Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Dana:
gutes Kindersachbuch, kompliziertes Thema
Wie wir Energie erzeugen von Philip Bunting
Wo kommt unser Strom eigentlich her, bevor wir ihn aus der Steckdose bekommen? Wie können wir Energie erzeugen und welche Unterschiede gibt es dabei? Was ist Elektrizität? Mit diesen Fragen beschäftigt sich dieses Kindersachbuch und versucht dabei auf einfache Weise und mit vielen bunten Illustrationen die Aspekte zu erklären.
Man bekommt in dem Sachbuch einen guten Überblick über die erneuerbaren und nicht erneuerbaren Energiequellen, was sie für Vor- und Nachteile haben, wie die Stromgewinnung funktioniert, was wir tun können, um Strom zu sparen, wie früher Energie gewonnen wurde und solche Dinge.
Ausgeschrieben ist das Sachbuch ab 6 Jahren. Für Sechsjährige finde ich das Buch an einigen Stellen noch etwas kompliziert. Es sind zwar soweit möglich einfache Worte und kurze Sätze genutzt worden, durch die Verwendung von Fachbegriffen und die Komplexität der Vorgänge an sich, bleibt es aber teilweise eben trotzdem kompliziert. Manche Begriffe, wie Vakuum und Helium sind jetzt vermutlich auch nicht gerade im täglichen Gebrauch für Sechsjährige.
Der Zeitstrahl zu Beginn des Buches gibt eine Übersicht, wie sich die Energienutzung entwickelt hat, wann daraus technische Fortschritte resultierten und so weiter, dabei passten manche der Formulierungen nicht so recht bzw. waren etwas unglücklich gewählt.
Die Seiten sind schön und übersichtlich aufgebaut. Sehr farbenfroh, es gibt zahlreiche Schaubilder und Illustrationen, die die schwierigen Vorgänge etwas besser verständlich machen sollen und als Ergänzung zum Text dienen. Wie man auf dem Cover schon sehen kann, bekommt jede Energiequelle Augen, das hätte ich nicht gebraucht, da man in Sachbüchern aus meiner Sicht nicht alles künstlich auf niedlich trimmen muss, ist aber sicher Geschmackssache. Auch hätte man von mir aus gern auf die Portion Humor verzichten können, die scheinbar unbedingt ins Buch musste und bei mir so gar nicht ankam. Es wirkte sehr erzwungen, flach und teilweise auch einfach unpassend.
Fazit
Alles in allem, trotz kleiner Kritikpunkte, ein schön gestaltetes Kindersachbuch, das mit den vielfältigen Schaubildern und möglichst einfacher Sprache die unterschiedlichen Energiequellen erklärt. Kompliziert und komplex ist das Thema aber trotzdem, auch wenn das Erdöl (und alles andere) im Buch Augen bekommen hat, um niedlicher zu wirken.
wunderschön gestaltetes Kinderbuch, 4,5 Sterne
Der Wunschling - Wünsche schmecken nach Brausepulver von Annette Brahms
Theo ist mit seiner Familie umgezogen und ganz schon aufgeregt vor dem ersten Tag in der neuen Schule. Wird er schnell Freunde finden? Während er grübelnd wachliegt, schleicht sich ein kleines, flauschiges Wesen in sein Zimmer, angelockt von einer wunderbar duftenden Wunschspur. Zurecht ist Theo überrascht, dass da nun ein Wunschling vor ihm steht, der ihn auffordert, sich diesen lecker duftenden Wunsch zu wünschen.
Der Schüler gibt alles und wünscht was das Zeug hält, aber der Leckerwunsch lässt ein wenig auf sich warten.
Das Buch ist wirklich super schön gestaltet. Jede Seite ist sehr liebevoll und farbenfroh illustriert. Die Abbildungen zeigen entweder direkt die Handlung oder Teile, die mit zur Geschichte gehören und unterstützen diese damit total schön. Mir gefällt der Stil der Zeichnungen auch richtig gut, ich habe den Wunschling direkt ins Herz geschlossen. Aber auch von Theo, seiner Familie und seiner neuen Schule bekommt man direkt einen Eindruck. Durch die große Schrift und den einfach gehaltenen Schreibstil wird es auch für Leseanfänger gut möglich sein, der Geschichte zu folgen. Die Seiten sind mit Text nicht überladen und durch die Illustrationen hat man gleichzeitig auch immer noch was zu gucken. Als Vorlesegeschichte für jüngere Kinder kann ich mir dieses Buch aber auch gut vorstellen. So ein Wunschling spricht sicher viele an.
Der Wunschling ist niedlich und gleichzeitig auch ein bisschen frech und ungeduldig. Und so toll es auch klingt, sich Sachen wünschen zu dürfen, so ist das für Theo gar nicht die gesamte Zeit eine Wohltat. Manchmal weiß er schon gar nicht mehr, was er sich wünschen soll. Beim Wünschen und Wunscherfüllen schleicht sich dann auch mal die eine oder andere Panne ein, mit unterschiedlichen Auswirkungen. Besonders bei Wünschen, die gar nicht so lecker sind, wie der Wunschling sie gern hätte, ist er unkonzentriert oder auch mal etwas tollpatschig. Dadurch entstehen dann auch mal Situationen zum Schmunzeln und es wird deutlich, dass so ein Wunscherfüller gar nicht immer ein Segen ist. Manchmal entsteht durch die fehlgeleiteten Wünsche aber auch noch etwas viel besseres, als man eigentlich vorher wollte.
Es geht aber nicht nur um das Herausfinden dieses nach Brausepulver schmeckenden Wunsches, es geht in der Geschichte auch um Freundschaft und auch ein wenig darum, die Dinge zu machen, auf die man selbst Lust hat und sich nicht in der Klasse unterzuordnen, damit man dazu gehört.
Die Dynamik in der Geschichte hat mir gut gefallen, nur das Ende war mir insgesamt doch irgendwie etwas schnell und plötzlich, da hätten gern noch ein paar mehr Seiten dran sein können. Dann hätte man auch über die Charaktere vielleicht noch ein bisschen mehr erfahren können. Ich kann mir aber gut vorstellen, Theo und den Wunschling auch bei weiteren Erlebnissen zu begleiten.
Fazit
Eine sehr schön gestaltetes, liebevoll und ansprechend illustriertes Kinderbuch, in dem es um Wünsche und Freundschaft geht. Und manchmal sind es gar nicht die Wünsche, von denen man dachte, dass sie einen glücklich machen, die einen dann wirklich so richtig glücklich machen…
fantasievolle Geschichte, besondere Stimmung
Waraka von Tobias Goldfarb
In Waraka ist der Schlüssel der Herrschaft die Angst. Die Bevölkerung lebt in ständiger Furcht vor der Großen Schlange, einer Gottheit, die die Stadt in Schutt und Asche legen könnte. Ihren Hüter Skarf fürchten sie ebenfalls, schließlich hat auch er Einfluss darauf, ob sie alle in Sicherheit sind.
Außerhalb der sicheren Stadtmauern lauern weitere Gefahren und Bestien, eine angsteinflößender als die andere. Auch Prinz Arkyn soll lernen, sich die Angst der Menschen zu nutze zu machen. Solange sie ihn fürchten, werden sie sich nicht gegen ihn auflehnen. Eine wichtige Tat auf seinem Weg zum König ist es, sein Seelentier zu töten, während die Einwohner seiner Stadt ihm dabei zuschauen. Doch der Prinz rebelliert, obwohl er sich der möglichen Konsequenzen bewusst ist. Mit Glück gelingt es dem Jugendlichen mit seinem Seelentier, einem Smilo, zu fliehen, nur um sich außerhalb der Mauern weiteren Gefahren ausgesetzt zu sehen und in eine Welt einzutauchen, die ihm fremd ist und in der er sich allein niemals durchschlagen können wird. Gemeinsam mit Saga, auf die er am Meer zufällig stößt, und dem Smilo beginnt für Arkyn eine aufregende Zeit voller Fragen, Gedanken und einer ungewissen Zukunft.
