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Rezensionen von gaby2707:
Ein großartiges Krimi-Debüt
Der Sünde Sold Kommissar Dühnforts erster Fall von Löhnig Inge
Der kleine Ort Mariaseeon bei München ist in heller Aufregung: Der kleine Jakob ist aus dem Kindergarten verschwunden. Jeder hilft mit, den Kleinen zu finden. Agnes Gaudere entdeckt nach ein paar Tagen Jakob zufällig beim Joggen, nackt auf einem Holzstoß stammelt der Kleine Unzusammenhängendes von einem schwarzen Mann.
Sie selbst lebt, nachdem sie vor einem Jahr ihren Mann und ihre Tochter bei einem Brand verloren hat, erst ein paar Tage in Mariaseeon. Sofort suchen Panikattacken sie heim und verbannte Erinnerungen werden bei ihr wach. Dann verschwindet eine Frau, deren Leiche kurz darauf auf dem Dorffriedhof gefunden wird.
Kommissar Konstantin „Tino“ Dühnfort registriert schnell, dass die Entführung von Jakob und der Tod der Frau irgendwie zusammenhängen. Indizien lassen auf einen religiösen Hintergrund der Taten schließen.
„Der Sünde Sold“ ist der erste Krimi um Kommissar Konstantin Dühnfort und sein Team. Und dieses Debüt hat mich ab der ersten Seite restlos begeistert. Mit ihrem eindrucksvollen, bildlichen, leicht zu verstehenden Schreib- und Erzählstil hat mich Inge Löhnig sofort in die Gemeinschaft der Mariaseeoner hinein gezogen. Ich habe mit gefiebert, mit ermittelt, mit gelitten und war froh, als die packende und aufreibende Geschichte ihren guten Abschluss gefunden hat.
Ich lerne die unterschiedlichsten Menschen mit ihren Hintergründen kennen. Sympathie und Antipathie – hier wurden meine Gefühle schnell in die verschiedensten Bahnen gelenkt. Und es tun sich Fragen auf, die ganz allmählich, nach und nach, aufgelöst bzw. beantwortet werden.
Der Spannungsbogen steigert sich durchgängig bis zum finalen Höhepunkt. Meinem Lesegeschmack kommt auch zugute, dass der Krimi ohne großes Blutvergießen auskommt. Er besticht eher durch eine ausgefeilte sehr interessante Geschichte, realistisch und gut vorstellbare Protagonisten und Orte und einem tollen Spannungsbogen.
Aber nicht nur der Kriminalfall fesselt, sondern auch das Privatleben von Tino Dühnfort nimmt einen gewissen Raum ein, so dass ich ihn ganz langsam näher kennenlerne. Ein sehr sympathischer Ermittler, den ich gerne bei seinen weiteren Fällen über die Schulter schauen würde.
Häusliche Gewalt
Der Sünde Sold Kommissar Dühnforts erster Fall von Löhnig Inge
Hat ihre Schwester Tini wirklich ihren Mann umgebracht? Sara Neuberg kann und will das nicht glauben und beginnt, neben den polizeilichen Ermittlungen, eigene Recherchen anzustellen. Was sie aufdeckt, verstört sie dann doch: Tini wurde von ihrem Mann alkoholkranken geschlagen und hat nichts gesagt. Ihre Rachefantasien im Netz sind für die Polizei fast so gut wie ein Geständnis.
Sara schleust sich in die Selbsthilfegruppe ein, die auch Tini besucht hat. Dabei merkt sie nicht, dass sie immer weiter ins Visier des Täters gerät.
Gewalt in der Ehe bzw. häusliche Gewalt – ein Thema, das nicht gerne angesprochen wird, aber weiter verbreitet ist als man denkt. Ein Thema, das sich hinter verschlossenen Türen abspielt. Ein Thema, bei dem man besser nicht hin sieht und von dem man hofft, dass einen selbst nie betreffen möchte. Dieses Thema nutzt Janet Clark für ihr Erstlingswerk. Und ich muss sagen, sie hat mich mit ihrem leichten, lockeren und so eindringlichen Schreibstil schnell eingefangen. Ein Buch, das man nicht aus der Hand legen kann.
