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Rezensionen von Bücher in meiner Hand:

Zu modern und hipp

Dein Lächeln um halb acht von Laura Jane Williams

Montagmorgens um 7:30 Uhr steigt Nadia in die Northern Line der Londoner U-Bahn. Manchmal auch Dienstags. Je fortgeschrittener die Woche, je weniger oft schafft sie es. Und wenn sie es schafft, dann oft nur sehr knapp und sie merkt dabei nicht, wie ihr jemand die Tube-Türe offen hält.

Dieser jemand ist Daniel, der die hübsche Unbekannte kennenlernen will.

Eines Morgens im Büro erhält Nadia von ihrer Freundin eine Nachricht: "Damit bist sicher du gemeint" - eine Anzeige in Missed Connections trifft genau auf Nadia zu. Die will erst nichts davon wissen, ist aber doch irgendwie geschmeichelt und gibt sich noch mehr Mühe, morgens die U-Bahn zu erwischen. Das klappt nur noch selten und so sieht sie Daniel nicht, da bringt es auch nicht viel, dass sie sich traute zu antworten. Sie wollen einfach nicht mehr aufeinander treffen.

Dabei wären sie so oft zur gleichen Zeit am selben Ort. Und verpassen sich dabei immer. Am Anfang fiebert man als Leser mit und hofft, dass sie sich endlich erkennen. Je länger diese verpassten Dates andauern, zieht es sich hin und wird fast schon mühsam. Es geht zu lange, bis die Autorin die Kurve bekommt und endlich Erbarmen mit ihren Charakteren hat.

Nadia und Daniel werden so beschrieben, dass man merkt, dass sie gut zusammen passen, und kamen beide nett rüber. Nadias Freundinnen Gaby und Emma hingegen mochte ich nicht so, zu viel jugendliches Dirty Talking kombiniert mit feministischen Ansichten. Es hörte sich zu aufgesetzt an, aber anscheinend unterhalten sich Millenials in London auf diese Art und Weise - vielleicht finden das Leserinnen unter 30 nicht so nervig und überflüssig wie ich.

Lorenzo, Daniels Mitbewohner, hat diesbezüglich gewisse Ähnlichkeiten mit den beiden Freundinnen, wenn auch auf eine ganz andere Art. Am besten gefiel mir Romeo, ein sympathischer Typ. Bei ihm dachte ich immer, da müsse noch ein Haken sein - aber er fiel wohl vor allem deshalb auf, weil er am normalsten beschrieben wurde und in der hippen Grossstadt-Szenerie fast schon altmodisch wirkte. Daniel wurde leider oft zu sentimental und zu sehr als Muttersöhnchen dargestellt, das hatte er nicht nötig. Nadia wirkt teilweise zu passiv.

Der Titel und Klappentext hörten sich vielversprechend an, doch diese sommerliche Lovestory wirkt im Gegensatz zu "Love to Share" wenig charmant, wohl wegen der gewählten Sprache der Nebenfiguren. Nadia und Daniel waren da viel poetischer und weniger verrucht unterwegs.

"Dein Lächeln um halb acht" ist eine nicht so romantische Komödie, dafür extrem modern. Es geht um völlig unwichtig Club-Mitgliedschaften, hochdotierte Jobs (Consulting, Labor für künstliche Intelligenz) für junge Menschen, die sich dann auch locker ans Geld ausgeben machen, sich schnell mal fünf Drinks für 500 englische Pfund leisten und so Zeugs. Diese Szenerie fand ich befremdlich, Nadia und Daniel wollten da auch nicht richtig rein passen, da sie oft zu gut für diese Welt dargestellt werden.

Fazit: Mir oft zu jugendlich und zu modern, mittendrin zu langgezogen, das Ende nett, weshalb ich aufrunde auf 3.5 Punkte.

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Rund um die Uhr wird ermittelt

Kretischer Abgrund von Nikos Milonás

Oliven im Mund, Anna Vissi auf den Ohren und "Kretischer Abgrund" vor den Augen - während ich den Krimi lese, spüre ich die Hitze flimmern, auf Kreta in diesem August.

Autor Nikos Milonas (Pseudonym von Frank D. Müller) nimmt uns Leser wieder mit auf die griechische Insel und bringt uns die Lebensart der Kreter sowie die eindrückliche Landschaft näher.