Die Geschichte rund um Prinz Arkyn geht direkt spannend los. Man erlebt den Jugendlichen kurz vor dem „Hier und Jetzt“ einer Art Prüfung, in der er sich als zukünftiger König als würdig erweisen muss, indem er sein Seelentier, einen Säbelzahnjagur (Smilo), umbringt. Arkyn will das allerdings auf keinen Fall tun, obwohl er die Konsequenzen auf verschiedene Weise durchgespielt hat. In dieser ersten Phase erlebt man auch den Hüter der Schlange, Skarf, und bekommt einen Eindruck davon, mit welch harter Hand er die Menschen führt und wie unerbittlich er ist, aber eher auf eine unterschwellige Art. Für Arkyn gab es bisher nichts anderes, als das Leben in seinem goldenen, privilegierten Käfig und doch steht seine Entscheidung fest. So wird es gleich zu Beginn des Buches recht turbulent mit der Flucht des Prinzen und den Gefahren, die direkt danach im Wald rund um die Stadtmauern auf ihn warten. Schließlich kennt Arkyn die Welt „draußen“ höchstens aus Erzählungen, wenn überhaupt. Für ihn gibt es viel zu entdecken, zu hinterfragen und zu lernen.
Im Verlauf bleibt das Tempo innerhalb der Geschichte nicht dauerhaft so hoch. Es gibt immer wieder Passagen, in denen es etwas ruhiger ist, in denen die Charaktere sich viele Gedanken machen, Lösungen suchen oder auf der Reise von einem Ort zum nächsten sind. Auf sie lauern unterwegs weitere Gefahren, Turbulenzen und Auseinandersetzungen, aber auch sehr schöne, fast magische Momente. Die Mischung hat mir insgesamt gut gefallen, der Schreibstil ist mitnehmend, bildgewaltig und zwischendurch auch ein wenig philosophisch. Nach und nach lernt man mehr über die Welt kennen, mit all den besonderen, vielseitigen Kreaturen und den facettenreichen Gegenden. All die kreativen Ideen, die in diesem Buch stecken, haben mich sehr fasziniert und angesprochen. Waraka hat einiges zu bieten und durch den bildhaften Stil und die detaillierten Formulierungen ist es gut möglich, sich die Wesen und Orte gut vorzustellen und sich einen Eindruck von all dem zu verschaffen, was da auf Arkyn und Saga zukommt.
Erzählt wird die Geschichte aus der Sicht von Arkyn, so erlebt man ihn intensiver als Saga, die in manchen Situationen eher etwas rätselhaft bleibt, auch weil sie sich nicht so sehr offenbart, teilweise recht schweigsam und nachdenklich ist. Mit der Zeit erfährt man aber auch über sie und ihre Herkunft etwas mehr. Die Art, wie das in die Handlung eingeflochten ist, hat mir gut gefallen, weil es sich nicht nur auf die Dialoge beschränkt. Bei den Gesprächen hätte ich mir manchmal noch etwas mehr gewünscht, auch wenn nachvollziehbar ist, dass die Jugendlichen teilweise überfordert und ratlos sind, weil sie Entscheidungen treffen müssen, die weitreichende Folgen haben können und teilweise nicht klar ist, ob es erfolgreich sein kann, was sie sich vorgenommen haben. Trotzdem war es mir manchmal einfach etwas zu wenig, was dabei bei mir ankam. Auch war die freundschaftliche Verbindung zwischen Saga und Arkyn für mich nicht immer so klar greifbar. Schöner zu verfolgen war da für mich die Bindung, die nach und nach zwischen dem Prinzen und seinem Smilo entstanden ist. Geholfen hat dabei auch die Gabe, die Arkyn in sich trägt.
Die Entwicklungen in der Handlung sind relativ klar ersichtlich und waren größtenteils für mich nicht besonders überraschend. Dennoch hat es Spaß gemacht, die Geschichte zu verfolgen und für jüngere Lesende sind manche Sachen vielleicht auch nicht ganz so offensichtlich, wie sie für mich waren. Für mich war die Handlung eher geprägt durch die besondere Stimmung, die teilweise herrschte, die facettenreichen Wesen, die vielen wundervollen Ideen und den Mut des Protagonisten, sich gegen das System aufzulehnen und dabei seinen ganz eigenen Weg zu finden, mit dem er hofft zu verhindern, dass zu viel Schaden angerichtet wird. Immer wieder fließt auch das Thema Angst in die Handlung mit ein, denn das ist ja etwas, worauf die Herrschaft in Waraka bisher basierte.
Fazit
Ein schönes Jugendbuch, in dem facettenreiche Ideen stecken, die durch den bildgewaltigen Stil gut vorstellbar rübergebracht werden. Die Stimmung innerhalb der Geschichte habe ich als besonders empfunden. Zeitweise ist es eher ruhiger, nachdenklicher und durch die Art, wie die Dinge offenbart werden fast etwas philosophisch, ohne dabei unverständlich zu werden. Dann gibt es aber auch wieder turbulentere Momente, schwerwiegende Entscheidungen, bei denen die Unsicherheit bleibt, ob das Vorhaben von Erfolg gekrönt sein kann. Das Buch lebt durch die starke Bindung zwischen den Protagonisten, die für mich aber nicht in jeder Facette greifbar war, dem Mut des Prinzen und dem Wunsch, etwas zu verändern und nicht weiter mit der Macht der Angst zu herrschen.
gelungene Fortsetzung in Whisperworld – dieses Mal geht’s ans Meer
Whisperworld 3: Geheimnis des Meeres von Barbara Rose
Achtung: dritter Band! Die Handlung rund um die Figuren in Whisperworld geht weiter, man sollte die ersten beiden Bücher der Reihe daher gelesen oder gehört haben, um die Zusammenhänge gut zu verstehen und auch die Charaktere, die man begleitet, schon zu kennen. Meine Rezension kann ganz kleine Spoiler in Bezug auf die vorausgegangene Handlung enthalten.
Für die angehenden Tierflüsterer steht ein neues Abenteuer in Whisperworld an. Nachdem sie zuletzt in der Wüste gewesen sind und dort einige Herausforderungen meistern mussten, brauchen nun die Lebewesen im Nachtblauen Meer ihre Hilfe. Für die Reise ans Meer müssen die Kinder noch einiges lernen und auch vor Ort gibt es weitere Prüfungen zu bestehen. Neben den Pflichten und Regeln, die auf die Tierflüsterer zukommen, gibt es aber auch wieder unvergessliche Augenblicke und einige Wunder zu entdecken. Allerdings wird die Idylle am Meer bedroht. Können die Tierflüsterer herausfinden, wer dahinter steckt?
Die Aufmachung der Reihe gefällt mir richtig gut. Die Karte gleich zu Beginn des Buches gibt eine gute Übersicht über die Welt. Man kann sich die gesamte Zeit über daran orientieren, wo die Figuren sind und wie ihre Reiseroute durch Whisperworld aussieht. Immer wieder gibt es kleine, optisch abgegrenzte Auszüge aus den Chroniken von Whisperworld, die Einblicke in die Vergangenheit geben, Stück für Stück noch ein paar Zusammenhänge offenlegen und auch einen Bezug zu den aktuellen Geschehnissen haben. Die Illustrationen im Buch sind zwar nicht so zahlreich, ich finde sie aber wunderschön. Die schwarz-weißen Zeichnungen unterstützen die Handlung sehr gut und machen die gesamte Geschichte noch lebendiger und besser greifbar. Es gibt viele Details zu entdecken, man bekommt eine Vorstellung von den Charakteren und Schauplätzen. Ich finde auch die Stellen, an denen die Illustrationen positioniert sind, gelungen. Es sind meistens bedeutsame Momente oder Szenen, die einen Eindruck von der aktuellen Lage geben. Da sie nicht so häufig vorkommen, bleiben die Zeichnungen auch etwas Besonderes im Buch.