Janet Clark legt hier einen sehr dichten Psychothriller vor, mit mehreren Handlungssträngen, die es beim Lesen mit der Zeit zu entwirren gilt. Zwischen den vielen Orten und Namen scheint es angangs keinen roten Faden zu geben. Das ändert sich aber schnell und ich bin verwirrt, gefesselt und vollkommen in der Handlung gefangen. Durch die verschiedenen Blickwinkel kann ich mich noch besser in die Protagonisten hinein versetzen. Und es glingt mir sogar zu verstehen, warum „er“ so geworden ist, wie er ist. Einfach klasse gemacht.
Ein Thriller, der unter die Haut geht, der betroffen macht und vielleicht auch dazu beiträgt, dass man hier und da etwas besser hin- und nicht wegschaut. Ein richtig gut gelungenes Debüt einer Autorin, von der ich mehr lesen möchte.
Hoch emotional
Der Junge im gestreiften Pyjama von Boyne John
Sein Vater wurde gerade wieder befördert und nun muss der neunjährige Bruno mit Schwester und Mutter von Berlin wegziehen. In seinem neuen Zuhause ist alles ganz anders und gar nicht so schön, wie es sich Bruno vorgestellt hatte. Der kleine Forscher sieht nur das karge Land, den endlos langen Stacheldrahtzaun und dahinter Menschen, die den ganzen Tag im Schlafanzug herum laufen dürfen.
Eines Tages trifft er Schmuel, einen Jungen, der genau so alt ist wie er und mit dem er sich anfreundet…
Der Klappentext verrät sehr wenig über das, was ich in diesem Buch vorgesetzt bekomme. Und auch, wenn sich alles um zwei neunjährige Jungs dreht, ist dieses Buch, wie ich finde, für diese Altersgruppe nicht geeignet. Man sollte schon einige Vorkenntnisse aus der Zeit des Nationalsozialismus haben, um die Hintergründe und die Botschaft dieses Buches verstehen zu können. Gerade für Heranwachsende kann dieses Buch eine gute Möglichkeit sein, die Situation von damals durch die Augen eines kleinen Jungen zu lesen und zu verstehen.
Die Geschichte liest sich leicht und flüssig, ist aber keine leichte Kost. Bruno lässt die Schrecken der Zeit durch seine Naivität, durch seine Abenteuerlust, seinen Forschungsdrang weniger erschreckend zu erscheinen. Die Seiten vor und hinter dem Zaun werden ausgeleuchtet, nichts wird beschönigt, Recht und Unrecht sehe ich durch Kinderaugen. Ich kann sogar hier und da einmal schmunzeln, was die dunklen Wolken und mein Unwohlsein beim Lesen aber nicht vertreibt.
„Der Junge im gestreiften Pyjama“ kämpft gegen das Vergessen an und lässt uns an den Geschehnissen auf der vorderen Seite des Zaunes teilhaben. Es ist eine wunderbare Geschichte über die Freundschaft zweier total unterschiedlicher Jungs und gegen das Vergessen einer noch gar nicht so lange vergangenen Zeit. Ein Buch, das mich besonders nach dem emotional aufgeladenen Ende auch lange nach dem ich es weggelegt habe, immer noch bewegt.
Ein lohnender Ausflug nach Bella Italia
Marina, Marina von Landau Grit
Marina, Marina, Marina - Ti voglio al piu' presto sposar - Marina, Marina, Marina - Ti voglio al piu' presto sposar - O mia bella mora - No non mi lasciare - Non mi devi rovinare - Oh, no, no, no, no, no
Diesen Songtext von Rocco Granata hatte ich sofort im Ohr, als ich das Cover gesehen habe. Das war eine der ersten Singles, die mir meine Großeltern vor fast 60 Jahren aus ihrem Italienurlaub mitgebracht haben.
