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Rezensionen von Liselottchen:

Mütter, Töchter und Geheimnisse

Liebe kennt keine Vergangenheit von Annette Chavez Macias

Die mexikanisch stämmig Yesica hat es beruflich geschafft und Karriere bei einer Firma gemacht. Der plötzliche Unfalltod ihres Mannes wirft sie aus der Bahn. Sie unterdrückt sämtliche Gefühle, wird immer gereizter, bis sie in der Firma explodiert, ihr Team anschreit und das Handy durch die Gegend schmettert.

Ihr Chef zwingt sie zu einer Auszeit und auch dazu, eine Trauergruppe zu besuchen. Zur gleichen Zeit ziehen ihre Mutter Ana und Großmutter bei ihr ein, weil deren Haus wegen eines Wasserschadens renoviert werden muss. Die Frauen verbindet, dass sie alle Witwen sind. Während Yesica sich widerwillig dazu entschließt, die Trauergruppe zu besuchen, brechen bei allen drei Frauen alte Krusten auf, Geheimgehaltenes wird endlich ausgesprochen und langsam heilen alte Wunden.

Es ist ein Roman der leisen Töne – der Schreibstil ist flüssig und gut lesbar. Die Story wird abwechselnd aus der Sicht von Yesica und ihrer Mutter Ana erzählt, sodass ich mich sehr gut in die Gefühle und Ängste der beiden hineinversetzen konnte. Nach und nach können sich Mutter und Tochter einander anvertrauen, Großmutter Melda ist die vermittelnde Person, jedoch hat auch sie ihr ganz eigenes erschütterndes Erlebnis, das sie bis in Alter verfolgt. Ganz zart kommt auch die Liebe zu Wort.
Mir hat dieser Roman sehr gut gefallen, ich konnte zahlreiche Gefühle nachvollziehen und habe mit den Frauen gelitten. Ein Buch, das ich sehr gern weiterempfehle, an alle Leserinnen, die sich gern mit tiefgehenden Familiengeschichten mit historischem Hintergrund befassen. Die Geschichte rund um die Vertriebenen aus Chavez Ravine, die dem riesigen Dodgers-Stadion in Los Angeles weichen mussten, hat mich tief erschüttert.
Ein Buch, das mir noch lange in Erinnerung bleiben wird.

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Herzschmerz im Ambiente des Gardasees

Das kleine Café am Gardasee: Stracciatellaküsse von Sara Pepe

Gina findet sich nach Trennung von ihrer langjährigen Freundin Trixi in einer WG am Gardasee wieder, zusammen mit Luna und Diego. Durch ihn lernt sie Lorenzo kennen, der Koch ist und ein eigenes Restaurant führt. Bereits bei der ersten Begegnung verstehen sich die beiden auf Anhieb, leider macht Gina eine Beobachtung und verdächtigt ihn, dass er Drogen nimmt.

Aus diesem Grund hält sie Abstand. Nur weil sie das Geld braucht, hilft sie ihm bei dem Catering einer Hochzeit aus. Doch dann überschlagen sich die Ereignisse.

Der Roman besticht besonders durch das Ambiente am Gardasee. Es ist mein erstes Buch der jungen Autorin, der freche Schreibstil liest sich locker und mit der fröhlichen Gina, die in der Liebe keinen Unterschied zwischen Mann und Frau macht, hat sie eine eigenwillig moderne Figur geschaffen. Selbst das ernste Thema Drogenmissbrauch, dass auch vor der Gastronomie keinen Halt macht, wird gut in die Story eingewoben. An manchen Stellen hätte ich mir einen Tick mehr Tempo gewünscht. Unter dem Strich ist es ein leichter Wohlfühlroman, der durch das italienische Flair die Sehnsucht nach Sommer und Süden weckt.

