Kunden em pfehlungen
Rezensionen von gaby2707:
So ganz andere Protagonisten und eine Story, die mich gefesselt hat
Die Alpen sehen und sterben von Isabella Archan
Maria Konstanze Schlager, 29, die in der Schule nur „MörderMitzi“ genannt wurde, fühlt sich selbst auch heute noch schuldig an dem was in ihrer Kindheit geschehen ist. Nun macht sie Urlaub im wunderschönen Tiroler Ort Kufstein. Als Nachtmensch begegnet sie eines nachts auf einer Brücke einem Mann mit Cowboyhut und sieht, wie er einen anderen ins Wasser befördert.
Dann verschwindet der Unbekannte. Aber Mitzi weiß, er hat sie gesehen. Und das löst in ihr eine ganz eigene Faszination aus.
Inspektorin Agnes Kirschnagel versucht ihr Möglichstes um durch Mitzi an Informationen über den Täter zu kommen. Aber Mitzi ist etwas anders, eine Einzelgängerin, etwas naiv, viel zu verträumt und strickt sich ihr eigenes Bild von dem Geschehen und von dem Mörder, den sie nicht vergessen kann...
Schon im Kapitel 1 Zeile 8 springt mein Kopfkino an und hört ab da nicht mehr auf Bilder auszuspeiben.
Mitzi ist eine solch skurrile Persönlichkeit, dass ich lange keinen Zugang zu ihr gefunden habe. Bei ihr weiß man nie, ist es Wirklichkeit oder Phantasie. Sie hat aber auch eine so liebenswerte und anrührende Seite, dass ich sie mit der Zeit „lieben gelernt“ habe. Auch was ihr ihren Spitznamen eingebracht hat erfahre ich hier und kann sie und ihr Tun und ihre Gedanken dann wenigstens manchmal ein ganz klein wenig besser verstehen.
Hauptkommissar wegen einer psychischen Krankheit a.D. Heinz Baldur mit seinem zweiten Ich Luis versucht von Wien aus den Fall mit anderen Fällen aus Deutschland zusammen zu bringen. Inspektorin Agnes Kirschnagel und er tun sich zusammen, was seinen ganz besonderen Reiz für die Ermittlungen hat. Und mittendrin immer wieder die Mitzi.
Dieser Krimi ist nicht nur durch seine Protagonisten so ganz anders, als die Krimis, die ich bisher gelesen habe. Zwar kenne ich den Täter von Beginn an, was mich aber in keinster Weise stört. Zwar kann ich hier nicht wie sonst mit ermitteln, mir meine eigenen Gedanken zum Täter machen, aber das Zusammenspiel von Mitzi und dem Täter ist so spannend, interessant und auch eigenartig, dass ich von Anfang an gefesselt bin. Diesmal nur auf eine andere Art und Weise, die mir aber auch sehr gut gefallen hat.
Dies ist der erste Krimi, den ich von Isabella Archan gelesen habe. Sie hat nicht nur ein Händchen für Figuren, an die man sich erst gewöhnen muss. Sie hat auch einen so feinen, manchmal bösen Humor, der mir sehr gut gefällt.
Der Fall selbst, eingebettet zwischen bösem Buben und dem naivem Mädchen, hat seinen ganz eigenen Reiz und wird zum Schluss nochmal richtig spannend.
Genau wie Mitzi bin ich der Meinung, dass das Dreiergespann Mitzi und Agnes, die in meinen Augen noch viel Potential hat, zusammen mit Heinz noch manch einen Fall lösen könnte.
Die eingearbeiteten österreichischen Worte und Sätze, zu denen es am Schluss ein Glossar gibt, die eingeflochtenen Sehenswürdigkeiten und die Speisen, bei denen mir das Wasser im Mund zusammen läuft, stehen für den Lokalkolorit und machen die Geschichte richtig rund.
Skurrile Protagonisten, ein spannender Fall und mein Besuch im wunderschönen Tiroler Land haben mir sehr unterhaltsame Lesestunden beschert. Ich würde mich freuen, wenn es mit Mitzi und Agnes bald ein Wiederlesen geben würde.