Und das Lied hatte ich während des Lesens dauernd im Ohr.
Aber worum geht es:
Hauptsächlich um Marina, eine Frau mit verschiedensten Facetten, die Frau des Dorffrisörs.
Nino ist gerade mal 13 und unsterblich verliebt in die 30 Jahre ältere Marina, die Mutter seines besten Freundes. Die aber beginnt ein Verhältnis mit Ninos Vater, was Nino aber erst Jahre später erfährt.
Es geht um Liebe, Intriegen, Verrat, ein Wechselspiel der kleinen und großen Gefühlen, die locker-leichte Mentalität der Italiener und vor allem um die Bewohner des kleinen Ortes Sant´Amato, ein kleiner Küstenort an der italienischen Riviera. Ihre Geschichte begleite ich von 1960 bis 1968, mit einer kurzen Stippvisite ins Jahr 1980.
Bei einem Auflug zurück ins Jahr 1944 lerne ich die Auswirkungen des 2. Weltkrieges und das Leid der Bevölkerung kennen. Auch die Partisanenkämpfe werden hier thematisiert und waren für mich sehr interessant zu lesen.
Es ist kein ausgesprochenes Urlaubsbuch, wie das Cover vielleicht vermuten lässt. Es ist eher ein Einblick in einen Teil der italienischen Geschichte, verquickt mit dem Leben von 6 Familien und ihren Angehörigen, mit denen ich gleich zu Beginn des Buches in einem Personenverzeichnis bekannt gemacht werde und die mir während des Lesens immer wieder begegnen.
Ich meine spüren zu können, wie das Herz der Autorin an diesem kleinen Teil der Welt hängt und sie mir diesen als Leser näher bringen will. Was ihr bei mir sehr gut gelungen ist. Mir hat es auch sehr gut gefallen zu erfahren, wie die Autorin dazu kam, gerade diese Geschichte zu schreiben.
Zu Beginn eines jeden neuen Jahres bekomme ich einen Hit des Jahres mit interessanten Infos vorgesetzt, die ich während des Lesens leise vor mich hin summe.
Da jedes der 14 Kapitel mit den Zahlen in italienisch überschrieben ist, lerne ich sogar italienisch zählen von 1 bis 14. Was zusammen mit den immer wieder eingestreuten italienischen Worten das Gefühl in Italien zu sein noch verstärkt.
Die drei lecker klingenden Rezepte werde ich bestimmt mal ausprobieren. Einiges Wissenswerte erfahre ich am Ende der Geschichte in einem ausführlichen Glossar.
Grit Landau hat mich mit ihrem Roman am italienischen Lebensgefühl teilhaben lassen, mir die Geschichte etwas näher gebracht, mich mit interessanten Personen und ihrem Leben bekannt gemacht und mich vor allem sehr gut unterhalten. Ein Roman, der Liebe, Leidenschaft, sehr viel Gefühl und die verschiedenen Schicksale in sich vereint und den ich sehr gerne gelesen habe.
Freunde für´s Leben
Nebelherz von Leonie Haubrich
Nach der fünfzehnjährigen Abi-Feier verlassen Niklas Hofmann, Marten Willemsen und Janine Peters die Party und übernachten alle ziemlich zugedröhnt in einem Waldstück. Hier holen Niklas die Schatten der Vergangenheit ein. Er sieht sich vor 16 Jahren Lisa Seibel, das Mädchen, zu dem er sich so stark hingezogen fühlte, überfahren und wie er sie mit Ziegelsteinen beschwert in den Rhein schleppt und untergehen lässt.
