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Rezensionen von Miro:

Race & gender

Identitti von Mithu Sanyal

Race & gender sind die Themen, die Nivedita Zeit ihren Student*innenlebens am meisten beschäftigen. Als indisch-polnische Mischung, die in Deutschland geboren wurde, ist sie immer auf der Suche nach Identität.

Als sie bei Saraswati Postcolonial Studies zu studieren beginnt, öffnet sich für sie eine neue Welt.

Sie beginnt sich selbst mit anderen Augen zu betachten, umgibt sich mit Freund*innen, in ähnlichen Situationen und ist halbwegs erfolgreiche Bloggerin unter dem Namen Identitti.

Bis zu dem Tag, als sie erfährt, dass ihre geliebte Professorin gar nicht als Inderin geboren wurde, sondern als blondes deutsches Mädel.

Niveditas Welt steht Kopf. Doch sie entschließt sich, vorerst an Saraswatis Seite zu bleiben, um zu verstehen, was ihr Idol antreibt.

Sie durchläuft einen schwierigen Prozess aus Loyalität und Abnabelung, erkennt, wer ihre wahren Freund*innen sind und wird dabei ganz nebenbei erwachsen.

Mithu Sanyal hat hier einen wichtigen Roman vorgelegt. Das zentrale Thema zeigt die Schwierigkeiten bei der Identitätsfindung auf. Race ist ein Konstrukt, geschaffen aus weißen Privilegien, die längst überholt sind und dennoch in unsere Zeit wirken und manchmal so starke Auswirkungen haben, dass es ganz reale Opfer gibt.

Aus diesem Grund findet sich auch der Anschlag in Hanau in diesem Buch und der Opfer wird gedacht.

Der Roman zeigt auch die Sprachlosigkeit auf, die uns diesen Diskurs erschwert. Wir haben keine Wörter für Menschen mit anderer Hautfarbe. Die Autorin wechselt hierfür ins Englische und spricht von person of color und race. Ob das die beste Lösung ist, kann ich hier nicht beantworten.

Um den Diskurs für alle verständlich zu machen, wird im ersten Teil des Romans sehr viel erklärt. Stellenweise hatte ich fast das Gefühl ein Sachbuch zu lesen, aber das ist wohl notwendig, um alle auf den gleichen Level zu bringen.

Aber dann nimmt auch die Handlung Fahrt auf und es wird richtig spannend.

Aufgelockert ist das Buch mit Twitterperlen von realen Blogger*innen, die sicher vielen Leser*innen bekannt sind und teilweise sehr amüsant zu lesen sind.

Und das Ende ist versöhnlich - wie soll es auch anders sein!

Bei mir hat der Roman einige Denkanstöße hinterlassen, Schubladen geöffnet und bereits Diskussionen angeregt. Damit hat Mithu Sanyal ihr Ziel erreicht, denn das ist, was man einem Roman wünschen kann.

Ich empfehle dieses Buch allen, die bereit sind ihre Augen für andere Lebensentwürfe zu öffnen, allen die auf der Suche nach Identität sind und allen, die gerne in diesen Diskurs einsteigen wollen!

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Euphancholie

Hard Land von Benedict Wells

"Einerseits zerreißt's dich vor Glück, gleichzeitig bist du schwermütig, weil du weißt, dass du was verlierst oder dieser Augenblick mal vorbei sein wird. Dass alles bald vorbei sein wird. Vermutlich ist die ganze scheiß Jugend Euphancholie." (S. 99)

Sam ist kurz vor seinem 16. Geburtstag.

Sein einziger Freund ist weggezogen, sein Vater arbeitslos und seine Mutter leidet an einem Hirntumor. Als könnte es nicht schlimmer kommen, soll er den Sommer auch noch bei einer Tante mit ihren zwei gewalttätigen Söhnen verbringen.

Doch es kommt alles ganz anders. Ein Ferienjob im Kino der Kleinstadt rettet seine Ferien und macht diesen Sommer zum schönsten und schrecklichsten seines Lebens.

Er findet Freunde, verleibt sich und seine Mutter stirbt.

Er darf aber auch Mut beweisen, die Kraft der Freundschaft spüren und Halt in der Familie finden, wo er ihn nicht vermutet hatte. Zwischen Alkoholgelagen, Mutproben und tiefsinnigen Gesprächen wird Sam schneller erwachsen, als ihm lieb ist. Wie im Rausch surft er die Höhen des Lebens entlang, nur um sich später in den tiefsten Abgründen wiederzufinden.

