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Rezensionen von gaby2707:
Wohin Hass führen kann
Gerecht ist nur der Tod von Judith Bergmann
Es sollte der schönste Tag im Leben von Hajo Reimer, 37, erfolgreicher Unternehmer und Liebling der Kölner Highsociety werden. Doch nun ist er tot. Erschossen vor den Augen seiner zukünftigen Frau und seines Schwiegervaters. Dort, von wo aus der Schuss gekommen sein muss, wird ein Zettel mit einer kryptischen Nachricht gefunden: 2:2.
Wer hat so einen Hass auf den Mann um ihn vor seiner kirchlichen Trauung zu erschießen?
Kriminalhauptkommissar Rolf Schellenberg und sein Team haben es nicht leicht. Zusammen mit Ina Reich, einer Journalistin und ehemaligen Psychologin, die einen Bericht über den Teamzusammenhalt schreiben soll und die bei allen Einsätzen dabei ist, versuchen sie ein Puzzleteil nach dem anderen zu finden und zusammenzusetzen.
Erzählt wird die Geschichte aus Sicht von Ina Reich in der Ich-Form, was mir persönlich das Gefühl gibt, noch näher am Geschehen dran zu sein. Aber Ina hütet ein Geheimnis bzw. hat einen Plan, was immer mal wieder durch klingt. Aus ihr werde ich nicht ganz schlau. Der enorme Tablettenkonsum nimmt mich auch nicht gerade für sie ein.
KHK Rolf Schellenberg ist mir mit seiner ruhigen, besonnenen Art sofort sehr sympathisch. Auch er hat sein Packerl zu tragen, lässt sich aber davon nicht unterkriegen.
Kriminalkommissarin Sibel Bulut tut sich von Anfang an schwer mit Ina – und auch mit mir - und benimmt sich in meinen Augen oft einfach unmöglich und unkollegial. Mein Verhältnis zu ihr hat sich im Verlauf des Buches auch nicht zum positiven gewendet, obwohl ich sie für eine hervorragende Polizistin halte. Menschlich kann ich mit ihr gar nicht.
Den Fall an sich empfinde ich trotz der Toten als eher unaufgeregt und leise. Die Spannung hält nicht dennoch sehr hoch und flaut auch bis zum Ende hin nicht ab.
Hass, Misstrauen und die Sucht nach Rache begleiten den Mörder durch die ganze Geschichte und ich war schon etwas schockiert, als ich endlich begriffen habe, wo mich das Ende hinführen wird.
Mit „gerecht ist nur der tod“ ist Judith Bergmann, die ich unter ihrem Namen Jutta Profijt schon von anderen Büchern z.B. der Hausbesetzer-WG, kenne, ein spannender und psychologisch ausgeklügelter Thriller gelungen. Großartige Unterhaltung mit einem Buch, das auch zum Nachdenken anregt.
Norderney im Sommer 1912
Die Tote in der Sommerfrische von Elsa Dix
Es ist Sommer im Jahr 1912 auf Norderney. Die Reichen und Prominenten treffen sich auf der Insel um dort ihre Sommerfrische zu genießen. Unter ihnen der junge Journalist Christian Hinrichs, ehemaliger Kriminalreporter, der über diese Zeit einen Bericht für die Damenillustrierte Frau von Welt schreiben soll und Viktoria Berg, die hier ihre Zeit verbringt bevor sie ihre Arbeit als Lehrerin an einer Reformschule angeht.
Sie trifft hier die ehemalige Angestellte ihres Vaters Henny Petersen, die als Dienstmädchen im Palais-Hotel arbeitet, in dem Viktoria und Christian logiert. Am nächsten Tag zieht Christian Hinrichts Henny ertrunken aus der kalten Nordsee. Warum ist das junge Mädchen ins Wasser gegangen? Oder war es gar kein Selbstmord?
Da die Polizei die Sache gleich ad Acta legt, machen sich Christian und Viktoria gemeinsam auf Spurensuche.
