Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Liselottchen:
Abenteuerliche Entdeckerreise
Auch im Dunkeln leuchtet die Liebe von Heléne Holmström
Bente ist ein Star als Sommelière und hat ihre eigene Fernsehsendung. Durch einen dummen Fehler fällt sie in Ungnade und wird suspendiert. Doch der Fund einer alten Weinflasche inspiriert sie zur Idee, Nachforschungen anstellen zu können. Ihre Freundin Elnaz, die als Produktionsleiterin beim Sender TV24 arbeitet, ist von der Idee angetan, doch sie holt Professor Didrik an Bord, der beim Fernsehen als Historiker bekannt ist.
Für Didrik, der immer noch nicht fassen kann, dass seine Frau ihn verlassen hat, ist es eine willkommene Abwechslung. Gemeinsam versuchen sie dem Geheimnis der alten Weinflasche auf den Grund zu gehen. Während des Aufenthalts in Frankreich kommen sich Didrik und Bente näher ...
Der Einstieg in die Story fiel mir nicht ganz leicht, auch den Grund, weshalb Bente in Ungnade fiel, konnte ich nicht nachvollziehen. Aber dann gewinnt die Geschichte rasch an Fahrt und ich konnte das Buch kaum mehr aus der Hand legen. Es ist aus drei Perspektiven geschrieben, Didrik, Bente und ein historischer Teil, der während der deutschen Besatzungszeit nach dem Zweiten Weltkrieg in Frankreich spielt. Diesen Part fand ich besonders spannend und informativ, man spürt förmlich den Druck, der auf der Bevölkerung während der Besatzungszeit lang. Die Liebesgeschichte zwischen Bente und Didrik fügt sich wunderbar in die interessanten und fesselnden Nachforschungen der beiden ein. Man bekommt mit, wie eine Reality-Sendung entsteht, nachstellen, filmen, interviewen – mühselig und zeitaufwendig. Auch die Nebenfiguren wie Elnaz oder Bentes Familie runden die Story hervorragend ab. Am Schluss hätte ich sehr gern noch ein Gespräch mit Didriks Eltern gehabt.
Der Schreibstil ist bildhaft flüssig, ich kann das Buch daher allen, die gerne Geschichten lesen, in denen Abenteuer und Liebe verknüpft sind, wärmstens empfehlen.
Innehalten und überlegen, was im Leben wichtig ist
Drei Tage im Schnee von Ina Bhatter
Hannah geht es wie vielen Menschen: sie ist im Hamsterrad gefangen und vergisst zwischen Arbeit und Rücksicht auf andere Leute nehmen, sich selbst. Was möchte sie wirklich vom Leben? Kann das alles gewesen sein? Die 33-Jährige nimmt sich eine Auszeit und mietet eine Hütte in der Einsamkeit. Hier begegnet sie Sophie und das kleine Mädchen hält ihr vor Augen, was sie alles im Leben verpasst.
Von Anfang an konnte ich mich sehr gut in die Gedanken der Protagonistin hineinversersetzen. Sie hatte viele Träume, die alle auf der Strecke geblieben sind. Hannah arbeitet viel, bürdet sich zusätzlich Lasten auf, weil sie nicht Nein sagen kann und stresst sich auch noch in der Freizeit. Weil sie beispielsweise auf Werbung hört und vermeintlich Schnäppchen kauft. »Du kannst Geld sparen, indem du Geld ausgibst?«, fragt Sophie. Was für eine tolle Frage, ich glaube, an dieser Stelle muss jeder nachdenken. Und auch Hannah fragt sich, ob sie wirklich so viel Kleidung, Taschen und Schuhe braucht. Nein, tut sie nicht. Ich konnte den Spaß fühlen, den Hannah zum ersten Mal wieder hatte, während sie mit Sophie ein »Schneinhorn« und ein Iglu gebaut hat. Und sie denkt an ihre Freundin, mit der sie sich aus nichtigen Gründen zerstritten und den Kontakt abgebrochen hat.
