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Rezensionen von Miro:
Zauberhaft!
Hüterin des Waldes 1: Hannas Geheimnis von Mona Larch
Hanna ist freudig und traurig zugleich zumute, als sie in das Haus ihrer Großmutter übersiedeln. Sie liebt dieses Haus am Waldrand, aber sie vermisst auch ihre Großmutter, zu der sie eine innige Beziehung hatte.
Doch gleich nach der Ankunft wird sie von einem großen Geheimnis überrascht. Ihre Großmutter war Hüterin des Waldes und es ist an Hanna, dieses Erbe anzutreten.
Und kein geringerer als Wiesel Flitz überbringt ihr diese Nachricht, denn Flitz ist der Übersetzer zwischen den Tieren des Waldes und der Hüterin.
Auf Hanna wartet schon die erste Patientin, die ihre Hilfe dringend benötigt. Es bleibt kaum Zeit, in die Aufgabe hineinzuwachsen. Wird Hanna ihrer Rolle gerecht werden?
Sie gibt auf jeden Fall ihr bestes, denn sie liebt die Natur und die Tiere. Sie ist ein beherztes Mädchen, dass sich nicht so leicht entmutigen lässt und das Herz auf dem rechten Fleck trägt.
"Hannas Geheimnis" ist der Auftakt zu einer neuen Reihe und schon dieser erste Teil begeistert Kinderherzen. Die Protagonistin ist liebenswert und aufgeweckt und die jungen Leser*innen können sich gut mit ihr identifizieren. Auch sie macht nicht immer alles richtig und hört nicht immer auf ihre Eltern.
Sie liebt Abenteuer, hat auch mal Angst und weiß, wann sie um Hilfe bitten muss.
Die Geschichte ist ein bisschen spannend, die Sprache ist kindgerecht und aufgelockert ist der Text mit wunderschönen Illustrationen. Das Buch eignet sich für 7 - 10jährigen zum vor- und selbstlesen und wird allen Kindern gefallen, die Freude an der Natur finden.
Meiner Tochter (10) hat das Buch sehr gut gefallen und sie freut sich schon auf den zweiten Teil, der zum Glück nicht sehr lange auf sich warten lässt.
Hüterin des Waldes 2: Häschen in Not erscheint nämlich bereits im April.
Frau sein in Südkorea
Kim Jiyoung, geboren 1982 von Cho Nam-Joo
Kim Jiyoung, ist 33 Jahre alt und eher ungewollt Hausfrau und Mutter. Ihre Tage erfüllen sie nicht und möchte sie sich einmal was gönnen, wird sie als Schma-mama-rotzer bezeichnet. Da beginnt sie plötzlich mit verschiedenen Stimmen zu sprechen. Es sind Stimmen der Frauen aus ihrem Umfeld, manche lebend, manche tot.
Wie kam es so weit mit Jiyoung?
Immerhin konnte sie studieren und ihre Fachrichtung schon selbst wählen! So viele Möglichkeiten hatte ihre Mutter noch nicht.
Doch auch Jiyoung musste Zeit ihres Lebens mit Misogynie kämpfen. Schon Zuhause mussten die Mädchen im Haushalt und bei der Heimarbeit helfen, während ihr Bruder verwöhnt wurde.
In der Schule waren die Mädchen einer strengen Kleiderordnung unterworfen, während sich die Jungen frei bewegen durften und selbstverständlich durften die Mädchen erst nach den Jungen in der Mensa essen. Ob dann noch genug Zeit blieb um ordentlich zu kauen, interessiert hier niemanden.
In Studium und Arbeitswelt ist es dann nicht wirklich anders. Jiyoung arbeitet härtet und effizienter als ihre männlichen Kollegen, wird trotzdem nicht befördert und verdient auch um ein Drittel weniger. Aber richtig schlimm wurde alles erst, als sie schwanger war. Eine 80 Stunden Woche lässt keine Kinderbetreuung zu und flexible Arbeitszeiten gibt es in dieser leistungsorientierten Gesellschaft nicht. Jiyoung hat keine Wahl. Sie muss ihr Kind selbst betreuen und das bedeutet, sie muss ihre Arbeit, die sie geliebt hatte, kündigen.
Obwohl ihr Mann sehr verständnisvoll ist, ist auch er ein Kind dieser Gesellschaft. Seine Versicherungen, sie zu unterstützen helfen Jiyoung nicht, denn sie kann sehr wohl sehen, dass für das Kind beide verantwortlich wären. Doch von Gleichberechtigung ist Südkorea noch Jahrzehnte entfernt.
