Kunden em pfehlungen
Rezensionen von Emmmbeee:
Dieses Buch - ein Geschenk!
Frau Elises Stand der kleinen Weihnachtswunder von Vanessa Göcking
An einem Verkaufsstand mit einer selbst erzählten Geschichte bezahlen, was für eine gute Idee! Nicht nur, dass die Fülle der ganz unterschiedlichen Storys höchst interessant und abwechslungsreich ist. Wir werden mit so vielen menschlichen Aspekten, Zweifeln, Sehn-süchten, mit der ganzen Facette menschlichen Seins konfrontiert.
Sehr berührend!
In den geschilderten Situationen, Sorgen und Nöten, aber auch Freuden der Kunden von Frau Elise erkennt wohl jeder von uns einiges, was ihr oder ihm bekannt ist.
Zwischen den 24 (natürlich!) Kapiteln stehen Sinnsprüche, die den Inhalt der Erzählungen ergänzen. Mitten drin ein halbtransparentes, farbiges Bild von einem Weihnachtsbaum.
Die Länge der Geschichten ist auch für solche Leser geeignet, deren Augen nicht mehr so gut sind und die schnell ermüden. Ich denke dabei an Senioren und Lese-Ungewohnte.
Der Schreibstil ist geradezu haptisch und spricht die Sinne an.
Als ich das soeben angekommene Buchpaket öffnete, habe ich zuerst einmal gestaunt. Nicht nur, dass dieses Kleinod von Roman bereits in zartes Weihnachtspapier vorverpackt war. Da lagen auch noch ein Begrüßungsfolder, eine Glückwunschkarte, ein passendes Lesezeichen, nicht zuletzt ein Bierdeckel mit Motiven aus dem Buch und sogar noch ein Adventkalender zum Aufstellen.
Auch innerhalb des Schutzumschlages sind die beiden Buchdeckel illustriert. Und was ich so noch nie gesehen habe: der Schnitt ist nicht nur farbig, sondern auch noch weihnacht-lich gemustert. Das grüne Lesebändchen sorgt für vollendeten Lesegenuß. Wahrlich ein Geschenk für alle Menschen, die uns lieb sind.
Freundschaft auf dem Prüfstand
Die Regenschwimmerin von Romy Fölck
Zwei deutsche Frauen, Judith und Evelin, kehren nach langer Zeit auf eine schwedische Insel zurück, wo sie sich im Mädchenalter in den Ferien oft getroffen und sehr gut verstanden haben. Doch dann gab es Misstöne und Zerwürfnisse – und einige Jahrzehnte ohne jeden Kontakt. Aus unterschiedlichen Gründen sind nun beide wieder auf die Insel zurückgekehrt und laufen sich notgedrungen auch über den Weg.
Zwei weitere Frauen, die hier leben und mit denen das frühere Leben von Judith und Evelin verknüpft ist: Marga, die am liebsten bei Regen im nahen Mälarensee schwimmt, und die Schwedin Tuva, in deren Gästehaus Judith wohnen kann.
Doch es bleibt nicht bei diesen Frauen, da sind auch noch einige andere Insulaner und nicht zuletzt insgesamt drei unerwartete Herrenbesuche. Mehr und mehr Personen sind in die Handlung verstrickt, und es greift vieles ineinander wie ein wärmendes Gewebe. Missverständnisse klären sich allmählich auf, verloren gegangenes Vertrauen wird langsam wieder gewonnen.
Mir haben die meisten der Figuren gut gefallen, gerade weil es keine Helden sind, eher das Gegenteil. Jeder trägt ein schweres Paket auf dem Rücken, sei es eine alte Schuld, ein großer Verlust oder ein noch neuer Schicksalsschlag. Romy Fölck hat sie allesamt sehr deutlich und farbig gezeichnet. Der Sprachstil der Autorin hat mir schon in einem früher gelesenen Roman sehr gefallen. Mir ist so manche Szene nahe gegangen, gerade weil sie mitten aus dem Leben gegriffen ist und wohl fast jeder von uns kennt.