Aber auch Probleme der Inselbewohner werden in diesem spannenden Krimi mit einbezogen. Durch die vielen Schauplätze dieses zweiten Bandes erlebt man Kreta fast so, als ob man vor Ort ist, erinnert sich an eigene Erlebnisse, die man auf der beliebten Urlaubsinsel hatte oder kommt in Dörfer, die man selbst noch nie besucht hatte, auch wenn man bereits öfters auf Kreta war.

Hier auf Kreta hat Athenerin Meropi jemanden kennen und lieben gelernt und will deshalb ihren eifersüchtigen Verlobten Jannis verlassen. Doch so weit kommt es nicht, denn nun liegt sie erschlagen in der Samariaschlucht. Das Team stösst bei ihrer Bergung an seine Grenzen. Michalis Charisteas und Pavlos Koronaios werden die nächsten Tage noch darunter leiden: starker Muskelkater, Blasen an den Füssen und ein kaputter Lift in der Mordkommission.

Allzu oft sind sie zum Glück aber nicht im Polizeigebäude, sondern unterwegs - zum Beispiel nach Sougia, wo die Firma Psareus, bei der Meropi arbeitete, eine Zweigstelle, ein Büro hat. Oder auch nach Paleochora, hier will Psareus eine grosse Fischfarm realisieren. Aquakulturen sind schlecht für die Umwelt, weswegen die Firma vielen Projektgegnern gegenübersteht. Immerhin könnte man in Heraklion den Kollegen aus Chania Arbeit abnehmen, doch die Polizei in der Inselhauptstadt ist unterbesetzt.

Es wird also nicht langweilig für die Kommissare, was Charisteas bedrückt, denn seine Freundin Hannah ist nur noch wenige Tage auf der Insel, bevor sie wieder nach Deutschland zurück fliegt. Ihnen beiden bleibt nicht viel gemeinsame Zeit, denn auch in Charisteas Familie ist einiges los.

So ist der Kreta-Krimi auch für uns Leser nicht öde. "Kretischer Abgrund" hat mich sehr gut unterhalten, ich mag Michalis Familie immer mehr und auch Koronaios finde ich sympathischer als noch im ersten Band. Ohne Sekretärin Myrta geht nichts, sie entpuppt sich als Herz des Präsidiums. Charisteas spürt und sieht an Tatorten viel, was andere nicht beachten würden. Seine Kollegen schätzen seine Art immer mehr, denn sie merken, dass diese Beobachtungen wichtig für die laufenden Ermittlungen sind. Und so ist und bleibt der Krimi bis hin zur letzten Seite fesselnd.

Fazit: Ob unterwegs auf den Strassen oder Tavli spielend und Raki trinkend im Kafenion - Charisteas und Koronaios ermitteln fast rund um die Uhr in diesem packenden zweiten Fall.
4 Punkte.

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Bezaubernde Gärten, leuchtende Glühwürmchen und so viel mehr

Die Zeit der Glühwürmchen von Patricia Koelle

Nachdem mir eine Freundin von den Büchern von Autorin Patricia Koelle vorgeschwärmt hat, hab ich mir vorgenommen diese zu lesen. Als erstes griff ich zu Koelles neuem Roman "Die Zeit der Glühwürmchen". Es ist der erste Band der dreiteiligen Inselgärten-Serie, deren weitere Bände in den nächsten Monaten erscheinen, die man aber trotzdem als Stand-Alone lesen kann.

Wir lernen zuerst die 50jährige Journalistin Taru Favonius kennen, die sich nicht mehr über ihren kleinkarierten Chef ärgern will und, mit dem Kopf voller Ideen für tolle Artikel, die Reissleine zieht. Nach Jahren des Reisens geniesst sie ihr Häuschen im Grünen, ihren Garten, die Schafe und ihre beiden Nachbarskinder. Philea liebt Meeresschmetterlinge und Memo hinterlässt gerne Post-its auf allen möglichen Dingen und schreibt darauf, was diese Dinge auch sein könnten. Bald stösst auch Jara, die mondscheinkranke Nachbarin von der anderen Seite, dazu. Zusammen konkretisieren sie einen Mondgarten, der Jara ermöglicht Blütenpracht zu erleben und der Taru an ihre Kindheit erinnert.

