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Rezensionen von Miro:

Eine Reise ohne Wiederkehr

Der Fluss ist eine Wunde voller Fische von Lorena Salazar

Mutter und Sohn fahren in einem motorisierten Kanu den Rio Atrato hinauf. Mit dem Schnellboot würde diese Reise keinen ganzen Tag in Anspruch nehmen. Doch so eilig haben es die beiden nicht, denn sie sind unterwegs zur leiblichen Mutter des Jungen.

Es begleiten sie Verlustangst, Fragen nach der Mutterschaft im Allgemeinen und die Erinnerungen an ihre gemeinsamen Jahre.

So wie der Fluss in stetigem Strom dahinzieht, so plätschern auch die Erinnerungen an die eigenen Kindheit, die plötzliche Mutterschaft ohne die Mühen des Gebärens und die Kindheit des Jungen. Mal wird anderen Reisenden erzählt, mal sind es Gedanken die um diese Themen kreisen.

Das Buch besticht weniger durch die Handlung, als durch die dichte und düstere Atmosphäre die die Reisenden durch alle Dörfer begleitet und schließlich im Zusammentreffen der beiden Mütter mündet.

Lorena Salazar entwickelt durch ihre Schreibweise einen eigenwilligen Sog, der den Lesefluss antreibt. Trotz anspruchsvoller, äußerst lautmalerischer Sprache, wird man immer mehr in diese Erzählung hineingezogen, die einen nicht mehr loslässt. Genau wie die Strömung eines starken Flusses muss man einfach bis zur Mündung folgen und selbst dann verlässt einen die düstere Stimmung nicht sofort. Diese Wunde voller Fische hallt lange nach!

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Quere Familiengeschichte

Die Lüge von Mikita Franko

Miki ist noch sehr klein, als seine Mutter den Kampf gegen den Krebs verliert. Nach dem Wunsch der Mutter kommt er zu seinem Onkel Slawa, der mit seinem Freund zusammenlebt.

Dass sich die beiden seit Jahren lieben, darf keiner erfahren, denn sonst darf Miki nicht bei ihnen bleiben. Für Miki ist es ganz normal, zwei Väter zu haben, doch schon als kleiner Junge muss er lernen, zu lügen und zu verschweigen.

Früh quälen ihn diese Spannungen, denn Miki braucht seine beiden Väter. Papa Slawa ist der, mit dem man fast immer Blödsinn machen und eine Menge Spaß haben kann. Papa Lew ist der, der darauf achtet, dass Regeln eingehalten werden, der aber wie ein Fels in der Brandung steht.

Die Lügen haben Miki immer zugesetzt. Er ist deshalb sogar mal von zuhause weggelaufen. Aber mit dem Älterwerden, wird es für Miki immer schwieriger diese inneren Konflikte zu tragen, bis die ganze aufgestaute Wut in einem Gewaltausbruch kulminiert.

Beim Lesen hat es mir fast das Herz gebrochen, mit welchen Sorgen ein so geliebtes Kind sich abplagen muss, nur weil eine Gesellschaft etwas als normal tituliert hat und etwas anders dadurch abartig sein soll.

Die große Liebe in der Miki aufwachsen darf und sich immer angenommen fühlen darf, trotz Streitigkeiten und verbalen Ausbrüchen, ist aus jeder Zeile zu spüren. Der Autor hat seine Figuren äußerst liebevoll gezeichnet und mutet ihnen einiges zu. Die Spannungen zwischen Innen- und Außensicht sind so eindringlich beschreiben, dass man sie beim Lesen selbst zu spüren meint.

Und dann setzt ihm auch noch die Pubertät zu und sein eigenes sexuelles Erwachen. Aber ein Kind, dass in großer Liebe aufwachsen darf, kann auch viel aushalten. Es tut weh, zu lesen, dass es so sein muss. Und noch trauriger ist, dass es nicht nur in Russland so wäre. Auch bei uns ist es am Land schwer vorstellbar, wie es einem Kind mit zwei Vätern oder zwei Müttern ergeht. Auch dieses Kind sieht sich wahrscheinlich mit einer Menge Vorurteilen konfrontiert.

