Kunden em pfehlungen
Rezensionen von nanu?!:
Die Mülltaucher
Als Merle in die Dachgeschoßwohnung in Joels Haus einzieht, ist er gleich von ihr fasziniert - und ein bisschen schockverliebt vielleicht auch. Merle ist Influencerin, betreibt einen Ökoblog und spannt Joel gleich für ihre Zwecke ein.
Die beiden Aussteigerinnen Steff und Sina soll er für den Blog interviewen und erfährt so von ihrer Art der Lebensmittelbeschaffung, dem containern.
Und weil er als zukünftiger Journalist keine halben Sachen macht, begleitet er die Mädchen bei ihrer nächsten Mülltauchertour.
Was für ein toller, informativer und wichtiger Roman...
Joel kommt aus einer Durschnittsfamilie die, wie die meisten anderen auch, nie etwas mit dem Thema "Mülltauchen" zu tun hatte. Ganz einfach deshalb, weil er es nie nötig hatte, weggeworfenes Essen zu retten.
Durch Steff und Sina wird er langsam an das Thema herangeführt. Am Anfang findet er es noch sehr befremdlich, und auch etwas eklig, in den Tonnen nach Lebensmitteln zu fischen. Und verschwendete Lebenszeit ist es sowieso, was soll er auch mit den geretteten Sachen?
Aber nach und nach fängt er an, sich für die Menschen und deren Geschichten zu interessieren. Mit den verschiedensten Schicksalen hat Joel es plötzlich zu tun.
Alle Aspekte des Tonnentauchens werden beschrieben. Wie die Rechtslage in Deutschland aussieht, mit welchen Mitteln die Supermärkte versuchen, die Menschen am containern zu hindern und wem der Müll eigentlich gehört.
Es geht um Nachhaltigkeit, um Ungerechtigkeit, um eine verdrehte Gesellschaft, aber trotzdem ist das Buch immer noch ein spannender Jugendroman, bei dem man nicht mehr aufhören kann, zu lesen.
Der Erzählstil ist auffallend jugendlich gehalten, aber nicht so, dass es unecht wirkt.
Die Charaktere wirken anfangs vielleicht etwas stereotyp, aber sie entwickeln sich bald weiter.
Das Buch regt zum Nachdenken an, es muss sich unbedingt etwas verändern.
Dieses Thema und wie es verarbeitet wurde, hat einfach nur die volle Punktzahl verdient.
Israelische Familienrezepte
Coming Home von Haya Molcho
Haya Molcho ist eine israelische Köchin die in Österreich lebt und bereits mehrere Restaurants eröffnet hat. Mit ihrem neusten Kochbuch gewährt uns die Autorin einen ganz privaten Blick auf ihre Familie.
Für Haya Molcho sind die Familienrezepte gleichzeitig auch Erinnerungen an ihre schönsten Glücksmomente.
Ein bestimmter Geschmack kann sie zurück an den Esstisch ihrer Kindheit in Israel zurückversetzen.
"Coming Home" ist deshalb eine Hommage an ihre Familie. Ihren 4 Söhnen, ihrem Mann und sich selbst hat sie jeweils ein eigenes Kapitel gewidmet.
Man merkt schon beim ersten Blättern wie persönlich und besonders dieses Kochbuch ist. Dafür sorgen schon allein die vielen Familienfotos mit den glücklichen Gesichtern darauf.
Die meisten Gerichte sind wirklich nicht sehr aufwändig zu bewerkstelligen. Die Zutatenlisten sind oft sehr kurz, die Schritte der Anleitungen unkompliziert. Das ist auch nur logisch, handelt es sich hierbei ja um Familienrezepte, und wer hat schon die Zeit und Lust dazu, im Familienalltag immer groß aufzutischen.
Deshalb gibt es auch eine ganze Reihe Gerichte, die ruckzuck gemacht sind. Einiges davon kennt man vielleicht so ähnlich, aber durch die verwendeten orientalischen Gewürze schmeckt es trotzdem völlig anders und besonders.
