Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Bücher in meiner Hand:
Ausbaufähig
Comisaria Fiol und der Tod im Tramuntana-Gebirge von Lucia de la Vega
"Comisaria Fiol und der Tod im Tramuntana-Gebirge" ist der Auftakt zu einer neuen Krimi-Serie, die auf Mallorca angesiedelt ist. Dass es ein Auftakt ist, merkt man deutlich, denn in der ersten Hälfte steht vor allem das Kennenlernen der Charaktere im Vordergrund.
Neben Comisaria Silvia Fiol, die gerade eine Wohnung sucht, und ihrem Kollegen Ramon, der aber nur eine Nebenrolle inne hat, geht es um Marie und Andreas Linder.
Das Paar zog kürzlich nach Mallorca, um hier einen Neuanfang zu wagen. Andreas ist Chirurg und fliegt zwei Mal monatlich nach Deutschland um Wochenenddienste zu übernehmen. Marie ist Kommissarin, hat ihren Job nach einer Vergewaltigung aber aufgegeben.
Sie gerät ins Visier eines Serienmörders, der bereits eine Frau ermordet und eine zweite gefangen hält. Doch davon wissen weder Marie und Andreas noch die Kommissare der mallorquinischen Polizei. Als Marie plötzlich verschwindet, läuft die Suche nach ihr und dem Täter auf Hochtouren.
Der Fall ist schlüssig gelöst, doch nimmt er hier nicht sehr viel Platz ein. Daher ist dieser erste Band auch noch nicht sehr aussagekräftig. Ich bin gespannt auf den zweiten Teil. Erst der wird für mich entscheidend sein, ob ich die Serie weiter lesen werde oder nicht. Zumindest werde ich den zweiten Band lesen, von daher: ganz okay, aber ausbaufähig.
Fazit: Ein Krimi-Auftakt, in dem es mehr um das Kennenlernen der Figuren und noch nicht allzu viel um die Ermittlungen geht.
4 Punkte.
Mit Deadline geschrieben?
Dear Oxbridge von Nele Pollatschek
"Dear Oxbridge" habe ich quasi als Vorbereitung für ein vom Verlag organisiertes Treffen mit der Autorin an der Leipziger Buchmesse gelesen.
Nele Pollatschek schildert im Buch ihren Weg, wie sie es erst nach Cambridge und dann nach Oxford schaffte, beschreibt damit auch das "Hochstapler-Syndrom", dass ich eher als "Bin ich gut genug?" lese.
Die junge Autorin erklärt zudem die Unterschiede zwischen einem Studium in England und einem in Deutschland.
Der "Liebesbrief an England" - so ganz nachvollziehen kann ich den Untertitel nicht - richtet sich einerseits wohl vor allem an junge Leute, die sich ein Studium in England überlegen und andererseits erklärt er gewisse kulturelle Unterschiede. Zum Beispiel das Denken der vielen Oxbridge-Politiker, das durch deren Standesdünkel erklärbar ist oder deren Wissen, das aufgrund des Studiums zwar sehr breit, aber nicht sehr tief, weniger wissenschaftlich als anderswo, ist.
Letzteres ist interessant zu wissen, es erklärt einiges des englischen Politgeschehen, doch für mich als nicht Brexit-Betroffene (weil Nicht-EU-Land) war das zu wenig spannend. Für mich gehört das Buch ins "andere-Kulturen-verstehen"-Regal und war in dem Kontext okay zu lesen, mehr aber nicht.
Die Autorin machte das, was sie in Oxbridge gelernt hat: ihre Gedanken zu den Themen des Buches in Essays zu packen. Man könnte sie jetzt aber auch fragen, ob sie das in deutscher oder englischer Manier verfasst hat, ob mit Deadline morgens um 9:00 Uhr oder nicht...
Was mir fehlt, ist nun das "Tutorial", für mich die Lesung in Leipzig, um über das Geschriebene zu diskutieren.
Fazit: Ein Buch über das Studium in Cambridge und Oxford, das zudem versucht, die englische Politmentalität zu erklären.
3.5 Punkte.
Wohldosiert wie ein würziger Gin
Der Gin des Lebens von Carsten Sebastian Henn
Nachdem ich Ende 2019 gemerkt habe, dass es von Gin nicht mehr nur zwei, drei Marken gibt wie noch in den 90ern- und 00er-Jahren und es durchaus geschmackliche Unterschiede gibt, dazu noch entscheidend ist, mit welchem Tonic man welchen Gin trinkt, bin ich dem Gin verfallen.
