Kunden em pfehlungen
Rezensionen von PFIFF:
Bombenanschlag auf einen Wagen mit hochrangigen Politikern
Zwei Sekunden von Christian von Ditfurth
Eine Bombe explodiert auf einer Straße in Berlin. Der russische Präsident und die deutsche Kanzlerin kommen mit dem Schrecken davon. Die Bombe hat das Auto hinter ihnen erwischt und alle Insassen getötet. Zwei Sekunden früher wäre der Wagen mit dem Staatsbesuch in die Luft geflogen. War es ein Versehen, eine Warnung, oder waren die hochrangigen Politiker gar nicht das Ziel? Die technischen Ermittlungen sind schwierig, weil die Sprengung nicht viel ganz gelassen hat.
Wie ist die Zündung erfolgt, wie konnte man unbemerkt eine Bombe unter die Fahrbahn plazieren? Viele Fragen, viele Sackgassen.
Hauptkommissar Eugen de Bodt ermittelt auf seine spezielle Art, die den Kollegen vom Verfassungsschutz und Bundeskriminalamt nicht passt. Aber mit seinen Kollegen kommt er auf eine heiße Spur, sucht und findet einen Maulwurf in den eigenen Reihen und begibt sich in Lebensgefahr, um die raffinierten Verbrecher aus der Reserve zu locken.
Ein intelligenter, spannender und zeitnaher Krimi.
Familiendrama am Lake Superior
Das Licht der Insel von Pendziwol Jean E.
Die junge Morgan muss einen von ihr angesprayten Zaun vor einem Seniorenheim überstreichen. Sie hat Probleme mit ihrem Leben, ihrem dealenden Freund. Sie entwurzelt, weiß nicht, wohin sie gehört. Der Großvater hatte sie aufgezogen, als die krebskranke Mutter starb. Ihren Vater kennt sie gar nicht.
Nach dem Tod des Großvaters ist sie auf sich allein gestellt.
Bei ihrer Malerarbeit lernt sie die alte Elisabeth kennen. Diese bittet das Mädchen, ihr aus alten Tagebüchern ihres Vaters, eines Leuchtturmwärters auf Porphyry am Lake Superior, vorzulesen, da sie nahezu blind ist.
Es entwickelt sich eine Freundschaft. Mehr und mehr kristallisiert sich beim Lesen der Bücher heraus, dass beide Frauen etwas verbindet. Das Schicksal Elisabeths und ihrer Familie wird klar und ist erschütternd.
Spannend und menschlich berührend geschrieben.
Flaubert-Biographie
Flauberts Papagei von Julian Barnes
Madame Bovary's Papagei erlangte Berühmtheit. Auf der Suche nach dem Original, das im Besitz von Gustave Flaubert war, lassen sich aber einige finden, die alle Anspruch auf Echtheit erheben. Eine witzige Rahmenhandlung für Erzählung über das turbulente Leben des berühmten, französischen Schriftstellers, der sein Lebenslicht an beiden Enden angezündet hatte, Frauen und Männer liebte und nie genug bekommen konnte.
Letztendlich erlag er an den Folgen einer Syphilis, wie die meisten seiner Zeitgenossen und Berufskollegen, wie Barnes meint, ausgenommen der Homosexuellen, die damals bessere Chancen hatten zu überleben als heute.
Homo Sapiens-oder doch nicht so weise?
Eine kurze Geschichte der Menschheit von Yuval Noah Harari
Interessant, intelligent und amüsant beschreibt Harari die Entstehung unseres Planeten mit Flora, Fauna und schließlich dem heutigen Menschen, der alles verändert hat und beherrscht, sich an die Spitze der Nahrungskette hinaufgearbeitet hat.
Bis zum Mittelalter und der Entwicklung der Maschinen, der industriellen Revlution, hat sich wenig bewegt, aber seither im Eiltempo.
Immer wieder hat sich der Mensch angepasst und an veränderte Bedingungen gewöhnt. Wirklich besser sind die Lebensumstände jedoch noicht geworden. Es gibt mehr Stress, Umweltdruck, dafür ein längeres Leben.
Der moderne Mensch hat sich eine Phanatsiewelt erschaffen, in der er mit Vertrauen auf die Zukunft in Aktien investiert, Kredite aufnimmt, den verschiedensten Religionen glaubt.
Doch wohin der Weg weitergeht, ist ungewiss.
Keine Chance für ein einfaches Landmädchen in England im 19.Jhdt.
Die Farbe von Milch von Nell Leyshon
1830 schreibt in England die junge Mary ihre kurze Lebensgeschichte auf.
Sie ist das jüngste von vier Mädchen einer armen Bauernfamilie und muss hart arbeiten.
Ihr Vater ist streng und grob. Trotzdem ist Mary nicht erfreut, als sie ihr Vater dem Pastor als Haushaltshilfe übergibt. Ihr Lohn hilft dem Bauern aus seinen Geldnöten.
Sie vermisst ihr gewohnetes Leben im Kreise ihrer Familie.
Mary soll sich hauptsächlich um die kränkliche Gattin des Pfarrers kümmern und eckt mit ihrer offenen und direkten Art an. Sie ist es nicht gewohnt, diplomatisch zu sein. Trotzdem schließt die Kranke Mary ins Herz und vertraut sich ihr an.
Als die Pastorengattin stirbt, macht sich der Pastor an Mary heran, unterrichtet sie Lesen und Schreiben und missbraucht sie. Als er sie wieder einmal grob nehmen will, bringt sie ihn im Affekt um und ergibt sich in ihr Schicksal. Sie weiß, dass sie schwanger ist und dass sie und das Kind keine Chancen haben.
Als Rechtfertigung für ihre Tat schreibt sie alle Geschehnisse auf.
Berührend, traurig und einfach menschlich.