Mir hat dieser Coming-of-Age Roman ausgesprochen gut gefallen. Ich habe mit Miki gelitten, mit Wanja gelacht, war auch ein bisschen verleibt in Slawa und hatte unglaublichen Respekt vor Lew.

"Die Lüge" ist ein emotionales Buch, das ein Stück weit Regenbogen in die Literatur bringt und ich empfehle es allen, die bereit sind die alten Stereotypen endlich fallen zu lassen.

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Queere Familiengeschichte

Die Lüge von Mikita Franko

Miki ist noch sehr klein, als seine Mutter den Kampf gegen den Krebs verliert. Nach dem Wunsch der Mutter kommt er zu seinem Onkel Slawa, der mit seinem Freund zusammenlebt.

Dass sich die beiden seit Jahren lieben, darf keiner erfahren, denn sonst darf Miki nicht bei ihnen bleiben. Für Miki ist es ganz normal, zwei Väter zu haben, doch schon als kleiner Junge muss er lernen, zu lügen und zu verschweigen.

Früh quälen ihn diese Spannungen, denn Miki braucht seine beiden Väter. Papa Slawa ist der, mit dem man fast immer Blödsinn machen und eine Menge Spaß haben kann. Papa Lew ist der, der darauf achtet, dass Regeln eingehalten werden, der aber wie ein Fels in der Brandung steht.

Die Lügen haben Miki immer zugesetzt. Er ist deshalb sogar mal von zuhause weggelaufen. Aber mit dem Älterwerden, wird es für Miki immer schwieriger diese inneren Konflikte zu tragen, bis die ganze aufgestaute Wut in einem Gewaltausbruch kulminiert.

Beim Lesen hat es mir fast das Herz gebrochen, mit welchen Sorgen ein so geliebtes Kind sich abplagen muss, nur weil eine Gesellschaft etwas als normal tituliert hat und etwas anders dadurch abartig sein soll.

Die große Liebe in der Miki aufwachsen darf und sich immer angenommen fühlen darf, trotz Streitigkeiten und verbalen Ausbrüchen, ist aus jeder Zeile zu spüren. Der Autor hat seine Figuren äußerst liebevoll gezeichnet und mutet ihnen einiges zu. Die Spannungen zwischen Innen- und Außensicht sind so eindringlich beschreiben, dass man sie beim Lesen selbst zu spüren meint.

Und dann setzt ihm auch noch die Pubertät zu und sein eigenes sexuelles Erwachen. Aber ein Kind, dass in großer Liebe aufwachsen darf, kann auch viel aushalten. Es tut weh, zu lesen, dass es so sein muss. Und noch trauriger ist, dass es nicht nur in Russland so wäre. Auch bei uns ist es am Land schwer vorstellbar, wie es einem Kind mit zwei Vätern oder zwei Müttern ergeht. Auch dieses Kind sieht sich wahrscheinlich mit einer Menge Vorurteilen konfrontiert.

Mir hat dieser Coming-of-Age Roman ausgesprochen gut gefallen. Ich habe mit Miki gelitten, mit Wanja gelacht, war auch ein bisschen verleibt in Slawa und hatte unglaublichen Respekt vor Lew.

"Die Lüge" ist ein emotionales Buch, das ein Stück weit Regenbogen in die Literatur bringt und ich empfehle es allen, die bereit sind die alten Stereotypen endlich fallen zu lassen.

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Glückliche Auszeit

Die Kinder sind Könige von Delphine Vigan

Happy Récré - glückliche Auszeit - heißt der Familienkanal, den Melanie bespielt seit ihre Tochter Kimmy 2 Jahre alt ist.

Melanie wollte immer berühmt sein. Als Teenager hat sie ihre Zeit damit verbracht, Reality Shows zu schauen und wollte ihren Idolen nacheifern. Sie hat es sogar mal durch ein Casting geschafft, wurde allerdings bei den Probeaufnahmen bereits wieder gefeuert.

Sie war nicht extrovertiert genug. Sie war zu sehr auf ihre Grenzen fixiert.

