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Rezensionen von gaby2707:
Ein sehr spannender 4. Fall für Luc Verlain
Baskische Tragödie von Alexander Oetker
An der gesamten Cote dÀrgent werden braune Päckchen angeschwemmt. Reinstes Kokain. Eines dieser kleinen Pakete verwechselt der 5-jährige Lucien Dugary mit Puderzucker und sein erst so kurzes Dasein steht zwischen Leben und Tod.
Commissaire Luc Verlain untersucht den Fall, bis er ein Schreiben aus San Sebastian erhält.
Er lässt alles stehen und liegen. Auf dem Weg ins Baskenland wird er wegen dem Verdacht auf Drogenschmuggel und Mord verhaftet. Was verdammt geht hier vor sich?
In seinem 4. und bisher persönlichsten Fall wird Commissaire Luc Verlain ins Baskenland gelockt. Hier wird er von einem Unbekannten mit seiner Vergangenheit konfrontiert und zu Taten gezwungen, die er sich nie hätte vorstellen können. Und je näher er der Auflösung kommt, um so größer wird die Gefahr für ihn. Es ist ein sehr persönlicher Fall, den Luc Verlain hier zu meistern hat. Es beginnt mit Postkarten und kryptischen Nachrichten und endet für ihn beinahe tödlich.
Durch den leichten, eingängigen Schreibstil und die kurzen Kapitel, die die Geschichte unglaublich schnell machen, liest sich der Krimi fast wie ein Thriller. Cliffhanger lösen bei mir den Anreiz aus, immer noch ein Kapitel lesen zu wollen. Was dazu führt, dass die Geschichte für mich schon wieder viel zu schnell aus erzählt ist und die Ermittlungen sich ganz zu meiner Zufriedenheit aufgelöst haben.
Wie auch bei den anderen Fällen von Verlain habe ich mich, außer auf den Kriminalfall, auch diesmal wieder besonders auf die landschaftlichen und kulinarischen Beschreibungen gefreut. Bei den Beschreibungen von San Sebastian und von Bordeaux weiß ich, warum ich dort auch unbedingt mal hin möchte. Und wenn ich an die Pintxos denke, von denen ich hier gelesen habe, läuft mir schon wieder das Wasser im Mund zusammen.
Einige der Menschen mit denen ich es hier zu tun bekomme, kenne ich ja schon aus vorherigen Fällen, die wir zusammen gelöst haben. Aber auch die neu Hinzugekommenen kann ich mir bald sehr gut vorstellen und meine Sympathien – oder auch nicht – vergeben. Mir macht es immer Spaß, wenn ich die Commissaire auch privat noch näher kennenlerne. Und genau das war hier gerade bei Luc der Fall.
Ein sehr persönlicher Fall, wunderbare Landschaften und Städte, zumeist freundliche, zugewandte Menschen und lecker duftende Pintxos – das alles und noch viel mehr machen diesen spannenden Krimi aus. Eskerrik asko und ahur – Vielen Dank und adiós. Ich freue mich schon heute, wenn ich zusammen mit Luc und seiner Mannschaft den 5. Fall lösen darf.
„Vom Saulus zum Paulus“
Auf der Straße gilt unser Gesetz von Khalil O.
Khalil O. stammt aus einem polizeibekannten Clan in Berlin. In diesem Buch darf ich einen ganz seltenen Blick hinter die Kulissen einer arabischen Großfamilie und in sein Leben werfen. Gerichtsreporterin Christine Kensche hat diese Biografie nach sehr vielen privaten, sehr persönlichen und intensiven Gesprächen in diesem Buch zusammengefasst.
Die Gedanken und Geschichten sind alle aus Khalils Perspektive in der Ich-Form geschrieben. Ich fühle mich so nah dran, bin sofort in der Geschichte drin und es ist schwer, mich dem Sog, die sie auf mich ausübt, zu entziehen.
