Kunden em pfehlungen
Rezensionen von gaby2707:
Nicht ganz mein Fall
42 Grad von Wolf Harlander
Rekordhitze in Europa. Die Temperaturen steigen, die Flüsse, und Seen trocknen aus und das Wasser wird immer knapper bzw. an manchen Stelle gibt es schon gar keines mehr. Seit März hat es nicht mehr geregnet und das Wasser wird knapp.
In Verona stürzt das Baptisterium ein. In Wien zerstört ein Beben das Riesenrad.
In Slowenien fallen Felsbrocken auf eine Wandergruppe. Ein kleines Wäldchen südlich von Weimar steht in Flammen. Mittendrin – Männer der Feuerwehr und des THW. Der Erfurter Stadtwald brennt. Linthe südlich von Berlin versucht die alleinerziehende Kerstin Lange zusammen mit ihren Kinder Paul und Emma einen Ort zu finden, an dem es noch Wasser gibt. Für die italienischen Seen wird ein Badeverbot erlassen. Aufgrund der Trockenheit nehmen Ferienregionen keine Touristen mehr auf.
IT-Spezialistin Elsa Forsberg, die bei der Europäischen Umweltagentur EUA in Kopenhagen arbeitet, stößt genau wie Julius Denner, der am Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung in Leipzig studiert, auf Ungereimtheiten...
Für mich unvorstellbar, dass man den Wasserhahn aufdreht und es kommt kein Wasser mehr. Hier wird dies zur fiktiven Wirklichkeit.
Wolf Harlander nimmt mich mit an die verschiedensten Orte, wo Menschen oder Institutionen mit der Wasserknappheit zu kämpfen haben. Ich lerne die unterschiedlichsten Menschen kennen, die alle eine Frage umtreibt: Was ist mit unserem Wasser los? Einige dieser Personen begleiten mich dann durch das gesamte Buch, ich lese von ihren individuellen Geschichten und wie sie sich immer weiter annähern.
Mit dem Schreib- und Erzählstil bin ich nicht so gut zurecht gekommen. Es wirkt alles sehr nüchtern, emotionslos und irgendwie kalt. Dabei wären gerade bei dieser Geschichte die Gefühle für mich als Leserin so wichtig. Sogar bei den Dialogen, wo man mit Sprache so viel ausdrücken kann, kam bei mir nichts an. Sehr schade. Ansonsten hatte ich immer wieder Bilder und Szenen im Kopf, die mich selbst erschreckt haben.
Gut gefallen hat mir auch das Interview mit dem Autor, wo ich noch einiges Interessantes erfahre.
Ein spannungsvoller, fesselnder Thriller über ein beängstigendes Thema bei dem leider die Emotionen auf der Strecke geblieben sind. Trotzdem habe ich mich gut unterhalten gefühlt.
Spannend, interessant und eine Prise Humor – einfach klasse
Weißbier-Requiem von Andreas Schröfl
Das Auto bepackt und endlich abfahrbereit. Los geht’s für Alfred Sanktjohanser, den „Sanktus“, seine Frau Kathi, die Kinder Martina und Schorschi und den alten Sanktjohanser in Richtung Hallertau, wo sie sich am Eröffnungswochenende im Bier-Wellness-Hotel „Holledauer Hof“ entspannen wollen.
Aber wie der Teufel es will, findet der Sanktus am ersten Morgen eine Leiche im Pool. Doch die ist, als die Polizei da ist, plötzlich weg. So deppert, dass er schon fantasiert, kann er doch gar nicht sein. Oder etwas doch?
Zusammen mit seinem Freund Quirin „Graffiti“ Himsl startet er die Suche nach dem Mörder. Leicht ist es nicht, denn der Tote war nicht sehr beliebt. Viele Verdächtige unter den Ehrengästen – viele Motive, aber es dauert bis sich ein kleiner Lichtstreifen des Erkennens am Horizont zeigt.
„Weißbier-Requiem“ ist nach „Schlachtsaison“ der zweite Krimi um den Brauer und Hobbydetektiv Alfred Sanktjohanser, den alle nur unter dem Namen „Sanktus“ kennen. Der unverwechselbare Schreib- und Erzählstil und der Lachtränen fördernde Humor machen das Lesen auch bei diesem Buch zu einem Genuss. Trotzdem gleitet das Buch nicht ins Kitschige ab, sondern hat einen sehr traurigen Hintergrund.