Da ich bereits zu den älteren Semestern gehöre, waren viele der Gedanken zum Leben für mich nicht neu. Auch die Metapher mit dem Glas, in das man Steine, Kieselstein und Sand hineingibt, war mir bekannt, allerdings kann man sie immer wieder hören. Ich fand es großartig, wie die Autorin Gedanken über das Leben in eine kleine Geschichte verpackt hat. Besonders berührend war für mich Hannahs Briefe an den (Baby)Sohn ihrer Freundin Julia und an diese selbst. Ich empfehle dieses Büchlein uneingeschränkt weiter, es ist zum Nachdenken, Wohlfühlen, Innehalten und vielleicht das eigene Leben zu überdenken. Es ist nie zu spät, sich auf das wirklich Wichtige zu besinnen.
Eine junge Frau setzt sich durch
Das mutige Mädchen von Lotte Römer
Elsa ist begeisterte Schneiderin und fabriziert auch eigene Kleider. Als ihr der alte Schneider Leopold anbietet, sein Geschäft in Innsbruck zu übernehmen, ist sie Feuer und Flamme. Doch für eine alleinstehende Frau ist dies nicht einfach, vor allem, da der Stiefvater bereits einen Bräutigam für sie ausgesucht hat und die Mutter zu schwach scheint, sich gegen ihren Mann durchzusetzen.
Hilfe bekommt Elsa vom Tuchhändler Clemens, mit dessen Schwester sie befreundet ist und der auch privat Gefühle für sie hegt. Doch Elsas Herz ist schon lange vergeben ...
Auf diesen zweiten Band der »Töchter aus Innsbruck«-Reihe habe ich sehnsüchtig gewartet und Lotte Römer hat wieder einmal alle meine Erwartungen erfüllt. Mit Elsa hat sie eine selbstbewusste junge Frau geschaffen, die für ihre Wünsche und ihr Talent einsteht. Am meisten beeindruckt hat mich die Wandlung der Mutter, die sich Schritt für Schritt in ein neues Leben, unabhängig von ihrem dominanten Ehemann erkämpft. Es gibt auch ein Wiedersehen mit der älteren Schwester Fannerl, es hat mich sehr gefreut, zu erfahren, wie es ihr weiter ergangen ist. Doch man kann diesen zweiten Band auch ohne Vorkenntnisse der ersten lesen.
Der Schreibstil ist wieder gut zu lesen, auch die Nebenfiguren bilden einen perfekten Rahmen für die Story – ein Buch, das ich von Herzen weiterempfehlen kann.
Ein Sommer der Familie Mann im französischen Exil
Wenn die Sonne untergeht von Florian Illies
Eine Äußerung aus dem Zusammenhang gerissen und der berühmte Dichter und Nobelpreisträger Thomas Mann ist im Nazi-Deutschland nicht mehr willkommen. Weder Reichtum noch Ansehen retten ihn vor der Ächtung. Widerwillig verlässt er Deutschland, lebt zuerst in der Schweiz und danach verbringt er einen Sommer in Sanary, einem kleinen Küstenort Frankreichs.
Mit dabei ist seine Familie, seine Frau und meist auch seine sechs Kinder. Auch anderer Dichter und Künstler teilen sein Schicksal und es kommt zu einer Art Gemeinschaft in dem kleinen Ort.