Khalil O. stammt ursprünglich aus dem Libanon und kam mit seinen Eltern nach Berlin, als dort schon sehr viele Verwandte seit Jahren lebten. Freunde brauchte er hier keine – er hatte ja seine vielen Cousins. Seinen ersten und einzigen Freund Birol außerhalb der Familie lernt er erst viel später kennen. Er schmeißt die Schule, kommt mit Diebstahl und Gras in Berührung, und „verdient“ richtig Geld. Seine Welt sind die dicken Autos, Geld, Schmuck und Nutten. Er heiratet seine Frau Marva, bekommt einen Sohn, aber seine „Geschäfte betreibt er weiter. Mit 21 wechselt er vom Gras zu Koks, er beginnt selbst zu konsumieren. Als ihm langsam die dunklen Seiten seiner Geschäfte klar werden, haben sich viele seiner Kunden bankrott gekokst. Sein schlechtes Gewissen meldet sich diesen Menschen gegenüber und als eines nachts das SEK seine Wohnung stürmt, reißt er das Steuer herum und steigt aus.
Er macht einen kalten Entzug, hört auf mit lügen und betrügen, mit Drogen und Huren, holt die Schule nach, macht Abitur und studiert. Es ist so interessant zu lesen, wie sich langsam sein Horizont erweitert, wie er immer neugieriger wird. Heute ist er Sozialarbeiter, arbeitet als Anti-Gewalt-Trainer mit Intensivtätern und betreut junge Männer aus dem kriminellen Milieu, aus der sogenannten „Parallelgesellschaft“, um sie auf den richtigen Weg zu bringen.
Ich durfte ihn ein Stück auf seinem Weg begleiten. Vieles von dem, was er getan hat, hat mich entsetzt, schockiert und verstört. Aber ich bewundere den Mann, der es geschafft hat, sich von seiner Großfamilie zu lösen, der deren Wertvorstellungen hinterfragt und der heute ein ganz normales bürgerliches Leben führt.
Besonders interessant finde ich auch den Anhang, in dem ich von Christine Kensche ein Überblick über die Clan-Kriminalität in Deutschland bekomme.
Ein absolut fesselndes, sehr interessantes Buch mit richtig gutem Unterhaltungswert, das ich allen empfehle, die wissen wollen, was hinter den Kulissen dieser Clans wirklich ab geht. Jetzt weiß ich auch, woher der Ausdruck „Gangster-Rapper“ kommt und was er bedeutet.
Ein tolles Buch, das die volle Punktzahl von 5 Sternen absolut verdient hat.
Auch der 2. Fall der Soko Mysterious ist spannend, packend und sehr aktuell
Auf der Straße gilt unser Gesetz von Khalil O.
Kaum ist Kriminalhauptkommissarin Molly Beck am Montag Morgen in ihrem Büro eingetroffen, übergibt ihr Chef Kriminaldirektor Willem Wichmann der Soko Mysterious, also ihr, ihrem Kollegen Malte Graf und dem neuen Mitarbeiter Benjamin Fink, den Fall des 6-jährigen Mädchens Jule Bleeken. Sie ist am Sonntag Nachmittag spurlos vom Strand in Travemünde verschwundenen.
Bisher gibt es keine Lösegeldforderung von einem Erpresser. Im Strandkorb, den ihre Mutter zusammen mit ihrer Freundin belegt hatte, findet man eine aus Stroh gebundene „Strandhexe“. Bald darauf verschwindet fast an gleicher Stelle ein weiteres kleines Mädchen. Auch hier findet man später eine dieser Strandhexen. Die Spurenlage ist dünn, aber die Kommissare tun alles, um die Kinder unversehrt wiederzufinden.
Gleichzeitig meint Molly ihren vor 10 Jahren verschwundenen Mann Ole immer wieder zu sehen. Täuscht sie sich, oder ist er wirklich zurück in Travemünde? Und warum meldet er sich nicht bei ihr?
