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Rezensionen von gaby2707:

Eine sehr berührende Familiengeschichte

Die verlorene Frau von Gunnis Emily

Rebecca Waterhouse ist 5 Jahre alt, als ihr vom Krieg traumatisierter Vater aus der psychatrischen Klinik, in der er die letzten Jahre verbracht hat, nachhause kommt. Nachhause, das ist die Seaview Farm an der Wittering Bay im Bezirk Chichetser in West Sussex, England. Hier hat sie mit ihrer Mutter Harriet die letzten Jahre gelebt.

Nun ist ihr Vater wieder da, leider immer noch jähzornig und gewalttätig. Bis zu dem einen Abend, 8 Jahre später, als Rebecca, aufgeweckt durch einen heftigen Streit, nach unten kommt und ihre Mutter blutend am Boden findet. Ihr Vater hat sich selbst mit einer Pistole, die neben ihm liegt gerichtet.
Jahre später verschwindet Jessie, die Tochter von Rebecca, mit ihrer kleinen neugeborenen Tochter Elisabeth aus dem St. Dunstan´s Krankenhaus. Vorerst spurlos. Das Fatale: die kleine Elisabeth ist schwer krank und braucht dringend Medikamente.

Im Jahr 1945 lerne ich Harriet kennen, die auf ihren Mann Josef wartet, der aus dem Krieg in der Normandie zurückkommen soll. Zusammen mit ihm findet sie eine Anstellung in einem herrschaftlichen Haus in der Nähe von London. Harriet beschreibt die Erlebnisse aus dieser Zeit in ihrem Tagebuch.
Im Jahr 1960 bin ich dabei, wie die 13-jährige Rebecca, nachdem sie ihre toten Eltern gefunden hat, von einem Polizisten stundenlang verhört wird.
Im Jahr 2014 ist Rebecca von ihrem Kinder- und Jugendfreund Harvey Roberts geschieden. Ihre Tochter Jessie, zu der Rebecca nur einen sehr losen Kontakt hat und die jetzt schwanger ist, lebt bei ihrem Vater. Ihre jüngere Tochter Iris, die sie mit ihrem zweiten Mann John bekommen hat, steckt gerade mitten in der Scheidung von ihrem Mann James.

In immer wieder wechselnden Zeiten, mit immer wieder wechselnden Protagonisten erfahre ich im Laufe der Geschichte immer mehr von Rebecca, Harvey, Jessica und Iris. Und von einer Frau, die in der Ich-Form immer mal wieder auftritt. Ihrer aller Leben ist etwas verworren, jeder hat mit sich zu tun und versuchen mit der ihrer eigenen Vergangenheit umzugehen. Besonders hat es mir hier Jessie angetan, die schon vor der Geburt ihrer Tochter Elisabeth, die sie nach ihrer Stiefmutter Liz benannt hat, Probleme hat. Ihr Mann James ist mal wieder auf Geschäftsreise im Ausland und kann so bei der Geburt nicht dabei sein. Dann plagt die junge Mutter eine schwere Wochenbettdeprssion und ihre kleine Tochter benötigt dringend ihre regelmäßigen Medikamente. Vor allem hindert sie dann niemand daran, in einem unbeobachteten Augenblick das Krankenhaus zu verlassen und zu verschwinden. Während der Suche nach der jungen Frau hatte ich die allerschlimmsten Befürchtungen, für sie aber vor allem auch für Elisabeth.
Aber auch die Kapitel, die in die Vergangenheit zurück gehen sind sehr spannend und ich habe mich immer wieder gefragt, wie das alles wohl zusammenhängen mag. Nicht nur die Sichtweise von Rebecca hat mich gefesselt. Auch wenn Harriet erzählt finde ich das sehr berührend. Ich bewundere diese Frau, die, auch wenn ihr Mann sich so stark verändert hat, nicht von ihrer Liebe abweicht.
Emily Gunnis hat hier Personen geschaffen, die sehr vielschichtig sind, die ich mir gut vorstellen kann, mit denen ich mitfiebern und mit leiden kann. Je näher ich jeden Einzelnen kennenlerne, desto mehr falle ich in die Geschichte hinein.
Auch die vielfältigen Themen, die hier angeschnitten werden, wie ungewollte Kinderlosigkeit, Wochenbettdepression, Kriegsneurosen, Vergewaltigung, häusliche Gewalt und das anhängliche Verhalten von Reportern, tragen dazu bei, dass ich unbedingt wissen wollte, wie die Geschichte endet.
So sehr ich das Ende auch herbei gesehnt habe, das schlüssig alle losen Fäden verbindet, so traurig war ich, als ich es erreicht hatte.
Sehr schön finde ich zu erfahren, wie Emily Gunnis auf dieses so tiefgreifende Thema gekommen ist. Das verrät sie uns am Schluss der Geschichte.
„Die verlorene Frau“ ist eine einerseits warmherzige, berührende, andererseits anrührende, traurige und manchmal schockierende Geschichte. Mir hat sie einige bewegende Lesestunden geschenkt. Ich verschenke eine Leseempfehlung und 5 glänzende Sterne.

