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Rezensionen von gaby2707:
Die Liebe zur Kunst und zu den Frauen
Mach dir kein Bild von Thomas Michael Glaw
Henry de Rijk, Direktor der Münchner Alten Pinakothek, wird erstochen in seinen Besprechungsraum in der Neuen Pinakothek vor dem Bild der „ Frau mit dem roten Hut“ von Jan Vermeer gefunden. Wer hat den in der Kunstszene bekannten Mann, der dem weiblichen Geschlecht nicht abgeneigt war, so gehasst? Eine der drei Frauen, mit denen er in den letzten Tagen vor seinem Tod Kontakt hatte?
Kriminalrat Benedict Schönheit macht sich mit seinen Mitarbeitern Adil Uzman und Klaus Brunner auf die Suche nach Spuren und dem Täter.
Die Journalistin Martina Beinhauser, mit der er liiert ist, greift ihm dabei immer wieder mit Tipps unter die Arme.
Ich liebe es, in München, der Stadt, in der ich nun schon über 40 Jahre lebe, mit den ermittelnden Kommissaren auf Spurensuche zu gehen. Auch in diesem Fall habe ich es genossen mit Bene Schönheit zu Fuß oder mit dem Rad durch Schwabing zu streifen und immer genau zu wissen, wo ich mich gerade befinde.
Der Herr Kriminalrat erzählt den Fall an dem er hier arbeitet aus seiner Sicht in der Ich-Form. Anfangs war mir das etwas fremd. Genau so wie die vielen Dialoge. Ich habe mich aber schnell darauf einstellen können und finde es richtig gut, da ich das Gefühl bekam, dadurch immer direkt am Geschehen teilhaben zu können. Ich war einfach mehr „drin“.
Mit Benedict Schönheit als Ermittler bin ich nicht so richtig warm geworden. Bei ihm fehlen mir in verschiedenen Situationen die Emotionen. Die zeigt er nur, wenn er mit seiner Martina zusammen ist. Da war er mir auch als Mann richtig sympathisch. Die Verbindung mit ihr ist für beide Seiten eine win-win-Situation. Vor allem empfinde ich sie als patente Lebenspartnerin.
Auch von den anderen Personen, denen ich hier begegne, konnte ich mir schnell ein Bild machen und meine Sympathien vergeben.
Den Kriminalfall bzw. das Thema an sich fand ich sehr spannend, weil ich zwar Kunst sehr gerne anschaue, nach dem Motto „gefällt mir oder gefällt mir nicht“, aber ansonsten überhaupt keine Ahnung davon habe. Da habe ich hier doch das ein oder andere noch gelernt. Und auch eine kleine russisch-orthodoxe Kirche, die ich bisher noch nicht kenne, werde ich mir mal anschauen.
Alles in allem ein Krimi, der nicht durch hohe Spannung sondern eher durch die vielen Dialoge und die akribische Polizeiarbeit besticht. Das Thema „Kunst“ und „Ikonen“ hat mir sehr gut gefallen. Ich werde die niederländischen Meister, ihre Werke und auch Ikonen ab jetzt mit wacheren Augen sehen.
Ich freue mich schon auf den 4. Fall mit Kriminalrat Schönheit und seinem Team.
Münchens gruseligsten Seiten
Die gruseligsten Orte in München von Lutz Kreutzer; Uwe Gardein
Lutz Kreutzer erzählt von Una, Kian und Derek, die in Richtung Westen fliehen müssen. In ihrer Heimat nahe Salzburg ist ein Feuerball auf der Erde eingeschlagen und hat alles Leben, bis auf die wenigen Menschen, die sich ins Bergwerk flüchten konnten, vernichtet. Vielleicht sind sie auf ihrer Wanderung wirklich bis nach Perlach gekommen?
Oliver Pötzsch enttarnt mit seinen Figuren, der Hebamme Benedikta, dem Scharfrichter Meister Hans und dem Nachtwächter Wilfried in einer Neumondnacht eine Schmugglertruppe.
Anne Seidler will mit drei Freundinnen eine Bustour zum Brocken machen. Bis sie erfährt, dass dort, wo der heutige Busbahnhof liegt, früher Hexen verbrannt werden.
