen dürfen und kann dieses Buch nur weiter empfehlen. Absolut lesenswert!