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Achtsamkeit Teil 2 – einfach genial!

Das Kind in mir will achtsam morden von Karsten Dusse

Björn Diemel lebt, nachdem er seinen Job als Anwalt endgültig an den Nagel gehängt hat, immer noch in seinem Haus über seinem eigenen Kindergarten. Mafiaboss Boris sitzt immer noch eingesperrt im Keller unter dem Kindergarten. Leider hat es Björn immer noch nicht geschafft total achtsam zu sein.

Und dann kommt da jemand, der den Kopf von Boris will. Wer ist das und warum hat er sich den nicht selbst geholt? Fragen, die er seinem Therapeuten Joschka Breitner nicht stellen kann. Der macht ihn immer mehr mit seinem inneren Kind bekannt, mit dem Björn sich nun auseinandersetzen muss.


„Das Kind in mir will achtsam morden“ schließt übergangslos an den ersten Band „Achtsam morden“, von dem ich total begeistert war, an. Dementsprechend hoch waren die Erwartungen an den Folgeband. Und ja, es hat sich wirklich gelohnt.
Sehr schnell bin ich wieder in der Geschichte drin und gehe mit Björn auf die Suche nach seinem inneren Kind. Hier erfahre ich viel Privates aus der Kindheit und Jugend des „Kindes“, manches für mich als Mutter so schockierend, dass sich manche Handlungen Björn´s heute von selbst erklären.
Die Erklärungen des Therapeuten Joschka Breitner finde ich sehr gut und nachvollziehbar und kann sogar das ein oder andere für mich selbst mitnehmen.

Auch in diesem zweiten Band spielt der Autor wieder seinen eigenwilligen, manchmal sehr schwarzen Humor aus. An einigen Stellen habe ich herzhaft lachen müssen, so skurril sind die Szenen. Mein Kopfkino kam kaum hinterher, so schnell wechseln die Handlungen und es ist gar nicht so einfach, achtsam zu sein. Das innere Kind ist sehr kreativ und ich musste immer wieder schmunzeln, auf welche witzigen Lösungen es immer wieder kommt. Die Dialoge, die der große Björn mit dem inneren Björn führt, finde ich einfach nur klasse.

Wie schon im ersten Band sind auch hier die neuen Figuren sehr detailliert und gut vorstellbar ausgearbeitet. Hier setzt der Autor seiner Fantasie keine Grenzen, lässt z.B. einen ehemaligen Kunsthistoriker zum Mafiamitglied werden und zwei Tote kunstvoll an einem Tisch arrangieren oder mit dem E-Roller fahren.

Schön finde ich auch diesmal wieder die Zitate von Joschka Breitner vor jedem neuen Kapitel. „Die Kreativität ihres inneren Kindes mag verstörend wirken. Das war die Erfindung des Rades allerdings auch“. Zitat S. 289.
Die meist kurzen Kapitel, dazu die intelligente, humorige Schreibweise von Karsten Dusse machen die Geschichte sehr schnell und ich musste mich zügeln, das Buch nicht in einem Rutsch durchzulesen.

Eine mit schwarzem Humor und vielen Emotionen gespickte Geschichte, aus der ich einiges für mein inneres Kind mitgenommen habe.
Für mich waren diese Lesestunden ein absoluter Genuss.