Das sollte sich später ändern, denn Melanie tut alles, damit ihre Kinder berühmt und glücklich sind. Für ihre Vorstellungen gehören diese zwei Adjektive zwingend zusammen. Nebenbei scheffelt die Familie ordentlich Geld mit diesem Kanal, dessen Follower die Millionengrenze längt überschritten haben und schließlich durch die Decke gehen, als Kimmy vermisst wird.

In diesem Roman begleiten wir nicht nur Melanie und ihre Familie, sondern auch die Ermittlerin Clara. Eine patente Polizistin, die ebenfalls eine ungewöhnliche Kindheit hatte. Allerdings nicht im Internet. Die Kapitel über sie und ihre Arbeit fand ich sehr interessant und geben der beklemmenden Story der Geschwister Kimmy und Sammy einen Gegenpol bzw. eine kleine Auszeit von der überbordenden Veröffentlichung des Privatlebens.

Delphine de Vigan thematisiert hier die Folgen oder Traumata, die Kinder ertragen müssen, deren Leben sich in der Öffentlichkeit abspielt. Das vermeintlich sichere Zuhause wird hier zu Bühne und die Persönlichkeit geht unter in der Rolle, die es täglich zu spielen gilt.

Was mit Kimmy passiert, verrate ich hier natürlich nicht. Nur so viel: diese Geschichte ist spannend bis zuletzt. Fast ein Thriller, den die Autorin hier vor dem erneuten Hintergrund aufgezogen hat.

Für mich war das Buch ein echter Pageturner. Es ist abwechslungsreich, es bietet sich eine gewisse Themenvielfalt, es gibt einen Spannungsbogen, der nicht überstrapaziert wird und der Stil ist ansprechend zu lesen. Eignet sich auch hervorragend als Sommerlektüre!

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Gewalt und Verrohung im gebeutelten Belfast

Amelia von Anna Burns

Mit "Milchmann" hat uns Anna Burns bereits tiefe Einblicke in die andauernden Konflikte in Nordirland geboten. Auch dieser Roman war nicht einfach zu lesen. Die sperrige Sprache und die alltägliche Gewalt waren nicht leicht zu ertragen. Ihr Debüt "Amelia", das erst jetzt auf Deutsch erschienen ist, ist noch ein ganz anderes Kaliber.

Die Autorin lässt uns in Episoden an Amelias Leben teilhaben. 1969, als die Konflikte so richtig ausbrechen, ist Amelia 8 Jahre alt - ein neugieriges Kind, das versucht die Welt um sich zu verstehen und in eine Zeit hineinwächst, die von Gewalt und Missbrauch durchdrungen ist.

Die arbeitende Klasse ist den Straßenkämpfen völlig ausgeliefert. Familien werden zerrissen, Freunde werden zu Feinden, Auge um Auge und nie, aber wirklich niemals davonlaufen, denn es gilt das Gesicht zu wahren. Lieber sehenden Auges in den Tod gehen, als Schande über die Familie bringen.

Amelia aber, geht einer Schlägerei lieber aus dem Weg. Sie flüchtet sich in ihre Magersucht, entfremdet sich immer mehr von ihrer gewalttätigen Familie und driftet schließlich in die Alkoholsucht ab. Sie weiß, dass sie ihrer Heimat den Rücken kehren muss, aber sie schafft es erst, als es fast zu spät ist. Sie nimmt ihre Neurosen mit in ihre neue Heimat.

Anna Burns zeigt uns mit diesem Roman, dass die über Jahre andauernde Gewalt auf den Straßen niemanden unbeeinflusst lässt. Sie greift um sich und zieht alle in ihren Bann. Ein Entkommen ist kaum möglich. Die Auswirkungen auf den Alltag und die Psyche der Betroffenen sind enorm.

Für meinen Geschmack veranschaulicht die Autorin das ein bisschen zu genau. Manche Szenen strotzen vor Gewalt, Verrohung und Missbrauch. Ich hätte das gerne nicht so detailliert geschildert gehabt. Ich hätte die Botschaft auch dann verstanden, wenn die Tragödien nicht so auserzählt gewesen wären. Das war mir schon fast zu viel.