Aber er ist nicht allein mit seinem Schmerz und das ist alles, was seine Mutter sich für ihn gewünscht hat.

Erzählt wird diese Geschichte als Rückblick, eingerahmt von einem Lyrikwerk, das in der Schule behandelt wird. Die Verweise auf die Gedichte geben dem Text immer wieder ein Stücken Tiefe und erweitern den Horizont des Jugendlichen.

Und Benedikt Wells versteht es großartig mit der Stimme eines Teenagers zu schreiben. Als Leser*in fühle ich mich zurückversetzt in meine Zeit, als ich mittendrin war und als viele Dinge so viel Gewicht hatten; als der Schmerz mich am Boden festnagelte und die Höhepunkte des Lebens mich zum fliegen brachten.

Hard Land ist ein wunderschönes Buch, denn Wells schreibt wie kein anderer. So viele schöne Sätze finde ich sonst selten in einem Buch. Ich mag seine einfachen Sprachbilder und die kleinen Weisheiten, die sich manchmal in Nebensätzen finden.

Und ich liebe diese Hommage an die Jugend! Die Jahre im Leben, wo alles möglich ist, alles wichtig ist - die Zeit, wo der Ball in der Luft ist.

Aber Vorsicht! Wenn sie dieses Buch lesen, könnte es sein, dass es sich so anfühlt:

"... da vergaß ich die Zeit und ließ mich mitreißen, und ich fühlte mich so, wie ich mich schon mein ganzes Leben lang fühlen wollte: übermütig und wach und mittendrin und unsterblich." (S. 192)

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Zauberhaft!

Hüterin des Waldes 1: Hannas Geheimnis von Mona Larch

Hanna ist freudig und traurig zugleich zumute, als sie in das Haus ihrer Großmutter übersiedeln. Sie liebt dieses Haus am Waldrand, aber sie vermisst auch ihre Großmutter, zu der sie eine innige Beziehung hatte.

Doch gleich nach der Ankunft wird sie von einem großen Geheimnis überrascht. Ihre Großmutter war Hüterin des Waldes und es ist an Hanna, dieses Erbe anzutreten.

Und kein geringerer als Wiesel Flitz überbringt ihr diese Nachricht, denn Flitz ist der Übersetzer zwischen den Tieren des Waldes und der Hüterin.

Auf Hanna wartet schon die erste Patientin, die ihre Hilfe dringend benötigt. Es bleibt kaum Zeit, in die Aufgabe hineinzuwachsen. Wird Hanna ihrer Rolle gerecht werden?

Sie gibt auf jeden Fall ihr bestes, denn sie liebt die Natur und die Tiere. Sie ist ein beherztes Mädchen, dass sich nicht so leicht entmutigen lässt und das Herz auf dem rechten Fleck trägt.

"Hannas Geheimnis" ist der Auftakt zu einer neuen Reihe und schon dieser erste Teil begeistert Kinderherzen. Die Protagonistin ist liebenswert und aufgeweckt und die jungen Leser*innen können sich gut mit ihr identifizieren. Auch sie macht nicht immer alles richtig und hört nicht immer auf ihre Eltern.

Sie liebt Abenteuer, hat auch mal Angst und weiß, wann sie um Hilfe bitten muss.

Die Geschichte ist ein bisschen spannend, die Sprache ist kindgerecht und aufgelockert ist der Text mit wunderschönen Illustrationen. Das Buch eignet sich für 7 - 10jährigen zum vor- und selbstlesen und wird allen Kindern gefallen, die Freude an der Natur finden.

Meiner Tochter (10) hat das Buch sehr gut gefallen und sie freut sich schon auf den zweiten Teil, der zum Glück nicht sehr lange auf sich warten lässt.

Hüterin des Waldes 2: Häschen in Not erscheint nämlich bereits im April.

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Frau sein in Südkorea

Kim Jiyoung, geboren 1982 von Nam-joo Cho

Kim Jiyoung, ist 33 Jahre alt und eher ungewollt Hausfrau und Mutter. Ihre Tage erfüllen sie nicht und möchte sie sich einmal was gönnen, wird sie als Schma-mama-rotzer bezeichnet. Da beginnt sie plötzlich mit verschiedenen Stimmen zu sprechen. Es sind Stimmen der Frauen aus ihrem Umfeld, manche lebend, manche tot.

Wie kam es so weit mit Jiyoung?