Die Sichtweise wechselt häufig zwischen Evelin, Judith und Marga und sorgt durch einen geschickten Abbruch für erhöhte Spannung. Als Schlusspunkt nach den Kapiteln sind passende Sprichwörter und Weisheiten auf Schwedisch und Deutsch angeführt. So zum Beispiel: „Alten Hunden kann man nicht beibringen zu sitzen.“
Eine gute Lektüre für lange Abende, und ich empfehle das Buch gern weiter.
Familie und Vergangenheit
Der Abend der Seelen von Maria Laura Berlinguer
Hier greifen zwei Liebesgeschichten innerhalb einer Familie ineinander, und immer spielen Kultgegenstände aus der Nuraghenkultur eine große Rolle, Zeremonien, Riten, Geheimnisse, alles in der Zeit um Allerheiligen. Dann nämlich sollen die Seelen der Vorfahren eine Tür zu den Lebenden öffnen, ihnen raten und womöglich helfend zur Seite stehen.
Beim Lesen der ersten Seiten betritt man zwar mit dem Jahr 2022 die Gegenwart, befindet sich aber schon mitten in der Vergangenheit, in einer fremden, archaischen Welt. Der Leser befindet sich auf einer Mittelmeerinsel, die sich noch kaum dem breiten Tourismus erschlossen hat und auf der sich die Uhrzeiger langsamer drehen als zum Beispiel einige Kilometer weiter auf Capri. Einerseits spürt man die träge Hitze auf dem Land, andrerseits überkommt einem ein Frösteln, denn sogleich führt der Erzählstrom zu den Toten und zum Aberglauben.
Zwei Zeitebenen: Oktober 2022 und Oktober 1899, jeweils in Padria. Hier geht es sowohl um die Geschichte einer Familie als auch um historische, teils streng gehütete Forschungsergebnisse und Geheimnisse, um plötzlich verschwundene Frauen und unerfüllte Liebe. Intrigen werden geschmiedet, listige Beseitigungen sind geplant.
Die Autorin schildert die Umwelt sehr stimmungsvoll, vom Haus und seinen Räumen erzählt sie mit besonderer Spannung, die eben das erwähnte Frösteln hervorruft. Die Personen sind teils mit weichem Stift, teils mit strengen Linien gezeichnet. Anfangs gewinnt Iride die Sympathien, später immer mehr auch andere Protagonisten, sogar ein gefürchteter Banditenanführer.
Ich habe allerdings ein Vokabularium vermisst, denn es scheinen viele sardische Ausdrücke und historische Bezeichnungen auf, die nie erklärt werden, aber häufig vorkommen und wohl für die meisten Leser unverständlich bleiben. Grad als ob den Lesern ein Teil der Kenntnisse vorenthalten bleiben sollte, was durchaus zur geheimnisumwitterten Handlung passen würde. Ich empfehle den Roman vor allem solchen Lesern, die sich für alte Kulturen und die Insel Sardinien interessieren.
Eine sehr reelle Liebe
Herz König von Lily King
Hier geht es (grob umrissen) um Studenten, die sich auf dem Campus begegnen, miteinander im Studium zu tun haben, zusammenwohnen und sich näherkommen. Es ist eine Liebesgeschichte über mehrere Jahrzehnte hinweg, ein voneinander Wegdriften und wieder Zusammenfinden, um tiefe Einschnitte, um ein großes Stück der jeweiligen Lebensläufe.
Eigentlich sind es mehrere verschiedene Liebesgeschichten bzw. Stationen einer liebenden Frau namens Jordan, wobei der rote Faden manchmal nur als Erinnerung besteht. Das klingt kompliziert, und da zwei der Liebespartner seit Beginn der Handlung enge Freunde sind, ist nicht immer klar, welches denn nun der Herz König ist. Den Titel hat der Roman auch vom Kartenspiel „Sir Hincomb Funnibuster“, den die Erzählerin mit ihren beiden ersten Liebespartnern Sam und Yash spielt.