Und wieder ist da, dieser Fuchs, der ihn anstarrt. Niklas kann mit seiner Schuld, die sich nach so vielen Jahren an die Oberfläche drängt, nicht länger leben und stellt sich der Polizei. Nach mehreren Recherchen, bei denen Niklas Schuld nicht nachgewiesen werden kann, ist er wieder auf freiem Fuß. Aber er gibt nicht auf, will unbedingt für sein Tun büßen. Carolin Seibel, Lisas Schwester, hat nie an ein Abtauchen ihrer Schwester geglaubt. Bis heute versucht sie, die wahren Begebenheiten herauszufinden und Lisas Mörder zu überführen. Fast zu spät merkt sie, dass sie dem Mörder sehr nahe gekommen ist und erkennt nicht die Gefahr in der sie schwebt.
„ Nebelherz“, der neue Thriller von Leonie Haubrich, hat auf mich von Anfang an einen tiefen Sog ausgeübt. Es ist mir sehr schwer gefallen, das Buch auch mal aus der Hand zu legen. Ich war ab der ersten Seite gefesselt und im Bann von Niklas, Marten und Janine gefangen.
Ich habe von Anfang an nicht wirklich an die Schuld von Niklas geglaubt. Wollte einfach nicht glauben, dass der sympathische junge Mann ein Mörder sein soll. Ich habe ihn zutiefst bedauert. Ihn, der einen Kunden nach dem anderen verliert, der seine schwangere Frau verliert, dessen Eltern ihn nicht mehr im Haus haben wollen und der nicht mehr ein noch aus weiß. Durch die Recherche von Carolin kommen immer neue Details auf. Genau wie sie weiß ich nicht, kann ich Niklas trauen oder nicht.
Obwohl ich bereits nach ca. der Hälfte des Buches geahnt habe, wer der Mörder sein könnte, blieb die Spannung erhalten. Denn die Frage nach dem Wie und dem Warum klärt sich zusammenhängend erst kurz vor Schluss.
Was auch hier meinem Lesegeschmack wieder sehr zugute gekommen ist: Leonie Haubrich kommt, obwohl es ein paar Tote gibt, ohne großes Blutvergießen aus. Ihre Stärke liegt erschaffen von glaubhaften Protagonisten, von spannungsgeladenen Szenen und von Wendungen, bei denen ich mit meinen „Ermittlungen“ wieder ganz am Anfang stehe.
Was mir auch sehr gut gefallen hat: Jeden Kapitelanfang ziert ein kleiner Fuchs, den ich schon auf den ersten Seiten kennengelernt habe, der schnüffelnd seine Nase in den Wind hält.
Wieder ein brillant ausgearbeiteter Psychothriller, bei dem ich nicht anders kann, als ihn mit 5 Sternen und einer Leseempfehlung zu bewerten.
Schön, wieder im Saarland zu sein
Nur Uschi kochte schärfer von Dany R. Wood
Die arme Oma Käthe. Da hat sie gerade mit ihren 81 Lenzen noch mal die große Liebe ihres Lebens kennengelernt, da ist ihr Gerhard mit der Haut de Gans, der so schön französisch parliert, auch schon wieder weg. Am nächsten Morgen liegt er tot in seinem Bett in der Dorfpension. Herzinfarkt stellt der junge Arzt fest, woran Oma absolut nicht glaubt.
Ihr Date hatte Morddrohungen bekommen und es stellt sich raus, dass er vergiftet wurde. Ihr Schwiegersohn, Oberkommissar Jupp Backes, lässt es sich natürlich nicht entgehen und übernimmt den Fall selbst.
Es ist so schön, wieder in Hirschweiler, dem kleinen Ort im Saarland zu sein und bei der Familie Backes Mäuschen zu spielen. Jupp hat diesmal einen scharfen Fall zu lösen. Natürlich werden da auch wieder seine Angetraute Inge und die Oma Käthe mit einbezogen. Ich habe mich auch sehr gefreut, dass ich FKK Karl-Heinz und Müllersch Marianne wieder getroffen habe. Gerade Jupp Backes liebe ich mit all seinen Ecken, Kanten und Macken, obwohl er absolut kein Mann für mich wäre und ich ihn manches Mal schütteln könnte. Aber so was von!
