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Rezensionen von gaby2707:
Wenn eine Tür sich schließt, geht eine andere auf
Pandatage von Gould-Bourn James
Danny Malooley, 28, lerne ich mit 4 Jahren kennen, als er entdeckt, dass man Seife mit Zitrusduft nicht essen kann. Mit 12 fällt er beim Versuch eine Katze zu retten vom Ahornbaum. Mit 18 wird er Vater des kleinen Will. Und mit 27 verliert er seine Frau Liz bei einem Autounfall. Will, der mit im Auto saß, spricht seit diesem Tag nicht mehr.
Man meint vielleicht, es kann nicht schlimmer kommen. Doch, es kann. Am Tag, als sein Vermieter Reg seine Mietschulden einfordert, verliert er auf dem Bau auch noch seine Stelle als Aushilfsarbeiter. Als ungelernter Hilfsarbeiter bekommt er keinen neuen Job. Als er an einem Kostümverleih vorbei kommt, wächst in ihm eine ganz ungeheuerliche Idee…
Ich mag Danny Malooley, der einen so hoffnungslosen und hilfsbedürftigen Eindruck macht, ab der ersten Seite. Es liest sich so berührend, wenn er aufschreibt, was er alles NICHT kann – und die Liste ist lang. Aber er gibt nicht auf. Zur Arbeitslosigkeit kommen nun auch noch seine Mietschulden. Wenn er die nicht bezahlt, macht vielleicht der Handlanger seines Vermieters seine Ankündigung ihm die Knochen zu brechen war. Aber immer wieder hat Danny auch Menschen an seiner Seite, die zu ihm stehen, die ihm wieder auf die Beine helfen. Zum Beispiel die Tänzerin Krystal, die ihm das Tanzen beibringen will. Oder Ivan, dem er einmal das Leben gerettet hat.
Und da ist ja auch noch Will, sein 11-jähriger Sohn, der seit dem Unfall nicht mehr spricht und in der Schule gemobbt wird. Für ihn war seine Mama Alles.
„Danny füllt die Lücke mit Arbeit, Will mit Schweigen.“
Außer mit Danny und Will wartet dieser Roman mit einer ganzen Reihe von Nebendarstellern auf, die mir trotz der Traurigkeit, die sich durch das ganze Buch zieht, immer wieder ein Lächeln ins Gesicht zaubern. Ich liebe es im Park zu sitzen und all die Künstler zu beobachten, die Danny hier kennenlernt. Und Will lernt hier den Panda kennen. Aber auch ein Lehrer von Will, der es mit einer Leichtigkeit schafft, sich das Vertrauen und den Respekt der Schüler zu sichern und der immer die richtigen Worte findet, gefällt mir richtig gut.
Eine wunderschöne Geschichte mit tragischen und Mut machenden Menschen, über Freundschaft und Zusammenhalt, über Mobbing und den Mut etwas nicht Alltägliches zu wagen. Eine Vater-Sohn-Geschichte, deren Ausgang vorhersehbar ist, was mich allerdings überhaupt nicht gestört hat. Auf dem Weg dorthin hatte ich traurige und vergnügliche Lesestunden, die ich sehr genossen habe.
Schubladendenken
Dunkelspiel von Leonie Haubrich
Ein Jahr war Alina „Nina“ Kolodziej mit ihrer Tochter Anna im Wohnwagen unterwegs. Nun kehrt sie in das Haus zurück, das sie für sich und ihren Freund Christoph gekauft hat. Hier wollen sie zusammen leben und arbeiten. In einem Baumarkt lernt sie, als sie Regale für ihr neues Büro sucht, Uwe Pohl kennen.
Einen Nachbarn, der sich kümmert und immer da ist, wenn sie ihn braucht – im Gegensatz zu Christoph. Auch ein Mann, den sie nicht mehr in ihr Leben lassen wollte, taucht wieder auf – ihr Mann Lars, von dem sie sich nun endlich scheiden lassen will.
Friederike Wohlfahrt hatte lange Jahre einen Brief- später auch persönlichen Kontakt zu dem einsitzenden Mörder Pierre Gronau. Nun ist Pierre frei, hat es sich in ihrem Haus eingenistet und hängt nur noch mit seinem Freund Uwe ab. So hatte sich Friederike ihr Zusammenleben nicht vorgestellt. Nach dem Mord an ihrer Freundin Sonja gerät ihr Leben so aus dem Gleichgewicht, dass sie Hilfe bei Nina sucht. Beide Frauen ahnen nicht, wie sehr ihre Leben ab nun zusammenhängen.