Molly Bleck und ihren Partner Malte Graf kenne ich schon aus ihrem ersten gemeinsamen Fall „Der Herzmuschelmörder“. Diesmal haben sie es mit verschwundenen Kindern zu tun.
Ulrike Graf greift hier ein Thema auf, das auch mich immer wieder sprachlos, betroffen und wütend macht. Aber um was es hier geht und ob die Soko Mysterious es schafft, die Kinder wohlbehalten zu ihren Eltern zurück zu bringen, das solltet ihr selbst lesen.
Ich finde es schön, wenn ich neben der kriminellen Handlung auch die Kommissare und auch ihr privates Umfeld immer ein wenig besser kennenlerne. Hier nun bange ich mit Molly, ob es wirklich ihr Ehemann ist, den sie immer wieder zu sehen meint. Nur gut, dass sie so eine gute Freundin wie Janina hat.
Auch der zweite Fall der Soko Mysterious hat mich sofort gepackt, gefesselt und in die Geschichte hinein gezogen. Fast in einem Rutsch war das Buch ausgelesen und der Fall gelöst. Leider bzw. Gott sei Dank. Alles hat auch hier zwei Seiten.
Der leichte und sehr eingängige Schreibstil der Autorin macht es mir sehr leicht der Geschichte zu folgen. Ich ermittle mit, mache mir immer wieder meine eigenen Gedanken. Ulrike Busch hat mich mit einer Wendung zurück gelassen, mit der ich so nicht rechnen konnte und die mich fassungslos gemacht hat.
Spannend ab dem Moment, als Molly ins Büro kommt, fesselnd bis die Ermittlungen endlich greifen und entspannend, wenn ich mir vorstelle, ich liege dort an der Ostsee und schaue einfach nur ins blaue Wasser, höre den Wellen zu oder in den hellen Himmel.
Ein Krimi, der mich sehr gut unterhalten hat, der alles hat, was ich von einem guten Krimi erwarte und der volle 5 strahlende Sterne und eine Leseempfehlung von mir bekommt.
Bär und Marlein haben einen neuen Fan
Auf der Straße gilt unser Gesetz von Khalil O.
Privatdetektiv Philipp Marlein hat einen neuen Klienten. Religionswissenschaftler und Theologe Gerhard-Johann Klüngelbein leidet unter Verfolgungswahn und hat Angst, dass ihn die Neuen Tempelritter wegen seines bald zur Veröffentlichung kommenden Buches ermorden wollen. Zusammen machen sich die Beiden auf eine Reise quer durch Süddeutschland um die letzten Recherchen zu Maria-Magdalena und ihrem Leben zu machen.
Und wahrhaftig wird Klüngelbein nach seiner Rückkehr nach Fürth in seinem Haus mit seinem Brieföffner erdolcht aufgefunden.
Hobbydetektiv Emil Bär soll Gewalttaten in und um Kempten aufklären, die einer Gruppe junger Frauen zugerechnet werden, die einen Maria-Magdalena-Geheimbund gegründet haben.
Beide Männer treffen in der Benediktinerabtei Kloster Ettal aufeinander. Was sich dann hier alles abspielt, das sollte jeder von ihnen selbst lesen.
Die ersten beiden Bücher „Schwarze Madonna“ und „Heiliger Bastard“, in denen Philipp Marlein und Emil Bär ermitteln, habe ich noch nicht gelesen. Aber ich finde, „Fromme Sünde“ kann man auch lesen ohne die Vorgängerbände zu kennen. Ich hatte nicht den Eindruck, dass mir Infos fehlen würden. Da aber immer wieder in kleinen Passagen auf diese beiden zurück liegenden Fälle angespielt wird, macht es natürlich Lust, sich diesen auch noch zu widmen.