Dany R. Wood bringt mir auch in diesem Dorfkrimi neben dem eigentlichen Kriminalfall die privaten Problemchen der Familie Backes und der Dorfbewohner näher. Gerade Inge hat hier mit Langeweile zu kämpfen, findet aber schließlich doch einen guten Ausweg. Müllersch Mariannes Hund geht verloren, dem Reiterhof steht das Wasser bis zum Hals und wie schön erwähnt, sucht Oma auf Tinder immer noch nach einem Lebensabschnittsgefährten. Ich bin also mittendrin in der dörflichen Idylle.
Die Dialoge, die manchmal auftretenden Missverständnisse und der etwas eigenwillige Humor haben mir auch diesmal einige Lachfältchen eingebracht. Die Hirschweiler sind einfach einmalig.
Diesmal gibt es sehr viele Verdächtige und ich hatte immer mal wieder Jemanden in Verdacht. Musste aber einsehen, dass der Täter ein ganz anderer war. Und mit diesem hatte ich absolut nicht gerechnet. Also – Dany R. Wood kann nicht nur Humor, er kann auch Krimi. Aber so was von.
Der Lokalkolorit kommt gerade durch den saarländer Dialekt sehr gut raus. Für diejenigen, die manche Ausdrücke nicht kennen, gibt es zum Schluss des Buches ein Glossar.
Schade, dass das Buch schon wieder ausgelesen ist und ich auf den 3. Fall von Jupp Backes warten muss. Für alle, die humorige Krimis mögen: Hier seid ich genau richtig!
Sechs Geschichten von 6 Autoren
Lynchen in München von Dirk Laker
In diesem kleinen Buch haben sich fünf Autorinnen und ein Autor mit ihren Kurzgeschichten verewigt. Alle Geschichten spielen in oder um München herum, in der Gegenwart oder zu Beginn der 1930er Jahre. Ich besuche den Mittelaltermarkt am Wittelsbacher Platz, schaue den Bauarbeitern bei einer Wohnhaussanierung in der Sedanstraße über die Schulter, besuche einen in der Nähe liegenden Wildpark und suche zusammen mit dem Täter sein Opfer in einer Discothek.
Da die Geschichten sehr unterschiedlich sind, gibt es vier, die mir gut bzw. sogar sehr gut gefallen haben und zwei, die mich nicht so gut unterhalten konnten. Aber das ist natürlich alles Geschmackssache.
Ein kleines bisserl gestört haben mich immer wieder mal vorkommende Wort- bzw. Grammatikfehler.
Alles in allem haben mich die Geschichten leider nur mäßig unterhalten und die Lektüre bekommt von mir 3,5 von 5 Sternen.
Eine starke Frau geht ihren Weg
Die Fotografin - Die Zeit der Entscheidung von Durst-Benning Petra
Mimi Reventlow lebt und arbeitet nun schon einige Zeit in Laichingen auf der Schwäbischen Alb. Außerdem betreut und pflegt sie liebevoll den schwerkranken Bruder ihrer Mutter, ihren Onkel Josef, der ihr in jungen Jahren die Fotografie nahe gebracht hat. Der Mann, in den sie verliebt ist, Hannes / Johann Merkle lebt nun auch wieder in seiner Heimatstadt.
Aber die Verbindung der Beiden soll erstmal geheim bleiben. Warum – das erfährt Mimi auf leidvolle Weise erst später.Dem Webereibesitzer Herrmann Gehringer ist sie, die die Menschen „auf falsche Gedanken bringt“, ein Dorn im Auge. Dabei versucht sie doch nur, den jungen Leuten beizubringen, dass es außer der Weberei auch noch andere Berufe gibt, die sie ergreifen könnten. Es ist also nicht so einfach für die liebenswerte Wanderfotografin.