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Nachhilfeunterricht im »Sexy-Sein«

Touchdown fürs Herz von Karla Sorensen

Ruby lebte immer brav und angepasst, Musterschülerin, schlug nie über die Stränge und erlaubte sich niemals, die Regeln zu brechen. Nach einem unschönen Erlebnis hat sie mit Sex abgeschlossen und verbirgt sich hinter der Maske des grauen Mäuschen. Ihr Beruf als Bibliothekarin trägt auch nicht dazu bei, dass sie Menschen kennenlernt.

Als ihre Freundin Lauren ihr ein schlüpfriges Geburtstagsgeschenk macht, beschließt sie, ihr Leben zu ändern. Nur wie? Sie engagiert einen Escort, der ihr beibringen soll, wie sie auf Männer wirken kann. Doch es kommt zu einer Verwechslung: Griffin King, den sie aus ihrer Jugend kennt, kreuzt ihren Weg und als er von ihrem Problem hört, möchte er ihrem Sex-Appeal auf die Sprünge helfen ...

In die Geschichte kam ich schnell hinein, der Schreibstil ist locker und flüssig lesbar. Auch die Idee fand ich gut: gefeierter Footballstar und schüchterne Bibliothekarin. Leider konnte mich die Story nicht wirklich fesseln, es blieb alles ein wenig oberflächlich. Beispielsweise hatte Ruby eine Herztransplantation, lebt aber weitgehend unbeschwert. Es ist nicht von ärztlichen Kontrollen oder Medikamenten (sowie deren Nebenwirkungen) die Rede, erst am Schluss wird das am Rande gestreift. Griffins Charakter bleibt ein wenig blass, als ob die Autorin sich nicht entschließen könnte, ihn zum wirklichen Bad Boy zu machen. Auch den Bruderzwist konnte ich nicht nachvollziehen, ich hätte mir auch am Ende eine richtige Versöhnung der beiden gewünscht, nicht in zwei Nebensätzen abgehandelt.
Alles in allem eine nette Wohlfühlgeschichte, mit wenig Tiefgang, als Lektüre für zwischendurch zum Entspannen.
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Abenteuerliche Entdeckerreise

Auch im Dunkeln leuchtet die Liebe von Heléne Holmström

Bente ist ein Star als Sommelière und hat ihre eigene Fernsehsendung. Durch einen dummen Fehler fällt sie in Ungnade und wird suspendiert. Doch der Fund einer alten Weinflasche inspiriert sie zur Idee, Nachforschungen anstellen zu können. Ihre Freundin Elnaz, die als Produktionsleiterin beim Sender TV24 arbeitet, ist von der Idee angetan, doch sie holt Professor Didrik an Bord, der beim Fernsehen als Historiker bekannt ist.

Für Didrik, der immer noch nicht fassen kann, dass seine Frau ihn verlassen hat, ist es eine willkommene Abwechslung. Gemeinsam versuchen sie dem Geheimnis der alten Weinflasche auf den Grund zu gehen. Während des Aufenthalts in Frankreich kommen sich Didrik und Bente näher ...

Der Einstieg in die Story fiel mir nicht ganz leicht, auch den Grund, weshalb Bente in Ungnade fiel, konnte ich nicht nachvollziehen. Aber dann gewinnt die Geschichte rasch an Fahrt und ich konnte das Buch kaum mehr aus der Hand legen. Es ist aus drei Perspektiven geschrieben, Didrik, Bente und ein historischer Teil, der während der deutschen Besatzungszeit nach dem Zweiten Weltkrieg in Frankreich spielt. Diesen Part fand ich besonders spannend und informativ, man spürt förmlich den Druck, der auf der Bevölkerung während der Besatzungszeit lang. Die Liebesgeschichte zwischen Bente und Didrik fügt sich wunderbar in die interessanten und fesselnden Nachforschungen der beiden ein. Man bekommt mit, wie eine Reality-Sendung entsteht, nachstellen, filmen, interviewen – mühselig und zeitaufwendig. Auch die Nebenfiguren wie Elnaz oder Bentes Familie runden die Story hervorragend ab. Am Schluss hätte ich sehr gern noch ein Gespräch mit Didriks Eltern gehabt.
Der Schreibstil ist bildhaft flüssig, ich kann das Buch daher allen, die gerne Geschichten lesen, in denen Abenteuer und Liebe verknüpft sind, wärmstens empfehlen.