Durch ihre Tochter Kaia lernt Taru Remy kennen. Beide lieben sie Geschichten und Biologie und haben dieselben Träume einer unabhängigen Zeitschrift. Während sie versuchen diesen Traum gemeinsam zu verwirklichen, entdeckt Remy einen alten Schrank mit Bildern von Glühwürmchen und anderen Insekten drauf. Remy kennt nur einen kleinen Teil der Schrankgeschichte, doch die hat sie so berührt, dass sie versucht, alles darüber heraus zu finden. Wen wundert's - auch hinter dem Schrank, eigentlich ein Sekretär, steckt eine Gartengeschichte.

Dieser Garten ist derjenige, der im Klappentext erwähnt wird. Er führt uns zu Mervin und Clara Lerner, in die DDR im Jahre 1964. Doch auch Tarus Erinnerungen führen in die DDR und erzählen ihre berührende Lebensgeschichte. Die Geschichte von zwei Kindern, die durch Wald und Feld streifen und offen, mutig und ängstlich sind, die Natur erforschen und Geschichten leben wollen, und langsam erwachsen werden.

Mich hat nicht nur Tarus Geschichte berührt, sondern der ganze wunderbare Roman. Hier ist so enorm viel drin: viele Geschichten werden erzählt, die perfekt zusammen passen und eine herzergreifende Wärme ausstrahlen.

Bewegend wird von Baumverstecken, dunklen Seen, leuchtenden Schnecken, weissen Hirschen, Drachengiebeln und Kesselhaken erzählt. Und immer wieder von Glühwürmchen, den Namensgeber dieses wunderschönen Romans.

"Die Zeit der Glühwürmchen" ist nicht nur ein Roman für Gartenliebhaber, nein, es ist ein Buch für alle, die immer noch staunen können, um das, was um sie herum geschieht und die den Zauber der kleinen, einfachen Dinge noch immer sehen.

Patricia Koelle hat mir mit diesem Roman mein erstes Lese-Jahreshighlight gegeben und ich weiss jetzt schon, dass ich ihn ganz oft verschenken werde, damit auch meine Freundinnen diese ergreifende Geschichte erleben dürfen.

Fazit: Ein bezaubernder, wunderschöner Roman für alle, die ihre kindliche Neugier nicht verloren haben!
5 Punkte.

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Definitiv den Autoren-Kinderschuhen entwachsen

Orangenträume von Manuela Inusa

Was für eine schöne und tolle Story!

Mit diesem Roman ist Manuela Inusa endgültig den Autoren-Kinderschuhen entwachsen. Manuela Inusa kann damit definitiv mit Autorinnen wie zum Beispiel Debbie Johnson oder Debbie Macomber mithalten. Die Geschichte wirkt sehr erwachsen, nicht mehr so brav wie noch die Valerie-Lane-Serie.

Wir Leser begleiten in "Orangenträume" die vier Freundinnen Lucinda, Michelle, Rosemary und Jennifer bei ihrem alljährlichen Treffen auf Lucindas Orangenfarm. Zusammen haben sie die Schulbank gedrückt, sich zwischen den Orangenbäumen Geheimnisse vertraut und nun treffen sie sich einmal im Jahr für ein Wochenende. Um einfach mal nur wieder Freundinnen zu sein und drei unbeschwerte Tage zu geniessen. Sie alle freuen sich immer riesig auf dieses, ihnen heilige, Wochenende.

Michelle kommt aus Texas, wo sie mit ihrem eifersüchtigen Mann und ihren beiden Kindern wohnt. Jennifer aus Atlanta, wo sie als Anwältin arbeitet und Rosemary aus Malibu - sie ist als Schauspielerin berühmt geworden. Lucinda wohnt am schönsten Platz der Welt, kann ihre Farm aber kaum mehr halten.

Dieses Jahr wird das Treffen aber ein anderes sein, denn fast jede der vier Frauen hat ein Geheimnis mitgebracht, welches im Laufe der Tage enthüllt wird. Dadurch bekommt der Roman eine enorme Tiefe trotz der sommerlichen Temperaturen und ist fesselnd zu lesen.

