Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Sago:
Unter dem Jutesack
Die Fletchers von Long Island von Taffy Brodesser-Akner
"Sie waren sprachlos, sagten sie immer wieder, sprachlos!
Bei aller Sprachlosigkeit konnten sie nicht aufhören, darüber zu reden."
Das Ereignis, das 1980 in Long Island die Gemüter derartig erregt, ist die Entführung des jüdischen Fabrikanten Carl Fletcher. Eine Woche später wird er gegen Zahlung eines hohen Lösegeldes wieder freigelassen.
Schnell verurteilt man Täter und die vermögenden Fletchers versuchen, zur Tagesordnung überzugehen. "Das ist nur deinem Körper passiert", ist die Parole von Carls Mutter.
Doch schon bald zeigt sich, dass nichts ist wie zuvor. Nicht nur bei Carl, sondern bei allen Familienmitgliedern hat die Entführung tiefe Spuren hinterlassen. Es scheint, als seien alle Fletchers in Geiselhaft genommen worden und steckten noch immer unter dem Jutesack, der Carl über den Kopf gestülpt worden war.
Mit nahezu chirurgischer Präzision seziert die Autorin die Abgründe ihrer Protagonisten und gibt jedem eine unverwechselbare Stimme. Da sind der beinahe fiebrige, drogeninduzierte Bewusstseinstrom von Carls jüngeren Sohn Beamer, die angstgetriebenen Gedanken seines älteren Bruders Nathans, der sich in Logik und Recht flüchtet, während die Erzählung mit der Perspektive der Tochter Jenny und deren Depression fast auf der Stelle zur treten scheint.
Und mittendrin immer wieder Sätze von kristalliner Klarheit, die die Lesenden durch ihre Zitierfähigkeit von den Seiten geradezu anzuspringen scheinen, gewürzt mit einem so überwältigend scharfsinnigen Humor, dass er aus Zähnen und Klauen zu bestehen scheint.
Die erste Generation baut das Haus, die zweite wohnt darin und die dritte brennt es nieder. Getreu diesem Motto erleben wir hautnah die Familiengeheimnisse der Fletchers. Hier von einem Lesesog zu sprechen, hieße zu untertreiben. Geraten bin ich vielmehr in einen Leserausch. Kein Wunder, dass der Roman schon jetzt als moderner Klassiker gehandelt wird!
Aristokraten sind bissig
Eleanor von Genevieve Cogman
"Dunkelheit drang zusammen mit der Stimme in den Raum. Sie war Jahrhunderte vom Leben und Tageslicht entfernt und wurde nur mithilfe reiner Willensanstrengung durch tote Lungen und eine eisige Kehle angetrieben. Obwohl die Kerzen noch brannten, schien der Vampir in seinem eigenen Schatten zu stehen; seine Augen waren wie Rubinsplitter und seine Hände und sein Gesicht so weiß wie die Spitzenkrause an seinem Hals.
"
Weiter geht es im zweiten Teil von Genevieve Cogmans Reihe um die Französische Revolution, den Geheimorden Scarlet Pimpernel, Vampire und Magier.
Zurück in England, ist Scarlet ehemals Dienstmagd in Vampirdiensten, nun tatsächlich ein Mitglied des Ordens Scarlet Pimpernel. Aber so richtig gleichberechtigt kommt sie nicht zum Einsatz. Adlig wie andere Ordensangehörige ist sie nicht und zu dem noch eine Frau. Dass sie die Seele einer alten Magierin beherbergt und über große Kräfte verfügt, weiß nur Eleanor selbst. Als der bekannte französische Staatsmann Talleyrand verschwindet, kommt die Liga Scarlet Pimpernel einer weitaus größeren Verschwörung auf die Spur...
Endlich bekommen wir mehr von den Vampiren zu sehen. Die Idee, Adlige als Vampire zu präsentieren finde ich sehr gelungen. Nur von den Magiern, die mit den Vampiren in einen Krieg verwickelt waren, erfahren wir weiterhin zu wenig.
Eleanors beeindruckende Entwicklung setzt sich fort und es stellt sich die Frage, ob es für sie und Charles trotz des Standesunterschieds eine Zukunft geben könnte.
Der Mont St. Michel, zu dem es die Liga verschlägt, bietet ein wunderbares Setting und auch die Rolle des gruseligen Prinzen von Paris hat mich fasziniert, so dass ich auf ein Wiedersehen im dritten Teil hoffe.