Immerhin konnte sie studieren und ihre Fachrichtung schon selbst wählen! So viele Möglichkeiten hatte ihre Mutter noch nicht.

Doch auch Jiyoung musste Zeit ihres Lebens mit Misogynie kämpfen. Schon Zuhause mussten die Mädchen im Haushalt und bei der Heimarbeit helfen, während ihr Bruder verwöhnt wurde.

In der Schule waren die Mädchen einer strengen Kleiderordnung unterworfen, während sich die Jungen frei bewegen durften und selbstverständlich durften die Mädchen erst nach den Jungen in der Mensa essen. Ob dann noch genug Zeit blieb um ordentlich zu kauen, interessiert hier niemanden.

In Studium und Arbeitswelt ist es dann nicht wirklich anders. Jiyoung arbeitet härtet und effizienter als ihre männlichen Kollegen, wird trotzdem nicht befördert und verdient auch um ein Drittel weniger. Aber richtig schlimm wurde alles erst, als sie schwanger war. Eine 80 Stunden Woche lässt keine Kinderbetreuung zu und flexible Arbeitszeiten gibt es in dieser leistungsorientierten Gesellschaft nicht. Jiyoung hat keine Wahl. Sie muss ihr Kind selbst betreuen und das bedeutet, sie muss ihre Arbeit, die sie geliebt hatte, kündigen.

Obwohl ihr Mann sehr verständnisvoll ist, ist auch er ein Kind dieser Gesellschaft. Seine Versicherungen, sie zu unterstützen helfen Jiyoung nicht, denn sie kann sehr wohl sehen, dass für das Kind beide verantwortlich wären. Doch von Gleichberechtigung ist Südkorea noch Jahrzehnte entfernt.

So lässt Cho Nam-Joo ihre Protagonistin sämtliche Stoplersteine im Leben einer selbstbestimmten Frau erleiden. Kim Jiyoung steht hier für alle südkoreanischen Frauen, die an den gesellschaftlichen Strukturen scheitern und schlussendlich mit einem Doktortitel in der Tasche als Eisverkäuferin landen.

Den Roman hat die Autorin gespickt mit Fakten und Zahlen. So liest sich das Buch stellenweise fast wie ein Sachbuch. Es ist ein Kompendium über die Geburt des Feminismus in Südkorea, zeigt Schwachstellen und Fallen auf und wie tief verwurzelt misogyne Ansichten in der Gesellschaft sind. Es wird wohl noch Jahre dauern, bis sich Familie und Berufsleben dort vereinbaren lassen.

Ich habe Kim Jiyoung's Geschichte mit großem Interesse gelesen. Zum Teil macht es mich fassungslos, mit welchen Vorstellungen die Frauen da zu kämpfen haben und zum Teil finden wir diese Probleme in zwar abgeschwächter Form auch in unsere "modernen" Welt.

Ich bin froh, diesen Roman gelesen zu haben und fand den Blick in diese fremde Kultur sehr interessant. Und ich kam verstehen, dass Kim Jiyoung ihr Scheitern nicht so einfach hinnimmt. Sie flüchtet sich in bekannte Charaktere, wer weiß, was ich gemacht hätte, wäre ich zu so einem Leben verdonnert.

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Warum erkennen wir erst was wir haben, wenn wir es verloren haben?

Die Jahre ohne uns von Barney Norris

Eine Frau erzählt uns ihre Geschichte, nicht nur anhand der Fakten, sondern auch in einer Auflistung ihrer Lieblingswörter.

Im ersten Teil überwiegen Verlust und Einsamkeit. Sie lebt allein, hat jung ihren Vater verloren und zwar später, aber ebenso jung ihren Ehemann. Sie hat sich aufs Land zurückgezogen, lebt ein beschauliches Leben ohne viel Aufregung.

Doch dann kommt Teil 2 und der ist völlig anders als erwartet. Plötzlich finden wir uns in einer völlig verrückten Geschichte wieder, die eher im magischen Realismus angesiedelt ist. Gehetzt folgen wir dem Autor durch ein Leben, dass ebenfalls von Verlust geprägt ist, aber ganz stark auch von der Trauer, etwas verloren zu haben, das nicht wiederbringlich scheint. Hier versucht ein Mann zu seiner Frau zurückzukehren und will und will einfach nicht gelingen.