Der Fall, bei dem der Sanktus diesmal die Kommissarin Sabine „Bine“ Schranner unterstützt ist sehr vielschichtig, sehr gut durchdacht und konstruiert und führt mich bis hinunter ins ehemalige Jugoslawien. Es hat eine ganze Weile gedauert, bis ich durchblickt habe, was hier alles im Argen liegt und wo mich die Ermittlungsreise hinführen würde.
Ich lerne die verschiedensten Personen kennen, die sich mir im Laufe der Geschichte immer weiter entwickeln. Ich sehe sie mit ihren verschiedensten Charakteren und ihren Ecken und Kanten bald bildhaft vor Augen. Besonders angetan hat es mir der Wirt Bhupinder mit seinem indischen Akzent. Mein Kopfkino, dass sich ab der ersten Seite eingeschaltet hat, hat sich an einigen Stellen fast überschlagen. Einfach klasse.
Ein interessantes, sehr unterhaltsames und kurzweiliges Buch für alle, die München und das Bier lieben, die die Feinheiten der Braukunst kennenlernen und die einen spannenden Fall lösen wollen.
Ich habe mich gerne nach Sylt entführen lassen
Ozelot und Friesennerz Roman einer Sylter Kindheit. Gebunden. von Matthiessen Susanne
Sylt, wie es in den 70er Jahren noch war. Eine Heimat für die Sylter, wie Susanne Matthiesen, die hier geboren und aufgewachsen ist. Als viele Sylter in den Sommermonaten ihr Schlafzimmer an Touristen vermieteten haben. Als langsam immer mehr Urlauber kamen und sich die Insel langsam immer mehr zur Insel der Reichen und Schönen gewandelt hat.
Auf der für Einheimische nur noch wenig Platz war und ist. Ich erfahre, wie sich die Insel in den Jahren verändert hat. Vorher wertlose Grundstücke wurden zu Bauland und dadurch sehr wertvoll. Luxushotels schossen in den Himmel und Apartmenthäuser aus dem Boden. Und manch vorher „normale“ Gastwirt verdiente plötzlich sehr viel Geld.
Ich lese in vielen kleinen Anekdoten und Geschichten über ihre Kindheit, die sie dort genossen hat. Sie wirft einen Blick zurück, in eine Zeit, die ganz anders war als heute. Aber dieser Blick scheint nicht negativ. Eher melancholisch.
Ich habe mich gerne zurück führen lassen in die 70er Jahre auf eine Insel, die auch ich seit einigen Jahren sehr gerne mag und immer wieder besuche. Susanne Matthiesen hat mich mit ihrem Buch gut unterhalten.
Wie alles zusammenhängt
Gestorben wird immer von Fröhlich Alexandra
Nach dem Motto „Gestorben wird immer“ steht die 91-jährige Agnes Weisgut in Hamburg immer noch dem Steinmetzbetrieb Weisgut &Söhne vor, den sie vor einigen Jahrzehnten, direkt nach Kriegsende gegründet hatte. Sie fühlt, dass nun auch ihr Ende immer näher kommt und so beauftragt sie ihre Enkelin Birte, alle Familienmitglieder zusammen zu bringen.
Agnes findet, es ist Zeit für die Wahrheit. Aber es ist gar nicht so einfach alle in einen Raum zu bringen. Zwischen einzelnen Familienmitgliedern gärt es gewaltig.
In ihrem Roman erzählt Alexandra Fröhlich die Geschichte dreier Frauen: Agnes, Martha und Birte. Von Agnes Tharau, die es als junges Mädchen zusammen mit ihren Eltern von der Gluckstraße in Königsberg in die tiefste Provinz nach Groß Hubnicken verschlägt; die dort mit einem Mann verheiratet wird, den sie nicht liebt; die von Schwiegermutter und Mann geknechtet wird; 4 Kinder bekommt; wegen des Krieges und ihrer jüdischen Vergangenheit ihre Heimat in Ostpreußen verlassen muss und immer wieder ganz neu anfängt.
Von Martha, ihrer Tochter, die etwas „anders“ ist (warum, erfährt man noch), die ihren Mann und ihre beiden Kinder Birte und Peter sehr früh verlassen und ihre Heimat, die sie in vielen verschiedenen Ländern sucht, bisher nie gefunden hat.