Eigentlich ist alles so wie im richtigen Leben, da läuft längst nicht alles nach Wunsch, und selten gibt es ein Happy End.
Im letzten Teil, der beim sterbenden Yash im Krankenhaus stattfindet, musste ich ein paarmal heftig schlucken. Das war sehr berührend. Traurig haben mich auch die Passagen zu Jordans schwerkrankem Sohn Jack gestimmt. Die zweite Romanhälfte ist insgesamt sehr bedrückend.
Aber manchmal führte der Text zu ausufernden Dialogen, zu nervenden Längen, sodass ich oft die Geduld verloren und quergelesen habe. Es fiel mir über weite Strecken schwer, aufmerksam zu bleiben. Vielleicht habe ich deshalb nicht alles verstanden und den Zugang kaum gefunden. Aber dass ich die meisten der literarischen Anspielungen identifizieren konnte, hat mich doch gefreut.
Das Cover vermittelt einen zutiefst melancholischen Eindruck von Liebeskummer, also durchaus passend zum Inhalt. Insgesamt war ich allerdings ein wenig enttäuscht, da mich der Roman an keiner Stelle so richtig zu fesseln vermochte und ich das Buch am Ende gern zugeklappt habe. Tut mir leid.
Selbstständig oder Sicherheit?
Die zweitgrößte Liebe von Ruth-Maria Thomas
Sicherheit in der Unsicherheit oder eher Unsicherheit in einer dauerhaften, haltbaren und liebevollen Beziehung, das ist es, was die junge Protagonistin in ihrem Dasein sieht. Denn Michelle traut dem Burgfrieden ihrer Beziehung nicht, je länger diese andauert. Sie fühlt sich zwar wohl bei Henry, der sie zweifellos treu und beständig liebt, ihr ein Leben frei von Existenzängsten bietet, sie heiraten, ihr ermöglichen will, sich ganz ihrer Gold- und Silberschmiedekunst zu widmen.
Doch da funkt ihr immer wieder ein Ur-Misstrauen dazwischen, denn sie ist im Osten Deutschland und in sehr kleinen Verhältnissen aufgewachsen, während Henry im Westen vieles in den Schoß gefallen ist und er sich bisher um nichts Sorgen machen musste.
Dass die beiden Welten wohl nie ganz kompatibel sind, zeigt Michelle schon dadurch, dass sie zwar von ihrer Familie erzählt, Henry aber nie mit ihrem Bruder Maurice zusammenbringen will. Auch scheut sie sofort zurück, als Henry ihr den Verlobungsring überreichen will. Ihr Freund wiederum möchte lange nicht deutlich machen, dass er selbst nicht jeden Cent dreimal umdrehen muss, auch er spürt das Stören seines bisherigen Lebensstandards, des Klassenunterschieds.
Ich kann Michelle gut verstehen, denn auch ich war nie mit Gütern gesegnet und gleichwohl mehrere Jahre meines Lebens mit einem Multimillionär zusammen. Dennoch hätte ich ihr wahrscheinlich dazu geraten, die Sicherheit vorzuziehen, denn das Schicksal bringt noch genug schlimme Überraschungen. Doch ich kann auch ihre Entscheidung gut nachvollziehen, in der Selbständigkeit die Unsicherheit in Kauf zu nehmen.
Es ist bereits der zweite Roman von Ruth-Maria Thomas, und ich mag ihren Schreibstil sehr. Mir gefällt an ihrer Sprache, dass sie mit wenigen Worten Bilder zaubern, eine Atmosphäre schaffen, mehrschichtige Problemsituationen aufzeigen kann. Die beiden Figuren Michelle und Henry waren mir bis zum Schluss sympathisch, auch Henrys Familie und Michelles Bruder. Dennoch blieb beim Lesen immer ein gewisses Bauchweh, ein unbestimmtes negatives Gesamtgefühl. Das kann ich leider nicht besser ausdrücken. Es hat die Spannung erhöht, aber die Lesefreude etwas getrübt. Denn ich wünschte mir so sehr, dass diese Liebesbeziehung hält.
