Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Sago:
Vexierspiel
Bestie von Joana June
“Ich habe es immer geliebt, wie Worte nichts in alles verwandeln können. Niemand in Jemanden. Ich werde mich beenden. Und dann neu erschaffen”.
Delia wird zu Lilly, um bei der bekannten Influencerin Anouk einziehen zu können. Mit dieser neugeschaffenen Persona hofft sie, mithalten zu können und einen Weg als Autorin zu finden.
Als es zu einem Missverständnis bezüglich Lillys Vater kommt, hofft Anouk ihrerseits, von Lillys angeblichen Kontakten profitieren können. Doch was mit dem Tanz um Äußerlichkeiten und Oberflächlichkeit beginnt, wird bald zu einem nicht nur literarischen Vexierspiel, bei dem die Grenzen zwischen den beiden Frauen, zwischen der Persönlichkeit Lilly/Delia, ja selbst zwischen Wirklichkeit und Fantasie zu verschwimmen scheinen.
Der Roman ist thematisch und stilistisch wunderbar vielfältig. Es geht um Social Media, Selbstzweifel und -findung, Freundschaft, Liebe, Female Rage und noch so viel mehr. Eingebaut werden traumartige oder auch szenische Sequenzen, die den Roman auf faszinierende Weise experimentell erscheinen lassen.
Der bildhafte, für ein Debüt sehr ausgereift erscheinende Stil hat mich den Text mit etlichen Klebezetteln versehen lassen. Denn auch wenn Leserinnen zu einer ganz anderen Generation gehören, werden sie sich in etlichen Zitaten wiederfinden.
„Die offene See ist weiblich, so wie die Bestien, die aus ihr entspringen. Sirenen, Skylla, Charybdis. Und jede die von Männern, die sich Götter nennen, auf Inseln verbannt werden. Kalypso, Circe, Medusa. Ich halte und spüre die Wut. Sie ist nicht mehr nur meine eigene. Sie ist so viel mehr als das.“
Unlicht
Katzen, die wir auf unserem Weg trafen von Nadia Mikail
"Sie dachte an Feuer und Rauch, an Wellen und daran, wie die Erde zerbarst und sich verzweifelt bewegte. Sie dachte über Unlicht nach. Sie war wütend, so, so wütend."
Der 17jährigen Aisha und ihrem Freund Walter bleiben weniger als ein Jahr bis zum Ende der Welt. Dann wird ein Meteorit die Erde treffen.
Doch selbst angesichts dieser drohenden Apokalypse stehen für Menschen ihre privaten Tragödien im Vordergrund, vielleicht umso drängender. Vor Jahren hat Aishas ältere Schwester June die Familie spurlos verlassen. Kann es noch ein Wiedersehen geben?
Durch den Titel spielt das Buch unwillkürlich mit den Erwartungen von Katzenfreunden, dass man hier auf einige Katzenpersönlichkeiten treffen wird. Vor jedem Kapitel präsentiert sich auch eine hübsche Zeichnung von Flohsack, dem Streunerkater, der Aisha und ihre Mitreisenden auf der Suche nach June begleitet. Diese Bilder finden sich auch in der hinteren Innenklappe, was wirklich sehr hübsch gestaltet ist. Leider bleibt Flohsack aber die einzige Katze und spielt nur eine untergeordnete Rolle.
Der Roman konzentriert sich auf Aisha und ihre Familie, die zahlreiche Verluste zu verkraften hat sowie auf ihre wirklich sehr schön geschilderte Beziehung zu dem freundlichen Walter. Und darauf, wie man mit dem Wissen leben soll, dass alle Hoffnungen und Träume bald zu einem absoluten Ende kommen werden. Dass die Geschichte in Malaysia spielt, fällt manchmal verblüffenderweise kaum auf. Angesichts so bedrückender Themen bleibt auf gut 200 Seiten wenig Zeit für Atmosphäre.
Dennoch hat die Autorin eine berührende Geschichte geschaffen und trotz der mangelnden Zukunftsaussichten ein gelungenes Ende.
Wellenkinder
Das Geschenk des Meeres von Julia R. Kelly
"Sie versteht es nicht, kann nicht genau hinsehen, aber hier draußen, am Rand des Nirgendwo, gibt es Geschichten. Und Geheimnisse."