Ingeborg Struckmeyer berichtet von Barbara, die dort 1590 als Unholdin verbrannt wurde.
Durch Manuela Obermeier erfahre ich von Korbinian, dem Türmer mit Leib und Seele, und wie es kommt, dass bei St. Peter das Kreuz auf der Turmspitze von Nord nach Süd zeigt.
Als das Armesünderglöckerl in Iny Lorenz Geschichte nicht läutet, hatte ich schon gehofft, dass der arme Michael Huber noch mal davon kommt. Aber leider…
Nicole Neubauer entführt mich ins heutige Neuherberg. Bei den Trugbildern, die mir in der Herberge vorgegaukelt werden, bekomme ich beim Lesen Gänsehaut.
Mit Stefanie Gregg bin ich im Westpark unterwegs und begegne Goran, einem jungen Slowaken. Seine brutalen Gedanken und seine Tat erschrecken mich und ich bin gespannt, ob ich, wenn ich das nächste Mal dort spazieren gehe, an Goran denken werde.
Auch ich kannte die Legende bzw. der Fluch der Schwarzen Frau in der Residenz bis hierher nicht. Bei Angela Eßer´s Geschichte sieht man mal wieder, das man nur dran bleiben und zuhören muss.
Auch Uwe Gardein, Martin Arz, Leonhard Michael Seid und Werner Gerl steuern ihre Geschichten zu diesem Buch bei. Allesamt Schauergeschichten mit einem wahrscheinlich wahren Hintergrund aus den verschiedensten Zeitepochen. Und alles spielt hier bei uns in München.
Jeder Autor hat sich einer anderen Zeit angenommen und jeder hat seinen ganz individuellen Schreib- und Erzählstil. Zusammen ergeben die Geschichten einen wunderbaren Überblick über die schaurigen Plätze von einst und auch von heute.
Wer München´s finstere Seiten entdecken und sich mal richtig gruseln will, der ist hier genau richtig.
Ein wunderbarer Wohlfühlausflug nach Sylt
Ein Sommer auf Sylt von Lena Wolf
Architektin Julia Hirschfeldt hat vor Jahren den Kontakt zu ihren Eltern abgebrochen. Nun hat ihr Vater ihr das Ferienhaus auf Sylt vererbt. Zusammen mit ihrer Mutter und ihren beiden Tanten macht sie sich auf den Weg auf die Insel um dort den Verkauf des Anwesens voran zu treiben. Noch ahnt sie nicht, dass das Haus noch bewohnt ist und sie sich bald in einer ziemlichen Zwickmühle befinden wird.
Nachdem ich im vergangenen Jahr meinen Urlaub auf Sylt verbringen durfte und mich total in die Insel verliebt habe, musste ich dieses Buch unbedingt lesen.
Lena Wolf hat es geschafft, dass ich schon bei der Überfahrt auf dem Hindenburgdamm alle Bilder sofort wieder vor Augen hatte. Ich stehe mit Julia am Strand, lausche den Wellen und dem Rauschen des Strandhafers; rieche den Schlick und schmecke das Salz auf den Lippen. Die Beschreibungen der Insel treffen genau ins Schwarze und ich fühle mich so wohl in diesem Roman.
Die Personen habe ich fast alle direkt gemocht. Egal ob es die Bewohnerin des Ferienhauses Charlotte Engel ist, die beiden so unterschiedlichen Schwestern Christiane und Annegret oder der smarte Inhaber
der Weißen Villa Mats Christensen – alle haben sich ganz schnell im mein Herz geschlichen. Nur mit Mama Beate habe ich mich anfangs etwas schwer getan. Als sie sich dann ihr Herz erleichtert und mal wieder richtig mit ihrer Tochter gesprochen hat, hat sich meine Antipathie ihr gegenüber gelegt. Total unsympathisch von Anfang an war mir Jo, der Freund von Julia. Sein liebstes Wort „Ich“, seine liebste Beschäftigung nach seinem Job im eigenen Architekturbüro „Julias Geld aus dem Erbe ausgeben bzw. verplanen“ und „Pläne machen, ohne Julia darin einzubeziehen“. Was die sympathische junge Frau an dem gefunden hat, war für mich nicht nachvollziehbar.