Ich habe es genossen, in die Welt der Reichen und Neureichen vor über 100 Jahren einzutauchen. Heute unvorstellbar, dass es damals unschicklich war, die Hand seiner angebeteten in der Öffentlichkeit zu halten, geschweige denn sie zu küssen. Es gibt getrennte Strandabschnitte für die Damen und die Herren. Frauen in diesen Kreisen dienen meist nur als schmückendes Beiwerk.
Viktoria Berg ist da erfrischend anders. Sie ist selbstbewusst, weiß sich durchzusetzen und freut sich auf ihre neue Selbstständigkeit. Ihre Unbeschwertheit wirkt anziehend und lässt auch Christian Hinrichs nicht kalt. Auch er hat sich durchgesetzt, als Kind aus der Arbeiterklasse seinen Gymnasialabschluß geschafft und gegen den Willen seines Vaters den Beruf des Journalisten gewählt. Auch Severin von Seyfarth, Dr. Moritz Feuser und die Damen der Familie Balow, die ich hier kennenlerne, passen ausgezeichnet in die hier beschriebene Zeit und kommen authentisch und klar rüber. Ich sehe die Damen in ihren mondänen Kleidern auf der Seebrücke flanieren, sehe die Herren im Salon mit ihren Zigarren vor mir sitzen. Eine Zeit, die so gut beschrieben ist, dass ich sofort darin eintauchen konnte und mich für die kurze Zeit des Lesens dort auch wohlgefühlt habe. Trotzdem bin ich froh, in der heutigen Zeit leben zu dürfen.
Die Geschichte, die sich doch schnell als Kriminalfall herauskristallisiert, ist knifflig. Aber Christian und Viktoria geben nicht auf, lassen sich auf einige riskante Manöver ein und gelangen mit ihren Spürnasen erst ganz zum Schluss der Geschichte an ihr Ziel und an die Auflösung des Falles bzw. der Fälle. Denn es gibt einen weiteren Toten.
Mehr wird hier aber nicht verraten.
Die 55 meist kurzen Kapitel sind mit einer zum Kapitel passenden Überschrift versehen und diese mit einem kleinen Rahmen, der ausgezeichnet zu dieser Zeit passt.
Es geht um Intrigen, Erpressung, Mord, Ungehorsam, die Moral und Klassenunterschiede in der Kaiserzeit und um das ganz langsame selbstständig werden der Frau.
Dieser Seebad-Krimi liest sich so leicht und locker, wirft zeitkritische Fragen auf, ist spannend und sehr unterhaltsam. Ich würde mich freuen, wenn Christian und Viktoria sich wiedersehen und vielleicht ein neues Abenteuer gemeinsam erleben würden.
Billy ist gut genau so wie er ist
Billy mit den Bambusbeinen von Dietl Erhard
Das kleine Insektenkind Billy ist flügge geworden und wird von seinen Eltern in die weite Welt entlassen. Er trifft den roten Käfer, die Wespe Rachel, einen wunderschönen Falter, eine Heuschrecke und einen Hirschkäfer. Sie alle haben etwas, was der kleine Billiy auch gerne hätte. Doch der hat nur seine langen Bambusbeinchen.
Bis er die Wiesenwanze trifft, die ihn um seine Beine beneidet.
In kleinen vierzeiligen Reimen sehe ich die Welt mit den Augen des kleinen Billy. Von seinem ersten Ausflug bis er zu seinen Eltern zurückkehrt und erzählt.
Erhard Dietl hat wieder ein wunderbares Kinderbuch geschrieben. Vor allem die Illustrationen sind so farbenfroh, abwechslungsreich und interessant, dass sich mein kleiner Nachbar, mit dem ich das Buch angeschaut habe, gar nicht wieder davon losreißen konnte. Wir haben es einmal zusammen von Anfang bis Ende durchgelesen und angeschaut und werden uns nun jeden Tag einer einzelnen Seite vornehmen und diese ganz genau anschauen. Es gibt so Vieles zu entdecken und zu bestaunen.