Bei aller Sympathie für Eleanor fehlen mir noch immer die Protagonisten von Cogmans Reihe um die unsichtbare Bibliothek, die einfach einen einzigartigen Charme hatten.
Kollision
Ein ungezähmtes Tier von Joël Dicker
"Doch diese Begegnung war in Wahrheit eine Kollision. Ein Frontalzusammenstoß. Ein Unfall, dessen Ausmaß niemand ahnen konnte."
Eigentlich bin ich keine Freundin nicht-linearen Erzählens, aber diese Story ist von Dicker wirklich virtuos konstruiert. Die Abgründe und Wendungen, die sich nach und nach offenbaren, entfalten einen fast unheimlichen Lesesog.
Ich musste das Buch in nur zwei Tagen beenden.
Arpad und Sophie sind ein goldenes Paar, das alle Blicke auf sich zieht. Mit ihren Kinder logieren sie in einer Genfer Villa, fahren mit ihren Sportwagen oder in den Traumurlaub nach Mauritius.
Greg und Karine hingegen bewohnen ein Reihenhaus in der "Warze", einer Siedlung, für die sich das Villenviertel absurderweise schämt. Eigentlich sind auch sie in vieler Hinsicht privilegiert, fühlen sich aber nur wie ein blasser Schatten des anderen Paares. Während Karine um Sophies Freundschaft buhlt, entwickelt Greg für Sophie eine regelrechte Besessenheit. Doch bei näherer Betrachtung zeigt die Fassade des Traumpaars erste Risse und beim Blick in die Vergangenheit wirken diese klaftertief...
Vordergründig geht es in diesem Roman um einen Juwelenraub in Genf, aber in der Tat um so viel mehr. Geheimnisse der Vergangenheit und menschliche Obsessionen werden hier brillant in Szene gesetzt. Eigentlich gibt es keine echten Sympathieträger, was dem Mitfiebern aber keinen Abbruch tut, ganz im Gegenteil. Ein Pageturner der Spitzenklasse!
Endlich nach Luft schnappen
Zwei vernünftige Erwachsene, die sich mal nackt gesehen haben von Anika Decker
"Wenn früher in meiner Gegenwart über die Wechseljahre gesprochen wurde, war mir nie klar, wie lebendig und hungrig man sich fühlt, wenn man offiziell schon abgeschrieben ist.
Warum hören die meisten Lebensträume eigentlich mit circa fünfunddreißig Jahren auf?
Ich hätte gerne einen Plan für die nächste Hälfte, irgendwas außer der Vorbereitung auf das Sterben.
"
Das fragt sich Nina mit fast fünfzig. Bei der Scheidung hat sie sich von ihrem begüterten Ehemann ordentlich über den Tisch ziehen lassen. Inzwischen hat dieser mit einer um Jahrzehnte jüngeren Influencerin eine neue Familie gegründet. Als Nina auf einem Gartenfest dem dreißigjährigen David begegnet, spürt sie zum ersten Mal seit langem wieder Anziehungskraft und Lebenslust. Die beiden landen gemeinsam im Bett und bald stellt sich die Frage ob da je mehr sein kann...
Anika Decker schafft das Kunststück, gleichzeitig leichtfüßig, tiefgründig und amüsant zu erzählen, auf wie vielfältige Weise Frauen noch immer anders behandelt werden als Männer. Die Geschichte bietet dabei, anders als vom Klappentext beworben, einiges mehr als die Age-Gap-Lovestory. Viel Raum nimmt zum Beispiel auch eine Me too-Problematik in der Filmfirma, in der Nina arbeitet ein, ebenso wie das Hausfrauendasein von Ninas Schwester Lena und weitere Familienthemen.
Wirklich aus dem Leben gegriffen waren für mich Ninas Kinder, die die Handlungen ihres Vaters ohne weiteres akzeptieren, Nina ob ihres Interesse an einem jüngeren Mann aber regelrecht beschämen und abkanzeln. Oft legt Anika Decker den Finger gekonnt in die Wunde, z. B. als Nina auf Tinder von einem einzigen gleichaltrigen Mann ein Like bekommt, trotz ihres guten Aussehens ein so seltenes Ereignis, das es von Nina und ihrer Freundin sogar bejubelt wird.
Mich hat es begeistert, dass hier zahlreiche Missstände angesprochen werden und das Lesen dann gleichzeitig noch so viel Spaß machte. Teilweise habe ich förmlich an den Seiten geklebt. Nur schade, dass das Ende dann doch so überzuckert und übertrieben daherkam, das es für mich nicht recht zur übrigen Story passen wollte.
