Icon Kontrast wechseln
Logo Bücher Leporello Stöger

Kunden em pfehlungen

Rezensionen von Bücher in meiner Hand:

Und jetzt drei Monate auf Band 2 warten...

Corina Bomanns Asien-Romane las ich mit Begeisterung, die Deutschland-Romane fand ich nicht so gut, so dass ich einige ihrer Romane und auch die letzte (Löwenhof-)Serie ausliess. Bei ihrer neuen Serie "Die Farben der Schönheit" hat mich vor allem das Thema interessiert. Da ich Kosmetik selber rühre, fand ich eine Protagonistin, die genau dies zu ihrem Beruf machen möchte, sehr interessant - und deshalb hab ich mich, ja schon ein wenig skeptisch, auf den ersten Teil "Sophias Hoffnung" eingelassen.

Eigentlich wollte ich nur mal kurz die ersten Seiten anlesen und mich erst einem anderen Roman widmen, bevor ich mich mit Sophias Geschichte befasse. Doch diese Handvoll Seiten haben mich total gepackt und ich bin hängen geblieben - ich konnte den Roman nicht mehr aus der Hand legen, erst recht nicht zu einem anderen Buch greifen.

Sophia studiert Chemie, assistiert ihrem Dozenten und hat eine Affäre mit ihm - und ist schwanger. Einige Lügen ("Männerversprechen") später verwundert es nicht, dass Georg nichts von ihrem gemeinsamen Kind wissen will. Leider sind auch Sophias Eltern nicht begeistert, ihr Vater schmeisst sie raus. Sophia kommt bei ihrer Freundin Henny, die in einem Nachtlokal als Tänzerin arbeitet, unter.

Henny träumt von einem Engagement in den Folies Bergère in Paris - als das klappt, nimmt sie Sophia mit. Die beiden hausen in einem kleinen Zimmer, Sophia verzweifelt fast, sie hat noch keine Aufenthaltsgenehmigung und Arbeit suchen als sichtbar Schwangere wird schwer. Einige Dramen später schafft sie es, höchstpersönlich von Helena Rubinstein eingeladen, nach Amerika. Ob in New York ihre Wünsche endlich in Erfüllung gehen?

Fesselnd erzählt die Autorin Sophias Geschichte, die auf den 544 Seiten durch Höhen und Tiefen geht, mehr erlebt als andere in ihrem ganzen Leben, dazu einen starken Charakter braucht, um das alles durchzustehen. Jede einzelne Seite ist spannend und am Ende wünscht man sich gleich weiter lesen zu können und nicht noch drei Monate auf den nächsten und dann nochmals fünf Monate auf den dritten und letzten Teil zu warten. Eigentlich kann ich nur raten, bis Oktober zu warten, um alle drei Bände hintereinander zu lesen. Aber die Geschichte ist so gut, dass man sie auch gleich lesen kann und dann Ende Jahr nochmals zu ihr greift und die Bänden nacheinander nochmals liest.

Ich mochte vor allem die Charaktere auf die Sophia in Paris trifft, auch Herr Nelson in Berlin und Kate in New York. Die beiden Grande Dames der Kosmetikwelt sind interessant dargestellt. Nun bin ich sehr gespannt, welchen Figuren wir in den Folgebänden erneut begegnen oder noch besser kennenlernen.

Einziges Manko (bisher) in dieser Serie: das Cover! Die Rückenansichten wirken sehr bieder.

Fazit: Ein toller Einstieg in die neue Serie - ein Pageturner vom Feinsten!
5 Punkte.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von Bücher in meiner Hand

Unsterblich und verliebt

Das Lied des Achill von Madeline Miller

Nach dem Lesen von "Ich bin Circe" wollte ich nochmals in den Genuss kommen, griechische Mythologie spannend erzählt zu bekommen. Deshalb griff ich zu "Das Lied des Achill" und vertiefte mich in sein Leben.

Es ist zwar mehr die Geschichte von Patroklos, aber beide sind untrennbar miteinander verbunden.