So lässt Cho Nam-Joo ihre Protagonistin sämtliche Stoplersteine im Leben einer selbstbestimmten Frau erleiden. Kim Jiyoung steht hier für alle südkoreanischen Frauen, die an den gesellschaftlichen Strukturen scheitern und schlussendlich mit einem Doktortitel in der Tasche als Eisverkäuferin landen.
Den Roman hat die Autorin gespickt mit Fakten und Zahlen. So liest sich das Buch stellenweise fast wie ein Sachbuch. Es ist ein Kompendium über die Geburt des Feminismus in Südkorea, zeigt Schwachstellen und Fallen auf und wie tief verwurzelt misogyne Ansichten in der Gesellschaft sind. Es wird wohl noch Jahre dauern, bis sich Familie und Berufsleben dort vereinbaren lassen.
Ich habe Kim Jiyoung's Geschichte mit großem Interesse gelesen. Zum Teil macht es mich fassungslos, mit welchen Vorstellungen die Frauen da zu kämpfen haben und zum Teil finden wir diese Probleme in zwar abgeschwächter Form auch in unsere "modernen" Welt.
Ich bin froh, diesen Roman gelesen zu haben und fand den Blick in diese fremde Kultur sehr interessant. Und ich kam verstehen, dass Kim Jiyoung ihr Scheitern nicht so einfach hinnimmt. Sie flüchtet sich in bekannte Charaktere, wer weiß, was ich gemacht hätte, wäre ich zu so einem Leben verdonnert.
Warum erkennen wir erst was wir haben, wenn wir es verloren haben?
Die Jahre ohne uns von Barney Norris
Eine Frau erzählt uns ihre Geschichte, nicht nur anhand der Fakten, sondern auch in einer Auflistung ihrer Lieblingswörter.
Im ersten Teil überwiegen Verlust und Einsamkeit. Sie lebt allein, hat jung ihren Vater verloren und zwar später, aber ebenso jung ihren Ehemann. Sie hat sich aufs Land zurückgezogen, lebt ein beschauliches Leben ohne viel Aufregung.
Doch dann kommt Teil 2 und der ist völlig anders als erwartet. Plötzlich finden wir uns in einer völlig verrückten Geschichte wieder, die eher im magischen Realismus angesiedelt ist. Gehetzt folgen wir dem Autor durch ein Leben, dass ebenfalls von Verlust geprägt ist, aber ganz stark auch von der Trauer, etwas verloren zu haben, das nicht wiederbringlich scheint. Hier versucht ein Mann zu seiner Frau zurückzukehren und will und will einfach nicht gelingen.
Wie diese beiden Teile zusammenpassen, zeigt uns der Autor dann ganz unaufgeregt in einer Hotelbar und stellt dabei die große Frage, ob es eine zweite Chance geben kann. Und warum manche Wert erst erkenne, wenn es zu spät ist.
Mit diesem Buch hat mich Barney Norris total überrascht. Ich hatte nicht mit einer magischen Geschichte gerechnet. Aber keine Angst! An alle, die das nicht mögen - schlussendlich klärt sich alles.
Der Autor erzählt hier eine gute Geschichte und eine gute Geschichte muss bekanntlich nicht immer wahr sein. Diese Geschichte im Buch erreicht ihr Ziel und kann überzeugen und mir ging es nicht anders. Auch ich bin von dieser Erzählkunst beeindruckt und überzeugt.
Ich empfehle diese Liebesgeschichte demnach allen, die normalerweise keine Liebesgeschichte lesen, denn dieses Buch folgt nicht den gängigen Pfaden. Dieses Buch ist für Menschen, die gute Geschichten mögen!
Langloria Freedom Fighters
Perfect Storm von Dirk Reinhardt
Dylan, Luisa, Felix, Boubacar, Kyoko und Matthew sind sechs Teenager, die sich im Computerspiel Langloria, das an WOW angelehnt ist, kennenlernten. Sie schafften zusammen die schwierigsten Quests und haben festgestellt, dass ihre jeweiligen spezifischen Fähigkeiten ziemlich gut harmonieren.
Schnell entschlossen bilden sie eine feste Gruppe und beginnen sich in einem Chat auszutauschen.