Ein pummeliger Dorfpolizist ermittelt einfühlsam
Ein irischer Dorfpolizist von Norton Graham
Das verschlafene Dorf Duneen, im Süden Irlands, wird wachgeüttelt, als bei Bauarbeiten ein Skelett gefunden wird.
Sergeant PJ Collins bekommt Unterstützung aus Cork, um die Umstände und die Identität des Toten zu klären.
Als dann noch die Leiche eines Neugeborenen gefunden wird, werden die Bewohner des Ortes unruhig.
PJ befragt alle und versucht zu verstehen, was sich zugetragen haben könnte, wer die Wahrheit sagt, wer lügt und wer etwas verschweigt.
Eine alte Liebesgeschichte wird ausgegraben, Beziehungen auf die Probe gestellt.
Letztendlich gelingt es dem Sergwant durch seine mitfühlende und freundliche Art, die Rätsel zu lösen.
Sogar sein Vorgesetzter aus Cork zeigt Respekt und bietet ihm eine Stelle in Cork an.
Ardèche-Krimi
In tiefen Schluchten von Anne Chaplet
Tori, Witwe eines Pariser Rechtsanwalts, lebt im Vivarais in dem alten Dörfchen Belleville, am Fuße der Cevennen. Sie leidet unter dem Verlust ihres Mannes und versucht bei Wanderungen in der malerischen Umgebung abzuschalten.
Ein Hund läuft ihr zu, begleitet sie und rettet ihr das Leben, als sie in einen unterirdischen Hohlraum fällt.
Dort findet sie einen vermissten Mann, der auf der Suche nach der Vergangenheit seines Großvaters ist. Die Gegend ist bekannt für Höhlen, teils mit Steinzeitmalereien.
Einige Todesfälle bringen die Ordnung des Dorfes ducheinander und brechen alte Wunden auf. In der Gegend lebten Chamisards, Marquisards und Résistence-Kämpfer, Hugenotten und Katholiken, meist nicht friedlich nebeneinander.
Tori entdeckt in ihrem alten Haus einen geheimen Raum und einen Geheimgang zur Dorfkirche. Die Vorbesitzer dürften diese als Versteck und Fluchtweg benutzt haben.
Sie möchte herausfinden, was sich hier in der Vergangenheit abgespielt hat, wird aber von den Dorfbewohnern gemieden und abgeblockt.
Schließlich kommen doch einige Fakten an den Tag, die sogenannte "Schande" des Dorfes, unter dem es immer noch leidet.
Spannend und interessant. Macht Lust, diese Gegend zu besuchen und zu durchwandern.
Mysteriöse Geschichte um ein unveröffentliches Manuskript
Das geheime Leben des Monsieur Pick von Foenkinos David
In einem kleinen bretonischen Dorf befindet sich eine Bibliothek, deren vormaliger Besitzer die Idee hatte, unveröffentlichte und abgelehnte Manuskripte entgegenzunehmen und aufzubewahren.
Als eine junge Lektorin aus Paris in den fast vergessenen Stapeln wühlt, findet sie ein Manuskript zu einem Roman, das der verstorbene Pizzabäcker des Ortes verfasst haben soll.
Sie findet das Buch großartig und will es veröffentlichen. Dazu spricht sie mit der Witwe und der Tochter des Verstorbenen, die beide überrascht sind, aber mit der Herausgabe einverstanden sind.
Ein gescheiterter Kritiker vermutet für sich eine Chance, wenn er beweisen kann, dass es sich um einen Betrug handelt und recherchiert auf eigene Rechnung.
Menschliche Tragödien kommen ans Licht und machen es den Beteiligten schwer, die Wahrheit zuzugeben, ohne einige Leute zu kränken und zu verletzen.
Eine Frau mit gewaltigen Problemen
Sieh mich an von Krügel Mareike
Katharina, Mutter von zwei Kindern, etwas überfordert mit der Erziehung der lebhaften Tochter, lebt nach Listen, die ihr helfen sollen, den Alltag zu meistern und wichtige Dinge festzuhalten.
Der Dauerstress bringt sie an den Rand der Verzweiflung, noch dazu, weil sie weiß, dass sie einen Tumor in einer Brust hat, der ihr Leben bald beenden kann.
Ihr Mann, ein Architekt, ist viel unterwegs, die Beziehung hat sich abgekühlt, obwohl er liebevoll und aufmerksam ist.
Katharina versucht mit Hilfe ihrer Nachbarn, einem liebenswerten Gender-Paar, alle Familienmitglieder zufriedenzustellen, was ihr schlecht und recht gelingt, bis sie an einem Wochenende ausrastet, als das ihr Mann Costas angeblich nur geschäftlich auswärts verbringt.
Der ganz normale Wahnsinn einer Mutter, die versucht, alles richtig zu machen und dabei selbst zu kurz kommt.
Morde im Wien nach dem Ersten Weltkrieg
Der zweite Reiter von Beer Alex
Im Wien nach dem Ersten Weltkrieg arbeitet August Emmerich als Polizeiagent. Sein junger Kollege Ferdinand Winter wirkt zuerst unbeholfen, entwickelt sich aber zu einer unersetzlichen Hilfe für Emmerich. Ohne ihn wäre er mehreren Anschlägen zum Opfer gefallen und hätte nicht die verzwickten Fälle lösen können.
Ein mysteriöser Selbstmord lässt Emmerich nicht ruhen, bis er beweisen kann, dass es sich um einen gefinkelten Mord gehandelt hat. Ein Mord, dem noch weitere folgen, die alle miteinander zusammenhängen, aber schwierig zu beweisen.
Alex Beer schreibt witzig, gut recherchiert, intelligent und menschlich überzeugend im Stil der damaligen Zeit. Ein echter Genuss.