Der Autor hat hier die Erlebnisse eines Sommers aus den Tagebucheinträgen verschiedener Personen zusammengefasst. Sowohl schrieb Thomas Mann selbst, als auch sein Bruder und seine Kinder, aber auch andere Personen, die eine Zeit lang Weggefährten des Dichters waren. Der Erzählstil ist distanziert, eher kühl gehalten und manchmal ein wenig ironisch. Es gibt keine durchgehende Handlung, es sind vielmehr aneinandergereihte Szenen und Erlebnisse, sowohl von den Mitgliedern der Familie Mann, aber auch von anderen Persönlichkeiten. So werden Aldous Huxley, Lion Feuchtwanger, Eva Herrmann, Arnold Zweig, Paul Valery und andere genannt, teilweise erhält man ebenfalls einen (kurzen) Einblick in deren Leben. Für mich war es teilweise mühsam, das Buch zu lesen, der Autor springt in der Perspektive, vieles wird nur angerissen. Als Beispiel möchte ich hier einen Hund erwähnen, der aus einem Flugzeug geworfen direkt neben Aldous Huxleys Geliebter landet. Eine Aufklärung, wer das getan haben könnte und ob damit ein bestimmtes Ziel verfolgt wurde, bleibt aus.
Bei einigen Szenen fragte ich mich, warum sie erwähnenswert waren, beispielsweise wenn Golo Mann ausnahmsweise nicht mit der Familie früh zu Bett geht, sondern lieber den Sonnenuntergang betrachtet. Denn es kam nichts Aufregendes, außer, dass »gegen 21 Uhr taucht der Sonnenball am fernen Horizont feurig in das Wasser ein ...«
Die Beziehungen untereinander werden ausgebreitet, alle Männer hatten Geliebte, weibliche und/oder männliche.
Das Bild, das hier von Thomas Mann gezeichnet wird, ist kein sympathisches. Er bedauert sein Schicksal, ist lange Zeit unschlüssig, welche Stellung er zum Deutschland der Nazi-Zeit einnehmen soll, und behandelt seine Kinder nicht gleich – hat Lieblingskinder und »Schwarze Schafe«. Von der Familie wurde er »Zauberer« genannt, das zeigt, dass er vermutlich manchmal weltfremd war. Bewundernswert fand ich seine Frau Katia, die felsenfest hinter ihm stand.
Es ist keine Lektüre, die man mal so zwischendurch lesen kann, empfehlen kann ich es auf jeden Fall Thomas Mann-Fans.
Gefährlicher Literaturwettbewerb
Palace of Ink & Illusions, Band 1 - Der Kuss der Muse von Sabine Schoder
Liv ist überglücklich, als sie bei einem Preisausschreiben einer Limonadenfirma die Teilnahme bei einem Literaturwettbewerb gewinnt. Als Kreatorin von Webtoons ist bis zu diesem Zeitpunkt der Erfolg ausgeblieben, sodass sie hofft, während des von Presse und Fernsehen begleiteten Wettbewerbs möglichst viel Werbung für ihre Arbeit machen zu können.
Bereits am Flughafen stößt sie auf den geheimnisvollen Flame, einen weiteren Teilnehmer, bei dem sie mehrmals ins Fettnäpfchen tritt, ihm jedoch auch über seine Flugangst hinweghilft. Gleich nach der Ankunft im Schloss Achilleion lernt sie andere Teilnehmerinnen und Teilnehmer kennen. Viel Zeit zum Kennenlernen bleibt nicht, denn es wartet bereits die erste Aufgabe. Nach und nach kommt sie dahinter, dass es der Wettbewerb in sich hat. Plötzlich ist nicht länger der Sieg oberste Priorität, sondern zu überleben ...
Der unheimlich humorvoll spritzige Anfang machte es mir leicht gleich tief in die Story einzutauchen. Liv, eine Art schwarzes Schaf der Familie, die sich mehr oder weniger ungeschickt durchs Leben hangelt, hatte sofort meine gesamten Sympathien. Und dann Flame, hinter dessen Geheimnisse ich unbedingt kommen wollte. Das Setting im alten Schloss mit Bezug zur griechischen Mythologie hat mir ebenfalls gut gefallen. Lediglich anfangs war ich durch die zahlreichen Personen ein wenig erschlagen. Doch die Autorin versteht es, sie mit prägnanten Eigenschaften zu versehen, wie »Fitnesscenter-Ken« Maid oder Gruppennamen wie »die Antihelden« oder »Aktionäre«, sodass ich schon relativ bald den Überblick hatte. Neben Flame und Liv sind natürlich Sawyer und seine Frau Shelly eine tolle Ergänzung.