Die Geschichte geht vom ersten Buch aus nahtlos über und ich bin sehr schnell wieder zuhause in dem Ort auf der Schwäbischen Alb und mitten unter ihren Menschen, wo die Männer in den Webereien arbeiten und die Frauen außer dem Haushalt, den Kindern und der Arbeit auf dem Feld auch noch Stickereiarbeiten machen müssen, damit das Geld zum überleben reicht. Es schockiert mich auch diesmal, wenn ich lese, wie arm und kärglich, ohne Freizeit, das damalige Leben in diesem Landstrich war. Petra Durst-Benning bringt mir die Zeit, die Menschen und vor allem auch ihre Situationen gekonnt näher. So empfinde ich z.B. den Unterschied zwischen dem Land- und dem Stadtleben als riesengroß.
Ich werde mit Hochzeit und Tod, mit Verrat an Freunden und dem Lehrbeginn auf der Kunstschule konfrontiert. Die Personen, mit denen ich es hier zu tun habe, einige kenne ich schon, neue kommen hinzu, haben so vielfältige und vielschichtige Charaktere. Hier finde ich Menschen, die ich gerne als Freunde hätte, wie z.B. Mimi, aber auch Menschen, die ich gar nicht leiden kann, wie z.B. Herrmann Gehringer. Ganz wie im realen Leben.
Die Autorin hat mich auch diesmal so in die Handlung hinein gezogen, dass ich auch diesmal wieder mit den Menschen auf der Alb gebangt und gelitten habe, mit ihnen gefeiert und mich mit ihnen über die tollen Fotografien gefreut habe, die Mimi von ihnen gemacht hat. Gefreut habe ich mich auch mit Alexander, der ein Stipendium bekommen hat und nun die Kunstschule in Stuttgart besuchen darf.
Es sind einige Fragen offen geblieben und so freue ich mich heute schon auf die kommenden Wochen und Jahre, in denen ich Mimi Reventlow hoffentlich bald auf ihrem Weg begleiten darf.
Ein tolles Buch über eine interessante Frau, die ihren Weg geht, in einer Zeit, die so ganz anders war, als die heutige. Ich habe mich wieder sehr gut unterhalten gefühlt.
Zwei Frauen - zwei Welten - eine Freundschaft
Alte Sorten von Ewald Arenz
Sally, die in einer Klinik ihre Magersucht und ihre psychischen Probleme auskurieren soll, flieht von dort und findet sich inmitten von Weinbergen wieder. Hier versucht gerade Liss, eine ältere Frau, den Anhänger ihres Traktors aus einer Schlammspur zu befreien. Mit Hilfe von Sally gelingt ihr das endlich.
Sie bietet dem jungen Mädchen an, auf ihrem Hof die Nacht zu verbringen. So beginnt eine wunderbare Freundschaft.
Dabei sind die beiden Frauen so unterschiedlich und zugleich sich ähnlich. Sally, jung, unangepasst, wütend, will einfach nur als sie selbst gesehen und gehört werden; Liss einsam, arbeitsam und traurig, nimmt einfach nur an, was sie mit Sally bekommt. Sie lässt sie sein, wie sie ist, nimmt sie an, ohne sie zu bedrängen oder über sie zu urteilen. Und sie scheint ein unsichtbares Band zu verbinden, wobei sich Liss immer öfter in der jungen Sally wiedererkennt. Schön zu lesen, wie sich Sally und Liss ganz langsam annähern. Sally stellt Fragen, die Liss nicht beantwortet, nicht beantworten will. Bis zu dem Zeitpunkt, wo beide Frauen ihrem Inneren Luft machen und ihre Vergangenheit offen auf den Tisch kommt.