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Zu wirr, zu verzweigt und zu unrealistisch

Schwestern im Tod von Minier Bernard

Gerechtigkeit um jeden Preis?
Diese Frage stellt sich Capitaine Martin Servaz, als er seinen ersten Fall als Kommissar nach 25 Jahren endgültig aufgeklärt hat.
Aber von Anfang an:
1993: Bei einer Kanufahrt auf einem Seitenarm der Garonne findet François-Régis Bercot die an zwei Bäume gefesselten Leichen zweier junger Frauen gekleidet in weiße Kommunionkleider.

Die Auffindesituation erinnert an den Roman des Erfolgsautors Erik Lang „Die Kommunikantin“. Lang wird zwar in Untersuchungshaft genommen, muss aber nach dem Geständnis und Freitod eines jungen Mannes wieder freigelassen werden.
25 Jahre später stirbt Langs Ehefrau Amalia an verschiedenen Schlangenbissen. Hochgiftigen Schlangen – ein Hobby ihres Mannes – die aus den Terrarien befreit wurden. Auch sie trägt ein weißes Kommunionkleid. Wieder steht Lang unter Verdacht und Servaz muss sich fragen, ob sie ihn damals zu früh haben gehen lassen.

Dies ist schon der 5. Band des so hoch gelobten französischen Autors Bernard Minier. Obwohl es für mich der erste war, den ich von ihm gelesen habe, hatte ich keine Schwierigkeiten mich mit dieser Geschichte zurecht zu finden. Hier und da gibt es Anspielungen auf vergangene Fälle, was aber fürs Verständnis nicht gestört hat.

Erik Lang ist ein etwas wirrer, arroganter, spöttischer und selbstverliebter Charakter, mit dem ich gar nicht warm geworden bin. Genau so ging es mir leider auch mit Capitaine Servaz, der mir oft zu unerwartet und unerklärlich gehandelt hat. Seinen Vorgesetzten Léo Kowalski, Chef der Mordkommission Toulouse, hingegen mochte ich gleich. Genau so wie Servaz´ Kollegen Samira Cheung und Vincent Espérandieu, die beiden besten Köpfe der Mordkommission. Leider stehen sie etwas hinter Servaz zurück.

Der Fall um die beiden toten Schwestern Alice und Ambre Oestermann zieht sich bis ins Jahr 2018 hinein. War es zwischendrin immer wieder etwas wirr mit all den Wendungen, war die Auflösung zwar nachvollziehbar, für mich aber einfach nur unglaubwürdig. Hier waren es der realitätsfernen Zufälle einfach irgendwann zu viel.
Der Brief von Servaz´ Vater und auch das letzte Aufbäumen eines Fans von Erik Lang hätte ich nicht auch noch gebraucht.

Eine Geschichte, die, wäre sie nicht so wirr und verzweigt gewesen, hätte sehr spannend werden können. Da mir auch die langatmigen Erklärungen und die spannungsarme Erzählweise nicht gefallen haben, bekommt der Thriller von mir leider nur 3,5 von 5 Sternen.

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Der Lebenshase schlägt manchmal unerwartete Haken

Auszeit bei den Abendrots von Alexandra Holenstein

Gerade noch war Helene Abendrot, 48, happy. Zusammen mit ihrem Mann Josef, 52, ist sie auf dem Weg nach Venedig zu ihren Bekannten Susanne und Rüdiger um dort mit ihnen zusammen 10 Tage Urlaub zu verbringen. Nun sitzt sie etwas verdattert allein im Auto, „stehengelassen wie ein ausrangierter Regenschirm“ an einer wenig frequentierten Autobahn-Mautstelle.

Josef ist ausgestiegen und macht sich mit Sack und Pack auf den Weg gemacht– aber wohin? Endlich, nach ein paar Tagen ein Lebenszeichen per Email. Er hat eine Lebenskrise, möchte in sich hineinhören, seine Bedürfnisse erspüren. Und Helene, die nimmt, unterstützt von ihrer besten Freundin Adrienne, ihr Leben in die eigenen Hände.
Natürlich rätselt Helene, was ihren Mann zu seiner für sie sehr spontanen Handlung veranlasst hat. Midlifecrisis – nein, das kann sie sich nicht vorstellen. Eine Affäre – nein, doch nicht ihr Josef – oder doch? Ja, Josef hat, wie man leider schon aus dem Klappentext erfährt, eine Geliebte, seine junge Assistenzärztin Nathalie, mit der er neuen Liebesgenuss erlebt und gedenkt sein weiteres Leben mit ihr zu verbringen. Trotzdem will er sich bei Helene, falls seine Pläne doch nicht aufgehen sollten, ein Hintertürchen offen halten.
Ha, aber nicht mit ihr. Helene, die ihre Geschichte in der Ich-Form erzählt, ist, wie ihr Mann Josef ihr attestiert, eine starke, tatkräftige Frau, die ihr neues Leben nun ohne ihre Gatten in die Hand nimmt und unternimmt, was sie schon immer mal machen wollte.