Spass macht das Lesen ebenso, denn trotz allem kommt auch der Humor nicht zu kurz. Ebensowenig wie die Liebe, Rosemary hat sie bereits in ihrem Ehemann gefunden, aber Lucinda und Jennifer sind auf dem besten Wege ihre Herzen zu verschenken. Das wird spannend, aber auch berührend.

"Orangenträume" hat genau die richtige Balance zwischen Tiefgang und Leichtigkeit, so dass man trotz den Schicksalsschlägen, die einige der Protagonisten zu ertragen haben, nicht im Elend versinkt. Ja, wie ich ganz oben bereits geschrieben habe, dieser Roman kann sich sehen lassen! In euren Bücherregalen und auf Bestsellerlisten zum Beispiel :-)

Fazit: Definitiv der beste Manuela Inusa-Roman bisher und deshalb: absolut lesenswert!
5 Punkte.

Die Romane der "Kalifornische Träume"-Serie können unabhängig voneinander gelesen werden.

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Liebe mit zu vielen Vorurteilen

Liebe mit Meerblick von Debbie Macomber

Die beiden Freundinnen Jenna und Maureen wollten nach dem College nach Paris - alles war bereits fertig geplant, doch Maureen wurde schwanger und heiratete. Bald darauf trat auch Jenna in den Hafen der Ehe ein, die ebenso wie die von Maureen nicht lange hielt.

Über 20 Jahre später freut sich Jenna: endlich ist sie nach all den Jahren, in denen sie ihre Kinder gross zog, alleine zuhause.

Ihre jüngste Tochter Allie besucht nun das College und wohnt auf dem Campus. Jenna will ihre neue Freiheit geniessen. Zuerst möchte sie mit Maureen die Paris-Reise nachholen, vielleicht klappt es ja jetzt - und ausserdem sind beide langsam wieder bereit für eine neue Beziehung. Doch die zwei Freundinnen tun sich sehr schwer damit, sie müssen das Flirten erst wieder lernen.

Während Bibliothekarin Maureen sich mit Klempner Logan trifft, versucht es Krankenschwester Jenna mit dem Chirurgen Rowan. Jenna ist eine totale Übermutter - nicht nur ihrer Tochter gegenüber, oft verhält sie sich auch bei Rowan so. Maureen hingegen hält sich für zu akademisch, um mit einem Klempner gesehen zu werden. Ich fand beide Frauen nicht sonderlich sympathisch, die eine die totale Oberglucke, die andere fühlt sich als Bibliothekarin dem Handwerker Logan überlegen.

Logan war aber auch ein schwieriger Charakter, er wurde regelrecht ins Arbeiterklischee gepresst: ein kleiner Macho, der entscheidet was gefällt oder was nicht, ein Kulturbanause, der erwartet, dass Frauen ihn zu Sportanlässen begleiten und sich dementsprechend verhalten, umgekehrt kann man sich aber daneben benehmen. Er schien wirklich nur wenig Gespür für Anstand und Zwischenmenschliches zu haben.

Allie trampelt auf den Gefühlen ihrer Mutter Jenna herum, Jenna wiederum hegt grosse Vorurteile gegenüber Entscheidungen ihres Sohnes und lässt weder ihn noch Rowan ausreden anstatt einfach nur zuhören - solche unnötigen Dramen mag ich gar nicht.

Einzig der ruhige Rowan war ein Lichtblick in der ganzen Geschichte, in der es um Familiengeschichten, neue Beziehungen und um sich abnabeln geht.

"Liebe mit Meerblick" hat etwas sehr Schwerfälliges an sich. Es fehlt der Charme, mit dem die meisten Debbie Macomber-Romane auftrumpfen.

Der Roman wäre mit Maureen als nur-Freundin von Jenna und ohne eigene Lovestory, wohl wesentlich besser geworden, die Autorin hätte dann mehr Augenmerk auf und mehr Gefühl in Jennas Story legen können. Dann wäre der titelgebende "Meerblick" (im Original "Window in the Bay") auch klarer und würde sich nicht so bemüht anhören. Aber es ist wie es ist, und deshalb hat mich das Buch leider nicht überzeugt.

Fazit: "Liebe mit vielen Vorurteilen" wäre ein passendere Umschreibung zu dieser trägen Lovestory.
3 Punkte.