Und dies, seit Patroklos seit einem tödlichen Unglück mit 10 Jahren verbannt und zu König Peleus geschickt wird. Patroklos wird von Peleus Sohn Achill als Freund ausgewählt. So muss er nicht mit den andern Pflegekindern zusammen wohnen und lernen, sondern macht alles mit Achill zusammen. Später werden sie bei Cheiron ausgebildet, doch als Helena gefangen wird, wird Achill als Krieger "einberufen".

Während Achill kämpft, arbeitet Patroklos als Arzt. Er war mir sehr sympathisch, hat das Herz am rechten Ort, er, Cheironides, Sohn des Cheyron, wie er sich nach den Lehrjahren bei Cheiron nennt. Patroklos weicht Achill nicht von seiner Seite - egal, ob im Königshof von Achills Vater Peleus, bei ihrer Ausbildung bei Cheiron oder in all den Kriegsjahren; egal, ob das was ihn erwartet Spass macht oder ganz gegen seine Überzeugung ist.

Eine Prophezeiung sagt, dass Achill berühmt wird. Leider ist genau dieser Ruhm und somit quasi die Unsterblichkeit Achill wichtiger als alles andere, er ist eitel und wird mir in seinen letzten Jahren immer unsympathischer.

Genau wie Odysseus, der hier auch vorkommt und den ich hier im Gegensatz zu "Ich bin Circe" nicht mag. Er ist in "Das Lied des Achill" nicht der nette Lover, sondern der Kriegsplaner. Der böse Part übernommen hat Achills Mutter Thetis, sie mag Patroklos nicht und macht alles, um ihn von Achill zu trennen.

Welche Liebe, ob die zur Mutter oder die zum Seelen- und Bettgefährten stärker ist, erzählt uns Madeline Miller in "Das Lied des Achill", das jetzt wieder neu aufgelegt wurde. Mir hat die Lovestory von Achill und Patroklos sehr gut gefallen. Zuerst versteckt, zart und verschämt und immer leidenschaftlicher und öffentlicher entdecken und leben die beiden ihre Liebe zueinander bis hin zum tragischen Ende.

Patroklos ist ein toller Charakter. Merkend, dass er anders als andere Jungs ist, erst scheu, dann immer stärker in seinem Bewusstsein; wissend, was er kann und was nicht; liebend, treu und gerecht in allen Bereichen - und das obwohl sich Achill, getrieben in seinem Ehrgeiz unsterblich zu werden, gefühlsmässig oft von seinem Gefährten entfernt.

Auch das Ende hat mich überzeugt, die Zwiesprache zwischen Patroklos und Thetis fand ich genial. Eins, zwei Längen wies der Roman aus, so dass es gute 4 anstatt 5 Wow-Punkte von mir gibt.

Fazit: Für alle, die griechische Mythologie mal anders lesen möchten - toll erzählt.
4 Punkte.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von Bücher in meiner Hand

Einblick ins goldene Zeitalter

Nachtblau von van der Vlugt Simone

In das Cover habe ich mich auf den ersten Blick verliebt! Und da ich bislang nur die türkischen Keramiken kannte und nicht die Delfter Keramikmalerei, war ich neugierig und wollte mit diesem historischen Roman meine Wissenslücken auf eine unterhaltende Art und Weise schliessen.

Simone van der Vlugt erzählt die fiktive Geschichte von Catrjin, einer Witwe aus De Rijp, die 1654 beginnt.

Durch die Bekanntschaft mit Matthias von Nulandt wird sie bei dessen Bruder Haushälterin in Amsterdam, ihr gefällt es bei der Familie und in der Stadt. Doch dann muss sie flüchten - jemand denkt, sie hätte ihren Mann umgebracht und will Rache. Nun landet sie beim dritten Nulandt-Bruder in Delft - aber als Malerin anstatt Haushälterin. Und dort erfindet Catrjin quasi das "Delfter Porzellan".

In der Keramikmanufaktur kann Catrjin endlich ihr Talent nutzen, das mag man ihr sehr gönnen, nachdem man erfährt wie es ihr in ihrem Heimatdorf erging. Aber auch in Delft wird Catrjin vom Schicksal gebeutelt.