Marlein und Bär ermitteln hier, jeder in seinen Fall vertieft. Philipp Marlein ist erst mal eine Weile mit Gerhard-Johann Klüngelbein unterwegs um in ganz Süddeutschland Kirchen zu besuchen, die in Bezug zu Maria-Magdalena stehen. Klüngelbein hat bereits ein Buch über die Jüngerin Jesu veröffentlicht und steht kurz vor der Vollendung seines zweiten Buches. Hier verspricht er eine Enthüllung, die das ganze Christentum erschüttern und auslöschen wird.
Emil Bär wird auf Vorkommnisse angesetzt, die mit einem Geheimbund junger Mädchen und Frauen zu tun haben. In Kempten werden immer wieder Männer ins KKH eingeliefert, die regelrecht verstümmelt bzw. zusammengeschlagen worden sind.
Mir waren die beiden so unterschiedlichen Männer sofort sympathisch. Da beide ihre Geschichten abwechselnd in der Ich-Form erzählen, und ich bei jedem einzelnen zumeist kurzen Kapitel in der Überschrift schon lese, um wen es hier jetzt geht, kann man die beiden sehr gut unterscheiden. Mit Emil Bär hatte ich auf den ersten Seiten etwas Probleme mit seiner telegrammstilartigen Ausdrucksweise. Aber da habe ich mich schnell dran gewöhnt. Sie ist einfach sein Markenzeichen.
In diesem Fall geht es hauptsächlich um Maria-Magdalena und die Frage, ob sie Jesu Frau oder Geliebte war. Sehr interessant fand ich die Orte, die Philipp Marlein mit G.-J. Klüngelbein besucht hat. Obwohl ich mich noch nie so wirklich für Kirchengeschichte usw. interessiert habe, hat mich diese Geschichte um Maria-Magdalena, die Kirchen und die verschiedenen Gemälde gefesselt.
Im Nachwort zum Buch wird noch einmal erläutert, was fiktiv, was wahr und nachprüfbar und was spekulativ ist. Unterhaltsam ist dieses Buch auf alle Fälle. Marlein und Bär haben hier mit mir einen neuen Fan gefunden.
Und da Marlein und Bär der Meinung sind, dass dies hier bestimmt nicht ihr letztes gemeinsames Abenteuer war, freue ich mich heute schon auf ein wiederlesen.
Gelungener Einstieg einer neuen „Ermittlerin“
Der halbe Russ von Isolde Peter
Grad direkt vor dem Münchner Hofbräuhaus stößt Erika Sengerbach auf eine Leiche. Kriminalhauptkommissar Melchior Hoblmayr und sein Neuzugang Sepp Leutner, der bei fast allen, weil am Tag nach dem Reaktorunglück geboren, nur der Tschernobyl-Seppi heißt, tun sich bei den Ermittlungen in der Straßenmusikerszene nicht leicht.
Was für ein Glück, dass Daisy Dollinger, die Sekretärin der Staatsanwältin, im Dirndl so eine gute Figur macht und nicht auf den Mund gefallen ist. Und Ziehharmonika spielt sie auch noch. Also geht die Daisy mit ihrem Dackel Wastl auf ihren ersten Undercovereinsatz um herauszufinden, wer dem Oleg Wodka was warum angetan hat. Dass sie diese Ermittlungen auch in ihren Heimatort Dachselkofen im Bayerischen Wald führen würden, daran hätte sie im Traum nicht gedacht.
In einer sehr leichten, lockeren und sehr humorvollen Art erzählt Daisy Dollinger geb. Blochner, Sekretärin der Frau Staatsanwältin, diese Geschichte aus ihrer Sicht auf die Dinge in der Ich-Form. Sie stellt mir in einer unnachahmlichen Weise auch die anderen Protagonisten vor. Den Sepp Leutner, der Tschernobyl-Seppi, mit seinen diversen Verschwörungstheorien finde ich trotz seiner chaotischen Art sehr liebenswert. Die naturverbundenen und Fremden gegenüber eher zurückhaltenden Menschen im Bayerischen Wald, hier Daisys Familie und Verwandtschaft, finde ich sehr gut charakterisiert. Überhaupt haben alle Personen, die ich hier kennenlerne, ihre ganz eigene Art, ihre Ecken, Kanten und Macken, was sie aber auch liebenswert macht. Die meisten zumindest.