Schenk mir Glück
Die Magnolienkatzen von Noriko Morishita
"Für ein Lebewesen zu sorgen hieß auch eines Tages Abschied zu nehmen. Als würde das ganze Glück, das man einst verspürt hatte, auf einmal mit einer Welle der Trauer vergolten werden, mit Zinsen obendrauf."
Noriko und ihre Familie sehen sich eher als Hundefreunde. Doch nachdem sie die klaffende Leere kennengelernt haben, die der Tod eines Haustiers hinterlässt, haben sie vor langer Zeit beschlossen, ihr Leben nicht mehr mit Tieren zu teilen.
Noriko hat in der Liebe kein dauerhaftes Glück gefunden, wollte nie Kinder, ist nun über 50 und als Schriftstellerin in einer Schaffenskrise. Nach dem Tod ihres Vaters zieht sie wieder zu ihrer Mutter in ein Haus in Yokohama. Dort wo ihr Vater zu Norikos Geburt einst eine Magnolie pflanzte, wirft eine Streunerkatze fünf Kitten, kurz nachdem Noriko in einem Schrein um Glück gebeten hat.
Zunächst hofft Noriko, die Katzen gingen sie nichts an. Doch nachdem auch der Tierschutz aus Kapazitätsgründen nicht helfen kann, kümmern sich Noriko und ihre Mutter um die sechs Katzen. Und schon bald heißt die Mutterkatze Mimi und Norikos Welt ist nicht mehr die gleiche, denn sie erkennt, jede Katze ist eben so einzigartig wie unersetzlich...
Leider gibt es kein Nachwort, aber da die Autorin ebenfalls Noriko heißt, handelt es sich vermutlich um eigene Erlebnisse. Es ist eine kleine, feine Geschichte, die man an nur einem Nachmittag lesen kann und die mich trotzdem sehr berührt hat. Sehr hübsch sind auch die Abbildungen der Katzen im Innenteil, die an Tuschezeichnungen erinnern.
"Ich fühlte mich, als würden in meinem Haus lauter Blumen blühen."
Wieviel die Verbindung zu Katzen verändern kann, beschreibt die Autorin auf beeindruckende Weise. Wir begleiten sie vor allem durch das erste Jahr nach der Geburt der Kitten und darüber hinaus. Tierfreunde können das Buch unbesorgt lesen. Den Verlust geliebter Tiere muss man hier, außer bei der Rückschau in die Kindheit, nicht befürchten. Genau das macht ja sonst Tierbücher ausgerechnet für Tierfreunde oft schlecht lesbar. Es ist hier eher lustig mitzuerleben, wie im Umfeld von Noriko eine wahre Katzenmanie rund um die Kitten ausbricht und auch Norikos Mutter ihre Einstellung zu Katzen komplett zum Positiven verändert.
"Menschen, die Katzen nicht mögen, sind bloß Menschen, die noch nie eine hatten."
Vor allem wer dies mit Katzen auf dem Schoß liest, kann dem nur von Herzen zustimmen.
Magie hat ihren eigenen Kopf
Geheimnisse des Nil, Band 1 - What the River Knows von Isabel Ibañez
"Aber all die schon gewirkte Magie, dieses unfassbare Etwas, war ja in der Welt, war tief in der Erde oder in Seen und Meere eingesunken. Sie haftete an Gegenständen und manchmal sprang sie auch über... Magie hat ihren eigenen Kopf... Begreiflicherweise kaufen die Leute nicht gerne etwas, dem womöglich noch ein alter Zauber anhaftet.
Am Ende erwischt man noch eine Teekanne, die Neid zusammenbraut oder einen kratzbürstigen Geist heraufbeschwört."
Das kleine, feine Magiekonzept in diesem Buch hat mich wirklich begeistert. Teekannen voller Neid oder auch bissige Bücher - davon hätte ich gern noch viel mehr gelesen. Aber letztendlich wollte die Autorin eine historische Romanze schreiben und das ist ihr auch gelungen.
Inez Oliveira hat ihre Eltern immer nur die Hälfte des Jahres bei sich in Buenes Aires. Den Rest der Zeit verbringen sie in Ägypten bei Ausgrabungen. Als sie auf rätselhafte Weise ums Leben kommen, reist Inez kurzentschlossen allein nach Ägypten zu ihrem Onkel Ricardo. Dort gibt ihr nicht nur der verwegen gutaussehende Engländer Whitford Hayes Rätsel auf, sondern auch ihr Onkel selbst. Ist er etwa in den Tod ihrer Eltern verwickelt?