Äusserst spannend finde ich, dass er durch verschiedene Zugaben von Botanicals (Gewürze, Kräuter, Obst, etc.
) ganz unterschiedlich schmeckt. Diese Zutaten sind enorm wichtig, deshalb hat fast jeder Gin mindestens eine Zutat, die nicht bekannt gegeben wird. Eine Geheimzutat - und genau um diese geht es in "Der Gin des Lebens".
Bene öffnet Jahre nach dem Tod seines Vaters dessen letztes Vermächtnis - eine Flasche selbstgebrauter Gin. Er ist hin und weg und merkt auf den ersten Schluck, dass dieser Gin etwas Besonderes ist. Mit dem könnte man Geld verdienen, nur fehlt das genaue Rezept - das Bene im englischen Plymouth vermutet, da sein Vater jedes Jahr einige Wochen dort verbrachte. Also fährt er hin und stellt schnell fest, dass auch Cathy, in dessen B&B er wohnt, sich auch fürs Gin brennen interessiert. Es scheint so, als ob ihre beiden Väter gemeinsam das ultimative Rezept heraus gefunden haben, doch auch vom Gin von Cathys Vater gibt es leider kein Rezept mehr. Fortan machen sich Cathy und Bene gemeinsam auf die Suche nach den Geheimzutaten.
Sie scheinen nicht die Einzigen zu sein, denn jemand sabotiert die beiden extrem. Und nicht erst, seit vor einigen Wochen eine Leiche in Cathys Garten gefunden wurde. So wird aus der Suche nach der Geheimzutat zugleich eine Suche nach dem Mörder - wie sich herausstellt, ist der Bettler im Garten nicht der einzige Mord in der Geschichte.
Dieser neu Kriminalroman von Carsten Sebastian Henn ist wie ein guter Gin komponiert: er ist unterhaltend und spannend. Die Figuren haben alle ihren berechtigten Auftritt, einige skurille wie Ferdinard McAllister und Schwimmerin Eudora, zwielichtige Gestalten wie Phil, Ex-Lover Andrew, die drei Damen vom The Admiralty und Matt, Cathys Bruder, der manchmal er selbst, manchmal Freibeuter Francis Drake oder Seeoffizier William Bligh ist und am allermeisten einfach nur besoffen. Das hört sich schräg an, hat aber tragische Hintergründe, die im Laufe der Geschichte erläutert werden.
Auch der Humor kommt nicht zu kurz - Leser, die bereits Bücher des Autors gelesen haben, wissen das. Was in einigen seinen Krimis zu überspitzt rauskommt, ist hier sehr wohl dosiert.
Halt genau wie auch ein guter Gin sein muss: von einigen Zutaten reicht auch wenig, zu viel davon würde den Gin verderben. Vielleicht hätte der Krimi noch ein, zwei Alkoholprozente mehr gebraucht, nach etwa der Hälfte tauchten genau diese Anzahl an Längen auf, bei denen der Leser darauf wartet zu erfahren, was nun als Nächstes passiert.
Zwischendurch fliesst durch die Notizen von Archie Callaghan immer wieder Wissenswertes zur Geschichte dieser Spirituose ein. Wer sich mit Gin noch nicht auskennt - spätestens nach der Lektüre des Krimis ist es soweit. So bekommt man 2 in 1, Krimi plus ein Ginhandbuch. Am Ende des Buches ist sogar ein Rezept für einen Bathube-Gin angegeben, damit kann man sich seinen eigenen Gin herstellen. Desweiteren einige Rezepte, die zeigen, wie Gin auch zur Aromatisierung von Speisen eingesetzt werden kann.
Fazit: Wohldosiert wie ein würziger Gin - deshalb empfehle ich den Krimi nicht nur Gin-Begeisterten, sondern auch allen Krimilesern und umgekehrt.
4 Punkte.
Nicht mein Humor
Zu wahr, um schön zu sein von Gabriella Engelmann
Was ist das Schlimmste an einem Buch? Wenn man die Protagonistin nicht mag! Denn alles hängt davon ab, wie die auftritt und sich verhält. Und wenn man so eine Figur nicht ab kann, dann leidet man auf jeder Seite, weil man die Person so nicht versteht und sich über sie nervt.