Jede*r einzelne von ihnen hat eine spezielle Geschichte und spezielle Fähigkeiten, die sie zu außerordentlich begabten Hackern machen. Also Gruppe werden sie fast unschlagbar.
Als ihnen Boubacar von den Ungerechtigkeiten in seinem Land erzählt, die mit dem Abbau von Coltan zusammenhängen und aufzeigt, dass zwei große amerikanische Konzerne ursächlich Verantwortung tragen, beschließt die Gruppe rasch, da einzugreifen. Sie starten einen Perfect Storm gegen große und mächtige Gegner.
Erzählt wird uns diese Geschichte im zeitlichen Rahmen von fünf Tagen aus dem Leben eines NSA-Ermittlers, der dieser Gruppe auf der Spur ist.
Wir lernen die Jugendlichen aus seinen Aufzeichnungen kennen, dürfen ihre Chatprotokolle lesen und zwischendurch auch mal Aufzeichnungen aus dem Spiel. Diese unterschiedlichen Annäherungen zeigen uns die Teenager aus diversen Blickwinkeln und bilden so ein interessantes Bild. Ihre Überzeugungen und ihr Mut wirken grenzenlos. Auch dann noch, als ihnen klar wird, mit wem sie sich da wirklich angelegt haben und dass sie nicht nur in der virtuellen Welt gesucht werden.
Ob sie es schaffen, die Welt aus den Angeln zu haben, wird hier natürlich nicht verraten. Das bleibt spannend bis zum Schluss.
Der Autor spielt hier geschickt mit verschiedenen Stilmitteln und entspinnt einen packenden Thriller, der große Fragen aufwirft: Wie weit darf man gehen, um einem guten Zweck zu dienen? Oder wie weit, darf man die Grenzen der Legalität ausdehnen, im Kampf für die Schwachen und Machtlosen?
Ich habe dieses Buch leidenschaftlich gerne gelesen, obwohl ich kein Profi in der virtuellen Sprache bin. Aber für solche Menschen wie mich gibt es ein Glossar am Ende und somit ist alles gut verständlich und ich konnte ein bisschen über meinen Tellerrand blicken.
Perfect Storm ist zwar ein Jugendbuch, aber ich kann es auch allen älteren Leser*innen empfehlen, die eine spannende Geschichte zu schätzen wissen, der es nicht an Brisanz mangelt!
Gnadenhof oder Turnierbetrieb
Pferdeflüsterer-Mädchen, Band 1 - Rubys Entscheidung von Gina Mayer
Ruby ist mit ihrer Mutter Laura von Berlin nach Cornwall in deren Geburtsort gezogen. Da leben auch ihre Großeltern und ihre etwas chaotische Tante Leslie.
In der neuen Schule findet Ruby schnell Anschluss und schnuppert auch gleich in ihrer ersten Woche im Reiterhof an den Klippen. Die Ocean Ranch ist ein Ort für alle möglichen "ausgemusterten" Tiere.
Hier lebt ein Polizeihund, der nicht scharf genug war, eine dreibeinig Katze, die niemand mehr wollte und Pferde, die fast verhungert waren oder Narben von Peitschenhieben haben. Der Besitzer ist ein Pferdeflüsterer, der selbst früher mal Turnierreiter war.
Ruby, die sich für eine gute Reiterin hält, versagt auf diesem Hof komplett. Denn hier wird nicht mit Trense geritten und den Pferden wird auch nicht der Wille des Reiters aufgezwungen.
Deshalb entscheidet sich Ruby für den modernen Hof von Mr. Hegarty, dessen Pferde viele Preise in Turnieren holen. Hier wird hart trainiert, aber auch vor anderen Methoden wird nicht zurückgeschreckt. Siegen ist alles!
Schnell beginnt Ruby an der Richtigkeit ihre Entscheidung zu zweifeln. Wird sie einen Ausweg finden?
Ruby's Geschichte hat meiner Tochter und mir prinzipiell sehr gut gefallen. Allerdings hat meine Tochter einen großen Einwand. Nur weil jemand mit Trense reitet ist er/sie noch kein Tierquäler. Pferde sind das gewohnt, es tut ihnen nicht weh und meistens tragen sie ihre Reiter*innen sehr gerne. Das hat uns schon etwas gestört. Das ist aber auch die einzigen Kritik. Ansonsten ist die Geschichte stimmig. Mut muss bewiesen werden, Stellung muss bezogen werden und eine Menge Gefühle wallen auf.