Für mich ganz anders als erwartet
Szenen aus dem Herzen von Thunberg Greta; Thunberg Svante; Ernman Malena; Ernman Beata
Greta Thunberg und ihre zwei Jahre jüngere Schwester Beata leben mit ihren Eltern, der Opernsängerin Malena Ernman und dem Schauspieler Svante Thunberg in Schweden. Berufsbedingt waren beide häufig unterwegs, was dadurch erschwert wurde, dass Greta Asperger-Syndrom hat und ihre Schwester unter ADHS leidet.
Wer in diesem Buch die vielfältigen Themen des Klimawandels erwartet, so wie ich, wird enttäuscht werden. Dieses Buch ist eine Biografie von Malena Ernman. Obwohl das Cover suggeriert, dass es hier um die Klimaaktivistin Greta und ihren Werdegang geht, um das, was Greta angeschoben oder noch vor hat. Da war ich schon etwas enttäuscht.
So aber bekomme ich detaillierte Einblicke in das Leben der Familie Thunberg - Ernman. Kenne nun den Werdegang von Gretas Mutter und ihrem Vater, von denen ich bisher nichts wusste. Lese, wie sie mit den „Krankheiten“ ihrer Kinder im Alltag umgehen, den Hürden, die sie umschiffen müssen, den Unwissenheit und Ignoranz von Ärzten und dem Mobbing, dem die beiden Mädchen ausgesetzt sind. Schon alles sehr ausführlich und interessant. Allerdings klingt es an vielen Stellen für mich so, als würde sich Frau Ernman selbst auf die Schulter klopfen und loben.
Ein Schulfilm über die Verschmutzung der Meere gibt den Anstoß, dass Greta beginnt, sich mit dem Thema Umwelt und Klima zu beschäftigen. Zum Thema Klimawandel gibt es die verschiedensten Kapitel, die aber alle nur recht kurz angerissen werden. Wahrscheinlich um Denkanstöße zu geben und selbst aktiv zu werden.
Ein sehr persönliches Buch, das mir einen interessanten Einblick in das Leben der Familie Thunberg-Ernman gegeben und das mich nachdenklich gemacht hat.
Sehr gespannt bin ich jetzt auf das Buch, in dem es wirklich nur um Greta und ihre Reden geht.
Eine Mutprobe verändert alles
Szenen aus dem Herzen von Thunberg Greta; Thunberg Svante; Ernman Malena; Ernman Beata
Auf der Ostseehallig Hallig Hulhan bestehen die alten Riten und Bräuche noch. So muss die 16-jährige Marissa Bartelsen in einer sternenklaren Vollmondnacht eine Mutprobe bestehen, die ihr alles abverlangt, um in die Clique des Dorfes aufgenommen zu werden. Kurz darauf kehrt sie dem Dorf den Rücken und verschwindet.
30 Jahre später erreicht sie ein Brief ihres Vaters, dass er schwer krank ist und sie sehen möchte. Und Marissa macht sich auf den Weg dorthin, wo sie nie wieder hin wollte.
Man kann sich gar nicht vorstellen, dass es heute noch so eingefleischte Gruppen gibt, die an den alten Riten und Bräuchen festhalten und diese immer noch an ihre Kinder weitergeben. Leonie Haubrich hat hier diese Mutprobe und vor allem die Angst der Kinder vor dem Dikjendülmann so eindrucksvoll beschrieben, dass ich Gänsehaut hatte und richtig mitgefiebert habe. Erschreckt hat mich auch, wie normal die Bewohner und auch die Kinder, bis auf ganz wenige, diese Bräuche immer noch weiterführen. Ich kann mir auch gar nicht vorstellen, wie man nur in seiner so total durch das Wasser begrenzten Welt leben kann und vor allem will.
Die Spannung steigt ab der ersten Seite. Ich meine selbst bei diesem Initiationsritus dabei zu sein und spüre, wie mir das Wasser langsam an den Beinen hochsteigt, alles klamm und nass wird. Es wird eine düstere sehr beklemmende Stimmung erzeugt, gegen die ich mich nicht wehren kann.
Leonie Haubrich hat mich hier in eine Welt mitgenommen, die für mich zum einen unvorstellbar ist. Andererseits aber auch fasziniert, dass ich dabei sein wollte. Ich lerne Menschen kennen, die eine so ganz andere Art zu leben und auf die Sicht des Alltags haben, dass auch gerade das sehr spannend ist zu erfahren. Aber auch Menschen wie Marissa, die ausbrechen. Ich habe es genossen auf dieser Hallig Mäuschen spielen zu dürfen.