Nachdem ich mich an die ungewöhnlichen holländischen Namen gewöhnt hatte, las sich dieser historische Roman schnell. Die Autorin schildert lebensnah das Leben der damaligen Zeit und lässt auch immer wieder berühmte Zeitzeugen wie etwa die Maler Rembrandt, Jan Vermeer und andere in ihrer Geschichte auftauchen. Aber auch historisch Belegtes wie der Ausbruch der Pest und anderes (das ich der Spannung wegen nicht vorwegnehmen und spoilern will) findet den Weg in diesen historischen Roman.

Ich fand es sehr interessant zu lesen, wie die typische Delfter Keramik erfunden wurde, dass man die asiatischen Vorbilder nicht einfach nur kopieren wollte, sondern lokale Motive für Teller, Tassen und Vasen wählte.

Die Umgangssprache, die Simone van der Vlugt wählt, ist vielleicht nicht ganz echt und der Zeit angepasst, aber auf jeden Fall leserlicher als zeitnahere Ausdrücke. Spannend fand ich die beschriebenen Reiserouten mit Treckschuten, die von Leinpfaden aus entlang den Kanälen getreidelt wurden.

Anhand Catrjins fesselnder Geschichte in "Nachtblau" vermittelt mir der Roman einen tollen Eindruck über das Leben in den Städten der Niederlande um 1700 herum, der kulturellen Blütezeit, die auch "Gouden Eeuw", goldenes Zeitalter, genannt wird. Ich hab den Roman sehr gerne gelesen, auch wenn es zwischendurch stellenweise kurz mal langatmig wurde, eigentlich immer dann, wenn es wieder mal um den angeblichen Mord an ihrem Mann ging.

Fazit: Packender und informativer Roman über die Geschichte des "Delfter Porzellans"
4 Punkte.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von Bücher in meiner Hand

Am Meer und am Küchentisch

Nachtblau von van der Vlugt Simone

Anne Barns nimmt uns in "Drei Schwestern am Meer" mit nach Rügen. Hier ist Rina aufgewachsen, bei ihrer Oma. Endlich hat sie Urlaub, die sie auf der Insel verbringen wird.

Doch kurz nach Rinas Ankunft verzieht sich ihr Freund und die Oma muss ins Krankenhaus. Zum Glück ist Rina Ärztin und kennt das Personal im Spital, da sie selbst mal hier gearbeitet hat.

Rinas Schwestern Pia und Jana sind auch schon auf dem Weg, so ist Rina nicht alleine. Auf der Suche nach Arztunterlagen entdecken sie, dass ihre Grossmutter einige Geheimnisse und zudem Streit mit ihrer Schwester hat.

Die drei Schwestern versuchen heraus zu finden, um was es in dem Streit und den Geheimnissen geht. Gleichzeitig haben sie alle aber eigene Sorgen und Nöte. Es werden zwei tief gehende und richtungsweisende Wochen für alle.

Der Schreibstil von Anne Barns nimmt einen sofort mit hinein in die Geschichte, man fühlt das Salz des Meeres und stellt sich das Haus und den Weg dahin plastisch vor, sitzt mit den drei Schwestern am Küchentisch, auch wenn man real noch nie in Rügen war und gerade zuhause auf dem Sofa liest.

Der Roman unterhält bestens, man bedauert höchstens, dass er viel zu kurz ist und man wieder lange auf Lesestoff-Nachschub von Anne Barns warten muss.

Fazit: Trotz emotionaler Familiengeschichte eine schöne Wohlfühllektüre.
4 Punkte.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von Bücher in meiner Hand

Süsser Wein

Herbstblüten und Traubenkuss von Emilia Schilling

Schon lange wollte ich mal einen Roman von Emilia Schilling lesen. Als dann 2019 "Herbstblüten und Traubenkuss" erschien, wusste ich: mit dem beginne ich. Herbstromane gibt es selten, dabei ist der Herbst doch so schön!