"Ruby's Entscheidung" hat alles, was eine gute Geschichte vorweisen muss. Der Stil ist altersentsprechend einfach, die Schrift angenehm groß. Es liest sich leicht und meine Tochter möchte unbedingt den nächsten Band lesen.
Ein gelungener Auftakt!
Kamtschatka
Das Verschwinden der Erde von Julia Phillips
Kamtschatka ist eine abgeschiedene russische Halbinsel, die vorwiegend von Russen bewohnt wird, aber eben auch von Ureinwohner*innen, Ewenen, oder Korjaken.
Die Autorin hat ein Jahr in diesem harten Land verbracht und somit ihre Geschichte dahin verheimatet. Als Aufhänger gilt das Verschwinden zweier russischer Mädchen im August eines Jahres.
Im folgenden schildert sie Ereignisse aus verschiedensten Frauenleben, die indirekt oder direkt von dieser Tragödie betroffen sind.
Zusätzlich gibt es ein weiteres verschollenes Mädchen aus einem Dorf im Norden. Ein ewensiches Mädchen, dem die Polizei rasch unterstellte, dass es abgehauen sein muss.
Die verschwundenen Mädchen sollen einen Graben aufzeigen, wie es ihn zwischen Ureinwohner*innen und Besatzer*innen überall auf der Welt gibt. Doch dann zeigt sich auch bei den russischen Mädchen, dass nur sehr oberflächlich ermittelt wurde.
Die Geschichten dazwischen wirken recht lose. Einzelne Frauen erzählen aus ihrem Alltag, der meist auf irgend eine Art schwierig ist und manchmal ebenfalls eine Tragödie aufweist.
Trotzdem kratzt der Roman nur an der Oberfläche der Figuren. Das Buch vermittelt den Eindruck, es möchte ein Porträt dieser vielschichtigen Gesellschaft aus Sicht der Frauen aufzeigen. Leider wird es diesem Anspruch bei weitem nicht gerecht. Die Autorin konnte die Strukturen und Besonderheiten dieser Kultur eben nur als Besucherin wahrnehmen. Kein Wunder, dass sie sie nicht durchdringen konnte. Und kein Wunder, dass dann die Geschichte ebenfalls nicht in die Tiefe gehen kann.
So wirkt dieser Roman wie ein Aneinanderreihung einzelner Kurzgeschichten die leider manchmal nicht besonders interessant sind. Ich finde es sehr schade, denn Kamtschatka und dessen Bewohner*innen bieten bestimmt Stoff für ganz viele Geschichten. Land und Leute haben mich sehr interessiert und die Einblicke in die ewenische Kultur sind auch der Grund, warum ich mich schließlich doch für 3 Sterne entschieden habe.
Erwachsenwerden mit Gespenstern
Die Gespenster von Demmin von Verena Keßler
Larissa, genannt Larry lebt mit ihrer Mutter in Demmin und wünscht sich nur eines, weg und Abenteuer erleben. Sie will Kriegsreporterin werden und dafür härtet sie sich jetzt schon ab.
Larry's Kindheit ist überschattet von Gespenstern. Da ist das Gespenst ihres Bruders, der mit fünf Jahren Opfer eines Verkehrsunfalls wurde.
Ihre Mutter war damals mit ihr schwanger und die Ehe hat diese Tragödie nicht überlebt.
Außerdem sind da die vielen Gespenster im Ort vom Massensuizid zu Kriegsende, der nicht wirklich thematisiert wird. Die Toten bleiben ein Geheimnis und die Überlebenden tragen schwer an ihren Erinnerungen.
Larry ist ein freundliches Mädchen. Sie kann gut mit alten Leuten und hilft in ihrer Freizeit den Friedhof sauber zu halten. Dadurch beschäftigt sie sich viel mit dem Tod und besucht auch regelmäßig das Grab ihres Bruders.
Als ihre Mutter wieder einmal einen neuen Freund nach Hause bringt und dieser auch noch gleich einziehen möchte, überschlagne sich die Ereignisse.
Zeitgleich soll die Nachbarin in ein Seniorenheim übersiedeln und ihr ganzes Hab und Gut zum Entrümpeln packen, da das Haus verkauft werden soll. Während des Packens überfallen sie die Erinnerungen an das Drama von 1945 und sie trifft eine endgültige Entscheidung.