Der Schreibstil ist angenehm, locker und sehr leichtgängig, obwohl es hin und wieder auch Szenen gibt, in denen die Stimmung nicht so ausgelassen fröhlich ist. Die Sprache ist einfach gehalten, so dass auch junge Lesende der Handlung bestimmt gut folgen können. Schwierigere Begriffe, wie sie zum Beispiel bei den Erklärungen rund ums Segeln und solche spezielleren Dinge vorkommen, werden gut erklärt und in die Handlung eingebunden. Gut gefällt mir auch, dass die Emotionen schön transportiert werden, sowohl in den Dialogen als auch durch die Beschreibungen der Empfindungen und Gedanken der Charaktere. Man bekommt ein immer besseres Gefühl für die Figuren und die Stimmung unter ihnen. Einige von den Kindern sind schon enge Freunde geworden, andere tun sich immer noch etwas schwer damit, sich das Gruppe zu öffnen und ihre alten Einstellungen abzulegen. Besonders Chuck tut sich nach wie vor schwer und verstößt immer wieder gegen die Regeln. Ich konnte es zwar meistens nachvollziehen, besonders weil man zu ihm zu Beginn des Bandes auch etwas mehr erfährt, ich finde es aber trotzdem schade, weil es einfach schön zu sehen wäre, wenn auch er sich mehr in die Gruppe einfügen und sich von den Gedanken lösen könnte, die ihn hemmen und immer wieder zu Alleingängen führen.
Freundschaft und Zusammenhalt spielt eine große Rolle im Buch, aber auch Ehrgeiz und Neid tauchen immer mal wieder auf. Für die jungen Charaktere gibt es noch viel zu lernen. Sie müssen zusammenwachsen, sich unterstützen, ihre Stärken gut durchdacht einsetzen und aus den Lektionen, die ihnen aufgetragen werden, für die Zukunft Dinge mitnehmen. Oft gelingt ihnen das gut, es gibt aber auch Rückschläge, was ich recht authentisch finde. Und doch ist es toll zu sehen, wie sie oft zusammenhalten und einander auch wieder aufbauen, sollte mal etwas nicht so gut gelaufen sein.
Die Bedrohungen, die an verschiedenen Stellen in Whisperworld auftauchen, überschatten den Ausflug der Kinder ein wenig, sorgen aber auch für Spannung innerhalb der Handlung. Denn es ist immer im Hinterkopf, dass jemand die Wunder, die sie am und im Meer entdecken zerstören oder für eigene Zwecke nutzen möchte. Trotzdem sind die Augenblicke, in denen die Tierflüsterer die verschiedenen Lebewesen am Meer erleben und begleiten einfach nur wundervoll und teilweise auch sehr magisch. Die Mischung aus realen, schützenswerten und teilweise schon fast ausgestorbenen Tierarten, zu denen man hier und da auch ein paar Informationen bekommt und den übernatürlichen Wesen in Whisperworld, gefällt mir immer wieder gut. Ich bin schon sehr gespannt, was im nächsten Buch auf die Charaktere zukommt, denn der Abschnitt, der als nächstes Reiseziel angekündigt wird, könnte alles bereithalten.
Fazit
Eine tolle Fortsetzung, die wieder sehr viel Spaß gemacht hat und einen noch intensiver in die Welt eintauchen lässt. Auch zu den Figuren erfährt man Stück für Stück mehr und die Dynamik zwischen ihnen ist schön zu verfolgen. Neben Freundschaft, Neugier und Zusammenhalt, gibt es auch mal Neid, übertriebenen Ehrgeiz und unvorsichtige Alleingänge, die Gefahren mit sich bringen. Kleine Turbulenzen und das Wissen, dass Whisperworld bedroht wird, sorgen für Spannung innerhalb der Geschichte. Insgesamt empfand ich das Buch als etwas ruhiger, als den Band zuvor, was ihn aber nicht weniger schön zu lesen machte.
interessant, aber noch zu wenig Tiefe, zu viel Distanz
Whisperworld 3: Geheimnis des Meeres von Barbara Rose
Der Klappentext des Auftaktbandes trifft den Kern der Handlung schon ziemlich gut. Für Ich-Erzähler Sain gab es bisher nur eine Weise die Xerks zu betrachten: Als gefährliche, blutrünstige Wesen, die man vernichten muss, wenn sie zu nah an den Unterschlupf der Menschen gelangen. Was ist auch dabei die Biester umzubringen, die als gefühllos und unzivilisiert gelten? Sains Welt wird ziemlich aus den Angeln gerissen, als er dann auf den Xerk Deejen trifft, der gar nicht so unkultiviert und ungebildet scheint, wie Sain immer eingetrichtert wurde.
Aus einem Impuls heraus hilft er dem Verletzten und besiegelt damit ein Schicksal, von dem er gar nichts geahnt hat. Für Sain wird es fortan immer schwieriger unter den Menschen zu leben und sein Geheimnis zu bewahren, auch wird es für ihn fast unmöglich, seinen Aufgaben innerhalb der Gemeinschaft gewissenhaft nachzukommen. Nach einigen blutigen Ereignissen ändert sich die Lebenssituation für den Menschen komplett und er findet bei den Xerks, seinen einstigen Feinden, Unterschlupf. Allerdings ist er dort alles andere als gern gesehen. Keine leichte Zeit für Sain, der noch sehr viel lernen muss, um in der für ihn neustrukturierten Welt nicht ständig Fehler zu begehen.
Ich habe ein wenig gebraucht, um mich so richtig in den Schreibstil reinzufinden. Einige der Ausdrücke sind sehr altertümlich und der oft mittelalterlich anmutenden Welt angepasst. Die Formulierungen waren ungewohnt, aber nicht unverständlich und auch einfach mal anders als man es aus anderen Büchern vielleicht kennt. Im Verlauf fühlte ich mich dann auch gut mitgenommen und habe mich in der Handlung und den Geschehnissen zurechtgefunden. Vom Weltenentwurf erfährt man insgesamt nicht ganz so viel, was mich beim Lesen aber nicht besonders gestört hat. Man ist sehr fokussiert auf Sain und die Xerks. Von den Orten, an denen man sich mit den Charakteren befindet, bekommt man eine Vorstellung und auch von dem groben Aufbau drumherum. Lieber hätte ich mehr Informationen zu den Gestaltwandlern gehabt, als zur Welt ans sich.
Obwohl man Protagonist Sain aus der Ich-Perspektive begleitet, bleibt eine gewisse Distanz erhalten. Man bekommt zwar Einblicke in seine Gedanken- und Gefühlswelt, so richtig viel Nähe wird zu ihm aber trotzdem irgendwie nicht aufgebaut. Das machte das Einfühlen etwas schwieriger und ich habe die Handlung nicht so nah an mich rangelassen (was in einigen Abschnitten aber vielleicht auch ganz gut war). Trotzdem fand ich den Stil irgendwie auch interessant, vielleicht auch weil es eben nicht ganz so Mainstream ist.
Etwas schade fand ich, dass man recht lange nicht besonders viel von den Xerks erfährt. Deejen, dem Sain hilft, ist sehr verschlossen und gibt nur wenig preis. Dass er misstrauisch gegenüber den Menschen ist, kann man schon verstehen, schließlich jagen und töten sie die Xerks. Dass er Sain also nicht brühwarm alle Geheimnisse anvertraut, ist nachvollziehbar. Die beiden kommen sich aber recht schnell sehr nah und leben irgendwann dann auch unter einem Höhlendach, da wäre es eben schon nicht schlecht gewesen, den Menschen in die Strukturen, Rangordnungen und so einzuweihen, damit er nicht ständig aneckt und Fehler begeht. Sain hält sich nämlich nicht so gern an Regeln, die ihm nicht logisch erscheinen oder deren Sinn er nicht versteht. Es ist nicht so, dass Sain nicht fragt, manchmal sogar mehrfach, aber Deejen ist so verschlossen, dass der Mensch nur wenig über den Xerk und sein Coral erfährt. Und dann eben selbst versucht, herauszufinden, was ihn interessiert und Kontakt zu knüpfen. Ein ziemlich gefährliches unterfangen, nicht nur für Sain.