Alexandra Holenstein erzählt in ihrem zweiten Roman die Geschichte einer Ehe, manchmal etwas überzogen, wie ich sie mir sehr gut vorstellen kann. In welcher Ehe kriselt es nach so vielen Jahren Gemeinsamkeit nicht mal. Welcher Mann hat nicht hier und da mal „Ausbrecher-Phantasien“. An Helene kann sich hier jede Frau, der dies in der ein oder anderen Form mal passiert ein Beispiel nehmen.

Was meinem Kopfkino besonders gut gefallen hat, sind die vielen kleinen Bilder über die ich laut habe lachen oder schmunzeln müssen. Sei es bei einem Bademantel, der sich (un)absichtlich öffnet, als Josef an seiner Haustüre klingelt oder eine selbstgestrickte Wollsocke, die sich Helene bei einem Malkurs entgegen streckt. Die Autorin hat ein wunderbares Talent kleine Szenen in bildhafte Worte umzusetzen. Und die Aneinanderreihung dieser führt zu diesem wunderbar humorvollen, aber auch manchmal nachdenklichen, vor allem sehr liebevollen Roman.

Ja, die Liebe ist sowohl auf Helenes Seite als auch bei Josef, vielleicht anfangs nicht ganz so stark wie bei Helene, durch den ganzen Roman hindurch spürbar. Und so habe ich gehofft und gebangt, ob und wie dieses Paar wieder zusammen findet.

Mit Helene und Josef hat die Autorin zwei sehr menschliche Protagonisten geschaffen, denen ich ihr Tun und Handeln sofort abgenommen habe. Dazu kommen weitere Menschen im Umfeld der Beiden, die ich wegen ihrer Charaktere sehr mag: Sohn Tobias z.B. und vor allem Helenes Yoga-Freundin Adrienne, die Helene mit ihren klugen Tipps und Ratschlägen immer wieder auf Spur bringt. Mit Rüdiger und Susanne oder auch Anton Friedrieich hingegen möchte ich nicht befreundet sein. Und Lego, den Hund der Abendrots würde ich sofort adoptieren.

Diesem humorvollen, lebensklugen, spannenden und sehr unterhaltsamen Roman bekommt von mir sehr gerne 5 goldene Sterne und meine absolute Leseempfehlung.

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Unser Kleiner hat ein neues Lieblingsbuch

Auszeit bei den Abendrots von Alexandra Holenstein

Schon das Cover mit dem kleinen Hansi und seinem Freund dem Hasen machen Lust auf diesen Band 1 des Kindertagebuches „Schlafen gehen“ mit wunderschönen Illustrationen von Winfried Tesmer und den kleinen feinen Reimen von Oliver Waldburg aus dem Fabulini Kinderbuchverlag.

Eingeleitet wird die Geschichte vom kleinen Hansi von einem großen Sternenhimmel, der sich über die ersten beiden Seiten erstreckt.

Wie der Titel schon sagt, geht es hier ums schlafen gehen. Der kleine Hansi möchte viel lieber noch weiter spielen. Doch wenn er abends Mamas Schritte hört, weiß er, nun geht’s bald ins Bett. Er lässt sich immer etwas einfallen um sich noch ein bisserl Zeit zu erkaufen. Zusammen mit seinem Freund dem Hasen versteckt er sich.

Auf den wunderschönen farbigen Illustrationen gibt es so Vieles zu entdecken, dass unser Kleiner mit dem Schauen gar nicht nach kam. Immer wieder fand er etwas Neues, was ihm bisher noch nicht aufgefallen war. Und natürlich wollte auch er sich, genau wie Hansi, anschließend verstecken. Uns hat es riesigen Spaß gemacht, die Bilder immer wieder anzuschauen.