Ein tolles Buch über interessante Menschen mit einem spannendem Hintergrund.
Kaum zu glauben
Szenen aus dem Herzen von Thunberg Greta; Thunberg Svante; Ernman Malena; Ernman Beata
Lukas Reinhard feiert seinen 15. Geburtstag. Aufgewachsen in einer streng religiösen Familie mit seinen beiden jüngeren Schwestern ist er es, der immer wieder den Zorn seiner Eltern in Form von Schlägen und Misshandlungen zu spüren bekommt. Als er die todkranke Marie kennenlernt, beginnt er, sein bisheriges Leben zu hinterfragen und sich gegen seine Eltern aufzulehnen.
Der mitreißende Schreib- und Erzählstil von Claus Cant hat es mir sehr schwer gemacht, das Buch aus der Hand zu legen. Und so war es schneller ausgelesen, als ich gedacht hatte.
Lukas erzählt seine Geschichte in der Ich-Form, was mich durch ihn noch näher am Geschehen teilhaben lässt.
Die einzelnen Mitglieder der Familie Reinhard werden sehr ausführlich und gut vorstellbar beschrieben. Ich hatte von Anfang an Mitleid mit Lukas und habe mich gefragt, was bei den Eltern schief gelaufen ist. Dies wird dann am Ende des Buches auch erklärt. Sehr gut beschrieben finde ich die Wandlung von Lukas. Immer will er es seinen Eltern recht machen. Versteht aber nicht, wieso seine Eltern seine Bemühungen nicht anerkennen. Als er Marie kennenlernt, nimmt er natürlich wahr, dass es auch ein anderes Leben gibt. Ganz krass treten hier auch die Unterschiede der beiden Elternpaare zutage. Hier hatte ich an manchen Stellen ein paar Tränchen in den Augen.
Ein Buch ohne den erhobenen Zeigefinger, das zum Nachdenken anregt. Bei mir wird es noch eine Zeit nachwirken.
An die neue Kommissarin muss ich mich erst noch gewöhnen
Hannas Leichen von Alex Buchenberger
Kaum hat Softwareentwickler Florian Bauer seine Frau Anna mit seinem Geschäftspartner und bis dahin besten Freund Lothar Brinkmeier in seinem Bett erwischt und rausgeschmissen, werden sie am darauf folgenden Morgen von Brinkmeiers Zugehfrau tot in seinem Swimmingpool gefunden. Suizid, Unfall oder Mord – diese Frage müssen sich Kriminalhauptkommissarin Hanna Schmiedinger und ihr Kollege Rainer Talgruber von der Kripo in Traunstein fragen.
Da wird auch schon das nächste Mordopfer gefunden…
Dies ist der erste Fall für die Traunsteiner Ermittlerin und ihr Team. Demzufolge erfahre ich hier schon mal sehr viel Privates von den Ermittlern, aber auch von den weiteren handelnden Personen. Richtig sympathisch ist mir Hanna bis jetzt nicht geworden, was auch an der meist etwas derben Sprache und dem rüden Umgangston, den sie pflegt, liegen mag. Rainer dagegen kann ich mir als guten Freund durchaus vorstellen. Die Gedanken der Handelnden werden kursiv dargestellt. Das lässt mich noch näher an dem Geschehen teilhaben.
Durch das viele Private geht leider die Spannung, die sich langsam aufbaut, immer wieder verloren. Schon früh hatte ich einen Verdacht, wer hier als Mörder seine Finger im Spiel haben könnte, was aber dem Lesegenuss keinen Abbruch getan hat. Was mich eher gestört hat, sind die vielen kleinen Nebenschauplätze, die zum einen nichts mit dem Fall zu tun hatten. Die mir aber auch zum Teil überhaupt nicht gefallen haben und sehr unrealistisch wirken. Es kam mir vor, als wenn plötzliche Ideen noch schnell verarbeitet werden müssten. Auch die Ermittlungen selbst kommen für mich unglaubwürdig rüber und haben mit Plizeiarbeit in meinen Augen wenig zu tun. Trotzdem hat mich das Ende mit seiner schlüssigen Auflösung entspannt zurück gelassen.