Und von ihrer Enkelin Birte, die ihrer Mutter nie verziehen hat, dass sie sie als sie noch ein Kind war, verlassen hat; die in der Schule gemobbt wird und sich dank ihrer Großmutter zu einer starken jungen Frau entwickelt.
Alexandra Fröhlich hat einen so mitreißenden, bildhaften Erzählstil. Durch den dauernden Wechsel von Zeit und Ort und den Sprüngen zurück in die Vergangenheit baut sich eine Spannung auf, die es mir sehr schwer gemacht hat, Pausen einzulegen. Vor allem die Kapitelenden sind so gewählt, dass immer eine Frage offen bleibt, die ich unbedingt noch geklärt haben wollte.
Die Personen sind sehr bildlich und ausdrucksstark beschrieben und ziemlich bald habe ich ein Bild vor Augen, das sich im Laufe der Geschichte immer weiter stabilisiert. Gerade Agnes ist eine Frau mit so vielen verschiedenen Facetten, dass es, auch wenn sie manchmal etwas rüde und unsympathisch rüber kommt, Spaß macht, sie immer näher kennenzulernen.
Die Geschichte selbst geht unter die Haut. Gerade bei den Geschehnissen auf der Flucht habe ich schlucken müssen. Ich bewundere Agnes, die sich nie hat unterkriegen lassen und die, auch wenn sie irgendwo 5x vorstellig werden musste, eigentlich immer erreicht hat, was sie wollte.
Ein tolles Buch von einer Autorin, die ich bisher nicht kannte und die ich mir nun merken werde. Eine ergreifende, tiefgründige und tragische Familiengeschichte mit Geheimnissen, die hier aufgelöst werden. Absolut lesenswert!
Hoch interessant und super spannend
Ich bin dein Tod von Inge Löhnig
Anfang Oktober in München. Kommissar Konstantin „Tino“ Dühnfort arbeitet nun beim K16 der Münchner Kriminalpolizei. Er hat die neue Stelle bei der Operativen Fallanalyse OFA angenommen und ist von der 3. in die 4. Etage umgezogen. Richtig angekommen ist er noch nicht. Der erste Fall auf seinem neuen Posten führt ihn nach Passau zum Doppelmord an einem Ehepaar, das mit einer Armbrust erschossen wurde.
Der dortige Chefermittler lehnt die Arbeit mit der OFA ab,; schließt auf einen Raubmord. Dühnfort sieht hier eher eine Hinrichtung. Weitere Morde, bei denen es einen Zusammenhang zu geben scheint, lassen ihn bald auf einen Serienmörder schließen. Lebt hier jemand seine Rachegelüste aus? Und wenn ja, wer und warum?
Auch privat läuft bei Dühnfort gerade nicht alles rund. Seine kleine Tochter Chiara wird im Kindergarten gemobbt. Außerdem hat das Haus in dem sie leben neue Eigentümer bekommen und sie steuern auf eine Luxussanierung zu. Gina will dies mit allen Mitteln verhindern.
Bereits auf der ersten Seite des Prologes, als ich das Vorzimmer zur Hölle betrete, graust´s mir. Wer ist die junge Frau, die dort ihre letzten Worte vor ihrem Tod in einem Handyvideo festhält? Das ganze Video werde ich im Laufe der Ermittlungen noch kennenlernen – und es ist richtig krass. Ich kann den Mörder gut verstehen, dass er hier auf Rache sinnt.
Inge Löhnig beschäftigt sich in diesem Krimi mit Loverboys und ihren Prinzessinnen, die sie von sich abhängig machen und zur Prostitution zwingen. Ein so interessantes Thema, bei dem ich gar nicht wissen und mir auch nicht vorstellen will, dass das jungen Mädchen immer wieder widerfährt. Bei den Tagebucheinträgen hatte ich Gänsehaut und musste immer mal wieder kurz pausieren um das Gelesene zu verarbeiten.
Da ich dieses Tagebuch kenne bzw. häppchenweise immer weiter verfolge, bin ich den Ermittlern hier immer einen oder mehrere Schritte voraus. Und ehrlich – ich habe dem Täter gewünscht, dass er seinen Plan doch noch zu Ende bringen kann.