Dies ist nun schon der achte Psychothriller, den ich von Leonie Haubrich lese und immer noch bin ich von ihrer Schreib- und Erzählweise begeistert. Die Spannung steigt schon ab der ersten Seite, wobei ich die ganze Zeit gewartet habe, wo in der Geschichte der Prolog sich einfügt bzw. wo er mich hin führt. Ich habe lange warten müssen bis sich das mit einem „ahhh“auflöst.
Es sind doch einige Protagonisten, die sich hier vorstellen. Aber dadurch, dass sie schnell alle miteinander bekannt werden, hatte ich keine Probleme sie zuzuordnen.
Was hier sehr gut zum tragen kommt, ist das Schubladendenken, von dem auch ich mich nicht freimachen konnte. Bleibt ein Mörder immer ein Mörder? Kann sich der Mensch so grundlegend ändern? Wer ist hier der Gute, wer der Böse?
Im Nachhinein beneide ich weder Nina noch Friederike um ihre Männerbekanntschaften. Aber es ist halt auch nicht einfach gleich zu Anfang hinter die Fassaden zu blicken. Ich jedenfalls bin froh, dass sich alles zum Schluss nachvollziehbar aufgelöst hat und die Frauen mit einem Schrecken davon gekommen sind.
Es war wieder sehr spannend in die Köpfe der hier Handelnden schauen und deren Gedanken verfolgen zu können.
Wieder spannende und gut konstruierte Unterhaltung, die ich gerne weiter empfehle und die von mir die volle Punktzahl von 5 Sterne bekommt.
Wenn eine Tür sich schließt, geht eine andere auf
Berge, Ziegen und andere Schwierigkeiten von Sabine Buxbaum
Nachdem ihre Hochzeit mit ihrem Freund Stefan geplatzt ist, flieht die junge Internistin Lena Schweiger von Wien in den kleinen Ort Feldbach zwischen Ischgl und Galltür ins Paznauntal in Tirol. Hier hat sie von ihrer Großmutter einen Bergbauernhof geerbt, den sie renovieren und verkaufen will. Im Ort übernimmt sie die Hausarztpraxis von Dr.
Marte, der sich krankheitsbedingt langsam aus seinem Beruf zurückziehen will. Schon nach den ersten Tagen und den ersten grantelnden Patienten überlegt Lena, ob sie nicht doch besser zurück nach Wien geht. Doch Bauer Michael, vom Nachbarhof den sie schon als Kind gemocht hat, wenn sie Ferien bei ihrer Oma gemacht hat, geht ihr nicht mehr aus dem Kopf…
Die Tage, die ich hier in Feldbach und auf dem Bergbauernhof von Lena verbringen durfte, war wie eine kleine Auszeit. Wunderschöne Landschaftsbeschreibungen machen richtig Lust auf dieses Fleckchen Erde. Hier gibt es sie noch, die blühenden Blumenwiesen und die klaren Gebirgsbäche.
Auch die Menschen hier sind von einem eigenen Schlag. Aber Lena hat eine so sympathische und einnehmende Art, dass es ihr auch dem dem größten Griesgram gelingt, ihn für sich einzunehmen.
Überhaupt mag ich die meisten Menschen, denen ich hier begegne, mit ihrer geradlinigen und ehrlichen Art. Gut, einen Hotelier, den ich kennenlerne, zähle ich nicht dazu. Neben den Hauptprotagonisten Lena und Michael habe ich besonders Arzthelferin Berta ins Herz geschlossen. Den Wandel, den sie hier durchmacht, fand ich sehr schön.
Sabine Buxbaum erzählt die Geschichte von Lena und ihrem Bergbauernhof mit den Ziegen, den Hühnern und Kater Lauser in einer leichten, sehr bildhaften Sprache. Die Bilder hatte ich beim Lesen immer vor Augen und habe mich gut in diese wunderschöne kleine Welt hinein träumen können.
Eine kleine Liebesgeschichte mit wunderbaren Menschen vor der traumhaft schönen Kulisse des Paznauntales, die mir unterhaltsame Lesestunden geschenkt haben.