Fast wie beim Jedermann
In die Schweiz von Emma Cline
Eins der größten Sorgen der Menschen von heute: Was ist, wenn „es“ uns trifft? Das Verschwinden unserer Persönlichkeit. Des Menschen, der uns ausmacht, also letztlich die Demenz? Was beim Mann auf dem Coverbild in der Kniegegend angedeutet wird, beginnt im Kopf. Mit genügend Kleingeld kann man bei der entsprechenden Diagnose dem gefürchteten Zustand rechtzeitig durch den Freitod vorbeugen, unter anderem in der eher liberalen Schweiz.
Dann ist der Patient meist auch nicht allein, denn ein Assistant, in diesem Fall Cody, umsorgt ihn. Darauf können die meisten von uns jedoch nicht hoffen.
Was ich damit sagen will: Es kann wie in diesem Fall auch die Reichsten treffen, nur wird für sie gesorgt. Fast könnte man neidisch werden. Um Demenz zu beneiden ist aber weiß Gott niemand. Auch musste ich bei der Lektüre an den „Jedermann“ von Hugo v. Hofmannsthal denken, dem Spiel vom Sterben des reichen Mannes, gerade in der Hotelszene mit der Prostituierten. Nur dass David sein Ende selber wünscht.
Wir erlesen Schritt für Schritt, wie es mit dem Protagonisten geistig abwärts geht, wie sich sein Ich auflöst, wie er von der Lebensorganisation durch seine Umgebung immer abhängiger wird. Und wie sehr ihn quält, dass er seiner Tochter nichts sagen sollte, um den Ablauf nicht zu gefährden.
Um soziale Unterschiede geht es ebenfalls in anderen Bereichen, wie bei Emma Cline in den meisten ihrer Werke. Sie schildert meisterhaft die sich auflösende Welt des Kranken, sein allmähliches Abbrechen in das Nichts. Das wird auch im Narrativ deutlich, wenn David immer wieder unversehens in die Vergangenheit abgleitet.
Selbst in der äußeren Schriftform trägt Emma Cline dem unsteten Geist Rechnung, indem Absätze rasch abgebrochen, die Gedanken abrupt beendet werden. Bei mir hat das bewirkt, dass ich selbst ganz unruhig wurde. An einen gleichmäßigen Lesefluss war nicht zu denken, denn es geht im Zickzack kreuz und quer durch Davids Gedankenwelt und durch die Lebensabschnitte, oft nur in zwei, drei Sätzen, dass ich mich immer wieder neu besinnen musste: In welcher Zeit ist David jetzt wieder?
Emma Cline hat nicht nur zum Thema Demenz gründlich recherchiert, sondern auch die Stadt Zürich gut durchforscht. Dieser Roman dürfte wohl keinen Leser unberührt lassen. Einerseits weil es (wie eingangs erwähnt) mit einiger Wahrscheinlichkeit jeden von uns genauso treffen kann. Andrerseits weil die Autorin sehr packend zu erzählen weiß, auch in jedem ihrer anderen Bücher. Ich würde den Roman allen Lesern empfehlen, welche ihre Augen nicht vor unangenehmen Gedanken verschließen wollen.
"Deine Liebe ist das Schiff..."
Die Flussfrau von Tanja Weber
Eine Frau, deren Leben auf dem Land begonnen hat, verschlägt es aufs Wasser. Dort findet Lis bald zu ihrer wahren Bestimmung und ihrer Liebe, dort trifft sie auf Menschen, die ihr Leben beeinflussen. Mit ihrem Lastkahn transportiert Deutschlands erste Kapitänin verschiedene Lasten und Waren auf den Binnenkanälen, kämpft geschäftlich und privat um ihr Überleben, pflegt im Alter verletzte Tiere gesund.
Sie bietet kurzzeitig auch Menschen in Not Obdach.
Und immer wieder durchziehen die Störche das Geschehen. Sie kommen im Frühjahr, ziehen wieder im Herbst und dürfen auch auf dem Cover fliegen.