Rote Linsensuppe, Eintopf aus Quitten und Fleisch, marinierter Rosenkohl, israelisches Kartoffelpüree, ... da freut man sich wenn man nach Hause kommt.
Es geht aber auch aufwändiger. Bei manchen Gerichten muss man erst spezielle Zutaten selbst herstellen, um weiterzukommen. Zhug zum Beispiel, oder auch Tatbhila. Dafür gibt es am Ende ein eigenes kleines Kapitel damit auch das gelingt.
Gerichte die vielleicht etwas länger brauchen wären zum Beispiel gefüllte Challa-Brote, Lammkoteletts mit Granatapfel-Chimichurri und Pistazien oder das Bureka-Rezept.
Auch Süßes kommt nicht zu kurz, es gibt verschiedene Cremes und Kuchen auszuprobieren.
Vegetarier können sich hier freuen, denn Fleischrezepte sind in der Unterzahl.
Ab und zu vermisse ich zusätzliche Anmerkungen. Bei dem Rezept für das Burrata mit den Orangenfilets und den Kakaonibs bin ich zum Beispiel immer noch am rätseln, ob es eine Vorspeise oder ein Dessert ist. Oder ich hätte gerne gewusst, was Ponzu ist. Manchmal fehlen mir alternative Vorschläge zu bestimmten Zutaten.
Zu jedem Gericht gibt es ein eigenes Foto und ich finde sie sehr einfach gehalten. Das Essen darauf sieht so aus, wie man es selbst zuhause auch hinbekommen würde. Sehr authentisch, also.
Ich kann das Buch nur empfehlen. Ich selbst habe zuhause noch nie israelisch gekocht und bin über den Geschmack begeistert. Empfehlen kann ich (unter anderem) den Reissalat auf Seite 59, er wird auf Joghurt gegeben und mit Früchten serviert. Ich fand ihn megalecker ...
Weihnachten im Ruhrpott
Glück auf - bis Heiligabend von Mik Bäcker
Eigentlich hatte Nico ja vor, erst an Heiligabend bei seiner Familie in Bochum aufzuschlagen. Wenn er nur über die Feiertage bleibt, müsste das doch ausreichen um alle zu treffen, an denen ihm etwas liegt. Und um sein schlechtes Gewissen zu beruhigen.
Doch kaum hat die Adventszeit begonnen, ruft Mutter Silke an.
Nico muss sofort nach Hause kommen, denn der Papa dreht am Rad. So eine schöne Bescherung, jetzt muss Nico das Chaos in Bochum beseitigen, und das am besten bis Heiligabend.
In 24 Kapiteln wird aus Nicos Sicht in der Ichform erzählt.
Besonders zu Beginn ist Nico sehr niedergeschlagen. Auf die Feiertage hat er keine Lust und überhaupt läuft in seinem Leben gerade nichts rund. Deswegen kommt die Gesamtstimmung in den ersten Kapiteln auch eine Spur deprimierend rüber.
Zum Glück ändert sich das ab einem gewissen Punkt. Nico gerät in so manche skurrile Situation, die Geschichte wird spürbar lockerer und teilweise auch echt witzig. Ab da wollte ich das Buch nicht mehr als Adventskalender lesen, ich musste einfach wissen, wie es denn nun ausgeht.
Für einen Adventskalenderbuch ist mir die Geschichte nur eindeutig nicht weihnachtlich genug. Nicht ein bisschen weihnachtlichen Kitsch habe ich gefunden. Eigentlich passt das Buch in jede Jahreszeit.
Gefallen hat mir aber der Bochumer Flair mit seinem mega Dialekt, die Schrebergartenkolonie, in der man gefälligst deren Schrebergartengesetze einzuhalten hat, und eine verrückt gewordene Journalistin, bei der selbst Rita Kimmkorn noch etwas lernen könnte.