Mit "Das Geschenk des Meeres" hat Julia R. Kelly eine auf tragische Weise wunderschöne Geschichte geschaffen. Sehr atmosphärisch erzählt sie vom schottischen Fischerdorf Skerry im Jahr 1900, in überaus atmosphärischen Bildern, und seinen Bewohnern.
Vor allem von Dorothy, die ihren kleinen Sohn Moses einst an die See verlor, und dem Fischer Joseph. Als eines Winters Joseph einen fremden kleinen Jungen vor dem Ertrinken retten, tauchen alte Geheimnisse an die Oberfläche wie lange versunkene Schiffswracks. Wie kam es damals zu Moses' Tod? Und warum wurden Dorothy und Joseph nie ein Paar trotz ihrer offensichtlichen Zuneigung?
Immer wieder lässt uns die Autorin aus dem winterlichen Setting in die Vergangenheit springen, während sich im ein Panorama um Liebe, Sehnsucht und Verlust entfaltet. Das ist so schmerzlich-schön, dass sich der Roman und seine Protagonisten unwillkürlich ins Herz schleichen. Auf beinahe poetische Weise webt Kelly keltische Legenden in die Story ein, was zur winterlich-märchenhaften Atmosphäre perfekt passt. Joseph und Dorothy sind sympathische, zum Teil sperrige Protagonisten, die nachhallen. Und auf sanfte Weise mahnen, seine Chancen im Leben nicht vorübergehen zu lassen.
Wenn Monster lieben
The Book Eaters von Sunyi Dean
"Jeder ist für irgendjemanden ein Monster."
Ich liebe Geschichten, bei denen ich auch als Vielleserin das Gefühl habe, etwas Derartiges noch nicht gelesen zu haben. Bei den Bookeaters bin ich auf so eine Story gestoßen.
Die geniale Grundidee uralter Familien, die sich von Büchern buchstäblich ernähren und sich so deren Geschichten zu eigen machen, hat mich sofort in ihren Bann gezogen.
Wunderbarerweise handelt es sich dabei auch noch um Dark Fantasy, und so lauern hier tatsächlich einige Untiefen, vor denen sich Lesende, die Fans von Triggerwarnungen sind, möglicherweise in Acht nehmen sollten.
Aber die Aufschrift auf dem Cover "Wie viele Menschen würdest du opfern, um dein Kind zu retten", spricht eigentlich eine deutliche Sprache.
Devon wächst in der von Männern eisern beherrschten Welt der Buchesser auf. Als eine der wenigen weiblichen Buchesser-Nachkommen wird sie zwar als Prinzessin bezeichnet, soll aber in arrangierten Ehen den Fortbestand der Buchesser sichern. Doch ihr Sohn Cai zeigt schnell ein viel dunkleres Interesse. Denn statt Büchern verschlingt er Gedanken....
Mich hat die düstere Welt der Buchesser wirklich begeistert. Die Autorin schreibt bildhaft und tiefgründig, so dass ich mich in der Handlung wunderbar verlieren konnte. Etwas schade fand ich nur, dass das Buch auf den Trend aufspringt, die herkömmliche Verbindung von Männern und Frauen ausschließlich negativ darzustellen und andere Orientierungen ausschließlich positiv.
Das Ende war recht offen gehalten und lässt viel Raum für eine spannende Fortsetzung, die ich unbedingt lesen würde. Ohne einen nächsten Teil würden mir persönlich manche Erzählstränge etwas zu sehr in der Luft hängen bleiben. Ich bleibe gespannt.
So sollte Romantasy sein
Heartless Hunter. Der rote Nachtfalter, Band 1 von Kristen Ciccarelli
Endlich einmal eine Romantasy, die mich zum Mitfiebern gebracht hat. Mit wunderbar düsteren Einsprengseln, einem überzeugenden, kreativen Magiesystem und Protagonisten, an die man noch lange denken wird, anstatt sich schon beim Warten auf den zweiten Teil zu fragen, um wen es im ersten überhaupt ging.
Rune ist insgeheim der geheimnisvolle Rote Nachfalter. Sie rettet Hexen aus den Fängen der Blutwache, mit deren Hilfe der Kommandant jede Magie unterdrücken will. Um eine gefangene Hexe zu befreien, muss sie ausgerechnet ein Mitglied der Blutwache näher kennenlernen und aushorchen. Gideon ist nicht nur Hexenjäger und überraschend attraktiv, sondern auch der Bruder von Runes besten Freund Alex. Und er hat mit Hexen noch eine besonders persönliche Rechnung offen...