Zwischendurch habe ich immer wieder an die Eberhofer-Krimis von Rita Falk denken müssen. Da gibt es einige Parallelen, die auffallen. Nur dass es hier eben eine junge Frau ist, die die Fäden in der Hand hält und sich durchzusetzen weiß. Fast immer dabei Dackel Wastl, von dem ich immer noch nicht genau weiß, ist er ein Manderl oder doch eine Dackeline.
Was mir ein bisserl gefehlt hat, ist die Spannung. Davon hätte es ruhig ein bisserl mehr und von den russischen Klischees ein bisserl weniger sein dürfen. Trotzdem hatte ich richtig gut Unterhaltung mit einer großen Portion Humor, was mir gut gefallen hat.
Isolde Peter ist mit „Der halbe Russ“ ein humorvoller Einstieg in die neue Reihe um die pfiffige Sekretärin Daisy Dollinger gelungen. Kommt nun noch etwas mehr Spannung hinzu, werden die kommenden Geschichten bestimmt auch richtig gut.
Von mir bekommt dieses Debüt 4 von 5 Sternen.
Weitere spannende Abenteuer mit dem kleinen Giesbert
Giesbert hört das Gras wachsen von Daniela Drescher
Nachdem Giesbert, der kleine Wicht, der in der Regentonne wohnt, seine ersten Abenteuer bestanden hat, gibt es nun neue. Nach „Giesbert in der Regentonne“ und „Giesbert und der Gluckerbach“ mussten wir natürlich auch den 3. Band der Reihe um den kleinen Mann mit der grünen Latzhose und dem grünen Blätterhut lesen und vor allem auch anschauen.
In einer absolut kindgerechten und für Kinder verständlichen Sprache erzählt Daniel Drescher, welche Abenteuer der kleine Wicht diesmal zu bestehen hat. Er trifft z.B. Buz, das Holzapfelmännlein, hat Ärger mit der kleinen Ilvi, findet Spuren im Schnee und lernt Nachbar Langohr kennen. 13 kleine Geschichten sind auf 102 Seiten verteilt und lassen sich, da sie nicht so lang sind, sehr gut auch als Gute-Nacht-Geschichten lesen.
Ganz besonders finde ich auch die wunderschönen Illustrationen. Die Bilder sind so farbenfroh gestaltet und es gibt so vieles zu entdecken, dass wir uns zuerst den Bildern gewidmet haben und dann die Geschichten lesen.
Die Giesbert-Bücher werden bei uns immer wieder aus dem Bücherschrank geholt. Dank des harten Einbandes und der etwas dickeren Seiten hat es bisher auch gröbere Behandlungen gut weggesteckt.
Ein wunderbares Kinderbuch für Kinder ab 5 Jahren, das ich absolut empfehlen kann.
Der Autor selbst als Protagonist – klasse gemacht und sehr unterhaltsam
Mord in Highgate von Anthony Horowitz
Der Scheidungsanwalt Richard Pryce wird in seinem Anwesen von seiner Haushälterin tot aufgefunden, erschlagen und erstochen. Die Tatwaffe: eine extrem teure Flasche Wein - 1982 Château Lafite Rothschild Pauillac. Dabei trank der Tote zu Lebzeiten gar keine Alkoholika. Der erste Verdacht fällt auf die Exfrau eines Mandanten von Pryce, die Schriftstellerin Akira Anno.
Sie hatte ihm bei einem Restaurantbesuch gedroht. Hat sie ihren Frust in seinem Tod enden lassen? Ex-Polizisten und nun Privatdetektiv Daniel Hawthorne zieht den Autor Anthony Horowitz an seine Seite um ein Buch über ihn und den aktuellen Fall zu schreiben. Zusammen mit Detective Inspector Cara Grunshaw beginnen die Ermittlungen.