Gut gefallen haben mir die Beschreibungen der Umgegend, wenn die Kommissare unterwegs waren. Hier habe ich mich in Trostberg und Burghausen wie zuhause gefühlt.
Wer Krimis mag, die nicht bierernst gemeint sind, mit einem derben Zungenschlag und vielen kleinen Nebenschauplätzen, der ist hier genau richtig. Ich bin gespannt, welchen Fall Hanna das nächste Mal aufzulösen hat.
Fall Nr. 7 für Wallner, Kreuthner & Co.
Schwarzwasser von Föhr Andreas
Fasching is und Leo Kreuthner hat in seinem Wilderer-Kostüm ein fesches Charleston-Madl aufgerissen. Nun, wohin kann er mit ihr verschwinden? Er hat kein Auto, keinen Führerschein, aber den Schlüssel zu einem Haus im Wald, von dem er glaubt, dass es in diesen Tagen unbewohnt ist. Kommissar Wallners Opa Manfred, heute als Sensenmann unterwegs, hat einen Führerschein und ist mit Wallners Auto unterwegs.
Fluggs machen sich die drei auf den Weg. Im Haus dann die Überraschung: Der Hausherr ist doch anwesend. Er liegt in seinem Bett und ist tot – erschossen. Eine junge sturzbetrunkene Frau mit der Pistole in der Hand taucht auch gleich auf. Naja, und so kommt Kommissar Wallner mit seiner Ermittlertruppe ganz schnell zu einem neuen, diesmal recht kniffligen Fall.
Seit ich vor ca. 10 Jahren „Der Prinzessinnenmörder“ gelesen habe, ist keines der Bücher von Andreas Föhr ungelesen an mir vorbei gegangen.
Ich liebe seinen Schreib- und Erzählstil, seinen Humor, der immer in kleinen Dosen einfließt ohne platt zu wirken. Wenn dann Kreuthner so seine Gedanken kreisen lässt - das ist Kopfkino vom Feinsten. Dazu seine tollen Sprüche. Und schon schleicht sich ein Grinsen in mein Gesicht. Eine Liste mit den wichtigeren Personen aus dem Krimi ist im Anhang aufgeführt. Genauso wie das Rezept der „Teufelsravioli „Leonardo“, das hier im Buch eine Rolle spielt.
Die bayerischen Sprachschätze, mit denen sich Leo Kreuthner meist ausdrückt und die Beschreibungen der Landschaft und der Menschen am wunderschönen Tegernsee in Miesbach runden den lokalen Anstrich ab.
Ich mag seine grundverschiedenen Figuren, die mit den Jahren immer mehr an Tiefe und Ausstrahlung gewonnen haben. Ganz besonders in Herz geschlossen habe ich seinen Opa Manfred. Ich liebe den alten Herrn, der das „mausern“ immer noch nicht lassen kann und der auch hier wieder eine tolle Rolle gespielt hat. Den kleinen bucklerten Sensenmann habe ich immer noch vor Augen.
Der Kriminalfall ist sehr klug konstruiert, besticht durch Undurchsichtigkeit und hat mich immer wieder auf falsche Fährten gesetzt. Und dann ist doch alles ganz anders. Wallners Ermittlungen gehen diesmal zurück bis in den Herbst 1996 in Berlin. Immer wieder bekomme ich zu den Ergebnissen aus Bayern auch Häppchen aus der Bundeshauptstadt serviert. Bis sich alles schlüssig auflöst und ich mit dem Ergebnis zufrieden zurückbleibe.
Auch dieser Fall lässt sich ohne Kenntnis der vorhergehenden Bücher lesen. Aber ich bin mir sicher: Wer Wallner, Kreuthner & Co. Bei ihrer Arbeit oder im Privaten kennengelernt hat, der will einfach mehr von ihnen lesen.
Ich war jedenfalls wieder begeistert von einem spannenden Kriminalfall mit einem Schuss Humor und Protagonisten, die man einfach lieben muss.