Dazu kommen noch die kleinen vierzeiligen Verse, mal einer oder auch mal zwei auf einer Seite, gerade wie es zum Bild passt. Sie erzählen in Reimform die Geschichte zu den Bildern. Unser Kleiner hat da schon sehr genau zugehört.

Uns hat dieses Kinderbuch in seiner für Kinder sehr verständlichen Sprache sehr gut gefallen. Ich bin schon gespannt auf die noch folgenden Bücher mit den Titeln „Würmchenbrei und Sandgewitter“, „Schlecht gelaunt“ und „Eierkuchen backen“. Ich kann sie mir als Ergänzung zu diesem „Tagebuch“ sehr gut vorstellen.

Die Leseempfehlung ab 3 Jahren würde ich wegen der schönen Illustrationen sogar auf 2 Jahre herunter setzen. Aber das kommt individuell auf jedes Kind an.

Ein wunderschönes Kinderbuch mit einer spannenden Gute Nacht Geschichte in Reimform für unsere Kleinsten.

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Ein sehr persönlicher Fall für die sympathische Ermittlerin

Ostseegruft von Eva Almstädt

Kommissarin Pia Korritki ist erschüttert als sie vom Tod ihrer Freundin aus Kinder- und Jugendtagen erfährt. Erst vor 2 Jahren war sie bei Kirsten Welling´s Hochzeit. Und nun steht sie hier an ihrem Grab. Als ein Unbekannter ans Grab tritt und behauptet, Kirstens Tod sei kein Unfall sondern Mord, weckt das natürlich sofort Pias Interesse.

Ihr Chef gibt ihr zwei Tage um diesen Verdacht zu erhärten.

Eva Almstädt lässt es langsam angehen in ihrem 15. Krimi um die sympathische Kommissarin Pia Korritki und ihrem neuen Fall, der erst noch einer werden muss. Bei ihren Fragen dringt sie tief in das Private ihrer ehemaligen Freundin ein, befragt die Familie, Nachbarn und Dorfbewohner, die Kirsten gekannt haben. Dadurch lerne ich sehr viele Menschen aus ihrem Umfeld kennen, die alle sehr menschlich beschrieben werden, und erfahre, in welchem Verhältnis sie zueinander bzw. zu der Toten stehen. Dadurch fühle ich mich gleich mittendrin in der Geschichte und finde meine ersten Verdächtigen.
Dann wird nicht nur der Fall Kirsten zu einem Mordfall. Ein zufällig unter einem Haus gefundener Toter heizt die Spannung weiter an. Es hat eine Zeit gedauert, bis sich die Fäden zu einem Strang zusammengefügt haben und die Lösung der Fälle endlich greifbar wurde. Bis dahin steigt die Spannung stetig und hält ihr sehr hohes Niveau konstant. Außerdem gibt es einige Wendungen, bei denen meine Verdächtigen schnell wieder aus der Schusslinie waren. Ich habe auch diesmal wieder sehr gut mitfiebern und mit ermitteln können. Letzteres allerdings für mich ohne Erfolg.
Auch das Privatleben der alleinerziehenden Mutter wird wieder thematisiert. Mit ihrem kleinen Sohn Felix gibt es auch diesmal wieder stressige, aber auch sehr schöne Momente. Ich hatte gehofft, dass es einen neuen Mann an ihrer Seite geben würde. Leider nein. Dafür taucht ein alter Bekannter sowohl in ihrem Privat- als auch im Berufsleben auf: Marten Unruh. Wer die anderen Fälle von Pia begleitet hat, der weiß, dass er kein einfacher Mann ist. Also, wer weiß ob oder was da noch alles kommt.
Es geht aber nicht nur ernst und kriminell zu. Humorige Stellen und Passagen lockern die Stimmung immer wieder ein bisserl auf. Das nimmt dem Schrecklichen etwas den Nährboden ohne der Spannung zu schaden.
Auch dies ist wieder ein Krimi ganz nach meinem Geschmack. Ohne viel Blutvergießen, mit guter Recherche- und Polizeiarbeit, Menschen wie Du und ich, einem hohen Maß an Spannung und mit einer Entwicklung, die ich habe nicht vorhersehen können.
Ein sehr persönlicher Fall für Pia Korritki, den ich sehr gerne weiter empfehle.