Bei der Lektüre begleiten wir Amelia bis zu den Friedensverhandlungen 1994. Also fast dreißig Jahre ihres Lebens und doch kämpft sie immer noch mit ihren Wurzeln. Es gibt einen klitzekleinen Lichtblick am Ende, aber der innere Kampf ist längst nicht ausgestanden. Die vielen Toten, die am Wegrand liegen, machen das Überleben auch nicht leichter.

Das Buch ist sehr eindringlich und lässt bestimmt niemanden kalt, aber ich bin mir sicher, dass es vielen Leser*innen zu direkt, zu brutal und zu heftig ist und dadurch vielleicht sogar weniger Menschen erreicht, als es möchte. Mir hat es streckenweise viel Überwindung gekostet weiter zu lesen und deshalb kann ich auch nur 3 Sterne vergeben für diesen schonungslose n Roman, der wie ein lauter Hilferuf aus Belfast klingt.

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Wütendes Feuer verzehrt

Wütendes Feuer von Fang Fang

Das ist mein erstes Buch einer chinesischen Schriftstellerin und mit diesem Buch habe ich eine äußerst laute Stimme erwischt, die die Zustände im Land anprangert.

Mit Yingzhi zeigt uns Fang Fang eine Protagonistin, die sich mit ihrer Rolle, die ihr als Ehefrau im chinesischen Hinterland zugesprochen wird, nicht abfinden will.

Sie sieht die Ungerechtigkeiten mit denen die Frauen am Land täglich umgehen sollen und prangert sie lautstark an. In wüsten Streitigkeiten versucht sie ihre Rechte gegenüber Mann und Schwiegereltern durchzusetzen. Wir lesen Szenen, die bestimmt niemanden kalt lassen. Fang Fang schont ihre Leser*innen nicht!

Auch die Sprache des Buches sticht hervor. Schonungslos, unbarmherzig, direkt, sehr rural und dadurch sehr authentisch ist diese Geschichte geschrieben. Die Wut der Protagonistin springt direkt über beim Lesen.

Ich weiß nicht, ob die Autorin immer in so derber Sprache schreibt, oder ob sie die Sprache an den Schauplatz iheres Roman angepasst hat. So oder so beeindruckt es mich mächtig und obwohl ich "Wuhan Diaries" nicht lesen wollte, hat dieses Buch nun meine Meinung geändert und ich bin auch darauf neugierig.

Die chinesische Kultur ist uns Mitteleuropäer*innen ziemlich fremd, aber die Diskrepanzen zwischen Stadt und Land, Männer und Frauen oder Arm und Reich fühlen sich doch irgendwie immer gleich an. Nur, dass die Klüfte in China eben etwas größer sind.

Ich bin dankbar, dieses Werk gelesen zu haben, dass voller Wut auf ein System steckt, dass so dringend überwunden werden muss. Die Autorin hat mich mit diesem Frühwerk sehr neugierig gemacht auf ihr Schaffen und ich bin froh, dass es noch zwei weitere Bücher gibt, die bereits auf Deutsch erschienen sind.

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Über Lügen und andere Wahrheiten

Die Gezeiten gehören uns von Vendela Vida

Eulabee und Maria Fabiola sind die allerbesten Freundinnen. Sie leben in einem schmucken Stadtteil von San Francisco, besuchen eine Privatschule für Mädchen und wachsen eigentlich recht behütet auf.

Maria Fabiola ist eine schillernde Schönheit, immer auf der Suche nach Aufmerksamkeit. Eulabee ist schlau, eine gute Schülerin und steht immer etwas im Schatten ihrer Freundin.

Doch so untrennbar sind die beiden Mädchen gar nicht, denn eines Tages behauptet Maria Fabiola, dass der Mann, der sie nach der Uhrzeit gefragt hatte, sich währenddessen im Auto selbst befriedigte. Die beiden anderen Mädchen in ihrem Kreis zeiht sie schnell auf ihre Seite, doch Eulabee steht zu ihrer Sicht der Situation und sagt aus, dass da nichts war.

Die Folgen hat sie zu tragen und Maria Fabiola ist manipulativ. Für Eulabee ändert sich alles. Maria Fabiola allerdings macht einfach weiter.