Wie diese beiden Teile zusammenpassen, zeigt uns der Autor dann ganz unaufgeregt in einer Hotelbar und stellt dabei die große Frage, ob es eine zweite Chance geben kann. Und warum manche Wert erst erkenne, wenn es zu spät ist.

Mit diesem Buch hat mich Barney Norris total überrascht. Ich hatte nicht mit einer magischen Geschichte gerechnet. Aber keine Angst! An alle, die das nicht mögen - schlussendlich klärt sich alles.

Der Autor erzählt hier eine gute Geschichte und eine gute Geschichte muss bekanntlich nicht immer wahr sein. Diese Geschichte im Buch erreicht ihr Ziel und kann überzeugen und mir ging es nicht anders. Auch ich bin von dieser Erzählkunst beeindruckt und überzeugt.

Ich empfehle diese Liebesgeschichte demnach allen, die normalerweise keine Liebesgeschichte lesen, denn dieses Buch folgt nicht den gängigen Pfaden. Dieses Buch ist für Menschen, die gute Geschichten mögen!

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Langloria Freedom Fighters

Perfect Storm von Dirk Reinhardt

Dylan, Luisa, Felix, Boubacar, Kyoko und Matthew sind sechs Teenager, die sich im Computerspiel Langloria, das an WOW angelehnt ist, kennenlernten. Sie schafften zusammen die schwierigsten Quests und haben festgestellt, dass ihre jeweiligen spezifischen Fähigkeiten ziemlich gut harmonieren.

Schnell entschlossen bilden sie eine feste Gruppe und beginnen sich in einem Chat auszutauschen.

Jede*r einzelne von ihnen hat eine spezielle Geschichte und spezielle Fähigkeiten, die sie zu außerordentlich begabten Hackern machen. Also Gruppe werden sie fast unschlagbar.

Als ihnen Boubacar von den Ungerechtigkeiten in seinem Land erzählt, die mit dem Abbau von Coltan zusammenhängen und aufzeigt, dass zwei große amerikanische Konzerne ursächlich Verantwortung tragen, beschließt die Gruppe rasch, da einzugreifen. Sie starten einen Perfect Storm gegen große und mächtige Gegner.

Erzählt wird uns diese Geschichte im zeitlichen Rahmen von fünf Tagen aus dem Leben eines NSA-Ermittlers, der dieser Gruppe auf der Spur ist.

Wir lernen die Jugendlichen aus seinen Aufzeichnungen kennen, dürfen ihre Chatprotokolle lesen und zwischendurch auch mal Aufzeichnungen aus dem Spiel. Diese unterschiedlichen Annäherungen zeigen uns die Teenager aus diversen Blickwinkeln und bilden so ein interessantes Bild. Ihre Überzeugungen und ihr Mut wirken grenzenlos. Auch dann noch, als ihnen klar wird, mit wem sie sich da wirklich angelegt haben und dass sie nicht nur in der virtuellen Welt gesucht werden.

Ob sie es schaffen, die Welt aus den Angeln zu haben, wird hier natürlich nicht verraten. Das bleibt spannend bis zum Schluss.

Der Autor spielt hier geschickt mit verschiedenen Stilmitteln und entspinnt einen packenden Thriller, der große Fragen aufwirft: Wie weit darf man gehen, um einem guten Zweck zu dienen? Oder wie weit, darf man die Grenzen der Legalität ausdehnen, im Kampf für die Schwachen und Machtlosen?

Ich habe dieses Buch leidenschaftlich gerne gelesen, obwohl ich kein Profi in der virtuellen Sprache bin. Aber für solche Menschen wie mich gibt es ein Glossar am Ende und somit ist alles gut verständlich und ich konnte ein bisschen über meinen Tellerrand blicken.

Perfect Storm ist zwar ein Jugendbuch, aber ich kann es auch allen älteren Leser*innen empfehlen, die eine spannende Geschichte zu schätzen wissen, der es nicht an Brisanz mangelt!

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Gnadenhof oder Turnierbetrieb

Pferdeflüsterer-Mädchen, Band 1 - Rubys Entscheidung von Gina Mayer

Ruby ist mit ihrer Mutter Laura von Berlin nach Cornwall in deren Geburtsort gezogen. Da leben auch ihre Großeltern und ihre etwas chaotische Tante Leslie.

In der neuen Schule findet Ruby schnell Anschluss und schnuppert auch gleich in ihrer ersten Woche im Reiterhof an den Klippen. Die Ocean Ranch ist ein Ort für alle möglichen "ausgemusterten" Tiere.