Ein guter Auftakt zu einer neuen Reihe
Mitten im August von Luca Ventura
Im Meer vor dem Strand von Punta Carena im Südwesten der italienischen Insel Capri treibt ein Ruderboot mit einem jungen Mann. Er weist mehrere Stichverletzungen auf, die zum Tod geführt haben. Der Tote, Jack Milani, Sohn reicher Eltern mit einem Ferienhaus auf Capri, wohnte hier mit seiner Freundin Sofia.
Nun ist Jack tot und Sofia ist verschwunden. Ist sie ebenfalls einem Verbrechen zum opfer gefallen?
Für den Inselpolizisten Enrico Rizzi ist es der erste Mordfall auf der kleinen Insel. Zusammen mit seiner neuen Kollegin Antonia Cirillo geht er auf Spuren- und Mördersuche.
Capri, eine meiner Sehnsuchtsinseln. Ich habe es genossen, mit Rizzi und Antonia auf der Insel und in Neapel unterwegs zu sein. Wunderschöne Landschaftsbeschreibungen, ein so leichtes und unkompliziertes Lebensgefühl, das man auf jeder Seite spürt und Ermittler, die sofort meine Sympathie errungen haben. Dazu ein Kriminalfall, der mit vielen Verdächtigen und einigen Wendungen aufwartet.
Es ist ein eher leiser, sanften oder ruhiger Krimi, was vielleicht auch an der Entspanntheit seiner Protagonisten liegt. Auf der Insel geht alles ein paar Schritte bedächtiger vor sich. Außer, wenn ich nach Neapel komme. Da ist Hektik vorprogrammiert und die Kommissare von einer ganz anderen Art, über die ich mich nur aufregen kann. Wie ich das meine? Das lest bitte alle selbst.
Ich kann sehr gut mit ermitteln und fiebere mit, wenn sich wieder ein neuer Verdacht auftut. Doch meist laufen die Ermittlungen ins Leere, lassen sich nicht bestätigen. Sehr gut gefallen haben mir auch die Cliffhanger, die mich derart zum weiterlesen animiert haben, dass es nicht lange gedauert hat, bis der Lesestoff schon wieder aus und der Täter endlich dingfest gemacht war.
In diesem Krimi geht es neben dem eigentlichen Kriminalfall auch um den Umweltschutz, um die Verschmutzung der Meere mit CO². Diesem Thema widmen sich Jack Milan und seine Freundin Sofia. Bei der Vermeidung von Pestiziden bei der Weinlese beweist Enrico Rizzi seinem Vater, dass Marienkäferlarven die Blattläuse besser bekämpfen bzw. vertilgen können als Brennnesselsud.
Sehr schön gestaltet finde die Klappeninnenseiten. In der Vorderseite bekomme ich eine Ansicht der Insel Capri mit ihren Sehenswürdigkeiten. In der hinteren Klappe zeigt mir die kleine Insel, wo genau sie in Italien liegt.
Mir der hat Auftakt zu dieser Capri-Krimi-Reihe gut gefallen. Ich würde mich freuen, bald von der Weiterentwicklung der Protagonisten und einem neuen Fall lesen zu dürfen.
Ein Sommer wie ein Rausch
Die 12 Leidensstationen nach Pasing von Wimmer Stefan
München-Pasing im Sommer 1985. Stefan und seine Freunde Richard Deibel, Roderick Thorwald und Meindorff sind die Kajal-Clique und auf der Suche nach den 3 P = Party, Petting und Punkmusik. Am Kiosk von Hanni und Roman bekommen auch 15-jährige Zigaretten (geraucht wurde MS blue und Nils ohne Filter), Paulaner Urtyp, Weißbier und Sechsämtertropfen.
Aber vor allem gieren sie nach dem „ersten Mal“.
Stefan Wimmer erzählt aus seinen Erfahrungen, die er, der 15-jährige Gymnasiast der 10. Klasse des humanistischen Karlsgymnasiums im Pasing des Sommers 1985 gesammelt hat in der Ich-Form.
In vielen kleinen Geschichten begleite ich ihn in den Stadtpark, in verschiedene Kneipen und Eiscafees, die es heute alle nicht mehr gibt. Begleite ihn und seine Freunde auf Partys mit Musik, die damals absolut nicht meins war. Bin dabei wenn sie im Elektro-Markt auf Diebestour nach Schallplatten gehen, die Deibel sogar auf Bestellung beschafft. Ich sitze mit ihm und seinen Freunden hinter einer Telefonzelle, die man heute, wenn überhaupt, nur noch als Dekorationselement kennt, und höre den Prolls vor´m Pasinger Bahnhof beim Lamentieren zu. Ich sitze mit ihm im Klassenzimmer und kann so gut mit ihm fühlen, wenn sein Lehrer mal wieder nicht seiner Meinung ist. Und er erzählt, wie er nach langem beschwerlichem Weg endlich seine Unschuld verliert.