Als erstes hat er z.B. die schimmernde Katze auf Billys Shirt entdeckt.
Auf den letzten beiden Seiten sind nochmal viele kleine coole Typen gezeichnet, die, bis auf einen, alle im Buch zu finden sind. Tada – und wir haben sie alle gefunden und kennen nun den einen, der im Buch keinen Platz gefunden hat.
Ein tolles Kinderbuch mit einer fein gezeichneten Botschaft, das bei uns noch durch viele kleine Kinderhände gehen wird.
Ein sehr ernstes Thema liebevoll eingebettet
Liebe reicht doch erst mal von Mia Leoni
Nachdem Chaosqueen Juli schon aus ihrer Studenten-WG geflogen ist, muss sie jetzt auch den Schlafplatz bei ihrer besten Freundin Jenny im Studentenwohnheim räumen. Doch wie so oft ist das Glück auf ihrer Seite und sie bekommt ein WG-Zimmer bei Jannik und einer Schwester Sara. Genau bei diesem Jannik, den sie auf einer Party kennengelernt hat und bei dem die Schmetterlinge in ihrem Bauch dauernd Purzelbäume schlagen.
Doch irgendetwas stimmt mit ihm nicht. Was verbirgt er vor ihr?
Mia Leonie erzählt die Geschichte von Juli und Yannik die meiste Zeit aus Sicht von Juli, der kleinen Chaotin. Schon auf den ersten Seiten breitet sich eine so fröhliche Stimmung aus, die es mir schwer macht, mein Dauergrinsen in den Griff zu bekommen. Aber langsam schleichen sich auch ernste Töne ein und es ist bemerkenswert, wie leicht aber auch eindringlich die Autorin ein so ernstes Thema in die kleine Liebesgeschichte, die sich gerade anbahnt, aufnimmt.
Juli und Jannik muss man einfach gern haben, so unterschiedlich sie auch sind. Hier hat mir ganz besonders die sehr positive Wandlung von Juli gefallen. Die junge Frau, die erst sorgenfrei in den Tag und vor allem die Nacht hinein lebt, übernimmt plötzlich Verantwortung und das in einem Maße, das es mich schon stark beeindruckt hat. Jannik, der sein Leben schon im Griff hat, muss plötzlich feststellen, dass es durch Unvorhergesehenes ganz schnell vorbei sein kann mit dem angenehmen Leben.
Beide kommen so lebensecht und menschlich rüber und haben mich durch ihre Stärke, ihren Mut und ihre Liebe beeindruckt.
Ich hatte mal wieder Lust auf eine kleine Liebesgeschichte. Aber diese Geschichte hier ist so viel mehr. Eine Geschichte von einer gerade beginnenden Liebe, eine Geschichte über den überbordenden Lebenshunger eines jungen Mannes (warum er so lebt, das müsst ihr selbst lesen), über den Mut einer jungen Frau und über zwei Familien, die egal was kommt, zusammenhalten.
Besonders gut hat mir eine Reise zu Julis Opa in den Norden Norwegens gefallen. Bei den wunderschönen Beschreibungen kann ich sehr gut nachvollziehen, dass Juli dieses Fleckchen Erde liebt und dass Jannik von den Nordlichtern so begeistert spricht.
Ein sehr gefühlvoller, emotionaler Liebesroman mit einem sehr ernsten Thema, der mein Kopfkino ab der ersten Seite gestartet und mich sehr gut unterhalten hat. Der mir ein paar Tränen entlockt hat. Bei dem ich aber auch immer wieder schmunzeln musste. Einfach ein wunderbares Buch.