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Whisky, Hunde und Morde - unterhaltender 3. Teil

Whisky mit Schuss von Melinda Mullet

Abi wird von Patrick, Cam und ihrem Geschäftspartnern Grant genötigt an den Golden Quaich Awards im Nobelhotel Eagle Lodge teilzunehmen. Eigentlich dachte, sie, die Wettbewerbs-Veranstaltung wäre nur für schottische Whisky-Affinados von Bedeutung, mehr eine Spielerei. Doch vor Ort merkt sie, dass ein allfälliger prämierter Whisky das Geschäft ziemlich ankurbeln könnte.

Aber bereits in der ersten Nacht wird einer der Juroren getötet. Abi darf zum ersten Mal offiziell die Augen und Ohren offen halten, da DI Michaelsen's Team unterbesetzt ist. Wenn man Abi kennt, weiss man, dass sie dies nur zu gerne macht. Beobachtet hat sie eh schon einiges, jetzt beginnt sie zu kombinieren.

Will jemand die weltoffenen Jurymitglieder um die Ecke bringen, damit nur schottische Whiskys gewinnen? Ein zweiter Mord könnte darauf hindeuten. Doch gehen Abis Gedanken in die richtige Richtung oder steht etwa ein ganz anderes Motiv hinter den Morden im Nobelhotel?

Mehrere Morde, ein Hotel - ein klassischer Whosdunit-Krimi, in dem Abi samt ihrem Terrier Liam im Mittelpunkt steht. Leider nicht lange, denn sie ist nicht wie erwartet die einzige Frau bei der Whiskyveranstaltung. Mit von der Partie ist nämlich Brenna, die vor einiger Zeit anscheinend ein Praktikum bei Ben machte und damals mit Grant zusammen war. Es sieht aus, als ob Brenna ihn wieder möchte, was Abi eifersüchtig macht, denn natürlich kam Abi kurz vor der Reise auf dieselbe Idee. So wird "Whisky mit Schuss" in mehr als nur einer Angelegenheit interessant.

Dieser dritte Band der Abigail-Logan-Serie kommt mit kreativen Morden daher und ist sehr spannend. Mir gefällt auch, dass die drei bisherigen Bände sich nicht ähneln, sondern Melinda Mullet sich etwas einfallen lässt, um die Leser bei der Stange zu halten. Die Autorin darf gerne so weitermachen.

Fazit: Whisky, Hunde und Morde - ein unterhaltender dritter Teil.
4 Punkte.

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Runder Abschluss der Serie

Die Schwestern vom Ku'damm: Tage der Hoffnung von Brigitte Riebe

Im dritten Band der "Die Schwestern vom Ku'damm"-Reihe steht die jüngste der Schwestern, Florentine, im Vordergrund. Nach mehr als einem Jahr in Paris kommt sie zurück nach Berlin und will endlich an der Kunsthochschule angenommen werden. Dies ist aber nicht so einfach wie sie denkt, doch ihr Ehrgeiz ist angestachelt, sie gibt nicht auf und so wird ihr Wunsch bald Wirklichkeit.

Im Studium findet sie gute Freunde und entdeckt ihre Liebe zur Fotografie, merkt aber auch, dass das Studium kein Zuckerschlecken ist, wenn man sich mit dem Dozent nicht versteht. Flori geht ihren Weg weiter, versucht so einiges, bis sie ihren Platz im Leben findet.

Dies geht nicht ohne Hilfe ihrer Schwestern und ihrer Familie, in der in "Tage der Hoffnung" zwar immer wieder was los ist, aber längst nicht mehr Schlag auf Schlag, wie noch in den ersten zwei Bänden. Nachdem in den ersten zwei Teilen so extrem viel eingebaut wurde, historisch wie familiär, dass man kaum zum Atmen kam, wirkt Band 3 sehr ruhig.

Aus ihrer Familie hat Flori am meisten und am liebsten mit ihrem Cousin Gregor zu tun, und sie freundet sich erneut mit Franzi an. Männer, mit denen ihre Schwestern bereits zu tun haben, kreuzen auch Floris Weg, doch ihr Herz gehört Männern, die sich der Kunst verschrieben haben. Aber auch Flori macht Fehler, genau wie ihre Schwestern bereits vor ihr. Dieser Teil ähnelte sich fast zu sehr, und wirkte deshalb ein bisschen langatmig.