Eulabee überzeugt als Protagonistin in diesem Roman. Ihre Gedankengänge und Ideen sind gut nachvollziehbar. Sie ist sich der Macht der Worte bewusst und trägt auch die Konsequenzen. Die ganze Situation mit den Mädchen entgleitet, Eulabee wird in ihren Grundfesten erschüttert und lässt dabei ihre Kindheit zurück.

Dieses Buch ist eine etwas andere Coming-of-Age Geschichte. Die Dramen sind nicht so unmittelbar, es gibt keine große Liebe, aber es gibt ein Mädchen, die zu ihrer Meinung steht, Verantwortung übernimmt und ihren Weg geht, auch wenn dieser steinig ist.

Vendela Vida konnte mich auch mit diesem Buch begeistern. Ihre Sprache ist einfach und direkt, die Entwicklung der Persönlichkeiten hat mir gut gefallen. Einzig der Schluss, der im Schnelldurchlauf mehrere Jahre abhandelt war mir etwas zu kompakt. Das Buch hätte durchaus ein paar Seiten mehr vertragen. Allerdings sollte der Fokus wohl bei den kleinen und größeren Lügen und deren Folgen bleiben. Wäre alles auserzählt worden, hätte sich vielleicht die Gewichtung verlagert.

Mir hat gut gefallen, wie die Autorin die Macht der Worte hervorhebt und bewusst macht, welche Auswirkungen kleine Lügen haben können!

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Was für ein Aufstieg, was für ein Leben!

Der große Fehler von Lee Jonathan

Andrew Haswell Green (1820 - 1903) war der Sohn eines Farmers. Mit dem Kopf in den Wolken und einem untrüglichen Gespür für Strukturen konnte er schon als Kind einigen Ideen auf dem Hof umsetzen. Doch ein Skandal veranlasste seinen Vater, ihn nach New York in die Lehre zu schicken. Er fristete sein Dasein in einem Kabuff eines Gemischtwarenladens, der ihm eine kräftige Lungenentzündung und die Freundschaft zum späteren Präsidentschaftskandidaten Samuel Tilden einbrachte.

Einige Jahre verbrachte Green in Trinidad, als Vorarbeiter, was ihn zu einem noch größeren Menschenfreund machte und ihm ausreichend Geld einbrachte, um im Anschluss Jura zu studieren. Das war sein Sprungbrett für seine Karriere. Als Vater von Greater New York und Schöpfer des Central Parks sollte er eigentlich unvergessen sein. Aber so ist es wohl nicht gekommen.

Die Lebensgeschichte von Andrew H. Green habe ich mit größtem Vergnügen gelesen. Sein Weg ist berührend und beeindruckend. Seine Lebensart lässt weinen und lachen zugleich.

Die Art und Weise, wie uns der Autor diese Geschichte erzählt, hat mir leider nicht so gut gefallen. Der Versuch einen Krimi aus dieser Biografie zu machen, sagt mir nicht zu. Das Leben des Anwalts, des Ermittlers und der wichtigsten Zeugin sind in Zwischenkapiteln ausschweifend ausgearbeitet und haben mich leider gar nicht begeistert. Ich hätte gerne mehr über Andrews Geschwister erfahren, die immer nur am Rande vorkommen.

So bin ich Zwiegestalten bei der Bewertung des Buches. Die Hälfte verdient fünf Sterne, ist interessant, lehrreich und berührend. Die andere Hälfte hat mich leider gelangweilt. Somit vergebe ich 3 Sterne mit Bedauern für ein Buch, das mich eigentlich auch restlos begeistern hätte können!

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Das Leben ist nicht immer einfach

Liebesheirat von Monica Ali

Yasmin und Joe scheinen das perfekte Paar. Die jungen Ärzte sind verliebt, wollen zusammenziehen und vorher heiraten. Bei einem Abendessen sollen sich die Eltern kennenlernen, damit alles besiegelt werden kann.

Doch dann kommt Vieles anders als erwartet.

Genau wie dieser Roman. "Liebesheirat" ist auch anders als erwartet.

Yasmins Familie ist aus Indien eingewandert. Es ist außerdem eine muslimische Familie, auch wenn nur die Mutter richtig gläubig ist und das beten für alle übernimmt. Joe ist Brite und seine Mutter eine bekannte Feministin. Ich hatte mir einen ordentlich Culture Clash erwartet, à la Yasmin im Spannungsfeld zwischen Tradition und Moderne.