Das erging mir leider mit Caro so.
Die 45jährige feiert eigentlich Silberhochzeit, doch anstatt ihr Mann mit der Feier überrascht wird, wird Caro mit einem Geständnis überrascht. Was unverzüglich zur Trennung oder eher zu einer Patchwork ähnlicher Familiensituation führt. Kurz darauf verliert Caro ihren Teilzeitjob in der Bibliothek. Was Caro danach als Erstes nervt: dass ihr 15jähriger Sohn, der am Anfang recht abgebrüht rüberkommt, hoffentlich bloss was Gesundes isst. An zweiter Stelle ist Caro an neuen Männerbekanntschaften interessiert.
Eigentlich wär Caro ganz normal, aber sie wird so dargestellt, als ob sie mit sich selbst nicht zu recht kommt, und schaut vor allem nach aussen und wirkt dadurch total oberflächlich. Klar hat man es mit so einer Mutter wie Flora es ist, nicht leicht - aber nein, Caro mochte ich nicht.
Gefallen haben mir die Zwiegespräche mit Renato - Caros Kaffeekanne, das war zumindest originell. Und dass Caro ihre beste Freundin Silvia nicht hängen lässt, Date hin oder her, ausserdem noch die Eierlikör-Geständnisse im letzten Teil. Vielleicht noch Daisy, die Ente. Das hätte mir an Witzigkeiten vollständig genügt.
Wie man leider erst im Nachwort erfährt, ist Caros Geschichte bewusst humorvoll geschrieben. Und damit ganz anders und einiges oberflächlicher als sonst die Romane von Gabriela Engelmann. Die Story wirkte auf mich, als ob - so wie man bei Instagram einen Filter über ein Foto mit einem Wisch ziehen kann - ein überspitzter Humor-Filter darüber gelegt wurde und dies (immerhin) konsequent über alle 320 Seiten.
Ich mag diese Klischee-an-Klischee-Anreihung gar nicht. Denn ums schön und jung sein, und was man da noch alles für Möglichkeiten hätte, darum geht es Caro im ersten Drittel. Das hätte ich ja grad noch knapp begriffen, wenn Caro sechzig Jahre alt wäre, aber nein, sie ist erst 45 Jahre jung und steht in der Blüte ihres Lebens. Im Rest der Geschichte passiert pausenlos etwas, Caro kann nicht aufatmen. Das Tempo war hoch, aber mich fesselte die turbulente Geschichte nicht und so kam ich mit dem Lesen nicht voran und hätte fast lieber Selbstgespräche mit meiner French Press, übrigens immer noch namenslos, geführt als weiter gelesen.
Ne, das war nichts für mich - aber ich freue mich, dass ich noch einige der "alten" Engelmann-Serien noch nicht zu Ende gelesen habe, ich greife lieber wieder auf die zurück - die gefallen mir viel besser.
Mich erinnerte "Zu wahr, um schön zu sein" extrem an die Romane von Petra Hülsmann, mit deren Humorstil und Figuren ich mich meistens nicht arrangieren kann. Beim Lesen fühlte ich mich wie in einem Hülsmann-Roman, nur eben nicht mit einer blutjungen, sondern einer Protagonistin im besten Alter. Der Schauplatz, Hamburg, ist derselbe. Alle, die jene Romane lieben, werden mit dieser Geschichte sicher glücklich werden.
Fazit: Der Roman traf meinen Humor-Geschmack leider nicht - ich geh jetzt einfach wieder die alten Engelmann-Romane lesen.
3 Punkte.
Fast wie ein Märchen
Happy Ever After – Wo das Glück zu Hause ist von Jenny Colgan
Fast wie ein Märchen mutet Jenny Colgans neuer Roman an. Denn wo gibt es noch Züge, die nachts einfach irgendwo anhalten können ohne den Fahrplan minutiös einhalten zu müssen?
So ein bisschen Märchen und heile Welt vermittelt "Wo das Glück zu Hause ist" ja auch. Wenn man das Cover betrachtet, entdeckt man ganz viel - ein Bus, zwei Häuser, Schafe, Hügel, Bäume, Bücher und eine lesende Frau.
Um all das geht es in der Geschichte. Wer sich wundert, was der Stempel "Happy ever after" auf dem Cover neben dem Titel soll: auch der passt dazu, denn Ninas mobile Buchhandlung wird so heissen.