Es geschieht nichts Weltbewegendes, und doch muss Lis mit vielem fertig werden. Besonders hartnäckig verfolgt sie der Tod ihres Ehemannes, an dem sie glaubt, nicht ganz unbeteiligt gewesen zu sein.
Mir hat der Erzählstil sehr gefallen, gerade weil die Geschichte so ruhig wie ein Fluss dahinströmt. Doch auch ein Fluss bringt vieles mit sich, auch Unerfreuliches und Gefährliches. Auch die Person der Lis hat mich gleich für sich eingenommen. Ich kann mir gut vorstellen, dass sie in der Schiffsfahrt ihre Freiheit gefunden hat. Auch in mir hat das Lesen viel Ruhe viel Ruhe bewirkt.
Hummerwelten auf Eagle Island
Hummerjahre von Beatrix Gerstberger
Obwohl ich bereits die „Hummerfrauen“ gelesen habe, bin ich in die Fortsetzung der Geschichte nur schwer hineingekommen. Julie, Mina, Ann und Judith mussten in den ersten Kapiteln neu vorgestellt werden, damit die Charaktere wieder vor mir auferstehen konnten. Bei den männlichen Figuren habe ich mir leichter getan, um die Personen wieder zu erkennen.
Der Beginn war also mühsam. Ein Personenregister wäre eine Erleichterung gewesen, zumal z. B. Ann nicht mehr lebt. Auch Carolyn blieb eine ganze Weile fremd für mich. Man sollte die beiden Bände also hintereinander lesen.
Doch danach fließt das Geschehen nur so dahin. Immer wieder Rückblicke, zumal was Ann betrifft, aber besser verständlich. Auf Ellis als einzigem Mann wird genauer eingegangen, was schade ist, denn gerade Sam, sein Leben, seine Entwicklung hätten mich sehr interessiert. Charmant und originell wirkt mittendrin Mr. Darcy im Geschehen mit.
Es geht um vergangene Schuld, schmerzhafte Verluste, Trauer, Zusammenhalt, Mut, aber auch um Durchsetzungskraft, Zugehörigkeit, Existenzkampf, Eigenständigkeit und vor allem um starke Frauen, die sich in einer schwierigen Welt gegen viele Widerstände behaupten können.
Das Narrativ ist sehr plastisch, sinnlich, atmosphärisch, man riecht fast die salzige Seeluft. Ich mag den Schreibstil von Beatrix Gerstberger, er hat mir das geschilderte Stück Land bzw. die Insel Eagle Island sofort nähergebracht, ja ich habe mich regelrecht ebenfalls dorthin gewünscht, aber nicht nur für zwei Urlaubswochen. Das Leben dort ist zwar mühsam, oft karg und nicht selten einsam für die Protagonisten, aber man kann sich bei den Inselbewohnern sehr aufgehoben fühlen.
Was selten ist: Der eigentliche Buchdeckel unter dem Schutzumschlag ist ebenso bedruckt wie das auf den ersten Blick sichtbare Cover, das hat mir sehr gefallen. Am Schluss gibt es eine Karte, auf der ich jedoch die Insel, um die es hauptsächlich geht, vermisst habe, weil sie nicht bezeichnet ist.
Ich hoffe schwer, dass die Autorin uns Leser bald mit weiteren Bänden beschenkt, mit Luca als neuer Haupt-Protagonistin. Das Buch schreit förmlich nach Band 3!
Starker Zusammenhalt
Der Club der Unbeugsamen von Kathryn Stockett
Zwei Frauen erzählen ihre Geschichte, stellverstretend für viele andere Betroffene. Ich dachte zuerst, die beiden hätten nichts miteinander zu tun. Doch nach und nach zeigen sich Querverbindungen, auch zu anderen Hauptpersonen.
Amerika, das sich so gern fortschrittlich und überaus modern gibt, ist in Wahrheit noch weit hinten, was die Menschen, ihre Würde und ihr Recht betrifft.