Die Menschen, die ich hier kennenlerne, egal ob gut oder böse, sind mit Ecken, Kanten und zumeist sehr eigenwilligen Charakteren ausgestattet, sehr gut vorstellbar ausgeführt und kommen glaubwürdig rüber. Wobei ich froh bin, dass ich mit den meisten von ihnen nichts zu tun habe. Bei diesem Fall ist es eine junge Kommissarin, die mich neben Dühnfort durch ihre Ausdauer, ihre Intuition und ihren Willen nicht aufzugeben besonders beeindruckt hat.
An einigen Stellen, die in München spielen, hatten ich wieder dieses Aha-Erlebnis, wenn ich genau wusste, wo ich mich gerade befinde und den Schauplatz genau vor Augen hatte. Das macht für mich das Lesen noch mehr zum Genuss und zum Erlebnis.
Ein äußerst interessantes Thema bei dem ich grauslige Bilder im Kopf hatte, ein spannender, sehr gut nachvollziehbarer Fall und Personen, bei denen ich mir nicht habe vorstellen können, dass sie so sein könnten, wie sie sind. Genau so stelle ich mir einen sehr guten Krimi vor.
Damit beginnt der Urlaub schon vor der Reise
Vis-à-Vis Reiseführer Marokko von Inge Löhnig
Der im März 2020 erschienene Reiseführer macht neugierig auf dieses nordafrikanische Land am Mittelmeer und am Atlantischen Ozean. Er mach Lust aufs entdecken, planen und erleben.
Auf der vorderen Klappseite sehe ich das Land aufgeteilt in 7 Regionen. In der rückseitigen Klappe bekomme ich eine kleine Straßenkarte des Landes.
Eingeteilt ist das Buch in drei große Kapitel: Marokko entdecken – Marokko erleben – Reise-Infos.
Entdecken bedeutet: Willkommen in Marokko – Liebenswertes Marokko – Marokko auf der Karte – Die Regionen Marokkos – Erkundungstouren – Marokkanische Themen – Das Jahr in Marokko – Kurze Geschichten.
Beim Erleben komme ich nach Rabat, Casablanca, Tanger, Marrakesch, Fés, Meknès und Volubilis – zur nördlichen, südlichen Atlantik- und Mittelmeerküste, zum Rif-Gebirge, dem Mittleren und Hohen Atlas, Quarzazate, die südlichen Oasen, der Südwesten und die Westsahara
Wunderschöne Fotos, interessante Berichte und wichtige Informationen rund um die Planung (Einreise, Sicherheitshinweise, Zoll, Versicherungen, Impfungen, Geld, Hotels, Sprache, Feiertage), was man unterwegs beachten sollte, sowie praktische Hinweise runden den Reiseführer ab. Dazu noch ein Register von A – Z, ein Glossar und Sprachführer in französisch und arabisch kann man vielleicht auch mal brauchen.
Insgesamt ein inspirierender Reiseführer der keine meiner Wünsche offen lässt.
Mein erster Besuch in „Gracewooh Hall“ ist nicht mein letzter – ich komme wieder
Hochzeitsglück auf Gracewood Hall von Sandra Rehle
Endlich ist es soweit - Melinda Miller wird ihren Andrew heiraten. Die Hochzeitsvorbereitungen könnten so entspannt sein, würde nicht dauernd ihre beste Freundin Candice Cliffton alles infrage stellen. Melinda ist fix und fertig und auf Anraten ihrer Mutter besucht sie ein schickes Ayurveda Hotel in der Schweiz um ihren „Hochzeitsglow“ zu bekommen.
Hier öffnet ihr die Geschäftsführerin Marie die Augen, Melinda beginnt zu verstehen, zu sich selbst zurück zu kommen und wird endlich zu der jungen Frau, die Andrew immer in ihr gesehen hat.
„Hochzeit auf Gracewood Hall“ ist schon der vierte Band der „Gracewood-Hall“-Reihe. Trotzdem war ich sofort mitten drin in der Geschichte und hatte nicht den Eindruck, dass ich etwas verpasst habe. In Fußnoten weist die Autorin immer mal wieder auf die Vorgängerbände hin, wenn sich etwas überschneidet.