Doch bevor es soweit ist, muss Nina erst die ganze Neustrukturierung ihrer Bibliothek, in der sie in Birmingham arbeitet, durchlaufen. Sie ahnt, dass sie danach im neuen Zentrum keinen Job erhält. Auch zuhause in der WG läufts nicht gut - ihre vielen Bücher könnten die Decke zusammen stürzen lassen. Aber ihr kleines Auto ist bereits voller Bücher. Wohin damit? Sie sucht einen Bus, in dem sie für alle Bücher Platz hätte. So einen findet sie, doch der Bus steht in Schottland. Und der ist so gross, dass sie eine verwegene Idee hat: eine Bus-Bücherbuchhandlung, mit dem sie von Markt zu Markt fahren kann.
Doch da Nina sich das Fahren mit dem Ungetüm noch nicht zutraut und auch ihre Bücher alle noch in Birmingham sind, mietet sie sich kurzfristig in die Ferienwohnung auf dem Hof von Bauer Lennox ein und gewöhnt sich ans Landleben. Natürlich gibt es einige Auf und Abs bis endlich alles so ist, wie Nina es sich wünscht.
Im Roman gibt es scheue, biestige, herzensgute, misstrauische, kratzbürstige, brummlige, romantische, hochnäsige, unsichere, gemütliche und einfach nur nette Charaktere. Leider werden die einen im Verlaufe der Geschichte links liegen gelassen, was ich sehr schade finde. Am Ende vermisste ich die einen oder anderen, da hätte ich zu jedem noch einige Sätze erwartet, um den Roman wirklich rund enden zu lassen.
Und irgendwie hätte ich mir noch mehr "Baumszenen" gewünscht (die, die es schon gelesen haben wissen was ich meine) - ich fand diesen Schauplatz soooooo toll! - oder zumindest am Schluss eine Verbindung, denn wenn ich nun an den Roman zurück denke, erinnere ich mich vor allem an die Baumszenen (lasst euch überraschen!) und an Nina, wie sie auf den Stufen ihres Buses sitzt und aus ihrem Lieblingsbuch vorliest.
Dennoch hat Jenny Colgan mit "Wo das Glück zu Hause ist" ein Wohlfühlbuch geschrieben, ein Buch für BücherliebhaberInnen. Und alle, die das Romantik-Gen in sich tragen, werden beim Lesen glücklich werden.
Fazit: Märchenhaft anmutende BücherliebhaberInnen-Story.
4 Punkte.
Gemütlich auf Capri
Der Schmetterlingsgarten von Marie Matisek
Marie Matisek nimmt uns in ihrem neuen Roman wieder mit nach Italien. Nach zwei Aufenthalten in Amalfi geht es nun nach Capri in den Palazzo Farnese und auch zu Lucias Familie - die übrigens gut mit Marco Pantanella aus "Unter dem Limonenhimmel" bekannt ist, es gibt also auch ein kurzes Wiedersehen mit unseren Lieblingsmenschen der Amalfi-Romane.
Lucia lebt seit zwei Jahren wieder auf Capri, ihre Rückkehr wird in der Vorgeschichte (als eBook gratis erhältlich) beschrieben. Sie arbeitet als Haushälterin bei Annunziata Farnese, hat dafür sogar Kochen gelernt und geniesst es, wieder in der Nähe ihrer Familie und ihrer besten Freundin zu sein. Doch noch immer hat sie ihnen nicht erzählt, weswegen genau sie zurück gekommen ist. Das Verheimlichen ist blöd, denn das wird ihr im Laufe der Geschichte noch um den Kopf fliegen.
Martin, ein deutscher Schmetterlingsforscher, kommt nach Capri um nach dem Schwarmbläuling zu suchen. Schnell macht er Bekanntschaft mit der Polizei und der temperamentvollen Lucia, die ihn im Halbdunkeln zuerst mit ihrem immer-noch-Ehemann Alessandro verwechselt, der ihr die Scheidung verweigert. Martin ist fortan nicht nur von den Schmetterlingen angezogen, sondern auch von Lucia - dabei wartet daheim in Deutschland seine Freundin Anja.
Die zarte Liebesgeschichte nimmt in "Der Schmetterlingsgarten" nur wenig Platz ein, und das auch erst auf den letzten Seiten. So bleibt mehr Zeit für die Geschichten der andern: Ärztin Clivia und Gärtner Salvatore, Marcella, Umberto, Annunziata und Lucia.