Das Ende hat mir nicht gefallen, da hat der Autor es sich meiner Meinung nach zu einfach gemacht.
Empfehlen werde ich das Buch aber trotzdem gerne, denn auf jeden Fall ist das mal ein etwas anderes Adventskalenderbuch.
Konnte mich nicht überzeugen
Das verborgene Zimmer von Thornhill Hall von Christian Handel
Nur widerwillig reist der 16-jährige Colin zu seiner Mutter in dieses abgelegene Herrenhaus Thornhill Hall.
Schließlich hat die Mutter ihn und den Vater vor Jahren einfach sitzen lassen. Nun soll er den Sommer bei Mutters neuer Familie verbringen, worauf er natürlich nicht die geringste Lust verspürt.
Im Herrenhaus geht so einiges vor sich, da sind sich vor allem die Dienstboten einig. Und bevor Colin sich endlich mit seiner Mutter aussprechen kann, stößt jemand ihn die Treppe hinunter. Colin bricht sich das Genick und wacht als Geist auf der anderen Seite wieder auf.
Doch die anderen Geister von Thornhill Hall verraten ihm, wenn er es schafft, in den nächsten drei Tagen das verborgene Zimmer welches es nicht gibt, im Haus zu finden, darf er unversehrt wieder in die Welt der Lebenden zurückkehren.
Doch bevor er anfangen kann, nach dem Zimmer zu suchen, muss er erst seinen Mörder stellen.
Das tolle Cover und den Klappentext fand ich so gelungen, leider haben mir dann viel zu viele Punkte nicht gefallen.
Im ersten Drittel geht es vor allem um die Beziehung zwischen Colin und der Mutter. Ja, man versteht als Leser warum er so gegen sie ist. Und ja, seine Verletztheit und Enttäuschung kann man nachvollziehen. Aber irgendwann ist auch gut, wechsel mal das Thema und hör auf zu jammern. Das geht über so viele Seiten, da freut man sich ja schon fast, dass jemand ihn in den Rücken stoßen wird.
Irgendwann landet Colin dann als Geist in der Geisterwelt von Thornhill Hall. Aber so richtig kommt diese Geistersache nicht rüber. Die Geister müssen nämlich all die Dinge tun, die Menschen auch tun: Schlafen, essen , arbeiten. Wo bleibt denn da der Spaß?
Und davon, dass Colin nur drei Tage Zeit hat, bevor er endgültig und für immer tot bleibt, merkt man überhaupt nichts. Er trödelt herum, liegt lieber mit Teddy (der einzige Mensch der ihn als Geist wahrnehmen kann) auf dem Bett um tiefsinnige Gespräche zu führen oder hilft dem Geistergärtner im Gemüsebeet.
Wirklich aktiv sucht er nur selten nach dem Zimmer oder seinem Mörder.
Als dann eine sehr bekannte Figur aus einer ganz anderen Geschichte auftaucht, hatte ich ehrlich gesagt gar keine Lust mehr, weiterzulesen. Diese Figur passte für mich überhaupt nicht zum Rest.
Das Buch spielt achtzehnhundert-irgendwas, aber das merkt man an den Dialogen nicht. Alle reden so, wie sie es auch heute, in der Gegenwart tun würden.
Die queere kleine Liebesgeschichte fand ich ganz süß. Dass so eine Liebe keinen Skandal auslöst, zu der Zeit in der das Buch spielt, finde ich für die Figuren zwar ganz nett, aber trotzdem auch sehr unglaubwürdig.
Nur einmal konnte mich der Autor mit einer Wendung überraschen.
Die Zutaten sind eine Herausforderung
Tohrus Japan von Tohru Nakamura
Tohru Nakamura nennt zwei Kulturen seine Heimat. Aufgewachsen ist er in Deutschland, aber sein zweites Leben fand in Japan statt. So ist er auch mit zwei völlig unterschiedlichen Küchen großgeworden, die er beide liebt.