Der Autor nimmt mich mit auf eine Zeitreise in ein Pasing, in dem sich bis heute so Vieles verändert hat. Einiges, was er beschreibt, kenne ich noch aus der Zeit, als ich noch im Westend gewohnt habe. Ich habe oft schmunzeln müssen, weil die Gedanken, die dem 15-jährigen durch den Kopf gehen, in dem Alter auch meine waren. An manchen Stellen habe ich herzhaft lachen müssen. Meine Mundwinkel waren beim Lesen oft nach oben gezogen. Stefan Wimmer versteht es, den Leser mitzunehmen, hinein in eine so andere Welt. Die Welt eines Jugendlichen, die fasziniert und die heute, 35 Jahre später, irgendwie unwirklich erscheinend.
Der müncherische Sprachgebrauch blitzt immer wieder hervor, lässt sich aber sehr gut auch für Nichtbayern lesen, braucht fast keine Übersetzung.
Bei diesem Buch habe ich es sehr bedauert, als der Schluss dann viel zu schnell da war. Ich wäre der Kajal-Clique noch ewig gefolgt.
Erschreckender Rückblick
Der Himmel so rot von Marion Feldhausen
Peter Schmickler ist mit seiner Sonde am Duisburger Kaiserberg in der Nähe der Denkmalwiese unterwegs, als er bei einem Ausschlag menschliche Knochen und eine Kette findet. Wer ist diese Frau und wo kommt sie her. Hauptkommissarin Sofia Barucci versucht zusammen mit ihren Kollegen Licht ins Dunkel zu bringen und stößt bald auf Verbindungen, die nach Norditalien zeigen.
Aber irgendjemand ist den Kommissaren immer einen schritt voraus und unternimmt alles, um die Ermittlungen zu boykottieren. Aber warum? Was steckt dahinter?
Mit ihren Büchern „Friedensengel“ und „Himmelskinder“ hat Marion Feldhausen schon einen bleibenden Eindruck bei mir hinterlassen. Daher war es für mich ein Muss, auch dieses Buch zu lesen. Und ich wurde nicht enttäuscht. Ganz im Gegenteil.
Mit ihrem einerseits leichten und lockeren, auf der anderen Seite sehr eindringlichen und zum Nachdenken anregenden Schreibstil, der die Spannung immer weiter anheizt, hat mich die Autorin sehr schnell gefangen und in die Geschichte hinein gezogen. Es passiert so viel und ich muss aufpassen, dass ich nicht wichtige Details verpasse. Vor allem die Dialoge, die manchmal sogar witzigen Gespräche geben dem eher spröden Ermittleralltag eine gewisse Leichtigkeit.
Hauptkommissarin Sofia Barucci mit ihren italienischen Wurzeln, Oberkommissar Paul Scholten und vor allem Herma, die gute Seele des Kommissariats habe ich schnell ins Herz geschlossen. Staatsanwalt und Freund von Sofia Roland Hecht dagegen muss noch einiges tun, um sich meine Sympathien zu sichern.
Geschickt verbindet die Autorin geschichtliche Fakten mit Fiktivem und gibt mir immer wieder Anlass meine Gedanken zu dem Fall zu überdenken. Obwohl ich ziemlich schnell eine Idee hatte, wer hier für einigen Wirbel sorgen würde, hat es sehr lange gedauert, bis ich die endgültige Gewissheit dazu hatte
Als dann die Sprache in Einblendungen auf Geschehnisse vom August 1944 in dem kleinen Bergdorf Santa Maria in Norditalien kommt, habe ich hier und da schlucken müssen. Es ist mir einfach unverständlich, wie Menschen sich solche Grausamkeiten einfallen lassen können. Und anschließend weiterleben, als wäre nichts geschehen. Bzw. auch noch so tun, als wäre das zu dieser Zeit „normal“ gewesen.
Die Schlussszene dagegen finde ich einfach nur wunderschön und hat mich mit der Geschichte ausgesöhnt.