Erst mal hat der Mangel an Wissen die Xerks für mich noch interessanter gemacht, weil man einfach verstehen wollte, wie sie ticken, was noch dahintersteckt und wie sie gemeinsam funktionieren. Um das Ganze greifbarer zu machen, wären aber mehr Einblicke eben schön gewesen. Stück für Stück gibt es dann zwar mehr Informationen, so richtig tief geht man letztendlich aber noch nicht rein. Die Dinge, die man erfahren hat, fand ich aber interessant, auch wenn einige ihrer Vorgehensweisen schon ziemlich streng sind. Besonders spannend fand ich die Einblicke in die Entstehung der Xerks.
Das Buch enthält Passagen, die schon etwas heftiger sind. In den Momenten kommt es einem zugute, dass es nicht zu detailliert formuliert wird und eine gewisse Distanz erhalten bleibt. Es wird düster, brutal und teilweise auch recht blutig. Auf der anderen Seite gibt es aber auch Szenen, in denen die Verbindung zwischen Deejen und Sain im Vordergrund steht und Erotik Einzug hält. Ich persönlich hatte bei der Zuordnung in das Genre vermutet, dass diese Abschnitte ausführlicher sein würden. Auch hier ging es nicht zu sehr in die Tiefe, man kann sich zwar vorstellen, was die beiden Männer miteinander machen, es geht aber nicht seitenweise ins Detail. Was mich nicht gestört hat, ich hätte es nur anders vermutet, wenn es schon extra auf dem Buch drauf steht. Allgemein ist die Bindung zwischen den beiden Charakteren aber auch nicht immer so ganz greifbar. Es wird zwar klar, was da zwischen ihnen ist, aber ich konnte es nicht so richtig fühlen. Auch hier bleibt es teilweise ein wenig distanziert und wodurch die beiden nicht so richtig viel miteinander sprechen, baut sich hier nicht so viel Tiefe und Zuneigung auf. Die Distanz zieht sich ziemlich konsequent durch das gesamte Buch. Für mich stellte sich trotzdem ein ganz guter Lesefluss ein und durch Sains Alleingänge und sein Unwissen ergeben sich immer wieder Augenblicke, in denen man dann Neues erfährt, es zu weiteren Problemen kommt und die Strukturen der Xerks ein wenig aufgedeckt werden, aber es wurde eben nicht alles so ganz greifbar und emotional mitgenommen oder berührt haben mich die Ereignisse eher nicht.
Am Ende wurde es dann noch mal turbulenter und man geht mit einem Cliffhanger aus dem Buch raus, der neugierig auf die Fortsetzung macht. Insgesamt hat mich das Buch auch gut unterhalten, auch wenn ich einige Kritikpunkte habe oder mir manches anders gewünscht hätte. Aber es war dennoch eine interessante Mischung, ich finde die Xerks faszinierend und hoffe sehr, man wird von ihnen noch etwas mehr Einblicke bekommen und im Verlauf der Trilogie dann auch noch etwas mehr Nähe aufbauen.
Fazit
Ein Reihenauftakt, der neugierig auf den Fortgang der Geschichte macht, der aber auch Potenzial verschenkt. Durch die erhalten gebliebene Distanz zu den Charakteren und den Geschehnissen wird manches nicht ganz so greifbar und man fühlt einfach nicht so intensiv mit. Auch hätte ich gern einfach mehr zu den Xerks erfahren, die ich total spannend finde, die teilweise aber noch etwas blass bleiben. Der Cliffhanger am Ende sorgt noch mal für Spannung und hinterlässt zusätzliche Fragen.
unterschiedliche, schnelle, gesunde Rezepte – bietet Inspiration, auch wenn nicht alles dem persönlichen Geschmack entspricht, 3,5 Sterne
Iss dich fit mit Caro von Caro Mareike Günther
Das Buch ist übersichtlich aufgebaut und in verschiedene Bereiche unterteilt, so dass man sich gut zurechtfinden kann. Bevor es zu den einzelnen Rezeptbereichen geht, gibt es ein kurzes Vorwort und ein paar persönliche Lebensmittelfavoriten der Autorin. Hier erklärt sie ein paar allgemeine Dinge und nimmt auch Bezug darauf, wie sie selbst gewisse Dinge handhabt, auf was sie persönlich verzichtet und was ihr wichtig ist.
Dabei wird auch kurz thematisiert, dass man verschiedene Nährstoffgruppen benötigt und über welche Lebensmittel die Autorin diese gern zu sich nimmt. Tiefer in die Grundlagen wird hier nicht gegangen, was ich aber auch okay finde, da es ja ein Buch mit Rezepten und Inspiration sein soll. Das eine oder andere hätte man vielleicht noch etwas mehr erklären oder Hinweise zu Zusatzprodukten geben können. Wer diese nutzen möchte, muss sich eben dann selbst damit beschäftigen. Insgesamt macht die Autorin einen sympathischen Eindruck, auch wenn ich nicht alle ihrer Ansichten teile und man teilweise schon spürt, dass sie in social media aktiv ist.
Auch wird früh im Buch gesagt, dass man eigene Favoriten finden kann und darf und dass man gewisse Dinge in Rezepten recht problemlos austauschen kann. In einigen der Rezepte gibt es dann auch direkt Hinweise, was man gut dazu kombinieren könnte oder was man innerhalb der Rezepte austauschen kann, zum Beispiel um es dann vegetarisch oder vegan zu machen . Hin und wieder gibt es auch innerhalb der Zutatenliste eine Auswahl an Möglichkeiten, mit denen man das Rezept zubereiten kann. Vermutlich gibt es auch genau deswegen keine Nährstoffangaben, weil man in vielen Fällen schauen kann, welche seiner persönlichen Favoriten (z.B. bei Pflanzendrinks, Getreidesorten, Nussmus) man nutzen möchte.
Den Bauplan für Smoothies und Bowles finde ich gut und übersichtlich gestaltet. Hier kann man sich dann selbst die Zutaten zusammenstellen, mit denen man am liebsten arbeitet und bekommt einen Überblick, worauf man dabei achten sollte. Ich hätte es zwar schön gefunden, wenn es dann direkt im Anschluss noch eine Handvoll Rezepte dazu gegeben hätte, ein paar Inspirationen finden sich im Laufe des Buches dann aber noch.
Die Rezepte sind unterteilt in die Bereiche Frühstück, Salate, Hauptgerichte, Desserts und Meal Prep. Die Anzahl der Rezepte ist sehr unterschiedlich. Im Abschnitt zu Meal Prep hätte es für meinen Geschmack sehr gern mehr geben dürfen. Manche der anderen Rezepte lassen sich auch vorbereiten und am kommenden Tag dann z.B. mit zur Arbeit nehmen.
Insgesamt sind die Rezepte vielseitig, so dass sich sicher für jeden etwas finden lassen wird, auch wenn einen bestimmt nicht immer alles anspricht. Manches wird man so oder in etwas abgewandelter Form vielleicht auch schon kennen, anderes ist dann vielleicht neu. Das wird davon abhängen wie viel und auf welche Weise man zuvor gekocht hat. Die Auswahl ist facettenreich und bedient verschiedene Vorlieben, was mir in der Zusammenstellung ganz gut gefallen hat. Von dem einen hätte man vielleicht gern mehr Ideen gehabt, anderes spricht einen nicht so an oder enthält Zutaten, die man persönlich eben nicht mag. So sind auch nicht alle der Rezepte für mich interessant, aber es sind einige dabei, die ich schon ausprobiert habe oder noch ausprobieren möchte.
Viele der enthaltenen Zutaten finden sich in verschiedenen Rezepten wieder, so dass man nicht für jedes einen eigenen Schrank neuer Dinge anschaffen muss. Was man von den Zutaten schon zu Hause hat und was man dann ggf. noch besorgen muss, ist sicher sehr individuell. Das eine oder andere kann man sicher auch einfach austauschen, wenn man etwas vergleichbares zu Hause hat oder eine der enthaltenen Zutaten nicht mag. Ob man z.B. den Proteingehalt durch Pulver erhöhen möchte, ist sicher auch eine sehr individuelle Entscheidung. Nur weil die Autorin das tut, muss das noch lange nicht für jeden sinnvoll sein oder zu den Ansichten passen.