Familie Thalheim entpuppt sich hier nicht mehr in erster Linie als eine Kaufhaus-Dynastie, sondern als Familie, deren Familienmitglieder fast alle einen Hang zu schöngeistigen, kreativen Berufen haben: Architekt, Künstlerin/Fotografin, Designerin, Schauspieler, Filmproduzent, etc.

Der dritte Band spielt in den Jahren 1958 bis 1963 und hat somit den Mauerbau in Berlin als grösstes historisches Thema inne, was vor allem Carl und seine Familie betrifft. Da Carl zu meinen Lieblingsfiguren gehört, war ich mental sehr von seiner Geschichte betroffen und fieberte mit ihm mit. Gregor mochte ich auch sehr - ja, um ehrlich zu sein, fand ich diese zwei Charaktere mit ihren Lebensgeschichten viel interessanter als die der drei Schwestern.

In anderen Reihen ist es vielleicht ein "kann", hier aber ein unbedingtes "muss": nämlich, dass man alle drei Bände der Reihe nacheinander liest und sich nicht nur einen herauspickt - zu vieles ist passiert, so dass man die Personen nur im Zusammenhang mit ihrer Entwicklung sehen und würdigen kann und nicht einzeln gelesen.

Die familiären Verstrickungen in der Serie waren mir zu übertrieben dargestellt, zwar kein Wunder mit derart vielen Familienmitgliedern, aber die historische Dimension der Serie gefiel mir besser. Sie war höchst interessant erzählt, nur schon deshalb ist die Reihe lesenswert.

Fazit: Ein runder Abschluss der Serie, geschichtlich höchst bedeutsam mit dem Mauerbau, die mit der berühmten Kennedy-Rede ein versöhnliches Ende nimmt.
4 Punkte.

Am 13. Oktober erscheint "Weihnachten am Ku'damm" - eine Kurzgeschichte, die uns nochmals zu den drei Schwestern ins Jahr 1946 mitnimmt.

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Spannend geschildert

Die Schwestern vom Ku'damm: Wunderbare Zeiten von Brigitte Riebe

Im zweiten Band der Ku'damm-Schwestern-Trilogie steht Silvies Geschichte im Vordergrund. Silvie mochte ich im ersten Teil, "Jahre des Aufbaus", nicht. Sie war unstet und unvernünftig, brachte durch unüberlegte Aktionen - bei denen sie nicht auf Rike hörte - die Familie mehr als nur einmal in Lebensgefahr.

Mit dem Kopf durch die Wand, war in etwa ihr Motto.

Dennoch hatte und hat sie ihre guten Seiten. Mit ihrer klaren Stimme beeindruckte sie die britischen Soldaten und später die Radiohörer. Ich war also gespannt, was aus ihr wird. Ruhiger und besonnener auf jeden Fall, trotz ihrer on-off-Beziehung und ihrer Sehnsucht nach dem richtigen Mann, einem Kind, einem Haus. Silvie hat in ihrer Story nettere Züge an sich.

Dass sie nun die Freundin von Miriam ist, kann ich nach empfinden. Doch es war wenig plausibel, dass Carl und auch Marcus plötzlich nur noch mit Silvie sprachen und nicht mehr mit Rike. Diese wurde zur besserwisserischen Schwester degradiert, was ich sehr schade fand. Oscar ist noch immer ein unsympathisches Schlitzohr und totaler Egoist, da kann selbst seine Zwillingsschwester Silvie nicht mehr viel gerade rücken.

Brigitte Riebe hat extrem viel reingepackt in "Wunderbare Zeiten", pausenlos passiert etwas in der grossen Familie Thalheim, historisch ebenso. Letzteres war spannend zu lesen. Den historischen Teil fand ich enorm interessant, da mir als Schweizerin die Anfangsgeschichte der DDR mit diesen vielen Details nicht so geläufig war, damals ja noch ohne Mauer.

Aber "Wunderbare Jahre"? Nicht für alle jedenfalls. Nur für wenige. Denn die Höhen und Tiefen gehen weiter, pausenlos, für die Stadt Berlin wie vor allem auch für die Thalheims. Der Tiefgang kam so natürlich auch wieder zu kurz.