Verena Kessler hat mit diesem Roman gut herausgearbeitet, wie die Vergangenheit die Gegenwart überschatten kann. Obwohl Larry ihren Bruder nie kennenlernen konnte, greift sein Tod in ihr Leben ein und Larry lebt mit diesem Gespenst unter einem Dach.
Mutter und Tochter müssen lernen, dieses Gespenst gehen zu lassen und in diesem Prozess wird Larry langsam erwachsen, lernt die erste Liebe kennen und muss lernen, wie sich das auf die beste Freundschaft auswirken kann.
Die Autorin hat diesen Roman sehr feinsinnig gesponnen. Hier findet alles seinen Platz. Nichts bleibt offen, alles fügt sich am Ende. Mit schriftstellerischem Geschick werden sogar Fragen geklärt, die ich mir gar nicht gestellt hatte. Dadurch war die Lektüre eine wahre Freude. Von dieser jungen Autorin ist noch großes zu Erwarten! Ich freue mich jetzt schon auf ihr nächstes Werk!
Freude für ein ganzes Jahr
Der Kinder Kalender 2021 von Internationale Jugendbibliothek, München
Meine Tochter liebt es, das Kalenderblatt umzulegen und das neue Bild zu bestaunen. Im kommenden Jahr darf sie das nicht 12 mal, sonder gleich 52 mal. Der Kinderkalender wird sie durch das Jahr begleiten und Woche für Woche begeistern.
Im Kinderkalender finden sich Gedichte aus allen Ländern dieser Welt und sie sind immer auch in der Originalsprache abgedruckt.
Das macht neugierig, lässt staunen - beispielsweise bei Arabisch - und öffnet den Horizont für Welten, die manchmal gleich vor unserer Haustüre liegen. Denn in der Klasse meiner Tochter ist ein japanisches Kind, ein Kind aus Syrien, eins aus Georgien, eines aus Mazedonien und natürlich auch eines mit Eltern vom afrikanischen Kontinent.
Meine Tochter macht keinen Unterschied bei ihren Freund*innen, aber sie ist fasziniert davon, wenn ein Kind auch eine andere Sprache sprechen kann. Der Kinderkalender bietet mit dieser zweisprachigen Vielfalt eine Möglichkeit sich mit der Vielfalt auf unserer Erde zu beschäftigen.
Ich freue mich schon darauf, mit meiner Tochter wöchentlich diese Länder gedanklich zu bereisen.
Außerdem ist der Kalender eine wahre Augenweide. Die Illustrationen sind bezaubernd, lustig, skurril, manchmal unsinnig und manchmal subtil sinnig. Also alles, was das Kinderherz begehrt.
Ich finde, dieser Kalender ist ein wunderschönes Weihnachtsgeschenk, der Freude für ein ganzer Jahr bereithält. Und das eine oder andere Bild darf vielleicht sogar länger die Wand des Kinderzimmers zieren.
Mich begeistern Bilder wie Gedichte und ich bin mir sicher, meine Tochter wird diesen Kalender lieben.
So könnte Feminismus im 19. Jahrhundert aussehen.
Die innersten Geheimnisse der Welt von Rose Tremain
Bath 1865. Jane, der Engel der Bäder und Tochter des berühmtesten Chirurgen erhält einen Heiratsantrag von dessen Assistent Valentina Ross, dem diese Verbindung vorteilhaft und vernünftig erscheint. Doch Jane spielt nicht mit, wie sie sollte. Mit beißender Ironie erteilt sie dem jungen Arzt eine Abfuhr und flüchtet gleich im Anschluss aus Bath, um in London einige Zeit bei ihrer exzentrischen Tante zu leben.
Dort entdeckt sie ihre Leidenschaft und verfällt der wunderschönen Julietta mit Lust und Liebe. Doch Jane wird geraten, sich den Konventionen zu unterwerfen, um ihre Leidenschaft ausleben zu können und so ergibt sie sich in eine Verhängnisvolle Verlobung.
Clorinda ist in Irland aufgewachsen und hat die große Hungersnot erlebt. Sie will der Armut entfliehen und übersiedelt nach Bath, um die großen Galaveranstaltungen zu erleben und ein Teil der "besseren" Gesellschaft zu werden. Zielstrebig verfolgt sie ihr Ansinnen und gewinnt bald an Ruhm und Ansehen.