Die verschiedenen Prüfungen sind spannend, das oberste Gebot: »Sich zu verlieben ist nicht erlaubt« – schreit förmlich danach umgangen zu werden. Zudem mischt auch noch die Muse der Liebe, Erato, ordentlich mit. Überhaupt fand ich die Idee mit den neun Musen unglaublich kreativ.
Der Autorin ist wiederum gelungen, eine Mischung aus Fantasy, Spannung, Liebe, Krimi und gut recherchierter Mythologie zu finden. Der Schreibstil ist wunderbar fließen und mit Humor gewürzt, sodass ich nur so durch die Seiten geflogen bin.
Am Ende steht ein Cliffhanger, daher bin ich gespannt, was in Teil 2 noch alles passieren wird. Eine uneingeschränkte Leseempfehlung für Fans von fantasievoller Spannung.
Vorlesebuch zu einem wichtigen Thema
Ups, ich darf auch Nein sagen von Inke Hummel
Im Mittelpunkt des Buches steht die kleine Leonora, die in die erste Klasse geht. In der Vorlesegeschichte erlebt sie einiges, muss auf Tante Theresas Geburtstag, Möbelpacker heben sie einfach zur Seite, hat eine Begegnung mit einem Hund und Ähnliches. Leonora lernt, mit ihren Gefühlen umzugehen und dass sie Nein sagen darf und muss, wenn ihr etwas nicht geheuer ist.
Es gibt allerdings auch Situationen, wo sie sozusagen »durch muss«, beispielsweise der Tante gratulieren oder zeitig am Morgen aufzustehen, damit sie pünktlich in die Schule kommt.
Dazwischen gibt es Abschnitte für Eltern, mit Tipps und Ratschlägen, die teilweise etwas belehrend rüberkommen und die jeder mit Hausverstand wissen könnte. Dennoch sind auch gute Vorschläge dabei, wie man beispielsweise mit den Kindern Situationen, die Mut erfordern, einüben kann.
Meine beiden ältesten Enkelinnen (5 und 7), haben die Geschichten rund um Leonora zeitweise ein wenig langweilig gefunden. Dadurch, dass die Autorin zahlreiche »lehrreiche« Situationen einbauen wollte, ist die Spannung ein wenig verloren gegangen. Kinder spüren schnell, wenn Bücher einen »Erziehungseffekt« haben sollen. Bei der Geschichte, in der Leo Leonora (die ähnlichen Namen sind gewollt?) auffordert, doch mit dem Roller die Rutsche hinunterzufahren, haben beide den Kopf geschüttelt. »Ich hätte gesagt, mach’s doch selbst«, hat meine jüngere Enkelin sofort eingeworfen. Die Ältere hat sich gleich bei der ersten Geschichte gewundert: Sie selbst liebe es, wenn ihre Mama ihr eine schöne Frisur macht und das ziepe nie, hat sie gemeint. Und sie hätten sich beide mehr Bilder gewünscht, es ist doch sehr viel Text für die Zielgruppe.
Fazit: Ein wichtiges Thema, das stellenweise ein wenig konstruiert aufbereitet wurde, dennoch ein lesenswertes Buch.
Verborgenes Leben in ständiger Angst
Was die Zeit verschweigt von Mary Ellen Taylor
Die Journalistin Ruby hat erst eine Krebserkrankung überstanden. Das Angebot über eine französische Filmschauspielerin Cecile zu recherchieren, die nach Ende des Zweite Weltkrieges spurlos verschwunden ist, kommt ihr gerade Recht. Sie erhält das Tagebuch von Sylvia, die zur damaligen Zeit die Schneiderin der Schauspielerin war und auch die Aufzeichnungen eines deutschen Offiziers, der als Wachkommandant eingeteilt war.