Rudernde Hunde
Rudernde Hunde von Elke Heidenreich; Bernd Schroeder
Noch im Karnevalskostüm packt die Erzählerin eine Tasche mit Utenilien, die ihr Freund Albert auf der Durchreise aus Paris kommend vielleicht brauchen kann. Zusammen mit Lebensgefährten Walter und Hund macht sie sich auf den Weg zum Bahnhof, nur um von Albert ein kleines Geschenk zu erhalten: zwei kleine rudernde Hunde.
Heinz und Fitz. Später ist dann Walter weg – aber die Hunde sind noch da...
Karl und Frau Luise lernen Herrn Löhlein kenne, den neuen Freund von Karl´s Mutter. Doch als der mehr als Freundschaft will, will Mutter nicht mehr...
Frau Janowiak wartet seit dem Tod ihrer Mutter auf ein Zeichen, dass sie bei ihr ist – und erkennt das Zeichen in Form einer Spinne an der Wand...
Robert träumt von seinem körnergefütterten Suppenhuhn Carola...
Nurejews Hund Oblomov übt nach dessen Tod heimlich Tanzschritte und tanz am 60. Geburtstag auf dessen Grab...
Die Sehnsucht nach IKEA und Erlebnissen mit dem Billy-Regalen lassen den Erzähler nicht los. Und eine Idee entsteht: „Mit IKEA leben und sterben“...
Eine Liebesgeschichte mit 3 Katern und 2 Katzen...
Otto Berner, der einmal seinen Namen aug chinesisch geschrieben lesen will und dann sehr erstaunt ist...
Herr Bakker mit neuem Hörgerät, der einen Igel sagen hört: Gib mir bitte ein Ei...
4 junge Australienreisende „erlegen“ im Outback ein Känguruh und einer von ihnen staffiert das Tier mit seiner Lederjacke und seinem Seppelhut aus. Doch das Känguruh sich auf und davon macht, haben die 4 auch keinen Führerschein, keine Flugtickets, keine Reiseschecks und kein Geld mehr...
Es gibt keine sprechenden Eichhörnchen?...
Nureemi und die grau gestreifte Katze Mathilda in New York...
Beo Leo liebt die Beatles...
19 einfühlsame, anrührende, spannende, geheimnisvolle, rätselhafte, originelle, unglaubliche und zauberhafte Geschichten von Elke Heidenreich und Bernd Schroeder erzählt und in diesem kleinen Band verewigt.
Fazit:
Es gibt wenige Bücher, von denen ich sage – einfach toll – dieses ist eines davon.
Hätte ich schon viel früher mal lesen sollen.
Die Geschichte eines Magdalenen-Heimes
Das Haus der Verlassenen von Gunnis Emily
Die junge Ivy Jenkins ist ungewollt schwanger. Der Orden der Barmherzigen Schwestern führt in Preston/Sussex ein Heim für ledige Mütter. Hierher wird Ivy von ihrem Herrschsüchtigen Stiefvater abgeschoben. Im St. Margaret´s wartet sie auf die Geburt ihres Kindes. Nur ahnt niemand, was sich hinter den Mauern dieses Hauses wirklich abspielt.
Samantha „Sam“ Harper lebt mit ihrer kleinen Tochter Emma derzeit bei ihrer Großmutter Rose. Aus Briefen, die sie im Nachlass ihres Großvaters findet, erfährt sie von Ivy und dem Ort, wo sie gelebt hat. Sofort wittert die Journalistin eine Geschichte, die sie vielleicht in ihrem Job ein Stück nach oben bringt. Nur wird St. Margaret´s in zwei Tagen dem Erdboden gleich gemacht. Sam muss sich also beeilen…
Ich lese Geschichten, die auf zwei verschiedenen Zeitebenen spielen sehr gerne.
Hier steige ich im Jahr 1956 bzw. 1959 ein und lerne Ivy und die Machenschaften in diesem Heim für ledige Mütter kennen. Anstatt sich nach der Geburt um ihre Kinder kümmern zu können, werden sie den jungen Frauen weggenommen und gezwungen, die Babys zur Adoption freizugeben. Ich kann und will mir gar nicht vorstellen, wie es Ivy gegangen ist, als sie ihre kleine Rose im hintersten Winkel des Hauses hat weinen und schreien hören. Auf die Briefe, die sie an ihren Freund und Kindsvater Alistair schreibt, kommt keine Reaktion. So sieht Ivy, die 1959 in die Psychiatrie abgeschoben werden soll, nur noch einen Ausweg...