Melinda kommt am Anfang sehr zickig und überheblich rüber, zeigt aber auch, dass sie sehr verletzlich ist. Seit je her wollte sie zu den höheren Kreisen der Gesellschaft zählen und hat sich von ihrer vermeintlich besten Freundin Candice, die sie im Internat kennengelernt hat, formen lassen. Was allerdings nicht zu ihrem Vorteil war. Anfangs kommt die arrogant wirkende Melinda nur in ganz wenigen Augenblicken mit ihrem wahren, warmen Charakter ins Bild. Nur gut, dass es die lebenserfahrene Marie gibt, die Mindy unter ihre Fittiche nimmt und ihr die Augen öffnet. Ab dann kommt eine sehr sympathische junge Frau ins Spiel. Der Wandel der jungen Frau, die sich selbst verleugnet um anderen zu gefallen, zu beobachten war sehr schön. Auch wenn dazu 2 Wochen viel zu kurz scheinen, hat mich das nicht gestört und ich habe ihr die Wandlung abgenommen. Vor allem die Zweifel an Andrews Liebe haben mich immer wieder gerührt. Andres dagegen habe ich sofort in mein Herz geschlossen, obwohl er sich anfangs etwas mehr um seine Mindy hätte kümmern können. Er hat eine so liebevolle Art, trägt seine Mel wortwörtlich auf Händen, stellt seine Arbeit zu ihren Gunsten zurück und liest ihr jeden Wunsch von den Augen ab. Die Geschichte wird von vielen Personen bevölkert, die ihre eigenen Charaktere mit Ecken und Kanten haben, meist aber sehr sympathisch sind.
Sandra Rehle erzählt ihre Geschichte sehr leicht und ich bin schnell in die Welt der Reichen und Schönen abgetaucht. Sie versteht es sehr gut, mir die Stille und Abgeschiedenheit des Ayurveda Hotels nahe zu bringen. Wunderschön fand ich ihre Beschreibungen von Pimrose Cottage, einem kleinen Haus auf dem Land mit riesigem Garten, einer fantastischen Aussicht und einer überbordenden Blütenpracht. Begeistert war ich auch von ihrer Sicht auf Gracewood Hall mit der absolut gelungenen Hochzeit.
Ein wunderbar leichter Sommerroman zum hinein versinken und träumen, den ich verschlungen habe. Jetzt bin ich gespannt, wen ich in den ersten drei Bänden kennenlernen werde. Und vielleicht gibt es ja auch noch eine 5. Geschichte um diesen wunderschönen Landsitz in der Nähe von London.
Ein spannendes Debüt einer vielversprechenden neuen Autorin
Nordsee-Nacht von Häffner Hannah
Gerade im Zeltlager in Hulthave angekommen, verschwindet die 6-jährige Friederike Baumgart spurlos. Sascha Götz, die Betreuerin, die in dieser Nacht Wache hatte, hat ihr Fehlen erst am kommenden Vormittag entdeckt.
Kriminalkommissar Ulrich Wedeland von der Kripo in Wehrich tut sich zusammen mit seinem Team sehr schwer.
Niemand hat etwas bemerkt, Spuren gibt es auch keine. Friederike ist und bleibt verschwunden.
Als 25 Jahre später eine Frau am Strand von Hulthave gefunden wird, die ihr Gedächtnis verloren zu haben scheint, erinnert sich die Presse sofort an den Fall der kleinen Friederike. Als Sascha davon erfährt, hält sie nichts davon ab, nach Hulthave zu fahren. Sie informiert Kommissar Wedeland, zwischenzeitlich im Ruhestand, und trifft sich mit einem Mann, den sie damals am Strand getroffen hat. Neue Tatsachen ergeben sich. Wir Friederike nach 25 Jahren endlich gefunden?
Nach dem Cover, den sehr atmosphärisch gestalteten Innenklappen und dem dortigen Text hatte ich eher auf einen Thriller getippt als auf einen Roman. Und was ich dann geboten bekommen habe, würde ich auch absolut als Thriller bezeichnen.
Die Geschichte beginnt im Jahr 1987 mit der Ankunft von 25 Kindern einer Ferienfreizeit und ihren Betreuern in Hulthave an der Nordsee.
Hannah Häffner schafft es spielend mir die Protagonisten mit ihren verschiedensten Charaktereigenschaften bildhaft vor Augen zu führen. Im Laufe der Geschichte bekomme ich durch die privaten Einblicke auch noch ein tiefgreifenderes Bild von dem ein oder anderen.