Der Roman, der 1884 spielt, atmet ägyptische Geschichte, Schatzsuchervibes und lebt natürlich auch von der Anziehung zwischen Inez und Whit. Dazu gibt es vor allem zum Ende hin einige überraschende Wendungen, die umso neugieriger auf den zweiten Teil machen. Der wunderschöne Farbschnitt wird sich darauf wahrscheinlich fortsetzen. Den Großteil der Geschichte über ist die Atmosphäre ziemlich cosy. Über die zunehmende Gewalt im letzten Teil war ich daher etwas verblüfft. Spannender wurde es damit aber allemal!
Welt ohne Leid
Der letzte Mord am Ende der Welt von Stuart Turton
"So wie Niema redet, klingt es, als wären ihre Träume Fische, die ihr bereitwillig ins Netz schwimmen. Aber die Gewässer, mit denen sie es zu tun hat, sind äußerst trüb und bergen sehr viel schlimmere Gefahren, als sie zu erkennen vermag."
Ein leuchtender Nebel hat die Apokalypse gebracht.
Nur auf einer griechischen Insel gibt es hinter einem Abwehrmechanismus, aufrecht gehalten von drei Wissenschaftlern, noch menschliches Leben. Als Ältere leiten sie die Dorfbewohner an. Doch schon bald spürt man, dass die Älteren und die Dorfbewohner sich sehr unterscheiden. Und wer erzählt eigentlich diese Geschichte und kennt jeden Gedanken der Inselbewohner? Dann geschieht ein Mord, und niemand hat mehr Erinnerungen an die Nacht der Tat...
Stuart Turton schafft es, mit jedem Buch nicht nur, einen spannenden Krimi zu liefern, sondern auch ein grundverschiedenes Setting. Diesmal integriert er Science Fiction Elemente. Dorfbewohnerin Emory steht bei ihren Ermittlungen unter hohem Zeitdruck: Gelingt es ihr nicht, den Mordfall rechtzeitig aufzuklären, wird der giftige Nebel auch die Insel verschlingen. Emory sieht sich einem wahren Gespinst an Rätseln und Spuren gegenüber. Turton überbietet sich selbst mit immer neuen Finten und Wendungen, was die Story sehr fesselnd macht, aber leider auch zu Lasten der Tiefe der Protagonisten geht. Diese fand ich in seinem "Der Tod und das dunkle Meer" tatsächlich gelungener. Dennoch hat sich Turton ein weiteres Mal als Garant für einzigartige Krimikost erwiesen, die der Verlag diesmal mit Farbschnitt besonders schön verpackt hat.
Wo Gespenster und Märchen wandeln
Tinte, Staub und Schatten: Das Buch der Verlorenen von Alina Metz
"Es ist ein Welt aus Tinte, Staub und Schatten... Hier unten gibt es nur Stille. Und die Bücher, die sich in ihrer stummen Sprache Geheimnisse zuflüstern. Tausende, Abertausende von ihnen sind an diesem Ort versammelt und träumen im Dämmerlicht vor sich hin, aneinandergedrängt auf ihren Regalbrettern.
"
Willkommen im Bücherlabyrinth, inmitten von Memento-Mori-Pilzen, Carpe-Diem-Schwämmen, lebenden Staubflusen, Bücherwürmern und Zeitungsschlangen, wo nicht nur Schattenweber lauern, sondern auch der Schlund die Büchersucher in Gefahr bringt.
Minna beginnt eine Büchersucher-Lehre, wie einst ihre Mutter, im Antiquariat von Raban Krull, gemeinsam mit dessen Sohn Gulliver und dem androgynen Jascha. Minnas Mutter verschwand einst im Bücherlabyrinth. Schon bald findet Minna heraus, dass es eine Möglichkeit gibt, ihre Mutter wiederzufinden. Und wie so oft, liegt die Antwort in Büchern...