Das Setting schien vielversprechend. Wien, ein Heurigenlokal. Hört sich richtig gemütlich an - zum Lesen zumindest, denn die Arbeit im Lokal und auf dem Weinberg ist streng.

Das merkt auch Mona bald, die sich spontan entschliesst, bei Feebergers einige Monate zur Überbrückung zu arbeiten. Die Arbeit rund um den Buschenschank ist neu für Mona und sie packt kräftig mit an. Dabei lernt sie die ganze Familie mitsamt der Angestellten kennen und blickt hinter Kulissen und Familiengeheimnisse. Grund für diesen Job ist ein Deal mit Oliver, den sie im Auftrag einer Detektei sucht und nun brav bei seiner Familie abgibt. Die beiden geben sich als Paar aus - dabei kennen sie sich ja kaum - und haben im Laufe der Geschichte einige Turbulenzen zu bewältigen.

Die Roman war sehr unterhaltend und enthielt viele witzige Szenen. Mir gefielen die genau richtig dosierten Erklärungen über die Heurigenlokale, sowie der gegebene Lokalkolorit, wofür auch viele Wiener Begriffe sorgten.

Böse waren eigentlich nur Monas Eltern - ziemlich heftig drauf die beiden. Kein Wunder, dass Mona nicht gerne bei ihnen zu Besuch und ihr Selbstbewusstsein im Keller ist. In Olivers Familie gibt es alles: von superlieben Grosseltern und einer tollen Schwester bis hin zum nörgeligen Mieter und einer zickigen Ex-Freundin.

Mona kam oft naiv daher. Sie nimmt viel zu viel in Kauf, sei es bei einigen Szenen auf dem Hof oder in Bezug zu ihrer Freundin Bianca, die mit ihren Kindern Sheldon und Arya oft polarisiert. Bei soviel Dramen blieben Leidenschaft und Romantik im Hintertreffen.

Dennoch habe ich den Roman schnell und gerne gelesen. Zwischen den Kapiteln finden sich jeweils einige Rezepte, die kurz zuvor auf den gelesenen Seiten gerade gekocht wurden, das fand ich sehr nett.

Fazit: Eine nicht sehr romantische, aber dafür locker-leichte Liebesgeschichte, die so spritzig erscheint wie der süsse Wein aus dem Buschenschank.
4 Punkte.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von Bücher in meiner Hand

Etwas fehlt

Der Duft von Apfeltarte von Julie Leuze

Camille wohnt seit über zehn Jahren in Paris und arbeitet in einem Reisebüro. Die Arbeit macht ihr nicht sonderlich Spass, auch das Leben in der Grossstadt nicht. Doch zugeben kann sie es erst, als sie nach einem Unfall ihrer Mutter Urlaub nimmt, um auf dem Apfelhof zu helfen.

Bei der Arbeit inmitten der Apfelbäume spürt sie schnell wieder ihre alte Leidenschaft aufflackern, aber ihre Mutter ist nach wie vor schroff und lässt Camille nur das Nötigste tun.

Dabei wären neue Ideen gefragt. Ein offenes Ohr für Camille hat Feriengast Antoine. Mit ihm versteht sie sich gut, doch auch ihre verheiratete Freundin Sandrine verbringt öfters Zeit mit ihm, was bald für Streit sorgt.

Das Dorf- und Landleben in der Normandie war schön beschrieben, ebenso glaubhaft die Arbeitsabläufe auf dem Hof. Die Geschichte um Camille und den Apfelhof ihrer Mutter hörte sich interessant an und war es teilweise auch.

Aber ganz überzeugen konnte mich der Roman nicht, da fast jede Figur etwas verschwieg. In der Menge wirkte es schon fast wieder langweilig. In Camilles Elternhaus muss vor Jahren etwas vorgefallen sein, deshalb die Flucht in die Hauptstadt. Sandrine hat ihre grosse Liebe geheiratet, doch aktuell stimmt etwas nicht in der Beziehung. Antoine verschweigt auch etwas, aber ob es das ist, was die Nachbarin vermutet? Diese und viele weitere Geheimnisse konnte man als Leser zudem alle erahnen. Dazu kam, dass mich die junge Nachbarin Lilou und auch ihr fauler Bruder nervten, der Roman wirkte dadurch auf mich zu jugendlich.