Die überladene Familiengeschichte nahm ich für mich als Umrahmung der historischen Begebenheiten. Denn sie ist überfrachtet von Ereignissen, die in der Menge irgendwann nicht mehr glaubhaft wirken. Aber als roter Faden, anhand dem die deutsche Geschichte erzählt wird, war sie okay.

Am Ende des Romans habe ich Lieder im Ohr, Modebilder vor Augen und eine Rennfahrt durch die deutsche Geschichte während den Jahren 1952 - 1957 mitgemacht - langweilig wird die Lektüre jedenfalls nicht!

Fazit: Eine Reise durch nicht so wunderbare Jahre, spannend geschildert.
4 Punkte.

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Glück gehabt

Die Schwestern vom Ku'damm: Jahre des Aufbaus von Brigitte Riebe

Glück gehabt - so könnte man den ersten Teil der "Die Schwestern vom Ku'damm"-Trilogie umschreiben. Der Titel sagt es bereits, in "Jahre des Aufbaus" geht es in den Jahren 1945 bis 1951 um die Ende der Kriegszeit, und den Wiederaufbau des Kaufhauses Thalheim.

Von der Besitzerfamilie sind die Frauen noch immer in Berlin.

Die älteste Tochter Rike bringt Frauen und Kinder der Familie durch die Kriegszeit. Sie motiviert ihre Schwestern und die Stiefmutter zum Überleben, zum Arbeiten und aktiv zu werden, anstatt nur rum zu sitzen und zu jammern. Es ist eine privilegierte Familie, aus der Rike stammt, aber sie ist eine Macherin und kann gut organisieren.

Rike will das Kaufhaus wieder aufbauen - wieder Kleider entwerfen lassen und sie verkaufen. Ihre Leidenschaft dafür kam nicht so rüber, das vermisste ich, es ging mehr einher mit Geld verdienen, was aber natürlich auch wichtig war. Glücklicherweise konnte Rike zwei Nähmaschinen retten und als Miriam, die Tochter ihrer ehemaligen Näherin, auftaucht, hat sie auch endlich jemand, der die neuen Kleider entwirft und näht. Doch Stoff ist Mangelware. Ideenreich kommen sie aber zu neuem Stoff und so versuchen sie ihr Glück. Doch wer will und kann sich die Kleider überhaupt leisten? Kein Wunder, sind Höhen und Tiefen die nächsten Begleiter der Frauen.

Der Roman, in dem der Wiederaufbau an erster Stelle steht, bietet wohl einen guten Einblick in die Nachkriegszeit. Die Autorin reist Themen an wie die Besetzung der Russen und später der Briten, die Arbeit der Trümmerfrauen, der Schwarzmarkt, dann die Berliner Blockade mit Berlin als Insel, der Luftbrücke und die Währungsreform.

Daneben die Familiengeschichte: die Erinnerungen von Rike an den Tod ihrer Mutter Alma; Oscar, der vermisste Zwillingsbruder von Silvie; der Vater in Gefangenschaft; Onkel Carl und die Oma in Potsdam. Und natürlich die drei sehr unterschiedlichen Schwestern: Rike packt an; Silvie flirtet gern und macht was sie will, schlägt sämtliche Ratschläge in den Wind und bringt dadurch alle in Gefahr, kann aber gut reden; die junge Florentine zeichnet sehr gern und spürt Zwischenmenschliches besser als alle andern, rebelliert später aber auch gern. Stiefmutter Claire ist eher Beiwerk.

Am besten gefallen hat mir Miriam. Sie hätte eigentlich ein eigenes Buch verdient!

Vieles in der Geschichte wird nur kurz beleuchtet. Plötzlich spielten auch Rikes Freundinnen Lou und Elsa keine Rolle mehr. Auch wenn es eine Trilogie ist, und manches wohl erst später erzählt wird, hätte ich mir aber mehr Antworten auf einige in diesem Band essentielle Fragen gewünscht, zum Beispiel, ob Friedrich auf Rike gehört und sein Geld umgetauscht hat.