Ein spannendes und interessantes Wiedertreffen auf Neuwerk
Tod im Leuchtturm von Susanne Ziegert
Die neue Leuchtturmwärterin auf der kleinen Nordseeinsel Neuwerk auf Zeit Julia Lange war 15, als der damals 5-jährige Felix König tot am Hafenbecken gefunden wurde. Das ist nun 30 Jahre her. Und nun wird Julia, die damals eine Aussage gemacht hatte, die sie anschließend widerrief, und die hier endlich alles aufklären und ein neues Leben beginnen will, tot in der Badewanne ihres kleinen Leuchtturmzimmers gefunden.
Alles deutet auf einen Suizid hin. Doch damit gibt sich Hauptkommissarin Friederike „Rike“ von Menkendorf nicht zufrieden. Und auch die Malerin Margo Valeska, die sich mit Julia angefreundet hatte, beginnt auf eigene Faust zu ermitteln.
Dies ist nach „Störtebekers Erben“ der 2. Krimi bei dem ich zusammen mit Hauptkommissarin Friederike „Rike“ von Menkendorf und der Malerin Margo Valeska, die es nicht lassen kann, ihre Nase in alles hineinzustecken, auf der kleinen Nordseeinsel Neuwerk ermitteln darf.
Rike, die nichts außer ihrer Arbeit kennt, tut sich im Moment nicht leicht. Sie, die die Alleingänge bei den Ermittlungen liebt, wird von ihrem neuen Chef Christian Kanter unter die Leitung ihres Kollegen Robert Galinowski gestellt. Robert ist mir immer noch nicht sympathischer geworden und Christian Kanter, den ich anfangs einfach nur unmanierlich und engstirnig empfand, entwickelt sich im Laufe der Geschichte „in die richtige Richtung“.
Alle anderen Personen finde ich gerade charakterlich sehr gut ausgearbeitet und kann sie mir gut vorstellen. Auch wenn mir die meisten nicht gerade sympathisch sind.
Susanne Ziegert hat in ihrem neuen Krimi einige Baustellen aufgemacht. Da ist zum einen der Tod des kleinen Felix, der immer noch nicht aufgeklärt ist; der derzeitige Tod von Julia Lange; die Machenschaften eines Baulöwen; die Aktivitäten einer Umweltschutzgruppe; ein Unfall im Watt und Querelen im Polizeipräsidium. Es hat seine Zeit gedauert, bis ich alle losen Fäden richtig sortiert hatte und der Aufklärung näher gekommen bin.
Seit ich im vergangenen Jahr für ein paar Tage in Cuxhaven war, mit dem Wattwagen nach Neuwerk gefahren bin und auch eine Wattwanderung mitgemacht habe, haben mir die Beschreibungen der Umgebung hier sehr gut gefallen und manche Erinnerung wachgerufen. Die Autorin schafft es sehr gut, die Landschaft, die Menschen und auch deren Gefühle vor meinen Augen entstehen zu lassen und bei mir wachzurufen.
Ich habe es genossen, die kleine Nordseeinsel Neuwerk und Cuxhaven wiederzulesen. Es war spannend, interessant und unterhaltsam den Ermittlungen in die verschiedensten Richtungen zu folgen. Und nun bin ich gespannt, welche Fall Rike und Margo als nächstes lösen müssen.
Fräulein Maus gründet eine nicht alltägliche Kita
Ei, Ei, Ei! Die Maus hilft aus von Lorenz Pauli
Die kleine Maus liegt träumend im Gras, als eine Amsel ihr in den Schwanz zwickt. Sie ist auf der Suche nach Futter, kann aber ihre Eier nicht lange allein lassen. Kurzerhand bietet die Maus ihre Hilfe an. Nicht nur die Amsel bringt ihre Eier in die neu gegründete Eier-Kita. Auch zwei Meisen und der Specht bringen ihre Eier zur Maus.
Sogar kleine Eichhörnchenkinder beherbergt sie. Solange, bis alle ihre Eier bzw. die kleinen Vögelchen, die daraus geschlüpft sind, wieder abgeholt haben. Nur ein Ei bleibt übrig…
Ein wunderschönes Bilderbuch für unsere Kleinsten mit wunderschönen Zeichnungen von Kathrin Schärer und kleinen Texten von Lorenz Pauli, die wunderbar dazu passen, aber auch Raum zum Selbsterzählen lassen.
