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Kunden em pfehlungen

Rezensionen von Emmmbeee:

Berührend

Trabant von Stefan Sommer

Viele Fragen quälen Georg Himmel, als er sich nach einigen äußerst seltsamen SMS im Corsa seiner Mutter auf den Weg macht, um vorerst zumindest seinen Vater zu suchen. Gerade dient er seinem besten Freund in Istrien als Treuzeuge, als er die – vielleicht irregeleiteten Nachrichten – empfängt.

Ihn überfallen Ängste und Erinnerungen, positive und negative, Sorge um die Ehe seiner Eltern, Vaters Gesundheit. Realität mischt sich mit Vermutungen und Befürchtungen. Welchen Täuschungen ist er in der Vergangenheit unterlegen? Von einer Autobahnraststätte zur nächsten geht es, man könnte das Werk ein Roadmovie quer durch Europa nennen.
À propos Himmel: Der Familienname wurde wohl nicht einfach so vom Autor gewählt, denn der Hauptprotagonist interessiert sich sehr für den nächtlichen Himmel und die sichtbaren Gestirne.
Ich muss gestehen, dass ich lange nicht so recht in den Roman hineinfand. Auch die Spannung baute sich für mich noch nicht von Anfang an auf. Dann jedoch hielt sie mich in Atem. Mir gefällt der Erzählton, die fließende, später stürmisch tosende Sprache bis zum überraschenden Ende. Naja, gar so überraschend ist die Auflösung eigentlich nicht, hat Georg doch bereits geahnt, was der Grund für das Verschwinden des Vaters und die Fröhlichkeit in der Stimme seiner Mutter bedeuten.
Ein ernsthafter Text, tief gehend, der bestimmt seine Leser findet, wenn es auch kaum die breite Masse sein wird. Denn bereits die Covergestaltung lockt nicht gerade die Blicke auf sich.

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Großartig!

Trophäe von Gaea Schoeters

Der Romantitel „Trophäe“ klingt entweder nach dem Jagderfolg in Richtung Frauendessous oder nach der Erlegung von Tieren. In diesem Fall handelt es sich um letzteres. Doch es geht nicht nur um eine Safari mit allem Drum und Dran. Doch der Amerikaner Hunter White ist keiner, der drauflosballert, nur um die „Big Five“ für sich zu vervollständigen.

Selbst dann nicht, wenn das noch fehlende Nashorn genau in seinem Visier steht.
Es geht in diesem Roman von Gaea Schoeters (für den sie mit dem Literaturpreis von Sabam for Culture ausgezeichnet wurde) nicht nur um die Jagd an sich, sondern auch um Tierschutz, Brauchtum der afrikanischen Stämme und Überlebensfragen, sondern um viel mehr. Viele zwischenmenschlichen und ethnischen Themen spielen eine ebenso große Rolle.
Anfangs hatte ich etwas Mühe, in die Handlung hineinzufinden und auch später waren mir etliche Stellen zu ausführlich und langatmig behandelt, sodass ich quergelesen und dennoch lange dafür gebraucht habe. Doch der Schreibstil ist sehr farbig, greifbar, lebendig, spricht die Sinne an.
Das Cover ist eins der besten, die ich in letzter Zeit gesehen habe, und sticht ganz sicher auf dem Büchertisch heraus. Das Buch möchte ich eigentlich allen empfehlen, die gern mit Bedacht und Genuss lesen.

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Neues Leben für vergessene Geschichten

Nachbarn von Diane Oliver

Geschichten aus der Nachbarschaft gibt es wahrlich viele. Wenn wir ein wenig über unsere Umwelt nachdenken, fallen uns bestimmt etliche ein: lustige, empörende, tragische.
Doch Diane Oliver (geb. 1943, gest. 1966) schrieb andere, nämlich solche über Schwarze kurz nach der Zeit der Segregation, als die Rassentrennung noch tief in den Köpfen verwurzelt war.