Den ersten Band dieser Reihe kenne ich bisher noch nicht. Aber nach dem Lesen des Klappentextes und einer kurzen Leseprobe wollte ich dieses Buch unbedingt lesen und bin ich ins kalte Wasser gesprungen. Ich hatte allerdings zu keiner Zeit das Gefühl, dass ich irgendetwas Wichtiges aus dem ersten Fall verpasst habe. Vielmehr machen viele kleine Andeutungen Lust, auch noch weitere Bücher von Anthony Horowitz zu lesen.
Was zuerst nach einem so einfach und schnell zu lösender Fall aussieht, entpuppt sich, nachdem immer mehr Verdächtige und ein weiterer Toter auftauchen, als äußerst kniffliger Fall. Daniel Hawthorne und Anthony „Tony“ Horowitz erweisen sich als so ein klasse Team. Der eine mit fast hellseherischen Fähigkeiten, der andere immer einen Schritt hinterher oder auf der falschen Fährte. Ich finde es klasse, wie der Autor sich selbst in diese Geschichte, ebenfalls als Autor hineingeschrieben hat. Das hat mich immer wieder mal zum Schmunzeln gebracht. Als er aber nach einer Messerattacke verletzt ins Krankenhaus kommt, habe ich sogar kurzzeitig um ihn bangen müssen.
Durch die mit vielen unterschiedlichen Charaktereigenschaften ausgestatteten Protagonisten, die mir sehr ausführlich und klar vorgestellt werden, bin ich sehr schnell in der Geschichte drin und mein Kopfkino gibt Gas. Es kommt mir so vor, als würde mich der Autor hier ganz persönlich ansprechen und mir die Geschichte erzählen. Dieser Schreib- und Erzählstil hat mir sehr gut gefallen und ist mal was anderes.
Bei „Mord in Highgate“ habe ich sofort an einen Kriminalroman gedacht. War daher etwas erstaunt, dass auf dem Cover „Roman“ steht. Jetzt im Nachhinein weiß ich, dass das auch eher passt. Es gibt zwar einen Mord, aber das ganze Drumherum, die langsamen Ermittlungen, immer neue Verdächtige, immer neue Spuren (die oft ins Nichts führen) und ein Spannungsaufbau, der irgendwo in der Mitte stehen bleibt und sich dort hält, bieten allerfeinste Unterhaltung. Als Krimi würde ich die Geschichte aber nur im aller weitesten Sinne bezeichnen. Ich jedenfalls habe mich bei den Ermittlungen total blamiert. Zwar hatte ich von Anfang an die Vermutung, dass es nicht bei der ersten Verdächtigen bleiben würde. Aber dann…
Mir hat dieser „Mordfall“ sehr gut gefallen. Ich hatte ein paar Stunden wunderbare Unterhaltung voller Wortwitz, manchmal ironisch verpackt. Da doch noch einige Fragen gerade zu Hawthorne offen geblieben sind, kann ich mich bestimmt auf einen weiteren Fall mit dem ungleichen Ermittlerduo Daniel Hawthorne und Anthony Horowitz freuen.
Aktuell und humorvoll
Hilfe, mein Handy ist ein Superschurke! von Rüdiger Bertram
Franzi zählt mit: Bereits 3688 x hat sie ihre Eltern gebeten, anstatt des Plastikhandys für Babys, das sie hat, ein richtiges Handy zu bekommen. Ihre Eltern haben nicht so viel Geld, können sich für Franzi keines leisten. Aber als Franzi von ihrem ersten Schultag am Gymnasium zurück kommt, hält ihr Papa ein Päckchen hin.
Darin ist ein Handy. Kein Smartphone, aber ein richtiges Handy. Sogar mit einem kleinen Guthaben. Was sie mit ihrem ganz besonderen Dandy Smart alles erlebt, davon erzählt diese Geschichte.