Stammen sie etwa nicht allesamt von Einwanderern ab? Längst ist es zum Land der begrenzten Möglichkeiten geworden.
Es ist die Zeit der Prohibition, der großen Weltwirtschaftskrise, und es geht um Entschlossenheit, Mut, Zusammenhalt, Festigkeit. Weitere Stichworte wären Freundschaft, Trauer, Verbundenheit, Gemeinsamkeit, Selbstbestimmung und Identität. Birdie, Frances, das Mädchen Meg, Mrs. Tartt und Charlie sind die Charaktere, um die es hauptsächlich geht.
Das harte Leben, besonders für Schwarze und Menschen am Rand der Gesellschaft, prägt während der 1930erjahre den Alltag in Mississippi. Frauen gelten nicht viel, Reiche haben immer mehr das Sagen. Wären da nicht verzweifelte Menschen, die nichts zu verlieren, aber viel zu gewinnen haben, würde die Schere wohl immer weiter auseinanderklaffen, würde das Leben immer noch schwieriger.
Kathryn Stockett verfügt über einen Schreibstil, der begeistert und seine Leser sofort mit sich reißt. Spannung herrscht von Beginn an, erzählt wird plastisch, farbig, fließend, mit Blick aufs Detail. Wichtige, ernste, ja schwierige Themen greift die Autorin auf, doch durch eine unterhaltsame und federleichte Verarbeitung werden sie so behandelt, dass sie nicht allzu schwer „im Magen liegen“. Stockett erzählt in anschaulicher, plastischer Sprache, und gerade in der wörtlichen Rede hat sie aufmerksam den Menschen auf den Mund geschaut.
Das Cover zeigt einen auffliegenden Vogel, der für mich ein Symbol für die Freiheit, aber auch für neue Hoffnung, eine neuartige Lebensform und Selbstvertrauen ist. Sehr passend, finde ich.
Freundschaft in Kriegszeiten
Leuchtende Schatten von Iris Wolff
Hier haben wir Erinnerungen an eine Zeit mitten im Zweiten Weltkrieg, als die Faust des NS-Regimes mit seiner Judenverfolgung zwar über allen involvierten Ländern hing, aber dennoch weniger zupackend war. Anders hätte es nicht sein können, dass Ella, die erzählende Hauptperson aus Siebenbürgen, mit dem jüdischen Mädchen Harriet eng befreundet war.
Zwar wussten es einige Leute, aber Harriet durfte in die Schule gehen. Die Menschen sind sächsische Deutsche, die Männer werden zur Wehrmacht „ins Reich“ einberufen oder melden sich freiwillig, um nicht in einem rumänischen Heer kämpfen zu müssen.
Es geht um Freundschaft und Zuneigung über alle Hindernisse hinweg, aber auch um eine Familie, in der man am liebsten selbst aufgewachsen wäre. Da ist ein Zusammenhalt, eine Stärke, eine Gradlinigkeit, an der andere sich aufrichten können. Es gibt gerade bei einem Krieg, der sich seinem Ende zu bewegt, große Einschränkungen und schmerzhafte Verluste zu beklagen, doch bietet diese Großfamilie sich gegenseitig Trost und Halt.
Ich frage mich, wie weit der Stoff autobiografisch ist. Schon der Name (Elisabeth bzw. Ella, auch Iris ist eine Form davon) legt das nahe. Diese Figur hat sofort meine Sympathie gewonnen. Natürlich auch Harriet mit ihrer zurückhaltenden, aber bald liebevollen und zugewandten Art.
Erzählt wird in einem teils jugendlich-übermütigen und teils wehmütigen Ton. Sofort fand ich mich mitten im Geschehen, als wäre ich unmittelbar dabei. Daran sind die eingestreuten farbigen Details nicht ganz unbeteiligt. Ich habe das Buch regelrecht verschlungen und in zwei Tagen ausgelesen.
Das Cover weist auf die ländliche Umgebung, was eigentlich genügen sollte, und ist in frischen Farben gehalten, mit (trotz allem) positiv stimmenden Kirschen.