Den ersten Lacher gab´s bei meinen drei kleinen Leseratten (4 und 5 Jahre alt) bereits auf der zweiten Seite, wo die Amsel den Schwanz der Maus für einen Wurm hält. Zuerst haben wir uns nur die Bilder angeschaut. Da gibt es so Vieles zu entdecken und die Augen, die Zeigefinger und die kleinen Münder standen nicht still. Dass die Innenseiten des Covers ebenfalls bebildert sind, finde ich sehr schön.
Bei der zweiten Runde habe ich dann vorgelesen und es war mucksmäuschenstill.
Für heute haben wir dieses wunderschöne Bilderbuch, das zum Nachdenken und Erzählen anregt, erst mal weg gelegt. Aber ich bin mir sicher, dass es sofort heraus geholt wird, wenn eines der Kinder wieder mal bei mir ist.
Ein wunderbares Lese- und Entdeckerbuch für unsere kleinen Leseratten.
Nicht immer ist es wie es scheint
Ei, Ei, Ei! Die Maus hilft aus von Lorenz Pauli
Die kleine niedersächsische Stadt Bodenwerder, Heimat des Baron von Münchhausen, ist erschüttert. Am Münchhausenbrunnen liegt ein Toter. Schnell ist er identifiziert: Der Gynäkologe Dr. Ralf Ebelski wurde erwürgt und hier liegengelassen. Schnell führt eine erste Spur zum Täter. Aber war es wirklich der junge Mann, der wieder mal die Rolle des Münchhausen an Ebelski verloren hat?
Kommissarin Emma Stanford vom FK1 zuständig für Mordfälle bei der Kripo Hameln und ihr Exmann Polizeihauptkommissar Andreas „Andy“ Stanford haben es mit diesem Fall nicht leicht.
Eigentlich wollte ich dieses Buch, da es sich gerade so schön anbot, vom 18.02. bis zum 01.03. lesen. Genau in dieser Zeit spielt der Fall. Aber ich habe es nicht geschafft, dass Buch jeden Abend wegzulegen und erst am nächsten Tag wieder weiterzulesen. Schnell wollte ich unbedingt wissen, wie´s weiter geht und ob Muttersöhnchen Mario Bergstedt, der für Viele schnell als Täter feststand, wirklich der Täter ist.
Durch die fetten Kapitelüberschriften mit Wochentag, Datum und dem dort handelnden Protagonisten bin ich immer auf Stand, wo ich wann mit wem gerade bin.
Was ich in dieser Art bisher nur selten gelesen habe, dass wie in diesem Fall viele Personen integriert sind, die alle immer wieder zu Wort kommen. Sei es in Gedanken oder in Dialogen. So wird die Handlung immer wieder aufgelockert und das Lesen geht sehr schnell dahin. Gleichzeitig wird es mir als Leser schwer gemacht, die vielen Hinweise oder Verdächtigungen zuzuordnen. Diese Art der Schreibweise gefällt mir ausgesprochen gut.
Ich mag es auch sehr, wenn ich etwas vom Privatleben der Ermittler mitbekomme. Hier habe ich Emma, Andreas und ihre Tochter Anna schon gut kennengelernt und würde mich freuen, wenn ich demnächst mal wieder bei den Dreien Gast sein dürfte.
Ziemlich unsympathisch war mir lange Zeit die Ehefrau des Opfers. Ich hatte den Eindruck, dass sie die Verwüstung ihres Gartens emotional mehr mitnimmt, als der Tod ihres Mannes. Ihre Gedanken bei der Identifizierung sind schon sehr aussagestark, werfen aber auch Fragen auf. Ich hatte hier gleich eine neue Verdächtige. Ihre Vorverurteilung des jungen Mario, Schauspielkollege ihres Mannes, fand ich schon sehr fragwürdig.