Die Story funkelt nur so vor kreativen Ideen und wunderbaren literarischen Anspielungen. Letzteres beginnt schon bei den Nachnamen wie Mörike und Krull. Der Zielgruppe, Kindern ab 11, dürften sie noch gar nicht geläufig sein, das ist aber auch nicht unbedingt notwendig. Für Erwachsene bietet das einen schönen Mehwert. Das Bücherlabyrinth wird sehr atmosphärisch dargestellt. Warum die Büchersucher dort trotz aller Gefahren unterwegs sind, könnte ebenso wie die Tiefe der Protagonisten im Band 2 noch besser ausgearbeitet werden. Sehr hübsch sind die märchenbuchartigen Verzierungen an den unteren Ecken der Seiten und die angenehme Zeitlosigkeit der Geschichte. Trotz der Angabe, dass die Story in der Gegenwart angesiedelt ist, gibt es beispielsweise keine Smartphones.
Sag mir was Chricklers sind
Sweet Nightmare von Tracy Wolff
An der Optik des Buches in der Farbschnittausgabe kommt man kaum vorbei. Auch die Grundidee fand ich sehr anziehend: Eine Akademie auf einer Insel, in der magiebegabte Schüler untergebracht werden, wenn sie ihre Kräfte missbraucht haben. Diese werden ihnen dann für die Dauer der Schulzeit genommen.
Außerdem gibt es ein paar originelle Protagonisten wie den Traumdämon Jude als love interest der Hauptfigur Clementine und eine Fae-Mafia. So ungewöhnlich hätte es gern weitergehen können.
Leider liefert Tracy Wolff über weite Strecken konventionelle Teenagerkost im Stil von "Liebe mich nicht" und dem Kuss-und-weg-Spiel. Ein Worldbuilding gibt es nicht mal ansatzweise, dabei hätte man auf der Grundlage der Story daraus unglaublich viel machen können. Der Bitte "Sag mir, was Chricklers sind", kann ich mich nur anschließen. Die Monster, die in der Menagerie gehalten werden, bekommen nahezu keine Beschreibung, so dass keine wirklichen Bilder im Kopf entstehen. Darunter litt auch die düstere Stimmung, auf die ich mich gefreut hatte.
Über weite Strecken der Handlung hat man das Gefühl, dass ein schnell runtergeschriebenes Ereignis das nächste jagt, obwohl eigentlich nicht viel passiert, während ein Sturm über die Insel jagt, Clementine, Jude und ihre Mitschüler Aufgaben erledigen, Partyspiele machen und Geheimnisse verbergen. Erst im letzten Drittel konnte die Geschichte mein Interesse wieder richtig fesseln.
Drachenwandeln
When Women were Dragons – Unterdrückt. Entfesselt. Wiedergeboren: Eine feurige, feministische Fabel für Fans von Die Unbändigen | Limitierte Collector’s Edition mit Farbschnitt, Lesebändchen und Miniprint von Kelly Barnhill
"Ich war vier Jahre alt, als ich das erste Mal eine Drachin sah, als ich lernte, über Drachinnen zu schweigen. Vielleicht lernen wir so die Bedeutung des Schweigens - ein Fehlen von Worten, ein Fehlen von Zusammenhängen: ein Loch im Universum, wo die Wahrheit sein sollte."
In den Fünfziger Jahren brechen Hundertausende von Frauen aus der herkömmlichen, einengenden Frauenrolle aus: Sie verwandeln sich buchstäblich in Drachinnen und verlassen ihre Familien.
Darunter ist auch Marla, die Tante der jungen Alex Green, die später schon als Teenager Marlas Tochter Beatrice allein großziehen muss. Beatrice wird zu ihrem Lebensinhalt, doch auch Beatrice zeigt immer wieder Ansätze sich zu wandeln....
Ich bin immer auf der Suche nach ungewöhnlichen Geschichten und habe hier eine gefunden. Wegen des Drachenmotivs sollte man aber keine herkömmliche Fantasy erwarten. Kelly Barnhill benutzt das Motiv, um eine Story über Trauma, Scham, Schweigen und weibliche Wut zu erzählen. Alex' Geschichte berührt und fesselt, auch wenn es mich irritiert hat, dass die Drachinnen allzu menschlich bleiben und trotz ihrer Tatzen und riesigen Gestalt filigrane Handarbeiten schaffen, Auto fahren und Lippenstift benutzen. Das hätte man sicher auch passender konstruieren können. Auch ein paar mehr Graustufen hätten mir sehr gefallen. Liebe und positive Gefühle gibt es beispielsweise ausschließlich zwischen Frauen.
Kelly Barnhill bezeichnet ihren Roman als ein verrücktes Buch. Für mich war es lesenswert, überraschend und nachhallend.