Doch Monica Ali verarbeitet wesentlich mehr Themen in ihrem Roman und zeigt auf, dass gar nicht so viel Unterschied zwischen der britischen und der indischen Familie ist. In der Erziehung machen beide Fehler und die Kommunikation hapert ebenfalls bei beiden. Auch Yasmin und Joe reden nicht wirklich miteinander, obwohl beide der Ansicht sind, offen miteinander umzugehen.

Die Autorin zeigt uns mit ihrem Roman, wie nebensächlich die kulturellen Unterschiede oder der Bildungsstand sind, wenn es grundlegend im familiären Geflecht zu viele Geheimnisse gibt. Die Wahrnehmung der Menschen, die einem vermeintlich am Nächsten stehen, kann schwer getrübt von eigenen Wünschen und Vorstellungen sein. Erinnerungen können täuschen und Ziele müssen zurecht gerückt werden.

All dies hat die Autorin in einen kurzweiligen Roman gepackt, der von Anfang ein einen Spannungsbogen aufbaut. Und wir Leser*innen werden nicht enttäuscht. Es tut sich einiges in dieser Familie!

Man könnte anmerken, dass dies alles etwas konstruiert ist, oder zu viel gewollt wurde, aber mich hat es hervorragend unterhalten. Ich fand das Buch spannend, berührend, interessant und diskussionswürdig und das ist schon recht viel für einen einzigen Roman. Das Buch kommt leichtfüssig daher. Auch die schwierigen Themen drücken nicht zu sehr nieder und manchen Themen werden nur angerissen, um einen Denkanstoß zu geben. Mir hat das gut gefallen und ich habe diese 600 Seiten ausgesprochen gerne gelesen. Da es mein erstes Buch von Monica Ali war, freue ich mich jetzt direkt auf das nächste!

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Sommergeheimnisse

Schallplattensommer von Alina Bronsky

Maserati lebt in einem kleinen Dorf bei ihrer Großmutter, in deren Snackbude sie als Kellnerin arbeitet. Der Sommer steht vor der Tür und die Gäste werden langsam mehr. Die legendären Teigtaschen der Großmutter schmecken wirklich allen, auch den Bauarbeitern, die plötzlich begonnen haben, die leerstehende Nachbarvilla zu renovieren.

Es kündigt sich schnell an, dass dieser Sommer anders werden wird, denn ins Nachbarhaus ziehen zwei Jungs ein - der Sunnyboy Caspar und sein ernster Cousin Theo. Alle tragen ihre Geheimnisse mit sich herum und es stellt sich heraus, dass Theos und Maseratis Geheimnis irgendwie in Zusammenhang stehen.

Ganz unkompliziert verläuft die Annäherung nicht zwischen den Dreien, denn sie haben alle ihr Päckchen zu tragen. Vor allem Maserati, die sich hauptsächlich ums Geschäft kümmert, denn die Oma leidet wohl unter beginnender Demenz. Niemand soll das merken, denn Maserati ist noch nicht volljährig. Sie schmeisst den Laden, hält alles am laufen und sucht die vermisste Großmutter, wenn es not tut.

Man erkennt schnell, dass sie Hilfe gut gebrauchen könnte und die kommt dann auch von ganz anderer Seite als erwartet.

Alina Bronsky hat hier einen ganz besonderen Coming-of-Age Roman geschrieben. Es gibt keine rosige Liebesgeschichte, aber es gibt ein Aufflammen von Gefühlen, es gilt Verantwortung zu übernehmen und auch mal andere Wege zu gehen.

Es gibt kein fulminantes Happy End, aber es gibt einen Ausblick, der hoffen lässt. Einen Ausblick, der zeigt, dass niemand ganz allein steht mit seinen Problemen.

Ich habe Schallplattensommer sehr gerne gelesen. Es liest sich einfach und flüssig, bietet eine spannende Geschichte und ist somit ein wunderbares Sommerbuch. Für den fünften Stern hätte es noch etwas mehr in die Tiefe gehen können. Das wäre auch Jugendlichen zuzutrauen gewesen.

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