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Interessant, fesselnd und spannend

Kremserfahrt in den Tod von Ralf Romahn

1988 stirbt ein junger Mann auf der Treppe zum Ostberliner Pressecafé durch einen Messerstich des Westberliners Jochen Z. Der hat plötzlich ein Messer gezogen, weil die Pöbeleien gegen seine Freundin Manuela K. nicht aufhören. Jochen Z. wird wegen schwerer Körperverletzung mit Todesfolge angeklagt und Ende des Jahres „abgeschoben“ – wie es im offiziellen Sprachgebrauch der DDR heißt.

Klaus B. ist seines Lebens müde, meint aus dem selbigen scheiden zu müssen. Aber was werden die Familie, die Freunde und Bekannten sagen. Dann doch lieber den Liebhaber seiner Frau ausfindig machen. Aber er erwischt den Falschen.
Am 1. Mai zieht Bauer Kraske wie schon seit vielen Jahren mit seinem Pferdegespann durch den Prenzlauer Berg und bietet Kutschfahrten für Kinder an. Als er nach einer seiner Fahrten die Kinder bei ihren Eltern abgibt, fehlt ein kleiner Junge.
Am 28.06.1986 wird Ralf Romahn zu einem Loch in der Mauer gerufen, das durch einen Sprengstoffanschlag auf Westberliner Seite aufgerissen wurde.
Sein letzter Fall ist die Vernehmung von Erich Honecker.

Ralf Romahn, damals Dienststellenleiter im Kommissariat Berlin-Mitte im Ostteil der Stadt, erzählt hier in der Gegenwartsform von 4 spektakulären Fällen, bei denen er selbst ermittelt hat. Durch ihn erfahre ich einiges über die Polizeiarbeit in der DDR. Auch Ausreiseanträge, die Kollegialität im Dezernat, Propaganda und die Sicherheit sind Themen, die hier angesprochen werden. Einige schwarz-weiß Fotos und Schriftstücke lockern die Geschichten auf und geben weitere interessante Einblicke.
Es gibt immer wieder Abkürzungen, die ich nicht kenne und nachschlagen musste. Eine Liste am Ende des Buches wäre hier sehr hilfreich.
4 spannende und außergewöhnliche Fälle aus dem Berufsalltag des Oberleutnants Ralf Romahn. Er hat mich mit den kleinen Geschichten gefesselt und gut unterhalten.

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Wie immer Spitzenklasse

Requiem für einen Freund von Elisabeth Herrmann

Nachdem der Berliner Anwalt Joachim Vernau im vergangenen Jahr dem Tod gerade noch mal von der Schippe gesprungen ist, macht er nun einen Neuanfang. In einem winzigen Mietbüro versucht er an alte Zeiten anzuknüpfen, was ihm eher schlecht als recht gelingt. Dann kommt auch noch die Ansage einer Betriebsprüfung der letzten 4 Jahre.

Die Zusammenarbeit mit Steuerprüfer Udo Fischer gestaltet sich recht vielversprechend. Bis er Vernau am 2. Abend zurück ins Büro beordert, wo Vernau ihn erschossen findet.
Freitag, den 13.3. genau vor 4 Jahren wird Staatsanwältin für Wirtschaftssachen zusammen mit ihren gerade erst erworbenen Hundewelpen tot in ihrem Pkw gefunden. Hat sie sich wirklich selbst mit Autoabgasen das Leben genommen?
An diesem 13.3. genau vor 4 Jahren hat sich Joachim Vernau nach einem feucht-fröhlichen Gelage mit seinem Freund Sebastian Marquardt im Restaurant Peppone eine Quittung geben lassen. Genau diese Quittung hat Udo Fischer gesucht – und die ist nun verschwunden. Als Vernau am nächsten Tag bei einem bewaffneten Raubüberfall seine Bürokarte, seinen Laptop und vor allem seinen Kalender an die Räuber verliert, ist er sich sicher, dass dies alles nicht nur mit dem verschwundenen Beleg und dem Tod von Udo Fischer zusammen hängt.