Rune und Gideon haben mir gefallen wie noch kein Romantasy Paar bisher. Endlich ein Love Interest, der die Potagonstin nicht ständig gängelt und herumschleppt oder seltsam knurrt. Stattdessen ist er ein gebrochener Held mit Tiefgang und Rune eine toughe, selbstlose Rebellin. Durch Gideons sympathischen Bruder Alex gibt es ein interessantes Liebesdreieck. Die Autorin arbeitet bei der Darstellung der Magie mit fantasievollen Graustufen und versteht es insgesamt zu überraschen. Gerne viel mehr davon!
Katzengold
Die Bucht von Liz Webb
"Man sollte wirklich nie glauben, dass es nicht noch schlimmer kommen kann. Selbst wenn man ganz unten ist, gibt es immer noch eine Falltür."
Auf der fiktiven schottischen Insel Langer ist der von Katzengold durchzogene Schiefer allgegenwärtig. Katzengold ist geschaffen, Menschen zu täuschen.
Und auch auch auf Langer und bei seiner Bevölkerung ist vieles ganz anders als es scheint....
Nancy möchte mit ihrem Freund Calder auf Langer ein neues Leben beginnen. Die beiden ziehen in das Haus von Calders verstorbener Mutter. Nancy verbirgt etwas vor Calder und auch der erhoffte Nachwuchs will sich nicht einstellen. Als Calder mit Herzstillstand im Wasser treibend gefunden wird, scheint alles vorbei. Wie durch ein Wunder kann Calder gerettet werden. Doch er scheint vollkommen verändert, passend zur Bedeutung seines Namens: "dunkle Wasser"...
Liz Webb zündet ein wahres Feuerwerk an Ideen, Wendungen und Ereignissen, die sich zeitweise überstürzen. Das ist manchmal fast zu viel und dennoch unglaublich spannend. Zudem wird Langer wunderbar atmosphärisch geschildert und ergänzt perfekt die düsteren Geheimnisse der Insulaner. Einen Teil der Auflösung habe ich zwar irgendwann vorausgeahnt, das hat meine Faszination aber überhaupt nicht beeinträchtigt. Schon während des Lesens habe ich beschlossen, mir ein weiteres Buch der Autorin zu besorgen.
Elementarmagie
The Wind Weaver von Julie Johnson
"Jetzt ist alles egal, Rhya. Morgen früh bist du nur noch ein Häuflein Asche."
Die Story beginnt spannend, als Rhya, die zu Hälfte Fae ist, gefangen genommen wird. Doch ein geheimnisvoller Kommandant befreit sie. Weder er noch Rhya sind was sie scheinen, doch beide verfügen über gewaltige magische Kräfte.
..
Ich muss sagen, dass sich die Geschichte im Laufe des Buches immer mehr gezogen hat. Es liegt eben insgesamt mehr Fokus auf den Romantasy Vibes als auf einer unverwechselbaren Handlung. Rhya und ihr love interest Penn haben mich als Protagonisten nicht so richtig mitfiebern lassen. Rhya lässt sich von Penn trotz ihrer Kräfte mitschleifen, in einem Turm zwischenparken und beaufsichtigen. Das sich andeutende Liebesdreieck war so vorsichtig, dass man es auch gut hätte einsparen können. Ich bin nicht sicher, ob ich mich noch detailliert an die Handlung werde erinnern können, wenn der nächste Teil erscheint, da es zu wenig markante Abweichungen von ähnlichen Plots gab.
Auf der Suche nach Antworten
The Last One - Schicksalsberührt (Band 1) von Rachel Howzell Hall
"Aber während ich zudrücke, flackert irgendetwas, vielleicht eine Erinnerung, in meinem Hinterkopf auf. Irgendjemand irgendwo hat mir einmal gesagt, dass ich zu schnell handle, zu schnell urteile, zu ungeduldig bin, um die besten Entscheidungen zu treffen, dass ich sorgfältiger über die Konsequenzen nachdenken muss.