Die Rezepte sind häufig für eine Person, teilweise auch für zwei und von den Zubereitungs- und Vorbereitungszeiten alle nicht zu aufwendig. Manche Sachen gehen sehr schnell, für andere muss man dann ein paar Minuten mehr einplanen, aber nichts dauert stundenlang. Die Seiten sind gut strukturiert aufgebaut, man kann sich schnell orientieren, was man benötigt und wie die Sachen zubereitet werden. Die Anleitungen sind kurz und einfach gehalten. Die Bilder der zubereiteten Rezepte sind sehr ansprechend und machen teilweise direkt Lust darauf, es selbst auch auszuprobieren (auch wenn es bei einem selbst dann vielleicht nicht ganz so ausschaut wie auf dem Foto). Hin und wieder finden sich gleich noch Tipps am Rezept, wie man etwas austauschen oder ergänzen kann.
Etwas unglücklich fand ich, dass in manchen Rezepten Angaben in Eßlöffel waren, zum Beispiel im Bereich der Desserts. Eine Grammzahl hätte das Zubereiten einfacher gemacht, weil man einen Löffel ja sehr unterschiedlich befüllen kann. Ich habe mich dann bemüht, die Löffel immer etwa gleich voll zu machen, damit die Mengenverhältnisse passen, bei mir hat es funktioniert, ich empfand es aber trotzdem als etwas umständlich. In anderen Rezepten ist es sicher nicht so das Problem, aber besonders beim Backen sollte die Konsistenz schon stimmen, damit es gelingt.
In manchen Rezepten werde ich vermutlich auch etwas abwandeln, weil ich den Energieaufwand nicht gerechtfertigt finde für kleinste Mengen den Ofen oder Herd anzustellen. Aber das darf ja dann auch jeder für sich entscheiden. Genauso wie manche sicherlich die herzhaften Frühstücksideen einfach zu einer anderen Tageszeit essen werden, wenn sie kein herzhaftes Frühstück mögen.
Ein paar der Rezepte habe ich schon ausprobiert, ein paar weitere habe ich auf jeden Fall noch vor zu testen. Durch die Leserunde habe ich auch einen kleinen Eindruck der anderen bekommen, was bei ihnen besonders gut oder eben auch nicht so gut funktioniert hat. Da kann ich jetzt noch nicht bei allem aus eigener Erfahrung berichten. Die Rezepte, die ich getestet habe, haben von der Umsetzung funktioniert. Bei anderen gab es da auch mal Schwierigkeiten oder etwas wurde nicht so, wie im Rezept angegeben.
Geschmacklich ist mein Fazit unterschiedlich ausgefallen. Es gab Sachen, die ich wirklich sehr lecker fand, anderes war jetzt nicht mein persönlicher Geschmack. In einem der Rezepte habe ich dann im zweiten Anlauf aber etwas Kleines abgewandelt und dann passte es für mich viel besser. Hier und da fehlt vielleicht noch der letzte Pepp in den Rezepten, aber auch das ist einfach total Geschmackssache. Das Buch bietet auf jeden Fall Inspiration und hat mich dazu angeregt die eine oder andere Zutat mal zu nutzen, die ich vorher nicht im Haus hatte. Nicht alles davon hat mich direkt überzeugt, aber ich will noch weitere Sachen ausprobieren und einfach etwas testen, was für mich am besten passt.
schokoladige, lustige und auch spannende Geschichte
Das Geheimnis der Schokomagie (Schokomagie 1) von Mareike Allnoch
Mila kann es kaum erwarten, gemeinsam mit ihrer besten Freundin Liz und einigen anderen aus ihrer Klasse zum Schüleraustausch nach Frankreich aufzubrechen. Die Vorfreude ist riesig, doch dann, kurz bevor es soweit ist, zeigt sich Milas geheimnisvolle Gabe, die sie allerdings nur verwirrt und in ziemlich blöde Situationen bringt, statt ihr zu helfen.
Sobald die Vierzehnjährige Schokolade oder Kakao riecht, bekommt sie Zukunftsvisionen. Was ziemlich cool und hilfreich klingt, ist für sie zunächst jedoch eher belastend, irritierend und alles andere als zukunftsweisend, da sie die oft verschwommenen, nur sehr kurzen Bilder kaum einordnen oder einschätzen kann. Als dann auch noch seltsame Vorkommnisse rund um den französischen Präsidenten auftreten, gerät Mila als Austauschschülerin schnell in den Verdacht. Zum Glück hat sie ihre beste Freundin an ihrer Seite und auch Präsidentensohn Louis schenkt ihr Glauben. Aber das allein löst ihr Problem leider noch nicht…
Der Einstieg in die Geschichte ist mir sehr leicht gefallen. Nach einem kurzen Prolog, der sich im späteren Verlauf des Buches dann auch gut einordnen lässt, ist man direkt mit Mila in ihrer Französischstunde und erlebt ihre erste mysteriöse Kakaovision mit. Durch den locker-leichten und sehr flüssig zu lesenden Stil fühlte ich mich direkt mitgenommen. Die Sätze sind mal kurz, mal etwas länger, sprachlich jedoch alle leicht und damit gut verständlich gehalten, damit auch junge Lesende der Handlung gut folgen können. Die Kapitel sind kurz und zu Beginn eines jeden gibt es eine kleine, schwarzweiße Illustration, die noch mal ein extra Hingucker ist. Da es nach Frankreich geht, gibt es hin und wieder auch Ausdrücke in der Landessprache. Die französischen Worte und Redewendungen werden innerhalb des Textes aufgeklärt, so dass man keine Schwierigkeiten bekommt, sollte man selbst der Sprache nicht mächtig sein.
Mir hat die Portion trockener Humor und auch die Spur Sarkasmus innerhalb der Geschichte richtig gut gefallen. Es gibt dem Ganzen eine besondere Note und charakterisiert Mila einfach. Ihre beste Freundin Liz ist eine Frohnatur, sehr bunt, kreativ und extrovertiert. Sie stellt sich gern Abenteuer, kann ausgefallene Pläne schmieden, ist alles andere als auf den Mund gefallen und schert sich nicht darum, was andere von ihr denken. Mit ihren Äußerungen eckt sie zwar manchmal an, aber sie würde jetzt auch nicht grundlos verbal um sich schlagen.
Mila ist etwas ruhiger, manchmal auch schüchtern, insgesamt aber einfach total liebenswert und sympathisch. Ihre neu entfachte Gabe verunsichert sie, was man nur allzu gut verstehen kann. Es bringt sie immer wieder in seltsame Situationen, über die sie nicht frei mit allen reden kann. Es müssen manchmal also recht schnell Ausreden her. Sie hat das Herz am rechten Fleck und ergibt mit Liz zusammen ein sehr aufgewecktes Duo, das ich gern begleitet habe. Wenn Mila mit Louis zusammen ist, ist die Dynamik eine etwas andere, der Franzose ist nämlich ziemlich süß, das kann Mila nicht leugnen.
Das Buch schildert Milas aufregenden Schüleraustausch aus der Ich-Perspektive, so dass man sehr detaillierte Einblicke in die Gedanken- und Gefühlswelt der Schülerin bekommt. Auch wenn es ein paar erste Liebesgefühle innerhalb des Buches gibt, steht dieser Aspekt nicht wirklich im Fokus, was mir gut gefallen hat. Viel mehr geht es um die Magie, die in Mila erwacht ist und von der sie nicht besonders viel weiß. Es gilt also mehr herauszufinden und die Aufzeichnungen ihrer Großmutter irgendwie zu entschlüsseln, damit sie weiß, wie sie mit ihren Visionen umgehen und wie sie sie vielleicht gar beeinflussen kann. Immer wieder gibt es kleine Schlamassel und Momente, in denen Mila auf die Hilfe von anderen angewiesen ist, da ihr nicht jedes Mal so schnell eine Ausrede oder Erklärung einfällt. Wenn sie die Visionen überkommen, hat sie keinen Einfluss darauf, was sie tut. Mit ihrer besten Freundin an der Seite und später dann auch Louis, ist vieles für die Schülerin aber einfacher. Die Freundschaft steht immer wieder im Mittelpunkt des Geschehens uns ich mochte die Dynamik zwischen den Figuren.