Fazit: Die "Back to the Roots"-Geschichte war okay, mir fehlte jedoch das gewisse Etwas.
3.5 Punkte.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von Bücher in meiner Hand

Überraschende Entwicklungen

Die kleine Buchhandlung am Ufer der Themse von Frida Skybäck

Ich liebe Bücher über Buchhandlungen, deshalb habe ich auch den Roman von Frida Skybäck mit dem einladenden Cover gelesen.

Beim Lesen des Klappentextes wunderte ich mich, weshalb eine junge Schwedin einen Buchladen in London erbt. Im Roman wird diese Geschichte in einem zweiten Erzählstrang geschildert.

Er handelt von zwei Schwestern, Sara und Kristina, die 1982 von Schweden nach England auswanderten. Mit dieser Geschichte hätte ich nicht gerechnet, schon gar nicht mit dem Ende davon.

Das machte die Lektüre von "Die kleine Buchhandlung am Ufer der Themse" aber sehr spannend. Sara, Charlottes Tante, kommt sehr unsympathisch und äusserst stur rüber - was man kaum mit den Anekdoten ihrer Mitarbeiterinnen in Verbindung bringen kann: hier war Sara überall beliebt. Nur das Händchen für eine optimale Geschäftsführung fehlte ihr, Anspielungen darauf konnte man ja bereits in der 80-Jahre-Geschichte lesen.

Als Sara stirbt, erbt Charlotte vor allem Schulden. Doch als Geschäftsfrau mit eigener Firma kann sie, falls sie möchte, den Laden zum florieren bringen. Da sie erst vor einem Jahr ihren Mann verloren hat und noch trauert, weiss sie nicht, was sie mit der Buchhandlung anfangen soll. Die Mitarbeiter hoffen und halten den Laden am Laufen, bis Charlotte sich entscheidet.

Bis dahin wirkt Charlotte eher wie ein Beobachter. Sie merkt schnell, dass Martinique das Herz und die Seele des Ladens ist. Mit Sam kann sie nicht viel anfangen, genau wie ich. Die flippige junge und motzige Frau mochte ich sehr lange nicht, sie mäkelt an Charlotte rum, obwohl sie eigentlich froh sein müsste, dass Charlotte nicht sofort die Ladentüre abschliesst und alle raus schmeisst. Haus-Autor William war zuerst gewöhnungsbedürftig, ich wusste nicht, wie ihn einordnen. Doch später zeigt er mehr von sich.

Der Roman überraschte mich mit all den Wendungen, die ich so nicht erwartet hätte und ich mochte, dass die Autorin trotz vielen traurigen und tragischen Elementen auch immer wieder witzige Details, wie zum Beispiel das Ansprechen einer bestimmten Autorin, eingebaut hat. So hat mich die Geschichte in allen Belangen gut unterhalten.

Fazit: Ein lesenswerter Buchladen-Roman mit einer unvorhergesehener Entwicklung in der Vergangenheitsschiene.
4 Punkte.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von Bücher in meiner Hand

Der Koch und die Konditorin

Sommer unter Sternen von Miriam Covi

Nach "Sommer in Atlantikblau" traute ich mich erst nicht, diesen zweiten Roman von Miriam Covi zu lesen. Ich befürchtete, enttäuscht zu werden nach dem wunderschönen Ausflug nach Halifax.

Auf den ersten Seiten fühlte es sich bereits so an, als ob meine Befürchtungen wahr werden, denn die dreijährigen Zwillinge von Ella schienen mir viel zu übertrieben dargestellt.

Das mal was kaputt geht in einem Kleinkinderhaushalt oder gekleckert wird ist normal. Nicht aber, dass Kinder u.a. in ein fremdes Haus stürmen und sofort mit dreckigen Schuhen auf dem Sofa rumtoben. Für einen geglückten Buchstart hätte es diese unverhältnismässigen Aktionen nicht gebraucht, der wäre auch mit viel weniger Kinderdrama gut gelungen.