2017 findet Sam Ivys Briefe und beginnt Fragen zu stellen. Die Antworten darauf haben mich schockiert und sprach- und fassungslos zurück gelassen. Wenn ich bedenke, dass es gerade mal zwei Generationen her ist, und es diese Heime vor allem in Irland, aber auch in England wirklich gab, macht es mich wütend und tieftraurig. Es will mir nicht in den Kopf, dass die Menschen im Umfeld der Heime nichts von dem Machenschaften dort gewusst haben wollen. Und das alles geschah unter dem Deckmantel der Kirche. Unfassbar.
Der Schreib- und Erzählstil von Emily Gunnis ist sehr lebendig und hat mich ab der ersten Seite gefesselt. In leichten Dosen bekomme ich die unglaublichen Geschehnisse in diesem Heim vorgesetzt. Viele kleine Puzzlestücke setzen sich ganz langsam zu einem großen Bild zusammen und ich war überrascht über den für mich fast nicht vorstellbaren Ausgang der Geschichte. Ein Krimi kann an manchen Stellen nicht spannender sein.
Die Autorin legt mir eine emotionale und fesselnde Geschichte mit einem hohen Tempo vor, die sehr gut konstruiert ist. Bei mir kochten beim Lesen immer wieder die verschiedensten Emotionen hoch. Eine Geschichte, die wütend und traurig macht, die für mich an einigen Stellen unfassbar war. Eine Geschichte, die ich genossen habe und die noch lange in mir nachwirken wird.
Emma Klars 4. Fall
Todesklippe von Katharina Peters
War der tödliche Motorradunfall von Polizeipsychologe Valentin Wolff wirklich ein Unfall?
Und was hat der entführte und dann mit einem Kopfschuss hingerichtete Polizist Jakob Röhler damit zu tun?
Johanna Krass vom BKA Berlin hat genau daran ihre Zweifel bzw. stellt sich genau diese Fragen. Emma Klar, Privatdetektivin in Wismar erhält von ihr den Auftrag, sich die beiden Fälle noch einmal genau anzuschauen und weiter zu recherchieren.
Dabei erfährt sie nicht nur von einer erschütternden Familiengeschichte, sondern ihr Freund Christoph gerät auch noch in allerhöchste Gefahr.
Dies ist nun schon der 4. Fall, in dem ich zusammen mit Emma Klar auf Ermittlungstour gehen durfte. Und mit ihr zusammen habe es auch diesmal keine Langeweile. Ganz im Gegenteil, es wurde hier und da richtig brenzlig. Aber genau das, zusammen mit einigen Wendungen, die den Fall plötzlich in einem ganz anderen Licht erscheinen lassen, liebe ich so an den Krimis von Katharina Peters. Sie schafft es immer wieder mich zu fesseln und während der Zeit des Lesens alles um mich herum auszublenden.
Ihre Personen kommen so glaubwürdig und menschlich rüber, die Guten genau so wie die Bösen, dass ich sie mir gut vorstellen kann. Die ein oder andere hätte ich sogar gerne zur Freundin. Aber hier gibt es auch ein paar Menschen, denen ich bitte nie begegnen oder mit ihnen zu tun haben möchte.
Der Kriminalfall ist kein einfacher und es dauert seine Zeit, bis ich mir zusammen gereimt habe, wie alles miteinander zusammen zu hängen scheint. Meine Gänsehaut hatte Zeiten, da wollten sich meine Härchen gar nicht mehr hinlegen. Dramatik pur. Das ein oder andere Mal habe ich den Kopf geschüttelt, weil ich mir gar nicht vorstellen konnte oder wollte, dass es das, was hier beschrieben und geschildert wird, wirklich wahr sein kann. Aber es stimmt auch hier: Es gibt nichts, was es nicht gibt. Der Schluss, an dem sich alles nachvollziehbar auflöst, lässt mich dann entspannt zurück.
Auch das Privatleben von Emma Klar nimmt wieder einen kleinen Teil der Lektüre ein. Was ich aber sehr gut finde. So lerne ich die Menschen, mit denen ich hoffentlich auch in Zukunft noch das ein oder andere Mal zu tun haben werde, noch besser kennen.