Weiße Hauptpersonen kommen in keiner positiven Weise darin vor. Und Lustiges auch nicht. Nur Traurigkeit, kaum eine Spur von Hoffnung findet sich in den 14 Stories.
Natürlich, denn sie handeln allesamt davon, wie man die ehemals unterdrückten Sklaven noch immer als solche betrachtete und ihnen das Leben schwermachten. Die einzelnen Charaktere sind sehr plastisch und greifbar beschrieben, die meisten Schritte kann ich nachvollziehen, obwohl ich nicht alles verstanden habe. Aus fast jedem Blickwinkel beleuchtet sie den Alltag der Schwarzen. Meist sind es verlassene Frauen, die sich irgendwie durchschlagen, vielmehr durchschleppen müssen.
Die Lektüre hat mich niedergedrückt, aber gelesen habe ich alles.
Diane Alene Oliver ist eine Schwarze Autorin, obwohl das etwas diffuse Foto auf dem Umschlag annehmen lässt, sie sei weiß. Und sie ist sehr jung gestorben, ist als 23-Jährige mit dem Motorrad verunglückt. Zu Lebzeiten wurde sie durch ihre Short Stories kaum bekannt, denn dieses Genre ist ohnehin ein schwieriges, um bekannt zu werden. Noch dazu wurden Schwarze Autorinnen kaum beachtet. Erst nach dem Tod der jungen Frau wurde sie zuerst viel gelesen, geriet aber dann in Vergessenheit.
Jetzt ist man auf ihre Texte wieder aufmerksam geworden und hat ihnen zu neuem Leben verholfen. Zum Glück für uns Leser!

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Lenins Freundin Anouk

Das Philosophenschiff von Michael Köhlmeier

Frau Prof. Anouk Perleman-Jacob mit ihren hundert Jahren sieht deutlich das Ende ihres Lebens vor sich und möchte davor noch von ihren jungen Jahren erzählen. Diesen Wunsch kennen bestimmt viele betagte Menschen, doch sie wünscht sich als Zuhörer und Biographen einen renommierten Autor wie Michael Köhlmeier.

Sie hat viel zu berichten, war doch Lenin für ein paar Tage ihr Freund. Wie das gekommen ist in den Wirren der damaligen Zeit ist äußerst interessant und kunstvoll aufbereitet. Doch nicht allein das Erzählen nahm mich gefangen, es war auch die Philosophie, die Köhlmeier wie in vielen seiner Werke einzuflechten versteht, ist das doch eine seiner Stärken und trägt wesentlich zum Verständnis bei.
Als eine, die fast alle Werke von ihm gelesen hat, darf ich behaupten, dass ich selten einen seiner Romane so genossen habe. Da ich Wien einigermaßen gut kenne, konnte ich ihn auf seinen Wanderungen durch die Stadt begleiten. Hietzing, heute eher ein Nobelviertel, beheimatet auf seinem wunderschönen Friedhof etliche Berühmtheiten wie Gustav Klimt, Otto Wagner oder Franz Grillparzer. Ein wenig gewundert hat es mich schon, dass er zum Nachdenken offensichtlich nie durchspaziert ist.
Mir ist aufgefallen, dass manche Buchstaben in den Titeln ein wenig anders gedruckt wurden, auch wenn das T bei genauerer Betrachtung schwer zu erkennen ist. Solche Kleinigkeiten heben ein Buch von anderen ab.
Das Cover ist geschichtlich sehr gut angepasst, verrät aber nichts über den Inhalt. Ein weiterer Pluspunkt ist das historische Wissen, das beim Lesen beträchtlich erweitert und verständlich aufbereitet wird.
Ich empfehle das Buch jedem, der an der Geschichte des vorigen Jahrhunderts, insbesondere der russischen, aber auch an den menschlichen Facetten der damaligen Herrscher interessiert ist.

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Im Sprachtaumel

Die sieben Monde des Maali Almeida von Shehan Karunatilaka

Vom Bürgerkrieg in Sri Lanka habe ich schon etliche Tatsachen und Gerüchte gehört und gelesen. In „Die sieben Monde des Maali Almeida“ wird das Geschehen von einer ganz anderen Seite beleuchtet und ist wohl authentisch. Doch geht es hier nicht nur um harte Tatsachen, sondern auch eine höhere Ebene wird bemüht, nämlich die der Geister.

Trotz der Brutalitäten während dieses Krieges spart Autor Shehan Karunatilaka nicht mit Humor.
Die Farben auf dem Cover finden sich auch in der Erzählweise. Manchmal wie von einem Sturm herbeigeweht, dann wieder kraftvoll aus der Tradition geschöpft, nicht zu vergessen mit Sex and Crime, so reiht sich Episode an Episode.
Zugegeben, es war nicht leicht, in die Handlung hineinzufinden. Doch schon bald hat mich mit sprachlicher Opulenz und unerwarteten Wendungen ein Strom hinweggefegt, dem ich mich gern überlassen habe. Ein Buch für alle, die sich auf eine unbekannte Welt einlassen wollen.