Die Gespräche und Gefühle, von denen hier sehr viele im Spiel sind, werden richtig gut und ausführlich beschrieben. Julia hat es oft nicht leicht mit ihren im Dauerstreit liegenden Tanten. Und auch wenn die mal über die Stränge geschlagen haben, habe ich Julia bewundert, wie gleichmütig sie doch Vieles hinnimmt.
Nach und nach wir die Vergangenheit der drei Schwestern aufgearbeitet und es kommen viele Dinge aus der Vergangenheit ans Licht. Missverständnisse werden ausgeräumt, die auch Julia betreffen. Hier liest man mal wieder – man sollte viel mehr miteinander reden.
Ich mag es sehr, wenn in fiktiven Romanen immer auch aktuelle Themen angesprochen werden. Hier z.B die akute Wohnungsnot auf der Insel. Hier sind die Insulaner gezwungen auf dem Festland zu leben, da viele Spekulationsobjekte ihnen als Wohnraum nicht mehr zur Verfügung stehen.
Ich war für ein paar unterhaltsame Stunden sehr gerne im Austernfischerweg in Rantum und in der Weißen Villa. Habe mir den Wind um die Nase wehen lassen und bin mit Julia und Mats durch die Dünen gewandert.
Ein absolutes Wohlfühlbuch nicht nur für die Sommerzeit. Ich habe es auch im Winter gelesen und mich eingekuschelt in eine Decke nach Sylt entführen lassen.
Drei Frauen mit Blick in die Zukunft
Die Frauen vom Alexanderplatz von Elke Schneefuß
Vera, die Schneidermeistertochter, verliebt sich Hals über Kopf in den Matrosen Benno. Fritzi, seine Jugendliebe vom Land, mit der er die vierjährige Tochter hat, versucht ihn in den Wirren nach dem Krieg zu finden. Und Hanna, die Lazarettschwester aus gutem Haus, kehrt nach dem Krieg in die elterliche Fabrikanten-Villa nach Berlin-Dahlem zurück.
Drei sehr unterschiedliche Frauen 1918 in Berlin, deren Wege sich kreuzen und die sich sicher sind, dass sich ihre Träume im Positiven erfüllen werden.
Dezember 1918, das erste Weihnachtsfest nach dem Krieg. Es herrscht Armut, es gibt keine Arbeit und den heimkehrenden Soldaten geht es sehr schlecht. Im Gegensatz zum Winter hier im Moment ist Berlin 1918 tief verschneit.
In immer wieder zwischen den Frauen wechselnden Kapiteln lerne ich sie nach und nach kennen. Drei Frauen aus unterschiedlich sozialen Schichten, die verschiedener nicht sein könnten. Aber alle wollen das Gleiche: Ihren Traum nach Eigenständigkeit und den Wunsch ihr Leben nach eigenen Wünschen zu gestalten nun leben.
Vera, deren Vater im Krieg gestorben ist und die nun sich und ihre Mutter mehr schlecht als recht durchzubringen versucht, ist eine Kämpferin. Das Geld, das die kleine Schneiderei abwirft ist knapp und die Medikamente, die ihre Mutter benötigt, sind teuer. Sie lernt den Matrosen Benno kennen, verliebt sich sofort und versteckt ihn. Als ihr Bruder, dessen ganze Leidenschaft am Militär und den Freikorps hängt, aus den Kriegswirren zurückkehrt, muss sie sich wehren und gegen ihn stellen. Ihren Mut und ihre Courage habe ich sehr bewundert.
Fritzi, die sich aus ihrer Ostseeheimat nach Berlin aufmacht, wo sie sich erst mal zurechtfinden muss, sucht nach ihrem Benno um ihrer kleinen gemeinsamen Tochter Christel den Vater wiederzubringen. Der hat allerdings von einer Tochter keine Ahnung. In Berlin findet Fritzi Bennos Cousin. Sie möchte, dass alles so bleibt bzw. wieder so wird wie es einmal war.