Marios Mutter Barbara, die selbsternannte Miss Marple of Bodenwerder, kämpft dagegen wie eine Löwin um die Unschuld ihres Jungen zu beweisen.
Da die Protagonisten und deren Handlungsorte immer wieder wechseln, wird die Spannung immer weiter gesteigert. Ich hatte zwar schon bald eine wage Vermutung, in welcher Richtung ich nach dem Täter zu suchen hatte. Doch hat es lange gedauert, bis ich ihn nach einigen Wendungen zusammen mit den Kommissaren dingfest gemacht habe. Der Schluss kommt dann mit einem Knaller daher, der mich sprachlos und auch traurig gemacht hat. Aber er schürt auch die Hoffnung, dass es bald einen neuen Fall für Emma und Andy Stanford geben wird.
Ein Regio-Krimi mit sympathischen Ermittlern und einem spannenden Fall, den ich gerne gelesen habe. Bodenwerder und Hameln sind vielleicht auch ohne kriminelle Energie mal eine Kurzreise wert.
Ich wäre gerne noch länger geblieben
Verliebt im Café Inselglück von Susanne Oswald
Hannah Jannsen ist gestresst – von ihren mauligen Gästen, vom Betten beziehen, vom Putzen und vom Frühstück herrichten - jeden Tag der gleiche Trott in ihrer kleinen Pension auf Amrum. Jetzt, kurz vor der Sommersaison muss auch noch so viel renoviert und umgebaut werden. Da erinnert sie sich an ihren Lebenstraum, den sie schon seit vielen Jahren mit sich mit zieht: ein kleines kuscheliges Wohlfühlcafé.
Wenn nicht jetzt, wann dann. Schon steckt sie mittendrin in der Planung. Als sie dann auch noch ein altes Backbuch von ihrer Urgroßmutter findet, gibt’s kein Halten mehr. Aber was nur ist mit ihrem Freund Lennard los?
Es braucht Mut um seinen eigenen Weg zu gehen. Und gute Freunde, die einen darin unterstützen seinen Traum wahr werden zu lassen und leben zu können.
Ich habe diese wenigen Tage auf der Nordseeinsel Amrum sehr genossen. Hannahs Freundinnen Elisabeth und Fenja und Tischler Jan habe ich beim werkeln im Haus über die Schulter geschaut und mich an den Fortschritten gefreut. In Biancas Teeinsel habe ich in Gedanken genau so wie Hannah die verschiedenen Teesorten probiert und in Hamburg zusammen mit Hannah und Holke bei Fiete in der Kaffeerösterei einigen Tassen Kaffee getrunken. Nur mit Lennard, Hannas Verlobtem, bin ich anfangs nicht warm geworden. Aber auch er war mir nach einer Aussprache sehr sympathisch.
Ich habe so viele tolle Menschen kennengelernt, dass mir der Abschied schon schwer gefallen ist.
Dass ein politisches Thema – Immigration und Integration – hier mit der jungen Tahmineh, die aus dem Iran flüchten musste, aufgegriffen wird, finde ich sehr gut. Sie hat auf Amrum ihre neue Heimat gefunden und in den drei jungen Frauen richtig gute Freundinnen.
Bei den leckeren Kuchen, von denen ich einige Rezepte im Anhang zum Nachbacken bekomme, bei den anderen Leckereien wie Sanddorn-Eierlikör, gefüllte Blätterteigteilchen und Dattelpralinen läuft mir das Wasser im Mund zusammen.
Sympathische Protagonisten, eine wunderschöne kleine Insel, Kniepsand unter den Füßen und raschelnder Strandhafer - alles zusammen vermittelt ein Wohlfühl- und Urlaubsfeeling, das ich beim Lesen sehr genossen habe.
Einfach schön!