Der Aufbau ist klassisch gehalten, wie man es von GU gewohnt ist. Erst stellt sich der Kochbuchautor selbst vor.
Dann folgen 10 verschiedene Kapitel bei denen das Augenmerk jeweils besonders auf eine bestimmte Zutat gerichtet wird. Diese Zutat beherrscht dann auch das Kapitel. Erst kommt die Warenkunde, dann einige Rezepte mit ebendieser Zutat.
Die Kapitel heißen zum Beispiel Sesam, Ei, Koji, Reis, Katsuobushi, usw.
Jedes Gericht hat sein eigenes Foto bekommen, und die sehen fantastisch aus. So, als könnte man dieses Gericht niemals genauso hinbekommen. Richtige haute cuisine bekommt man da präsentiert.
Allerdings macht mir nicht die Zubereitung Sorgen. Die Rezepte sind, dank der einfachen Schritt-für-Schritt-Anleitungen des Autors, gar nicht so schwer nachzukochen.
Nein, manche der Zutaten sind eine wahre Herausforderung. Nicht nur in der Anschaffung, erstmal wissen wobei es sich bei diesen Dingen handelt, das ist die Schwierigkeit.
Umeshu, Ume, Lotuswurzel, Takuan, ... der Autor hat nicht umsonst ein ganzes Glossar mit Definitionen am Ende des Buches dazu gepackt.
Selbst wenn man es wollte, für jeden Tag sind diese Rezepte eher weniger geeignet, dafür sind die Hauptdarsteller oft viel zu teuer. Langustensuppe, gratinierte Jakobsmuscheln, lackierte Wachteln, Dorade, frischer Thunfisch, Pulpo, gebeizter Rehrücken, ... Aber ich will nicht ungerecht sein, es gibt auch eine ordentliche Auswahl mit Schwein, Huhn, Rind oder auch fleischlose Gerichte.
Und der Autor kann seine Herkunft einfach nicht verleugnen, denn viele Gerichte sind deutsch inspiriert. So findet man dann Teller namens "Spätzle, mit Ei, Butter und Tofu" oder auch "Miso-Bayrisch-Creme" die man in so einem Buch nicht erwarten würde. Ich finde das irgendwie süß, und wenn es schmeckt, warum nicht?
Ich würde das Buch Leuten empfehlen, die sich bereits mit der japanischen Küche vertraut gemacht haben. Für so Anfänger wie mich, ist es nur bedingt nützlich. Mir gefallen die Gerichte, so ist das nicht, allerdings stellen die Zutaten mich vor einer Herausforderung. Es ist aber eine, die ich gerne eingehe, japanische Küche schmeckt einfach zu gut um das Nachkochen nicht zu versuchen.
Klasse Humor
This Charming Man von C. K. McDonnell
Vampire gibt es nicht! Da sind sich alle einig.
Allerdings hat die Stranger Times es plötzlich mit Leichen zu tun, die das Gegenteil beweisen.
Was also bedroht Manchester, das sogar die obersten der Oberen auf den Plan ruft?
Kaum ist man als Leser zurück in die Redaktion der Stranger Times angekommen, läuft auch schon wieder alles drunter und drüber.
Sogar Banecroft übertrifft sich in seiner Unausstehlichkeit. Aber, Banecroft lässt in diesem Band auch erkennen, dass er - ich bin immer noch schockiert - ein Mensch mit einem Herz ist.
Ich liebe die Dialoge mit seinen Mitarbeitern, die triefen so richtig vor Sarkasmus.
Überhaupt gibt es wieder eine Menge witziger Szenen, die einfach nur spaßig zu lesen sind.
Den Mordfall und dessen Aufklärung fand ich sehr spannend. Die Mitarbeiter der Stranger Times müssen an mehreren Flecken gleichzeitig ermitteln, weswegen sie gezwungen sind, in Zweierteams auszuschwärmen.