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Innehalten und überlegen, was im Leben wichtig ist

Drei Tage im Schnee von Ina Bhatter

Hannah geht es wie vielen Menschen: sie ist im Hamsterrad gefangen und vergisst zwischen Arbeit und Rücksicht auf andere Leute nehmen, sich selbst. Was möchte sie wirklich vom Leben? Kann das alles gewesen sein? Die 33-Jährige nimmt sich eine Auszeit und mietet eine Hütte in der Einsamkeit. Hier begegnet sie Sophie und das kleine Mädchen hält ihr vor Augen, was sie alles im Leben verpasst.

Von Anfang an konnte ich mich sehr gut in die Gedanken der Protagonistin hineinversersetzen. Sie hatte viele Träume, die alle auf der Strecke geblieben sind. Hannah arbeitet viel, bürdet sich zusätzlich Lasten auf, weil sie nicht Nein sagen kann und stresst sich auch noch in der Freizeit. Weil sie beispielsweise auf Werbung hört und vermeintlich Schnäppchen kauft. »Du kannst Geld sparen, indem du Geld ausgibst?«, fragt Sophie. Was für eine tolle Frage, ich glaube, an dieser Stelle muss jeder nachdenken. Und auch Hannah fragt sich, ob sie wirklich so viel Kleidung, Taschen und Schuhe braucht. Nein, tut sie nicht. Ich konnte den Spaß fühlen, den Hannah zum ersten Mal wieder hatte, während sie mit Sophie ein »Schneinhorn« und ein Iglu gebaut hat. Und sie denkt an ihre Freundin, mit der sie sich aus nichtigen Gründen zerstritten und den Kontakt abgebrochen hat.
Da ich bereits zu den älteren Semestern gehöre, waren viele der Gedanken zum Leben für mich nicht neu. Auch die Metapher mit dem Glas, in das man Steine, Kieselstein und Sand hineingibt, war mir bekannt, allerdings kann man sie immer wieder hören. Ich fand es großartig, wie die Autorin Gedanken über das Leben in eine kleine Geschichte verpackt hat. Besonders berührend war für mich Hannahs Briefe an den (Baby)Sohn ihrer Freundin Julia und an diese selbst. Ich empfehle dieses Büchlein uneingeschränkt weiter, es ist zum Nachdenken, Wohlfühlen, Innehalten und vielleicht das eigene Leben zu überdenken. Es ist nie zu spät, sich auf das wirklich Wichtige zu besinnen.

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Eine junge Frau setzt sich durch

Das mutige Mädchen von Lotte Römer

Elsa ist begeisterte Schneiderin und fabriziert auch eigene Kleider. Als ihr der alte Schneider Leopold anbietet, sein Geschäft in Innsbruck zu übernehmen, ist sie Feuer und Flamme. Doch für eine alleinstehende Frau ist dies nicht einfach, vor allem, da der Stiefvater bereits einen Bräutigam für sie ausgesucht hat und die Mutter zu schwach scheint, sich gegen ihren Mann durchzusetzen.

Hilfe bekommt Elsa vom Tuchhändler Clemens, mit dessen Schwester sie befreundet ist und der auch privat Gefühle für sie hegt. Doch Elsas Herz ist schon lange vergeben ...