Hier lebt ein Polizeihund, der nicht scharf genug war, eine dreibeinig Katze, die niemand mehr wollte und Pferde, die fast verhungert waren oder Narben von Peitschenhieben haben. Der Besitzer ist ein Pferdeflüsterer, der selbst früher mal Turnierreiter war.

Ruby, die sich für eine gute Reiterin hält, versagt auf diesem Hof komplett. Denn hier wird nicht mit Trense geritten und den Pferden wird auch nicht der Wille des Reiters aufgezwungen.

Deshalb entscheidet sich Ruby für den modernen Hof von Mr. Hegarty, dessen Pferde viele Preise in Turnieren holen. Hier wird hart trainiert, aber auch vor anderen Methoden wird nicht zurückgeschreckt. Siegen ist alles!

Schnell beginnt Ruby an der Richtigkeit ihre Entscheidung zu zweifeln. Wird sie einen Ausweg finden?

Ruby's Geschichte hat meiner Tochter und mir prinzipiell sehr gut gefallen. Allerdings hat meine Tochter einen großen Einwand. Nur weil jemand mit Trense reitet ist er/sie noch kein Tierquäler. Pferde sind das gewohnt, es tut ihnen nicht weh und meistens tragen sie ihre Reiter*innen sehr gerne. Das hat uns schon etwas gestört. Das ist aber auch die einzigen Kritik. Ansonsten ist die Geschichte stimmig. Mut muss bewiesen werden, Stellung muss bezogen werden und eine Menge Gefühle wallen auf.

"Ruby's Entscheidung" hat alles, was eine gute Geschichte vorweisen muss. Der Stil ist altersentsprechend einfach, die Schrift angenehm groß. Es liest sich leicht und meine Tochter möchte unbedingt den nächsten Band lesen.

Ein gelungener Auftakt!

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Kamtschatka

Das Verschwinden der Erde von Julia Phillips

Kamtschatka ist eine abgeschiedene russische Halbinsel, die vorwiegend von Russen bewohnt wird, aber eben auch von Ureinwohner*innen, Ewenen, oder Korjaken.

Die Autorin hat ein Jahr in diesem harten Land verbracht und somit ihre Geschichte dahin verheimatet. Als Aufhänger gilt das Verschwinden zweier russischer Mädchen im August eines Jahres.

Im folgenden schildert sie Ereignisse aus verschiedensten Frauenleben, die indirekt oder direkt von dieser Tragödie betroffen sind.

Zusätzlich gibt es ein weiteres verschollenes Mädchen aus einem Dorf im Norden. Ein ewensiches Mädchen, dem die Polizei rasch unterstellte, dass es abgehauen sein muss.

Die verschwundenen Mädchen sollen einen Graben aufzeigen, wie es ihn zwischen Ureinwohner*innen und Besatzer*innen überall auf der Welt gibt. Doch dann zeigt sich auch bei den russischen Mädchen, dass nur sehr oberflächlich ermittelt wurde.

Die Geschichten dazwischen wirken recht lose. Einzelne Frauen erzählen aus ihrem Alltag, der meist auf irgend eine Art schwierig ist und manchmal ebenfalls eine Tragödie aufweist.

Trotzdem kratzt der Roman nur an der Oberfläche der Figuren. Das Buch vermittelt den Eindruck, es möchte ein Porträt dieser vielschichtigen Gesellschaft aus Sicht der Frauen aufzeigen. Leider wird es diesem Anspruch bei weitem nicht gerecht. Die Autorin konnte die Strukturen und Besonderheiten dieser Kultur eben nur als Besucherin wahrnehmen. Kein Wunder, dass sie sie nicht durchdringen konnte. Und kein Wunder, dass dann die Geschichte ebenfalls nicht in die Tiefe gehen kann.

So wirkt dieser Roman wie ein Aneinanderreihung einzelner Kurzgeschichten die leider manchmal nicht besonders interessant sind. Ich finde es sehr schade, denn Kamtschatka und dessen Bewohner*innen bieten bestimmt Stoff für ganz viele Geschichten. Land und Leute haben mich sehr interessiert und die Einblicke in die ewenische Kultur sind auch der Grund, warum ich mich schließlich doch für 3 Sterne entschieden habe.

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Erwachsenwerden mit Gespenstern

Die Gespenster von Demmin von Verena Keßler

Larissa, genannt Larry lebt mit ihrer Mutter in Demmin und wünscht sich nur eines, weg und Abenteuer erleben. Sie will Kriegsreporterin werden und dafür härtet sie sich jetzt schon ab.