So gibt es viele Szenenwechsel und unterschiedliche Schauplätze. Am Ende laufen aber alle Fäden zusammen.
Für meinen Geschmack kam vor allem Stella mit ihren Besonderheiten zu kurz. Sie ist für mich die spannendste Figur, und ich will endlich mehr über sie wissen.
Stattdessen lernen wir neue Figuren kennen, die aber auch ihren Reiz haben.
Auch diesmal wieder werden zwischen den Kapiteln Zeitungsartikel der Stranger Times eingestreut. Es sind aber nicht so viele wie im ersten Band.
Das Buch endet gemein und mit einem Hinweis auf etwas Ungeheuerliches. Aber jetzt heißt es wieder, geduldig warten auf den nächsten Band.
Schmackofatz mit Unterhaltung
Mehr Nervennahrung von Verena Lugert
Die Mischung von Geschichten und Rezepten, und wie das Buch aufgebaut ist, finde ich rundherum gelungen.
Zuerst einmal erfährt man in einer kurzen Einleitung etwas über das Buch und der Autorin selbst. Verena Lugert war erst gelernte Reportage-Journalistin, bevor sie an einer Kochschule in London das Kochen gelernt hat.
Später hat sie sogar für den berühmt berüchtigten Fernsehkoch Gordon Ramsay gearbeitet.
Verena Lugert kann also beides: Schreiben und Kochen. Warum also nicht beides in einem Buch vereinen?
Aufgeteilt sind die Rezepte in Jahreszeiten. So gibt es Gerichte mit Spargel, Erdbeeren oder Rhabarber im Frühling. Salate, Zitroniges (die Pasta al Limone kann ich empfehlen) und leichtere Gerichte im Sommer. Deftiger geht es im Herbst zu mit Aufläufe und Eintöpfe, und im Winter gibt es unter anderem Wildgulasch, viele Zwiebeln und Fischtopf.
Bei der Auswahl der Rezepte selbst gibt es keine klare Linie. Aus jedem Teil dieser Erde scheinen die Gerichte zu stammen, eine schöne bunte Mischung ist dabei entstanden.
Ich habe jetzt einiges probiert: Nudeln mit Zitronensauce, Steaks mit Chimichurri, Fischfilets meunière gebraten, Erbsensuppe mit Minzöl und Schinkensahne verfeinert, Caesar salad. Und morgen probiere ich das toskanische Wildschweinragù. Der baskische Fischtopf steht auch schon auf dem Plan.
Die Zutatenlisten sind überschaubar, und die Lebensmittel sind auch auf dem Land leicht zu bekommen. Zu exotisches ist sehr selten dabei. Trotz der einfachen Zutaten schmeckte alles raffiniert, und irgendwie neu.
Bisher fand ich die Anleitungen kinderleicht nachzumachen.
Zu jedem Gericht gibt es vorher eine Geschichte. Wo das Gericht herkommt, wer es erfunden hat oder wo die Autorin es zum ersten Mal gegessen hat. Dann fällt auf dass Verena Lugert ziemlich herumkommt. Sie scheint gefühlt schon überall gewesen zu sein und so weiß sie einfach eine Menge zu erzählen.
Ich bin begeistert, mag die Mischung aus Unterhaltung und Kochbuch, und werde mir auch den Vorgängerband "Nervennahrung" noch besorgen.
Von Wind und Wellen
Logbuch der Leidenschaft von Marc Bielefeld
In diesem Buch erwarten uns die Geschichten von 15 Menschen, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Doch eines haben sie gemeinsam, die Liebe zum Segeln.
Diese Menschen haben besonderes vollbracht. Da ist zum Beispiel Adeline von Schimmelmann, ihr Leben wäre ein eigenes Buch wert. Sie hat sich Ende des 19.