25 Jahre später, als die Frau am Strand gefunden wird und die Presse an den Fall der kleinen Friederike von damals erinnert, nimmt die Spannung, die zwar immer da ist, noch ein wenig mehr an Fahrt auf, bis man der Lösung immer näher kommt.
Den Fall an sich finde ich, auch wegen einiger Wendungen, auf die ich nicht gekommen wäre, super spannend. Doch es gibt immer wieder Stecken, die mir persönlich zu ausufernd, zu abschweifend behandelt werden.
Ganz besonders gut gefallen hat mir hier der Schreib- und Erzählstil der Autorin. Sehr wortgewaltig, sehr präzise, mit kurzen knappen Sätzen, die die Spannung immer mehr anheizen und die Seiten nur so dahin fliegen lassen. In diesen Passagen hat das Lesen richtig viel Spaß gemacht.
Ein spannender Krimi, den ich persönlich als Thriller bezeichnen würde, mit einigen Längen, die mir nicht so gefallen haben. Trotzdem sehr gut!
Eine wunderschöne Liebes- und Familiengeschichte
Nordsee-Nacht von Häffner Hannah
Maighread Robertson ist tief enttäuscht von ihrem Ex Dylan, der sich ohne Vorwarnung von ihr getrennt hat. Nun ist nicht nur die Liebe weg, sondern gleichzeitig auch Job und Wohnung. Beim Ausmisten im Dachboden ihrer Mutter Lindsay, zu der sie gezwungenermaßen zurückgekehrt ist, findet sie ein Foto ihrer Großeltern, von denen ihr immer erzählt wurde, sie seinen vor vielen Jahren bei einem Flugzeugabsturz ums Leben gekommen.
Aber sie leben. In Schottland. Nachdem diese Lüge aufgeflogen ist, macht sie sich von Kilmarnock auf nach Callwell um Elisabeth und Bob endlich kennenzulernen.
Bei einer Autopanne kurz vor ihrem Ziel hilft ihr der sympathische Joshua McLoughlin, der mit seiner Schafherde und seinen beiden Hunden unterwegs ist. Und nein, Liebe auf den ersten Blick gibt es nicht. Kann es nicht geben. Nicht für Maighread.
Ich finde es so schade, dass diese wunderschöne Geschichte schon ihr Happy End gefunden hat und ausgelesen ist. Ich könnte noch stundenlang mit Maighread und Joshua am Loch Lomond und der Umgebung spazieren gehen. Aber es ist nicht mehr lange hin, dann kann ich „Wintertee im kleinen Strickladen in den Highlands“ trinken und die Menschen, die ich hier so lieb gewonnen habe, wiederlesen.
Großvater Bob, dessen Namen sie ihrem kleinen Auto gegeben hat, ist leider im vergangenen Jahr verstorben. Großmutter Elisabeth schlägt ihrer Enkelin die Tür vor der Nase zu. Doch Maighread hat den Sturkopf ihrer Mutter und ihrer Großmutter geerbt und lässt sich nicht so leicht abweisen. Außerdem lernt sie Chloe kennen, eine ebenfalls sehr sympathische junge Frau, bei der sie ein Zimmer mietet. Natürlich ist auch Joshua immer wieder zur Stelle und ich lerne die Haushälterin von Callwell Castle kennen. Eilith ist so eine herzensgute Frau, wie man sie nur selten findet und die sich Maighread´s sofort annimmt. Ihre neuen Freunde geben ihr Mut und Halt, so dass sie alle drei Robertson Frauen an einen Tisch bringt und alle Missverständnisse ausgeräumt werden. Aber ein Geheimnis gibt es immer noch. Was, das müsst ihr selbst lesen.
Die Wolle, das Stricken und Strickmuster nehmen neben der Liebesgeschichte einen etwas größeren Raum ein. Wenn Maighread über Wolle spricht, kann ich ihre Liebe und Leidenschaft dazu richtig spüren. Außerdem lerne ich etwas über Schafzucht und das Mulesing (diesen Begriff kannte ich noch gar nicht). Ganz zum Schluss bekomme ich auch noch drei Strickanleitungen zu wolligen Teilen, von denen in der Geschichte immer wieder gesprochen wird.