Sowieso, Friedrich mochte ich nicht. Ich fand, er hat die Arbeit von Rike und das Durchhalten seiner Kinder und Frau zu wenig honoriert. Kaum zurück, will er das Ruder wieder selbst in der Hand halten. Dabei ging es ganz gut ohne ihn. Da hätte ich mir auch mehr Gegenwehr von den Schwestern vorstellen können.

Der Roman hat mich grundsätzlich gut unterhalten, auch wenn die Sprache manchmal zu modern daher kam und das eine oder andere unterging. Es ist aber auch ein hohes Erzähltempo, das Brigitte Riebe vorlegt.

Dennoch weiss ich nicht, ob ich, wenn ich den ersten Band vor drei Jahren gelesen hätte, ein Jahr später zu Band 2 gegriffen hätte. In "Jahre des Aufbaus" wirkt manches oberflächlich, der Roman ging mir deswegen zu wenig unter die Haut. Da ich nun aber die Möglichkeit habe, alle drei Teile hintereinander zu lesen, tue ich das. Jetzt bin ich gespannt wie es weiter geht, vor allem nach dem fiesen Cliffhanger am Ende und Silvie als Hauptfigur - die hier von mir aber nicht viel Sympathiepunkte bekam...

Fazit: Anschaulich erzählt, lässt sich gut lesen, auch wenn einiges oberflächlich scheint.
4 Punkte.

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Liebe kann so spannend sein

Caféglück am Meer von Debbie Johnson

Genau das richtige Buch für die Lockdown-Zeit: was hab ich mich auf das Wiedersehen mit den lieb gewonnen Charakteren aus der "The Comfort Food Café"-Serie gefreut!

Im englischen Original ist "Caféglück am Meer" Band 6 und letzter Teil der Serie. Beim Lesen merkt man, dass einem Infos fehlen, die im fünften Band beschrieben werden.

Auf Deutsch erscheint Band 5 zum Glück noch dieses Jahr am 14. September und erzählt die Geschichte von Katie Seddon, die jetzt, im sechsten Band, mit Auburn zusammen in der Drogerie von Budbury arbeitet.

"Caféglück am Meer" heisst im Original "A Wedding at the Comfort Food Café" - Lauras Hochzeit mit Matt steht kurz bevor und ganz Budbury sieht rot.

Nein, nicht rot, sondern rosa! Wir treuen Leser wissen: in Budbury weiss man zu feiern. Gerne, oft und immer ein wenig verrückt. Dieses Mal ist Farbe Trumpf. Alle Gäste, Weiblein wie Männlein, erscheinen in rosafarbener Kleidung zum Fest. Auch Auburn, Willows Schwester, die im vierten Band nach Budbury zurück zog, um Willow bei der Pflege ihrer Mutter Lynnie zu unterstützen. Auburn ist frisch verliebt in Finn, der mit Tom in Briarwood arbeitet.

Die ganzen Hochzeitsvorbereitungen bringen es ans Licht: Auburn ist bereits verheiratet. Alles schon lange her und weit weg. Sie weiss, dass sie Ordnung in ihr Leben bringen muss und reicht die Scheidung ein. Doch ihr Noch-Ehemann Seb will Auburn noch einmal sehen, damit auch er abschliessen kann - oder an der Ehe festhalten...

Auburns Gefühle fahren Achterbahn. Verständlich. Debbie Johnson schafft es, Auburns Emotionen, aber auch die Empfindungen der Männer wirklich gut rüberzubringen, ohne dabei kitschig zu werden.

Den lockeren-witzigen Schreibstil mit den schweren Vergangenheits-Traumas ihrer Figuren zu verbinden, ist die grosse Stärke der Autorin. Sie macht es uns Lesern genauso schwer wie Auburn, denn beide Männer haben ihre Vorzüge, für beide könnte man sich erwärmen. Debbie Johnson schiebt auch keinem die A'loch-Karte hin, ich mochte beide Männer und war sehr gespannt, für wenn sich Auburn letztlich entscheiden wird.

Deshalb habe ich auch bis Nachts um 2:30 Uhr gelesen - bis zum Ende hätte ich nicht sagen können, für wen sich Auburn entscheidet.

Fazit: Wunderschönes und spannendes Finale mit neuen und alten Bekannten aus Budbury!
5 Punkte.

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