Auf diesen zweiten Band der »Töchter aus Innsbruck«-Reihe habe ich sehnsüchtig gewartet und Lotte Römer hat wieder einmal alle meine Erwartungen erfüllt. Mit Elsa hat sie eine selbstbewusste junge Frau geschaffen, die für ihre Wünsche und ihr Talent einsteht. Am meisten beeindruckt hat mich die Wandlung der Mutter, die sich Schritt für Schritt in ein neues Leben, unabhängig von ihrem dominanten Ehemann erkämpft. Es gibt auch ein Wiedersehen mit der älteren Schwester Fannerl, es hat mich sehr gefreut, zu erfahren, wie es ihr weiter ergangen ist. Doch man kann diesen zweiten Band auch ohne Vorkenntnisse der ersten lesen.
Der Schreibstil ist wieder gut zu lesen, auch die Nebenfiguren bilden einen perfekten Rahmen für die Story – ein Buch, das ich von Herzen weiterempfehlen kann.

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Ein Sommer der Familie Mann im französischen Exil

Wenn die Sonne untergeht von Florian Illies

Eine Äußerung aus dem Zusammenhang gerissen und der berühmte Dichter und Nobelpreisträger Thomas Mann ist im Nazi-Deutschland nicht mehr willkommen. Weder Reichtum noch Ansehen retten ihn vor der Ächtung. Widerwillig verlässt er Deutschland, lebt zuerst in der Schweiz und danach verbringt er einen Sommer in Sanary, einem kleinen Küstenort Frankreichs.

Mit dabei ist seine Familie, seine Frau und meist auch seine sechs Kinder. Auch anderer Dichter und Künstler teilen sein Schicksal und es kommt zu einer Art Gemeinschaft in dem kleinen Ort.

Der Autor hat hier die Erlebnisse eines Sommers aus den Tagebucheinträgen verschiedener Personen zusammengefasst. Sowohl schrieb Thomas Mann selbst, als auch sein Bruder und seine Kinder, aber auch andere Personen, die eine Zeit lang Weggefährten des Dichters waren. Der Erzählstil ist distanziert, eher kühl gehalten und manchmal ein wenig ironisch. Es gibt keine durchgehende Handlung, es sind vielmehr aneinandergereihte Szenen und Erlebnisse, sowohl von den Mitgliedern der Familie Mann, aber auch von anderen Persönlichkeiten. So werden Aldous Huxley, Lion Feuchtwanger, Eva Herrmann, Arnold Zweig, Paul Valery und andere genannt, teilweise erhält man ebenfalls einen (kurzen) Einblick in deren Leben. Für mich war es teilweise mühsam, das Buch zu lesen, der Autor springt in der Perspektive, vieles wird nur angerissen. Als Beispiel möchte ich hier einen Hund erwähnen, der aus einem Flugzeug geworfen direkt neben Aldous Huxleys Geliebter landet. Eine Aufklärung, wer das getan haben könnte und ob damit ein bestimmtes Ziel verfolgt wurde, bleibt aus.
Bei einigen Szenen fragte ich mich, warum sie erwähnenswert waren, beispielsweise wenn Golo Mann ausnahmsweise nicht mit der Familie früh zu Bett geht, sondern lieber den Sonnenuntergang betrachtet. Denn es kam nichts Aufregendes, außer, dass »gegen 21 Uhr taucht der Sonnenball am fernen Horizont feurig in das Wasser ein ...«
Die Beziehungen untereinander werden ausgebreitet, alle Männer hatten Geliebte, weibliche und/oder männliche.
Das Bild, das hier von Thomas Mann gezeichnet wird, ist kein sympathisches. Er bedauert sein Schicksal, ist lange Zeit unschlüssig, welche Stellung er zum Deutschland der Nazi-Zeit einnehmen soll, und behandelt seine Kinder nicht gleich – hat Lieblingskinder und »Schwarze Schafe«. Von der Familie wurde er »Zauberer« genannt, das zeigt, dass er vermutlich manchmal weltfremd war. Bewundernswert fand ich seine Frau Katia, die felsenfest hinter ihm stand.
Es ist keine Lektüre, die man mal so zwischendurch lesen kann, empfehlen kann ich es auf jeden Fall Thomas Mann-Fans.