Hanna, die Fabrikantentochter, die es schwer hatte, im Krieg als Hilfskrankenschwester anerkannt zu werden, soll nun verheiratet werden. Was ihren Plänen Medizin zu studieren und ihren Zielen, die so ganz anders aussehen, als es sich ihre Eltern vorstellen, absolut nicht entgegen kommt. Außerdem hat sie ihre große Liebe Cora schon gefunden. Sie hat sich sehr schnell in mein Herz geschlichen und für mich die sympathischste von den Dreien..
Mit „Die Frauen vom Alexanderplatz“ erzählt Elke Schneefuß die fesselnde Geschichte dreier Frauen, die alle nur ein Ziel haben: nach den schlimmen vergangenen Zeiten endlich glücklich zu werden und ihr Leben so zu gestalten, wie sie es wollen. Leider verändert sich das Frauenbild nur sehr langsam, was die Durchführung ihrer Pläne nicht ganz einfach macht. Aber Aufgeben ist keine Option.
Durch die bildhaften, detailgenauen und lebendigen Beschreibungen fühle ich mich recht schnell mittendrin in Berlin angekommen. Sehr gefühlvoll lerne ich die Träume und Gedanken der sehr individuellen, menschlichen Protagonistinnen kennen und verstehen. Ganz langsam verweben sich die Lebenswege der drei Frauen, was ich mit den Wendungen hier sehr gelungen dargestellt finde. Für mich ist alles sehr plausibel und nachvollziehbar dargestellt. Fragen blieben bei mir keine offen.
Auch die politische Lage in der Stadt und die gesellschaftlichen Umbrüche kann ich mir anhand der Beschreibungen sehr gut vorstellen. Die wichtigsten geschichtlichen Hintergrundinformationen werden locker und leicht in die Geschichte mit eingebunden.
Es hat Spaß gemacht, den Frauen in ihr neues Leben nach dem Krieg zu folgen. Dabei sein zu dürfen, wie sie sich ihre Träume erfüllen. Ich habe mit ihnen geweint und gelacht, mit ihnen gelitten und gehofft und mich immer mal wieder auch überraschen lassen.
Die vielen Erinnerungen meiner Oma, die die Wirren des 1. Weltkrieges als 16-jähriges Mädchen miterlebt hat und die sie an mich weitergegeben hat, hatten mich bewogen, dieses Buch zu lesen. Und ich habe es nicht bereut. Im Gegenteil.
Eine unterhaltsame Geschichte mit Höhen und Tiefen, die mich berührt hat und ich gerne weiter empfehle.
Die Liebe ist einfach nur schön – oder?
Liebeserklärungen von Kaminer Wladimir
Ich habe Herrn Kaminer auf der LitLove in München kennenlernen dürfen und bin seit dem von dem charismatischen Mann begeistert. Ich durfte ihm bei einer Lesung zuhören und war bei zwei Podiumsdiskussionen dabei. Es war so lustig, humorvoll und aus dem Leben gegriffen – einfach fantastisch. Ich habe noch Tage später schmunzeln müssen, wenn ich an die ein oder andere Episode, die er zum Besten gegeben hat, gedacht habe.
Also musste ich auch dieses Buch, sein neuestes, aus dem er vorgelesen hat, lesen.
Hier dreht sich alles um die Liebe:
Lea, die beste Freundin seiner Tochter, ist unsterblich in den jungen Peter Doherty verliebt. Während sich Wladimir Kaminer so seine Gedanken macht, wie eine solche Liebe überhaupt entstehen kann, muss sich Lea nach einem Konzert mit ihrem Star, bei dem sie unter Einsatz ihres Lebens seinen Hut ergattern konnte, fragen, woher die Kopfläuse plötzlich kommen.
Uwe ist in Gelsenkirchen in einem Hotel untergekommen. Seine Freundin Susanne überlegt, ihn dort mit einem Sprung aus dem Schrank zu überraschen. Was dabei schief läuft, könnt ihr hier lesen.
Der Autor schildert, wie seine Mutter ihre erste unglückliche Liebe überlebt.