Ein fesselnder Roman voller Lebendigkeit, voller Emotionen, voller Dramatik, der mich für einige Stunden sehr gut unterhalten, aber auch fassungslos gemacht hat. Ein Roman, über den ich bestimmt auch immer wieder nachdenken werde.
Wie Oma Käthe zur Dancing-Queen-Mum wird
Nur Rudi tanzte schräger von Dany R. Wood
Dorfsheriff Jupp Backes ist verzweifelt: Er würde so gerne einen Töpferkurs machen, aber seine Frau Inge schleppt ihn zu einem Tango Kurs. Von dem sie auch nicht ablässt, als ihre Zehen immer blauer werden. Inge und Oma Käthe, die mit ihrem Nachbarn Karl-Heinz an diesem Kurs teilnimmt, lieben den Hüften schwingenden Latino.
Als Julio Santos, der eben noch lautstarke Anweisungen zur Schrittfolge gegeben hat, abends am Fuß der Kellertreppe seines Vermieters liegt, ist Jupp schnell klar, dass er bestimmt nicht über seine Füße rückwärts die steile Treppe runter gestürzt ist. Zusammen mit seiner Frau als Assistentin und Oma Käthe als weitere Unterstützung gehen die Backes´ auf Tätersuche.
Der leichte und lockere Schreibstil von Dany Wood strapaziert auch diesmal nicht nur die Gehirnzellen bei der Ermittlungsarbeit sondern auch ganz besonders wieder die Lachmuskeln. Meine Mundwinkel waren beim Lesen durchgängig nach oben gezogen. Die Dialoge zwischen Inge und Jupp, die Kommentare von Oma Käthe, die Szenen im Tanzkeller und die Problemchen von Müllersch Marianne, die jedes mal der Dorfpolizist Josef Backes lösen muss, sind so köstlich. Mein Kopfkino ist an der ersten Seite angesprungen und hat im Dauereinsatz Bilder produziert. Naja, auf das ein oder andere hätte ich auch verzichten können. Aber welche Gedanken man sich zu einzelnen Szenen macht, ist ja jedem selbst überlassen.
Die Mitwirkenden in dieser Geschichte sind so lebendig und menschlich beschrieben. Sie könnten meine Nachbarn sein, auch wenn manch einer von ihnen doch etwas schräg ist. Ihre Gesichter hatte ich sehr schnell im Kopf.
Im Zuge der Ermittlungen war ich mir mehr als einmal sicher den Täter entlarvt zu haben. Aber Pustekuchen – bis kurz vor Schluss habe ich mich immer wieder auf falsche Fährten hetzen lassen. Und obwohl ich einen kurzen Moment dem Täter sehr nahe war, war ich doch überrascht und auch schockiert, als Jupp den Täter dann an das LKA übergeben hat.
Die eingestreuten saarländischen Begriffe, die sich zumeist selbst erklären, geben dem Dorfkrimi aus Hirschweiler den lebendigen lokalen Anstrich. Ein Saar-ABC erklärt aber im Anschluss an die Geschichte de wichtigsten saarländischen Ausdrücke.
Wer Ermittlungen in dörflicher Atmosphäre mag, wer ohne viel Blutvergießen in einem Krimi auskommt und wer vor allem humorige Einlagen und spaßige Unterhaltung bei einem Krimi liebt, der ist hier genau richtig. Das Leben außerhalb von Hirschweiler ist ernst genug.
Ich habe Jupp wieder sehr gerne beim ermitteln und hier beim tanzen über die Schulter geschaut. Und ich freue mich schon auf das nächste Mal, wenn ich mit Jupp, Inge und Oma Käthe auf Mördersuche gehen darf.
Einfach unfassbar
Die Hölle war der Preis von Hera Lind
Nachdem ihre gute Freundin Eileen 1973 in den Westen „rüber gemacht“ ist, wissen Gesa Stein und ihr Mann Ed, sie wollen auch nicht länger in diesem Land ohne Meinungsfreiheit, ohne Reisefreiheit, unter Dauerbespitzelung leben. Sie wollen die Flucht wagen. Was leider schief geht. Gesa und Ed landen im Stasi-Gefängnis Berlin-Pankow…
Hera Lind erzählt hier eine Geschichte, die ganz nahe an der Realität liegt.