Neben guten Freunden gibt es aber natürlich auch Neider, Zicken und Bösewichte in der Geschichte. Umso weiter das Buch voranschreitet, umso spannender und stellenweise auch turbulenter wird die Handlung.
Den Schock, dass Mila bei der französischen Präsidentenfamilie zum Austausch gelandet ist, hat sie zwar recht schnell verdaut, ihre Austauschfamilie beeinflusst die Wochen in Frankreich aber natürlich. Es bringt einige Einschränkungen, aber auch Möglichkeiten mit sich, da der Alltag und auch die Wohnsituation etwas anders ist als bei anderen Familien. Man erfährt manches über das Leben von Louis und wie ihn das Amt seines Vaters beeinflusst. Ganz nett sind hier auch noch ein paar politische Details zu Frankreich in den Text mit eingebunden. Als Mila dann in den Verdacht gerät, etwas mit dem Zustand des Präsidenten zu tun zu haben, spitzt sich die Lage immer mehr zu und die Handlung nimmt noch mal Tempo auf und man taucht auch noch tiefer in die Schokomagie ein.
Zwischendurch gibt es auch Tagebucheinträge der Vierzehnjährigen, in denen sie ihre Erlebnisse rund um die Kakaovisionen festhält. Diese heben sich auch optisch gut vom restlichen Text ab und bringen einem die Erfahrungen der Protagonistin noch näher. Mir haben diese Einschübe gut gefallen, sie intensivieren die Handlung rund um die Kakaomagie und geben einen guten Überblick. Hier und da werden ein paar Klischees bedient, mich hat das beim Lesen allerdings nicht gestört.
Am Ende des Buches gibt es dann auch noch ein paar schöne Rezepte, was eine tolle Ergänzung, da die Rezepte auch innerhalb der Handlung eine Rolle spielen.
Fazit
Eine zauberhafte, schokoladige, stellenweise lustige, zeitweise aber auch spannende Geschichte, die mir beim Lesen viel Spaß gemacht hat. Die Figuren sind liebevoll angelegt und waren mir sofort sympathisch. Immer wieder gibt es kleine Hürden und Herausforderungen, nicht immer finden die jungen Charaktere gleich den richtigen Weg oder die richtigen Worte, was sie noch authentischer machte. Die magische Komponente mit den Kakaovisionen hat mir richtig gut gefallen. Ich würde gern noch mehr schokoladige Abenteuer mit Mila erleben.
nur wer wach bleibt, hat eine Chance – temporeiche Kindergruselstory
Crater Lake: Schlaf NIEMALS ein (Crater Lake 1) von Jennifer Killick
Auf einer Klassenfahrt kann man so einiges erleben. Und auch wenn Lance nicht alle seine Mitschüler und schon gar nicht die fiese Lehrerin, die mitfährt, mag, erhofft er sich eine tolle Zeit mit seinen Freunden. Was sie dann jedoch im Camp Crater Lake erwartet, hätte sich niemand von ihnen vorher ausmalen können.
Schon bei der Anfahrt wird es ziemlich unheimlich, als ihnen ein blutüberströmter, verwirrt wirkender Mann entgegentaumelt. Auch danach bleibt vieles ziemlich wunderlich und als dann die Nacht hereinbricht, wird es noch verrückter. Nur wer nicht einschläft, hat eine Chance, von den gruseligen Entwicklungen verschont zu bleiben. Lance und seine Freunde haben alle Hände voll zu tun, um einen Plan zu schmieden und irgendwie eine Lösung zu finden. Und ganz wichtig: sie dürfen dabei niemals einschlafen.
Zu Beginn des Buches ist es noch relativ ruhig und man bekommt die Chance, die Protagonisten ein wenig kennenzulernen und ein Gespür für das Klassengefüge zu bekommen. Schnell wird deutlich, dass sich nicht alle grün sind und es besonders zwischen Protagonist und Ich-Erzähler Lance und Trent zahlreiche Unstimmigkeiten gibt. Aber auch Lehrerin Miss Hoche macht es Lance nicht unbedingt leicht. Sie bevorzugt die Schüler und Schülerinnen, die brav zuhören und niemals irgendwas tun, was ihr nicht in den Kram passt. Wer mal leise tuschelt oder sich nicht ganz fügen will, fällt in ihrer Gunst, so banal der Grund auch gewesen sein mag. Viele der jungen Charaktere haben Spitznamen, die gemischt mit ihren richtigen Namen genutzt werden. Da muss man sich eventuell ein wenig sortieren, damit man weiß, wer wer ist und in den Dialogen weiß, wer spricht und auf wen sich bezogen wird. Mir sind diese Verbindungen nicht schwer gefallen, junge Lesende brauchen hier möglicherweise ein paar Seiten, bis sie richtig im Geschehen angekommen sind.
Sprachlich ist der Text einfach gehalten. Kurze Sätze und nicht zu ausgedehnte Kapitel machen es leicht, der Handlung zu folgen und bieten eine klare Struktur. Durch die vielen Dialoge kann man schnell eine Verbindung zu den Figuren aufbauen und wird gut in der Geschichte mitgenommen. Es gibt einige ernste, gruselige Passagen im Buch, aber auch immer wieder Szenen, in denen es mit viel Humor in den Dialogen zugeht. Anschauliche Beschreibungen unterstützen die unheimliche Atmosphäre und machen es leicht, sich die Umgebung vorzustellen und sich innerhalb des Camps zu orientieren. Auch die Veränderungen, die bei den Schlafenden ausgelöst werden, werden gut vorstellbar beschrieben.
Mit der Ruhe ist es dann auch recht schnell vorbei im Buch. Schon bei der Anfahrt zum Camp geht es mit den ersten blutig-gruseligen Passagen los. Dieser Klassenausflug ist alles andere als gewöhnlich und stellt die Freunde vor einige Herausforderungen, die sie nur gemeinsam lösen können. Dabei gehen auch mal Dinge schief oder es gelingt ihnen nur sehr knapp, sich aus misslichen Lagen zu befreien. Sie werden also nicht zu fehlerfreien Superhelden, wachsen aber definitiv über sich hinaus. Immer wieder müssen sie neue Pläne schmieden, sich beraten, gegenseitig stützen und vorallem wachhalten. Um sie herum wird es immer gefährlicher, nirgends sind sie mehr sicher, denn am Crater Lake breitet sich eine Form von Aliens aus, die nach und nach alles befällt. Umso weiter das Buch voranschreitet, umso temporeicher wird es. Ruhepausen werden immer kleiner, denn die Lage spitzt sich zu und Lance und seine Freunde müssen sehr kreativ werden, um irgendwie eine Lösung gegen dieses übermächtig wirkende Chaos zu finden. Zwischendurch gibt es recht viel hin und her, sie brauchen immer wieder neue Verstecke, das war mir manchmal etwas viel, auch wenn es verständlich war, dass sie nicht zu lange an einem Ort bleiben konnten.
Ob einige Szenen „zu gruselig“ sind, wird sicher an jedem Lesenden selbst liegen. Manche Abschnitte sind schon ziemlich unheimlich und auch mal ein bisschen eklig, ich persönlich empfand es nicht als zu schlimm, aber das Empfinden dahingehend ist ja sehr individuell. Wenn man sich für dieses Gruselbuch entscheidet, sollte man auf jeden Fall nicht zu empfindlich oder ängstlich sein.