Zum Glück verhielten sich die Twins nach dem sehr stürmischen Beginn wie normal erzogene Kleinkinder und ich konnte mich auf die Geschichte einlassen. Spannend erzählt Miriam Covi wie Ella von Hamburg nach Fire Island, einer Insel vor New York, flüchtet - nachdem ihr Mann ihr eröffnet, dass er die Scheidung will - und einen "Sommer unter Sternen" erleben wird.

Doch im Haus ihrer besten Freundin Maggie ist sie nicht wie erwartet allein, auch Maggies Bruder Nathan hat sich ins Ferienhaus der Familie geflüchtet. Der berühmte Koch ist gar nicht begeistert von den unerwarteten Gästen und verhält sich feindselig, aber nach ein paar Tagen scheint er sich wieder in den Griff zu bekommen. Es könnte eine unbeschwerte Zeit für die Bewohner des Goodmann-Cottage werden, aber ob sie ihre familiären Situationen und Befindlichkeiten aufarbeiten können, muss sich erst noch zeigen - und dies gestaltet sich für den Leser als äusserst spannend zu lesen.

Die Beschreibungen der Insel und seiner Bewohner gefielen mir sehr gut. In Gedanken bin ich mit Ella über die Insel mit dem wunderschönen Strand und den kleinen Läden flaniert. Die Geschichte von Nathan, wie er sich langsam öffnet, die Rückblicke auf ihre Teeniezeiten und ebenso später auch Thomas Gefühlsbeichten fand ich stimmig, die Familiengeschichten ebenso. Die Autorin nahm immer wieder kleine Einzelheiten von früher mit auf, so dass sich alles zu einer stimmigen, mitunter fast schon dramatischen Geschichte verband.

Fazit: Ein romantischer Schmöker, der Hunger macht - auf Essen und mehr Romane von Miriam Covi.
4 Punkte.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von Bücher in meiner Hand

Operation Landflucht

Mit Liebe gemacht von Brownlee Victoria

Den ersten Roman von Victoria Brownlee "Liebe ist ein Bauchgefühl" fand ich so erfrischend und witzig mit der originellen 365-Tage-Käse-Wette, dass ich sehr neugierig auf diesen zweiten Band war.

Nach all den Erlebnissen aus dem ersten Band ist endlich Ruhe eingekehrt und Elle und Serge geniessen ihre Zweisamkeit - bis Ella nach einigen Monaten merkt, dass sie völlig überraschend schwanger ist.

Als Serge dies erfährt, bricht er fast schon in Panik aus und will so schnell wie möglich aus Paris weg. Ein Kind in Paris grossziehen kommt für ihn nicht in Frage. Ella hingegen kann sich nicht vorstellen ihr geliebtes Paris zu verlassen.

Es kommt wie es kommen muss: der erste grosse Streit bricht aus. Bis die zwei sich darauf einigen, das Leben auf dem Land einfach mal ausprobieren, aber mit der Option die "Operation Landflucht" abzubrechen und zurück in die Hauptstadt zu ziehen, falls alles schief geht.

Statt Käse nur zu verkaufen, will Serge ihn nun auch selbst herstellen. Zumindest Ziegenkäse - deshalb kauft er eine Ziegenfarm, die erst mal grundrenoviert werden müsste. Ella kümmert sich um die Renovation, Serge um die Ziegen und den Käse. Doch die Welt steht bald schon wieder schief in den Angeln: es ist kein Geld für die Renovation da, Ella langweilt sich und Serge scheint Geheimnisse zu haben und sein Käse verkauft sich schlecht.

Einige Dramen stehen an, erheiternd für die Leser, weniger für unsere Protagonisten. Auch wenn sich "Mit Liebe gemacht" meistens in der Loire abspielt, trifft man auf viele Bekannte aus Paris und dem ersten Band, neue Figuren gibt es nur wenige. Einer davon ist der Engländer Chuck. Ein Autor, mit dem sich Ella anfreundet.