Edmund, der Bruder von Valentine Ross, möchte ein großer Entdecker sein. Er wandelt auf den Spuren von Alfred Russel Wallace und wünscht sich den Paradiesvogel für England zu finden. Seine Reise führt ihn nach Borneo, wo ein ambitionierter Radscha ihn von der Malaria kuriert.
So weit zu einigen der Protagonisten, die anfangs ausführlich von der Autorin vorgestellt werden. Langsam beginnen sich die Lebensentwürfe der einzelnen zu berühren, doch auch Nebencharaktere bekommen eine Geschichte und spielen manchmal auch eine tragende Rolle in der Entwicklung.
Geprägt ist das Buch von Charakteren, die ihrer Zeit voraus zu sein scheinen und mit den Konventionen des 19. Jahrhunderts zu kämpfen haben. Zwei Themen treten in den Vordergrund: die Emanzipation der Frau und die Emanzipation der Geschlechterrolle. Nicht nur Jane liebt Menschen des selben Geschlechts, auch der Radscha lebt seine Homosexualität und weiß, dass er dieses Leben in Borneo wesentlich leichter leben kann, als in England. Auch er strebt nach Freiheit und Selbstbestimmtheit.
Es sind keine Fragen, die typisch sind für die Zeit in die diese Geschichte gebettet wurde, aber es sind Fragen, die mit Sicherheit auch damals bestand hatten. Und sie thematisiert Schwierigkeiten und Probleme, die auch heute leider nicht aus der Welt sind. Das verleiht dem Roman sogar eine gewisse zeitgenössische Brisanz.
Mich konnte Rose Tremain mit diesem Buch wieder einmal absolut begeistern. Es ist ein großer Roman, der mit großen Fragen und spannenden Wendungen aufwarten kann. Die Charaktere sind überzeugend ausgearbeitet, es gibt Sympathieträger und Bösewichte mit denen die Autorin eine stimmige und äußerst interessante Geschichte aufspinnt.
Ich denke, man kann meine Begeisterung aus den Zeilen lesen, aber von mir gibt es eine uneingeschränkte Leseempfehlung für alle offenen, wachen Geister!
Wie kann man nur in so einer Welt leben?
Eine fast perfekte Welt von Agus Milena
Milena Agus erzählt uns mit "Eine fast perfekte Welt" eine Familiengeschichte, die geprägt ist, von der Suche nach einem besseren Leben. Während die Großmutter verbittert ist, weil sie ihren Reichtum verloren hat, sucht die Mutter das Glück immer an einem anderen Ort. Raffaele, der Vater hat es nicht leicht mit seiner Frau, doch er hat das Talent sich überall einzuleben und seinen Weg zu finden.
Und Felicità, die Tochter und das Zentrum der Erzählung hat es auch nicht leicht. Sie ist pummelig und nicht besonders hübsch. Aber sie hat die Gabe immer und überall das Gute zu sehen.
Sie weiß, dass es nicht Reichtum braucht, um ein erfülltes und glückliches Leben zu führen und deshalb lässt sie den Vater ihres Sohnes kurz vor der Hochzeit stehen, weil er sie nicht lieben kann. Auch er ist kein glücklicher Mensch. Er hat zwar Geld wie Heu, traut sich aber nicht, seinen Wünschen zu folgen. Vielleicht ist das der Grund, warum ihn Felicita sein ganzes Leben lang nicht loslässt.
Auf ihrem Lebensweg begegnet Felicita immer wieder Menschen, die sich von den äußeren Umständen das Leben vermiesen lassen und nicht erkennen, dass sich das Glück in ihrem Inneren befindet. Felicita kann überall glücklich sein und das gibt sie an ihren Sohn weiter, der sein Glück in der Ferne findet.
Mich konnte Milena Agus mit diesem Roman begeistern. Das Buch hat zwar keinen Spannungsbogen, aber es wirft Fragen nach Glück und Zufriedenheit auf, nach Sehnsüchten und Wünschen. Es ist schön zu lesen, wie Felicita mit ihrem grenzenlosen Optimismus die Leben der Menschen in ihrem Umfeld verbessern kann.
"Eine fast perfekte Welt" ist ein wahres Kleinod. Ein Buch, das das Gute im Menschen hervorholt und die Stärke der scheinbar Schwachen aufzeigt. Eine perfekte Geschichte um etwas Wärme in diese grauen Novembertage zu bringen!