Aber es geht nicht nur um diese Freundschaft der beiden Frauen, die sich ganz leise und langsam entwickelt. Es geht auch um den Bauernhof, den Liss ganz allein bewirtschaftet mit allem, was dazu gehört. Sie widmet sich mit Hingabe der Landwirtschaft, dem Weinanbau, und den alten Birnenobstsorten hinten im Garten – einem wunderschönen Ort, wie ich finde. Sie hält Hühner, keltert und entringt den Bienen ihren Honig. Und jetzt, wo Sally da ist, greift sie mit an, hilft bei der Kartoffelernte und bei der Weinlese, ist beim keltern mit dabei und brennt Schnaps.
Mir gefällt diese leise, melancholische Sprache. Aber es geht auch ganz anders. Auch ohne einen Namen zu lesen, erkenne ich an der Sprache, mit wem ich es gerade zu tun habe. Sally oft wütend, hart und ausfallend; Liss dagegen leise, und ruhig. Das finde ich einfach genial. Dass gerade ein Mann diese Gefühle und Emotionen von zwei gegensätzlich-gleichen Frauen so rüber bringt, hätte ich nicht erwartet.
Ein wunderbarer, emotionsgeladener Roman über zwei so unterschiedliche Frauen, die sich im Laufe von ein paar Wochen gegenseitig Halt geben. Eine Geschichte, die mich aufgewühlt hat und die noch lange in mir nachwirken wird. Ein Buch, das ich jedem empfehlen kann zu lesen.
Gemeinsam kann man alles schaffen
Der Wal und das Ende der Welt von Ironmonger John
Ein Fremder tut sich schwer nach St. Piran in Cornwall zu finden. Besonders, seit das einzige Ortsschild verschwunden ist. Durchbrochen wird die Idylle des kleinen Ortes, als ein junger Mann nackt am Strand liegt. Gleichzeitig streift ein Wal entlang der Küste. Der junge Mann, Joe Haak, erzählt, dass ihn ein Wal gerettet habe.
Am nächsten Tag strandet dieser Wal. Joe mobilisiert die Einwohner und gemeinsam schaffen sie es, den Wal wieder ins Meer hinaus zu treiben.
Wenn ich an den Weltuntergang denke, den ein Programm, das Joe Haak in London geschrieben hat, vorausgesagt hat, kommen mir gleich Plünderung, Flucht, Mord und Totschlag in den Sinn. Ganz anders ist es bei den 307 Bewohnern des kleinen Ortes an der rauen Atlantikküste. Sie nehmen Joe Haak sofort in ihre Gemeinschaft auf und reagieren mit Menschlichkeit und Zusammenhalt.
Irgendwo habe ich das Wort „Wohlfühldystopie“ gelesen. Und das trifft den Kern der Geschichte sehr gut, wie ich finde. Horrorszenarien, die wie man denken könnte, die Menschen lähmen, lassen sie unter Joes Führung erst gar nicht entstehen, bzw. wenden sie gemeinschaftlich ab. Was alleine nicht geht – viele, die zusammen helfen, schaffen es. Die Hoffnung bleibt immer bestehen.
Die Personen, die John Ironmonger hier agieren lässt, sind zum großen teil außergewöhnlich und sehr sympathisch. Natürlich hat jeder seine Fehler, die sie aber so liebenswert machen. Es geht auch nicht ohne den ein oder anderen Unsympathen. Aber die sind in der absoluten Minderzahl. Die Allermeisten haben das Herz am rechten Fleck und zeigen dies auch. Und Joe Haak – den habe ich sofort ins Herz geschlossen.
Naja, den für mich etwas kitschigen Schluss hätte ich nicht gebraucht. Wobei die Geschichte darunter nicht leidet.
Ein ganz außergewöhnliches Buch mit ganz besonderen Menschen, die einen an das Gute im Menschen glauben lassen. Eine Geschichte voller Spannung, die mich mitgerissen hat, die ich sehr gerne gelesen habe und die mich bestimmt noch einige Zeit beschäftigen wird. Sie regt zum Nachdenken an.










