Kunden em pfehlungen
Rezensionen von HEYN Leserunde Manfred Kohl:
Platt
Für die Ewigkeit von Helmut Krausser
Der kokette Einstieg des Buches mit den Klavierstunden verspricht viel, aber dann wird es flach. Eine Fluchtstory ohne Tiefgang und Spannung, in der selbst die Erotik nicht prickelnd ist. Ich war enttäuscht.
Pflichtlektüre
Ich bleibe hier von Marco Balzano
Ich habe das Buch in einem Satz gefesselt durchgelesen. Mit einem gelungenen erzählerischen Trick berichtet Balzano, wie die Protagonistin Trina und ihre Dorfgemeinschaft im Vinschgau von den italienischen und den deutschen Faschisten und zuletzt von den wirtschaftlichen Interessen eines Staudamms niedergewalzt werden.
Unweigerlich denkt man als Kärntner an die Kärntner Slowenen in der Nazizeit und an die Kanaltaler. Grauslich, aber reale Geschichte, an die man immer wieder erinnert werden muss. Ich mag diese direkte und schnörkellose Sprache. Wunderbar geschrieben. Erstaunlich: Balzano ist Italiener. Sehr zu empfehlen.
"Angst haums" (Voodoo Jürgens)
Vom Land von Dominik Barta
Die gesellschaftlichen Veränderungen lösen am Land Ängste aus. Dominik Barta beschreibt - wohl mit autobiographischen Zügen - die geistige und körperliche Brutalität, aber auch die schönen Seiten des Landlebens in einer klaren und einfachen Sprache. So einfach, wie das Leben am Lande - scheint.
Ein Geschichtsbuch
Rote Kreuze von Sasha Filipenko
"Ich finde es gut, wenn ein Buch nicht nur eine Geschichte erzählt, sondern auch eine Geschichte hat", meint der Autor selbst im Interview.
Ich finde das auch und mag Romane mit historischem Hintergrund. Hier schildert Filipenko Stalins unfassbare Grausamkeiten - gut recherchiert, eindrucksvoll geschrieben.
Nur bekommt man manchmal das Gefühl, die Rahmenhandlung ist zu konstruiert. Dennoch: Ein Buch, das Spuren hinterlässt.
"Ugch" (Seite 86, Zeile 1)
Rate, wer zum Essen bleibt von Philipp Tingler
J
a eh, manchmal lustig zu lesen diese Tischszenen einer Essenseinladung. Aber "Tingler schreibt wie die Wiedergeburt von Thomas Mann und Oscar Wilde." FAZ-Zitat am Innencover. Oder: "...wo umwerfend rasant und komisch, dass ihn Billy Wilder beneidet hätte." WDR-Zitat am Cover.
Wie bitte???? Ugch!
Ein Riss im Leben
Der Riss von Hye-young Pyun
Wer hat nicht Angst davor, dass plötzlich ein Riss durchs Leben geht und von einer Sekunde zur anderen alles anders ist? Und wie sich dann die umgebenden Menschen verändern und sich grausam gegenüber dem "Krüppel" verhalten? Ja, ein grausames Buch, sehr gut geschrieben und auch gut recherchiert - bei dem ich mich allerdings gefragt habe, ob ich 200 Seiten in meinen eigenen Ängsten wühlen will.
....
Joint & Büffelpenis?
Großmutters Haus von Thomas Sautner
Eine Joint-Geschichte, wie sie vielleicht in den 70er-Jahren als neu empfunden wurde. Heute banal, unglaubwürdig, nicht real. Kommt mir sehr konstruiert vor. "Der Mond stand am Himmel wie eine Schüssel dampfende Vanillemilch" - nein, das brauche ich nicht. Tut mir leid.
im Shop ansehen weitere Rezensionen von HEYN Leserunde, Manfred KohlEin Buch für mich
Der Stotterer von Charles Lewinsky
Grossartig, wie sich Lewinsky in die Gedanken- und Sprachwelt seiner Figuren hineinversetzt. Herrlich, dieses (zynische) Einflechten von Bibelzitaten und die überraschenden Hinweise auf Schoppenhauer. Alltagssprache, Alltagsphilosopie vom Feinsten. "Er wusste mit Bibelsprüchen zu bestrafen wie ein Staatsanwalt mit Paragraphen".
"Je unsicherer jemand ist, desto wichtiger wird ihm seine Würde." Kommt ins Regal meiner Lieblingsbücher.
Oh my god!
Am Beispiel des Affen von Kumar Amitava
Also ein US-Einwanderer-Roman. Da kann ich nur "Oh my god!" dazu sagen. Ein Roman mit vermutlich autobiographischen Elementen? Eher eine protokollartige Schilderung mit Fußnoten. Sogar der Sex - und der ist Amitava Kumar nicht unwichtig - wird protokollartig beschrieben! Kein Eros weit und breit.
Und das soll die politisch engagierte Studentenwelt der Einwandererjugend gewesen sein. "Oh my god".
(Blöderweise habe ich vorher - Zufall! - Joseph Roths Einwandererroman "Hiob" gelesen. Weltklasseliteratur!)
Krimi ohne Kommissar
Geisternächte von Mumot André
Krimi ohne Kommissar mit Einblick in den braunen Sud einer Großstadt in einer Detailtreue, dass einem fast schlecht wird beim Lesen - und mit einem trostlosen Ende.
Der Teufel ist überall, ob braun oder eingebildeter Luzifer.
Gut geschrieben, spannend, zeitnah gesellschaftspolitisch engagiert - daher 4 Sterne.