In der Geschichte „Pinguine an der Ostsee“ erzählt er von seinem süddeutschen Freund Peter, den es als Hoteldirektor auf die Insel Rügen verschlagen hat. Genau diese Unfreundlichkeit der Bedienungen, die Maulfaulheit habe ich selbst vor drei Jahren dort erfahren müssen. Vielleicht war ich ja sogar im gleichen Hotel?
Andere Geschichten erzählen von einer Hebamme, die eine Katze in den Katzenhimmel massiert; von Andreas, der gleich nach der Schule ins Kloster will, dem die Mönche raten, erst seine Jungfräulichkeit zu verlieren; von Galina, die nur Dichter liebt und dann den perfekten Mann findet; vom Schlafwandeln; von Adam und Eva; von der Russischen Weihnacht; von der schönen Elena und von Frau Müller.
Er stellt, genau wie eine Statistik, fest, dass in Deutschland mehr Frauen einen Hund halten, als einen Mann besitzen. Sollte uns das zu denken geben? Was die Liebe mit den Walgesängen von Leopold oder einem Perückenmacher zu tun haben – das alles erklärt uns Wladimir Kaminer auf insgesamt 249 Seiten in seiner sehr humorvollen, aber auch nachdenklich-ernsten Art.
Ein tolles Buch über die Vielfalt der Liebe und eine Liebeserklärung an die Liebe.
Michael Tsokos hat einen neuen Fan
Liebeserklärungen von Kaminer Wladimir
Um Rechtsmediziner Paul Herzfeld nach seinen schrecklichen Erlebnissen der vergangenen Wochen etwas Ruhe zu gönnen, schickt ihn sein Chef von Kiel ins nicht weit entfernte Klinikum Itzehoe, wo er für eine kurze Zeit seinen verstorbenen Kollegen Dr. Jan Petersen ersetzen soll. Sehr schnell merkt Herzfeld, dass hier einiges im Argen ist.
Sein Jagdinstinkt ist geweckt. Er lässt nicht locker und seine Nachforschungen führen für ihn fast ins Verderben.
Ich muss gestehen, dass ich bisher aus der Feder von Michael Tsokos kein Buch gelesen habe. Und ohne meine Freundin, die meinte, das Buch müsse ich unbedingt lesen, wäre es wohl auch dabei geblieben.
Da ich „Abgeschlagen, den ersten True-Crime-Thriller aus der Paul Herzfeld Reihe noch nicht gelesen habe, war ich mir nicht sicher, ob ich der Handlung hier würde folgen können. Aber bis auf einige wenige Fragen, die sich mir zwischendurch gestellt haben, die aber für den Ablauf nicht relevant waren, hatte ich damit keine Schwierigkeiten.
Warum der Titel des Buches „Abgefackelt“ heißt, erschließt sich dem Leser bereits im Prolog. Hier lese ich von einem Mann, der regelrecht abgefackelt wird. Und schon ist die Spannung da und es geht temporeich weiter.
Kurze, manchmal extrem knappe Kapitel von max. 2 Seiten, oft werfen sie Fragen auf, was dazu führt, dass ich einerseits unbedingt weiter lesen wollte. Aber irgendwann war mir das dauernde hin und her springen zwischen den einzelnen Schauplätzen doch einfach zu viel. Zwar bin ich durch die Tages- und Zeitangaben und die einzelnen Personen immer genau im Bilde, wann ich wo bin. Trotzdem hat es mich dann hier und da genervt. Außerdem war für mich das zweite Drittel des Buches extrem langatmig zu lesen. Nix passiert, da habe ich mich sogar mal zwingen müssen, weiter zu lesen. Aber dann nimmt die Geschichte wieder richtig Fahrt auf und wird auch noch richtig spannend.
Sehr interessant finde ich die genauen Beschreibungen von Untersuchungen, Ergebnissen und Befunden. Da merkt man einfach, der Mann ist vom Fach, kennt sich bei Leichenbeschauen und Obduktionen aus und weiß, wovon er schreibt. Irgendwo hatte ich gelesen, dass das Buch bzw. manche Beschreibungen nichts für schwache Nerven sind. Das habe ich nicht so empfunden. Gut, es gibt hier und da schon sehr viel Blut. Aber da habe ich schon Schlimmeres gelesen.