Gesa Stein hat ihr ihre Erinnerungen zur Verfügung gestellt. Herausgekommen ist ein Roman, den ich zwischendurch immer mal wieder zur Seite legen musste, um die Grausamkeiten, von denen hier berichtet wird, zu verarbeiten.
Gesas Lebensgeschichte beginnt in Rückblicken auf ihre Kindheit und Jugend, die sich sehr gut in die Gesamtgeschichte einpassen. Hier erklärt sich, warum sie zusammen mit ihrem Ehemann Ed unbedingt aus den Fängen dieses Regimes raus wollte. Als sie nach langen Entbehrungen endlich am Zenit ihrer Karriere als Tänzerin angekommen ist, wird sie genau so schnell zurückgeholt auf den Boden, um nur noch als Näherin von Ballettschuhen arbeiten zu können. Aber ihr Leben ist der Tanz und dort will sie wieder hin. Und zwar in der BRD.
Dieser Traum endet am 31.1.1974 am Kontrollpunkt Marienborn. Über das Stasi-Gefängnis Berlin-Pankow geht es zum Frauengefängnis Hoheneck, dann zum Stasi-Abschiebegefängnis Kaßberg. Am 11.8.1976 kommt sie zusammen mit ihrem Mann im Aufnahmelager Gießen an.
Klar, man hat immer mal wieder gehört, dass so ein Gefängnisaufenthalt kein Zuckerschlecken war. Aber es hier von einer Inhaftierten zu lesen, die dieses Martyrium zweieinhalb Jahre lang ertragen hat, das ist schon sehr krass. Es ist kaum zu glauben, zu welchen Gräueltaten, zu welchen Erniedrigungen die Wärter und Wärterinnen imstande waren. Und es ist unglaublich, zu lesen, was ein Mensch alles zu erdulden und zu erleiden imstande ist. Oft habe ich gedacht, dass es Gesa sehr zugute gekommen ist, dass sie bei ihrer Ausbildung zur Primaballerina immer wieder einen Satz ihrer Trainerin im Ohr hatte: „Hinter zusammenkneifen und durch“. Das hat sie durch manch schwer Situation gebracht, einiges leichter ertragen lassen. Andererseits ist es schön zu lesen, wie die kleinste Kleinigkeit Freude bereiten und Zuversicht erzeugen kann. Sie lernt hier sehr schnell mit dem Allerwenigsten zurecht zu kommen und zu überleben.
Ein fesselnder Roman, der mich noch mehr bewegt und erschüttert hat, weil ich immer vor Augen hatte, dass es sich um die Realität einer Frau in der DDR gehandelt hat. Ein Buch, das bei mir noch lange nachwirken wird.
Spannend, interessant und sehr abwechslungsreich
Inselaffäre von Anja Eichbaum
Inselpolizist und Dienststellenleiter Martin Ziegler will eigentlich nur in Ruhe die Hochzeit von Daniela Rick und Frank Prinzen feiern, bei der er als Trauzeuge agiert. Aber an diesem Wochenende geht Norderney so einiges schief. Die Braut versackt bei ihrem Junggesellinnenabschied so derart, dass sie um ihre Hochzeit fürchtet.
In einem der Schrebergärten hängt ein Mann kopfüber tot in einer Regentonne. Beim Treffen der Cosplayer in ihren Mangakostümen wird nach einem Fotoshooting eine junge Frau tot am Strand gefunden, ihre Mutter liegt tot in ihrem kleinen Haus und die Schwägerin des Toten aus dem Regenfass begeht Suizid. Da wissen Martin Ziegler, seine Norderneyer Kollegen und Renate Lichterfeld von der Mordkommission Aurich nicht mehr wo ihnen der Kopf steht. Aber Hochzeit will auch noch gefeiert werden.
Dies ist schon der dritte Krimi von Anja Eichbaum und für mich das erste Buch, das ich von ihr lese. Ich hatte beim Lesen nicht den Eindruck, dass mir irgendwelche Fakten fehlen würden, weil ich die ersten beiden Bücher nicht kenne.
Ich war schnell in der Geschichte drin, die aus vielen einzelnen Schauplätzen besteht und die Anja Eichbaum gekonnt zu einem spannenden Krimi verwoben hat. Da ist nichts mehr mit Ruhe auf der kleinen Nordseeinsel.
Gut finde ich das Personenregister am Anfang des Buches. Da habe ich ab und zu mal gespitzt, wer wer ist, da es doch sehr viele Menschen sind, denen ich hier begegne.