Durch den flüssige und sehr lebendige Schreibstil von Susanne Oswald bin ich sehr schnell in der Geschichte drin und kann mir alles sehr gut vorstellen. Ist mein Kopfkino erst mal angesprungen, habe ich die farbenfrohen Bilder im Kopf. Vor allem Joshua im Kilt beim Baumstammwerfen gefällt mir sehr gut.
Unter jedem neuen Kapitel ist der Name desjenigen aufgeführt, aus dessen Sicht die Geschichte gerade erzählt wird. Das macht mir die Zuordnung leichter und ich lerne die Geschehnisse auch aus verschiedenen Sichtweisen kennen.
Eine tolle Familien- und Liebesgeschichte, etwas zu vorhersehbar, über Geheimnisse und Missverständnisse, die alle ausgeräumt werden und sich daraus ein wunderschöner Wohlfühlroman ergibt.
Fesselnder, sehr emotionaler Start in eine neue Trilogie
Die Frauen von der Purpurküste - Isabelles Geheimnis von Silke Ziegler
Vor drei Jahren hat Amélie Trauber durch einen Autounfall ihren Mann und ihren zweijährigen Sohn verloren. Seitdem ist die bisher sehr erfolgreiche Autorin nicht mehr in der Lage zu schreiben. Um ihr aus ihrer Depression heraus zu helfen, schickt sie ihr Vater in seine südfranzösische Heimat nach Collioure an der Côte Vermeille in das Haus von Großmutter Isabelle.
Dort hat sich zwischenzeitlich ein deutscher Journalist eingemietet um von hier aus die Nazivergangenheit von Collioure zu recherchieren. Mit ihm muss sich Amélie nun arrangieren. Wie in ihrer Kindheit, wo sie oft die Ferien hier verbracht hat, will sie wieder backen und beginnt die Baguetterie im Erdgeschoss wieder ans Laufen zu bringen.
Als Amélie ihre Großmutter, die in einem Seniorenheim lebt, besucht, gibt die ihr ein altes Tagebuch und bittet sie es zu lesen. Zu gerne würde sie den Mann, den sie 1944 kennengelernt hat, noch einmal wiedersehen.
Die Geschichte erzählt in zwei Zeitzonen die Geschichten von Amélie im Hier und Heute und die von ihrer Großmutter anhand des Tagebuchs aus dem Jahr 1944 zur Zeit der deutschen Besatzung. Hier wurde mir beim Lesen erst wieder richtig klar, wie die französische Bevölkerung unter den deutschen Soldaten zu leiden hatten.
Obwohl Amélie anfangs recht ruppig, launisch und unfreundlich gegenüber dem Journalisten Benjamin daher kommt, habe ich sie recht schnell ins Herz geschlossen. Ihre Gemütsverfassung kann ich sehr gut verstehen und ich freue mich, dass sie ganz langsam aus ihrer Dunkelheit auftaucht. Obwohl recht schnell klar wird, wie die Geschichte ausgehen wird, hat mich das hier nicht gestört. Weil die Autorin es schafft mich zu fesseln, und mich mit ihren farbigen Bildern, die sich in meinem Kopf breit machen, mitten hinein zieht in zwei total verschiedene Welten.
Die Personen sind so liebevoll, liebenswert und detailliert mit individuellen Charaktereigenschaften gut vorstellbar beschrieben. Hier wird an einer Stelle beschrieben, dass Amélie die Gabe hat ihre Figuren mit Leben zu füllen und ihnen eine Seele zu geben. Ganz genau so macht es Silke Ziegler hier mit ihren Protagonisten und Nebendarstellern.
Die Landschaftsbeschreibungen ziehen mich hinein in eine Welt voller Düfte und Spaziergänge durch schmale Gassen sehe ich vorstellbar vor mir.
Es geht sehr emotional zu in der Geschichte und so konnte ich das ein oder andere Tränchen nicht aufhalten.
Der erste Band einer Trilogie, der mich sehr gut unterhalten hat, mit ganz viel Gefühl und Liebe. Aber auch mit Wut, Verzweiflung, Hilflosigkeit und einer greifbaren Spannung. Ich habe hier eine mir neue deutschsprachige Autorin kennengelernt, deren Schreibstil mir sehr gut gefällt. Und ich freue mich schon sehr, wenn ich demnächst Julie und Claire mit ihr zusammen kennenlernen darf.