Kleine Geschichten, wie z.B. dank Dandy Smart ein Kätzchen gerettet wird, wie er illegal zu einer Pizza für Franzi kommt oder wie sie die alte Frau Berkel mittels Dandy beim Dame spielen beschummelt. Und auch, wenn der Super-Chip nun im Bauch von Hamster Theo sein Dasein fristet – die Beiden sind ab jetzt einfach unschlagbar.
In 23 Kapiteln, die ich mit unserem kleinen Nachbarn abwechselnd gelesen habe und die sich auch gut vor zum zu Bett gehen lesen lassen, bin ich dabei, wie Franzi und ihr Dandy Smart von einem Abenteuer ins nächste stolpern.
Lenny ist ganz begeistert von der witzigen Geschichte. Er bekommt mit seinen 9 Jahren schon mit, wie Kinder in der Schule ausgegrenzt werden, wenn sie mit dem konsumieren nicht mitmachen können oder wollen. Vor allem gefallen ihm auch die kleinen Zeichnungen, die die Geschichte auflockern.
BFF – gut, dass die Erklärung auf einem Bild abgebildet ist. Was ein Babo ist musste ich mir auch erklären lassen.
Eine nette Geschichte, die fast wie ein Märchen daher kommt und die die Fantasie anregt. Dank der vielen kurzen Kapitel für Leseanfänger genau so geeignet wie für ältere Kinder, die mit Franzi und Dandy Smart bestimmt ihren Spaß haben.
Von Lenny und mir bekommen Frieda und Dandy Smart 4 von 5 Punkten.
Super lecker und super leicht nachzukochen
Sila's Orientküche von Sila Sahin
Als großer GZSZ Fan bin ich Sila Sahin 5 Jahre lang gefolgt. Genau so habe ich ihre Auftritte bei Let´s Dance in 2013 bis zum 2. Platz verfolgt. Nun also ihr Kochbuch aus dem GU-Verlag.
Mich hat sofort angesprochen, dass sie auf frische, gesunde Zutaten Wert legt und vielseitig und vollwertig kocht mit viel Gemüse und Obst und nur ganz wenig Fleisch.
Im Inhaltsverzeichnis bekomme ich schon einen Überblick, was mich alles erwartet. Von einem Blick in den Vorratsschrank geht es zu den Gewürzen. Hier fällt mir auf, dass ich die meisten davon schon in meinem Gewürzbord stehen habe. Nichts ist schlimmer, als wenn ich beim Kochen bin und dann ein „Exot“ gefordert ist, den ich nicht da habe. Überhaupt sind es fast alles gängige Zutaten, die ich sowieso benutze. Ich mag es nicht, wenn ich dann Zutaten zuhause habe, bei denen ich später nicht weiß, wie ich sie noch verwenden kann.
Nach den Rezepten von Silas Mama bekomme ich schnelle Gerichte für die Working Mum. Natürlich kocht sie für ihren Liebsten, der die vegetarische Küche bevorzugt und es gibt Gerichte, die sich für ein Love Dinner eignen. Es gibt die gesunde Küche genau so wie kleine süße Sünden. Die Gerichte für die große Tafel werden genau so behandelt wie das Frühstück. Dazu passend serviert Sila Sahin die ein oder andere Anekdote.
Mir ist schon beim Durchblättern des Buches bei manchen Gerichten das Wasser im Mund zusammen gelaufen. Jedes Rezept beansprucht für sich eine Doppelseite – auf der einen die Zutaten und die Zubereitung Schritt für Schritt, sowie die Zubereitungs- und Garzeit und kcal-Angaben. Auf der anderen Seite ein Foto, wie es nach dem Anrichten aussehen sollte (was mir manchmal nicht ganz so gelingt) Aber Hauptsache es schmeckt. Auch die Tipps, wie ich die einzelnen Gerichte weiter abwandeln oder ergänzen kann, um wieder einen neuen oder anderen Geschmack zu bekommen, finde ich toll.