Jahrhundert der vielen Fischer angenommen, die meist obdachlos und kaum fähig waren, sich selbst zu ernähren. Auf der einen Seite wurde Adeline gefeiert, auf der anderen Seite als reiche Schrulle abgetan. Vielen war sie ein Dorn im Auge, war das Segeln doch reine Männersache.
Bewundernswert fand ich auch die Geschichte über Matthes Sierk, der gleich nach dem Studium einen fetten Job in einem Weltunternehmen ergattert, sich dann aber fragt, ob das alles im Leben gewesen sein soll. Er kauft sich eine Yacht bevor er überhaupt Segeln kann, und wagt ein völlig neues Leben.
So und so ähnlich geht es weiter. Am spannendsten fand ich die Erzählungen über die historischen Persönlichkeiten, da die Beweggründe in See zu stechen oft ganz andere waren, als aus heutiger Sicht. Interessant sind die moderneren Geschichten natürlich trotzdem. Was bewegt die Segler, was treibt sie stetig voran. Immer auf dem Wasser unterwegs und den Wind um die Nase, ... Fernweh ist da beim Leser vorprogrammiert.
In der Mitte des Buches gibt es zahlreiche Fotos zu bewundern, für jede Hauptfigur gibt es eine eigene Seite.
Der Schreibstil des Autors gefiel mir nicht immer gut. Von Geschichte zu Geschichte unterscheidet er sich oft stark. Bei Guy de Maupassant zum Beispiel fand ich die Erzählweise übertrieben geziert, fast schon unecht. In anderen Erzählungen war der Stil dann wieder angenehm locker zu lesen.
Im Großen und Ganzen aber hat mir das Buch echt gut gefallen und empfehle es daher gerne weiter.
Deprimierende Weihnachten
Mehr als ein Wunsch von Werner Rohner
Weihnachten rückt immer näher und Sunny steckt in einem Dilemma. Seine Weihnachtwunschliste ist viel zu lang und sein Vater möchte, dass er sich bis Weihnachten für einen Wunsch entscheidet. Aber das ist gar nicht so einfach, seine Wünsche sind einfach viel zu gut um sie einfach zu streichen.
Hauptsache ist aber, dass das Weihnachtsfest nicht wieder so traurig wird, wie letztes Jahr.
Ich liebe Adventskalenderbücher. Man kann sich mit ihnen die Wartezeit auf Weihnachten so wunderbar verkürzen.
Auch dieses Buch hier ist in 24 Kapiteln aufgeteilt, für jeden Abend eines bis Weihnachten. Allerdings finde ich nicht, dass Sunnys Geschichte wirklichen Weihnachtszauber verbreitet. Meine Kinder finden sich zu alt für solche Bücher, was gut ist, diese Geschichte hätte ich ihnen sicher nicht vorgelesen.
Dabei fängt Sunnys Geschichte ganz lustig an. Er soll Wünsche auf seiner Wunschliste streichen, doch fallen ihm eher mehr Wünsche ein. So wird seine Liste immer länger, statt kürzer.
Seine Wünsche sind lustig und die Auschlußkriterien unterhaltsam.
Doch je weiter die Geschichte voranschreitet, umso trauriger wird sie auch. Sunnys Mutter ist vor zwei Jahren gestorben. So sieht er seinen Vater oft weinen und seine Schwester Lala sagt entweder überhaupt nichts, wenn sie traurig wird, oder sie wird wütet. Überhaupt verstehen Lala und Sunny sich nicht so toll. Und die ganze Zeit hat man das Gefühl, dass Sunny mit seiner eigenen Trauer ganz alleine gelassen wird.
Hinzu kommt dass Sunnys Oma wohl dement wird. Auf seiner Wunschliste steht zum Beispiel "Ein neuer Kopf für Oma", aber wirklich auseinandergesetzt wird sich mit dem Thema nicht.
Überhaupt wird in dieser Familie nicht viel geredet, weder über den Tod der Mutter, noch über die demente Oma.