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Gefährlicher Literaturwettbewerb

Palace of Ink & Illusions, Band 1 - Der Kuss der Muse von Sabine Schoder

Liv ist überglücklich, als sie bei einem Preisausschreiben einer Limonadenfirma die Teilnahme bei einem Literaturwettbewerb gewinnt. Als Kreatorin von Webtoons ist bis zu diesem Zeitpunkt der Erfolg ausgeblieben, sodass sie hofft, während des von Presse und Fernsehen begleiteten Wettbewerbs möglichst viel Werbung für ihre Arbeit machen zu können.

Bereits am Flughafen stößt sie auf den geheimnisvollen Flame, einen weiteren Teilnehmer, bei dem sie mehrmals ins Fettnäpfchen tritt, ihm jedoch auch über seine Flugangst hinweghilft. Gleich nach der Ankunft im Schloss Achilleion lernt sie andere Teilnehmerinnen und Teilnehmer kennen. Viel Zeit zum Kennenlernen bleibt nicht, denn es wartet bereits die erste Aufgabe. Nach und nach kommt sie dahinter, dass es der Wettbewerb in sich hat. Plötzlich ist nicht länger der Sieg oberste Priorität, sondern zu überleben ...

Der unheimlich humorvoll spritzige Anfang machte es mir leicht gleich tief in die Story einzutauchen. Liv, eine Art schwarzes Schaf der Familie, die sich mehr oder weniger ungeschickt durchs Leben hangelt, hatte sofort meine gesamten Sympathien. Und dann Flame, hinter dessen Geheimnisse ich unbedingt kommen wollte. Das Setting im alten Schloss mit Bezug zur griechischen Mythologie hat mir ebenfalls gut gefallen. Lediglich anfangs war ich durch die zahlreichen Personen ein wenig erschlagen. Doch die Autorin versteht es, sie mit prägnanten Eigenschaften zu versehen, wie »Fitnesscenter-Ken« Maid oder Gruppennamen wie »die Antihelden« oder »Aktionäre«, sodass ich schon relativ bald den Überblick hatte. Neben Flame und Liv sind natürlich Sawyer und seine Frau Shelly eine tolle Ergänzung.
Die verschiedenen Prüfungen sind spannend, das oberste Gebot: »Sich zu verlieben ist nicht erlaubt« – schreit förmlich danach umgangen zu werden. Zudem mischt auch noch die Muse der Liebe, Erato, ordentlich mit. Überhaupt fand ich die Idee mit den neun Musen unglaublich kreativ.
Der Autorin ist wiederum gelungen, eine Mischung aus Fantasy, Spannung, Liebe, Krimi und gut recherchierter Mythologie zu finden. Der Schreibstil ist wunderbar fließen und mit Humor gewürzt, sodass ich nur so durch die Seiten geflogen bin.
Am Ende steht ein Cliffhanger, daher bin ich gespannt, was in Teil 2 noch alles passieren wird. Eine uneingeschränkte Leseempfehlung für Fans von fantasievoller Spannung.

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Vorlesebuch zu einem wichtigen Thema

Ups, ich darf auch Nein sagen von Inke Hummel

Im Mittelpunkt des Buches steht die kleine Leonora, die in die erste Klasse geht. In der Vorlesegeschichte erlebt sie einiges, muss auf Tante Theresas Geburtstag, Möbelpacker heben sie einfach zur Seite, hat eine Begegnung mit einem Hund und Ähnliches. Leonora lernt, mit ihren Gefühlen umzugehen und dass sie Nein sagen darf und muss, wenn ihr etwas nicht geheuer ist.

Es gibt allerdings auch Situationen, wo sie sozusagen »durch muss«, beispielsweise der Tante gratulieren oder zeitig am Morgen aufzustehen, damit sie pünktlich in die Schule kommt.