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Fischen in eisiger Kälte

Die Eisfischerin vom Helgasjön von Frieda Lamberti

Manchmal kommt vieles zusammen: Schwierigkeiten in der Partnerschaft, im Beruf, auch in Sachen Gesundheit. Dennoch gibt Rieke nicht auf und sucht andere Wege als die vorgesehenen. Das scheint mit Hilfe von Freundin und Mutter auch zu klappen. Doch weit gefehlt, wenn die Leserin und der Leser nun glauben, dass jetzt alles in ruhigen Bahnen verlaufen darf.

Der Missverständnisse und Fehlinterpretationen gibt es viele, böse Worte fallen noch und noch. Schön, dass dennoch die Richtigen zusammenfinden dürfen und es ein Happy End wird.
Ich habe mitgefroren, wenn Rieke im Winter in Schweden war. Dabei fiel mir ein, wie wohltuend sich diese Kälte im Sommer beim Lesen einstellen könnte. Es war ein angenehmes Lesen, und ich habe sofort ins Buch gefunden. Die Wendungen in der Handlung waren durchaus nicht vorauszusehen, und die Spannung blieb bis zum Schluss erhalten.
Obwohl Rieke eigentlich mehr zugesehen als selbst gefischt hat, ist der Titel dennoch stimmig. Das zarte Bild auf dem Cover finde ich hingegen sehr passend und habe mir zwischendurch gewünscht, am Ort des Geschehens zu sein. Ich empfehle den Roman allen, die Skandinavien mögen.

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Trennungen mit zweiter Chance

Between Us - Die große Liebe kennt viele Geheimnisse von Mhairi McFarlane

In Mhairi McFarlanes neuem Roman wackeln die Liebesbeziehungen ganz schön auf ihren Sockeln. Außer einem heiratswilligen Paar scheint kein anderes innerhalb der kleinen Freundschaftsclique „Brian Club“ auf festen Füßen zu stehen. Es wirken aber auch gar zu viele Turbulenzen und Änderungen mit, bei denen scheint’s stets die Frauen den Kürzeren ziehen.

Trennungen und zweite Chancen könnten zur Verbesserung beitragen, aber dann kommen neue Enttäuschungen.
Die Figuren sind deutlich gezeichnet, farbig gestaltet und wirken authentisch. Ich bin ein Fan der Autorin und habe frühere Werke mit Begeisterung gelesen. Diesmal fand ich nur schwer in den Roman. Eine kleine Personenaufstellung wäre nützlich gewesen, denn der Freundeskreis und die verwandtschaftlichen Beziehungen sind zu Anfang verwirrend und recht umfangreich. Mehrere Passagen und Diskussionen sind zudem recht in die Länge gezogen.
Anderes war mir unklar: Was bedeutet Doshi-Hochzeit? Und was das J am Ende einer WhatsApp? Und bei der Übersetzung schien mir diesmal, dass einzelne Stellen besser ausgedrückt werden könnten.
Das Cover zeigt deutlich, dass Roisin und Joe sich zwar auseinandergelebt haben, sich aber noch nicht aus den Augen lassen können. Die zweite Chance ist immer noch vorhanden.
Nochmals: Es gibt bessere Romane von Mhairi McFarlane, und ihre nächsten werde ich bestimmt mit mehr Freude lesen.

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Mal was anderes

Heartbreak von Tarkan Bagci

Zuerst dachte ich an die grelle Welt in Hollywood, als ich das Cover sah. Den unteren Bildrand ziert eine Landschaft im Süden. Das ganze Bild gibt noch nichts preis über den Inhalt. Vielleicht ist es gut so, ein Blickfang auf dem Büchertisch jedoch allemal.
Maria und Tom begegnen sich in einem toskanischen Hotel, nachdem beide eine schwere Enttäuschung hinter sich haben, Ungerechtigkeiten ertragen mussten und am Ende waren.

Da ist der Süden eine gute Lösung. Mehr vom Inhalt will ich an dieser Stelle aber nicht verraten.
In abwechselnden Abschnitten tastet sich der Autor an die beiden Hauptprotagonisten, bis sie sich in Kapitel 10 erstmals über den Weg laufen. Doch der Leseanfang gestaltete sich für mich recht zäh. Ich habe lange nicht mit wirklicher Freude gelesen, doch dieses Durchkämpfen hat sich schließlich gelohnt. Die Spannung kam und blieb, die unerwarteten Wendungen machten Lust auf mehr. Viel Tiefgang habe ich nicht gefunden, doch der Humor kommt nicht zu kurz.
Von Tarkan Bagci wusste ich bisher nichts. Wenn mir wieder einmal etwas von ihm unterkommt, werde ich mich möglicherweise damit befassen.