Der Roman ist nett, kommt aber fast ein wenig zahm daher. Die zu erwartenden Dramen sind nicht wirklich schlimm und so ist der Höhepunkt des Roman mehr ein süsses Gelati-Schlecken als ein explodierender Vulkan.
Ich habe ja so meine Probleme mit geheimnistragenden Protagonisten. Sie selber meinen es sei mega schlimm, aber machen sie endlich mal den Mund auf, merkt man, dass es nichts ist, für das man sich schämen müsste oder unverzeihbar wäre - so auch Lucia. Der Roman hätte auch ohne ihr Geheimnis um ihre Vergangenheit funktionieren können, eigentlich fast noch mehr - hätten alle Bescheid gewusst, wäre es ein Leichtes gewesen jemandem eine Falle zu stellen und es hätte am Ende ein tolles Feuerwerk ergeben.
"Der Schmetterlingsgarten" empfand ich deshalb als sehr brav, ganz kurze Spannungsmomente leuchteten zwar auf, verdampften in der Frühlingswärme Capris wieder. Dafür gefiel mir der viele Kontakt untereinander, Salvatores Können in der Küche (da wär ich auch gerne Gast gewesen), das Flattern der Schmetterlinge, die Beschreibungen des Garten des Palazzo Farnese und Annunziatas Lebensgeschichte.
Fazit: Ein gemütlicher Frühlingsroman.
4 Punkte.
Und jetzt drei Monate auf Band 2 warten...
Die Farben der Schönheit - Sophias Hoffnung von Bomann Corina
Corina Bomanns Asien-Romane las ich mit Begeisterung, die Deutschland-Romane fand ich nicht so gut, so dass ich einige ihrer Romane und auch die letzte (Löwenhof-)Serie ausliess. Bei ihrer neuen Serie "Die Farben der Schönheit" hat mich vor allem das Thema interessiert. Da ich Kosmetik selber rühre, fand ich eine Protagonistin, die genau dies zu ihrem Beruf machen möchte, sehr interessant - und deshalb hab ich mich, ja schon ein wenig skeptisch, auf den ersten Teil "Sophias Hoffnung" eingelassen.
Eigentlich wollte ich nur mal kurz die ersten Seiten anlesen und mich erst einem anderen Roman widmen, bevor ich mich mit Sophias Geschichte befasse. Doch diese Handvoll Seiten haben mich total gepackt und ich bin hängen geblieben - ich konnte den Roman nicht mehr aus der Hand legen, erst recht nicht zu einem anderen Buch greifen.
Sophia studiert Chemie, assistiert ihrem Dozenten und hat eine Affäre mit ihm - und ist schwanger. Einige Lügen ("Männerversprechen") später verwundert es nicht, dass Georg nichts von ihrem gemeinsamen Kind wissen will. Leider sind auch Sophias Eltern nicht begeistert, ihr Vater schmeisst sie raus. Sophia kommt bei ihrer Freundin Henny, die in einem Nachtlokal als Tänzerin arbeitet, unter.
Henny träumt von einem Engagement in den Folies Bergère in Paris - als das klappt, nimmt sie Sophia mit. Die beiden hausen in einem kleinen Zimmer, Sophia verzweifelt fast, sie hat noch keine Aufenthaltsgenehmigung und Arbeit suchen als sichtbar Schwangere wird schwer. Einige Dramen später schafft sie es, höchstpersönlich von Helena Rubinstein eingeladen, nach Amerika. Ob in New York ihre Wünsche endlich in Erfüllung gehen?
Fesselnd erzählt die Autorin Sophias Geschichte, die auf den 544 Seiten durch Höhen und Tiefen geht, mehr erlebt als andere in ihrem ganzen Leben, dazu einen starken Charakter braucht, um das alles durchzustehen. Jede einzelne Seite ist spannend und am Ende wünscht man sich gleich weiter lesen zu können und nicht noch drei Monate auf den nächsten und dann nochmals fünf Monate auf den dritten und letzten Teil zu warten. Eigentlich kann ich nur raten, bis Oktober zu warten, um alle drei Bände hintereinander zu lesen. Aber die Geschichte ist so gut, dass man sie auch gleich lesen kann und dann Ende Jahr nochmals zu ihr greift und die Bänden nacheinander nochmals liest.