Aufgrund der Erzählperspektive lernt man Lance am besten kennen, aber auch von den Schülern und Schülerinnen, mit denen er viel Zeit verbringt, erfährt man im Verlauf dann ein wenig mehr. Ich fand es schön, dass neben der temporeichen Gruselstory auch Platz für persönlichere Gespräche, kleine Geheimnisoffenbarungen und schöne Botschaften war. Vertrauen und Zusammenhalt ist wichtig, das merken sie natürlich auch beim Kampf gegen die Aliens, aber die jungen Figuren spüren auch, dass sie gar nicht so viel Angst davor hätten haben müssen, ihre Geheimnisse mit ihren Freunden zu teilen, weil diese hinter ihnen stehen und auch gern für sie da sind. Oft macht es die Situation auch leichter, wenn man sich jemandem anvertraut und über Dinge, die einen belasten, spricht. Hier stecken also auch ein paar schöne Botschaften in der Geschichte. Die Figuren nutzen ihre Stärken, unterstützen sich gegenseitig bei Schwächen und stecken auch mal zurück, wenn klar wird, dass andere aus bestimmten Gründen gerade einfach besser geeignet sind um das eine oder andere zu erledigen. Neben den bösen Aliens mit ihrem perfiden Plan, gibt es noch einen weiteren Unruhestifter, der als Gegenpol zu den Freunden deutlich zeigt, wie man sich eigentlich nicht verhalten sollte.
Fazit
Eine temporeiche Gruselgeschichte mit einer ziemlich abgedreht wirkenden Alien-Invasion. Manches wirkte schon ziemlich schräg, es sorgt aber auf jeden Fall für eine unheimliche Atmosphäre, viele Herausforderungen und Probleme, die die Freunde nur mit Zusammenhalt, Offenheit und der Konzentration auf ihre ganz persönlichen Stärken meistern können. Die Geschichte wirkte für mich abgeschlossen, auch wenn das Buch als Reihenauftakt ausgeschrieben ist. Insgesamt leicht zu lesen, gut verständlich geschrieben, manchmal überraschend, manchmal auch ziemlich offensichtlich und vorhersehbar, mit unheimlicheren Passagen und auch schönen Botschaften.
gefühlvolle College-Liebesgeschichte
Dark Ivy - Wenn ich falle von Nikola Hotel
Das College soll für Eden Collins ein Neuanfang werden. Endlich nicht mehr die sein, über die getuschelt und die von allen schräg angeschaut wird. Endlich nicht mehr die, die in Schuldgefühlen ertrinkt und allein bleibt. Dank eines Stipendiums bekommt Eden an der Woodford Academy die Chance auf diesen Neuanfang.
Doch kann sie ihre Vergangenheit wirklich hinter sich lassen? Und was, wenn ihre neuen Kommilitonen herausfinden, was vor knapp einem Jahr geschehen ist?
Schon der erste Tag bringt die Protagonistin an ihre Grenzen und zeigt, dass elf Monate noch lange nicht genug sind, um alles hinter sich zu lassen.
Der Einstieg in die Geschichte ist mir sehr leicht gefallen. Ich fühlte mich direkt mitgenommen von Eden, die so darauf hofft, endlich einen neuen Anfang machen zu können. Auch wenn man zu Beginn noch nicht alle Hintergründe und Zusammenhänge kennt, wird schnell klar, dass etwas Schlimmes passiert sein muss vor elf Monaten.
Der Schreibstil von Nikola Hotel ist angenehm, flüssig zu lesen und sehr gefühlvoll. Immer wieder mischen sich ernste und auch mal bedrückende Themen mit in die Handlung. Es gibt aber auch Passagen, in denen positivere Gefühle und die aufkeimende Liebe eine Rolle spielen.
Durch die Ich-Perspektive erhält man sehr intensive Einblicke in die Gefühlswelt der achtzehnjährigen Eden. Ich empfand ihre Emotionen als sehr nachvollziehbar beschrieben. Einige der Szenen sind mir sehr nah gegangen. Ihre Erinnerungen, die sie immer mal wieder überrollen, lösen bedrückende Gefühle aus. Ihre Zerrissenheit und ihr Schmerz werden greifbar und auch, wieso sie nicht einfach so loslassen kann. Umso beeindruckender ist, dass sie im Verlauf des Buches kleine Schritte in diese Richtung schafft, mit Hilfe der anderen, die sie am College kennengelernt hat. Es ist nicht immer einfach, aber man hat den Eindruck, ein paar kleine Risse in ihr beginnen zu heilen.
Eden ist eine von eher wenigen in Woodford, die nicht von einer Privatschule oder aus einer reichen Familie kommen. Ohne das Stipendium hätte sie sich das Elitecollege niemals leisten können. Auch neben der Schule musste sie teilweise arbeiten gehen, um sich ein paar Extras leisten zu können.Das spürt Eden an verschiedenen Stellen, es ist aber nicht so, dass die anderen sie deswegen meiden oder ausschließen. Es sind eher so Einstellungen, die kollidieren oder eben die Tatsache, was man sich nebenbei mal leisten kann. Mit der Zeit wird aber auch deutlich, dass auch die reichen Kids so ihre Sorgen und Probleme haben. Sie kämpfen eben mit und gegen andere Vorurteile als sie, aber es ist nicht automatisch immer alles gut oder einfach, nur weil man in einer wohlhabenden Familie aufgewachsen ist.
Protagonist William ist einer von den „Reichen“. Seine Familie ist extrem wohlhabend, trotzdem scheinen sie aber größtenteils bodenständig geblieben zu sein. Die Einblicke in seine Familie empfand ich als sehr angenehm, weil sie nicht abgehoben oder überheblich auf mich wirkten, sondern sehr herzlich. Viele denken, Will bekommt alles in den Schoß gelegt bzw. geschenkt – und was materielle Dinge angeht, mag das vielleicht auch stimmen, obwohl er auch dort auf das eine oder andere verzichtet, aber auch er muss für seine Erfolge arbeiten. Er kämpft mit einer anderen Art von Druck und gegen Vorurteile, an die man vielleicht selbst gar nicht denkt, wenn man anders aufgewachsen ist. William ist zu Beginn teilweise etwas schroff und abweisend, was wohl auch eine Art Selbstschutz ist, man erlebt nämlich auch immer wieder Situationen, in denen er angegafft und gefilmt bzw. in denen über ihn getuschelt wird. Und das liegt nicht nur an seinem Feuermal. Im Verlauf der Geschichte zeigt er jedoch andere Facetten, lässt seine Mauern fallen und zeigt Eden auch die Unsicherheiten, die ihn begleiten.
Die Dynamik zwischen den Protagonisten hat mir gut gefallen. Die Stimmung zwischen ihnen verändert sich spürbar, es liegt ein Knistern in der Luft, das beide ziemlich aus der Bahn wirft und gleichzeitig auch neue Fragen und Ängste aufwirft. Beide haben da mit unterschiedlichen Dingen zu kämpfen und aus der jeweiligen Position erscheint es auf jeden Fall auch nachvollziehbar. Durch viele schöne Dialoge und Gedankengänge öffnen sich beide für die Position ihres Gegenüber, versuchen nachzuvollziehen und zu verstehen, was in ihm bzw. ihr vorgeht und wieso das manchmal vielleicht ganz anders ist, als man selbst erwartet hatte. Sie entwickeln ein schönes Verständnis füreinander, stützen sich und nehmen den anderen ernst. Immer wieder fließen wirklich schöne Botschaften in die Geschichte mit ein. Die Atmosphäre war für mich sehr stimmig, angenehm und berührend. Auch die Gestaltung der Liebesszenen hat mir gut gefallen. Die Mischung aus ernsten und leichteren Themen, gepaart mit der Leidenschaft zwischendurch passte aus meiner Sicht gut zusammen.
Auch einige andere Leute vom College spielen in der Handlung eine Rolle, es ist insgesamt aber schon sehr zentriert auf Eden und Will. Schön war auch die Querverbindung zu einer anderen Reihe der Autorin. Man benötigt aber kein Vorwissen, damit man da die Zusammenhänge versteht. Sollte man die anderen Figuren nicht kennen, verpasst man nichts in der Handlung.
Schön waren auch die kleinen „Extras“, die ins Buch mit einfließen, wie der Austausch von Textnachrichten auf unterschiedliche Weise. Diese Abschnitte sind im Buch optisch gut abgegrenzt und damit kleine Eyecatcher.