Joachim Vernau, den smarten, nicht sehr erfolgreichen Berliner Anwalt, der aber immer da ist, wenn es brenzlig wird, habe ich schon bei einigen Fällen begleitet und richtig ins Herz geschlossen. Da einige seiner Fälle schon verfilmt wurden, habe ich beim Lesen immer Jan Josef Liefers vor Augen. Ich freue mich schon sehr, wenn ich auch dieses Buch vielleicht bald im Fernsehen anschauen kann.

Elisabeth Herrmann schafft es mit ihrem so eingängigen, leichten und geradlinigen Schreib- und Erzählstil mich ab der ersten Seite zu fesseln und bis zum Schluss nicht mehr loszulassen. Sie schafft es, dass ich Gefühle wie Wut, Hass und Rache, aber auch Liebe und Fürsorge, die Vernau empfindet sehr gut nachvollziehen, ja fast spüren kann. Wenn es hektisch oder gefährlich wird, färbt es auf mich ab und ich fange an schneller zu lesen.

Ihre Figuren wirken mit ihren sehr verschiedenen Charakteren so menschlich, egal ob gut oder böse. Insgesamt finde ich es schwierig für mich zu entscheiden, mag ich sie oder mag ich sie nicht. Weil fast keiner von ihnen nur abgrundböse ist, sonder auch mal eine gute Seite aufblitzt.

Der Kriminalfall, den Joachim Vernau aus seiner Sicht erzählt, führt mich von Berlin aus nach Hong Kong und zurück. Es geht um Wirtschaftskriminalität, Geldwäsche, Korruption, Gewalt und mehrfachen Mord. Vernau wird mit seiner Vergangenheit konfrontiert und in der Gegenwart fürchtet er mal wieder um sein Leben. Ich blicke in die dunklen Abgründe einer Finanzverwaltung und ins Gesicht eines chinesischen Baulöwe.

Auch dies ist wieder so eine Geschichte, bei der ich das Buch fast nicht aus der Hand legen konnte und das viel zu schnell ausgelesen war.

Der spannende, interessante, mitreißende Krimi vor der grandiosen Kulisse von Hong Kong und den etwas ruhigeren Ansichten von Berlin und Personen, die ich nicht alle kennenlernen möchte, hat die volle Punktzahl von 5 Sternen und eine Leseempfehlung absolut verdient.

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Auf den Spuren von Trüffeln

Ahrtrüffel von Frank Marion Krajewski Demme-Zech

Auf der Suche nach einem noch nicht geklonten Trüffel auf seiner Plantage in der Nähe von Sinzig im Ahrtal in der Eifel macht Unternehmer Peter Siedenburg eine schreckliche Entdeckung. Eine skelettierte Hand umschließt ein großes Exemplar dieser köstlichen unterirdisch wachsenden Pilze. Schnell stellt sich heraus, wer dieser Tote ist, und Peter Siedenburg rückt in den Fokus der Polizei.

Die junge Journalistin Greta Schönherr wollte eigentlich nur ein Portrait des Unternehmers schreiben. Obwohl Greta ihm nicht traut, wittert sie eine große Story und willigt ein, ihm bei dem Beweis seiner Unschuld zu helfen.