Stück für Stück erfährt Ruby immer mehr über das Leben und die Gefahr, in der sich die Französinnen im von Deutschland besetzten Paris befunden haben. Doch auch Rubys Privatleben scheint mit der Vergangenheit verwoben zu sein.
Aus drei verschiedenen Perspektiven lässt einen die Autorin in die Geschichte eintauchen. Das gelingt ihr sehr gut. Die Kapitel im Paris der 1940er-Jahre sind beklemmend und ich habe mit den Frauen mitgezittert, die ständig Angst vor Verschleppung und Hinrichtung haben mussten. Sylvia, die eigentlich Polin ist und mit gefälschten Papieren in Paris lebt, ist eine starke Persönlichkeit, die sich bemüht loyal zu bleiben. Ich fand die Gegenüberstellung zwischen Vergangenheit und Gegenwart gut gelungen: Ruby, die ebenfalls tapfer gegen den Krebs kämpft und die Frauen im Paris während der schwierigen Zeit der deutschen Besatzung. Die Angst ist allgegenwärtig: die Angst, dass er Krebs zurückkehrt und die Angst, vor Entdeckung durch die Nationalsozialisten.
Das Buch hat für mich eine starke Sogwirkung, ich konnte es nicht zur Seite legen. Nachdem es mir zwischendrin manchmal etwas zu langsam voranging, war mir der Schluss – der unerwartet aus zwei neuen Perspektiven geschildert wurde – ein wenig zu kurz, vor allem auch, was Rubys Krebserkrankung betrifft.
Trotz der kleinen Kritikpunkte: ein wundervoll geschriebener Roman, in dem Historisches und Zeitgenössisches gekonnt verwoben werden.
Erinnerungen und Gedanken
Spät am Tag von Kristin Vego
Die Schriftstellerin Johanne, Anfang 30 und geschieden, mietet sich ein Zimmer am Land, um ungestört schreiben zu können. Bald verliebt sie sich in ihren Vermieter Mikael, in dessen Nachbarschschaft seine Ex-Frau Sofia sowie seine kleine Tochter Maren wohnen. Daraus ergibt sich ein ungewöhnliches Dreiecks-Verhältnis, denn Sofia kommt oft unangemeldet und stört die Beziehung.
Die Leserschaft erfährt dies aus den Gedanken Johannes, die in Ich-Form in den Zeiten herumspringt und uns die Geschichte mosaiksteinartig präsentiert.
Die Autorin verstand es, einprägsame Figuren zu schaffen, die jedoch alle in irgendeiner Weise geheimnisvoll bleiben. Allen voran Johanne, die Erzählerin, die mit sparsam verteilten Emotionen ihr Leben vor uns ausbreitet. Stückchenweise, sie springt in ihren Gedanken vor und zurück, oft sind es nur Erinnerungsfetzen, winzige Erlebnisse, die auf sie einen bleibenden Eindruck gemacht haben. Dann Sofia, die Ex, war für mich fast mehr präsent, als Mikael, der eigentliche Protagonist. Sofia und Johanne umschleichen sich mit katzenartiger Höflichkeit, Sofias Ambitionen und Gefühle bleiben genauso verborgen wie der Grund, weshalb die Ehe gescheitert ist. Mikael, der Dritte im Bunde, weicht oft aus, mag keinen Streit, von ihm hätte ich gern mehr erfahren. Vieles steht nebenbei oder sogar zwischen den Zeilen. Auch die zahlreichen Gedankensprünge machten für mich das Lesen anstrengend.
Schade, aus dem Plot hätte mehr werden können. Ein ruhiges Buch, das sich trotz seiner Kürze nicht einfach schnell weglesen lässt. Bestechend ist die karge und trotzdem beeindruckende Landschaft. Möglicherweise müsste man es mehrmals lesen, um all die Feinheiten erfassen zu können.