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Hart erkämpfte Freiheit

Die weite Wildnis von Lauren Groff

Ein Mädchen flieht durch die Wildnis vor ihren Verfolgern. Es ist Winter, Nordamerika, 17. Jahrhundert, und als Dienstmagd hat sie die englischen Aussiedler begleitet. Wovor sie flieht und was alles ihr bereits geschehen ist, erfährt die Leserin erst nach und nach in Rückblenden, die sie entsetzen.

Also … ich war ja schon von Lauren Groffs „Matrix“ hellauf begeistert, und auch ihr vorliegender Roman „Die weite Wildnis“ ist ihr sehr gut gelungen, kann es aber meiner Meinung nach nicht mit „Matrix“ aufnehmen. Aus der Distanz betrachtet könnte man dem zustimmen. Es geschieht eigentlich nicht viel, es ist einfach die Beschreibung der Flucht einer jungen Frau, beginnend im eisig kalten Winter, ohne Nahrung und warmer Kleidung.
Dennoch: Die plastische Schilderung geht nahe, man fiebert mit, wenn die Lage gefährlich wird, wenn die junge Frau (denn zu der wurde sie schon als Kind gemacht) fast erfriert, dem Tod nahe, körperlich stark eingeschränkt und krank ist. Wie in „Matrix“ erweist sich die Protagonistin als sehr stark und zäh.
Groff versteht es, Spannung aufzubauen und zu halten. Dabei ist ihr Sprachstil unspektakulär und ruhig, an vielen Stellen der damaligen Zeit angepasst. Sie hat sich wohl auch viel mit Pflanzen und ihren Wirkungen befasst, auch mit den vielen Möglichkeiten, welche die Natur bietet. Die erklärenden Rückblenden mit den Ungeheuerlichkeiten der Vergangenheit steigern sich, bis der Grund dieser Flucht sich auftut.
Das Buch empfehle ich jedem, der sich beim Lesen gern in die Vergangenheit begibt und dort immer neue Seiten aufblättern will.

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Freundschaft, Verlust, Trauer

Am Tag des Weltuntergangs verschlang der Wolf die Sonne von Scherzant Sina

Katha(rina) wird schon früh mit Eigenverantwortung und dem Managen ihres Lebens konfrontiert: die Eltern geschieden, die alleinerziehende Mutter oft überfordert, die jüngere Schwester boshaft, quengelig und doch zu Katha aufschauend. Diese sieht sich als Lebenshandwerkerin zwischen den Fronten mit der Idealvorstellung, irgendwann einmal zur Mitarbeiterin des Monats gekürt zu werden.

Doch eigentlich braucht die 14jährige selbst Hilfe und Beratung. Diese findet sie auch in der Mutter einer Freundin und empfängt einige wichtige Richtungsweisungen.
Dann schlägt eine Lebensveränderung zu, die Katha große Angst macht: Der Weltuntergang stürzt auf sie ein, und der Wolf verschlingt sinnbildlich diese eine, für sie leuchtende Sonne.
Ja sicher, eine handfeste Metapher, aber solche Metaphern gibt es haufenweise im vorliegenden Roman, ohne dass sie jemals langweilen. Damit gelingt es der Autorin Sina Scherzant, ihren eigenen Stil zu kreieren.
Doch, einige Passagen fand ich zu weitschweifig und ausufernd. Auch was die Stellen bedeuten, die mit „O.“ übertitelt sind, habe ich nicht ganz verstanden. Doch insgesamt finde ich, dass dieses Buch sehr nahegehend das Portrait einer Jugendlichen beschreibt. Das Badezimmer als Oase mit fliegendem Teppich zum Fortträumen, die Bewältigungsstrategien der beiden Schwestern, und wie der eigenen, sehr individuellen Trauer auf den Grund gegangen wird, das hat mir sehr gefallen.
Ich empfehle diesen Roman all jenen, die noch nicht vergessen haben, wie ihre Empfindungen als Vierzehnjährige waren. Ein großartiges Erstlingswerk!

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