Such mich! Wo bin ich? von Penners Bernd
Das große Buch „Edition Piepmatz“ aus dem Ravensburger Verlag mit kleinen Reimen von Bernd Penners und wunderschönen Illustrationen von Kathrin Wessel hat mein Enkel, als es ankam, sofort in Beschlag genommen. Alleine auf der Buchvorder- und Rückseite gibt es neben dem Eichhörnchen, das auf jeder Doppelseite zu finden ist, so viele Tiere der unterschiedlichsten Arten zu entdecken.
Auf sieben Doppelseiten finden wir im Park, auf der Wiese, im Garten, auf dem Bauernhof, im Teich, auf der Bergalm und im Wald so viele Tiere, die unser kleiner versucht mit Namen zu benennen. Es wird geschnattert, gegrunzt, gekeckert, gemuht, gebrummt, gequakt, gesummt und geblinzelt. Besonders haben es unserem Kleinen der Maulwurf und seine vielen Hügel angetan.
Die Altersangabe ab 2 Jahren kann man, wie in unserem Fall, bestimmt auf 18 Monate herabsetzen. Aber das kommt individuell auf jedes Kind an.
Ein wunderschönes großes Pappbilderbuch für unsere Allerkleinsten Leseratten und Entdecker.
„Der Staat tut alles…..
Rote Kreuze von Sasha Filipenko
… damit die Menschen die Grausamkeiten des Sowjetregimes vergessen, und unsere Aufgabe ist es, das nicht zuzulassen.“
Das sagt Autor Sasha Filipenko in einem Interview, das im Anschluss an seine Geschichte hier im Buch abgedruckt ist. Und allein wegen dieses Interviews mit seinen detaillierten Hintergrundinformationen ist es dieses Buch wert gelesen zu werden.
Über ein dickes rotes Kreuz an der Türe zu seiner neuen Wohnung lernen sich der 30-jährige Alexander, der in Minsk eine neues Leben beginnen will und die 91-jährige Tatjana Alexejwna sich kennen. Tatjana hat die Kreuze aufgemalt, damit sie, bei der erst kürzlich Alzheimer diagnostiziert worden ist, immer wieder, so lange sie noch gehen kann, nachhause findet. Nachdem sie Alexander fast schon in ihre Wohnung genötigt hat, hört er ihr zu, wie sie ihre Lebensgeschichte erzählt. Aber auch er hat es in seinem Leben bisher nicht leicht gehabt…
Die vielen Dialoge lassen die Geschichte trotz ihrer Tiefe und teilweisen Grausamkeiten leichter und lockerer erscheinen und die Seiten fliegen nur so dahin.
Die Einblicke in das sowjetische Regime und deren grausame Taten haben mich berührt und betroffen gemacht. Wieder einmal kam mir zu Bewusstsein, wie wenig ich eigentlich über die Zeit, die hier behandelt wird, weiß. Über Einiges, das ich hier gelesen habe, war ich einfach nur wütend und schockiert; an anderen Stellen war ich gefesselt von Tatjanas Erzählungen. Gerade was Frauen unverschuldet erdulden mussten. Ihre Kinder wurden ihnen abgenommen und in Heime verbracht, sie selbst in Lager gesteckt - einfach unvorstellbar.
Gerne hätte ich auch noch mehr über Alexanders Geschichte erfahren, dessen Leben bis hierher bestimmt ebenso spannend verlaufen ist.
Das Thema Alzheimer wird wie zufällig hier eingeflochten. Bevor Tatjana alles vergisst, erzählt sie ihre Geschichte gegen das Vergessen der sowjetischen Geschichte.
Die Freundschaft der Beiden, die im Klappentext so angepriesen wird, habe ich beim Lesen etwas anders erlebt. Für mich haben sich hier zwei Menschen gefunden, die in ihren verschiedenen Schicksalen zueinander finden und die sich vor allem austauschen. Aber dieser Austausch alleine hat mir schon sehr gut gefallen.
Ein sehr emotionaler, bewegender und auch spannender Roman mit kleinen amüsanten Sequenzen gegen das Vergessen. Ich habe das Buch mit kleinen Einschränkungen sehr gerne gelesen.