Dazwischen gibt es Abschnitte für Eltern, mit Tipps und Ratschlägen, die teilweise etwas belehrend rüberkommen und die jeder mit Hausverstand wissen könnte. Dennoch sind auch gute Vorschläge dabei, wie man beispielsweise mit den Kindern Situationen, die Mut erfordern, einüben kann.

Meine beiden ältesten Enkelinnen (5 und 7), haben die Geschichten rund um Leonora zeitweise ein wenig langweilig gefunden. Dadurch, dass die Autorin zahlreiche »lehrreiche« Situationen einbauen wollte, ist die Spannung ein wenig verloren gegangen. Kinder spüren schnell, wenn Bücher einen »Erziehungseffekt« haben sollen. Bei der Geschichte, in der Leo Leonora (die ähnlichen Namen sind gewollt?) auffordert, doch mit dem Roller die Rutsche hinunterzufahren, haben beide den Kopf geschüttelt. »Ich hätte gesagt, mach’s doch selbst«, hat meine jüngere Enkelin sofort eingeworfen. Die Ältere hat sich gleich bei der ersten Geschichte gewundert: Sie selbst liebe es, wenn ihre Mama ihr eine schöne Frisur macht und das ziepe nie, hat sie gemeint. Und sie hätten sich beide mehr Bilder gewünscht, es ist doch sehr viel Text für die Zielgruppe.
Fazit: Ein wichtiges Thema, das stellenweise ein wenig konstruiert aufbereitet wurde, dennoch ein lesenswertes Buch.

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Verborgenes Leben in ständiger Angst

Was die Zeit verschweigt von Mary Ellen Taylor

Die Journalistin Ruby hat erst eine Krebserkrankung überstanden. Das Angebot über eine französische Filmschauspielerin Cecile zu recherchieren, die nach Ende des Zweite Weltkrieges spurlos verschwunden ist, kommt ihr gerade Recht. Sie erhält das Tagebuch von Sylvia, die zur damaligen Zeit die Schneiderin der Schauspielerin war und auch die Aufzeichnungen eines deutschen Offiziers, der als Wachkommandant eingeteilt war.

Stück für Stück erfährt Ruby immer mehr über das Leben und die Gefahr, in der sich die Französinnen im von Deutschland besetzten Paris befunden haben. Doch auch Rubys Privatleben scheint mit der Vergangenheit verwoben zu sein.

Aus drei verschiedenen Perspektiven lässt einen die Autorin in die Geschichte eintauchen. Das gelingt ihr sehr gut. Die Kapitel im Paris der 1940er-Jahre sind beklemmend und ich habe mit den Frauen mitgezittert, die ständig Angst vor Verschleppung und Hinrichtung haben mussten. Sylvia, die eigentlich Polin ist und mit gefälschten Papieren in Paris lebt, ist eine starke Persönlichkeit, die sich bemüht loyal zu bleiben. Ich fand die Gegenüberstellung zwischen Vergangenheit und Gegenwart gut gelungen: Ruby, die ebenfalls tapfer gegen den Krebs kämpft und die Frauen im Paris während der schwierigen Zeit der deutschen Besatzung. Die Angst ist allgegenwärtig: die Angst, dass er Krebs zurückkehrt und die Angst, vor Entdeckung durch die Nationalsozialisten.
Das Buch hat für mich eine starke Sogwirkung, ich konnte es nicht zur Seite legen. Nachdem es mir zwischendrin manchmal etwas zu langsam voranging, war mir der Schluss – der unerwartet aus zwei neuen Perspektiven geschildert wurde – ein wenig zu kurz, vor allem auch, was Rubys Krebserkrankung betrifft.
Trotz der kleinen Kritikpunkte: ein wundervoll geschriebener Roman, in dem Historisches und Zeitgenössisches gekonnt verwoben werden.

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