Marion Demme-Zech und Frank Krajewski nehmen mich mit in die Zukunft in das Jahre 2034, und in Rückblicken in die Jahre 2005 und 2022. Und zwar nicht verrückt und abgedreht, sondern sehr realistisch, dass ich mir die meisten Situationen sehr gut vorstellen und nachvollziehen kann. Dadurch, dass Ort, Datum und Zeit vor jedem neuen Kapitel angegeben sind, habe ich mit den Zeitsprüngen überhaupt keine Probleme. Im Gegenteil finde ich es gut, dass ich durch die Zeitsprünge zurück in die Vergangenheit noch mehr Informationen bekomme.
Wie der Titel schon verrät, geht es um Trüffel, von denen ich sehr viel Wissenswertes über deren Vermehrung und den Schutz erfahre. Durch die ausschweifende Behandlung dieses Themas geht allerdings sehr viel an Spannung, die sich zwar immer wieder aufbaut, verloren. Der Mord tritt immer wieder in den Hintergrund.
Die Protagonisten sind sehr farbig und bildhaft beschrieben, haben ihre Ecken und Kanten und sehr unterschiedliche und vielfältige Charaktere.
Besonders Greta, die anfangs noch schüchterne und mit wenig Selbstvertrauen ausgestattete Journalistin mit ihrer offenen und ehrlichen Art, habe ich schnell ins Herz geschlossen. Durch Sean, den sie aus ihrem Technik-Journalismus-Studium in Bonn kennt und sehr mag, entwickelt sie sich sehr positiv.
Das krasse Gegenteil dazu sind der manipulative, überhebliche und verlogen Unternehmer Peter Siedenburg, seine Frau Monica und der ehemalige Teilhaber. Die Drei haben sich gesucht und gefunden, unsympathisch ab unserem ersten Zusammentreffen.
Der Kriminalfall ist schon sehr interessant, vor allem, weil hier die Polizeipräsenz fast gänzlich fehlt und von einer jungen Frau „ermittelt“ wird. Es gibt einige unverhoffte Wendungen, die mich immer wieder von meiner eigenen Spur abgebracht haben. Auch das Ende hatte ich so nicht erwartet.
Ein lesenswerter Krimi mit ein bisserl zu viel Trüffel, den ich aber trotzdem gerne weiter empfehle.

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Filmfestival mortale

Wenn es Nacht wird am Lago Maggiore von Bruno Varese

Von seinem Freund Flavio hat sich Matteo Basso breitschlagen lassen und ist mit ihm nach Locarno zum Filmfestival gefahren. Hier hofft Flavio auf ein Zusammentreffen mit seiner Jugendliebe Karlotta Tramboni, die als Schauspielerin Karriere gemacht hat. Tatsächlich erkennt Karlotta ihren Jugendfreund wieder und lädt ihn zur After-Party ein.

Nur darauf hat nach dem Film niemand mehr Lust. Warum: die talentierte Jungschauspielerin Simona Morelli wird vor den Augen der 8000 Filmgäste erschossen.
Kommissar Alberto Orler von der Polizei in Locarno ist gleich vor Ort und da in diesem Fall, der die Schweiz und auch Italien betrifft, der grenzüberschreitende kleine Dienstweg am einfachsten zu handhaben ist, spannt er Matteo Basso sofort für seine Zwecke mit ein. Matteos Freundin die Kommissarin Nina Zanetti aus Mailand ermittelt ebenfalls mit. Zusammen suchen sie nach einem Mörder.


Dies ist nun schon das 4. Mal, dass ich mit Matteo und Nina auf Ermittlungstour gehe. Ich mag diesen Mann mit seiner Macelleria in Cannobio am Lago Maggiore mit einer seltenen Mischung aus Fleischer und Polizeipsychologen, der die Hektik Mailands gegen die beschauliche Provinz eingetauscht hat und seinen Tag mit einem Bad im Lago beginnt. Auch Nina ist mir in den letzten Fällen sehr ans Herz gewachsen. Genau so wie die drei Alten, Flavio, Luigi und Beppo, die drei Auto-Doctores, die Matteos Macelleria am Laufen halten, wenn er mal wieder auf Mörderjagd geht. Ihre Sprüche zaubern mir jedes Mal ein Schmunzeln ins Gesicht.

Diesmal lerne ich Locarno und die Gegend um den Comer See kennen. Nach den Beschreibungen sollte mein nächster Urlaub auch mal dorthin führen. Nicht nur wegen der wunderschönen farbenfrohen Flora, den kleinen wie gemalten Ortschaften, sondern auch wegen dem Essen, bei dessen Beschreibung mir jedes mal das Wasser im Mund zusammen läuft.

Dieser Fall hier ist etwas knifflig. Es dauert schon eine Zeit, bis die Ermittler nach einigen Wendungen endlich auf der richtigen Spur sind. Wobei ich schon einen Täter fest im Blick hatte, der es dann aber doch nicht war. Mit der absolut nachvollziehbaren Lösung des Falles und dem dann endlich gefassten Mörder hatte ich so nicht gerechnet.
Aber das macht halt einen guten Krimi aus.

Einen gut recherchierten, glaubhaften Krimi mit interessanten Protagonisten und einem nachvollziehbaren Motiv, den habe ich hier vorgesetzt bekommen und empfehle ihn gerne weiter.

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