Die Verschwörungstheorien finde ich ganz schön krass. Vor allem, weil ich mir vorstellen kann, dass es gerade in Sachen Erkrankungen durch Elektrosmog so Vieles gibt, das noch nicht erforscht ist bzw. die Forschung es nicht heraus gibt. Mir solche Horrorszenarien vorzustellen ist fast schlimmer als das Blut, das hier fließt.
Paul Herzfeld war mir von Anfang an sehr sympathisch. Sein einziger Fehler: er nimmt seine Arbeit wichtiger als Frau und Kind. Damit habe ich als Mama auch bei ihm ein Problem.
Unsympathisch sofort beim Kennenlernen auf seiner Party waren mir der Hausherr Helge Nommensen, seine Gäste 1. HK Thilo Evers und HK Denecke. Drei aufgeblasene ältere Herren, die aber in der Itzehoer Gesellschaft sehr angesehen sind. Mit denen war mir schnell klar, wohin mich die Reise führen wird. Was aber der Geschichte in meinen Augen nicht geschadet hat.
Alles in allem wird sehr strikt zwischen Gut und Böse unterschieden, was mir wieder etwas zu klischeehaft vorkommt.
Besonders gut gefallen hat mir das Nachwort von Michael Tsokos in dem er beschreibt, wie sich hier Fiktion und Wahrheit vermischen. Das war sehr interessant zu erfahren.
Der 2. Teil der True-Crime-Reihe hat mir bis auf einzelne Kritikpunkte gut gefallen. Ich werde nun Band 1 nachlesen und freue mich auf Band 3 und ein Wiederlesen mit Paul Herzfeld – und seinem Widersacher.
Stella, Maria und Otto Korritke in Höchstform
Sonne, Mord und Sterne von Lotte Minck
Der Astrologen-Kongress in Bochum ist nach 2 anstrengenden Tagen zu ende. Otto Korritke will die Astrologin Stella und ihre Oma Maria mit ihrem Zirkuswagen nachhause bringen. Nur wo ist der Schlüssel für´s große Remisentor? Auf der Suche danach stößt Stella auf eine Leiche. Marlene Silberstein, der strahlende Star der Szene, liegt erschlagen in Dessous und ihrem Blut am Badezimmerboden.
Daneben zerbrochen der „Saturn“, der Preis, den sie an diesem Abend überreicht bekam. Dann ist auch noch der Veranstalter des Kongresses Holger van Aalen verschwunden. Hat er die Frau, die nichts anbrennen ließ, auf dem Gewissen?
Hier zieht mich der Prolog schon mitten in die Geschichte hinein. Ich weiß nun schon, dass ein Mord geschehen ist, verfolge dann erst gespannt die beiden Tage bis es dazu kommt und lerne „die Tote“ näher kennen.
Und diese Zeit ist äußerst interessant. Was in dieser Zeit von den verschiedenen Teilnehmern der Messe an Stuss, den sie aber alle zu glauben scheinen, verbreitet wird, ist schon kolossal. Und was hier an schmutziger Wäsche gewaschen wird – unglaublich. Meist sind es Stella und Maria, die die Tatsachen, die sie eigentlich gar nicht wissen wollten, zufällig erfahren und zwar direkt aus erster Hand.
Marlene Silberstein (bei ihr muss ich aufpassen, dass ich nicht Silbereisen schreibe) ist eine Frau, die sich nimmt wen sie will und dadurch alles erreicht, was sie will, macht einen sehr unsympathischen Eindruck, der sich bei mir auch bis zum Schluss nicht verflüchtigt. Durch ihr Tun macht sie sich selten Freunde, was hier einen großen Täterkreis nach sich zieht. Egal ob Filibert Fröhlich, der Chef eines Esoterik-Senders oder die Auraleserin Sixta Sensualia, die, wenn sie die Beherrschung verliert in den breiten Ruhrpott-Slang zurück fällt. Diese Menschen sind immer für einen Schmunzler oder Lacher gut.