Und was mich auch ärgerte war, dass Sunny immer wegen seinem dicken Bauch geärgert wird. Aber nie wird zur Sprache gebracht, dass es gemein ist, mit jemanden so umzugehen. Sunny nimmt das einfach immer so hin.
Für eine Weihnachtsgeschichte fand ich die Gesamtstimmung viel zu bedrückend. Ausserdem werden die Kapitel mit der Zeit immer länger und länger. Schwierig, wenn man seinen Kindern abends vorliest, und das Kapitel für den jeweiligen Adventstag einfach nicht enden will.
Das Buch wird Kindern ab 6 empfohlen. Ehrlich gesagt glaube ich nicht, dass Kinder in dem Alter Sunny folgen können. Es ist in der Ich-Form geschrieben, was mir generell gefällt, allerdings hat Sunny echt sprunghafte Gedanken. Er wechselt gerne das Thema, und denkt an tausend Dinge gleichzeitig.
Die Themen Trauerbewältigung und Demenz sind wichtig, besonders wenn Kinder es bei ihren eigenen Familienmitgliedern mitkriegen. Ich finde aber nicht, dass diese Themen hier gut verarbeitet wurden. Die Geschichte hat mich richtig runtergezogen.
Fröhliche Weihnacht überall
Ein Alman feiert selten allein von Aylin Atmaca
Seit zwei Jahren sind Jonas und Elif ein Paar. Höchste Zeit also, Jonas' Teil der Familie kennenzulernen. Welche Gelegenheit wäre da besser dazu geeignet, als das Weihnachtsfest?
Das denken sich auch die Neubauers, und schon ist Elif Teil der Weihnachtsplan-Familien-WhatsApp-Gruppe, in der wirklich alles zur Sprache kommt, das für Jonas' Familie relevant ist.
Gebügeltes Geschenkpapier, Platz unter dem Baum für Geschenke muss vorher reserviert werden oder wer sich dieses Jahr um das einsammeln der Liederheftchen kümmert.
Für Elif ist das alles Neuland, denn als Türkin hat sie bisher noch nie echte Weihnachten gefeiert.
Es ist zwar erst September, aber mit der Planerei kann man schließlich nicht früh genug beginnen.
Das war mal ein erfrischend anderer Weihnachtsroman, davon hätte ich gerne mehr!
Deutsche Weihnachtsbräuche werden hier auf liebenswerte Art aufs Korn genommen. Natürlich wird vieles davon ein wenig übertrieben dargestellt und ordentlich in die Klischeekiste gegriffen, das macht es aber nicht weniger witzig. Und irgendwoher müssen diese Klischees ja auch herkommen.
In einigen Punkten habe ich sogar meine eigene Familie wiedererkannt, ein wenig Alman steckt also auch in uns, dabei sind wie noch nicht einmal deutsch.
Das Buch wird von Elif in der Ich-Form erzählt, und ich habe ihr gerne zugehört. Sie hat eine tolle Art zu erzählen, so als ob sie ihrer besten Freundin berichtet, was sie während der Feiertage bei den Neubauers alles erlebt.
Aber die Geschichte regt auch zum Nachdenken an.
Sie erzählt von ihrer Kindheit, wie es für sie war, als Tochter türkischer Gastarbeiter in Deutschland aufzuwachsen. Wie die Familie in ihrer Kindheit Weihnachten verbracht hat.
Alltagsrassismus wird auch zum Thema gemacht. Ein gutes Beispiel ist hier Onkel Georg, der auf dem Weihnachtsfest der Neubauers eine unangemessene Frage nach der anderen stellt. Aber auch die Schwägerin in Spe zeigt sich nicht von der besten Seite.
Jonas und Elif haben mir so gut gefallen. Ich wünsche mir, dass es mit ihnen weitergeht. Ich wäre nämlich zu gerne dabei wenn Jonas Elifs Familie kennenlernt.