Als ich dann als ersten Versuch aus dem neuen Kochbuch einen Gemüse-Linsen-Topf auf den Tisch gebracht habe, waren sogar die Kinder begeistert. Und nach dem Paradiesäpfelsüppchen mit Tomaten aus unserem Garten waren alle restlos überzeugt. Wie man eine einfache Tomatensuppe mit kleinen Abwandlungen so lecker zubereiten kann – vielen Dank liebe Sila.
Ein inspirierendes Kochbuch mit Gerichten aus der orientalischen Küche für jeden Geschmack und jeden Anlass mit einer kleinen Prise Humor. Bei mir steht dieses Kochbuch jetzt ganz vorne im Regal.
Eine Geschichte, die unter die Haut geht
Nach dem Feuer von Hammesfahr Petra
Polizeikommissarin Jasmin Tirtey und Polizeioberkommissar Kurt Schramm werden zu einem brennenden Wohnmobil gerufen. Hier finden sie auch einen Jungen, der immer wieder ins Wohnmobil will um seine 3 Freunde zu retten.
Kommissar Arno Klinkhammer und Hauptkommissarin Rita Voss, die die Ermittlungen leiten, sind sich nicht sicher, ist der Junge, der zu allen persönlichen Fragen schweigt, geistig behindert oder will er seinen Namen nicht preisgeben.
Als dann eine ermordete und in Szene gesetzte Frau gefunden wird, scheint sich das Dunkel ganz langsam zu lichten. Aber bis zur Auflösung des Falles ist es aber noch ein weiter Weg…
Und obwohl es mir anfangs etwas schwer gefallen ist die vielen Menschen, die ich hier kennenlerne, einzuordnen, bin froh, dass ich diesen Weg mit Petra Hammesfahr gegangen bin. Es war ein super spannender.
Mit „Nach dem Feuer“ liefert sie mir einen ausgefeilten Psychothriller, der mich gefangen genommen und erst zum Schluss mit einem Seufzer wieder losgelassen hat. Boah, das ist kein Buch, das man mal schnell zwischendurch weg liest. Meine ganze Konzentration war gefordert, um die Familienkonstellation des Jungen David zu durchblicken um ganz langsam der Wahrheit auf den Grund zu kommen. Ich war schockiert, wie man einen kleinen Jungen dermaßen geistig verwahrlosen lassen kann. Wie man den Vater seiner Kinder als Vergewaltiger hinstellen kann. Wie narzisstisch veranlagt man sein kann.
Die Geschichte, mit einem raffiniert konstruierter Plot, die es in sich hat, die mich aufgewühlt und entsetzt hat. Mit kurzen Kapiteln, bei denen das Leben und Denken der Personen aus verschiedenen Blickwinkel beschrieben wird und so das Bild noch dichter werden lässt. Zwischendurch bekomme ich immer wieder Einblicke in das Leben des Jungen, dessen Identität lange nicht geklärt werden kann.
Aber nicht nur Daniel, der mir einfach nur leid getan hat, ist eine sehr interessante Figur. Mir hat auch Rita Voss mit ihrer sehr einfühlsamen Art an die Ermittlungen heran zu gehen sehr gut gefallen. Obwohl sie mir sehr unsympathisch war, haben mir die Einblicke in das Leben von Daniels Mutter sehr gut gefallen. Alle Charaktere erscheinen sehr menschlich, vorstellbar und halten sich mit sympathisch bzw. unsympathisch fast die Waage.
Die Spurensuche erweist sich als sehr schwierig und geht sehr langsam voran. Dabei steigt der Spannungsbogen unaufhörlich an und immer wieder eingesetzte falsche Fährten führen mich dauernd in die Irre. Ich habe mich selten bei meinen eigenen Recherchen zur Auflösung so schwer getan.
Alles in allem ein fantastisch geschriebenes Buch über eine total kaputte Familie, über Schuld und Rache, das mich tief in die Abgründe menschlicher Seelen hat blicken lassen.