Stella Albrecht, ihre Mutter Felicitas, ihre Oma Maria, die sich „Madame Phythia“ nennt, deren Freund Otto Korritke, der neben Sixta und auch Marlene, den Ruhrpott-Slang in die Geschichte mit einbringt, sowie Hauptkommissar Arno Tillikowski, der hier mit der Esoterik-Szene überhaupt nichts anfangen kann, seinen Freund Journalist Ben Glaeser und die Hackerin Ruby, die aus den Tiefen des Internets wirklich alles heraus findet – sie alle kenne ich schon aus den vorangegangenen Büchern und freue mich immer wieder, wenn ich mehr von ihnen lesen darf. Es ist wie zurück kommen zu Freunden.
Die Mischung aus Krimi und Komödie ist auch diesmal wieder sehr gut gelungen und ich hatte einige sehr unterhaltsame Lesestunden. Für alle, die Krimi nicht ganz so ernst nehmen, ein absolutes Muss.
Mörderisches Familientreffen
Kalte Milch von Jutta Mehler
Hätte Fanni Rot sich nur gegen ihren Sprudel und ihre Kinder durchgesetzt und sie wären nicht zu dem von Ex-Mann Hans einberufenen Wohlfühl-Wochenende in den Bayerischen Wald gefahren. So sitzen sie nun hier mit der gesamten Familie und müssen auf die Polizei warten. Hat sich ihr Schwager wirklich, wie Kommissar Wieser vermutet, aus welchen Gründen auch immer, abgesetzt? Oder wurde er, wie Fanni und die Spuren vermuten lassen, ermordet? Als Fannis Enkelin Minna dann schwer verletzt in einem alten Schuppen gefunden wird, läuft Hobbyermittlerin Fanni Rot zur Höchstform auf.
Ich liebe die pfiffige Fanni Rot, die sich aus Überzeugung immer und überall einmischt, wo es um unklare Verhältnisse geht, und ihren besonnenen Mann Sprudel, der sie oft wieder auf den Boden zurückholt. Besonders die Emijicons, die bei fast jedem ihrer Gedanken in ihrem Kopf herum spuken und die oft kursiv dargestellt sind, finde ich super und hatte sie plötzlich auch immer gleich vor Augen.
Die Personen, die ich hier kennenlernen darf, sind alle sehr facettenreich, farbig und emotional dargestellt. Ein Bild von den meisten entsteht sehr schnell in meinem Kopf und ich bin mit ihnen auf der Suche nach einer Leiche, die es den Spuren nach gibt und nach einem Täter, bei dem ich lange nicht wusste, wie ich ihn mir vorzustellen hatte.
Diesmal haben es der Herr Kommissar, der sich sehr schnell festgelegt hatte, und Fanni nicht leicht. Der Täter ist schon ganz schön ausgebufft, führt alle an der Nase herum, legt dauernd neue falsche Spuren und ist den Ermittlern immer einen Schritt voraus. Ein Verdacht hier – eine Theorie dort – aber nichts Handfestes. Alle Gedanken laufen irgendwann ins Leere. Aber Fanni wäre nicht Fanni, wenn sie sich davon herabziehen lassen würde. Zum Schluss hat sie wieder mal den richtigen Riecher, der ihr diesmal fast zum Verhängnis geworden wäre.
Ein wunderbarer im nur wenig verschneiten Bayerischen Wald angesiedelter Regionalkrimi, der den Flair der Landschaft sehr gut transportiert. Eine spannende Tätersuche und eine mit ihren Emoijis konfrontierte Fanni Rot komplettieren einen Krimi, den ich gerne gelesen habe.
Ein wunderschön gestaltetes Kleinkinderbuch, nicht nur zum Einschlafen
Wenn kleine Kinder müde sind von Reider Katja
Mit „Wenn kleine Kinder müde sind“ haben Katja Reider und Katja Senner im Ravensburger Verlag ein wunderschönes Pappbilderbuch heraus gebracht.
Mein 18 Monate alter Enkel hat dieses kleine 20-seitige Büchlein aus der Serie „mini steps“ sofort ins Herz geschlossen. Das Cover mit den vielen kleinen Glitzerelementen zieht aber auch magisch an.