Mir haben die in ihrem Wesen, ihrem Verhalten und ihren Persönlichkeiten sehr unterschiedlichen Personen, die hier agieren, sehr gut gefallen. Die meisten sind so detailliert, menschlich und echt beschrieben, dass ich sie mir habe gut vorstellen können. Auch die unterschiedlichen Lebensformen oder Lebensbereiche, die hier aufgezeichnet sind, haben mir sehr gut gefallen. Alles zusammen ergibt ein gelungenes Gesamtwerk, bei dem ich mich sehr gut unterhalten gefühlt habe.
Es hat eine Weile gedauert, bis ich die verschiedenen Todesfälle in die richtige Reihenfolge und dem richtigen Geschehen zugeordnet habe. Es war ganz schön viel für so ein kurzes Wochenende. Aber zum Schluss war ich mit den verschiedenen Auflösungen sehr zufrieden und konnte alles gut nachvollziehen.
Durch die Augen von Anne Wagner, der Freundin von Martin Ziegler, und den Beschreibungen von Anja Eichbaum, der Autorin, lerne ich die Nordseeinsel mit ihren vielen Sehenswürdigkeiten und der wunderschönen Natur sehr gut kennen. Da bekomme ich gleich Lust Norderney selbst kennenzulernen. Aus den Beschreibungen merke ich, wie verbunden sich Anja Eichbaum mit dieser Insel fühlt und es schafft, mich daran teilhaben zu lassen.
Diesen spannenden, sehr interessanten Krimi, der mich zu den verschiedensten Auffindeplätzen mitgenommen hat, empfehle ich sehr gerne weiter und vergebe 5 von 5 Sternen.
Witzig, spannend und lehrreich
Das Eichhörnchen mit Höhenangst von Knut Volquardsen
Zusammen mit Ronny, dem kleinen Eichhörnchen lerne ich das Leben im Wald bzw. in einer Eiche und einer Rotbuche kennen.
Mit seiner Mama, seiner Schwester und seinem Bruder lebt der kleine Ronny in einem in einem warmen Nest, dem Kobel, in einer hohen Eiche im Wald. Seine Geschwister turnen schon auf den Ästen und Zweigen herum und erkunden die Welt um sich herum.
Nur Ronny, der Jüngste der drei Eichhörnchenkinder, liegt weiter in seinem warmen Nest und genießt es, dass Mama ihn weiter füttert. Als er dann endlich ausziehen will, bemerkt er, dass er Höhenangst hat. Höhenangst – bei einem Eichhörnchen – das geht ja gar nicht. Doch Ronny tut alles dafür, sie zu überwinden. Ob und wie er das schafft, müsst ihr schon selbst lesen.
In 12 kleinen Geschichten lesen wir von Ronnys Abenteuern im Wald, wie er sich ein eigenes Zuhause sucht und plötzlich seine Mama seine Hilfe braucht.
Es ist ein wunderschönes kleines Buch zum Vorlesen, z.B. als Gute-Nacht-Geschichten an 12 Abenden hintereinander. Ältere Kinder und Leseanfänger werden es auch selbst lesen wollen.
Sehr ausführlich, bildlich und spannend beschreibt Knut Volquardsen, wie der kleine Ronny trotz seiner Behinderung nach und nach die Rotbuche und die Eiche für sich erobert und mit Grauhörnchen, Habicht, Fuchs und Eule fertig wird. Die anfänglichen Ängste des kleinen Kerlchens kommen sehr gut hervor, aber auch, wie er damit umgeht. Und er findet für alles eine Lösung.
Sehr gut gefällt mir, dass auch Wissenswertes über die Eichhörnchen und den Wald geschickt in die Geschichte eingebaut werden. So lernen die Kinder nicht nur, dass man seine Ängste überwinden kann, wenn man nur den festen Willen dazu hat. Sondern bekommen auch noch einen tieferen Einblick in die Geschehnisse des Waldes.
Ein ganz kleiner Minuspunkt, der sich aber nicht in der Bewertung niederschlägt: Mir hätte es noch besser gefallen, wenn die Geschichte hier und da noch durch Bilder bereichert worden wäre.
Ein wunderschönes kleines Buch über Mut, Zuversicht und wie man seine Ängste überwinden kann nicht nur für ganz junge Leser.