Leider hat mir das Ende dann aber nicht so gut gefallen, obwohl ich die Geschichte bis dahin wirklich gern mochte. Wie sich die Intensität und Dynamik im Buch langsam gesteigert haben, ohne dabei zu sehr auf Drama zu pochen. Es ist teilweise schon eher unaufgeregt von der Stimmung, aber ich mochte das, weil man eben sehr bei den Charakteren ist und in ihre Gedanken- und Gefühlswelt eintaucht. Dass es dann doch noch etwas mehr Drama gab, störte mich als Fakt an sich nicht. Aber ich empfand das Ende einfach nicht als wirklich passend für den Rest des Buches, vor allem was die Reaktion des Protagonisten anging. Trotzdem werde ich den zweiten Band bestimmt lesen, weil ich gern wissen möchte, wie es weitergeht.
Fazit
Eine Geschichte, die mir an vielen Stellen unter die Haut ging. Ich mochte die Dynamik zwischen den Charakteren und wie sich alles langsam aufbaut und steigert. Die Handlung ist teilweise schon eher ruhig und unaufgeregt, ich fand es aber trotzdem schön und interessant zu verfolgen, weil man einfach sehr nah an der Protagonistin ist, der Fokus auf der Gedanken- und Gefühlswelt liegt und man sie dabei begleitet, wie sie sich bemüht, neu anzufangen, dabei aber auch immer wieder von der Vergangenheit eingeholt und überrollt wird. Kleine optische Highlights werten das Buch zusätzlich auf. Nur das Ende hat mir leider nicht so zugesagt, was schade ist, weil das ja der letzte Eindruck ist, mit dem man aus der Geschichte geht. Band zwei werde ich aber bestimmt trotzdem lesen.
guter Start, am Ende unzufrieden – zu viel Effekthascherei, zunehmend unlogische Handlung
Rachejagd - Gequält von Nica Stevens; Andreas Suchanek
Vor drei Jahren wurde Anna Jones gemeinsam mit ihrer Freundin Natalie entführt, über mehrere Tage gefangengehalten und gequält. Nur mit viel Glück konnte Anna sich befreien, musste jedoch ihre Freundin zurücklassen, die das Martyrium nicht überlebt hat. Seither muss die Journalistin mit der Schuld leben und denkt immer wieder an den Mann zurück, der ihnen all das angetan hat und niemals gefasst wurde.
Edward Harris.
Als Anna im Büro einen Brief erhält, schwappt eine Welle aus Erinnerungen und Panik über sie hinweg. Ihr Peiniger ist zurück. Schnell fühlt sich Anna nirgends mehr sicher, denn Harris scheint überall sein zu können, ohne dass ihn jemand bemerkt. Was er will, ist klar, wie man ihn aufhalten kann, ungewiss.
Der Einstieg in das Buch hat mir gut gefallen. Man erlebt Anna, die sich gerade aus den Fängen ihres Peinigers befreien konnte und hilflos durch die Gegend tappt, bis sie auf jemanden stößt, der ihr helfen kann. Damit ist man direkt in einer unheimlichen, angespannten Atmosphäre und erhält erste Einblicke in die Geschehnisse, die Anna auch in der Gegenwart noch beschäftigen.
Drei Jahre nach der Entführung scheint nun alles von Neuem loszugehen, Harris ist zurück, beobachtet sie, kontaktiert sie, will ihr Angst einjagen, bis er sein Spiel auf den Höhepunkt treibt.
Dieses Mal muss Anna sich ihm jedoch nicht allein entgegenstellen. Nick Coleman, den Anna aus ihrer Jugend kennt, ist inzwischen FBI Agent und reist nach Chicago, um ihr beizustehen und die Ermittlungen gemeinsam mit der ortsansässigen Polizei zu übernehmen.
Damit hat man auch die beiden Protagonisten der Geschichte, die man in den Kapiteln abwechselnd begleitet. Einige Zeit erlebt man sie natürlich auch gemeinsam, oft sind sie aber auch getrennt unterwegs, gehen Hinweisen nach, stellen Nachforschungen an oder können aus anderen Gründen nicht gemeinsam agieren. So hat man viele Perspektivwechsel im Buch und erhält immer wieder andere Blickwinkel auf die Handlung und die Figuren. Auch das Tempo wird damit an einigen Stellen noch mal angezogen und immer wieder gibt es kleine Cliffhanger zwischen den Kapiteln, die die Anspannung und Spannung hochtreiben sollen. Teilweise hat das bei mir auch funktioniert, zeitweise aber auch nicht, weil es mir dann im Verlauf einfach zu oft war.
An sich liest sich die Geschichte flüssig weg, die Schreibstile ergänzen sich gut, ich hatte auf jeden Fall nicht den Eindruck, dass einige Kapitel qualitativ schlechter waren als andere. Ich mochte auch die Perspektivwechsel, die es gab. Wodurch man mal bei Anna und mal bei Nick ist, erhält man immer mal wieder andere Informationen, bekommt ein Update von den Ermittlungen, aber auch von den Dingen, die bei Anna los sind, die sie erlebt und so weiter. Durch Andeutungen und das Wegblenden, wird das Tempo hoch gehalten und Spannung erzeugt. In manchen Passagen war auch eine schöne, unheimliche Atmosphäre spürbar.
Leider hat das Buch aber aus anderen Gründen an Punkten bei mir eingebüßt. Umso dramatischer, spannender und turbulenter es besonders zum Ende hin wurde, umso schlechter fand ich es. Was nicht an den blutigen, actionreichen Szenen lag, sondern daran, dass die Handlung zunehmend unlogisch wird, die Reaktionen der Charaktere nicht wirklich nachvollziehbar sind und einiges sehr überspitzt wird. In der Summe war es mir dann einfach zu viel. Es musste immer noch eins und noch eins oben drauf gesetzt werden. Hier ein kleiner Schockmoment, hier noch mal eine Verletzung, hier eine Panne, da etwas Drama und noch was hier und noch was da und noch mehr und noch mehr. Manches empfand ich einfach als unnötige Dramatisierung obendrauf, ein bisschen weniger hätte es vermutlich viel spannender und wirkungsvoller gemacht. Was ich aber noch schlimmer fand waren die unlogischen Entscheidungen und Handlungen, die die Geschichte zunehmend kaputt gemacht haben, zumindest für mich.
Es gab im Verlauf zwar Offenbarungen, die ich gelungen fand und die auch Wendungen mit sich brachten, die ich so nicht habe kommen sehen, anderes dagegen war entweder vorhersehbar oder so abgedreht, dass es einfach nicht passte.
Zusätzlich fand ich auch die Protagonisten teilweise etwas zu idealisiert und klischeehaft. Es ist ja okay, wenn sie starke Persönlichkeiten sind, fest im Leben stehen und sich nicht so schnell unterkriegen lassen. Aber selbst die stärkste Persönlichkeit dürfte dann auch mal ihre Grenzen haben, besonders wenn man bedenkt, was sie da alles erleben und durchmachen. Zwei, drei Tage später ist aber der Großteil davon schon wieder vergessen und man geht mindestens genauso energiegeladen wie zuvor in den Kampf und steckt auch alles weitere weg. Ein paar mehr „Zusammenbrüche“ hätte ich schon irgendwie authentischer gefunden, besonders bei Anna, auch wenn es sicher bemerkenswert ist, wie sie mit vielem umgeht. Insgesamt blieb mir hier aber auch zu viel einfach an der Oberfläche.
Noch detaillierter rein zu gehen, würde spoilern, aber in der Summe kamen einfach immer mehr Stellen, die für mich nicht mehr passten, die ich nicht greifbar und nicht mehr nachvollziehbar fand. Der große Showdown war zwar ereignisreich, hat mich aber gar nicht angesprochen, aus unterschiedlichen Gründen.
Fazit
Nach einem guten Einstieg in die Geschichte, der mich neugierig gemacht hat, hat die Handlung immer mehr an Boden verloren. Es wurde zunehmend unlogisch und in der Summe einfach zu viel an allem. Dass es teilweise recht brutal und blutig war, hat mich an sich nicht gestört, eher dass eben immer noch mal eins oben drauf gesetzt werden musste, was die Geschichte nicht gebraucht hätte. Die Charaktere waren ziemlich idealisiert, blieben mir insgesamt aber zu blass, obwohl man viel mit ihnen unterwegs ist.