"
Kai erwacht orientierungslos in einer fremd erscheinenden Welt. Selbst ihren Namen und Worte muss sie erst wiederfinden. Als ihr eine Diebin auch noch ihre Kleidung und ihr Amulett stiehlt, verschlägt es sie in das von Krankheit und Verfall gezeichnete, feindselige Dorf Maford. Ausgerechnet die Diebin und ihr Bruder, der äußerst attraktive Schmied Jadon, nehmen sie auf. Auf der Suche nach Antworten warten auf Kai nicht nur Überraschungen, sondern auch jede Menge Gewalt...
Das Buch barg für mich Licht und Schatten. Zu Beginn zog mich die düstere Schilderung des Settings in seinen Bann. Andererseits fand ich die Ursache, warum Kai in Maford festgehalten wird, arg konstruiert und der Aufenthalt im müffelnden Maford zog sich recht lang hin. Die Suche nach Kais Identität hat mich gefesselt, aber weder Kai selbst noch Jadon oder die beiden als Paar konnten mich berühren. Zum Ende hin wurde es noch einmal spannend als Überleitung zum zweiten Teil der Dilogie. Insgesamt wieder einmal ein Buch, dessen Inhalt nicht ganz mit der Individualität des wunderschönen Farbschnitts mithalten kann.
Vom Schmerz berauscht
Dark Labyrinth - Gefährliches Verlangen von AdriAnne May
"Zusammen bilden wir eine andere Gestalt, die über die Begrenzungen unserer selbst hinausgeht. Wir benutzen unsere Körper, um zu formen, was zwischen uns besteht."
Sadare und Daesra, Hexe und Dämon, erwachen in einem Labyrinth. Auf dem Weg hinaus sind sie eher Gegner als Verbündete.
Zudem verfügt nur Daesra noch über seine Erinnerungen. Und natürlich gehört zu dem Labyrinth auch ein Monster...
Der Auftakt, in dem Sadare versucht, sich zurecht zu finden und sich dem verführerischen, gehörnten Daesra gegenüber sieht, hat mich schnell in seinen Bann gezogen. Der Rest der Story glich dann einem Wechselbad der Gefühle und wird zwangsläufig polarisieren. Denn Sadare ist berauscht von Schmerz und Erniedrigung. Ich persönlich möchte nicht lesen, wie eine Frau einen Mann um Schläge anbettelt und mache normalerweise um solche Bücher einen großen Bogen. Immerhin hat die Autorin diese Vorliebe raffiniert in die Geschichte integriert.
Die Atmosphäre ist fast kammerspielartig, da es kaum Nebenfiguren gibt. Die beiden einzigen sind allerdings wunderbar skurril.
Während Sadare ihre Erinnerungen wiederentdeckt, wird so viel geredet, dass man sich in einem französischen Film wähnt. Immerhin ist das Ende so überraschend und innovativ, dass es über manches hinwegtröstet. Da Frauen aber ohnehin so oft dass Nachsehen haben, wünsche ich mir stattdessen Bücher, in denen sie die Oberhand haben.
Das Herz des Neumondfluchs
Dreams Lie Beneath von Rebecca Ross
"Ich fragte mich, ob man ein Monster werden musste, um den Fluch zu brechen."
Rebecca Ross hat hier ein wunderbar düsteres Märchen geschaffen, um einen rätselhaften Fluch, der im Reich Azenor zu jedem Neumond Alpträume buchstäblich wahr werden lässt.
Clementine und ihr Vater sind Hüter, die im Ort Hereswith die Alpträume bekämpfen.
Doch eines Tages werden sie von zwei jungen Männern herausgefordert und verlieren ihr Territorium an sie. Die Familie muss sogar ihr Zuhause verlassen. Clementine will sich rächen und schleicht sich bei Herausforderer Phelan unter einem Zauber als neue Partnerin ein.Doch Phelan ist ganz anders als erwartet und schon bald kommen immer mehr Geheimnisse ans Licht...
Als Vielleserin bin ich nicht mehr leicht zu überraschen, aber Rebecca Ross ist es ein ums andere Mal gelungen. Auch die verträumt-märchenhafte Atmosphäre und die bildhafte Sprache haben mir ausnehmend gut gefallen. Die Liebesgeschichte zwischen Phelan und Clementine ist angenehm zurückhaltend gestaltet, ohne die üblichen Romantasyklischees, was ich wirklich sehr angenehm fand. Zudem ist das Buch so hübsch gestaltet, dass schon das in die Hand Nehmen allein eine Freude war.