Ich mochte vor allem die Charaktere auf die Sophia in Paris trifft, auch Herr Nelson in Berlin und Kate in New York. Die beiden Grande Dames der Kosmetikwelt sind interessant dargestellt. Nun bin ich sehr gespannt, welchen Figuren wir in den Folgebänden erneut begegnen oder noch besser kennenlernen.
Einziges Manko (bisher) in dieser Serie: das Cover! Die Rückenansichten wirken sehr bieder.
Fazit: Ein toller Einstieg in die neue Serie - ein Pageturner vom Feinsten!
5 Punkte.
Unsterblich und verliebt
Das Lied des Achill von Madeline Miller
Nach dem Lesen von "Ich bin Circe" wollte ich nochmals in den Genuss kommen, griechische Mythologie spannend erzählt zu bekommen. Deshalb griff ich zu "Das Lied des Achill" und vertiefte mich in sein Leben.
Es ist zwar mehr die Geschichte von Patroklos, aber beide sind untrennbar miteinander verbunden.
Und dies, seit Patroklos seit einem tödlichen Unglück mit 10 Jahren verbannt und zu König Peleus geschickt wird. Patroklos wird von Peleus Sohn Achill als Freund ausgewählt. So muss er nicht mit den andern Pflegekindern zusammen wohnen und lernen, sondern macht alles mit Achill zusammen. Später werden sie bei Cheiron ausgebildet, doch als Helena gefangen wird, wird Achill als Krieger "einberufen".
Während Achill kämpft, arbeitet Patroklos als Arzt. Er war mir sehr sympathisch, hat das Herz am rechten Ort, er, Cheironides, Sohn des Cheyron, wie er sich nach den Lehrjahren bei Cheiron nennt. Patroklos weicht Achill nicht von seiner Seite - egal, ob im Königshof von Achills Vater Peleus, bei ihrer Ausbildung bei Cheiron oder in all den Kriegsjahren; egal, ob das was ihn erwartet Spass macht oder ganz gegen seine Überzeugung ist.
Eine Prophezeiung sagt, dass Achill berühmt wird. Leider ist genau dieser Ruhm und somit quasi die Unsterblichkeit Achill wichtiger als alles andere, er ist eitel und wird mir in seinen letzten Jahren immer unsympathischer.
Genau wie Odysseus, der hier auch vorkommt und den ich hier im Gegensatz zu "Ich bin Circe" nicht mag. Er ist in "Das Lied des Achill" nicht der nette Lover, sondern der Kriegsplaner. Der böse Part übernommen hat Achills Mutter Thetis, sie mag Patroklos nicht und macht alles, um ihn von Achill zu trennen.
Welche Liebe, ob die zur Mutter oder die zum Seelen- und Bettgefährten stärker ist, erzählt uns Madeline Miller in "Das Lied des Achill", das jetzt wieder neu aufgelegt wurde. Mir hat die Lovestory von Achill und Patroklos sehr gut gefallen. Zuerst versteckt, zart und verschämt und immer leidenschaftlicher und öffentlicher entdecken und leben die beiden ihre Liebe zueinander bis hin zum tragischen Ende.
Patroklos ist ein toller Charakter. Merkend, dass er anders als andere Jungs ist, erst scheu, dann immer stärker in seinem Bewusstsein; wissend, was er kann und was nicht; liebend, treu und gerecht in allen Bereichen - und das obwohl sich Achill, getrieben in seinem Ehrgeiz unsterblich zu werden, gefühlsmässig oft von seinem Gefährten entfernt.
Auch das Ende hat mich überzeugt, die Zwiesprache zwischen Patroklos und Thetis fand ich genial. Eins, zwei Längen wies der Roman aus, so dass es gute 4 anstatt 5 Wow-Punkte von mir gibt.
Fazit: Für alle, die griechische Mythologie mal anders lesen möchten - toll erzählt.
4 Punkte.
Einblick ins goldene Zeitalter
Nachtblau von van der Vlugt Simone
In das Cover habe ich mich auf den ersten Blick verliebt! Und da ich bislang nur die türkischen Keramiken kannte und nicht die Delfter Keramikmalerei, war ich neugierig und wollte mit diesem historischen Roman meine Wissenslücken auf eine unterhaltende Art und Weise schliessen.