Alles in allem hatte ich wieder interessante, äußerst spannende und sehr unterhaltsame Lesestunden.
Wenn der LKA-Präsident ermittelt...
Todesklippe von Katharina Peters
LKA Präsident Karl Zimmerschied hat Urlaub und fliegt nach Bali um seine abtrünnige Ehefrau Roswitha dazu zu bringen, ihre Oben-Ohne-Strandbar aufzugeben und wieder heim zu kommen. Aber anstatt seine Frau wieder einzufangen, fängt sich Karl ein blaues Auge von seinem Kontrahenten Hans(wurst) ein, der am Tag von Karls Rückflug plötzlich vom Erdboden verschwunden ist.
Roswitha ist in hellster Aufregung und bitte Karl, ihn suchen zu lassen.
Zurück in München wartet schon wieder andere Arbeit auf ihn: Beim Spaziergang an der Isar wird ein junges Paar angeschossen. Der Mann ist auf der Stelle tot, die schwangere Frau stirbt ein paar Tage später in der Klinik.
Gymnasialdirektorin Sophie von Lavalle, eine Bekannte von Zimmerschied, bittet ihn um einen etwas delikaten Gefallen und dann bekommt er auch noch eine Pistole zugeschickt. Hat sich da jemand einen Scherz erlaubt, oder wo wird das hin führen?
Außerdem hat er die junge Frau Dr. Isabelle Augustin, Leiterin der Forensik, bei sich auf dem Hof einquartiert, die ihm traumhafte Nächte beschert. Seiner Roswitha passt das überhaupt nicht.
Nach „Blutige Beichte“ ist dies der zweite Fall, bei dem ich den Kommissaren KHK Barbara Veltroni, KHK Hannes Södlinger und dem blinden Computerspezialist Tommy Hensch mit seinem schwarzer Labrador Benno Berghammer über die Schulter schaue. Da Karl Zimmerschied kein „Sesselpupser“ sein will, ermittelt auch er wieder fleißig mit. Zusammen mit Tommy Hensch versucht er, ein Verbrechen, in dem das Darknet eine große Rolle spielt, aufzulösen. Auch Staatsanwältin Ramona Ahlhaus ist wieder mit von der Partie und sorgt bei Zimmerschied für kalte Schweißausbrüche. Es macht auch diesmal wieder riesigen Spaß Teil der Ermittlungen zu sein und bei den Menschen, die hier mitspielen, Mäuschen spielen zu können.
Jörg Steinleitner gelingt es, die Handelnden einfach nur menschlich mit ihren Ecken und Kanten rüber kommen zu lassen. Karl Zimmerschied ist einer der ganz wenigen Ermittler, die ich dank seiner ehrlichen und direkten Art richtig gerne mag. Er hat das Herz am rechten Fleck, was auch auf seine Mannschaft abfärbt. Zusammen mit Tommy und Benno habe ich dieses Dreamteam richtig ins Herz geschlossen.
Die Geschichte bzw. die Kriminalfälle, die ich hier geboten bekomme, sind alle gut durchdacht, sehr interessant und lösen sich zum Ende hin schlüssig auf. Auch humorige Szenen gibt es wieder einige. Ich war nicht nur von der Spannung gefesselt, sondern konnte auch diesmal wieder herzhaft lachen. Ich habe mich sowohl im Präsidium, auf Bali, bei den Ermittlungen, aber auch auf Karls Bauernhof richtig wohl gefühlt.
Eine gute Idee finde ich, dass ich vor jedem neuen Kapitel „unnützes Wissen“ vorgesetzt bekomme, dass irgendwie mit einem Fall oder einem hier vorkommenden Namen zusammen hängt.
„Tod im Abendrot“ kann auch ohne Kenntnisse des ersten Bandes gelesen werden. Mir hat es aber noch mehr Spaß und Unterhaltung gebracht, da ich die vorigen Geschehnisse schon kannte.
Spannende und entspannende Unterhaltung verpackt in drei kriminelle Fälle mit einem Schuss Humor. Ich hatte wieder ein paar wundervolle Lesestunden und freue mich auf das nächsten Mal, wenn Karl Zimmerschied und sein Team wieder ermitteln müssen.