Der Roman war unterhaltend. Er packte mich aber nicht so wie der witzige erste Band, denn mit dem sehr spontanen und überhasteten Umzug konnte ich mich nicht anfreunden. Ich mag es nicht, wenn in einem Roman Hals über Kopf so schwerwiegende Entscheidungen - und in diesem Falle wäre Ellas Schwangerschaft ja schon Umstellung genug - getroffen werden und darauf eine ganze Story aufgebaut ist.

Aber im Gegensatz zum realen Leben haben Romanfiguren ja meistens irgendwie Glück bei solchen unüberlegten Sprüngen ins Ungewisse. "Mit Liebe gemacht" ist trotzdem weniger originell als der Vorgänger und eher wirklichkeitsfremd. Der Epilog gefiel mir dafür sehr gut. Diese letzten darin beschriebenen Entwicklungen machen die Story ein bisschen bodenständiger und realer.

Fazit: Vielleicht gibt es hier mehr "Käse" im übertragenen Sinne, aber dennoch ist die lockere Geschichte lustig zu lesen, wenn auch ein wenig abgehoben von der Realität.
Knappe 4 Punkte.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von Bücher in meiner Hand

Orangenblüten für den Neubeginn

Orangenblütenjahr von Ulrike Sosnitza

Dass der Titel dieses Romans Sinn macht, stellt man schon auf den ersten Seiten fest. Mit ihrem Orangenbäumchen zieht Nelly von Odenwald nach München. Der Orangenbaum mit seinen Blüten und Früchten begleitet Nelly auf ihrem Weg zu einem neuen Lebensabschnitt. In der Grossstadt möchte sie sich ein neues Leben aufbauen, ihr altes hinter sich lassen.

Ihre Kinder sind schliesslich schon erwachsen, ihr Mann gestorben, und ihre ehemals beste Freundin ist es für Nelly im übertragenen Sinn. Nelly fühlt sich wohl in der Stadt, ebenso an ihrer neuen Arbeitsstelle in der Apotheke ihrer Freundin Mona.

Bald schon wollen gleich mehrere Männer Nellys Aufmerksamkeit. Ihr alter Nachbar Ludwig aus Odenwald, in München der Ballonpilot und Krimiautor Gabriel und Thomas, Nellys alter Schulfreund, jetziger Anwalt, dem sie buchstäblich vor das Auto fährt.

Eigentlich könnte Nellys Neustart gut beginnen, wenn ihre Tochter Elena sie nicht komplett anfeinden würde. Als sähe Elena nicht, was ihr Vater ihrer Mutter angetan hat. Diese Kränkungen werfen Nelly immer wieder zurück in ihren Bemühungen einerseits auch von ihrer Familie verstanden zu werden und andererseits Männern wieder vertrauen zu lernen.

Nach der etwas langatmigen Geschichte in "Hortensiensommer" hat mir "Orangenblütenjahr" wieder sehr gut gefallen. Obwohl auch hier eine tragische Geschichte im Hintergrund steht, kommt der Roman viel freundlicher und positiver daher. Nelly hat gegen einige Fronten zu kämpfen, tut dies aber im Bewusstsein, endlich wieder einige glückliche Jahre vor sich zu haben - und sich diese auch verdient hat.

Ulrike Sosnitza hat in ihrem dritten Roman die Proportionen gut verteilt. Das Drama in der Vergangenheit, dessen Aufarbeitung in der Gegenwart kombiniert mit den jeweils eigenen Geschichten der anderen Charaktere wie etwa Mona, die jemanden datet, aber nicht verraten will, wen. Alles zusammen ergibt eine stimmige Geschichte, dich ich gerne gelesen haben.

Fazit: Ein schöner Wohlfühlroman um eine Frau, die nach einer grossen Enttäuschung ihr Lebensglück auch mit über 50 Jahren nochmals finden will.
4 Punkte.

im Shop ansehen weitere Rezensionen von Bücher in meiner Hand