Simone van der Vlugt erzählt die fiktive Geschichte von Catrjin, einer Witwe aus De Rijp, die 1654 beginnt.
Durch die Bekanntschaft mit Matthias von Nulandt wird sie bei dessen Bruder Haushälterin in Amsterdam, ihr gefällt es bei der Familie und in der Stadt. Doch dann muss sie flüchten - jemand denkt, sie hätte ihren Mann umgebracht und will Rache. Nun landet sie beim dritten Nulandt-Bruder in Delft - aber als Malerin anstatt Haushälterin. Und dort erfindet Catrjin quasi das "Delfter Porzellan".
In der Keramikmanufaktur kann Catrjin endlich ihr Talent nutzen, das mag man ihr sehr gönnen, nachdem man erfährt wie es ihr in ihrem Heimatdorf erging. Aber auch in Delft wird Catrjin vom Schicksal gebeutelt.
Nachdem ich mich an die ungewöhnlichen holländischen Namen gewöhnt hatte, las sich dieser historische Roman schnell. Die Autorin schildert lebensnah das Leben der damaligen Zeit und lässt auch immer wieder berühmte Zeitzeugen wie etwa die Maler Rembrandt, Jan Vermeer und andere in ihrer Geschichte auftauchen. Aber auch historisch Belegtes wie der Ausbruch der Pest und anderes (das ich der Spannung wegen nicht vorwegnehmen und spoilern will) findet den Weg in diesen historischen Roman.
Ich fand es sehr interessant zu lesen, wie die typische Delfter Keramik erfunden wurde, dass man die asiatischen Vorbilder nicht einfach nur kopieren wollte, sondern lokale Motive für Teller, Tassen und Vasen wählte.
Die Umgangssprache, die Simone van der Vlugt wählt, ist vielleicht nicht ganz echt und der Zeit angepasst, aber auf jeden Fall leserlicher als zeitnahere Ausdrücke. Spannend fand ich die beschriebenen Reiserouten mit Treckschuten, die von Leinpfaden aus entlang den Kanälen getreidelt wurden.
Anhand Catrjins fesselnder Geschichte in "Nachtblau" vermittelt mir der Roman einen tollen Eindruck über das Leben in den Städten der Niederlande um 1700 herum, der kulturellen Blütezeit, die auch "Gouden Eeuw", goldenes Zeitalter, genannt wird. Ich hab den Roman sehr gerne gelesen, auch wenn es zwischendurch stellenweise kurz mal langatmig wurde, eigentlich immer dann, wenn es wieder mal um den angeblichen Mord an ihrem Mann ging.
Fazit: Packender und informativer Roman über die Geschichte des "Delfter Porzellans"
4 Punkte.
Am Meer und am Küchentisch
Nachtblau von van der Vlugt Simone
Anne Barns nimmt uns in "Drei Schwestern am Meer" mit nach Rügen. Hier ist Rina aufgewachsen, bei ihrer Oma. Endlich hat sie Urlaub, die sie auf der Insel verbringen wird.
Doch kurz nach Rinas Ankunft verzieht sich ihr Freund und die Oma muss ins Krankenhaus. Zum Glück ist Rina Ärztin und kennt das Personal im Spital, da sie selbst mal hier gearbeitet hat.
Rinas Schwestern Pia und Jana sind auch schon auf dem Weg, so ist Rina nicht alleine. Auf der Suche nach Arztunterlagen entdecken sie, dass ihre Grossmutter einige Geheimnisse und zudem Streit mit ihrer Schwester hat.
Die drei Schwestern versuchen heraus zu finden, um was es in dem Streit und den Geheimnissen geht. Gleichzeitig haben sie alle aber eigene Sorgen und Nöte. Es werden zwei tief gehende und richtungsweisende Wochen für alle.
Der Schreibstil von Anne Barns nimmt einen sofort mit hinein in die Geschichte, man fühlt das Salz des Meeres und stellt sich das Haus und den Weg dahin plastisch vor, sitzt mit den drei Schwestern am Küchentisch, auch wenn man real noch nie in Rügen war und gerade zuhause auf dem Sofa liest.
Der Roman unterhält bestens, man bedauert höchstens, dass er viel zu kurz ist und man wieder lange auf Lesestoff-Nachschub von Anne Barns warten muss.
Fazit: Trotz emotionaler Familiengeschichte eine schöne Wohlfühllektüre.
4 Punkte.