Bildreicher historischer Roman im England des 19. Jahrhunderts
Der Wind von Yorkshire von Lia Scott
June lebt mit ihren beiden Schwestern, ihrer Tante und ihrem Vater in einem kleinen Ort in England. Früher war ihr Vater Pfarrer, doch nach dem Tod der Mutter verlor er den Glauben. Die Familie durfte bei der Schwägerin unterschlüpfen. Da der Vater sich mit kleinen Aufträgen als Hauslehrer oder Amtswegen für Mitbürger über Wasser hält, fragen auch die anderen zum Unterhalt bei.
Tante Eliza ist Heilerin und fährt mit einem Pferdewagen überall hin, wo sie gebraucht wird. June hilft ihr und eignet sich dadurch Wissen an. Dhalia, die Älteste, näht und Fern kümmert sich um die Schafherde und die Wolle. Ihre Wege kreuzen die des ehemaligen Wollsortierers Frank, dessen Frau depressiv ist und ihre Zeit im Bett verbringt. Als sie bei der Geburt des ersten Kindes stirbt, verlässt auch Frank den Ort und überlässt das Neugeborene seiner Schwester ...
Es fiel mir anfangs ein wenig schwer, in den Roman hineinzukommen. Viele Bilder, Beschreibungen und sehr viele Figuren, sodass die Orientierung nicht einfach war. Doch nach und nach wurde es besser und ich lernte die Personen langsam kennen. Große Sympathien hatte ich für Franky, der mit der depressiven Frau leben muss, die ihn verachtet. Es klingt durch, dass er eine Schuld auf sich geladen hat. Starke Persönlichkeiten sind vor allem die Frauen: June, ihre Tante Elisabeth und die jüngere Schwester fern, die die Schafzucht, zur damaligen Zeit in männlicher Hand, allein bewerkstelligt. Der Vater kommt am Anfang weltfremd und schwach herüber, doch gegen Ende, als seine Tochter krank wird, zeigt er, was in ihm steckt.
Leider hört das Buch mittendrin auf. Der Klappentext verrät bereits das Ende, mehr kommt nicht, da wird man auf Band 2 vertröstet. Es sind sehr viele Handlungsstränge aufgebaut, die hoffentlich alle noch einen Abschluss finden werden.
Das Buch punktet bei mir hauptsächlich durch das Ambiente. Das Leben zu dieser Zeit wird bildhaft und eindrücklich geschildert, informativ und spannend. Fans historischer Romane werden von diesem Werk begeistert sein.
»Keiner ist wichtiger als der andere.«
Noch einmal ... von Oliver Jeffers
Ein bebildertes Buch für Erwachsene – die Idee fand ich gut. Die Gestaltung sieht wirklich aus, wie ein Buch für die Allerjüngsten: Illustrationen und wenig Text, oft nur ein Satz. Auch die Zeichnungen sind sparsam eingesetzt, es bleibt viel leer und die Schrift ist kindlich, wie gekritzelt. Der Inhalt ist rasch zusammengefasst: Gedanken über den Ursprung der Menschheit und dass alle erkennen sollten, dass es nur ein Wir geben kann, denn nur gemeinsam sind wir stark.
Die Zukunftsvision von einer Menschheit, die sich als Ganzes sieht und bei der alle am selben Strang ziehen, ist natürlich eine verlockende Vorstellung. Das Bild, wie Astronauten die Erde sehen, nämlich als Einheit – das gefiel mir gut. Ein Bilderbuch, das man lesen kann, schön finden mit liebevollen Gedanken - das für mich jedoch nichts Neues gebracht hat und ich bereits Lebensratgebern/Spruchkalendern davor gelesen habe. Ungewöhnlich ist nur die Gestaltung als Bilderbuch.
Das Buch selbst ist sperrig groß, schwer und unpraktisch. Schnell mitnehmen für unterwegs zu lesen, geht nicht. Ein handlicheres Format würde das Lesevergnügen vergrößern.