Wenn er hier bei uns ist und es heißt „Mittagschlaf“ ist der erste Gang zur Bücherkiste und dieses Buch wird raus geholt.
Mit seinen dicken robusten Seiten, die vieles umblättern und auch mal einen etwas raueren Gebrauch verzeihen und dem Guckloch auf der Coverseite empfinde ich das Buch als sehr hochwertig.
Die einzelnen Seiten zeigen die verschiedensten Einschlafrituale. Mal bei Papa auf dem Schoß, mal mit Schmusetuch oder ganz vielen Kuscheltieren, mal auf Mamas Rücken im Tragetuch oder beim Spazierengehen im Buggy. Es werden ganz alltägliche Situationen mit den unterschiedlichsten Menschen gezeigt.
Die kleinen Reime bestehen aus ein-, zwei- oder einmal vierzeiligen Sätzen, die unser Kleiner schon bald versucht hat, mit zu brabbeln.
Die einzelnen Bilder sind alle wunderschön farbenfroh und kindgerecht ausgearbeitet. Es gibt sehr viel und immer wieder Neues zu entdecken.
Ein wunderschönes kleines Buch, das nicht nur zum Schlafen gehen her genommen wird und an dem unser Kleiner bestimmt noch lange seine Freude haben wird.
Ein sehr interessantes und seit langem aktuelles Thema
Eisige Dornen von Jonas Moström
Mysteriöse Mordfälle erschüttern ganz Schweden. In den verschiedensten Städten quer durchs Land werden Leichen gefunden, die alle eine blau eingefärbte Rose auf der Brust liegen haben. Was haben diesen Menschen gemeinsam? Auf den ersten Blick gar nichts.
In diesem 4. Band um die sympathische Psychologin Nathalie Svensson, die immer wieder vom Zentralkriminalamt Stockholm angefordert wird, wenn es um operative Fallanalysen geht, haben es die Ermittler nicht leicht.
Ingemar Grandstam, Angelica Hübinette, Maria Sanchez, die neu zur Truppe gestoßen ist, Tim Walter und Johann Axberg, der aus seiner Elternzeit geholt wird, ermitteln in alle Richtungen. Viele Ermittlungsansätze laufen in falsche Richtungen bzw. verlaufen im Sande. Aber auf was Nathalie Svensson dann stößt, das hat mich sprachlos gemacht. Damit habe ich gar nicht gerechnet.
Für mich ist es der erste Krimi, den ich von Jonas Moström lese. Aber ich hatte nie das Gefühl, dass mir irgendwelche Informationen zu den Protagonisten fehlen. Da mir der Erzählstil des Autors und die Personen recht gut gefallen, habe ich mir vorgenommen, mich auch den ersten drei Büchern des Autors noch zu widmen.
Ich hätte nicht gedacht, dass die über 500 Seiten des Buch so schnell durch meine Finger rinnen würden. Aber auch wenn sich die Ermittlungen hinziehen, die Spannung ist und bleibt hoch und ich wollte einfach wissen, wie sich das alles auflöst und wie sich die verschiedensten Fäden schlussendlich verbinden bzw. was die Gemeinsamkeit der vielen Todesopfer ist. Die Cliffhanger sind so gut gesetzt, dass sie die Spannung stetig noch weiter erhöhen.
Zu dem Hauptthema, den verschiedenen Todesfällen, sind auch einige Nebenhandlungen eingebaut. Da geht es um Drogenhandel, um Fußballtransfers und um Prostitution. Aber alles passt irgendwie zur Gesamtgeschichte, lockt mich nur immer wieder auf falsche Fährten.
Die Rückblenden, die hier und da einfließen, haben sich erst ganz zum Schluss in mein Bild eingefügt und alles noch schlüssiger gemacht.
Ein sehr interessantes Thema, über das sich sehr gut diskutieren lässt und zu dem bestimmt Jeder seine eigene Meinung hat oder haben wird. Spannungsgeladen ab der ersten Seite, alles nachvollziehbar aufgeschlüsselt. Einfach ein sehr guter, mit einigen unerwarteten Wendungen aufwartender Krimi.