Larry's Kindheit ist überschattet von Gespenstern. Da ist das Gespenst ihres Bruders, der mit fünf Jahren Opfer eines Verkehrsunfalls wurde.

Ihre Mutter war damals mit ihr schwanger und die Ehe hat diese Tragödie nicht überlebt.

Außerdem sind da die vielen Gespenster im Ort vom Massensuizid zu Kriegsende, der nicht wirklich thematisiert wird. Die Toten bleiben ein Geheimnis und die Überlebenden tragen schwer an ihren Erinnerungen.

Larry ist ein freundliches Mädchen. Sie kann gut mit alten Leuten und hilft in ihrer Freizeit den Friedhof sauber zu halten. Dadurch beschäftigt sie sich viel mit dem Tod und besucht auch regelmäßig das Grab ihres Bruders.

Als ihre Mutter wieder einmal einen neuen Freund nach Hause bringt und dieser auch noch gleich einziehen möchte, überschlagne sich die Ereignisse.

Zeitgleich soll die Nachbarin in ein Seniorenheim übersiedeln und ihr ganzes Hab und Gut zum Entrümpeln packen, da das Haus verkauft werden soll. Während des Packens überfallen sie die Erinnerungen an das Drama von 1945 und sie trifft eine endgültige Entscheidung.

Verena Kessler hat mit diesem Roman gut herausgearbeitet, wie die Vergangenheit die Gegenwart überschatten kann. Obwohl Larry ihren Bruder nie kennenlernen konnte, greift sein Tod in ihr Leben ein und Larry lebt mit diesem Gespenst unter einem Dach.

Mutter und Tochter müssen lernen, dieses Gespenst gehen zu lassen und in diesem Prozess wird Larry langsam erwachsen, lernt die erste Liebe kennen und muss lernen, wie sich das auf die beste Freundschaft auswirken kann.

Die Autorin hat diesen Roman sehr feinsinnig gesponnen. Hier findet alles seinen Platz. Nichts bleibt offen, alles fügt sich am Ende. Mit schriftstellerischem Geschick werden sogar Fragen geklärt, die ich mir gar nicht gestellt hatte. Dadurch war die Lektüre eine wahre Freude. Von dieser jungen Autorin ist noch großes zu Erwarten! Ich freue mich jetzt schon auf ihr nächstes Werk!

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Freude für ein ganzes Jahr

Der Kinder Kalender 2021 von Internationale Jugendbibliothek, München

Meine Tochter liebt es, das Kalenderblatt umzulegen und das neue Bild zu bestaunen. Im kommenden Jahr darf sie das nicht 12 mal, sonder gleich 52 mal. Der Kinderkalender wird sie durch das Jahr begleiten und Woche für Woche begeistern.

Im Kinderkalender finden sich Gedichte aus allen Ländern dieser Welt und sie sind immer auch in der Originalsprache abgedruckt.

Das macht neugierig, lässt staunen - beispielsweise bei Arabisch - und öffnet den Horizont für Welten, die manchmal gleich vor unserer Haustüre liegen. Denn in der Klasse meiner Tochter ist ein japanisches Kind, ein Kind aus Syrien, eins aus Georgien, eines aus Mazedonien und natürlich auch eines mit Eltern vom afrikanischen Kontinent.

Meine Tochter macht keinen Unterschied bei ihren Freund*innen, aber sie ist fasziniert davon, wenn ein Kind auch eine andere Sprache sprechen kann. Der Kinderkalender bietet mit dieser zweisprachigen Vielfalt eine Möglichkeit sich mit der Vielfalt auf unserer Erde zu beschäftigen.

Ich freue mich schon darauf, mit meiner Tochter wöchentlich diese Länder gedanklich zu bereisen.

Außerdem ist der Kalender eine wahre Augenweide. Die Illustrationen sind bezaubernd, lustig, skurril, manchmal unsinnig und manchmal subtil sinnig. Also alles, was das Kinderherz begehrt.

Ich finde, dieser Kalender ist ein wunderschönes Weihnachtsgeschenk, der Freude für ein ganzer Jahr bereithält. Und das eine oder andere Bild darf vielleicht sogar länger die Wand des Kinderzimmers zieren.

Mich begeistern Bilder wie Gedichte und ich bin mir sicher, meine Tochter wird diesen Kalender lieben.

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